
Unmittelbar am Folgetag nach der Rücktrittserklärung des Linken-Co-Vorsitzenden Jan van Aken meldete sich der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano zu Wort und erklärte auf der Bundestagswebseite seine Kandidatur. Als politisch vorrangiges Ziel formulierte Pantisano, den Fokus auf die “Hoffnung gegen Rechts [zu] organisieren”.
Jan van Aken, neben Ines Schwerdtner Co-Vorsitzender der Linken, hatte am Mittwoch angekündigt, auf dem kommenden Bundesparteitag im Juni nicht erneut als Parteivorsitzender antreten zu wollen. Der Schritt erfolge laut X-Beitrag aus Rücksicht auf gesundheitliche Gründe.
Ich werde auf dem Bundesparteitag der Linken nicht wieder als Parteivorsitzender antreten. Aus gesundheitlichen Gründen muss ich mein Amt im Juni niederlegen. pic.twitter.com/yEDg6jtaSD
— Jan van Aken (@jan_vanaken) April 15, 2026
Am Folgetag erklärte Luigi Pantisano, seit 2022 stellvertretender Landessprecher der Linken in Baden-Württemberg sowie von 2022 bis 2024 Mitglied im Parteivorstand, dass er sich auf dem kommenden Parteitag in Potsdam um die Position des Co-Vorsitzenden bewerben werde. Wörtlich heißt es dazu:
“Liebe Genoss*innen, ich gehe diesen Schritt in großer Demut. Die Linke hat sich mit Jan und Ines erneuert und stabilisiert. Die Linke war das Comeback des Jahres bei der Bundestagswahl. Mehr als 70.000 neue Genoss*innen sind dazugestoßen. Gemeinsam haben wir uns vorgenommen, die Linke zur organisierenden Klassenpartei zu machen.”
Laut Ergebnissen von Meinungsforschungsinstituten erreicht die Partei aktuell 10 bis 11 Prozent Zustimmung bei den Bürgern. Pantisano erklärt weiter zu seinen Wahrnehmungen und Absichten:
“Mit dem Ziel, die zurückzugewinnen, die zurecht wütend und enttäuscht von der Politik sind. Mit einer Kampfansage an die abgehobene Politik und ihre reichen Freunde haben wir unsere Identität als Partei der arbeitenden Klasse wiederhergestellt. Hier möchte ich anschließen und den nächsten Schritt gehen.”
Der 47-jährige Pantisano ist aktuell stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag und vertritt als Abgeordneter die Region Stuttgart und Konstanz. Der Politiker hat italienische Wurzeln und “wäre der erste Linken-Vorsitzende mit Migrationsgeschichte”, wie der Spiegel anmerkt.
Der Bruder des Linken-Politikers, Alfonso Pantisano, ist laut Senatsinformation “Ansprechperson der Landesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt (Ansprechperson Queeres Berlin)” und damit seit Juli 2023 der erste offizielle Queerbeauftragte der Hauptstadt.
Zu seinen politischen Zielsetzungen erklärte der Linken-Kandidat:
“Immer mehr Menschen wenden sich von den etablierten Parteien und Politiker*innen ab, weil sie sich von ihnen vergessen, verlassen und nicht repräsentiert fühlen […] Neben Angst und Trauer führen die Kriege auch zu mehr Kosten: Lebensmittel, Sprit und Strom, alles wird teurer. Die AfD greift die Wut und Hoffnungslosigkeit vieler Menschen auf, schürt sie weiter und nutzt sie für rechte Hetze. Die anderen Parteien eifern ihr nach. Die Linke dagegen organisiert Solidarität und Zusammenhalt.”
Laut Medienberichten zeigte sich die aktuelle Co-Vorsitzende der Partei nach Bekanntwerden der Kandidatur zufrieden mit dem möglichen Nachfolger van Akens:
“Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Partei, im Bundestag und in der Kommunalpolitik bringt er wichtige Fähigkeiten mit, um die Partei weiter gut aufzustellen.”
Die Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek schließt demnach eine eigene Kandidatur für den Parteivorsitz aus. Im ZDF-Morgenmagazin erklärte sie wörtlich: “Ich bin ausgelastet.”
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