{"id":9023,"date":"2022-05-27T21:01:08","date_gmt":"2022-05-27T19:01:08","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/wie-russland-sich-neu-erfinden-muss-um-dem-hybriden-krieg-des-westens-zu-begegnen\/"},"modified":"2022-05-27T21:01:08","modified_gmt":"2022-05-27T19:01:08","slug":"wie-russland-sich-neu-erfinden-muss-um-dem-hybriden-krieg-des-westens-zu-begegnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/wie-russland-sich-neu-erfinden-muss-um-dem-hybriden-krieg-des-westens-zu-begegnen\/","title":{"rendered":"Wie Russland sich neu erfinden muss, um dem hybriden Krieg des Westens zu begegnen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/628e31a648fbef588932cf1a.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Die seit 2014 andauernde Pattsituation zwischen Russland und dem Westen eskalierte mit dem Beginn der russischen Milit\u00e4roperation in der Ukraine zu einer aktiven Konfrontation. Russlands Existenz ist bedroht. Das Land muss ernsthafte Ma\u00dfnahmen ergreifen, um sein \u00dcberleben zu sichern.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Eine Analyse von Dmitri Trenin<\/em><\/p>\n<p>Das &#8220;<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Grand-Chessboard-American-Geostrategic-Imperatives\/dp\/046509435X\/ref=asc_df_046509435X\/?tag=googshopde-21&amp;linkCode=df0&amp;hvadid=310616925240&amp;hvpos=&amp;hvnetw=g&amp;hvrand=11260758313061109179&amp;hvpone=&amp;hvptwo=&amp;hvqmt=&amp;hvdev=c&amp;hvdvcmdl=&amp;hvlocint=&amp;hvlocphy=1003132&amp;hvtargid=pla-332905589017&amp;psc=1&amp;th=1&amp;psc=1&amp;tag=&amp;ref=&amp;adgrpid=57334095810&amp;hvpone=&amp;hvptwo=&amp;hvadid=310616925240&amp;hvpos=&amp;hvnetw=g&amp;hvrand=11260758313061109179&amp;hvqmt=&amp;hvdev=c&amp;hvdvcmdl=&amp;hvlocint=&amp;hvlocphy=1003132&amp;hvtargid=pla-332905589017\">Gro\u00dfe Schachspiel<\/a>&#8221; zwischen den M\u00e4chten auf dem europ\u00e4ischen Kontinent hat aufgeh\u00f6rt, ein Spiel zu sein. Es ist in einen handfesten Krieg \u00fcbergegangen, wenn auch bisher lediglich in Form einer hybriden Konfrontation, da der bewaffnete Konflikt in der Ukraine derzeit keinen l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Charakter hat. Die Gefahr jedoch, dass es sich zu einer direkten milit\u00e4rischen Konfrontation zwischen Russland und dem NATO-Block zuspitzt, besteht nicht nur, sondern nimmt sogar zu.<\/p>\n<p>Die Herausforderung, vor der Russland steht, findet in seiner bisherigen Geschichte keine Entsprechung \u2013\u00a0nicht nur dadurch, dass Russland im Westen weder Verb\u00fcndete noch potenzielle Partner mehr hat. Vergleiche mit dem Kalten Krieg, der sich von Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts erstreckte, sind unzutreffend und stiften eher Verwirrung. Im Hinblick auf die Globalisierung und die Entwicklung neuer Technologien geschieht die moderne Form der Konfrontation nicht nur in einem gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfstab als die vorherige, sie ist auch viel intensiver. Letztendlich zieht sich die Hauptkampflinie des laufenden Konflikts durch Russland selbst.<\/p>\n<p>Die Asymmetrie zwischen den Gegnern ist enorm, insbesondere das Ungleichgewicht zwischen den ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Kr\u00e4ften und F\u00e4higkeiten. Auf dieser Grundlage haben sich die USA und ihre Verb\u00fcndeten viel radikalere Ziele gegen Russland gesetzt als die relativ konservativen Eind\u00e4mmungs- und Abschreckungsstrategien gegen\u00fcber der Sowjetunion. Tats\u00e4chlich strebt der Westen danach, Russland als unabh\u00e4ngigen Faktor aus der Weltpolitik zu dr\u00e4ngen und die russische Wirtschaft vollst\u00e4ndig zu zerst\u00f6ren. Ein Erfolg dieser Strategie w\u00fcrde es dem US-gef\u00fchrten Westen erm\u00f6glichen, die &#8220;Russland-Frage&#8221; endg\u00fcltig zu l\u00f6sen und g\u00fcnstige Bedingungen f\u00fcr einen Sieg in der Konfrontation mit China zu schaffen.