{"id":9482,"date":"2022-06-01T17:04:11","date_gmt":"2022-06-01T15:04:11","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/hunger-games-wie-die-bauern-der-welt-zu-kollateralen-opfern-von-sanktionen-gegen-russland-wurden\/"},"modified":"2022-06-01T17:04:11","modified_gmt":"2022-06-01T15:04:11","slug":"hunger-games-wie-die-bauern-der-welt-zu-kollateralen-opfern-von-sanktionen-gegen-russland-wurden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/hunger-games-wie-die-bauern-der-welt-zu-kollateralen-opfern-von-sanktionen-gegen-russland-wurden\/","title":{"rendered":"Hunger Games: Wie die Bauern der Welt zu kollateralen Opfern von Sanktionen gegen Russland wurden"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/06\/6296407cb480cc6c304b3a43.jpeg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Die Preise f\u00fcr D\u00fcngemittel waren bereits im Begriff in die H\u00f6he zu schie\u00dfen, als sie dann, inmitten der Sanktionen wegen des Konflikts in der Ukraine, begannen steil anzusteigen. Aber selbst wenn man alle Sanktionen sofort aufheben w\u00fcrde \u2013 w\u00e4re das noch rechtzeitig, um die Lage zu entsch\u00e4rfen?\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Ein Bericht von Anastasia Safronowa<\/em><\/p>\n<p>Die Eile bei der Verh\u00e4ngung von Sanktionen gegen Russland nach Beginn der Milit\u00e4roperation in der Ukraine, und der Abzug zahlreicher Unternehmen aus dem Land erfolgten mit einem bestimmten Kalk\u00fcl: Die russische Wirtschaft zu zerst\u00f6ren, oder \u2013 wie es die deutsche Au\u00dfenministerin, Annalena Baerbock, formulierte\u00a0\u2013 zu ruinieren. Doch in einer globalisierten Welt, in der alles miteinander verbunden ist, hat jede Handlung Konsequenzen.<\/p>\n<p>Russland ist einer der weltweit f\u00fchrenden Exporteure von D\u00fcngemitteln. Nach Angaben des US-amerikanischen Instituts f\u00fcr D\u00fcngemittel, sind <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.icis.com\/explore\/resources\/news\/2022\/03\/02\/10739517\/us-the-fertilizer-institute-expresses-concerns-over-russia-ukraine-conflict\/\">die Anteile Russlands<\/a>\u00a0am weltweiten Exportmarkt 23 Prozent bei Ammoniak, 14 Prozent bei Harnstoff und 21 Prozent bei Kali, sowie 10 Prozent bei den Exporten von verarbeitetem Phosphat.<\/p>\n<p>Der Preisindex f\u00fcr D\u00fcngemittel der Weltbank stieg im ersten Quartal 2022 um fast 10 Prozent auf ein nominales Allzeithoch. Dieser Anstieg folgt\u00a0auf den Anstieg von 80 Prozent im letzten Jahr. Prognosen zufolge werden die Preise in diesem Jahr um fast 70 Prozent steigen, bevor sie \u2013 vermutlich \u2013 in zw\u00f6lf Monaten wieder fallen werden.<\/p>\n<p><strong>Die Preise steigen h\u00f6her denn je<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>Im April <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/press\/press-releases\/2022\/04\/08\/eu-adopts-fifth-round-of-sanctions-against-russia-over-its-military-aggression-against-ukraine\/\">verabschiedete<\/a> die EU ein weiteres Sanktionspaket gegen Moskau, das ein Verbot der Einfuhr von D\u00fcngemitteln beinhaltete \u2013 au\u00dferdem wurden unter russischer Flagge registrierte Schiffe aus EU-H\u00e4fen verbannt. &#8220;Ausnahmen werden f\u00fcr Agrar- und Lebensmittelprodukte, humanit\u00e4re Hilfe und Energie gew\u00e4hrt&#8221;, gab Br\u00fcssel bekannt.<\/p>\n<p>Bereits im M\u00e4rz <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rbc.ru\/politics\/02\/03\/2022\/621f43969a79476f3a564929\">sanktionierte<\/a> die EU mit Wei\u00dfrussland einen weiteren wichtigen Exporteur von D\u00fcngemittel, wegen seiner Rolle im Ukraine-Konflikt. Kali, einer der wichtigsten Sektoren im Au\u00dfenhandel des Landes, stand bereits seit 2021 unter Sanktionen,\u00a0nachdem die EU beschlossen hatte, Wei\u00dfrussland wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen und der k\u00fcnstlichen Schaffung einer Fl\u00fcchtlingskrise an der EU-Au\u00dfengrenze zu bestrafen \u2013 Vorw\u00fcrfe, die Minsk stets bestritten hat.