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USA wollen Rückstand gegenüber russischen schwimmenden Kernkraftwerken aufholen

rtnews by rtnews
08/04/2026
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Die USA sind sich der Tatsache bewusst, dass sie im Bereich der schwimmenden Kernkraftwerke hinter Russland zurückliegen, und wollen diese Situation ändern. In den USA erkennt man, dass derartige KKW Gewinne versprechen, vor allem in Südostasien. Hinzu kommt der militärische Aspekt: Ein schwimmender Kernreaktor kann eine weit von den USA entfernte Militärbasis mit Energie versorgen.

Von Andrei Restschikow

Die USA sollten die Entwicklung schwimmender Kernkraftwerke (KKW) vorantreiben, schreibt The National Interest. Dem Artikel zufolge besteht das größte Interesse an solchen Anlagen in Südostasien, da diese Region jedes Jahr von Tsunamis, Erdbeben und Überschwemmungen heimgesucht wird. Diese Katastrophen zerstören bodengestützte Stromleitungen und Kraftwerke und führen dazu, dass die Menschen für lange Zeit ohne Energieversorgung auskommen müssen. Schwimmende KKW hingegen sorgen für eine stabile Energieversorgung. Sie sind in der Lage, Krankenhäuser, Entsalzungsanlagen, Häfen und Kommunikationszentren mit Strom zu versorgen, auch wenn die stationäre Infrastruktur durch Naturkatastrophen zerstört ist.

Die Publikation weist darauf hin, dass moderne Kleinreaktoren der neuen Generation kompakt und modular aufgebaut seien und eine erhöhte Sicherheit aufwiesen. Die Installation eines solchen Reaktors auf einem Schiff werde nicht nur einen grundlegenden Wandel im Hinblick auf humanitäre Einsätze, sondern auch auf Militärmissionen mit sich bringen – er könne einen Logistik-Hub oder eine Expeditionsbasis vor Ort mit Strom versorgen. Es wird angemerkt, dass die strategischen Konkurrenten der USA – Russland und China – bereits heute schwimmende KKW einsetzen. Aus diesem Grund könne es sich Washington nicht leisten, untätig zu bleiben.

Und tatsächlich befindet sich das russische schwimmende Heizkernkraftwerk des Projekts 20870 “Akademik Lomonossow” seit 2020 in der Arktis im Einsatz – in der Stadt Pewek im Gebiet Tschukotka. Die Gesamtleistung seiner beiden Reaktoren beträgt etwa 70 Megawatt Strom. Es trat an die Stelle des Kernkraftwerks Bilibino, dessen Betriebsdauer im Dezember letzten Jahres abgelaufen war. Im Januar 2025 überschritt “Akademik Lomonossow” die Schwelle von einer Milliarde Kilowattstunden erzeugter elektrischer Energie.

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Grossi, bezeichnete Russland als Vorreiter in diesem Bereich. “Russland ist ein Pionier in innovativen Bereichen, darunter bei der Entwicklung schwimmender Kernkraftwerke – was für Entwicklungsländer von besonderem Interesse ist – sowie bei der Einführung von Nukleartechnologien in der Frachttransportbranche”, erklärte Grossi.

Im September letzten Jahres gab der russische Präsident Wladimir Putin bekannt, dass Russland zeitnah mit der Serienproduktion kleiner schwimmender Kernkraftwerke beginnen wolle.

Derzeit baut der russische Staatskonzern Rosatom vier neue modernisierte schwimmende Kraftwerksblöcke (MPEB), um den Betrieb des Bergbau- und Aufbereitungskombinats Baimskoje im Gebiet Tschukotka sicherzustellen. Die ersten beiden Blöcke sollen bis Ende 2026 vor Ort eintreffen. Zudem findet derzeit ein Übergang von den Reaktoren des Typs KLT-40S (die auf dem schwimmenden Heizkernkraftwerk “Akademik Lomonossow” installiert sind) zu den leistungsstärkeren und kompakteren Reaktoren der dritten Generation vom Typ RITM-200 statt. Dank ihrer integrierten Konfiguration sind diese Reaktoren etwa halb so schwer, anderthalb Mal kompakter und 25 Megawatt leistungsstärker als ihre Vorgänger. Sie werden bereits erfolgreich auf den neuesten atomgetriebenen Eisbrechern eingesetzt.

