{"id":59305,"date":"2024-06-01T21:33:53","date_gmt":"2024-06-01T19:33:53","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/multinationale-unternehmen-haben-die-antirussischen-sanktionen-satt\/"},"modified":"2024-06-01T21:33:53","modified_gmt":"2024-06-01T19:33:53","slug":"multinationale-unternehmen-haben-die-antirussischen-sanktionen-satt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/multinationale-unternehmen-haben-die-antirussischen-sanktionen-satt\/","title":{"rendered":"Multinationale Unternehmen haben die antirussischen Sanktionen satt"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/06\/6659e904b480cc57ca14759a.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                W\u00e4hrend sich das politische Establishment des Westens zunehmend radikalisiert, demonstrieren transnationale Unternehmen auf jede erdenkliche Weise ihre Bereitschaft, mit Russland zusammenzuarbeiten. Die Interessen der Macht und des Geldes begannen auseinanderzudriften, was f\u00fcr die USA eigentlich untypisch ist.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Gleb Prostakow<\/em><\/p>\n<p>Wie unterschiedlich das politische und das wirtschaftliche Establishment des Westens die Konfrontation mit Russland bewertet, zeigt die Grenzziehung f\u00fcr das Risiko, das beide Parteien in diesem Konflikt f\u00fcr akzeptabel halten. Unl\u00e4ngst schlug die Zeitung <em>Financial Times <\/em>Alarm mit einem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/88b047e9-8cad-426a-b649-265ff6582db0\">Artikel<\/a> unter der \u00dcberschrift &#8220;Westliche Unternehmen ziehen ihre Pl\u00e4nen zum Verlassen Russlands zur\u00fcck&#8221;. Nach mehr als zwei Jahren seit dem Beginn des Ukraine-Konflikts habe es sich herausgestellt, dass nur wenig mehr als zehn Prozent der transnationalen Unternehmen, die in Russland Gesch\u00e4fte machten, das Land verlassen haben.<\/p>\n<p>Nach Angaben der Kiewer Hochschule f\u00fcr Wirtschaft, wo solch ein Register gef\u00fchrt wird, haben nur 387 Unternehmen den russischen Markt vollst\u00e4ndig verlassen, w\u00e4hrend 1.223 Unternehmen ihre T\u00e4tigkeit nur reduziert haben und 2.100 Unternehmen unver\u00e4ndert dort weiter t\u00e4tig sind. Dabei hatte der Westen auf politischer und diplomatischer Ebene alle m\u00f6glichen Sanktionen eingef\u00fchrt und m\u00fcsste sich sehr anstrengen, um sich noch etwas Neues einfallen zu lassen. Die Diskrepanz zwischen den beiden Herangehensweisen liegt in der Frage nach den Kosten.<\/p>\n<p>Die durch einen R\u00fcckzug vom russischen Markt verursachten Kosten sind im Laufe der zwei Jahre stetig gewachsen. Als gr\u00f6\u00dfte Gl\u00fcckspilze erwiesen sich die \u00e4ngstlichsten transnationalen Unternehmen \u2013 sie verkauften ihre Firmen ganz schnell, als die entsprechenden Kosten noch minimal war. Doch inzwischen ist ein R\u00fcckzug nur noch mit kolossalen Verlusten m\u00f6glich. Transaktionen zum Verkauf von Verm\u00f6genswerten hier ans\u00e4ssiger Vertreter unfreundlicher L\u00e4nder bed\u00fcrfen der Genehmigung einer besonderen Regierungskommission. Zu den wesentlichen Vorbedingungen daf\u00fcr z\u00e4hlen ein Abschlag von 50 Prozent vom realen Marktpreis und eine 15-prozentige &#8220;R\u00fcckzugssteuer&#8221;. Es ist fast unm\u00f6glich geworden, die Unternehmensanteile an das eigene Management vor Ort zu \u00fcbertragen, wie das anfangs der Fall war. Immer schwieriger wird es, in den Vertr\u00e4gen die M\u00f6glichkeit eines R\u00fcckkaufs festzuschreiben. Wer gehen will, hat f\u00fcr immer zu gehen. Punkt.