{"id":8563,"date":"2022-05-23T06:15:00","date_gmt":"2022-05-23T04:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/krise-in-transnistrien-wird-der-ukraine-konflikt-auf-andere-teile-europas-uebergreifen\/"},"modified":"2022-05-23T06:15:00","modified_gmt":"2022-05-23T04:15:00","slug":"krise-in-transnistrien-wird-der-ukraine-konflikt-auf-andere-teile-europas-uebergreifen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/krise-in-transnistrien-wird-der-ukraine-konflikt-auf-andere-teile-europas-uebergreifen\/","title":{"rendered":"Krise in Transnistrien: Wird der Ukraine-Konflikt auf andere Teile Europas \u00fcbergreifen?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/62877e4848fbef4c2a46a463.jpg\" \/><\/p>\n<p><em>Eine Analyse von Alexander Nepogodin<\/em><\/p>\n<p>Eine Reihe von Explosionen ersch\u00fctterte Ende April die transnistrische Hauptstadt Tiraspol, und nahe der Grenze zu ihrem vom Krieg zerrissenen Nachbarn Ukraine wurden Sch\u00fcsse abgegeben. Mehrere wichtige Geb\u00e4ude des Milit\u00e4rs und der Infrastruktur wurden getroffen \u2013 das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit, ein Fernseh- und Radiozentrum sowie das gr\u00f6\u00dfte Munitionslager in Osteuropa. Die Transnistrien-Frage brodelte am Rande der Weltpolitik, seit die urspr\u00fcnglichen K\u00e4mpfe am 21. Juli 1992 beigelegt wurden und ein Waffenstillstand unterzeichnet wurde.<\/p>\n<p>Jetzt, 30 Jahre sp\u00e4ter, fordert dieser &#8220;eingefrorene Konflikt&#8221; die europ\u00e4ische Sicherheit erneut heraus. Hier soll beleuchtet werden, wer von einer Eskalation in Transnistrien profitieren k\u00f6nnte und wie die Entwicklungen in der Region durch Russlands milit\u00e4rischen Sondereinsatz in der Ukraine beeinflusst werden.<\/p>\n<p><strong>Explosive Situation<\/strong><\/p>\n<p>Die abtr\u00fcnnige Transnistrische Republik Moldau (TMR) war eine der ersten Regionen, die nach Beginn der russischen Operation im Februar in h\u00f6chste Alarmbereitschaft versetzt wurden. Die Mehrheit\u00a0ihrer Einwohner steht auf der Seite Moskaus. Seit Anfang der 1990er Jahre hat Transnistrien seine Beziehungen zu Moldawien abgebrochen und sich seither auf die Unterst\u00fctzung des Kremls verlassen. Geografisch liegt die TMR jedoch nahe am S\u00fcdwesten der Ukraine und grenzt an Odessa und Winniza.<\/p>\n<p>Seit den ersten Tagen der russischen Milit\u00e4roperation war klar, dass es hier zu Provokationen kommen k\u00f6nnte \u2013 und es scheint, es kam auch dazu. Am 25. April sollen Sch\u00fcsse aus einem Granatwerfer auf das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit abgefeuert worden sein.<\/p>\n<p>Infolgedessen brach im Geb\u00e4ude ein Feuer aus, und die Explosion zerschmetterte Fenster in nahe gelegenen Geb\u00e4uden,\u00a0wobei aber niemand verletzt oder get\u00f6tet wurde. W\u00e4hrend die Einsatzkr\u00e4fte die Tr\u00fcmmer beseitigten, versuchten die Beh\u00f6rden herauszufinden, wer hinter der Schie\u00dferei steckte. Schlie\u00dflich kamen sie zu dem Schluss, dass solche Vorf\u00e4lle jenen in die H\u00e4nde spielen, die Transnistrien in den Russland-Ukraine-Konflikt hineinziehen wollen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag wurde ein Milit\u00e4rflugplatz in der N\u00e4he von Tiraspol getroffen, sp\u00e4ter wurden zwei Funkantennen in Majak, wo sich das transnistrische Fernseh- und Radiozentrum befindet, in die Luft gesprengt. Investigative Blogger fanden heraus, dass die Antennen zum russischen Fernseh- und Rundfunknetz geh\u00f6rten und in die USA, in den Nahen Osten und nach Lateinamerika gesendet hatten. Der Pr\u00e4sident der TMR, Wadim Krasnoselski, glaubt, dass die Ukraine hinter den Vorf\u00e4llen steckt. &#8220;Wir wissen, woher die Terroristen kamen und wohin sie danach gingen. Ich versichere Ihnen, sie haben nichts mit der Transnistrien-Frage zu tun&#8221;, sagte der Politiker.