{"id":65676,"date":"2024-07-29T11:18:17","date_gmt":"2024-07-29T09:18:17","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/gefahr-aus-dem-osten\/"},"modified":"2024-07-29T11:18:17","modified_gmt":"2024-07-29T09:18:17","slug":"gefahr-aus-dem-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/gefahr-aus-dem-osten\/","title":{"rendered":"Gefahr aus dem Osten"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/07\/66a65f58b480cc7fd6012d92.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Die Angst im Westen vor Russland ist nicht nur Propaganda. Dass aus dem Osten Gefahr droht, ist tief im europ\u00e4ischen Bewusstsein verankert. Diese Vorstellung hat geschichtliche Ursachen. Gerade deshalb bot sie sich so gut an f\u00fcr die Manipulation der \u00f6ffentlichen Meinung.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von R\u00fcdiger Rauls<strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Feudalherrschaft in Europa<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte Europas vor der Franz\u00f6sischen Revolution war die Geschichte der Feudalherrschaft. Der Adel war die herrschende Klasse. Die wirtschaftliche Grundlage des Feudalismus war die Landwirtschaft, die sich im Laufe der Entwicklung immer mehr auf zinspflichtige Bauern st\u00fctzte. In der Hochzeit der Adelsherrschaft war der freie Bauer weitgehend verschwunden und zum abh\u00e4ngigen Tributpflichtigen geworden. Als entgegengesetzte Entwicklung bildete sich das B\u00fcrgertum als neue Klasse \u2013 vornehmlich in den St\u00e4dten. Dessen wirtschaftliche Grundlage waren Handwerk, Handel und Geldwirtschaft.<\/p>\n<p>Zur Steigerung ihrer Finanzkraft standen den Feudalherren im Wesentlichen zwei Wege zur Verf\u00fcgung. Entweder sie erh\u00f6hten die Abgaben und Steuern ihrer Untertanen oder aber sie erweiterten deren Anzahl, das hei\u00dft, sie weiteten ihren Landbesitz aus und damit die Zahl der zinspflichtigen Bauern. Der Zuwachs von Ackerland vollzog sich im eigenen Herrschaftsbereich durch Rodungen, Trockenlegung von Mooren oder Eindeichungen.<\/p>\n<p>Ein anderer Weg zur Ausweitung der feudalistischen Wirtschaftsgrundlage bestand in der \u00dcbernahme anderer L\u00e4ndereien durch Heirat oder Krieg. Krieg war immer teuer und risikoreich, denn er konnte auch verloren gehen, weshalb man ihn entgegen herrschenden Meinungen lieber vermied. Eine weitere M\u00f6glichkeit bestand in der Landnahme durch Eroberungsz\u00fcge. Diese richteten sich weitestgehend in die d\u00fcnn besiedelten Landstriche im Osten Europas.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen Feudalherrn schufen neue Siedlungsr\u00e4ume, in denen sie ihre zinspflichtigen Bauern ansiedelten oder aber die eingesessene Bev\u00f6lkerung zinspflichtig gemacht wurde, soweit sie es nicht bereits gegen\u00fcber fr\u00fcheren Feudalherren gewesen war. Landnahme war nur sinnvoll in Verbindung mit der Bereitschaft zur Sesshaftigkeit und der Leistung von Abgaben durch die Bauern. Diese Entwicklung der Landnahme und Errichtung von Feudalherrschaft vollzog sich von Westen nach Osten. Eine dauerhafte Landnahme von Osten nach Westen fand nicht statt.