<\/p>\n<p>Die meisten westlichen Unternehmen warteten bis zur letzten Minute in der Hoffnung auf ein Ende oder zumindest ein Einfrieren des Konflikts. Doch als ihnen bewusst wurde, dass der Konflikt systemischer Natur ist, war es f\u00fcr den Aufbruch schon zu sp\u00e4t. Mit Sicherheit k\u00f6nnen jene Unternehmen mit europ\u00e4ischen Wurzeln und einem Absatzmarkt in der EU die Verluste durch einen R\u00fcckzug aus Russland gar nicht auf den heimischen M\u00e4rkten kompensieren. Das Abwandern europ\u00e4ischer Unternehmen in die USA und nach China sowie der Verlust des russischen Markts sichert zahlreichen multinationalen Unternehmen eine trostlose Zukunft.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus waren die in Russland errichteten Produktionsst\u00e4tten h\u00e4ufig nicht allein auf den russischen Absatzmarkt, sondern auch auf M\u00e4rkte der Eurasischen Wirtschaftsunion ausgerichtet. Der Verkauf oder die Beschlagnahmung dieser Produktionsst\u00e4tten bedeutete weitgehend auch zugleich den Verlust der M\u00e4rkte in Kasachstan, Kirgisistan und Armenien bedeuten, ohne Wei\u00dfrussland zu ber\u00fccksichtigen, das ohnehin wie Russland mit Sanktionen belegt ist.<\/p>\n<p>Der R\u00fcckzug w\u00e4re nicht so peinlich gewesen, wenn der russische Markt f\u00fcr Industrie- und Konsumg\u00fcter durch einen Zusammenbruch der russischen Wirtschaft infolge der Sanktionen vollst\u00e4ndig implodiert w\u00e4re. Aber auch das ist nicht geschehen: Russlands Wirtschaft ist nicht nur nicht zusammengebrochen, sondern sie w\u00e4chst sogar, wenn auch nicht ohne betr\u00e4chtliche staatliche Subventionen. Ein Boomen des Konsums wird in vielerlei Hinsicht k\u00fcnstlich zur\u00fcckgehalten \u2013 durch den Leitzinssatz der russischen Zentralbank, die bef\u00fcrchtet, dass sonst die Liquidit\u00e4t im System zu einer unkontrollierbaren Inflation f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Erm\u00fcdung und Ver\u00e4rgerung westlicher Unternehmen angesichts des Aktionismus ihrer Politiker erreichten im Jahr 2024 einen bisherigen H\u00f6hepunkt. Mehrere Firmen \u2013 wie etwa Auchan \u2013 erkl\u00e4ren nun ganz offen, dass sie nicht beabsichtigen, den russischen Markt zu verlassen. Wohlklingende Umschreibungen, Verweise auf die Unm\u00f6glichkeit eines Firmenverkaufs und \u00c4hnliches geh\u00f6ren zunehmend der Vergangenheit an. Westliche Unternehmen erkl\u00e4ren glasklar, am russischen Markt festhalten zu wollen \u2013 trotz der Gefahr, von den Regulierungsbeh\u00f6rden ihrer Heimatl\u00e4nder ger\u00fcgt zu werden. Ganz einfach deshalb, weil wohl die Regulierungsbeh\u00f6rden nicht ihre eigenen Unternehmen daf\u00fcr bestrafen k\u00f6nnen sollten, dass die versuchen, in der aktuellen wirtschaftlichen Situation zu \u00fcberleben und Geld zu verdienen.