{"id":99165,"date":"2026-02-20T07:30:00","date_gmt":"2026-02-20T05:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/karaganow-muessen-bereit-sein-fuer-begrenzte-nukleare-schlaege-gegen-den-westen\/"},"modified":"2026-02-20T07:30:00","modified_gmt":"2026-02-20T05:30:00","slug":"karaganow-muessen-bereit-sein-fuer-begrenzte-nukleare-schlaege-gegen-den-westen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/karaganow-muessen-bereit-sein-fuer-begrenzte-nukleare-schlaege-gegen-den-westen\/","title":{"rendered":"Karaganow: M\u00fcssen bereit sein f\u00fcr begrenzte nukleare Schl\u00e4ge gegen den Westen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2026\/02\/6996e51348fbef238c0b3c2c.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Der russische Politikwissenschaftler Sergej Karaganow analysiert, dass Westeuropa das vorsichtige milit\u00e4rische Vorgehen Russlands als Schw\u00e4che auslege. Er fordert daher, St\u00e4rke zu zeigen. Zudem fordert er, Russland m\u00fcsse sich von Westeuropa ab und Asien zuwenden. Westeuropa soll isoliert werden.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Sergei Karaganow<\/em><\/p>\n<p>Die aktuelle Phase des Krieges des Westens gegen Russland neigt sich zwar dem Ende zu, aber sie hat l\u00e4nger gedauert, als sie h\u00e4tte dauern sollen. Bisher hat Russland die Entschlossenheit gefehlt, zu einer aktiven nuklearen Abschreckung zu greifen \u2013 der einzigen Option zur L\u00f6sung des &#8220;europ\u00e4ischen Problems&#8221;, das erneut zu einer Bedrohung f\u00fcr uns geworden ist.<\/p>\n<p>Dennoch hat die milit\u00e4rische Sonderoperation in der Ukraine der Entwicklung Russlands neuen Schwung verliehen. Das Land ist erwacht. Patriotismus und Nationalstolz haben enorm zugenommen und der Wert, dem Vaterland zu dienen, hat Anerkennung gefunden. Die Menschen zeigen ihre besten Eigenschaften, w\u00e4hrend Wirtschaft und Forschung einen Aufschwung erleben. Die wichtigsten Berufe \u2013 Ingenieure, Wissenschaftler, Offiziere, Facharbeiter, Mediziner und Lehrer \u2013 werden endlich als solche wertgesch\u00e4tzt (mit Ausnahme von &#8220;Lehrern&#8221;, auf die weiter unten eingegangen wird).<\/p>\n<p>Indem wir das Augenmerk des Westens auf uns gezogen haben, konnten wir dadurch die Position der &#8220;Kompradorenbourgeoisie&#8221; und ihrer Anh\u00e4nger in der Intellektuellenszene erheblich schw\u00e4chen. Zur Erinnerung: Als &#8220;Kompradoren&#8221; bezeichneten die portugiesischen Kolonisatoren die lokalen H\u00e4ndler, die f\u00fcr sie arbeiteten. Die Reformen der 1990er Jahre haben dazu gef\u00fchrt, dass diese Schicht an Gr\u00f6\u00dfe und Einfluss gewonnen hat. Gl\u00fccklicherweise ist es gelungen, den Prozess der S\u00e4uberung Russlands von westlichem &#8220;Abschaum&#8221;, Verr\u00e4tern und Sch\u00e4dlingen durch die milit\u00e4rische Sonderoperation ohne harte Repressionen in Gang zu setzen.<\/p>\n<p>Bedauerlicherweise kostet uns diese beginnende gesellschaftliche und wirtschaftliche Genesung das Leben von Zehntausenden tapferen Soldaten. Ihnen geb\u00fchrt ewige Dankbarkeit und Erinnerung. Und wenn, oder besser gesagt, sobald diese unvollendete Schlacht erneut entflammt, d\u00fcrfen wir uns solche Opfer nicht mehr leisten.<\/p>\n<p><strong>Wohin bewegt man sich? Der externe Vektor <\/strong><\/p>\n<p>Etwas aus meinen pers\u00f6nlichen Erinnerungen: Im Jahr 2013 versuchte ich erneut (viel entschlossener und eindringlicher als zuvor), eine Gruppe europ\u00e4ischer Staats- und Regierungschefs zu warnen, dass ihre Politik, die Ukraine in die EU und die NATO zu integrieren, zu einem Krieg und Millionen von Opfern f\u00fchren w\u00fcrde. Ich erinnere mich noch genau daran, wie sie es nicht wagten, mir in die Augen zu schauen, sondern stattdessen auf den Boden starrten. Und dann plapperten sie weiter \u00fcber die Vorteile der Ausweitung des &#8220;Raums der Demokratie, des Vertrauens und der Menschenrechte&#8221;. Sie wollten weitere vierzig Millionen wei\u00dfe Sklaven bekommen (was ihnen teilweise, wenn auch in kleinerem Umfang \u2013 durch mehrere Millionen ukrainische Fl\u00fcchtlinge \u2013,\u00a0auch gelang).<\/p>\n<p>Es wurde \u00fcber die Notwendigkeit gesprochen, das damals noch loyale Russland in Schach zu halten. Bedauerlicherweise haben wir auf die Aggression der NATO in Libyen im Jahr 2011 nur zur\u00fcckhaltend reagiert. Nun zahlen wir den Preis f\u00fcr unsere langj\u00e4hrige Beschwichtigungspolitik, unsere Bem\u00fchungen, allen zu gefallen, und die &#8220;Kompradorenmentalit\u00e4t&#8221; eines Teils unserer Elite.