<\/p>\n<p>Die lokalen Beh\u00f6rden beschlossen in Folge, die Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai vorsorglich abzusagen. Sie verboten Feuerwerk und forderten die Menschen auf, keine Blumen zu den Gr\u00e4bern gefallener sowjetischer Soldaten zu bringen. &#8220;Das Organisieren von Versammlungen an bestimmten Orten ist nicht sicher&#8221;, erkl\u00e4rte Krasnoselski und f\u00fcgte hinzu, dass man eines Tages den Sieg noch einmal so feiern w\u00fcrde wie im Mai 1945.<\/p>\n<p>Trotz aller getroffenen Ma\u00dfnahmen blieb die Lage in Transnistrien auch in den folgenden Tagen angespannt. Am 27. April wurden offenbar VOG-25-Granatwerfer eingesetzt, um auf Milit\u00e4rlager in Kolbasna zu schie\u00dfen,\u00a0in denen russische Friedenstruppen stationiert sind. Ein Untersuchungskomitee der TMR kam zu dem Schluss, dass der Angriff von ukrainischem Territorium ausging.<\/p>\n<p>Seit dem Abzug sowjetischer und sp\u00e4ter russischer Truppen aus Deutschland und der Tschechoslowakei liegt in Kolbasna, nahe der ukrainischen Grenze gelegen, das gr\u00f6\u00dfte Munitionslager Osteuropas. Im Jahr 2000 beherbergte es 42 Tonnen Artillerie- und Infanteriemunition und andere milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung. Nach den auf dem OSZE-Gipfel in Istanbul erzielten Vereinbarungen von 1999 wurden \u00fcber 20 Tonnen verlegt oder vernichtet. Doch in der Anlage lagert immer noch eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Waffen und Munition.<\/p>\n<p>Unmittelbar nachdem Moskau seine Milit\u00e4roperation begonnen hatte, begannen bestimmte Telegram-Kan\u00e4le, Szenarien zu diskutieren, in denen die Ukraine versuchen k\u00f6nnte, das Lager zu \u00fcbernehmen und die Waffen zu erbeuten. Die transnistrischen Beh\u00f6rden \u00e4u\u00dferten sich nicht zu den Ger\u00fcchten \u2013 offenbar glaubten sie, dass die USA und die EU die Ukraine mit gen\u00fcgend moderner Ausr\u00fcstung versorgt h\u00e4tten.<\/p>\n<p><strong>Steigende Spannungen<\/strong><\/p>\n<p>Der Konflikt in Transnistrien von 1992 wurde durch den Zerfall der Sowjetunion verursacht. Transnistrien war einst Teil der Moldawischen Sowjetrepublik, eines Gebiets, eingekeilt zwischen Moldawien und der Ukraine, das von russischsprachigen Menschen bev\u00f6lkert wird und heute eine abtr\u00fcnnige Republik ist.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeit, den gefrorenen Transnistrien-Konflikt wieder &#8220;aufzuw\u00e4rmen&#8221;, wird seit einigen Jahren diskutiert und stand 2014 wieder auf der Tagesordnung, nachdem sich die Krim mit Russland vereint hat und im Donbass ein Konflikt entfacht worden war. Die H\u00e4lfte der 500.000 Menschen, die in Transnistrien leben, sind russische Staatsb\u00fcrger, und die Beh\u00f6rden haben die lokalen Gesetze 2016 an das russische Recht angepasst, um einer zuk\u00fcnftigen Integration Rechnung zu tragen. In diesem Zusammenhang begann die Ukraine, die TMR als einen feindseligen Teil der &#8220;russischen Welt&#8221; an ihrer unmittelbaren Grenzen zu betrachten.<\/p>\n<p>Die Eskalation zwischen beiden Garanten des eingefrorenen Konflikts rund um Transnistrien \u2013 Russland und die Ukraine \u2013 erh\u00f6ht das Risiko einer &#8220;Aufw\u00e4rmung&#8221;. Dies f\u00fchrte bereits 2014 zu engeren Beziehungen zwischen der Ukraine und Moldawien, was den milit\u00e4rischen und politischen Druck auf die TMR erh\u00f6hte. Und nach dem 24. Februar 2022 ist das Eskalationsrisiko noch gr\u00f6\u00dfer geworden. Den \u00c4u\u00dferungen der Politiker in Moldawien und Transnistrien nach zu urteilen, wollen beide Seiten jedoch vermeiden, in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hineingezogen zu werden.