{"id":94026,"date":"2025-11-15T23:00:01","date_gmt":"2025-11-15T21:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/schafft-das-neue-syrien-den-spagat-zwischen-russland-und-den-usa\/"},"modified":"2025-11-15T23:00:01","modified_gmt":"2025-11-15T21:00:01","slug":"schafft-das-neue-syrien-den-spagat-zwischen-russland-und-den-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/schafft-das-neue-syrien-den-spagat-zwischen-russland-und-den-usa\/","title":{"rendered":"Schafft das neue Syrien den Spagat zwischen Russland und den USA?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/11\/69188e1db480cc392639d936.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Seit dem Machtwechsel in Syrien vor einem Jahr reibt sich so mancher die Augen. Der neue starke Mann des Landes scheint, ungeachtet seiner Vergangenheit, ein gefragter Gespr\u00e4chspartner zu sein. Pr\u00e4sident Ahmed al-Scharaa betreibt mit seinen Staatsvisiten &#8220;Basketball-Diplomatie&#8221;.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Murad Sadygzade<\/em><\/p>\n<p>Nach seinem j\u00fcngsten Besuch in Moskau reiste der syrische Pr\u00e4sident Ahmed al-Scharaa weiter zu einem Arbeitsbesuch in die Vereinigten Staaten. Ziel dieser Reise war es, die Zusammenarbeit zwischen Damaskus und Washington zu st\u00e4rken und angesichts der sich wandelnden regionalen Sicherheitsarchitektur neue Wege des Vertrauens zu erkunden.<\/p>\n<p>Der au\u00dfenpolitische Ansatz der neuen syrischen F\u00fchrungsriege l\u00e4sst sich hierbei treffend als &#8220;Basketball-Diplomatie&#8221; beschreiben. Es w\u00e4re schwer, eine passendere Metapher f\u00fcr den authentischen politischen Stil der neuen F\u00fchrung zu finden, einer Mischung aus Ungezwungenheit, Flexibilit\u00e4t und dem Kn\u00fcpfen pers\u00f6nlicher Beziehungen, die in der Basketball-Begeisterung des Pr\u00e4sidenten sowie des Au\u00dfenministers Asaad al-Schaibani wurzelt. Ihre Vorliebe f\u00fcr diesen Ballsport stellen diese regelm\u00e4\u00dfig mit viralen Videos zur Schau, die sie dabei zeigen, wie sie in ihrer Freizeit selbst Basketball spielen.<\/p>\n<p>Die symbolische Bedeutung dieses Ansatzes wuchs nach der Ver\u00f6ffentlichung von Aufnahmen eines diskreten Besuchs hochrangiger US-Beamter in Damaskus. Auf einem Video war zu sehen, wie al-Scharaa und al-Schaibani Basketball spielten, und zwar zusammen mit niemand Geringerem als Admiral Charles B. Cooper II, dem Kommandeur des US Central Command (CENTCOM), sowie Brigadegeneral Kevin J. Lambert, dem Leiter der Combined Joint Task Force \u2013 Operation Inherent Resolve (CJTF\u2013OIR). Diese Aufnahmen wurden zum Sinnbild eines neuen Modells der Zusammenarbeit, bei dem informelle Interaktionen formelle diplomatische Abkommen erg\u00e4nzen und ihnen bisweilen sogar vorausgehen.<\/p>\n<p>Die &#8220;Basketball-Diplomatie&#8221; der neuen syrischen F\u00fchrung ist mehr als nur ein stilistischer Neuanstrich. Vielmehr ist es ein Versuch, sich selbst als ein Regime darzustellen, das eine schwierige Biografie und eine traumatische Vergangenheit in politisches Kapital umzuwandeln vermag. Ahmed al-Scharaas pers\u00f6nlicher Werdegang von seiner Zeit in US-Gefangenschaft im Irak und seinen Jahren im dschihadistischen Untergrund bis zu seinem Aufstieg zum Staatsmann, der sowohl mit Washington als auch mit Moskau auf Augenh\u00f6he verhandeln kann, ist zu einem zentralen Element dieses Narrativs geworden. Anders als Baschar al-Assad, der im Laufe der Zeit in die Abh\u00e4ngigkeit eines kleinen Kreises von Verb\u00fcndeten geriet, versuchen die neuen syrischen Machthaber, ein anderes Bild zu vermitteln: das Bild eines Staates, der dabei ist, seine Handlungsf\u00e4higkeit zur\u00fcckzugewinnen, und der die regionale Sicherheitsarchitektur sowie die Zusammensetzung seiner Koalitionen neu gestalten kann.