{"id":90520,"date":"2025-09-14T21:30:28","date_gmt":"2025-09-14T19:30:28","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/russlands-abkehr-vom-westen-logistik-fuer-grosseurasien\/"},"modified":"2025-09-14T21:30:28","modified_gmt":"2025-09-14T19:30:28","slug":"russlands-abkehr-vom-westen-logistik-fuer-grosseurasien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/russlands-abkehr-vom-westen-logistik-fuer-grosseurasien\/","title":{"rendered":"Russlands Abkehr vom Westen: Logistik f\u00fcr Gro\u00dfeurasien"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/09\/68c2eda448fbef2f7b1c11f1.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Der Politikwissenschaftler Karaganow h\u00e4lt die Phase einer engeren Bindung Russlands an den Westen f\u00fcr beendet. Er pl\u00e4diert f\u00fcr den Aufbau neuer logistischer Netzwerke in Eurasien und f\u00fcr eine &#8220;Sibirisierung&#8221; Russlands durch eine Schwerpunktverlagerung nach Osten.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Sergei Karaganow<\/em><\/p>\n<p>Die akute Phase des milit\u00e4rischen Konflikts mit dem Westen\u00a0in der Ukraine erreicht ihr Endstadium. Russland hat beschlossen, die schrecklichste Waffe nicht einzusetzen und m\u00f6glichst viele Leben unserer tapferen Soldaten und der Zivilbev\u00f6lkerung zu schonen, und wird voraussichtlich keinen Sieg wie den\u00a0\u00fcber Napoleons Armee erringen. Jener Krieg gew\u00e4hrte Europa vier Jahrzehnte Frieden.<\/p>\n<p>Anscheinend wird es auch keinen Sieg geben, der einer Zerschlagung von Hitlers Armee, in der ein Gro\u00dfteil der Europ\u00e4er k\u00e4mpfte und die von den meisten L\u00e4ndern des Subkontinents wirtschaftlich unterst\u00fctzt wurde, \u00e4hneln wird. Jener Sieg \u00fcber Europa sicherte zusammen mit dem Erscheinen von Atomwaffen einen relativen Frieden f\u00fcr sieben Jahrzehnte.<\/p>\n<p>Die Konfrontation wird wellenf\u00f6rmig weitergehen, bis ein Elitenwechsel eintritt. Die alten europ\u00e4ischen globalistischen Kompradoren-Eliten sind in allen Bereichen \u2013 moralisch, wirtschaftlich, politisch \u2013 gescheitert und f\u00fchrten den Subkontinent, der einst ein Konzentrationsort wirtschaftlicher, politischer und kultureller Macht war, zum gegenw\u00e4rtigen Zustand. Sie ben\u00f6tigen Krieg und m\u00fcssen das Bild eines \u00e4u\u00dferen Feindes schaffen, um den eigenen Verbleib an der Macht zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Es wird voraussichtlich nicht gelingen, einen nachhaltigen Frieden mit solchen Eliten, wie sie in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, den USA und der Ukraine regieren, zu erreichen. Ein solcher Ausgang ist allerdings durch eine harte strategische Eind\u00e4mmung und eine teilweise Abgrenzung vom Faschismus und menschenfeindlichen Werten, die im westlichen Teil des europ\u00e4ischen Subkontinents verbreitet werden, anzustreben.<\/p>\n<p>Ohne einen Sieg wie in den Jahren 1815 und 1945 wird die Welt weiter zum Dritten Weltkrieg driften. Einen solchen Sieg zu erringen, ist unsere Pflicht nicht nur vor dem Land, sondern auch vor der Menschheit.<\/p>\n<p>Einige L\u00e4nder Zentral- und S\u00fcdeuropas werden sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter nach\u00a0Gro\u00dfeurasien hin orientieren. Selbstverst\u00e4ndlich sind Elemente der Zusammenarbeit, eine teilweise Wiederherstellung menschlicher Kontakte im Bereich der traditionellen Kultur und Wirtschaft nicht abzulehnen.