<\/p>\n<p>Die Haltung eines solchen Gegners impliziert keinen Raum f\u00fcr einen ernsthaften Dialog, da auf der Grundlage eines Interessenausgleichs praktisch keine Aussicht auf einen Kompromiss besteht, vor allem nicht zwischen den Vereinigten Staaten und Russland. Dieser neuen Dynamik innerhalb der russisch-westlichen Beziehungen folgte ein drastischer Abbruch aller wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und diplomatischen Verbindungen sowie der zunehmende Druck auf Russland seitens des Westens \u2013\u00a0sei es auf den russischen Staat, seine Gesellschaft, die Wirtschaft, die Wissenschaft, in der Technologie und in der Kultur \u2013 an allen Fronten sozusagen.<\/p>\n<p>Dies ist nicht mehr eine Zwietracht zwischen zwei Gegnern in der Zeit des Kalten Krieges, die eines Tages zu ungleichen Partnern wurden. Dies ist eher eine klare Grenzziehung zwischen zwei Lagern, bei der sich der Westen weigert, auch nur die oberfl\u00e4chliche Neutralit\u00e4t einzelner beteiligter L\u00e4nder zu akzeptieren. Dar\u00fcber hinaus ist die gemeinsame antirussische Agenda bereits zu einem wichtigen strukturellen Element dieser Einheit innerhalb der Europ\u00e4ischen Union geworden und st\u00e4rkt gleichzeitig die amerikanische F\u00fchrungsrolle in der westlichen Welt.<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden ist es eine illusorische Hoffnung, dass Russlands Gegner aufgrund interner Umw\u00e4lzungen in ihren L\u00e4ndern auf die Vernunft h\u00f6ren oder von gem\u00e4\u00dfigteren Politikern vertreten werden. Auch in den politischen Klassen der L\u00e4nder, in denen die Haltung gegen\u00fcber Moskau bisher vor allem von wichtigen wirtschaftlichen Interessen bestimmt wurde \u2013 in Deutschland, Italien, Frankreich, \u00d6sterreich und Finnland \u2013, hat eine grundlegende Verschiebung in Richtung Abkoppeln und Konfrontation stattgefunden. Daher d\u00fcrfte sich die systemische Konfrontation zwischen dem Westen und Russland in die L\u00e4nge ziehen.<\/p>\n<p>Dieser Umstand macht die bisherige au\u00dfenpolitische Strategie Russlands gegen\u00fcber den USA und der EU fast vollst\u00e4ndig zunichte. Diese zielte darauf ab, dass der Westen die russischen Sicherheitsinteressen anerkennt, die Zusammenarbeit in Fragen der globalen strategischen Stabilit\u00e4t und der europ\u00e4ischen Sicherheit gew\u00e4hrleistet, dass man sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer L\u00e4nder einmischt und auf gegenseitige vorteilhafte Beziehungen zu Washington und Br\u00fcssel aufbaute. Die Erkenntnis, dass die bisherige Agenda jetzt irrelevant ist, bedeutet jedoch nicht, dass Russland die aktive Politik aufgeben und sich vollst\u00e4ndig den Umst\u00e4nden unterwerfen sollte.<\/p>\n<p>Russland wird zunehmend auf sich allein gestellt sein, und in Zeiten einer solchen Konfrontation mit dem Westen sollte die Ann\u00e4herung an nicht-westliche Staaten im Fokus der au\u00dfenpolitischen Strategie Moskaus stehen.\u00a0Der Ausgang dieser Konfrontation ist jedoch nicht vorherbestimmt. Die Umst\u00e4nde wirken sich zwar auf Russland aus, aber die russische Politik kann auch die Welt um sie herum gestalten. Dabei gilt es vor allem zu bedenken, dass ohne klare Ziele keine Strategie entwickelt werden kann. Russland muss bei sich selbst beginnen und dabei ein Bewusstsein daf\u00fcr entwickeln, wer Russland ist, woher es kommt und wonach es strebt, basierend auf seinen Werten und Interessen.