<\/p>\n<p>Durch die Wiedereingliederung der Krim im Jahr 2014 und die Entsendung von Truppen nach Syrien im Jahr 2015 konnten wir das milit\u00e4rische Abenteuer der EU vorerst bremsen. Doch dann haben wir uns unvorsichtigerweise zur\u00fcckgelehnt. H\u00e4tten wir in den Jahren 2018\u20132020 ein Ultimatum f\u00fcr ein Ende der NATO-Erweiterung gestellt und dies mit einer verst\u00e4rkten nuklearen Abschreckung untermauert, h\u00e4tte der aktuelle Krieg vermieden werden k\u00f6nnen; oder er w\u00e4re weit weniger blutig und langwierig gewesen. Im Jahr 2022 wurde deutlich, dass der Westen und die ukrainische Junta sich intensiv auf diesen Krieg vorbereitet hatten.<\/p>\n<p>In der Ukraine, vor allem in den \u00f6stlichen und s\u00fcdlichen Regionen, leben viele Menschen, die wir als uns verwandtes Volk bezeichnen k\u00f6nnen. Der Kern der ukrainischen Bev\u00f6lkerung \u2013 haupts\u00e4chlich westlich des Dnjepr \u2013 geh\u00f6rt jedoch zu einer anderen Volksgruppe. Sie haben eine andere Geschichte, andere kulturelle Codes und eine starke antirussische Ausrichtung, die jahrelang zuerst von \u00d6sterreich-Ungarn und Polen und sp\u00e4ter von anderen westlichen L\u00e4ndern kultiviert wurde, was die Ukrainer schlie\u00dflich gegen Russland aufgehetzt hat. Wir sollten uns in sinnvoller Weise von den ukrainischen und europ\u00e4ischen Problemen distanzieren und unseren eigenen Weg einer gesunden und vern\u00fcnftigen Entwicklung einschlagen und verfolgen.<\/p>\n<p>Obwohl wir in diesem Krieg\u00a0derzeit siegreich sind, reagieren wir weiterhin zur\u00fcckhaltend auf offene Aggressionen. Dazu geh\u00f6ren die Piraten\u00fcberf\u00e4lle auf unsere Schiffe, die Drohungen, die Meerengen zu sperren, die Versuche, eine de facto-Wirtschaftsblockade zu organisieren, die Angriffe auf \u00d6lterminals und die Versuche (auf Anregung oder zumindest mit verdeckter Billigung der europ\u00e4ischen Eliten), unsere \u00d6ltanker zu torpedieren. Auf diese und \u00e4hnliche Provokationen sowie auf Angriffe auf unsere St\u00e4dte reagieren wir lediglich mit dem verst\u00e4rkten Beschuss von Zielen in der Ukraine. Doch dies wird das Problem nicht l\u00f6sen. Die Ukraine wurde absichtlich ins Feuer des Krieges geworfen, damit ihre Flammen auch uns verbrennen. Das ukrainische Volk interessiert die Europ\u00e4er gar nicht. Und dieser Krieg wird mit mehr oder weniger gro\u00dfer Intensit\u00e4t so lange weitergehen, bis die Ursache dieses und anderer Konflikte beseitigt wird \u2013 also die europ\u00e4ischen Eliten, die intellektuell, moralisch und materiell degradiert sind. In ihrem Bestreben, den unvermeidlichen Zusammenbruch des f\u00fcr sie vorteilhaften Status quo zu verhindern, sch\u00fcren sie den Krieg auf dem Kontinent, ohne zu begreifen, dass sie damit dessen Zerst\u00f6rung riskieren.<\/p>\n<p>Es ist uns noch nicht gelungen, die uns feindlich gesinnte Koalition zu zerst\u00f6ren, wie wir es in den Jahren 1812\u20131815 und 1941\u20131945 getan haben. Auch ihren Aggressionswillen konnten wir noch nicht brechen. Der Kampf ist in eine Zwischenphase eingetreten, die man im Schachjargon als Mittelspiel bezeichnet. Die vom Westen unterst\u00fctzten \u00dcberreste der Ukraine werden weiterhin f\u00fcr Instabilit\u00e4t und Terrorismus sorgen, wenn auch mit etwas geringerer Intensit\u00e4t. Auch der Wirtschaftskrieg gegen uns ist noch nicht vorbei.<\/p>\n<p>Europa bereitet sich auf eine neue Konfrontation vor und wird wahrscheinlich (nicht unbedingt unter ukrainischer Flagge) die \u00dcberreste der ukrainischen Armee, verst\u00e4rkt und neu ausger\u00fcstet, zusammen mit Landsknechten aus den \u00e4rmeren L\u00e4ndern Europas einsetzen.<\/p>\n<p>Trotz neuer Fassade wird das derzeitige kompradorische, ultranationalistische (de facto nazistische) Regime der Ukraine, das von der EU in unterschiedlicher Weise unterst\u00fctzt wird, aller Voraussicht nach weiterhin \u00fcber betr\u00e4chtliche milit\u00e4rische Kapazit\u00e4ten verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Auf provokative Handlungen und Verst\u00f6\u00dfe gegen jegliche Abkommen \u2013 die zu erwarten sind \u2013 werden wir milit\u00e4risch reagieren m\u00fcssen. Dabei ist davon auszugehen, dass gerade uns Aggression und Verst\u00f6\u00dfe gegen Friedensabkommen vorgeworfen werden. Aber in Wirklichkeit ist mit einer erneuten offenen Aggression gegen uns zu rechnen. Die meisten Sanktionen werden bestehen bleiben.