<\/p>\n<p>Auch die Ukraine, die in ihrer Euphorie \u00fcber die Unterst\u00fctzung jene in Russland t\u00e4tigen internationalen Unternehmen verfolgte, wurde gez\u00fcgelt. Im M\u00e4rz dieses Jahres verzichtete die ukrainische Regierung unerwartet auf das Weiterf\u00fchren einer Liste von sogenannten internationalen Kriegssponsoren, in der Unternehmen wie Nestle, PepsiCo, Raiffeisenbank und zahlreiche weitere gro\u00dfe Namen aufgef\u00fchrt waren. Andererseits wurden besonders freche westliche Firmen von Moskau demonstrativ und scharf bestraft. So wurden etwa die Verm\u00f6gen von Danone und Carlsberg beschlagnahmt und der F\u00f6deralen Agentur zur Verwaltung von Staatsverm\u00f6gen unterstellt. Freilich wurde die Entscheidung bez\u00fcglich Danone sp\u00e4ter wieder ge\u00e4ndert, und die ehemals franz\u00f6sischen Fabriken wurden schlie\u00dflich an ein Unternehmen in der russischen Teilrepublik Tatarstan verkauft.<\/p>\n<p>Ja, die ber\u00fcchtigte von Jermak-McFaul-Kommission (benannt nach dem Leiter der Pr\u00e4sidialadministration der Ukraine und dem ehemaligen US-Botschafter in Russland) arbeitet immer noch daran, neue Sanktionen und Druckmittel gegen Russland zu erfinden. Da ist die Rede sowohl von der Durchsetzung und gar der weiteren Senkung des Preisdeckels f\u00fcr russisches \u00d6l als auch von einem Verbot von russischem Gas aus Pipelines, von Uran, Aluminium und vielem mehr. Dabei geht es aber wohl eher um angenehme Sitzungen in den B\u00fcros US-amerikanischer Denkfabriken. In Wirklichkeit schlug die Biden-Administration angesichts der bevorstehenden US-Wahlen sehr schnell der Kiewer F\u00fchrung auf die Finger, als die russische \u00d6lraffinerien anzugreifen versuchte und prompt die \u00d6lpreise nach oben kletterten. Gerade das sind die wahren Kosten der Sanktionen \u2013 f\u00fcr den Westen.<\/p>\n<p>Die transnationale Wirtschaft zeigt auf jede erdenkliche Weise ihre Bereitschaft zum Beenden des Konflikts, w\u00e4hrend sich das politische Establishment im Gegensatz dazu weiter radikalisiert. Die Interessen der Macht und des Geldes driften offenkundig auseinander, was f\u00fcr die USA v\u00f6llig untypisch ist. Das bedeutet aber, dass ein Ende tats\u00e4chlich nahe ist. Wenn schon \u00fcber Angriffe mit westlichen Waffen tief auf russischem Gebiet und \u00fcber eine m\u00f6gliche nukleare Reaktion aus Moskau diskutiert wird, dann bedeutet dies, dass jetzt eine tiefe Finsternis Einzug h\u00e4lt, auf die bekanntlich die Morgend\u00e4mmerung folgt.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <\/em><a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/vz.ru\/opinions\/2024\/5\/30\/1270533.html\"><em>Russischen<\/em><\/a><em> und zuerst erschienen bei Wsgljad am 30. Mai 2024.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema <\/strong>\u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/europa\/207700-experten-europa-verliert-durch-eu\/\">Experten: EU-Beschr\u00e4nkungen auf Getreideeinfuhren aus Russland machen Europa zum Verlierer<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/207740-multinationale-unternehmen-haben-antirussischen-sanktionen-satt\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend sich das politische Establishment des Westens zunehmend radikalisiert, demonstrieren transnationale Unternehmen auf jede erdenkliche Weise ihre Bereitschaft, mit Russland zusammenzuarbeiten. Die Interessen der Macht und des Geldes begannen auseinanderzudriften, was f\u00fcr die USA eigentlich untypisch ist. 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