\u00a0<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu den Lieferunterbrechungen haben seit Beginn des Ukraine-Konflikts mehrere gro\u00dfe Reedereien, darunter die weltweit gr\u00f6\u00dften Betreiber von Containerschiffen \u2013 A.P. Moller-Maersk A\/S und Mediterranean Shipping Co. \u2013, ihre Dienste\u00a0in Richtung der russischen H\u00e4fen eingestellt. Als Reaktion darauf riet das russische Ministerium f\u00fcr Industrie und Handel den russischen Herstellern von D\u00fcngemitteln, die Exporte einzustellen, und berief sich dabei auf eine &#8220;Sabotage der Lieferketten&#8221; seitens der EU.<\/p>\n<p>All dies hat die Preise f\u00fcr D\u00fcngemittel ernsthaft beeinflusst. Dr. Brian Baker, Pr\u00e4sident der Internationalen Vereinigung der Bewegungen f\u00fcr \u00f6kologischen Landbau (IFOAM) in Nordamerika, erl\u00e4uterte gegen\u00fcber <em>RT DE<\/em> den Marktmechanismus:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Die geringere Anzahl von Anbietern in der Branche verlieh ihnen mehr Marktmacht, um die Preise festzulegen. Weniger Produktionsst\u00e4tten, die weiter entfernt von den Anbaufeldern liegen, auf denen D\u00fcngemittel ausgebracht werden, machten den Markt f\u00fcr D\u00fcngemittel anf\u00e4lliger f\u00fcr Unterbrechungen in den Lieferketten. Die COVID-19-Pandemie hatte bereits vor dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zu erheblichen St\u00f6rungen dieser Lieferkette gef\u00fchrt.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Direktorin des ungarischen Forschungsinstituts f\u00fcr \u00d6kologischen Landbau, Dr. Dora Drexler, stellte ebenfalls fest, dass &#8220;der Ukraine-Konflikt, die Preise f\u00fcr Minerald\u00fcnger mehr denn je in die H\u00f6he getrieben hat.&#8221;\u00a0Sie erkl\u00e4rte:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;\u200b\u200bVor zwei Jahren, als die Pandemie begann, wurde allen pl\u00f6tzlich klar, dass die Nachhaltigkeit lokaler Ern\u00e4hrungssysteme sehr wichtig ist, weil dies auch mit unserer Gesundheit zusammenh\u00e4ngt. Jetzt unterstreicht die neue Krise einmal mehr die Bedeutung lokaler Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t und die Risiken der Abh\u00e4ngigkeit von globalen Wertsch\u00f6pfungsketten. Der Konflikt selbst hat gezeigt, dass die Art und Weise, wie der Export von D\u00fcngemitteln und Getreide zwischen den Kontinenten abl\u00e4uft, nicht nachhaltig ist.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Dr. Baker vom IFOAM\u00a0\u00e4u\u00dferte gegen\u00fcber <em>RT DE<\/em>, dass die Landwirte sich\u00a0aktuell darum bem\u00fchten Anpassungen vornehmen, um mit der Situation fertig zu werden:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em> &#8220;Landwirte, die sich auf kurzfristige Strategien f\u00fcr das Management der Ergiebigkeit, unter Verwendung l\u00f6slicher synthetischer Quellen verlassen, sind in einer schlechteren Position als diejenigen, die relativ unl\u00f6sliche organische Quellen und biologische Prozesse verwenden. Es ist zu erwarten, dass Ernten zur\u00fcckgehen, aber nicht \u00fcberall, und die Produzenten arbeiten hart daran, ihre Verluste zu vermindern. Bei schweren Futterpflanzen, wie Mais und Kartoffeln, ist mit den gr\u00f6\u00dften Ertragseinbu\u00dfen zu rechnen.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ein anderer Experte, Professor Aleksandar D\u017eiki\u0107 vom International Business College im serbischen Mitrovica, ist der Meinung, dass die Probleme gerade erst begonnen haben:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Auf dem Markt ist bereits zu sp\u00fcren, dass die Preise einiger Grundprodukte gestiegen sind. Aber das ist erst der Anfang, denn die Ukraine und Russland sind sehr gro\u00dfe Produzenten nicht nur von Lebensmittel, sondern auch von D\u00fcngemitteln und Brennstoffen. Also werden die Preise f\u00fcr D\u00fcngemittel sowie die Preise f\u00fcr Diesel rapide steigen. Diese beiden Faktoren werden den Markt in ganz Europa sehr stark beeinflussen, vielleicht in einigen L\u00e4ndern weniger, in anderen mehr. Serbien ist traditionell ein Agrarland, das kann also auch uns betreffen.