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Krasnoselski sprach am 26. Februar zur Bev\u00f6lkerung der Ukraine, insbesondere zu jener in den Regionen Winniza und Odessa, und sagte, die Ger\u00fcchte \u00fcber eine Bedrohung aus Transnistrien seien eine &#8220;Provokation&#8221;.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Ich bin fest davon \u00fcberzeugt, dass alle, die diese Fehlinformationen verbreiten, entweder v\u00f6llig aus dem Konzept geraten sind oder versuchen, \u00c4rger zu machen. Glauben Sie nicht den Ger\u00fcchten, die von zwielichtigen Akteuren und St\u00f6renfrieden verbreitet werden, bleiben Sie n\u00fcchtern und unterst\u00fctzen Sie diejenigen, die Unterst\u00fctzung brauchen, wenn Sie dazu in der Lage sind&#8221;, sagte er.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Reaktion Moldawiens auf die Serie von Explosionen in Transnistrien war relativ zur\u00fcckhaltend. Nach einer Sitzung des Obersten Sicherheitsrates des Landes am 27. April machte Pr\u00e4sidentin Maia Sandu &#8220;Kr\u00e4fte in der Region, die f\u00fcr den Krieg sind&#8221;, f\u00fcr die Eskalation verantwortlich. Diese seien &#8220;daran interessiert, die Situation zu destabilisieren&#8221;, so Sandu, ohne weiter darauf einzugehen. Der Verteidigungsminister der Republik Moldawien, Anatolie Nosat\u00eei, betonte, dass sein Ministerium die Ereignisse beobachte, um einer weiteren Eskalation entgegenzutreten.<\/p>\n<p>Moldawien unternimmt alle Anstrengungen, um sich von der Ukraine-Krise zu distanzieren, und die drohende Eskalationsgefahr bereitet sowohl der Regierung als auch der \u00d6ffentlichkeit gro\u00dfe Sorgen. Der Informations- und Sicherheitsdienst des Landes gab eine Erkl\u00e4rung heraus, in der die Menschen aufgefordert wurden, ruhig zu bleiben und keine unbest\u00e4tigten Informationen zu verbreiten. &#8220;Es ist wichtig, die Verbreitung falscher Nachrichten zu verhindern, die Hass und Krieg sch\u00fcren&#8221;, hie\u00df es in der Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die moldawischen Beh\u00f6rden versuchten, die B\u00fcrger zu beruhigen, begannen die Streitkr\u00e4fte der Ukraine eine Milit\u00e4r\u00fcbung in der N\u00e4he von Podolsk (ehemals Kotowsk), einer Stadt nahe der Grenze zu Transnistrien, und setzten dabei mindestens 2.000 Soldaten ein.<\/p>\n<p>Der ukrainische Journalist Dmitri Gordon kommentierte, dass die ukrainische Armee nicht darum herum komme, die TMR anzugreifen, weil sie eine Bedrohungsquelle f\u00fcr die Region Odessa darstellt.<\/p>\n<p>Offiziell hat die Ukraine jegliche Mitschuld an den Vorf\u00e4llen in Transnistrien bestritten. Einige ukrainische Politiker machten jedoch \u00c4u\u00dferungen, die sowohl f\u00fcr die TMR als auch f\u00fcr Moldawien beunruhigend klangen. Pr\u00e4sidentenberater Alexei Arestowitsch sagte, die Vorf\u00e4lle spielten Russland in die Hand, und schlug vor, dass ukrainische Truppen in Transnistrien einmarschieren sollten. Arestowitsch betonte aber, dass dies nur geschehen k\u00f6nne, wenn die moldawische Regierung eine solche Unterst\u00fctzung direkt anfordern w\u00fcrde. &#8220;Wir k\u00f6nnen Transnistrien verwalten, wenn es n\u00f6tig ist. Rein und fertig&#8221;, sagte er.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Wladimir Selenskij wiederum beschuldigte Russland direkt, die Region zu destabilisieren. &#8220;Wir verstehen klar, dass dies einer der Schritte der Russischen F\u00f6deration ist. Dort arbeiten die Sonderdienste. Es geht nicht nur um Fake News. Das Ziel ist offensichtlich \u2013 die Situation in der Region zu destabilisieren und Moldawien zu bedrohen. Russland zeigt, dass es zu bestimmten Schritte kommen wird, wenn Moldawien die Ukraine unterst\u00fctzt&#8221;, so Selenskij.