<\/p>\n<p><strong>Nomaden und Reiterv\u00f6lker<\/strong><\/p>\n<p>Die Sesshaftigkeit ist eine sp\u00e4tere Stufe in der Menschheitsentwicklung. Sie ist verbunden mit einer entwickelten Landwirtschaft, die in der Lage ist, die Mitglieder einer Gesellschaft zu ern\u00e4hren. Entwicklungsgeschichtlich ging ihr die Nomaden- beziehungsweise Hirtenwirtschaft voraus. Den Menschen war es gelungen, wilde Viehherden wie Schafe, Ziegen oder Rinder teilweise zu beherrschen und f\u00fcr ihren Lebensunterhalt zu nutzen. Sie folgten diesen Herden durch deren Weidegr\u00fcnde und bedienten sich an ihrem Fleisch, ihrer Milch, ihren H\u00e4uten und was sonst noch verwertbar war. Sesshaftigkeit war in diesem Zusammenhang nur vor\u00fcbergehend. Die Menschen auf dieser Entwicklungsstufe waren angewiesen auf offenes Land ohne Grenzen und Besitzanspr\u00fcche.<\/p>\n<p>Die riesigen Fl\u00e4chen des eurasischen Raums boten dieser Nomaden- und Hirtent\u00e4tigkeit eine ideale Grundlage. Aber sie standen im Widerspruch zu Landwirtschaft und Sesshaftigkeit, was kein Problem war, solange nicht beide Lebensformen in Kontakt und Konflikt kamen. Um diese Lebensformen gegen Gefahren zu sch\u00fctzen, waren unterschiedliche Vorgehensweisen der Absicherung notwendig. Der Feudalismus sch\u00fctzte seine L\u00e4nder und Bauern durch mehr oder weniger befestigte, aber erkl\u00e4rte Grenzen, Wehrkerne in Form von Burgen und mehr oder weniger stehende Heere.<\/p>\n<p>F\u00fcr Nomaden- und Hirtenv\u00f6lker war das bedeutungslos. F\u00fcr sie war es wichtig, in den Weiten des endlosen und nicht durch Eigentumsrechte gesch\u00fctzten Raums schnell dort eingreifen zu k\u00f6nnen, wo Gefahren f\u00fcr ihre Herden und Lebensgrundlagen drohten. Ihr Schwerpunkt zur Gefahrenabwehr lag auf der leichten Reiterei und leicht mitzuf\u00fchrenden Waffen wie Pfeil und Bogen. Diese V\u00f6lker entwickelten sich zu schnellen und sehr wirkungsvollen Reitertruppen.<\/p>\n<p>Aber im Laufe der Entwicklung nutzten sie diese F\u00e4higkeiten nicht nur zum Schutz der eigenen Interessen und Eigent\u00fcmer, sondern auch zur Aneignung fremden Eigentums. Dieser schnellen Reiterei mit ihren wirkungsvollen Distanzwaffen waren die plumpen, in schweres Eisen f\u00fcr den Nahkampf ger\u00fcsteten Heere der Feudalherren nicht gewachsen.<\/p>\n<p>Hunnen und Mongolen tauchten pl\u00f6tzlich auf aus den Weiten des Ostens, \u00fcberfielen die europ\u00e4ischen Bauern und F\u00fcrstent\u00fcmer, pl\u00fcnderten und raubten, was sie mit sich nehmen konnten, und verschwanden wieder in den Weiten, aus denen sie gekommen waren. Anders als bei den Feudalherren waren ihre Einf\u00e4lle nicht auf dauerhafte Landeroberung ausgerichtet.<\/p>\n<p>Anstatt dieses fremde Land in Besitz zu nehmen, nahmen die Reiterv\u00f6lker den Ertrag dieses Landes in Besitz. Mit den geraubten Werten der Feudalgesellschaft zogen sie wieder ab, um dann nach Jahren wieder erneut einzufallen und das einzukassieren, was in der Zwischenzeit von den Sesshaften erwirtschaftet worden war.<\/p>\n<p><strong>Die Stunde der Ideologen<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Konflikt zwischen Sesshaften und Nomaden, als Ausdruck unterschiedlicher gesellschaftlicher Entwicklung, hatte sich im europ\u00e4isch-asiatischen Raum \u00fcber Jahrhunderte hingezogen. Noch heute tobt er in \u00e4hnlicher Form im Norden Afrikas und der Sahelzone, umgedeutet von westlichen Meinungsmachern als <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2020\/09\/17\/menetekel-mali\/\">Religionskonflikt zwischen Christen und Moslems<\/a>. Er tobte aber nicht nur zwischen den Nomaden- und Reiterv\u00f6lkern und den Feudalgesellschaften im Westen. Er griff auch nach Osten beziehungsweise S\u00fcden