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Belgrad, ein enger Verb\u00fcndeter Moskaus, habe beschlossen, sich nicht an den Sanktionen zu beteiligen \u2013 und sei dadurch von der EU extrem unter Druck geraten, verriet der serbische Pr\u00e4sident Aleksandar Vu\u010di\u0107. Professor D\u017eiki\u0107 selbst lehnt Sanktionen gegen Russland ebenfalls ab:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em> &#8220;Die Menschen wollen ihre Arbeit machen, sie wollen so produzieren, wie sie es gewohnt sind, sie wollen einen Markt und sie wollen auch nach Russland exportieren. Das ist also die eine Seite der Geschichte. Aber die andere Seite ist, dass die westliche Welt unsere Regierung dazu dr\u00e4ngt, sich ihrer Politik anzuschlie\u00dfen. Serbien ist aber das letzte Land der Welt, das Sanktionen gegen irgendjemanden verh\u00e4ngen w\u00fcrde. Denn wir haben in den 1990er Jahren gelitten, wir haben viel gelitten. Wir wissen genau, wie gew\u00f6hnliche Menschen unter Sanktionen leiden. Daher denke ich, dass die Kr\u00e4fte, die unserer Regierung eine solche Entscheidung aufzwingen wollen, nicht ehrlich sind, weil es dieselben Kr\u00e4fte sind, die uns in den 90er Jahren mit Sanktionen belegt haben.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Negative Auswirkungen auf die Welt<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>Inmitten der Sanktionswellen gegen Moskau stellte Washington eine Ausnahmeregelung f\u00fcr russische D\u00fcngemittel auf. Laut einem vom US-Finanzministerium im M\u00e4rz ver\u00f6ffentlichten <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/home.treasury.gov\/system\/files\/126\/russia_gl6a.pdf\">Dokument<\/a> sind Gesch\u00e4fte mit D\u00fcngemitteln erlaubt. Im <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.usatoday.com\/story\/money\/economy\/2022\/03\/11\/us-sanctions-russia-biden-order\/7000099001\/\">Jahr 2021<\/a> t\u00e4tigten die USA \u2013 der weltweit drittgr\u00f6\u00dfte Importeur von D\u00fcngemitteln \u2013 Importe aus Russland im Wert von 1,28 Milliarden US-Dollar.<\/p>\n<p>Dieser Schritt reicht jedoch nicht aus, um die Amerikaner vor steigenden Preisen zu bewahren. Forscher der Universit\u00e4t von Illinois und der Ohio State Universit\u00e4t untersuchten die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts und der Sanktionen auf die Exporte von D\u00fcngemitteln. Sie stellten fest, dass die USA zwar \u00fcber eine robuste Inlandsproduktion verf\u00fcgen und daher weniger unter Unterbrechungen der Lieferketten bei der Versorgung mit D\u00fcngemitteln leiden w\u00fcrden.&#8221;<\/p>\n<p>Aufgrund der globalen Vernetzung der globalen D\u00fcngemittelindustrie werden US-Landwirte wahrscheinlich\u00a0aber trotzdem mit h\u00f6heren Preisen konfrontiert werden&#8221;, hei\u00dft es in der Studie.<\/p>\n<p>Ein weiteres Land, auf die oben genannte\u00a0Studie n\u00e4her eingeht, ist Brasilien, das in seiner Landwirtschaft stark von D\u00fcngemitteln <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/brazil-fertilizer-idUSL2N2W42I5\">abh\u00e4ngig<\/a> ist und rund 85 Prozent der eingesetzten Mittel importiert\u00a0\u2013 wobei Russland zu den Top-Lieferanten geh\u00f6rt. Im vergangenen Februar besuchte der brasilianische Pr\u00e4sident Jair Bolsonaro Moskau und gab gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die Lieferung von D\u00fcngemitteln, die immer noch im Land ankommen \u2013 trotz der Schwierigkeiten durch die Sanktionen. &#8220;Wir werden nicht Partei ergreifen&#8221;, sagte Bolsonaro und bezog sich dabei auf Russlands Milit\u00e4roperation in der Ukraine. &#8220;F\u00fcr uns ist das Thema D\u00fcngemittel heilig.