<\/p>\n<p>Unsere Strategie in dieser neuen Konfrontation sollte sich jedoch grundlegend von der bisherigen unterscheiden: Den fortgesetzten R\u00fcckzug der USA aus Europa und ihren vollst\u00e4ndigen Ausstieg aus diesem Konflikt sollten wir durch entschlossene Abschreckungsma\u00dfnahmen und die Zerschlagung der derzeitigen Elite Europas (die sich an ihre schwindende Macht zu klammern versucht, indem sie Feindseligkeiten gegen\u00fcber Russland sch\u00fcrt, ihr eigenes Volk in die Irre f\u00fchrt und den Konflikt eskalieren l\u00e4sst) f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><strong>Das Nuklearargument<\/strong><\/p>\n<p>Nur wenn wir unsere tats\u00e4chliche Bereitschaft demonstrieren, (zun\u00e4chst konventionelle) Schl\u00e4ge gegen die Kommandozentralen, die kritische Infrastruktur und Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte jener europ\u00e4ischen L\u00e4nder zu f\u00fchren, die eine Schl\u00fcsselrolle bei der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung milit\u00e4rischer Operationen gegen Russland spielen, k\u00f6nnen wir die europ\u00e4ische Elite zum Nachdenken bewegen. Zu den vorrangigen Zielen sollten auch die Orte geh\u00f6ren, an denen die Eliten (einschlie\u00dflich jener der Nuklearm\u00e4chte) ans\u00e4ssig sind und ihre Aktivit\u00e4ten aus\u00fcben. Nur dies k\u00f6nnte ihre Hauptst\u00e4dte dazu veranlassen, endlich zur Vernunft zu kommen.<\/p>\n<p>Wenn konventionelle Angriffe keine Wirkung zeigen und Europa nicht zur\u00fcckweicht oder, besser gesagt, nicht kapituliert, m\u00fcssen wir in jeder Hinsicht (milit\u00e4risch und vor allem politisch und psychologisch) bereit sein, begrenzte (aber f\u00fcr die Erzielung politischer Wirkung ausreichende) Schl\u00e4ge mit strategischen Nuklearwaffen durchzuf\u00fchren. Unsere nichtstrategischen und strategischen Nuklearstreitkr\u00e4fte m\u00fcssen entsprechend ausgebaut werden. Selbstverst\u00e4ndlich sollten vor dem Einsatz der Nuklearwaffen zun\u00e4chst mehrere Salven mit operativ-taktischen Raketen in nicht-nuklearer Ausf\u00fchrung erfolgen.<\/p>\n<p>Auf lange Sicht sollte man erw\u00e4gen, Frankreich und Gro\u00dfbritannien ihres Nuklearwaffenarsenals zu entheben: Indem sie einen Krieg gegen Russland entfesseln, werden sie das moralische und politische Recht auf dessen Besitz verlieren. Die Eliten dieser L\u00e4nder sowie andere Europ\u00e4er, insbesondere die Deutschen, sollten sich bewusst sein, dass sie zu legitimen Zielen f\u00fcr Pr\u00e4ventivschl\u00e4ge werden, wenn sie sich Nuklearwaffen oder deren Ausbau ann\u00e4hern.<\/p>\n<p>Europa \u2013 mit seiner Geschichte voller Kriege, Aggressionen, V\u00f6lkermorde, Rassismus, Kolonialismus und seiner gegenw\u00e4rtigen Leugnung normaler menschlicher Moralvorstellungen, des Glaubens an Gott (und an Gott im Menschen) \u2013, das erneut einen Krieg gegen Russland anzettelt, sollte wissen: Es hat kein Recht auf solche Waffen.<\/p>\n<p>Selbst w\u00e4hrend der Regierungszeit von US-Pr\u00e4sident Joe Biden nahmen die USA die von Russland ausgehenden Signale wahr und erkannten, dass die Fortsetzung des Krieges in der Ukraine das Risiko einer nuklearen Eskalation birgt (Angriffe auf US-St\u00fctzpunkte in Europa und sogar auf die USA selbst eingeschlossen). Nun versuchen die USA, sich aus dem Konflikt zur\u00fcckzuziehen. US-Pr\u00e4sident Donald Trump bietet scheinbar friedliche L\u00f6sungen an; diese sind einen Versuch wert, um der Welt eine Chance zu geben, die durch den langen Krieg verursachten Wunden zu heilen und dem Tod unserer heldenhaften K\u00e4mpfer ein Ende zu setzen.<\/p>\n<p>Man kann zwar versuchen, eine in begrenztem Umfang wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA aufzubauen, soweit dies offensichtlich vorteilhaft und verl\u00e4sslich ist \u2013 aber ohne die Illusion, dass dies den Frieden f\u00f6rdern k\u00f6nnte. Entgegen den Mythen naiver Marxisten und ihrer intellektuellen Gesinnungsgenossen, den liberalen \u00d6konomen, spielen wirtschaftliche Interessen bei der Festlegung der nationalen Politik nur eine untergeordnete Rolle. In ernsthaften Konfrontationen, insbesondere im Krieg, treten sie zwangsl\u00e4ufig hinter geopolitische, milit\u00e4rstrategische und sogar ideologische Erw\u00e4gungen zur\u00fcck. Zumal die USA von einer anhaltenden Konfrontation in Europa wirtschaftlich profitieren: Die USA verkaufen Waffen, berauben ihre gem\u00e4steten Verb\u00fcndeten und locken ihnen Industrie-, Finanz- und Humankapital ab.