<\/p>\n<p>Das B\u00fcro f\u00fcr Reintegration der Republik Moldawien \u2013 ein parlamentarisches Gremium, das die Gespr\u00e4che \u00fcber die Beilegung der Transnistrien-Frage leitet \u2013 lehnte jedoch alle Hilfsangebote der Ukraine ab. &#8220;Die L\u00f6sung der Transnistrien-Frage kann mit politischen Mitteln und nur auf der Grundlage einer friedlichen L\u00f6sung unter Ausschluss milit\u00e4rischer und anderer gewaltsamer Ma\u00dfnahmen erreicht werden&#8221;, hie\u00df es. W\u00e4hrend eines Besuchs in Kiew sagte der Sprecher des moldawischen Parlaments, Igor Grosu, Moldawien werde der Ukraine keine milit\u00e4rische Hilfe leisten, und verwies auf die Neutralit\u00e4t des Landes.<\/p>\n<p>Aber trotz der Erkl\u00e4rungen von Moldawien und der TMR erwartet die NATO immer noch Provokationen in Transnistrien. Der stellvertretende NATO-Generalsekret\u00e4r Mircea Geoan\u0103 sieht in naher Zukunft keine milit\u00e4rischen Risiken f\u00fcr Moldawien, sagt jedoch solche Risiken f\u00fcr die Ukraine voraus. &#8220;Wir erwarten Provokationen und Operationen unter falscher Flagge \u2013 mit dem Ziel, nicht so sehr der Republik Moldawien \u00c4rger zu bereiten, sondern den ukrainischen Streitkr\u00e4ften im Westen des Landes&#8221;,\u00a0erkl\u00e4rte er.<\/p>\n<p>Auch die EU war besorgt \u00fcber die Eskalation in Transnistrien. Ihre Diplomaten forderten die Parteien auf, Ruhe zu bewahren und Zur\u00fcckhaltung zu \u00fcben, beschlossen jedoch, die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Moldawien zu verst\u00e4rken. Einige L\u00e4nder empfahlen ihren B\u00fcrgern aufgrund der sich verschlechternden Sicherheitslage, das Hoheitsgebiet von Transnistrien zu verlassen oder einen Besuch in der Region zu vermeiden. Zu den Staaten, die Hinweise zur Reisesicherheit aktualisiert haben, geh\u00f6ren Kanada, die USA, Bulgarien, Israel und Deutschland.<\/p>\n<p><strong>Eine russische Enklave<\/strong><\/p>\n<p>Wenige Stunden bevor das transnistrische Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit in Tiraspol von einer Explosion getroffen wurde, sagte der stellvertretende russische Au\u00dfenminister Andrei Rudenko:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Wir sehen keine Risiken in Transnistrien. Unsere Position bleibt unver\u00e4ndert. Wir setzen uns f\u00fcr eine friedliche Beilegung des Transnistrien-Konflikts ein.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Einige Tage zuvor k\u00fcndigte jedoch der amtierende Befehlshaber des Zentralen Milit\u00e4rbezirks Russlands, Generalmajor Rustam Minnekajew, an, dass eines der Ziele der zweiten Phase der russischen Milit\u00e4roperation in der Ukraine die Sicherung des Zugangs zu Transnistrien sein werde. Diese Meinung wurde sp\u00e4ter vom\u00a0Oberhaupt der Volksrepublik Donezk Denis Puschilin unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Derzeit ist eine russische Truppe zur Friedenssicherung in Transnistrien stationiert. Moldawien hat sich seit Amtsantritt der proeurop\u00e4ischen Politikerin Maia Sandu f\u00fcr eine politische L\u00f6sung ausgesprochen, die erst nach Abzug der russischen Truppen m\u00f6glich sein soll. Es soll die Reintegration von Moldawien und Transnistrien beschleunigen, die sich nach der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre und nach dem Ausbruch eines bewaffneten Konflikts getrennt hatten.