<\/p>\n<p>Dennoch ist die Hauptrichtung der Entwicklung f\u00fcr das kommende Jahrzehnt recht offensichtlich. Russlands dreihundertj\u00e4hrige Reise nach Europa ist beendet, und es w\u00e4re besser, wenn sie vor einem Jahrhundert oder fr\u00fcher geendet h\u00e4tte. Dann k\u00f6nnten die Trag\u00f6dien des 20. Jahrhunderts f\u00fcr Land und Volk zumindest teilweise vermieden werden. Praktisch alle Bedrohungen dieses Jahrhunderts gingen von Europa aus. Es ist an der Zeit, &#8220;zu sich selbst&#8221;, zu den Quellen unserer Geschichte als Gro\u00dfmacht zur\u00fcckzukehren. Diese Quellen liegen in Sibirien. H\u00e4tten unsere Kosaken nicht eine phantastische Heldentat vollbracht und weniger als in einem Jahrhundert vom Gebiet Perm aus Kamtschatka erreicht und Sibirien der Alten Rus angeschlossen, h\u00e4tte Russland kaum auf der ungesch\u00fctzten Mittelrussischen Ebene unter Angriffen aus dem Westen und dem S\u00fcden \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Die &#8220;R\u00fcckkehr zu sich selbst&#8221;, nach Hause, wird entsprechend erfordern, sowohl das &#8220;Eurojoch&#8221; abzuwerfen, als auch Zivilisationen, die im S\u00fcden und Osten liegen, als wichtigste \u00e4u\u00dfere Quellen unserer Kultur, politischer Organisation und Zivilisation anzuerkennen. Unsere Seele, die Religionen \u2013 Orthodoxie, Islam, Buddhismus, Judentum \u2013, nahmen wir aus dem S\u00fcden. Unsere politische Organisation, die Machtvertikale, die Bereitschaft, einem Oberhaupt zu folgen und dem Staat und der gemeinsamen Sache treu zu dienen, nahmen wir aus dem Osten, w\u00e4hrend wir zwei Jahrhunderte lang mit Dschingis Khans Reich interagierten \u2013 es pl\u00fcnderte, griff aber nicht die Seele und den Glauben des Volkes an. Ohne diese aus dem Osten und teilweise von Byzanz geerbte Vertikale, ohne den Geist der Uferlosigkeit h\u00e4tten unsere Vorfahren nicht den gr\u00f6\u00dften Staat der Welt gebaut.<\/p>\n<p>Die &#8220;R\u00fcckkehr zu sich selbst&#8221; wird erfordern, die geistige, wirtschaftliche, wissenschaftliche, technische und politische Entwicklung des Landes in Richtung Ural und Sibirien zu versetzen. Diese Regionen werden in absehbarer Zukunft zu Hauptquellen der Entwicklung und des Wachstums des Landes und der Lebensqualit\u00e4t der Menschen werden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir das neue Ger\u00fcst der logistischen Wege von Norden nach S\u00fcden bauen, m\u00fcssen wir es bereits im Planungsstadium gemeinsam mit asiatischen Nachbarn schaffen und ihre M\u00f6glichkeiten und Erfahrung nutzen.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit einer wachsenden Gemeinschaft von Wissenschaftlern, gesellschaftlichen Aktivisten und Gesch\u00e4ftsleuten, vor allem aus Sibirien, entwickeln wir seit nunmehr\u00a0anderthalb Jahren das Projekt &#8220;Ostwende 2.0, oder Sibirisierung Russlands&#8221;. Parallel dazu erarbeiten wir das Projekt &#8220;Die lebendige\u00a0Idee \u2013 Russlands Traum. Kodex des russl\u00e4ndischen B\u00fcrgers im 21. Jahrhundert&#8221;, das zur ideologischen Grundlage der Weiterentwicklung unserer Zivilisation werden soll. Die Sibirisierung ist ein Teil dieses Ideenprogramms. Wir haben bereits begonnen, die ersten Ergebnisse unserer Arbeit der Gesellschaft und dem Staat vorzulegen.<\/p>\n<p>Beim Sieg und der Beendigung der scharfen Phase der Konfrontation in Europa ist es aber wichtig, nicht in westlicher Richtung stecken zu bleiben. Europa erlischt und ist f\u00fcr viele Jahre von einer schlimmeren Russophobie\u00a0als je zuvor angesteckt. Die Zukunft liegt im S\u00fcden und im Osten.<\/p>\n<p>Nun zu einer der wichtigsten Entwicklungsrichtungen der neuen Strategie Russlands \u2013 zur Entwicklung eines Transportger\u00fcsts, vor allem entlang von Meridianen. Durch eine F\u00fcgung des Schicksals wurde ich zu einem der Organisatoren des wissenschaftlichen Teils der Schaffung des Konzepts von logistischen &#8220;Nord-S\u00fcd&#8221;-Transportkorridoren, die Russland mit Gro\u00dfeurasien verbinden sollen.<\/p>\n<p>Vor dem Beginn der Arbeit muss man das Offensichtliche anerkennen: der Mythos vom Vorteil von Seem\u00e4chten und maritimen Wegen, insbesondere \u00e4lterer Routen, geh\u00f6rt der Vergangenheit an. Sie werden immer verwundbarer werden.