<\/p>\n<p>Die Au\u00dfenpolitik Russlands war schon immer eng mit seiner Innenpolitik verbunden, einschlie\u00dflich der Wirtschaft, den sozialen Beziehungen, der Wissenschaft, der Technologie und seiner Kultur. Angesichts dieser neuen Art der Kriegsf\u00fchrung, zu der Russland gezwungen wird, wurde die Linie verwischt zwischen dem, was in fr\u00fcheren Epochen &#8220;Frontlinie&#8221; und &#8220;r\u00fcckw\u00e4rtiger Raum&#8221; genannt wurde. In einem solchen Kampf ist es nicht nur unm\u00f6glich zu gewinnen, es ist unm\u00f6glich zu \u00fcberleben, wenn die Eliten auf weitere pers\u00f6nliche Bereicherung fixiert bleiben und die Gesellschaft in einem depressiven, aber gleichzeitig \u00fcberm\u00e4\u00dfig entspannten Zustand zur\u00fccklassen.<\/p>\n<p>Die &#8220;Wiederherstellung&#8221; der Russischen F\u00f6deration auf einer politisch tragf\u00e4higeren, wirtschaftlich leistungsf\u00e4higen, sozial gerechteren und moralisch einwandfreieren Basis wird somit dringend notwendig. Russland muss verstehen, dass die strategische Niederlage, die der Westen unter der F\u00fchrung der Vereinigten Staaten gegen Russland vorbereitet, keinen Frieden und keine anschlie\u00dfende Wiederherstellung der Beziehungen bringen wird.<\/p>\n<p>Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Schauplatz des &#8220;hybriden Krieges&#8221; von der Ukraine aus einfach weiter nach Osten, an die Grenzen Russlands verlagert wird, um Russlands Existenz in seiner derzeitigen Form zu bestreiten.<\/p>\n<p><strong>Der Strategie dieses Gegners muss aktiv entgegengewirkt werden<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Gebiet der Au\u00dfenpolitik besteht das dringendste Ziel des russischen Staates eindeutig darin, die Unabh\u00e4ngigkeit Russlands als Zivilisation, als einen gro\u00dfen unabh\u00e4ngigen globalen Akteur zu st\u00e4rken, ein akzeptables Sicherheitsniveau zu gew\u00e4hrleisten und g\u00fcnstige Bedingungen f\u00fcr eine umfassende Entwicklung zu schaffen. Um dieses Ziel unter den gegenw\u00e4rtigen Bedingungen zu erreichen \u2013 die komplexer und schwieriger sind als noch vor Kurzem \u2013, bedarf es einer effektiven integrierten Strategie: politisch, milit\u00e4risch, wirtschaftlich, technologisch und informativ.<\/p>\n<p>Die unmittelbare und wichtigste Aufgabe dieser Strategie besteht darin, strategische Erfolge in der Ukraine zu erzielen, innerhalb der festgelegten Ziele, die gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit festgelegt wurden. Es ist notwendig, die erkl\u00e4rten Ziele der milit\u00e4rischen Sonderoperation zu erreichen und dabei alle M\u00f6glichkeiten zu nutzen, um sie zu erreichen. Die Fortsetzung dessen, was viele heute einen &#8220;Scheinkrieg&#8221; nennen, f\u00fchrt zu einer Verl\u00e4ngerung der milit\u00e4rischen Aktivit\u00e4ten, zu zunehmenden Verlusten und einem R\u00fcckgang des globalen Ansehens von Russland. Die L\u00f6sung der meisten strategischen Ziele des Landes h\u00e4ngt nun direkt davon ab, ob und wann es gelingt, strategische Erfolge in der Ukraine zu erzielen.<\/p>\n<p>Die wichtigste dieser umfassenden au\u00dfenpolitischen Aufgaben ist nicht der Sturz der US-zentrierten Weltordnung um jeden Preis. Ihre Erosion wird auf unabh\u00e4ngige Faktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, aber ein russischer Erfolg in der Ukraine w\u00e4re ein schmerzhafter Schlag f\u00fcr die US-Hegemonialmacht. Und nat\u00fcrlich ist auch nicht eine R\u00fcckkehr in den Scho\u00df dieser Weltordnung zu g\u00fcnstigeren Bedingungen das Ziel, sondern der konsequente Aufbau eines neuen Systems internationaler Beziehungen, zusammen mit nicht-westlichen L\u00e4ndern \u2013\u00a0und in Zusammenarbeit mit ihnen \u2013 die Bildung einer neuen Weltordnung und deren konsequente F\u00f6rderung. An dieser Aufgabe muss Russland jetzt arbeiten. Aber in vollem Umfang zu handeln, wird erst nach einem strategischen Erfolg in der Ukraine m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Gestaltung neuer geopolitischer, geo\u00f6konomischer und milit\u00e4rstrategischer Realit\u00e4ten im westlichen Teil der ehemaligen Sowjetunion, im Donbass und im ehemaligen Neurussland, wird in diesem Zusammenhang \u00e4u\u00dferst wichtig und relevant. Ein langfristiger Schwerpunkt wird dabei die Weiterentwicklung der B\u00fcndnis- und Integrationsbeziehungen zu Wei\u00dfrussland bilden. Zu dieser Kategorie geh\u00f6rt auch die St\u00e4rkung der Sicherheit Russlands in Zentralasien und im S\u00fcdkaukasus.