<\/p>\n<p>Trumps Friedensvorschl\u00e4ge zielen nicht auf einen dauerhaften Frieden ab. Stellen wir uns einmal vor, was mein Interesse als US-Pr\u00e4sident w\u00e4re: Es liegt auf der Hand, dass ich daran interessiert w\u00e4re, einen schwelenden Konflikt aufrechtzuerhalten, der Russland schw\u00e4cht und es von seiner inneren Entwicklung und von Gro\u00df-Eurasien (insbesondere China) ablenkt. Denn die de facto bestehende Allianz zwischen Russland und China bildet bereits ein dominantes Machtzentrum in der Welt. Ich w\u00fcrde auch die noch vorhandenen prowestlichen und proeurop\u00e4ischen Tendenzen in der russischen Elite und Gesellschaft ausnutzen, um zu verhindern, dass Russland zu einem in intellektueller, geistiger und wirtschaftlicher Hinsicht souver\u00e4nen Land mit einer Schl\u00fcsselrolle auf diesem sich entwickelnden Superkontinent wird.<\/p>\n<p>Dieser Artikel dient nicht dazu, konkrete politische Ma\u00dfnahmen hinsichtlich des Konflikts mit Europa und dem Westen in der Ukraine vorzuschlagen. Ich beschr\u00e4nke mich auf Ratschl\u00e4ge, deren Umsetzung meiner Meinung nach notwendig und l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig ist. Wir k\u00f6nnen es uns nicht leisten, uns in einen endlosen Konflikt zu verstricken, der mit dem israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikt vergleichbar, aber noch schlimmer w\u00e4re. Unsere Fehler der Vergangenheit m\u00fcssen schnell korrigiert werden, und zwar durch eine drastische Verst\u00e4rkung der nuklearen Abschreckung gegen\u00fcber Europa. Seine Eliten m\u00fcssen nicht nur in Schach gehalten, sondern eingesch\u00fcchtert werden. Derzeit erwecken sie nur den Anschein, uns zu f\u00fcrchten, um ihre Milit\u00e4rmacht aufzubauen. Aber sie m\u00fcssen tats\u00e4chlich Angst vor uns haben. Wir m\u00fcssen sie in Schrecken versetzen. Sie m\u00fcssen verstehen, dass eine Eskalation oder sogar Fortsetzung des Konflikts ihre unmittelbare physische Vernichtung riskiert und dass eine milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung sinnlos ist, da sie eine zerst\u00f6rerische nukleare Reaktion nach sich ziehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Unsere bisherige Zur\u00fcckhaltung beim Einsatz von Nuklearwaffen hat sich als kontraproduktiv erwiesen und spielt denjenigen in die H\u00e4nde, die militaristische Hysterie und Russophobie sch\u00fcren und sich auf einen Krieg vorbereiten.<\/p>\n<p>Zur\u00fcckhaltung bedeutet gleichzeitig, dass wir als Gro\u00dfmacht unserer Verantwortung nicht nachkommen, eskalierende Konflikte zu verhindern, die zu einem Dritten Weltkrieg f\u00fchren k\u00f6nnten und das Ende der heutigen menschlichen Zivilisation bedeuten w\u00fcrden. Unsere Vorsicht grenzt mittlerweile an Verantwortungslosigkeit.<\/p>\n<p>Unsere Milit\u00e4rdoktrin sollte dahingehend ge\u00e4ndert werden, dass sie den Einsatz von Nuklearwaffen bereits dann vorsieht, wenn ein Krieg von einem Gegner mit gro\u00dfem wirtschaftlichem und bev\u00f6lkerungsm\u00e4\u00dfigem Potenzial ausgel\u00f6st wird. Es ist l\u00e4ngst an der Zeit \u2013 zumindest auf Expertenebene \u2013, von der in der \u00c4ra Gorbatschow-Reagan vertretenen Ansicht abzur\u00fccken, dass &#8220;es in einem Nuklearkrieg keinen Sieger geben kann&#8221;. Diese widerspricht jeglicher milit\u00e4rischen Logik und hat unter anderem zum hei\u00dfen Krieg der NATO gegen Russland gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich pl\u00e4diere ich nicht f\u00fcr einen Nuklearkrieg. Selbst wenn er siegreich w\u00e4re, w\u00e4re er eine gro\u00dfe S\u00fcnde. Aber man muss vollst\u00e4ndig darauf vorbereitet sein, um zu verhindern, dass Unt\u00e4tigkeit und Unentschlossenheit den Weg f\u00fcr ein &#8220;Verbrechen&#8221; ebnen \u2013 n\u00e4mlich die Fortsetzung der das Land und das Volk ersch\u00f6pfenden Milit\u00e4raktion, die zu einer weltweiten thermonuklearen Katastrophe eskalieren k\u00f6nnte. Es w\u00e4re nicht nur eine unverzeihliche S\u00fcnde, sondern vor allem auch ein fataler Fehler.