aus, in Richtung China, was zum Bau der Chinesischen Mauer gef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p>Was also in Europa als Bedrohung aus dem Osten zu einer st\u00e4ndigen Gefahrenlage verewigt wurde, k\u00f6nnte in China zum Schlagwort f\u00fcr eine Bedrohung aus dem Westen oder Norden herhalten, wenn man das denn wollte. Im Westen jedenfalls haben diese historischen Ereignisse zu einem Missbrauch im Interesse von Propaganda und Meinungsmache bereits nach der Russischen Revolution, besonders aber seit der Nazizeit gef\u00fchrt. Die Gefahr aus dem Osten diente haupts\u00e4chlich der Stimmungsmache gegen\u00fcber der Sowjetunion und ihrem damaligen sozialistischen System mit seiner tragenden Kraft, der Kommunistischen Partei.<\/p>\n<p>Die Niederlage des Faschismus gerade durch diese Sowjetunion best\u00e4tigte im Westen bei vielen politischen Kr\u00e4ften die Theorie von den primitiven Horden aus den Weiten Russlands. Das war nach dem Krieg der Begriff, auf den sich viele im Westen verst\u00e4ndigen konnten, weil man vom slawischen Untermenschen nur noch hinter vorgehaltener Hand redete. Bei vielen im Nachkriegsdeutschland galt als Erkl\u00e4rung f\u00fcr die eigene Niederlage, dass man im Gegensatz zu den Mitgliedern des deutschen Kulturvolkes die primitiven Russen zu Millionen in den Fleischwolf des Krieges werfen konnte, weil dort ein Menschenleben wenig galt.<\/p>\n<p>Aufgrund dieses primitiven Charakters bestand die Bedrohung aus dem Osten weiter fort, solange &#8220;der Russe&#8221; weiterhin im Osten lauerte. Das war auch im Adenauer-Deutschland eine weitverbreitete Einstellung gegen\u00fcber der Sowjetunion, die es angeblich nur auf Deutschlands Wohlstand abgesehen hatte und deshalb auch jederzeit bereit sei, \u00fcber unschuldige Deutsche herzufallen. Da mischte sich die Jahrhunderte alte Erfahrung von den Raubz\u00fcgen der Hunnen- und Mongolenst\u00fcrme mit dem neuen Weltbild der kommunistischen Bedrohung.<\/p>\n<p>Dass zu jener Zeit der Sozialismus mit seiner Forderung nach der Enteignung der Kapitalbesitzer starken Zuspruch auch in den westlichen Gesellschaften hatte, verst\u00e4rkte dieses Feindbild und die damit verbundenen \u00c4ngste und Projektionen. In diesem Weltbild stehen dem deutschen Kulturvolk primitive Horden gegen\u00fcber, egal ob es sich dabei um Hunnen, Mongolen, slawische Untermenschen, fanatische Bolschewiken oder sonstige kulturlose Gruppen oder V\u00f6lker handelt.<\/p>\n<p>Heute schlie\u00dft sich daran auch Wladimir Putins Russland nahtlos an. Seit der politische Westen woke geworden ist und dem Rassismus abgeschworen hat, steht Russland nicht mehr f\u00fcr den slawischen\u00a0Untermenschen. Aber dennoch wird weiterhin ein kulturelles Gef\u00e4lle zwischen dem politischen Westen und Russland gesehen und vermittelt. Nach Ansicht der westlichen Meinungsmacher ist Putin getrieben von der Angst, dass sich an den Grenzen seines autokratischen Reiches Demokratien westlichen Zuschnitts entwickeln. Deren \u00fcberlegene freiheitliche Lebensart \u00fcbt nach Ansicht dieser Meinungsmacher eine Anziehungskraft aus, der Russland wenig entgegensetzen kann.