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Wiederaufbaus der Au\u00dfenwirtschaftsbeziehungen und der Schaffung eines neuen Modells der globalen Ordnung sind die wichtigsten Richtungen die Zusammenarbeit mit Weltm\u00e4chten wie China, Indien und Brasilien, aber auch mit f\u00fchrenden regionalen Akteuren \u2013 wie der T\u00fcrkei, den ASEAN-Staaten, den Golfstaaten, Iran, \u00c4gypten, Algerien, Israel, S\u00fcdafrika, Pakistan, Argentinien, Mexiko und anderen.<\/p>\n<p>In diesen Bereichen \u2013\u00a0und nicht in den traditionellen euro-atlantischen Arenen \u2013 sollten die Hauptressourcen der Diplomatie, der Au\u00dfenwirtschaftsbeziehungen sowie des Informations- und Kulturbereichs eingesetzt werden. W\u00e4hrend im milit\u00e4rischen Bereich das Hauptaugenmerk f\u00fcr Russland jetzt auf den Westen gerichtet ist, ist es in anderen Bereichen der Rest der Welt \u2013 der gr\u00f6\u00dfere und dynamischere Teil.<\/p>\n<p>Neben der Entwicklung bilateraler Beziehungen sollte der multilateralen Zusammenarbeit zwischen Staaten im nicht-westlichen Teil der Welt eine neue Priorit\u00e4t einger\u00e4umt werden. Der Aufbau internationaler Institutionen sollte st\u00e4rker in den Mittelpunkt ger\u00fcckt werden. Die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU), die Organisation des Vertrags \u00fcber kollektive Sicherheit (OVKS), die Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit\u00a0(SOZ), die Gruppierung Russland-Indien-China, BRICS und die Mechanismen f\u00fcr den Dialog und die Partnerschaft zwischen der Russischen F\u00f6deration und ASEAN, Afrika und Lateinamerika m\u00fcssen f\u00fcr die weitere Entwicklung angekurbelt werden. Russland ist in der Lage, eine f\u00fchrende Rolle bei der Entwicklung einer Rahmenideologie f\u00fcr diese Organisationen zu spielen, um die Interessen der Partnerl\u00e4nder zu harmonisieren und gemeinsame Agenden zu koordinieren.<\/p>\n<p>In den Beziehungen zum Westen wird die Strategie Russlands weiterhin darauf abzielen, die nuklearen, konventionellen und Cyber-F\u00e4higkeiten der USA einzud\u00e4mmen und sie davon abzuhalten, milit\u00e4rischen Druck auf Russland und seine Verb\u00fcndeten auszu\u00fcben oder sie sogar anzugreifen. Nie seit dem Ende der sowjetisch-amerikanischen Konfrontation war die Verhinderung eines Atomkriegs so relevant wie jetzt. Die neue Herausforderung nach dem strategischen Erfolg in der Ukraine wird darin bestehen, die NATO-Staaten zu zwingen, die russischen Interessen tats\u00e4chlich anzuerkennen und die neuen Grenzen Russlands zu sichern.<\/p>\n<p>Moskau muss Sinnhaftigkeit, M\u00f6glichkeit und Grenzen einer situativen Zusammenarbeit mit verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Gruppen im Westen sorgf\u00e4ltig abw\u00e4gen. Genauso wie mit anderen zeitweiligen potenziellen Verb\u00fcndeten au\u00dferhalb des Blocks, deren Interessen in gewisser Hinsicht mit denen Russlands \u00fcbereinstimmen. Die Aufgabe besteht nicht darin, dem Gegner \u00fcberall Schaden zuzuf\u00fcgen, sondern mit verschiedenen Reizmitteln die Aufmerksamkeit und Ressourcen des Gegners vom Fokus auf Russland abzulenken sowie die innenpolitischen Situationen in den USA und der EU in eine f\u00fcr Moskau g\u00fcnstige Richtung zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Wichtigstes Ziel dabei ist die Entwicklung einer Strategie f\u00fcr eine sich abzeichnende Konfrontation zwischen den USA und China. Der partnerschaftliche Charakter der russisch-chinesischen Beziehungen ist das Wichtigste, was den gegenw\u00e4rtigen &#8220;hybriden Krieg&#8221; gegen den Westen positiv von dem vorherigen Kalten Krieg unterscheidet.