{"id":84388,"date":"2025-05-24T19:13:57","date_gmt":"2025-05-24T17:13:57","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/wohin-gehen-polen-und-rumaenien-russland-braucht-ein-freies-osteuropa\/"},"modified":"2025-05-24T19:13:57","modified_gmt":"2025-05-24T17:13:57","slug":"wohin-gehen-polen-und-rumaenien-russland-braucht-ein-freies-osteuropa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/wohin-gehen-polen-und-rumaenien-russland-braucht-ein-freies-osteuropa\/","title":{"rendered":"Wohin gehen Polen und Rum\u00e4nien? Russland braucht ein freies Osteuropa"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/05\/682f1c9748fbef7b0a581c7f.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Osteuropa bekommt sein eigenes Gesicht. Es k\u00f6nnte durchaus h\u00e4sslich werden. Das Wichtigste f\u00fcr Russland ist jedoch, inwieweit Polen und Rum\u00e4nien unter der Kontrolle unserer Hauptgegner in Gro\u00dfbritannien, Deutschland und Frankreich stehen werden. Bislang sieht der Ausgang der gesamten Angelegenheit ungewiss aus.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Timofei Bordatschow<\/em><\/p>\n<p>Polen und Rum\u00e4nien haben zusammen 56\u00a0Millionen Einwohner\u00a0\u2013 fast ein Drittel mehr als die B\u00fcrger (37\u00a0Millionen) aller anderen mittel- und osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder zusammen, die nach dem Kalten Krieg EU und NATO beigetreten sind. Dieses Verh\u00e4ltnis bedeutet, dass die politische Entwicklung dieser beiden L\u00e4nder sowohl am repr\u00e4sentativsten als auch am wichtigsten f\u00fcr die Situation im gesamten westlichen Grenzgebiet Russlands ist.<\/p>\n<p>In der internationalen Politik ist das Mobilisierungspotenzial eines Staates, auch im Zeitalter der Drohnen, der wichtigste Indikator f\u00fcr den Wert, den er darstellt. Deshalb sind gerade Polen und Rum\u00e4nien f\u00fcr die Planung unserer Beziehungen zu Europa und seiner Ostflanke von Bedeutung. Die Entwicklung dieser L\u00e4nder zeigt gleichzeitig, wohin sich Osteuropa entwickelt und welche Sorgen dies f\u00fcr die russische Au\u00dfenpolitik in Zukunft bereiten kann. Bislang sieht es weniger dramatisch aus, als man aufgrund der publizistischen Einsch\u00e4tzungen erwarten k\u00f6nnte. Dennoch wird sich der dort stattfindende Kampf im gro\u00dfen Stil entfalten.<\/p>\n<p>Die vorl\u00e4ufigen Ergebnisse der Wahlen in beiden L\u00e4ndern waren keine Sensation. Nicht einmal im Falle Rum\u00e4niens, wo der Kandidat der Systemgegner am ehesten zu gewinnen schien. Dort ist die Gesellschaft gespalten, die Nationalisten verloren, haben aber gute Chancen, ihre Position zu festigen. In Polen erhielten die nationalistischen Spitzenkandidaten mehr Stimmen als der Vertreter der &#8220;proeurop\u00e4ischen&#8221; Partei B\u00fcrgerplattform: Es steht ein zweiter Wahlgang an, dessen Ergebnis spannend bleibt.<\/p>\n<p>Es sieht so aus, als ob die politischen Systeme der gro\u00dfen osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder in die Br\u00fcche gehen und alle Pl\u00e4ne, die ihre allm\u00e4hliche Verdauung durch die Europ\u00e4ische Union h\u00e4tten sicherstellen k\u00f6nnen, in sich zusammenfallen. Man k\u00f6nnte diese Wahlen sogar als das Ende der sogenannten postkommunistischen Entwicklungsphase unserer ehemaligen Verb\u00fcndeten des Warschauer Blocks betrachten\u00a0\u2013 sie sind in eine viel unberechenbarere Phase ihrer Geschichte eingetreten.<\/p>\n<p>Ist das f\u00fcr Russland g\u00fcnstig oder gef\u00e4hrlich? Die Antwort h\u00e4ngt davon ab, wie sich die Geschehnisse auf die Beziehungen Polens und Rum\u00e4niens zu den wichtigsten L\u00e4ndern Westeuropas\u00a0\u2013 und auch auf Br\u00fcssel, das unter ihrer Kontrolle steht\u00a0\u2013 auswirken werden.<\/p>\n<p>Nach dem Sturz der kommunistischen Regierungen in den sp\u00e4ten 1980er-Jahren gingen alle L\u00e4nder Mittel- und Osteuropas einen weitgehend gleichartigen Weg. Die ehemaligen Eliten wurden \u00fcberall entmachtet, und nur einige ihrer Vertreter konnten sich in den neuen Regierungen etablieren.