<\/p>\n<p>In diesem Kontext entfaltet das Basketballfeld sowohl visuelle als auch politische Symbolkraft. Ein gemeinsames Spiel mit amerikanischen Offizieren, gepaart mit der sichtbaren Ungezwungenheit und Offenheit der syrischen Anf\u00fchrer, signalisiert ihre Bereitschaft zu einer neuen Art von Dialog. Die ritualisierte Rhetorik des &#8220;Widerstandes&#8221; oder der &#8220;Achse des Widerstandes&#8221; ist nun der Zurschaustellung von Zuversicht, Handlungsf\u00e4higkeit und Berechenbarkeit gewichen.<\/p>\n<p>Die Entscheidung, unmittelbar nach al-Scharaas Besuch in Washington eine hochrangige Delegation nach Moskau zu entsenden, war ebenfalls ein bewusstes Signal daf\u00fcr, dass Damaskus versucht, ein System des Gleichgewichts aufzubauen. Die Wiederaufnahme der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen sowie der milit\u00e4rischen Zusammenarbeit mit Russland soll unterstreichen, dass das neue Syrien seine alten Verbindungen nicht aufgibt, sondern diese lediglich rationaler und pragmatischer gestalten will, indem es sich endg\u00fcltig vom vergifteten Erbe des B\u00fcrgerkriegs und der internen Repressionen befreit.<\/p>\n<p>Die parallele Ann\u00e4herung an Washington findet als Erg\u00e4nzung hierzu statt, dient letztlich aber einem anderen Zweck, n\u00e4mlich der Legitimierung der neuen syrischen Regierung im Westen und ihrer Einbindung in westliche Koalitions- und Sanktionssysteme. Ebenso wichtig ist, dass Washington jetzt durch Verl\u00e4ngerung oder Aufhebung der Lockerung seiner Sanktionen gegen Syrien selbst Teil eines Prozesses wird, in dem die Stabilit\u00e4t des Landes nicht l\u00e4nger dem Zufall \u00fcberlassen, sondern als bewusstes politisches Ziel betrachtet wird.<\/p>\n<p>Al-Scharaas Besuch in Washington z\u00e4hlt zu den bemerkenswertesten Entwicklungen, die in den letzten Jahren im Nahen Osten beobachtet werden konnten. Es war der erste offizielle Besuch eines syrischen Staatsoberhaupts im Wei\u00dfen Haus in der modernen Geschichte, und obwohl er ohne den \u00fcblichen zeremoniellen Pomp stattfand, war seine politische Bedeutung enorm.<\/p>\n<p>Der Kontext der Staatsvisite gestaltete sich \u00fcberaus komplex. Nach Jahren des B\u00fcrgerkriegs, ausl\u00e4ndischer Interventionen und Sanktionen befand sich Syrien in einem Zustand fragmentierter Souver\u00e4nit\u00e4t. F\u00fcr Washington bot al-Scharaas Ankunft die Gelegenheit, seinen strategischen Einfluss in einer Region wiederherzustellen, aus der sich die USA nach 2019 weitgehend zur\u00fcckgezogen hatten. W\u00e4hrend seiner zweiten Amtszeit priorisiert Pr\u00e4sident Donald Trump gezielte Abkommen und personalisierte Diplomatie gegen\u00fcber gro\u00dfangelegten Milit\u00e4rkampagnen und setzt daher auf direkte Vereinbarungen mit regionalen Machthabern, aus denen die USA konkrete Vorteile ziehen k\u00f6nnen. Syrien wird somit zum Versuchsgel\u00e4nde f\u00fcr dieses neue Modell.<\/p>\n<p>Allein das Format des Besuchs war schon von gro\u00dfer symbolischer Bedeutung. Der syrische Pr\u00e4sident betrat das Wei\u00dfe Haus durch einen Seiteneingang anstatt durch den traditionellen Haupteingang \u2013 eine bewusste Geste, mit der signalisiert werden sollte, dass die USA noch nicht zu einer vollst\u00e4ndigen &#8220;Normalisierung&#8221; der Beziehungen mit Damaskus bereit sind und es vorziehen, die Kontrolle \u00fcber diesen Prozess zu behalten. Trotzdem stellte das Treffen im Oval Office mit Trump, an dem auch der t\u00fcrkische Au\u00dfenminister Hakan Fidan teilnahm, einen politischen Durchbruch dar. Fidans Anwesenheit verdeutlichte, dass Washington, Ankara und das neue Damaskus gemeinsam versuchen, die syrische Agenda neu zu gestalten. Ganz oben auf dieser Agenda sollte demnach die L\u00f6sung der kurdischen Frage stehen, bei der die Interessen der T\u00fcrkei