<\/p>\n<p><strong>Echte Multipolarit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Selbst dann, wenn es uns gelingt, Europa strategisch zu besiegen, bleibt der gr\u00f6\u00dfte Teil davon weiterhin von Stagnation, Ungleichheit und sozialen Spannungen gepr\u00e4gt und wird somit in eine rechts- und linksgerichtete Form des Faschismus abgleiten. Der Zerfall der EU und der Austritt der USA werden die Europ\u00e4er wieder in ihre historische Rolle als Verursacher von Kriegen, Instabilit\u00e4t und anderen Katastrophen zur\u00fcckversetzen. Gl\u00fccklicherweise werden sie jedoch nicht mehr in der Lage sein, Kolonialismus zu betreiben, da sie in der Neuen Welt nicht mehr \u00fcber die daf\u00fcr erforderlichen Kr\u00e4fte verf\u00fcgen werden. Die Ukraine war hoffentlich ihr letzter Versuch, neues Territorium zu erobern.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, wie sich die Lage entwickelt, wird in den kommenden Jahrzehnten eine selektive Isolation von Europa unvermeidlich sein. Die Handelsbeziehungen k\u00f6nnten unter Umst\u00e4nden zwar teilweise wiederhergestellt werden, jedoch ohne die zuvor bestehenden Erwartungen. Wir sollten jedoch unter keinen Umst\u00e4nden nachgeben, was die Forderung (auch aus unserem eigenen Land) betrifft, die Diskussion \u00fcber ein europ\u00e4isches Sicherheitssystem wieder aufzunehmen. Ich wiederhole noch einmal einen unangenehmen Gedanken, den ich bereits in fr\u00fcheren Artikeln ge\u00e4u\u00dfert habe: Die anhaltende Fokussierung auf Europa ist heute ein Zeichen intellektueller Begrenztheit und sogar moralischer Unreinheit. Jedes System der Sicherheit und Entwicklung ist nur im Rahmen eines Gro\u00dfraums Eurasien vorstellbar.<\/p>\n<p>Die Situation in den USA ist schwieriger vorherzusagen. Dieses Land ist von einer Art &#8220;europ\u00e4ischer Krankheit&#8221; befallen. Gleichzeitig verf\u00fcgt es jedoch \u00fcber eine starke Widerstandsf\u00e4higkeit, die sich in der sogenannten &#8220;Make America Great Again&#8221;-Bewegung (MAGA) und in gewissem Ma\u00dfe auch in der Innenpolitik von US-Pr\u00e4sident Trump manifestiert. Die USA haben ihr Bildungs- und Wissenschaftspotenzial bewahrt, das sie zum Teil aus Europa\u00a0 abziehen. Auch wenn die USA, wie oben erw\u00e4hnt, begonnen haben, auf ihre Hegemonie zu verzichten, versuchen sie dennoch, die Regionen, aus denen sie sich zur\u00fcckziehen, zu destabilisieren, und hegen neoimperiale Ambitionen. Und diese Ambitionen werden immer deutlicher und gef\u00e4hrlicher.<\/p>\n<p>Die USA bleiben ein gef\u00e4hrlicher Gegner der Welt und Russlands. Wir d\u00fcrfen uns keinen Illusionen hingeben.<\/p>\n<p>Daher sollten wir die Politik der Abschreckung fortsetzen, gegebenenfalls auch durch die St\u00e4rkung der nuklearen Komponente. Alle Diskussionen nach weiteren Abr\u00fcstungen im Bereich der Nuklearwaffen, einschlie\u00dflich strategischer, widersprechen jeglicher Vernunft. Offenbar arbeiten die USA mit Hochdruck an der Entwicklung nationaler Raketenabwehr- und U-Boot-Abwehrsysteme. Das erkl\u00e4rt ihr Bestreben, Gr\u00f6nland zu besetzen und damit die Abschreckungsf\u00e4higkeit Russlands zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Das Hauptmotiv dieser ablehnenden Haltung gegen Nuklearwaffen ist Pazifismus, der zwar gut nachvollziehbar, jedoch kontraproduktiv ist. Auch die mit der Herstellung konventioneller Waffen verbundenen Kreise der R\u00fcstungsindustrie und ausl\u00e4ndische M\u00e4chte, die den noch bestehenden Vorsprung in den Bereichen Wissenschaft, Technik und Wirtschaft in politische Vorteile umwandeln wollen, tragen dazu bei: Denn Nuklearwaffen machen ein konventionelles Wettr\u00fcsten sinnlos und neutralisieren damit die \u00dcberlegenheit des Westens.<\/p>\n<p>Die partielle wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA w\u00e4re von Vorteil, jedoch sollte man sich auch hier keine Illusionen machen. Denn diese ehemalige Weltmacht versucht, die Stabilit\u00e4t in den Regionen zu untergraben, aus denen sie sich zur\u00fcckzieht. Sie sch\u00fcrt heimlich Spannungen rund um Taiwan, im Nahen Osten, in Zentralasien, Transkaukasien und Europa. Sie instrumentalisiert ihre wirtschaftlichen Beziehungen in einem historisch beispiellosen Ausma\u00df, um Druck auszu\u00fcben und Krieg zu f\u00fchren (selbst wenn sie von einer Waffenruhe spricht). Das Land ist daran interessiert, die Beziehungen zu Russland teilweise wiederherzustellen, jedoch nur, um damit unser B\u00fcndnis mit China zu schw\u00e4chen. Dieses Interesse sollten wir zwar nutzen, da die Diversifizierung der wirtschaftlichen Beziehungen von