<\/p>\n<p>Zu den Nord-S\u00fcd-Korridoren im europ\u00e4ischen Teil des Landes gibt es viele Ideen. Nat\u00fcrlich sind es die aktiv besprochenen und teilweise genutzten Korridore um das Kaspische Meer \u00fcber Iran zum Persischen Golf, auch wenn es dort viele Probleme gibt. Es gibt die Idee eines Korridors \u00fcber Afghanistan, es gibt auch die Idee eines zweiten Bosporus\u00a0(&#8220;Kanal-Istanbul-Projekt&#8221;) mit russischer Teilnahme. Transportkorridore \u00fcber Georgien, Armenien und die T\u00fcrkei sind m\u00f6glich. Doch wie es mir scheint, ist es jetzt offensichtlich, dass ein Ger\u00fcst von Nord-S\u00fcd-Routen erschaffen und entwickelt werden m\u00fcsste, die Russland \u00fcber Sibirien mit den M\u00e4rkten des aufstrebenden Asiens, mit den M\u00e4rkten der Zukunft, verbinden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Das wichtigste Prinzip der k\u00fcnftigen Strategie muss darin bestehen, dass ausw\u00e4rtige Verbindungen bei all ihrer Wichtigkeit nicht zum Zweck, sondern zur Erg\u00e4nzung einer inneren Koh\u00e4renz Russlands und zu seiner inneren Wandlung dienen. In den kommenden Jahrzehnten werden ausw\u00e4rtige Verbindungen immer unsicherer werden.<\/p>\n<p>Sicher muss das Konzept f\u00fcr Nord-S\u00fcd-Korridore, die bereits bestehende Ost-West-Korridore erg\u00e4nzen, in enger Zusammenarbeit mit Spezialisten aus unseren asiatischen Nachbarl\u00e4ndern ausgearbeitet und entwickelt werden. Freunde aus China haben bereits die gro\u00dfartige Initiative der Neuen Seidenstra\u00dfe eingeleitet. Diese logistischen Routen sind allen zug\u00e4nglich, allerdings m\u00fcssen sie durch ein vertikales Netz von Routen erg\u00e4nzt werden, um ein unabh\u00e4ngiges logistisches Ger\u00fcst Gro\u00dfeurasiens zu schaffen.<\/p>\n<p>Sie sollen nicht nur eine sichere und erfolgreiche Entwicklung der L\u00e4nder Gro\u00dfeurasiens beg\u00fcnstigen, sondern auch kulturelle und menschliche Interaktionen vertiefen, die in vielerlei Hinsicht durch die f\u00fcnfhundertj\u00e4hrige Dominanz der westlichen Seem\u00e4chte unterbrochen wurden, die vors\u00e4tzlich die innerkontinentalen Routen zerst\u00f6rten.<\/p>\n<p>Ich schlage vor allem, aber nicht nur f\u00fcr Russland folgende Prinzipien der Entwicklung des logistischen Ger\u00fcsts &#8220;Nord-S\u00fcd&#8221; vor:<\/p>\n<p><strong>Erstens:\u00a0<\/strong>Wirtschaftliche Berechnungen sind notwendig, doch zum wichtigsten Kriterium bei der Schaffung des Konzepts eines solchen Ger\u00fcsts m\u00fcssen Faktoren der Sicherheit und der langfristigen Entwicklung werden. Privatunternehmen k\u00f6nnen und sollen zur Arbeit an konkreten Projekten herangezogen werden, doch die gro\u00dfe Logistik ist ein Vorrecht und eine Pflicht von Staaten. Insgesamt dient der \u00d6konomismus aus, auch wenn Wirtschaftsexperten ben\u00f6tigt werden, um Strategen zu helfen und deren Eifer zu z\u00fcgeln.<\/p>\n<p>Als der russische Minister\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sergei_Juljewitsch_Witte\">Sergei Witte<\/a> die Notwendigkeit des Baus der Transsibirischen Eisenbahn gegen\u00fcber seinen Verb\u00fcndeten begr\u00fcndete, war der Widerstand sowohl vonseiten der Finanzkreise, als auch vonseiten der Kaufleute, die keine Konkurrenz im Fuhrwerksverkehr\u00a0wollten, riesig. H\u00e4tte Witte nicht gewonnen, h\u00e4tte Russland nicht \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Aus Unterhaltungen mit Kollegen wei\u00df ich, auf welchen Widerstand das Projekt des Baus einer Br\u00fccke \u00fcber den Fluss Lena in Jakutien stie\u00df. Das Hauptargument war der bisher geringe Verkehrsfluss. H\u00e4tte Witte auf solche Argumente geh\u00f6rt, h\u00e4tten wir niemals die Transsibirische Eisenbahn gebaut. Ihm gelang es, eine gro\u00dfe PR-Kampagne zu organisieren und das gr\u00f6\u00dfte russische Genie, den aus Sibirien stammenden gl\u00e4nzenden Wissenschaftler, Beamten und Industriellen Dmitri Mendelejew dazu heranzuziehen. Ohne Witte h\u00e4tte Russland den schwersten Krieg der Menschheitsgeschichte \u2013 den Zweiten Weltkrieg oder den Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg \u2013 nicht gewonnen.