<\/p>\n<p>Obwohl Peking kein formeller milit\u00e4rischer Verb\u00fcndeter Moskaus ist, wurde die strategische Partnerschaft zwischen den beiden L\u00e4ndern offiziell als tiefergehend bezeichnet als blo\u00df ein formelles B\u00fcndnis. Russlands gr\u00f6\u00dfter Wirtschaftspartner hat sich den antirussischen Sanktionen nicht angeschlossen, aber chinesische Unternehmen und Banken sind tief in die Weltwirtschaft integriert und bef\u00fcrchten US- und EU-Sanktionen, wodurch die M\u00f6glichkeit von Interaktionen eingeschr\u00e4nkt wird. Zwischen den Staatsoberh\u00e4uptern Russlands und Chinas besteht jedoch ein gegenseitiges Einvernehmen, und die Menschen beider L\u00e4nder gehen freundlich miteinander um. Schlie\u00dflich betrachten die Vereinigten Staaten beide L\u00e4nder als ihre Gegner \u2013 China als ihren wirtschaftlichen Hauptkonkurrenten und Russland als die gr\u00f6\u00dfte aktuelle milit\u00e4rische Bedrohung.<\/p>\n<p><strong>Die Politik der USA bringt Russland und China noch n\u00e4her zusammen<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p>In diesem &#8220;hybriden Krieg&#8221;\u00a0sind die politische und diplomatische Unterst\u00fctzung Chinas \u2013\u00a0und sogar eine, wenn auch begrenzte, wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit \u2013 sehr wichtig f\u00fcr Russland. Moskau hat derzeit keine M\u00f6glichkeit, eine noch engere Ann\u00e4herung an Peking zu erzwingen, aber es besteht auch keine Notwendigkeit f\u00fcr ein noch engeres B\u00fcndnis.<\/p>\n<p>Wenn sich die amerikanisch-chinesischen Unvereinbarkeiten versch\u00e4rfen, sollte Russland bereit sein, Peking politisch zu unterst\u00fctzen, sowie in begrenztem Umfang und unter bestimmten Bedingungen milit\u00e4risch-technische Hilfe leisten, w\u00e4hrend man gleichzeitig eine direkte Beteiligung am Konflikt zwischen China und den USA vermeidet. Die Er\u00f6ffnung einer &#8220;zweiten Front&#8221; in Asien wird den Druck des Westens auf Russland wahrscheinlich nicht wesentlich verringern, aber es wird die Spannungen in den Beziehungen zwischen Russland und Indien dramatisch erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Der \u00dcbergang von einem konfrontativen, aber immer noch bedingt friedlichen Zustand der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und dem Westen hin zu einer Situation des Wirtschaftskriegs erfordert eine tiefgreifende Revision seiner Au\u00dfenwirtschaftspolitik. Diese Politik kann nicht mehr prim\u00e4r auf der Grundlage wirtschaftlicher oder technologischer Zweckm\u00e4\u00dfigkeit durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Ma\u00dfnahmen zur Abkopplung vom US-Dollar und zur R\u00fcckf\u00fchrung von Verm\u00f6gen, die Offshore geparkt sind, werden derzeit umgesetzt. Wirtschaftseliten \u2013 oft f\u00e4lschlicherweise als &#8220;Oligarchen&#8221; bezeichnet \u2013, die zuvor ihre Gewinne au\u00dferhalb des Landes eingesackt haben, werden zwangsweise &#8220;verstaatlicht&#8221;. Eine Importsubstitution ist im Gange, die russische Wirtschaft verlagert ihren Fokus von der Strategie des Rohstoffexports auf die Entwicklung von Produktionsprozessen in geschlossenen Kreisl\u00e4ufen.