<\/p>\n<p>Die moldawischen Beh\u00f6rden haben jedoch seit 2014 mehrfach den Transit russischer Fracht blockiert. Davor hielten die russischen Truppen eine Route mit dem &#8220;Mutterland&#8221; durch Moldawien sowie eine durch die Ukraine aufrecht, die auch \u00fcber Bahnstrecken verlief. Russland verwies Moldawien auf das Abkommen zwischen den beiden L\u00e4ndern von 1992, jedoch ohne Erfolg. Aus diesem Grund w\u00fcrde die von Minnekajew erw\u00e4hnte \u00dcbernahme der s\u00fcdlichen Regionen der Ukraine Russland in die Lage versetzen, wieder einen Versorgungspfad f\u00fcr seine Friedenstruppen zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Die letzte Rotation der Einsatzgruppe der russischen Streitkr\u00e4fte in Transnistrien fand im November 2021 statt. Das Bataillon bewachte an 15 Standorten und Kontrollpunkten, in einem 225\u00a0Kilometer langen und 20\u00a0Kilometer breiten Gebiet der zentralen und s\u00fcdlichen Teile der entmilitarisierten Zone. Insgesamt sind dort rund 3.000 russische Soldaten stationiert, viele davon Einheimische. Kombiniert mit gesch\u00e4tzten 4.000 bis 5.000 Soldaten der TMR-Streitkr\u00e4fte haben die kombinierten Streitkr\u00e4fte ein sehr begrenztes Offensivpotenzial.<\/p>\n<p>Das Beste, worauf sie hoffen k\u00f6nnen, sollten Feindseligkeiten mit der Ukraine ausbrechen, ist, die ukrainischen Streitkr\u00e4fte eine Weile aufzuhalten. Vor diesem Hintergrund machen die j\u00fcngsten Vorf\u00e4lle in Transnistrien Sinn \u2013 die Ukraine sch\u00fcrt pr\u00e4ventiv Spannungen in der Region. Konkrete Beweise gibt es aber nicht, abgesehen von vereinzelten Aussagen. Viktor Andrusiw, ein Berater des ukrainischen Innenministers, hat beispielsweise sein Bedauern dar\u00fcber zum Ausdruck gebracht, dass er f\u00fcr einen Einmarsch in Transnistrien um die Erlaubnis der Republik Moldawien bitten m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Theoretisch w\u00e4re die Ukraine dazu bereit. Seit 2014 bereitet sie sich auf eine solche Eskalation vor. Die ukrainischen Streitkr\u00e4fte haben mit Unterst\u00fctzung der Nationalgarde und des Sicherheitsdienstes der Ukraine in der Region Odessa sowie am Schwarzen Meer und an Fl\u00fcssen j\u00e4hrliche gemeinsame \u00dcbungen mit mehreren Zweigen des Milit\u00e4rs und Beh\u00f6rden durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Im Jahr 2018 \u00fcbte die Ukraine im Rahmen der internationalen \u00dcbung Rapid Trident K\u00fcstenverteidigung und Kontrolle \u00fcber einen Donau-Dnjepr-Abschnitt &#8220;unter Bedingungen der Aktivierung interner Bedrohungen&#8221;. Im Jahr 2021 \u00fcbte es Szenarien w\u00e4hrend der internationalen \u00dcbung Sea Breeze, einschlie\u00dflich der Abwehr einer K\u00fcstenlandung in der Gegend von Odessa. Aber der interessanteste Teil war die Rolle des ukrainischen Sicherheitsdienstes bei der angeblichen R\u00fcckeroberung der Region von &#8220;Terroristen&#8221; und dem Abschneiden ihrer R\u00fcckzugsrouten.<\/p>\n<p><strong>Was kommt als N\u00e4chstes?<\/strong><\/p>\n<p>Die Situation in der Ukraine tendiert tats\u00e4chlich zu einem erh\u00f6hten Risiko, den Konflikt auf Transnistrien auszudehnen und andere Nationen mit in den Morast zu ziehen. Der Fall Transnistrien ist f\u00fcr das ukrainische Milit\u00e4r definitiv von Vorteil, da es damit einen weiteren Spannungsherd f\u00fcr Russland schaffen kann. Medien bezeichnen Transnistrien zunehmend als potenzielle &#8220;zweite Front&#8221;. Dies ist jedoch unpraktisch, da Kiew dringend ben\u00f6tigte Kr\u00e4fte im Donbass umleiten \u2013 und Nachschub aus der Luft organisieren m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Dies bedeutet, dass es wahrscheinlich nicht zu einem umfassenden Krieg in der nicht anerkannten Republik kommen wird, da die TMR und Moldawien definitiv kein Interesse an einem Kampf haben. Aber die Gefahr einer Destabilisierung schwebt nach wie vor \u00fcber der Region.