Somit verfügt Russland über erprobte Technologien im Bereich mobiler Energiequellen. Die in Werften gebauten schwimmenden Kraftwerksblöcke können auf dem Seeweg an jeden beliebigen Ort der Weltmeere transportiert werden. Im Sommer des vergangenen Jahres wurde die Vorbereitung eines zwischenstaatlichen Abkommens zwischen Russland und Malaysia über die Lieferung von schwimmenden KKW angekündigt.

Nach Angaben des Chefs von Rosatom, Alexei Lichatschow, seien Dutzende Länder daran interessiert. Vor allem Staaten mit einer ausgedehnten Küstenlinie oder einer insularen Struktur zeigen Interesse. Indonesien hat bereits Kooperationsabkommen im Bereich schwimmender Kernkraftwerke unterzeichnet und betrachtet diese als Schlüsselelement zur Erreichung der CO₂-Neutralität bis zum Jahr 2060. Rosatom fördert seine Projekte im Rahmen des Dialogs mit der ASEAN (Association of South East Asian Nations – Verband Südostasiatischer Nationen).

Im November 2025 gab Russland bekannt, gemeinsam mit Indien Konzepte für schwimmende KKWs zu entwickeln, einschließlich Technologietransfer und Unterstützung beim Schiffbau. Auch südamerikanische Küstenstaaten mit ausgedehnten Küstenlinien stehen auf der Liste der Länder, die ihr vorläufiges Interesse an dem Projekt bekundet haben.

Die Vorteile der russischen schwimmenden KKW liegen in ihrer Mobilität, Anpassungsfähigkeit an lokale Bedürfnisse und ihrer Umweltsicherheit. Sie sind in der Lage, eine Stadt mit bis zu 100.000 Einwohnern oder mehrere Industrieanlagen mit stabiler Energie zu versorgen. Laut Experten verfügt Russland über die weltweit einzige in Betrieb befindliche Flotte solcher Anlagen und treibt die Entwicklung neuer Reaktorgenerationen aktiv voran.

Amerikanisches Geschwätz

Alexander Uwarow, Chefredakteur von atominfo.ru, sagt:

“Wenn heute von schwimmenden Kernkraftwerken die Rede ist, denken viele sofort an das russische schwimmende Heizkernkraftwerk “Akademik Lomonossow”. Der Fairness halber sollte jedoch angemerkt werden: Das erste schwimmende Kernkraftwerk der Welt stammte aus den USA. Bereits im 20. Jahrhundert haben die USA die Anlage MH-1A nahe dem Panamakanal stationiert. Und das Problem dabei war keineswegs die Küsteninfrastruktur – das Kraftwerk wäre beinahe gesunken, als es auf dem Rückweg durch die Karibik in einen Hurrikan geriet. Nach diesem Vorfall wurde das Projekt ad acta gelegt.”

Nach Ansicht von Uwarow sei diese große Aufregung um die US-Projekte nichts weiter als ein Hype bzw. eine Werbekampagne.

Der Experte betont:

“Bis heute verfügen sie über keinen funktionierenden Metallreaktor für solche Anlagen. Alles existiert nur auf dem Papier und in Pressemitteilungen. Darüber hinaus verfügen sie nicht einmal über ein Lizenzierungssystem für solche kleinen Reaktoren – dieses richtet sich ausschließlich auf riesige oberirdische Kraftwerke aus. Derzeit versuchen die Amerikaner zwar, die Rechtsgrundlagen anzupassen, doch dies ist erst der Anfang eines langen Weges.”

Uwarow erinnerte daran, dass in den USA im 21. Jahrhundert lediglich drei große Reaktoren gebaut worden seien, und zwar mit Budgetüberschreitungen und Terminverzögerungen.