ber\u00fccksichtigt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Das erkl\u00e4rte Hauptziel bleibt f\u00fcr Ankara weiterhin die Zerschlagung der milit\u00e4rischen und politischen Infrastruktur der Demokratischen Kr\u00e4fte Syriens (SDF), die es als Ableger der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) betrachtet. F\u00fcr die Vereinigten Staaten hat die Wahrung ihres Einflusses in Ostsyrien Priorit\u00e4t, die nicht l\u00e4nger durch kurdische Autonomie, sondern durch Abkommen mit der neuen Zentralregierung erfolgen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Al-Scharaa verlie\u00df Washington mit einem konkreten Ergebnis: der Unterzeichnung des D-ISIS-Abkommens (&#8220;Defeat ISIS&#8221;), das vom Wei\u00dfen Haus als wichtigstes praktisches Ergebnis der Gespr\u00e4che bezeichnet wurde. Das Abkommen verpflichtet Syrien formell zum Beitritt zur internationalen Koalition gegen die \u00dcberreste des Islamischen Staates. Seine Bedeutung reicht jedoch weit \u00fcber die Terrorismusbek\u00e4mpfung hinaus, denn das Abkommen erkennt den neuen syrischen Machthaber faktisch als Partner Washingtons im Bereich internationaler Sicherheit an. F\u00fcr al-Scharaa, einen ehemaligen Kommandeur von Hai\u02beat Tahrir asch-Scham, der einst selbst als Terrorist eingestuft wurde, markiert es einen entscheidenden Schritt hin zu internationaler Legitimit\u00e4t. Syrische Quellen bezeichnen das Abkommen als eine Art &#8220;Steuer&#8221;, die al-Scharaa im Austausch f\u00fcr die Lockerung bzw. Aufhebung der US-Sanktionen entrichtet habe.<\/p>\n<p>Die Sanktionsfrage r\u00fcckte hierbei in den Mittelpunkt der Agenda. Der im Jahr 2019 erlassene Caesar Act war lange Zeit das Haupthindernis f\u00fcr Syriens wirtschaftliche Erholung, da er ausl\u00e4ndische Investitionen und internationale Finanztransaktionen blockierte. Seit dem Regimewechsel hat Washington die Sanktionen schrittweise gelockert und begrenzte Transaktionen sowie humanit\u00e4re Ausnahmen zugelassen. Die Diskussionen haben sich nun auf die M\u00f6glichkeit einer gesetzlichen Aufhebung der Sanktionen verlagert. Dieser Schritt w\u00fcrde allerdings die Zustimmung des Kongresses erfordern.<\/p>\n<p>Es kann also nicht von Zufall die Rede sein, dass al-Scharaa unmittelbar nach dem Treffen im Wei\u00dfen Haus sp\u00e4tabends noch ein Gespr\u00e4ch mit dem Kongressabgeordneten Brian Mast, dem Vorsitzenden des Ausw\u00e4rtigen Ausschusses des Repr\u00e4sentantenhauses, f\u00fchrte, dessen Stimme bei der Aufhebung der Sanktionen am Ende entscheidend sein k\u00f6nnte. In Washington wird die schrittweise Lockerung der Sanktionen indes als strategischer Hebel betrachtet. Ihre Aufhebung soll Syriens Belohnung f\u00fcr die Einhaltung der US-Sicherheitsvereinbarungen sowie die Wahrung einer gewissen Distanz zu Teheran und Moskau sein.<\/p>\n<p>F\u00fcr Syrien selbst sendete der Besuch ein starkes Signal der internen Konsolidierung. Al-Scharaa st\u00e4rkte seine Position in den Kreisen der syrischen Eliten, indem er seine Verhandlungsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber der Weltmacht unter Beweis stellte und Wege f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investitionen \u00f6ffnete. Seine Legitimit\u00e4t im Inland wuchs auch, weil die Reise den Einfluss der SDF schw\u00e4chte, die als letzte verbliebene gro\u00dfe Kraft noch die \u00f6stlichen Regionen des Landes kontrolliert. Sollten die USA und die T\u00fcrkei tats\u00e4chlich beabsichtigen, die territoriale Kontrolle zugunsten der Zentralregierung neu zu ordnen, riskiert die SDF nicht nur ihre internationale Unterst\u00fctzung, sondern auch ihre politische Relevanz zu verlieren.