&#8221;<\/p>\n<p>Im darauffolgenden M\u00e4rz erkl\u00e4rte die damalige brasilianische Landwirtschaftsministerin Tereza Cristina Dias, ihr Land habe sich die Unterst\u00fctzung von Argentinien, Bolivien, Chile, Paraguay und Uruguay f\u00fcr einen Vorschlag an die UN-Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation gesichert, D\u00fcngemittel von Sanktionen gegen Russland auszunehmen. Die steigenden Preise und die Angst vor Verknappung, erschweren das Leben der Bauern in ganz S\u00fcdamerika. Und es geht dabei nicht nur um Nahrungsmittel. In Ecuador, wo Blumen eines der wichtigsten Exportprodukte sind, \u00e4u\u00dferte sich der nationale Verband der Floristen ebenfalls besorgt \u00fcber den Mangel an D\u00fcngemitteln.<\/p>\n<p>Und\u00a0auch der argentinische Pr\u00e4sident Alberto\u00a0Fern\u00e1ndez \u00e4u\u00dferte sich bei seinem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz im Mai in Berlin besorgt \u00fcber die Auswirkungen der Sanktionen auf internationaler Ebene. Er erkl\u00e4rte:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Die gegen Russland verh\u00e4ngten Wirtschaftssanktionen haben negative Auswirkungen auf Argentinien und die ganze Welt. Und deshalb bestehe ich darauf, dass wir einen schnellen Weg finden m\u00fcssen, um\u00a0den bewaffneten Konflikt zu l\u00f6sen.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Idee, dass die Sanktionen die D\u00fcngemittel nicht betreffen sollten, wurde bereits vonseiten der UNO ge\u00e4u\u00dfert. Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres bestand darauf, dass &#8220;russische Lebensmittel und D\u00fcngemittel uneingeschr\u00e4nkten Zugang zu den Weltm\u00e4rkten und ohne indirekte Hindernisse haben m\u00fcssen.&#8221; Er sprach auch den steigenden Weizenpreis an, da die Exporte aus der Ukraine, einem der gro\u00dfen Produzenten, jetzt durch den Konflikt behindert w\u00fcrden. Und er f\u00fcgte hinzu:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Es gibt keine wirksame L\u00f6sung der Lebensmittelkrise ohne die Wiedereingliederung der ukrainischen Lebensmittelproduktion sowie der von Russland und Wei\u00dfrussland produzierten Lebens- und D\u00fcngemittel in die Weltm\u00e4rkte \u2013 ungeachtet des Krieges.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Angesichts steigender Preise bei Getreide und D\u00fcngemitteln sowie St\u00f6rungen in den Lieferketten taucht aktuell das Wort &#8220;Hunger&#8221; in den Schlagzeilen der Medien auf. &#8220;Hunger ist ernst zu nehmen&#8221;, \u00e4u\u00dferte Dr. Brian Baker in diesem Zusammenhang. &#8220;Allerdings denke ich, dass die aktuelle Situation eher ein Problem bei der Lebensmittelverteilung als bei der Lebensmittelproduktion ist. Beides sind Faktoren. Wenn aber die Lebensmittelvorr\u00e4te schrumpfen, wird die Produktion umso wichtiger.&#8221;<\/p>\n<p>Auch Dr. Dora Drexler glaubt, dass die Gefahr real ist, aber vor allem f\u00fcr L\u00e4nder mit weniger entwickelten Volkswirtschaften, zum Beispiel in Nordafrika. Sie stellte fest:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em> &#8220;Diese L\u00e4nder kaufen das meiste Getreide aus der Ukraine oder aus Russland, und nat\u00fcrlich ist ihre Kaufkraft geringer als in Europa. Wenn es also an Vorr\u00e4ten mangelt und die Preise steigen, sind diese L\u00e4nder viel anf\u00e4lliger.&#8221;<\/em>\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die afrikanischen Landwirte haben die Auswirkungen dieses Mangels bereits zu sp\u00fcren bekommen, und es wurde berichtet, dass mehrere Staaten Afrikas Moskau um Hilfe gebeten h\u00e4tten. Laut Kommentaren des russischen Au\u00dfenministeriums gegen\u00fcber <em>RIA Novosti<\/em>\u00a0h\u00e4tten mehrere Staaten Russland um Unterst\u00fctzung bei der Lieferung von Nahrungs- und D\u00fcngemitteln ersucht.<\/p>\n<p>Aber gibt es eine M\u00f6glichkeit, Hunger zu vermeiden? Da sowohl Dr. Baker als auch Dr. Drexler auf dem Gebiet der \u00f6kologischen Landwirtschaft t\u00e4tig sind, sehen sie eine m\u00f6gliche L\u00f6sung in der vermehrten Verwendung organischer N\u00e4hrstoffquellen. Dr. Baker erkl\u00e4rte diesbez\u00fcglich:\u00a0<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Ich sehe den Aufbau lokaler Kapazit\u00e4ten und k\u00fcrzerer Lieferketten als eine M\u00f6glichkeit, die Menschen in dieser globalen Krise zu ern\u00e4hren.