<\/p>\n<p>Es bedeutet auch, dass wir uns im perfekten Moment in dem vor 30 Jahren eingerichteten System der gegenseitigen Kontrolle befinden, um seine Widerstandsf\u00e4higkeit zu beweisen, mit dem verhindert werden soll, dass der Ukraine-Konflikt auf die Enklave \u00fcberschwappt. Provokationen sind jedoch nicht auszuschlie\u00dfen und d\u00fcrften sich mit der Eskalation des Krieges im S\u00fcden der Ukraine noch versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Derzeit ist keine L\u00f6sung dieses Konflikts in Sicht, nachdem der Prozess seit mehreren Jahren ins Stocken geraten ist. Gespr\u00e4che im 2+5-Format (Moldawien und die TMR, mit Russland, der Ukraine und der OSZE als Vermittler und den USA und der EU als Beobachter) wurden 2019 praktisch ausgesetzt. Auch in humanit\u00e4ren Fragen wurden keine Fortschritte erzielt. In Wirklichkeit ist der Konflikt in Transnistrien nun auch mit jenem im Donbass verbunden. Dies hat dazu gef\u00fchrt, dass die Ukraine seit 2021 mehr wirtschaftlichen Druck auf die TMR auszu\u00fcben begann, als dies Moldawien bisher tat.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Allerdings hat sich Kiew noch nicht aus den Verhandlungen zur\u00fcckgezogen. Das moldawische B\u00fcro f\u00fcr Reintegration berichtet, dass die ukrainische Seite weiterhin an der gemeinsamen Kontrollkommission teilnimmt, die mit der Koordinierung der entmilitarisierten Zone und der \u00dcberwachung der Operationen zur Friedenssicherung beauftragt ist.<\/p>\n<p>&#8220;Es ist schwer, Vorhersagen zu treffen. Wir wissen nicht, wie der Krieg enden wird und wie er sich auf das politische Klima und die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine auswirken wird&#8221;, sagte Oleg Serebrian, stellvertretender Ministerpr\u00e4sident der TMR. Er f\u00fcgte hinzu, dass es nicht der beste Zeitpunkt sei, eine \u00c4nderung des Formats vorzuschlagen. &#8220;Zun\u00e4chst muss sich die Situation kl\u00e4ren&#8221;,\u00a0erkl\u00e4rte er.<\/p>\n<p>Die Ukraine ist zwar immer noch Teil der Gespr\u00e4che, nimmt aber gegen\u00fcber der TMR weiterhin eine harte Haltung ein. Es betrachtet die russische Truppen in der Nachbarrepublik als Bedrohung seiner nationalen Sicherheit und hat seine Grenze zu Transnistrien geschlossen. Dieses Vorgehen hat zu massiven Staus an der Grenze zu Moldawien gef\u00fchrt, mit Fl\u00fcchtlingen, die 10 bis 72 Stunden darauf warten, durchgelassen zu werden.<\/p>\n<p>Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Kiew bereit ist, Feindseligkeiten zu provozieren. Die meisten Einwohner der TMR sind moldawische Staatsb\u00fcrger, und Hoheit von Chi\u0219in\u0103u \u00fcber Transnistrien ist international anerkannt, was bedeutet, dass die Ukraine deren Zustimmung ben\u00f6tigen w\u00fcrde, um in das Gebiet einzudringen. Allerdings haben die aktuellen Ereignisse den Fall Transnistrien zu einem Schl\u00fcsselthema im europ\u00e4ischen Sicherheitssystem gemacht.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/russia\/555541-military-operation-transnistria-ukraine\/\">Englischen<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Alexander Nepogodin\u00a0<\/strong>ist ein politischer Journalist und Experte f\u00fcr Russland und die ehemalige Sowjetunion.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/europa\/137056-transnistrien-verhangt-terrorwarnstufe-rot\/\">Transnistrien verh\u00e4ngt Terrorwarnstufe &#8220;Rot&#8221;<\/a><\/p>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/138938-krise-in-transnistrien-wird-ukraine\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Analyse von Alexander Nepogodin Eine Reihe von Explosionen ersch\u00fctterte Ende April die transnistrische Hauptstadt Tiraspol, und nahe der Grenze zu ihrem vom Krieg zerrissenen Nachbarn Ukraine wurden Sch\u00fcsse abgegeben. 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