Er fährt fort:

“Einst waren sie weltweit führend in der Atomenergieindustrie und Pioniere in diesem Bereich, doch dann gerieten sie in eine “Gas-Pause” und verloren eine ganze Generation von Fachkräften und Kompetenzen. Ihre Werke wurden anderen Zwecken zugeführt, und die Fachkräfte haben sich anderen Branchen zugewandt. Anstatt großartige Pläne für die Bebauung der Küste mit schwimmenden Kernkraftwerken zu entwerfen, sollten die USA daher zunächst zumindest einen modernen bodengestützten Reaktor frist- und budgetgerecht bauen. Sie sollten das wiederherstellen, was einmal vorhanden war. Und alles, was wir derzeit hören, ist nichts anderes als leeres Geschwätz. Was in ihren Pressemitteilungen zu lesen ist, ist stark übertrieben.”

Die Ankündigungen der USA, die Produktion schwimmender Kernkraftwerke voranzutreiben, seien zwar lautstark, “doch in der Praxis scheitert alles an zwei grundlegenden Problemen: der technischen Unreife und dem regulatorischen Albtraum”, fügt Boris Marzinkewitsch, Chefredakteur der Fachzeitschrift Geoenergetika.info, hinzu.

Er erläutert:

“Zunächst einmal zu den technischen Aspekten. Bislang verfügen die Amerikaner lediglich über eine im März erteilte Baugenehmigung für einen Demonstrationsblock eines Schnellreaktors im US-Bundesstaat Wyoming. Dabei handelt es sich nicht einmal um ein schwimmendes Projekt. Es geht um den Natrium-Reaktor der Firma Terra Power mit einer Leistung von 357 Megawatt. Eine solche Anlage ist zu schwer, um auf einer schwimmenden Plattform untergebracht zu werden. Selbst im günstigsten Fall wird der Referenzblock nicht vor 2030 in Betrieb genommen werden können, und danach werden noch einige Jahre für seine Erprobung benötigt. Von einer Serienfertigung schwimmender Kernkraftwerke ist also keine Rede.”

Entscheidend sei jedoch, so Marzinkewitsch, etwas anderes: In den USA gebe es keinen in Betrieb befindlichen, funktionierenden Kleinreaktor für schwimmende Kraftwerke.

Marzinkewitsch fügt hinzu:

“Alles, was in Zeitschriften geschrieben wird, ist reine Fantasie, solange die Staatsaufsichtsbehörde (Kommission für nukleare Regulierung) keine Lizenz erteilt. Man kann Filme drehen und Pressemitteilungen herausgeben, aber ohne die Genehmigung der Aufsichtsbehörde geht es keinen Schritt weiter. Und diese orientiert sich ausschließlich an Sicherheitsaspekten und nicht an schönen Worten.”

Er erläutert:

“Sollten die Amerikaner ihren kleinen Kernreaktor tatsächlich bauen, wäre die erste Frage jeder staatlichen Aufsichtsbehörde in allen Ländern der Welt: “Wie viele Betriebsstunden gibt es ohne Störfälle?”. Was sollen sie antworten? In Russland verfügen die RITM-200-Kernreaktoren, die auf den neuen Eisbrechern im Einsatz sind, über einen Betriebsstand von mehreren Zehntausend Stunden. In den USA hingegen liegt dieser Wert bei null. Ohne Referenzblöcke und gesammelte Erfahrungen ist es jedoch unmöglich, die Zuverlässigkeit nachzuweisen.”

Probleme beim Export von Nukleartechnologien

Es ist auch nicht ganz einfach, ein schwimmendes Kernkraftwerk ins Ausland zu verkaufen.

Marzinkewitsch merkt an:

“Hier erwartet die USA eine Sachgasse in rechtlicher und infrastruktureller Hinsicht. Jedes Land, das ein solches Kraftwerk erwerben möchte, muss zunächst seine gesetzlichen Bestimmungen mit den Anforderungen des Atomwaffensperrvertrags in Einklang bringen. Das erfordert unter anderem die Einrichtung einer nationalen Aufsichtsbehörde, eines Lizenzierungssystems und eines physischen Sicherheitskonzepts für die kerntechnische Anlage vom Nullpunkt an. Die Frage ist: Wer übernimmt die Gewährleistung der Sicherheit? Entweder man errichtet weltweit eigene Sicherheitskontrollen oder man trifft Vereinbarungen mit den lokalen Streitkräften – beides erfordert jedoch eine neue Runde von Abstimmungen mit der IAEA.”

