
Die letzten zehn Tage der Kampfhandlungen der US-amerikanisch-israelischen Streitkräfte gegen Iran haben eine schwere regionale Krise im Nahen Osten und eine globale Energiekrise ausgelöst. Es zeichnen sich auch Probleme in den Beziehungen zwischen Washington und seinen engsten Verbündeten ab. So warf Donald Trump Großbritannien beispielsweise unzureichende Unterstützung vor und konnte die europäischen Verbündeten nicht mobilisieren. Es gibt offensichtliche Spannungen zwischen den USA und dem jüdischen Staat, dessen Angriffe auf iranische Ölanlagen die Unzufriedenheit der US-Führung hervorgerufen haben. Dies wurde öffentlich gemacht, was bedeutet, dass die vertraulichen Kanäle für den Meinungsaustausch aus irgendeinem Grund nicht funktionieren oder von einer der Seiten ignoriert werden.
Trump kann nicht einmal auf die uneingeschränkte Unterstützung seiner Landsleute zählen. Die Zeitung The New York Times schrieb:
“Die wechselnden Kriegsziele haben die US-amerikanische Gesellschaft verunsichert, während Umfragen eine weit verbreitete Unzufriedenheit mit dem Krieg unter den US-Amerikanern zeigen. Gleichzeitig führt die zunehmende Gewalt zu steigenden Ölpreisen und anderen wirtschaftlichen Schocks, die für Trump selbst zu politischen Problemen bei den Wahlen führen könnten.”
Dabei zeigt sich die US-Regierung etwas ratlos. So behauptete US-Energieminister Chris Wright:
“Wir wissen nicht, welches Regime nach Beendigung dieses Konflikts an der Macht sein wird.”
Trump sagte seinerseits, er sei “unzufrieden” mit der Wahl des Obersten Führers der Islamischen Republik Iran. All dies deutet darauf hin, dass die Ziele von Epic Fury nicht erreicht wurden, Trumps Team offenbar keinen Plan B hatte und nun nicht recht weiß, wie es weiter vorgehen soll.
Auf jeden Fall kann man sagen, dass der Einsatz auf einen Blitzkrieg und den Sturz des Regimes durch die Vernichtung der militärisch-politischen Führung gescheitert ist. In den USA selbst wird bitter gewitzelt, dass es während der US-Mission in Afghanistan zwanzig Jahre und mehrere Billionen Dollar gekostet habe, um das Taliban-Regime durch ein Taliban-Regime zu ersetzen. Trump hingegen hat Chamenei durch Chamenei ersetzt und dafür nur neun Tage gebraucht.
In Iran kam es nicht zum Zusammenbruch der Macht, sondern an die Stelle des kompromissbereiten Ali Chamenei, der sich gegen die Herstellung von Atomwaffen aussprach, traten weitaus radikalere und härtere Personen. Es genügt zu sagen, dass der neue Oberste Führer durch US-amerikanisch-israelische Bomben fast seine gesamte Familie verloren hat – seine Mutter, seinen Vater, seine Schwester und seine Frau – und daher kaum bereit sein wird, willenlos zu kapitulieren.
Dabei war es ein offensichtlicher Erfolg der Koalition, einen Großteil der iranischen Luftabwehr außer Gefecht zu setzen, was eine verstärkte Beteiligung der Luftwaffe an den Angriffen auf das Land ermöglicht. Wahrscheinlich wird zur Intensivierung dieser Angriffe eine dritte Flugzeugträger-Kampftruppe ins Kriegsgebiet entsandt. Aber können die USA und Israel ihre Ziele erreichen, wenn sie nur Fernangriffe durchführen, ohne eine Bodenoffensive zu starten und das Land zu besetzen?
Luftangriffe können einen Teil der zivilen Infrastruktur zerstören und das militärische Potenzial der Islamischen Republik Iran etwas schwächen, aber mehr auch nicht. Dabei würden sich etwaige Veränderungen der politischen Lage im Land, sofern sie erreicht werden könnten, äußerst negativ auf die USA und ihre Verbündeten auswirken.
Die iranische Gesellschaft würde sich noch mehr zusammenschließen, um die Angreifer zu bestrafen. Das heißt, ohne eine Bodenoffensive und die Errichtung von Kontrolle zumindest über einen Teil des Landes kann von einem “Neustart Irans” und einem Abbau des bestehenden Machtsystems keine Rede sein.
Wenn man über die Möglichkeiten einer Bodenoperation gegen Iran nachdenkt, kommt man nicht umhin, eine Analogie zur Operation “Iraqi Freedom” aus dem Jahr 2003 zu ziehen. Damals reichte ein 200.000 Mann starkes Kontingent aus, um das Land zu erobern, aber der Irak ist viermal kleiner als Iran und hat nur ein Drittel seiner Bevölkerung. Teheran ist in der Lage, elf Millionen Soldaten aufzustellen (eine Million Angehöriger der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran, weitere zehn Millionen Angehörige der Volksmiliz Basidsch). Nach vorsichtigen Schätzungen müssten die Invasionstruppen etwa eine Million Mann stark sein.