<\/p>\n<p>Gleichzeitig werden al-Scharaas Versprechen eines &#8220;f\u00fcnfj\u00e4hrigen \u00dcbergangs zu einem pluralistischen System&#8221; mit Skepsis aufgenommen. Seine Streitkr\u00e4fte haben bereits mehrere Operationen gegen Minderheiten, vor allem gegen die Alawiten und Drusen, durchgef\u00fchrt, die hunderte zivile Opfer gefordert haben und Zweifel an der Aufrichtigkeit seiner demokratischen Rhetorik aufkommen lassen. F\u00fcr die Vereinigten Staaten stellt dies ein Dilemma dar: Einerseits gewinnt Washington mit al-Scharaa einen effektiven Partner im Kampf gegen den IS und Iran hinzu, andererseits riskiert es, beschuldigt zu werden, ein Regime zu unterst\u00fctzen, das im eigenen Land weiterhin auf Zwang und Gewalt setzt.<\/p>\n<p>Die regionale Dimension des Besuchs ist nicht weniger bedeutsam. Die T\u00fcrkei, die al-Scharaa w\u00e4hrend seines Krieges gegen Assad unterst\u00fctzt hat, tritt immer mehr als Vermittler zwischen ihm und dem Westen auf. Dies erm\u00f6glicht es Ankara, seine strategischen Ziele voranzutreiben, die kurdische Bedrohung an seiner S\u00fcdgrenze zu neutralisieren und seinen Einfluss im Nachkriegssyrien auszuweiten.<\/p>\n<p>Gleichzeitig haben die Golfmonarchien, insbesondere Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, ihre Bereitschaft signalisiert, in den Wiederaufbau Syriens zu investieren, sollten die US-Sanktionen formell aufgehoben werden. Auch europ\u00e4ische Staaten fangen an, ihre Positionen den neuen Umst\u00e4nden anzupassen, und pr\u00fcfen M\u00f6glichkeiten zur Beteiligung an humanit\u00e4ren und Infrastrukturprojekten unter amerikanischer Aufsicht.<\/p>\n<p>Insgesamt betrachtet l\u00e4utet der Besuch von al-Scharaa in Washington den Beginn einer neuen Phase der syrischen Diplomatie sowie eine Neuausrichtung der regionalen Allianzen ein, bei der Syrien danach strebt, sich von einem passiven Spielball zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten und Opfer ihrer Rivalit\u00e4t zu einem aktiven Gestalter seiner eigenen politischen Zukunft zu entwickeln.<\/p>\n<p>Obwohl al-Scharaas Besuch nicht die Art von aufsehenerregenden Wirtschaftsabkommen hervorbrachte, die man typischerweise mit Donald Trumps Stil in Verbindung bringt, so f\u00fcgt er sich dennoch nahtlos in Washingtons umfassendere Strategie ein, regionale Angelegenheiten an seine Partner auszulagern. F\u00fcr die Trump-Administration ist die aktuelle Phase der US-Politik im Nahen Osten weniger durch direkte Intervention als vielmehr durch den Aufbau einer Architektur der Interdependenz gepr\u00e4gt, bei der die T\u00fcrkei und die Golfstaaten die Hauptverantwortung f\u00fcr die Aufrechterhaltung der politischen Stabilit\u00e4t tragen, w\u00e4hrend sie gleichzeitig an die strategischen Priorit\u00e4ten der USA gebunden bleiben.<\/p>\n<p>In diesem noch im Entstehen begriffenen System agieren die USA sowohl als Koordinator als auch als Vermittler. Sie versuchen nicht l\u00e4nger, die Syrien-Krise direkt zu l\u00f6sen, sondern legen die Rahmenbedingungen fest, innerhalb derer regionale Akteure zu agieren haben. In diesem Sinne kann al-Scharaas Besuch als Teil eines gr\u00f6\u00dferen amerikanischen Plans gesehen werden. Es w\u00e4re somit ein Versuch, die F\u00fchrungsrolle in der Region mit ihren allt\u00e4glich anfallenden Angelegenheiten an Ankara und die Golfmonarchien zu delegieren, w\u00e4hrend die Finanzstr\u00f6me, das Sanktionsregime und die internationale Legitimation neuer politischer Akteure weiterhin der eigenen Kontrolle obliegen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>F\u00fcr al-Scharaa selbst hatte das Treffen eine noch tiefere Bedeutung. Es war ein Schritt zur Festigung seiner politischen Machtposition und zur Erweiterung seines Handlungsspielraums auf der internationalen B\u00fchne. Der neue syrische Pr\u00e4sident hat bisher stark auf informelle Kan\u00e4le gesetzt, insbesondere auf seine &#8220;Basketball-Diplomatie&#8221;, bei der Sportaustausch und symbolische Gesten dazu dienen, die Offenheit und Modernit\u00e4t der syrischen F\u00fchrung zu demonstrieren.