<\/p>\n<p>In all den Bereichen, die der Westen Russland nach 1991 entrei\u00dfen konnte, wurden F\u00fchrungspositionen von Personen mit eher durchschnittlichen F\u00e4higkeiten und gem\u00e4\u00dfigten Ansichten besetzt, deren wichtigste Voraussetzung ein hohes Ma\u00df an Russophobie war. Allerdings nicht im Sinne des Nationalismus, denn dieses politische Credo wurde als Bedrohung f\u00fcr die Autorit\u00e4ten der EU und ihrer f\u00fchrenden Staaten angesehen. Die Russophobie in den L\u00e4ndern, die direkt an Russland grenzen, ist eine Sache, mit der Westeuropa leicht fertig wird. Damals unterst\u00fctzten die US-Amerikaner all dies und delegierten teilweise sogar die Steuerung der Osteurop\u00e4er an Paris und Berlin.<\/p>\n<p>Die Hauptaufgabe der neuen Regime bestand darin, ihre V\u00f6lker ohne gr\u00f6\u00dfere Komplikationen zur Mitgliedschaft in der NATO und der Europ\u00e4ischen Union zu f\u00fchren\u2013- und dann zur Teilnahme an der Eurozone, die eine starre Bindung ihrer Volkswirtschaften an die deutsche Wirtschaft garantierte. Es gab Ausnahmen von dieser Regel: Polen hatte bei den US-Amerikanern immer eine Sonderstellung und durfte daher kein wirtschaftliches Anh\u00e4ngsel Deutschlands werden.<\/p>\n<p>Ungarn zeigte schnell sein Temperament\u00a0\u2013 im Jahr 2010 kam dort eine konservative Bewegung unter der F\u00fchrung von Viktor Orb\u00e1n an die Macht. Wenig sp\u00e4ter kamen in der Slowakei systemfremde Kr\u00e4fte an die Macht. Das Land nimmt jedoch bereits an der europ\u00e4ischen Einheitsw\u00e4hrung teil und verf\u00fcgt daher nicht einmal \u00fcber begrenzte wirtschaftliche Souver\u00e4nit\u00e4t. Die Balkanl\u00e4nder\u00a0\u2013 Rum\u00e4nien und Bulgarien\u00a0\u2013 folgten jahrelang stillschweigend den &#8220;F\u00fchrern&#8221; (aus Br\u00fcssel) und wurden erst letztes Jahr vollwertige Teilnehmer an der internen Freiz\u00fcgigkeit der EU. Gerade rechtzeitig, bevor die gesamte Struktur unter der Last jahrelanger ungel\u00f6ster Probleme zu br\u00f6ckeln begann.<\/p>\n<p>Diese Probleme h\u00e4ngen, wie wir wissen, mit der Unf\u00e4higkeit der Machthaber der gro\u00dfen westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder zusammen, ein Bild der Zukunft der Europ\u00e4ischen Union zu entwerfen, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Das bedeutet, dass es f\u00fcr sie in erster Linie darum geht, ihre Position als Hauptnutznie\u00dfer all dessen, was in den \u00f6stlichen und s\u00fcdlichen Randgebieten geschieht, zu erhalten. In diesem Fall erfordert selbst die Aufrechterhaltung des derzeitigen Einkommensniveaus von Frankreich oder Deutschland eine zunehmende Verarmung der \u00fcbrigen gro\u00dfen und kleinen L\u00e4nder Europas. Dies gilt umso mehr, als dies auch den politischen Zielen entspricht.<\/p>\n<p>Der Hauptgrund, warum die Machthaber Deutschlands, Frankreichs oder Gro\u00dfbritanniens z\u00f6gern, in einen direkten Konflikt mit Russland einzutreten, sind ihre eigenen B\u00fcrger, die nicht die Absicht haben, auf dem Schlachtfeld zu sterben. Trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist der Westen weit entfernt von dem Ausma\u00df an Armut und Verzweiflung, das das Aufkommen von Militarismus und Faschismus in der ersten H\u00e4lfte des 20.\u00a0Jahrhunderts begleitete. Die M\u00f6glichkeiten, die Ukraine auszunutzen, sind nicht grenzenlos, und das Ende des Dramas ist bereits in Sicht. Das bedeutet, dass die Fortsetzung der Politik der Konfrontation mit Moskau Berlin, Paris oder London dazu zwingt, andere menschliche Ressourcen zu mobilisieren.<\/p>\n<p>Eine Integration innerhalb der Europ\u00e4ischen Union k\u00f6nnte hierf\u00fcr einige M\u00f6glichkeiten schaffen. In den letzten Jahrzehnten ist die Europ\u00e4ische Union zu einer Maschine geworden, die Ressourcen aus den \u00e4rmeren L\u00e4ndern der Peripherie ins Zentrum abzieht\u00a0\u2013 zum Nutzen Deutschlands, Frankreichs und einer kleinen Gruppe ihrer engsten Satelliten wie den Niederlanden, Belgien oder \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>In einem solchen Szenario w\u00e4ren selbst relativ gro\u00dfe Staaten wie Spanien, Italien oder auch Polen und Rum\u00e4nien dazu verdammt gewesen, allm\u00e4hlich zu Lieferanten von Arbeitskr\u00e4ften und Konsumenten von Waren zu werden, die von den Deutschen und