Vorteil ist; allerdings ist dabei gro\u00dfe Vorsicht geboten, um die Beziehungen zu Peking nicht zu beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Seit Jahren pl\u00e4dieren wir f\u00fcr Multipolarit\u00e4t. Nun scheint sie endlich eingetreten zu sein und bringt den L\u00e4ndern und ihren V\u00f6lkern mehr Souver\u00e4nit\u00e4t sowie die Freiheit, ihren eigenen Weg der ideologischen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung zu w\u00e4hlen. Allerdings gibt es auch Nachteile, wie beispielsweise die Zunahme von Konflikten, die durch den Klimawandel und die damit einhergehende Wasserknappheit, Nahrungsmittel- und Energieengp\u00e4sse sowie Migrationswellen noch versch\u00e4rft werden. Wirtschaftskriege werden zur Normalit\u00e4t. Die bestehenden Institutionen sind diesen Herausforderungen nicht gewachsen; sie sind veraltet und werden von ihren eigenen Sch\u00f6pfern zerst\u00f6rt, da ihre Existenz den dominierenden Staaten keine Vorteile mehr bringt.<\/p>\n<p>Dennoch sieht die Lage f\u00fcr die Politik Russlands in nicht-westlicher Richtung vielversprechend aus. Die Beziehungen zum mit Russland befreundeten China m\u00fcssen in allen Bereichen gest\u00e4rkt werden. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass es nicht zu einer massiven Zuwanderung von Arbeitskr\u00e4ften kommt, dass es nicht wie in den 1990er Jahren zu einer Vernachl\u00e4ssigung strategischer Industriezweige f\u00fchrt und dass die Beziehungen unter einer neuen chinesischen F\u00fchrung nicht zu einer Quelle der Anf\u00e4lligkeit und Irritation werden. Es bedarf zudem systematischer Anstrengungen, um die wachsende wirtschaftliche und demografische Kluft zwischen den L\u00e4ndern zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Eine Ann\u00e4herung an Indien, einschlie\u00dflich der kontrollierten Einwanderung von Arbeitskr\u00e4ften, ist ebenfalls erforderlich.<\/p>\n<p>Ebenso gibt es keine Alternative zu einer verst\u00e4rkten Zusammenarbeit \u2013 sowohl in wirtschaftlicher, wissenschaftlicher, kultureller als auch in menschlicher Hinsicht \u2013 mit dem demografisch und wirtschaftlich wachsenden (und im Allgemeinen moralisch ges\u00fcnderen) Teil der Menschheit: den L\u00e4ndern der sogenannten Weltmehrheit. Dies betrifft in erster Linie Asien, wobei auch Afrika bald dazukommen wird.<\/p>\n<p><strong>Der interne Vektor<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns an die neue internationale Situation anpassen. Daf\u00fcr brauchen wir jedoch eine proaktive Politik sowohl au\u00dferhalb als auch insbesondere innerhalb des Landes.<\/p>\n<p>In erster Linie bedeutet dies eine noch st\u00e4rkere Konzentration auf Bildung und, was besonders wichtig ist, auf die F\u00f6rderung von Kindern und Erwachsenen. Schulen, Universit\u00e4ten und die gesamte Medienlandschaft m\u00fcssen darauf ausgerichtet sein, Patrioten mit m\u00f6glichst gro\u00dfem kreativen Potenzial heranzubilden. Dem demografischen Defizit muss durch Ma\u00dfnahmen zur Steigerung der Geburtenrate, der Lebenserwartung und der Gesundheit begegnet werden. Gleichzeitig sollte das quantitative Defizit unserer Bev\u00f6lkerung durch ihre Qualit\u00e4t ausgeglichen werden. Wie \u00c4rzte und Soldaten sollten auch Lehrer ein gutes Gehalt garantiert bekommen. Sie sollten nat\u00fcrlich bereit sein, ihr K\u00f6nnen im Bereich der Ausbildung und Erziehung kreativer und aufgekl\u00e4rter Patrioten zu verbessern. Die k\u00fcnstliche Intelligenz sollte die menschliche Intelligenz zwar erg\u00e4nzen, aber nicht ersetzen. Wir sollten einen anderen Weg einschlagen als der Westen, der bewusst die Korruption und Verdummung seiner Bev\u00f6lkerung f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Besondere Aufmerksamkeit sollte darauf gelegt werden, die Sorge und Liebe f\u00fcr die Natur und unser Heimatland zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Wir sollten so schnell wie m\u00f6glich Wege finden, um uns vom bestehenden kapitalistischen Modell zu befreien, das Menschen und Gesellschaften entmenschlicht. Die moderne Zivilisation, einschlie\u00dflich ihrer digitalen Komponente, greift das Wesen des Menschen an und macht ihn zu einem mechanischen Anh\u00e4ngsel, das materielle G\u00fcter und unn\u00f6tige Informationen konsumiert und nicht in der Lage ist, sinnvoll zu handeln. Wenn diesem Ansatz keine gut durchdachte Strategie entgegengesetzt wird, droht er das Menschliche im Menschen und damit die gesamte Menschheit zu zerst\u00f6ren, auch ohne einen globalen thermonuklearen Krieg. Dasselbe gilt f\u00fcr den Klimawandel, wenn ihm keine proaktive Strategie der Entwicklung und Anpassung entgegenwirkt.