Als Beispiel führte der Experte die Erfahrungen Weißrusslands an:

“Dieses Land, das bereits über eine bestehende nukleare Infrastruktur verfügt, hat mehr als vier Jahre allein dafür benötigt, seine Gesetze ‘auf Vordermann zu bringen’, Garantien zu unterzeichnen und alle Schritte vom Parlament genehmigen zu lassen.”

Marzinkewitsch sagt:

“In Bangladesch, das über ein Institut für Kernphysik und eine entsprechende Behörde verfügt, verzögerte sich der Bau um fünf Jahre aufgrund derselben regulatorischen Anforderungen. Was aber, wenn ein Land ganz am Anfang steht? Und wenn es sich zudem um eine schwimmende Kernkraftanlage handelt? Das würde Jahre und Jahre in Anspruch nehmen.”

Die Frage der Entsorgung nuklearer Abfälle

Das Hauptproblem für die Amerikaner ist jedoch die Frage der Entsorgung des abgebrannten Kernbrennstoffs.

Der Experte stellt die Frage:

“In den USA gilt seit den 1970er Jahren ein Gesetz, das diesen Brennstoff mit hoch radioaktiven Abfällen gleichsetzt. Die Einfuhr solcher Abfälle in die USA ist verboten. Auch die Wiederaufbereitung im Land ist nicht möglich – diese Technologie wurde seit Jahrzehnten nicht weiterentwickelt. Was soll der Erwerber eines schwimmenden Kernkraftwerks mit dem abgebrannten Brennstoff tun? Ja, es ist zwar möglich, ein Abfallgebäude mit einer Kapazität für 50 Jahre zu errichten, aber wie geht es danach weiter? Denn in 50 Jahren muss ein Land, das ursprünglich lediglich Strom für Kühlschränke mit Bananen beziehen wollte, die Technologie zur Wiederaufbereitung von Atommüll von Grund auf neu erlernen. Ist es dazu bereit?”

Russland hingegen, so bemerkt er, biete einen Komplettservice an. Man liefere ein schwimmendes Kernkraftwerk, und die abgebrannten Brennelemente würden zur Wiederaufbereitung abgeholt.

Der Experte meint:

“Das gehört zum Servicepaket dazu. Weltweit gibt es nur zwei Anlagen, die solchen Brennstoff tatsächlich wiederaufbereiten können: in Frankreich und in Russland. Die Briten haben ihre Anlage geschlossen. China hat zwar versucht, seine erste Anlage in Betrieb zu nehmen, konnte dies jedoch nicht realisieren – es sind zusätzliche Investitionen erforderlich.”

Derzeit verfügen die USA weder über einen Serienreaktor noch über die Erfahrung und die Rechtsgrundlage, um abgebrannten Brennstoff bei ihren Kunden abzuholen.

Marzinkewitsch fasst zusammen:

“In Russland sind bereits mehr als ein Dutzend Reaktoren auf Eisbrechern im Einsatz und einige weitere befinden sich im Bau. Das schwimmende Heizkernkraftwerk “Akademik Lomonossow” operiert erfolgreich in Pewek. Hinzu kommt die Unterstützung durch eine Armee von Juristen, die wissen, wie man die Gesetzgebung jedes Landes an ein Nuklearprojekt anpasst. Zunächst sollten die Amerikaner also wenigstens einen modernen bodengestützten Reaktor planmäßig und im Rahmen des Budgets bauen – im gesamten 21. Jahrhundert haben sie insgesamt nur drei davon, und zwar mit Kostenüberschreitungen. Erst danach sollten sie schwimmende Flotten entwerfen. Derzeit sieht es eher nach dem Versuch aus, über den eigenen Schatten zu springen, ohne über die erforderlichen Kompetenzen zu verfügen.”

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 4. April 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Mehr zum Thema – High-Tech-Neofeudalismus und Russlands Position im Energie-Wettrüsten



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Tags: aufholengegenüberKernkraftwerkenRückstandrussischenschwimmendenUSAwollen
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