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Ansicht, dass nachhaltige lokale Ern\u00e4hrungssysteme von entscheidender Bedeutung sind, wird auch von Dr. Drexler geteilt. Und\u00a0die Wissenschaftlerin\u00a0f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em> &#8220;Ma\u00dfnahmen, die wir ergreifen, um sicherzustellen, dass unsere Welt f\u00fcr die Menschen lebenswert bleibt, sollten nicht von Pandemien, Krieg oder Konflikten abh\u00e4ngig sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine L\u00f6sung w\u00e4re f\u00fcr mich, jenen L\u00e4ndern, die derzeit nicht genug Nahrung f\u00fcr ihre eigene Bev\u00f6lkerung produzieren k\u00f6nnen, dabei zu helfen, ihre lokale Landwirtschaft zu entwickeln, agrar\u00f6kologische Methoden anzuwenden und die Produktion vor Ort zu erm\u00f6glichen. Um sicherzustellen, dass sie nicht aufgrund eines Konflikts Hunger leiden m\u00fcssen, der mehrere tausend Kilometer entfernt stattfindet. Und um st\u00e4rker auf die eigenen Ressourcen zu bauen, als auf den Handel zwischen den Kontinenten.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der Pr\u00e4sident des iranischen Forschungsinstituts f\u00fcr Pflanzenschutz, Dr. Mohammadreza Rezapanah, hielt fest, dass der Mangel an D\u00fcngemitteln schon seit langem vorhergesagt wurde. Dies lasse sich teilweise mit Unterbrechungen von Lieferketten erkl\u00e4ren, aber laut Dr. Rezapanah verw\u00fcstet die Welt auch ihre nat\u00fcrlichen Ressourcen. Er sagte:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Ein unbegrenzter Einsatz von D\u00fcngemitteln ist nicht mehr m\u00f6glich.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Als Beispiel nannte Dr. Rezapanah die drohende Phosphorknappheit und bestand darauf, dass Landwirte die Methoden des \u00f6kologischen Landbaus ernst nehmen sollten:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em> &#8220;Der \u00f6kologische Landbau ist nicht allzu schwierig, aber der Einstieg in den Bio-Handel schon. Sich gegenseitig abzustimmen und f\u00fcr unsere L\u00e4nder ausreichend produzieren \u2013 das w\u00fcrde helfen, die Sanktionen und den Druck zu \u00fcberwinden. Wir m\u00fcssen die Umwelt respektieren, wir m\u00fcssen unsere Landwirte respektieren, und wir m\u00fcssen den Landwirten den \u00f6kologischen Weg zeigen.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es mag sein, dass noch uns ein langer Weg bevorsteht. Und jede Art von L\u00f6sung \u2013 ob es nun darum geht, die jetzigen Schwierigkeiten im Handel mit D\u00fcngemitteln zu bew\u00e4ltigen, oder in Zukunft auf \u00f6kologische Landwirtschaft umzusteigen \u2013 erfordert ein hohes Ma\u00df an Zusammenarbeit. Zumal das angesichts der aktuellen Polarisierung in der Welt schwer zu erreichen scheint. Aber selbst wenn man alle Sanktionen sofort aufheben w\u00fcrde\u00a0\u2013 w\u00e4re das noch rechtzeitig, um die\u00a0Lage zu entsch\u00e4rfen?<\/p>\n<p>&#8220;Nennen Sie mich einen Optimisten, aber ich glaube, es ist nie zu sp\u00e4t&#8221;, meint dazu Dr. Baker.<\/p>\n<p><em><strong>Anastasia Safronowa<\/strong> ist Redakteurin bei RT<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong><em> \u2013\u00a0<\/em><a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/wirtschaft\/139166-iwf-chefin-weltwirtschaft-in-schlechtester-verfassung\/\">IWF-Chefin: Weltwirtschaft in schlechtester Verfassung seit dem Zweiten Weltkrieg<\/a><\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/wirtschaft\/139879-hunger-games-wie-bauern-welt\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Preise f\u00fcr D\u00fcngemittel waren bereits im Begriff in die H\u00f6he zu schie\u00dfen, als sie dann, inmitten der Sanktionen wegen des Konflikts in der Ukraine, begannen steil anzusteigen. 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