<\/p>\n<p>Mithilfe solcher Formen von Soft Power versucht al-Scharaa, die Wahrnehmung seiner umstrittenen Vergangenheit abzumildern und sich als pragmatischer Vermittler zwischen rivalisierenden Machtzentren zu pr\u00e4sentieren. Seine Au\u00dfenpolitik ist darauf ausgerichtet, ein sensibles Gleichgewicht zwischen Moskau und Washington zu wahren, indem er die Beziehungen zu Russland, das im Syrien-Konflikt eine entscheidende Rolle spielte, aufrechterh\u00e4lt, w\u00e4hrend er gleichzeitig danach strebt, politische Legitimit\u00e4t und wirtschaftlichen Zugang vom Westen zu erhalten.<\/p>\n<p>Obwohl keine offiziellen Stellungnahmen zum Inhalt seines Gespr\u00e4chs mit Trump und Fidan abgegeben wurden, ist es sehr wahrscheinlich, dass Israels Rolle zu den besprochenen Themen geh\u00f6rte. In den vergangenen Jahren hat Israel eine Reihe von Pr\u00e4zisionsangriffen gegen syrische Milit\u00e4r- und Infrastrukturziele durchgef\u00fchrt und dies mit der Notwendigkeit begr\u00fcndet, den Einfluss Irans in der Region einzud\u00e4mmen. F\u00fcr die neue syrische F\u00fchrung stellen diese Operationen eine ernsthafte Bedrohung dar, da sie die innere Stabilit\u00e4t untergraben und die Wahrnehmung verst\u00e4rken, dass Damaskus weiterhin anf\u00e4llig f\u00fcr Einmischung von au\u00dfen ist.<\/p>\n<p>Es ist wahrscheinlich, dass al-Scharaa und Fidan sich von Washington zumindest informelle Zusicherungen erhofft hatten, dass Israel die Intensit\u00e4t seiner Angriffe w\u00e4hrend des politischen \u00dcbergangs in Syrien reduzieren oder idealerweise ganz einstellen w\u00fcrde. Selbst eine ungeschriebene Vereinbarung dieser Art w\u00fcrde der neuen Regierung ein entscheidendes Zeitfenster er\u00f6ffnen, um die innere Stabilisierung voranzutreiben und die politische Integration der diversen ethnisch-religi\u00f6sen Gruppen des Landes zu f\u00f6rdern \u2013 insbesondere der Drusen, die unter den j\u00fcngsten gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen schwer zu leiden hatten.<\/p>\n<p>Al-Scharaas Besuch in Washington war somit nicht nur ein Akt diplomatischer Anerkennung, sondern eine Gelegenheit, das neu entstehende Machtgleichgewicht im neuen Syrien zu konsolidieren. F\u00fcr die USA spiegelt dies eine Strategie der &#8220;engagierten Distanzierung&#8221; wider: eine Politik, bei der die USA die Spielregeln festlegen, ohne sich dabei direkt zu involvieren. F\u00fcr al-Scharaa stellt es dagegen den Versuch dar, durch Kontakte zu Trump, Fidan und anderen internationales Engagement als Instrument zur St\u00e4rkung seiner Legitimit\u00e4t, zur F\u00f6rderung der inneren Stabilit\u00e4t und zur Gestaltung einer neuen diplomatischen Identit\u00e4t Syriens innerhalb der regionalen Ordnung zu nutzen.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist zuerst bei RT auf\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/rurtnews.com\/news\/627747-new-syria-russia-us\/\">Englisch<\/a>\u00a0erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Murad Sadygzade<\/strong> ist\u00a0Pr\u00e4sident des Russischen Zentrums f\u00fcr Nahoststudien und Gastdozent an der Wirtschaftshochschule Moskau.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211;\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/meinung\/261689-blutiger-terrorist-in-washington-als-partner-gegen-den-terror-gefeiert\/\">Blutiger Terrorist in Washington als &#8220;Partner gegen den Terror&#8221; gefeiert<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v6zj5s0\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/261839-schafft-neue-syrien-spagat-zwischen\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem Machtwechsel in Syrien vor einem Jahr reibt sich so mancher die Augen. 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