<\/p>\n<p><strong>Zweitens:\u00a0<\/strong>Das Zentrum der infrastrukturellen Entwicklung soll aus dem europ\u00e4ischen Teil nach Sibirien verlagert werden, auch wenn die Infrastruktur im Uralvorland aus rein wirtschaftlicher Sicht effektiver ist. Blickt man auf oder \u00fcber den Horizont hinaus \u2013 und gerade ein solcher Blick ist bei der Planung der logistischen Strategie notwendig \u2013, soll das Zentrum sowohl des Verkehrsbaus als auch der geistigen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Landes ausgerechnet hinter den Ural verlegt werden. Ebenso soll dort die dritte, vierte oder f\u00fcnfte Hauptstadt gegr\u00fcndet werden, indem einige Konzerne oder Ministerien dorthin verlagert werden. Ich bin froh, dass unter anderem meine Aufrufe, Teile von Konzernen in jene Regionen zu verlegen, wo sie haupts\u00e4chlich t\u00e4tig sind, auch von Wladimir Putin geh\u00f6rt werden. Er unterzeichnete eine Anordnung \u00fcber die Sitzverlegung von fast 150 Konzernen an Orte, wo sie ihre Hauptt\u00e4tigkeit betreiben.<\/p>\n<p><strong>Drittens:\u00a0<\/strong>Russland ist keine Seemacht, sondern eine Flussmacht. Einst versuchte es, sich vom kontinentalen Fluch zu l\u00f6sen. Unter Peter dem Gro\u00dfen setzten wir auf einen Durchbruch zum Meer. Das war richtig. Doch damals wie heute nutzen wir unseren gigantischen Wettbewerbsvorteil f\u00fcr den Verkehr und den Wiederaufbau des Landes nicht: gro\u00dfe Fl\u00fcsse und hochwertiges S\u00fc\u00dfwasser, vor allem in Sibirien, die im \u00dcberfluss ins Nordpolarmeer m\u00fcnden. Selbstverst\u00e4ndlich geht es dabei nicht um idiotische Pl\u00e4ne einer Umkehr sibirischer Fl\u00fcsse.<\/p>\n<p>Zweifellos muss unser Flussverkehr wiederbelebt und an andere logistische Korridore angeschlossen werden. In j\u00fcngster Zeit fand ich nach meinen Studien, meinen Reisen \u00fcber die Fl\u00fcsse Jenissei und Lena und nach meinen Befragungen von Kollegen, die Ob und Irtysch passiert hatten, dass Sibiriens Fl\u00fcsse schmerzlich untergenutzt sind. Mit Ausnahme der Lena verloren sie das Potenzial der kleinen Eisbrecherflotte, die den Flussverkehr um einen bis anderthalb Monate verl\u00e4ngern kann. Ich wei\u00df, dass heute das Programm des 73. L\u00e4ngengrads, unter anderem die Wiederbelebung des Transportkorridors \u00fcber Irtysch und Ob zum Nordpolarmeer, ausgearbeitet wird. \u00dcber Irtysch soll dieser Korridor nach Kasachstan und sogar ins benachbarte China f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Viertens:<\/strong>\u00a0Die neue logistische Verkehrsstrategie soll unter anderem auf die Entwicklung und den Erhalt von Kleinst\u00e4dten, auf die neue Runde der Erschlie\u00dfung Sibiriens, auf die Sibirisierung des ganzen Landes zielen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnftens:<\/strong>\u00a0Die Verkehrskorridore m\u00fcssen die Wiedergeburt der zivilisatorischen Einheit Eurasiens in seiner ganzen Vielfalt beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p><strong>Sechstens:<\/strong>\u00a0Die neue logistische Matrix soll nicht nur die Transsibirische Eisenbahn und die Baikal-Amur-Magistrale erg\u00e4nzen, sondern auch Franklin D. Roosevelts New-Deal-Programm \u00e4hneln. Nach der Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 leitete er einen massenhaften Transportbau ein, nicht nur um das Verkehrsger\u00fcst der USA zu st\u00e4rken, sondern auch, um die gigantische Masse der Arbeitslosen mit Arbeit zu versorgen und soziale Spannungen zu mildern.