<\/p>\n<p>Der heutige Kapitalismus, der frei von ethischen Normen ist, transformiert den Menschen in ein Beiwerk des Computers, versch\u00e4rft Ungleichheit und Klimawandel und \u2013 was am wichtigsten ist \u2013 entwertet das menschliche Leben. All dies sind Herausforderungen von h\u00f6chster Bedeutung, die erkannt und entschlossen bek\u00e4mpft werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die offensichtliche L\u00f6sung f\u00fcr uns besteht darin, unsere Denkweise und die staatliche Politik in Richtung Erhaltung und Entwicklung des Menschen zu reformieren. Dabei soll insbesondere der sozial engagierte Mensch im Vordergrund stehen, der sich f\u00fcr seine Familie, die Gesellschaft, sein Land und seinen Staat einsetzt und durch moralische, intellektuelle und k\u00f6rperliche Selbstvervollkommnung das G\u00f6ttliche in sich wiederherzustellen bestrebt ist.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen so schnell wie m\u00f6glich zu einem postkapitalistischen Entwicklungsmodell \u00fcbergehen, bei dem sich Unternehmenswelt, Unternehmer und die Wirtschaftspolitik des Staates weniger auf kurzfristige Gewinne oder gar mechanisches BIP-Wachstum konzentrieren, sondern vielmehr auf die F\u00f6rderung des Menschen als Teil der Gesellschaft. Das Ziel muss die Steigerung des Wohlstands der Familien sein, jedoch keinesfalls \u00fcberm\u00e4\u00dfiger oder gar zur Schau gestellter Konsum.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich sollten private Initiative und Unternehmertum unterst\u00fctzt werden. Im 20. Jahrhundert konnte man beobachten, wie deren Unterdr\u00fcckung dazu f\u00fchrte, dass die meisten Menschen ein karges oder sogar verarmtes Dasein f\u00fchren mussten. Aber auch als ihnen v\u00f6llige &#8220;Freiheit&#8221; gew\u00e4hrt wurde, war das Ergebnis negativ. Die Erfahrungen der 1990er Jahre sollte man dabei nicht au\u00dfer Acht lassen.<\/p>\n<p>Wir ben\u00f6tigen eine staatlich unterst\u00fctzte Ideologieplattform f\u00fcr den Menschen und die Nation. Dies wird auch unsere Botschaft an die Welt sein. Eine solche Plattform sollte sich am Gemeinwohl orientieren und sich an diejenigen richten, die bereit sind, ihren Beitrag zu leisten, und hierf\u00fcr Anerkennung erwarten. Dies bedeutet nicht, dass die gesamte Gesellschaft einbezogen werden muss. Es ist akzeptabel und sogar lobenswert, ein anst\u00e4ndiger, gesetzestreuer B\u00fcrger zu sein, jedoch sollten F\u00fchrungspositionen von aktiven Menschen mit einer klaren gesellschaftlichen Haltung besetzt werden. Anstelle des Begriffs &#8220;Ideologie&#8221; mit seinen verschiedenen Assoziationen bezeichnet man eine solche Plattform als &#8220;Russlands Traum-Idee&#8221;. Ihre Vorstellung hat eine \u00f6ffentliche Diskussion ausgel\u00f6st und dazu beigetragen, dass sich das Land und die Gesellschaft nun selbst definieren.<\/p>\n<p>Viele kommen zu \u00e4hnlichen Konzepten wie wir. Eines davon wurde von einer Gruppe von Wissenschaftlern und Denkern, haupts\u00e4chlich aus St. Petersburg, unter der Leitung von Wiktor Jefimow vorgeschlagen. Dieses Konzept wird als &#8220;\u00d6kosystem der Sch\u00f6pfung&#8221; bezeichnet. \u00c4hnlich wie unsere Plattform zielt es nicht nur darauf ab, das Leben der Menschen und die Biosph\u00e4re in unserem Heimatland zu sch\u00fctzen, sondern bietet auch ein alternatives Entwicklungsmodell \u2013 m\u00f6glicherweise das einzig sinnvolle \u2013 f\u00fcr die Mehrheit der Menschheit. Denn wenn Russland der Welt nichts zu bieten hat, kann es nicht als &#8220;Gro\u00dfrussland&#8221; bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Nun zu einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt: Es ist notwendig, den Schwerpunkt der geistigen, kulturellen, wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung Russlands nach Osten zu verlagern \u2013 n\u00e4mlich nach Sibirien. Schon heute ist dies ein gro\u00dfartiges, jedoch d\u00fcnn besiedeltes und kaum erforschtes Land unserer Zukunft. Wir haben unsere Strategie als &#8220;Sibirisierung Russlands&#8221; oder &#8220;Ostwendung 2.0&#8221; bezeichnet. Der Klimawandel verschiebt die Zone des komfortablen Lebens in eine raue, aber herrliche Umgebung. Eine neue