<\/p>\n<p>Wenn auch faschistische Parolen im woken Westen nicht mehr salonf\u00e4hig sind, so wird doch immer wieder deutlich, dass sich die westliche F\u00fchrungsriege in Medien, Politik und Wissenschaft immer noch Russen und Chinesen intellektuell und kulturell \u00fcberlegen f\u00fchlt. Man sagt es nicht mehr, merkt es vermutlich sogar nicht einmal mehr selbst, aber aus vielen Ver\u00f6ffentlichungen schimmert das Herrenmenschendenken immer noch durch. Rassische \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber Untermenschen wurde ersetzt durch die Vorstellung kultureller, moralischer und intellektueller \u00dcberlegenheit.<\/p>\n<p><strong>Unf\u00e4hige Ideologen<\/strong><\/p>\n<p>Solche Theorien sagen aber mehr aus \u00fcber diejenigen, die sie schaffen und verbreiten, als \u00fcber jene, mit denen sie sich besch\u00e4ftigen. Der politische Westen kann sich nicht trennen von dem Wahn eigener \u00dcberlegenheit, und je fadenscheiniger und inhaltsloser solche Vorstellungen werden, umso heftiger scheint sich der Kampf um deren Aufrechterhaltung zu geb\u00e4rden.<\/p>\n<p>Jene, die solche Weltbilder bedienen, belegen nichts weiter als die eigene Unf\u00e4higkeit, geschichtliche Vorg\u00e4nge als geschichtliche, das hei\u00dft, vergangene zu betrachten. Sie sind nicht in der Lage, die Unterschiede zwischen den Zust\u00e4nden zu erkennen, geschweige denn Entwicklung wahrzunehmen. F\u00fcr sie ist die Welt stehen geblieben in den Hunnen- und Mongolenst\u00fcrmen. F\u00fcr sie ist gleich, was \u00e4hnlich aussieht, und das versuchen sie mit oberfl\u00e4chlichen Analysen zu belegen. Wenn Russland in die Ukraine einmarschiert, ist das\u00a0eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, dass die Gefahr immer aus dem Osten kam, die Russen ein kulturell niederes Volk sind, das die Demokratie f\u00fcrchtet und die starke Hand eines autokratischen F\u00fchrers braucht.<\/p>\n<p>Im Weltbild der westlichen Meinungsmacher leben die Gefahren aus den Weiten des eurasischen Ostens und seiner Bewohner, den Russen, weiter. In Ermangelung tieferer Einsichten in die Entwicklung von Gesellschaften und Menschheit greifen sie zur\u00fcck auf einfache Weltbilder. Ihre F\u00e4higkeit zur Analyse ist so weit ver\u00f6det, dass weiterhin alte \u00c4ngste gepflegt und damit bedient werden \u2013 wie die der Gefahr aus Russland oder die Angst der Europ\u00e4er, besonders der Deutschen, vor der Inflation.<\/p>\n<p>Das sind alte \u00c4ngste, denen heute die Grundlage fehlt. Da aber die inneren Triebkr\u00e4fte solcher Entwicklungen nicht erkannt werden, schwelen sie als \u00c4ngste weiter. Die Meinungsmacher und Ideologieschaffenden im Westen sind immer weniger in der Lage, diese \u00c4ngste durch sachliche Erkl\u00e4rungen aus der Welt zu schaffen. Hinzu kommt, dass sie es in vielen F\u00e4llen auch gar nicht wollen.<\/p>\n<p><em><strong>R\u00fcdiger Rauls<\/strong> ist Reprofotograf und Buchautor. Er betreibt den Blog <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/\">Politische Analyse<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema &#8211;<\/strong>\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/meinung\/152276-slawen-sklaven-und-deutsche-propaganda\/\">Slawen, Sklaven und deutsche Propaganda <\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/213853-gefahr-aus-osten\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Angst im Westen vor Russland ist nicht nur Propaganda. Dass aus dem Osten Gefahr droht, ist tief im europ\u00e4ischen Bewusstsein verankert. Diese Vorstellung hat geschichtliche Ursachen. Gerade deshalb bot sie sich so gut an f\u00fcr die Manipulation der \u00f6ffentlichen Meinung. 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