<\/p>\n<p>Wir haben eine solche Krise nicht. Doch K\u00e4mpfer, die vom Krieg gegen den Westen aus der Ukraine zur\u00fcckkehren werden, m\u00fcssen nicht nur die administrative Klasse erg\u00e4nzen, sondern auch eine aussichtsreiche hochqualifizierte und gut bezahlte Arbeit erhalten, indem sie Sibiriens neue Infrastruktur bauen. Viele von ihnen werden dort bleiben, wie es beim Bau der Transsibirischen Eisenbahn und der Baikal-Amur-Magistrale der Fall war.<\/p>\n<p><strong>Siebtens:\u00a0<\/strong>Hier muss sich eine neue russische Elite bilden, die nicht, wie viele in Moskau und anderen zentralrussischen St\u00e4dten, durch Westlertum und Europhilie angesteckt ist und intellektuell immer kontraproduktiver und moralisch immer verkommener wird. Die neue Elite und das ganze Land m\u00fcssen sich als Erbauer des gro\u00dfen Projekts eines neuen sibirischen Russlands, eines Gro\u00dfeurasiens, f\u00fchlen. Russland braucht gro\u00dfe Projekte, ohne sie entwickeln wir uns nur mit M\u00fche. Der Bau des Transportnetzes des sibirischen Russlands und Gro\u00dfeurasiens muss zu einem solchen Projekt werden.<\/p>\n<p><strong>Achtens:\u00a0<\/strong>W\u00e4hrend wir das neue Ger\u00fcst der Nord-S\u00fcd-Routen bauen, m\u00fcssen wir es schon in der Projektphase gemeinsam mit unseren asiatischen Nachbarn erschaffen und ihre M\u00f6glichkeiten und Erfahrungen nutzen. Chinas Neue Seidenstra\u00dfe wird bei uns oft wie ein Konkurrent der Transsibirischen Eisenbahn interpretiert, doch warum sollte sie nicht von einem anderen, viel angemesseneren Standpunkt aus betrachtet werden. Man sollte \u00fcberlegen, wie Nord-S\u00fcd-Korridore mit Chinas Neuer Seidenstra\u00dfe verbunden werden k\u00f6nnten. Dann werden wir neue Wege nach Iran, Pakistan, zu warmen Meeren, nach Indien und Afrika erhalten.<\/p>\n<p><strong>Neuntens:\u00a0<\/strong>Wir m\u00fcssen nicht nur neue logistische Verkehrswege entlang der Nord-S\u00fcd-Linie schaffen, sondern auch mit deren Hilfe unsere Denkweise \u00e4ndern. Indem wir neue Verkehrswege und Magistralen bauen, werden wir uns vom veralteten und sch\u00e4dlichen Eurozentrismus l\u00f6sen und zu einem souver\u00e4nen eigenst\u00e4ndigen Bewusstsein \u00fcbergehen. Einst bildeten die gro\u00dfen sibirischen Baustellen die neue russische und sowjetische Elite. Auch neue Projekte sollen diesem Ziel dienen \u2013 nicht nur absolut notwendig f\u00fcr die Entwicklung des Landes, sondern auch erhebend f\u00fcr den Geist, so wie es einst\u00a0beim Bau der Transsibirischen Eisenbahn, der Erschlie\u00dfung der Nordostpassage,\u00a0dem Bau der Baikal-Amur-Magistrale, von Komsomolsk am Amur, Bratsk und vieler weiterer Projekte der Fall war.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/rg.ru\/2025\/09\/08\/logistika-dlia-bolshoj-evrazii.html\">Russischen<\/a>. Zuerst ver\u00f6ffentlicht bei &#8220;Rossijskaja Gaseta&#8221; am 8. September 2025.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Professor Sergei Karaganow<\/strong> ist Ehrenvorsitzender des Russischen Rates f\u00fcr Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik und akademischer Leiter der\u00a0Fakult\u00e4t f\u00fcr Internationale Wirtschaft und Au\u00dfenpolitik der Higher School of Economics (HSE) in Moskau.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema \u2012\u00a0<\/strong><a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/international\/254998-energie-aorten-eurasiens-wachsen-europa\/\">Energie-Aorten Eurasiens wachsen \u2013 Europa genie\u00dft stummen Herzinfarkt<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v6wcke2\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/255761-logistik-fuer-grosses-eurasien\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Politikwissenschaftler Karaganow h\u00e4lt die Phase einer engeren Bindung Russlands an den Westen f\u00fcr beendet. 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