Dabei haben sich die Hoffnungen Washingtons und Tel Avivs auf die Bildung einer breiten Koalition unter Einbeziehung kurdischer Formationen, der Armeen der Ölmonarchien, Pakistans und Aserbaidschans nicht erfüllt. Keiner von ihnen ist bereit, sich auf einen Krieg mit unvorhersehbaren Folgen einzulassen – die einen aus Gründen des gesunden Pragmatismus, die anderen unter dem Druck dritter Länder.
Als Alternative zu einer groß angelegten Bodenoffensive, für die derzeit keine Kräfte zur Verfügung stehen, erwägt Washington eine begrenzte Variante unter Einsatz von Spezialeinheiten und hochmobilen Verbänden.
Eine der diskutierten Optionen ist die Eroberung des Ölterminals auf der Insel Charg im Persischen Golf, über das bis zu 90 Prozent der Ölexporte abgewickelt werden. Man geht davon aus, dass es gelingen wird, Iran in die Knie zu zwingen, wenn man ihm seine Haupteinnahmequelle nimmt.
Allerdings hat die Luftwaffe Saddam Husseins bereits während des Iran-Irak-Krieges mehrmals die Terminals auf der Insel Charg zerstört, ohne dass dies zur Niederlage Irans geführt hätte. Außerdem würden sich die Streitkräfte, die diese 25 Kilometer vor der iranischen Küste gelegene Insel erobert haben, in einer Falle befinden – die Iraner könnten sie mit massiven Angriffen überziehen, die zu hohen Verlusten führen würden.
Es werden auch Optionen für Spezialeinheiten-Raids auf iranisches Territorium in Betracht gezogen, um Objekte zu erobern und zu zerstören, die für Bomben und Raketen unerreichbar sind. Es gibt Informationen, dass eine Reihe von Einheiten bereits in Ausgangspositionen für die Durchführung dieser Aufgaben aufgestellt sind.
Insbesondere befinden sich auf dem Luftwaffenstützpunkt Harir und dem Flughafen Erbil in Irakisch-Kurdistan das 160. Bataillon für spezielle Luftoperationen und das 75. Ranger-Regiment, die für Angriffe auf Raketen- und Nuklearzentren im Westen Irans eingesetzt werden können. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Al Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrain sowie auf Flugzeugträgern befinden sich Einheiten der US-amerikanischen Navy SEALs und israelische Marinekommandos der Einheit Schajetet 13, die für die Eroberung von Inseln, Meeresplattformen und Raketenanlagen der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) an der Küste eingesetzt werden können.
Darüber hinaus befinden sich in Jordanien auf dem Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti Einheiten der britischen SAS (Special Air Service), deren Kämpfer in jeder Richtung eingesetzt werden können. Diese Streitkräfte könnten bald durch die 82. Luftlandedivision verstärkt werden, deren Verlegung in den Nahen Osten einigen Informationen zufolge bereits begonnen hat.
Trotz der hohen Professionalität dieser Streitkräfte und ihrer hervorragenden Ausrüstung fehlt ihnen der wichtigste Faktor für den Erfolg solcher Operationen – der Überraschungseffekt. Sie werden bereits erwartet, und diese Überfälle werden mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern und viele Opfer fordern. Dabei ist davon auszugehen, dass diese Überfälle selbst im für Washington günstigsten Fall nur einen begrenzten und vor allem propagandistischen Erfolg bringen werden, ohne zur Erreichung der strategischen Ziele beizutragen.
Somit stehen die USA faktisch vor der Wahl, auf welche Weise sie ihre Aggression gegen Iran fortsetzen wollen – nur mit Raketen und Bomben oder auch mit Bodentruppen. Und ob sie überhaupt weitermachen wollen.
Es gibt insbesondere einige Anzeichen dafür, dass man sich in Washington der aktuellen Lage und der unklaren Aussichten einer Bodenoperation bewusst ist. Noch am 6. März hatte Trump die Kapitulation Irans als einzig möglichen Ausgang des Krieges bezeichnet. Und bereits am 9. März hatte US-Außenminister Marco Rubio behauptet, dass das Ziel der Operation gegen Iran darin bestehe, “die Fähigkeit dieses Regimes zum Abschuss von Raketen zu zerstören: die Raketen selbst und ihre Abschussvorrichtungen zu zerstören, die Fabriken, in denen diese Raketen hergestellt werden, zu zerstören und ihre Seestreitkräfte zu vernichten”. Es ist offensichtlich, dass die Messlatte deutlich gesenkt wurde, und das zuvor immer wiederholte Ziel, Iran die Möglichkeit zur Herstellung von Atomwaffen zu nehmen, wird überhaupt nicht mehr erwähnt. Selbst Trump selbst bezeichnet den Krieg gegen Iran nun als “praktisch beendet”.
Möglicherweise ist dies ein Zeichen dafür, dass die USA bald den Sieg über Iran verkünden und die Kampfhandlungen einstellen werden. Das wäre in der gegenwärtigen Situation die rationalste Entscheidung. Allerdings ist natürlich unwahrscheinlich, dass die US-Führung heute ausschließlich von rationalen Motiven geleitet wird – sonst hätte Washington diese Aggression gar nicht erst begonnen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 10. März 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Boris Dscherelijewski ist ein russischer Militärexperte.
Mehr zum Thema – Merz: “Solange Iran angreift, müssen USA und Israel ihre Verteidigung fortsetzen”