<\/p>\n<p>Bislang verhielt sich Russland dahingehend jedoch \u00fcberwiegend defensiv und reaktiv. Jetzt aber ist es notwendig, von Vergeltungsma\u00dfnahmen zu Initiativen \u00fcberzugehen, mit denen Russlands Position in dem vom Westen erkl\u00e4rten totalen Wirtschaftskrieg gest\u00e4rkt wird und es dem Land erm\u00f6glicht, dem Gegner erheblichen Schaden zuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang muss eine engere Abstimmung der Bem\u00fchungen des Staates und die der Wirtschaft erfolgen, sowie die Umsetzung einer koordinierten Politik in Bereichen wie Finanzen, Energie, Metallurgie, Landwirtschaft, Transport, Logistik, Milit\u00e4r und\u00a0Technologie \u2013 insbesondere im Feld der Information und Kommunikation und der wirtschaftlichen Integration.\u00a0Und dies alles sowohl im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsunion und des Unionsstaates Russland und Wei\u00dfrussland als auch unter Ber\u00fccksichtigung der neuen Realit\u00e4ten im Donbass und in der n\u00f6rdlichen Region des Schwarzen Meeres.<\/p>\n<p>Eine separate Aufgabe besteht darin, den russischen Ansatz und die politische Position in Fragen des Klimawandels unter den ver\u00e4nderten Bedingungen zu \u00fcberarbeiten. Es ist auch wichtig, die zul\u00e4ssigen Grenzen der finanziellen, wirtschaftlichen und technologischen Abh\u00e4ngigkeiten Russlands von neutralen L\u00e4ndern \u2013\u00a0vor allem von China \u2013\u00a0festzulegen und eine technologische Partnerschaft mit Indien einzugehen.<\/p>\n<p>Krieg ist immer die h\u00e4rteste und grausamste Pr\u00fcfung der Best\u00e4ndigkeit, Ausdauer und der inneren St\u00e4rke eines Staates. Heute und auf absehbare Zeit ist Russland ein Land im Krieg. Russland wird seinen Weg nur fortsetzen k\u00f6nnen, wenn sich Regierung und Gesellschaft auf der Grundlage von Solidarit\u00e4t und gegenseitigen Verpflichtungen vereinen, alle verf\u00fcgbaren Ressourcen mobilisieren, gleichzeitig die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Unternehmertum erweitern, b\u00fcrokratische Hindernisse beseitigen, die das Land von innen schw\u00e4chen, und eine realistische Strategie entwickeln, um mit externen Gegnern umzugehen.<\/p>\n<p>Bisher haben die Russen lediglich den Sieg einer vorherigen Generation im Jahr 1945 gefeiert. Die aktuelle Herausforderung besteht darin, das Land zu retten und weiterzuentwickeln. Dazu muss Russlands Strategie sein, die sie umzingelnden und einschr\u00e4nkenden Umst\u00e4nde zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/russia\/555916-russia-west-hydrid-war\/\">Englischen<\/a>.<strong>\u00a0<\/strong><\/em><br \/><em><strong><\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Dmitri Trenin\u00a0<\/strong>ist Mitglied des Rates f\u00fcr Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik Russlands und war Direktor des Carnegie-Instituts in Moskau.<\/em><\/p>\n<p><em>Dieser Meinungsartikel wurde auf der Grundlage der Rede des Autors auf der 30. Versammlung des Rates f\u00fcr Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik erstellt, die urspr\u00fcnglich in russischer Sprache auf <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/globalaffairs.ru\/articles\/politika-i-obstoyatelstva\/\">globalaffairs.ru<\/a>\u00a0ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema &#8211;<\/strong>\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/russland\/139363-russland-will-auslandsschulden-in-rubel\/\">Russland will Auslandsschulden in Rubel begleichen<em><\/em><\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/russland\/139317-wie-russland-sich-neu-erfinden-muss\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die seit 2014 andauernde Pattsituation zwischen Russland und dem Westen eskalierte mit dem Beginn der russischen Milit\u00e4roperation in der Ukraine zu einer aktiven Konfrontation. Russlands Existenz ist bedroht. 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