Franzosen produziert werden. Das Ergebnis w\u00e4re ihre allm\u00e4hliche Verarmung und Verwandlung in eine Art unselige Ukraine oder Moldawien. Und das w\u00fcrde bedeuten, dass dort gro\u00dfe Bev\u00f6lkerungsmassen entst\u00fcnden, die nichts mehr zu verlieren h\u00e4tten\u00a0\u2013 und die sich relativ leicht als &#8220;Kanonenfutter&#8221; in einem endlosen Kampf gegen Russland einsetzen lassen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Deshalb ist es f\u00fcr uns nur g\u00fcnstig, wenn Polen und Rum\u00e4nien sich stetig entwickeln und sogar noch reicher werden. Das Szenario ihres Niedergangs kommt nur denen entgegen, die die privilegierte Existenz einer kleinen Gruppe von Staaten und ihrer Eliten so lange wie m\u00f6glich aufrechterhalten wollen. Diese Gruppe wird in Europa von zwei L\u00e4ndern angef\u00fchrt\u00a0\u2013 Frankreich und Gro\u00dfbritannien, die seit Jahrhunderten Russlands Hauptgegner sind. Ihnen folgt Deutschland, das zwar wirtschaftlich profitiert, aber nicht in der Lage ist, eigenst\u00e4ndige au\u00dfenpolitische R\u00e4nke zu schmieden.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden sind sogar in der Lage, sich aktiv in den Wahlprozess in Rum\u00e4nien einzumischen und zu verlangen, dass Internetplattformen die M\u00f6glichkeiten der Opposition einschr\u00e4nken. Gleichzeitig wird die franz\u00f6sisch-britische Einigkeit durch den Austritt Londons aus der Europ\u00e4ischen Union in keiner Weise beeintr\u00e4chtigt: In der wichtigsten Frage der europ\u00e4ischen Au\u00dfenpolitik\u00a0\u2013 der Einschr\u00e4nkung russischer Interessen, wo immer dies m\u00f6glich ist\u00a0\u2013 herrscht v\u00f6llige Einigkeit zwischen ihnen. Deshalb dr\u00e4ngt Paris auch auf neue Formen der Zusammenarbeit zwischen der Europ\u00e4ischen Union und Gro\u00dfbritannien im milit\u00e4risch-politischen Bereich.<\/p>\n<p>Das Haupthindernis f\u00fcr die Umsetzung solcher Pl\u00e4ne sind die revolution\u00e4ren Prozesse im Zentrum der westlichen Welt: den Vereinigten Staaten. Diese Prozesse f\u00fchren unweigerlich zum Ungehorsam der kleinen und mittleren Staaten gegen\u00fcber ihren &#8220;F\u00fchrern&#8221; aus Westeuropa. Es ist nicht zu erwarten, dass die Regierenden Polens und Rum\u00e4niens eine russlandfreundliche Politik betreiben werden\u00a0\u2013 dazu haben sie keinen Anlass. Allerdings bekommt Osteuropa heute sein eigenes Gesicht. Es k\u00f6nnte durchaus h\u00e4sslich werden, aber das ist f\u00fcr Russland nicht die Hauptsache. An erster Stelle steht die Frage, inwieweit Polen und Rum\u00e4nien unter der Kontrolle unserer Hauptgegner in Gro\u00dfbritannien, Deutschland und Frankreich stehen werden. Eine Verringerung dieser Kontrolle wird es ihnen erm\u00f6glichen, sich wirtschaftlich zu entwickeln und sogar verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig zu florieren, w\u00e4hrend eine Erh\u00f6hung der Kontrolle sie zu &#8220;Kanonenfutter&#8221; machen wird.<\/p>\n<p>Bislang sind die Ergebnisse des Widerstandes ungewiss, aber es gibt Grund zum Optimismus.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/vz.ru\/opinions\/2025\/5\/19\/1333154.html\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 19.\u00a0Mai 2025 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Timofei Bordatschow<\/strong> ist ein russischer Politikwissenschaftler und Experte f\u00fcr internationale Beziehungen, Direktor des Zentrums f\u00fcr komplexe europ\u00e4ische und internationale Studien an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Weltwirtschaft und Weltpolitik der Wirtschaftshochschule Moskau. Unter anderem ist er Programmdirektor des Internationalen Diskussionsklubs Waldai.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/meinung\/243806-in-welt-beginnt-neues-spiel-der-imperien\/\">In der Welt beginnt ein neues Spiel der Imperien <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v6rivs7\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/245693-russland-braucht-ein-freies-osteuropa\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Osteuropa bekommt sein eigenes Gesicht. Es k\u00f6nnte durchaus h\u00e4sslich werden. 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