russische Verkehrsstrategie, die wir gemeinsam mit anderen ausarbeiten, soll zur &#8220;Sibirisierung&#8221; beitragen. Einer ihrer Grunds\u00e4tze lautet: Nicht die Menschen folgen den Wegen, sondern die Wege f\u00fchren die Menschen. Besonderes Augenmerk wird auf die Nord-S\u00fcd-Verkehrswege gelegt, die die Nordostpassage mit dem schnell wachsenden Asien (und dar\u00fcber hinaus mit Afrika) verbinden und die Entwicklung entlang dieser Strecke f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Sibirien und das asiatische Russland erfordern eine neue, auf den Menschen ausgerichtete Urbanisierungspolitik. Diese soll das Bev\u00f6lkerungswachstum beschleunigen, indem niedrig gebaute, \u00fcberwiegend aus Holz errichtete St\u00e4dte und Vororte entstehen (die f\u00fcr Familien und kreatives Leben besser geeignet sind), die sich um gro\u00dfe Wissenschafts-, Kultur- und Industriezentren sowie entlang bestehender Verkehrswege gruppieren.<\/p>\n<p>Dabei kann die milit\u00e4rische Sonderoperation in der Ukraine zus\u00e4tzliche Bedingungen und Anreize f\u00fcr die dringend notwendige &#8220;Sibirisierung&#8221; schaffen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist es notwendig, einen Teil des zerst\u00f6rten Wohnungsbestands wiederaufzubauen und normale Lebensbedingungen in den befreiten oder frontnahen Gebieten zu schaffen. Der Westen bietet jedoch keine Zukunftsperspektive, da von dort noch viele Jahre lang Instabilit\u00e4t und verschiedene Bedrohungen ausgehen werden. Aus diesem Grund sollte ein besonderer Schwerpunkt darauf gelegt werden, einen Teil der Menschen aus den betroffenen Gebieten und Veteranen der milit\u00e4rischen Sonderoperation in neue St\u00e4dte \u00f6stlich des Urals anzuziehen, wo das Leben noch komfortabler sein sollte als in Zentralrussland. Die Neubildung der F\u00fchrungsschicht ist jetzt noch dringlicher als sonst, ebenso wie Megaprojekte zum Bau der Verkehrswege und St\u00e4dte der Zukunft.<\/p>\n<p>Die neue Transportstrategie f\u00fcr das asiatische Russland, einschlie\u00dflich der m\u00f6glichen Schaffung einer Luftschiff-Flotte, der Neuerschlie\u00dfung der gro\u00dfen sibirischen Fl\u00fcsse und des Baus von Flachbauten und Vororten der Zukunft, mag derzeit noch unrealistisch erscheinen. Doch f\u00fcr ein Volk, dessen Vorfahren im 16. und 17. Jahrhundert nur 60 bis 70 Jahre ben\u00f6tigten, um vom Ural nach Kamtschatka zu gelangen, innerhalb von 25 Jahren (1891\u20131916) die Transsibirische Eisenbahn gebaut und den Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg gewonnen haben, ist fast alles m\u00f6glich. Sibirien verf\u00fcgt \u00fcber das beste Humankapital Russlands, das jedoch vervielfacht werden sollte. Dies ist eine Frage der richtigen, zukunftsorientierten Zielsetzung und des politischen Willens. Daf\u00fcr gibt es in der russischen Geschichte unz\u00e4hlige Beispiele, die in den letzten f\u00fcnfzig Jahren jedoch in Vergessenheit geraten sind. Aber der russische Geist beginnt wieder aufzuleben. Seine weitere Entwicklung h\u00e4ngt von der &#8220;Sibirisierung&#8221;, der Entwicklung einer neuen postkapitalistischen Wirtschaftsform, einem ideologischen und geistigen Aufschwung, dem Bau neuer Verkehrswege und der Schaffung familienfreundlicher St\u00e4dte und Vororte ab.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem Englischen. <\/em><em>Der Artikel ist am 16. Februar 2026 zuerst auf der Homepage von &#8220;Russia in Global Affairs&#8221; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Professor Sergei Karaganow<\/em><\/strong><em> ist Ehrenvorsitzender des Russischen Rates f\u00fcr Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik und akademischer Leiter der Fakult\u00e4t f\u00fcr Internationale Wirtschaft und Au\u00dfenpolitik der Higher School of Economics (HSE) in Moskau.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/international\/262012-karaganow-es-wird-kein-deutschland\/\">Karaganow: &#8220;Es wird kein Deutschland mehr geben!&#8221;<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v726l2g\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/270571-mittelspiel-und-strategie-fuer-uebermorgen\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der russische Politikwissenschaftler Sergej Karaganow analysiert, dass Westeuropa das vorsichtige milit\u00e4rische Vorgehen Russlands als Schw\u00e4che auslege. 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