{"id":56445,"date":"2024-03-04T08:30:17","date_gmt":"2024-03-04T06:30:17","guid":{"rendered":"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/wie-wird-der-konflikt-zwischen-russland-und-der-ukraine-letztendlich-ausgehen\/"},"modified":"2024-03-04T08:30:17","modified_gmt":"2024-03-04T06:30:17","slug":"wie-wird-der-konflikt-zwischen-russland-und-der-ukraine-letztendlich-ausgehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/wie-wird-der-konflikt-zwischen-russland-und-der-ukraine-letztendlich-ausgehen\/","title":{"rendered":"Wie wird der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine letztendlich ausgehen?"},"content":{"rendered":"<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Das Pendel im Krieg schl\u00e4gt zum Vorteil Moskaus aus, w\u00e4hrend sich das westliche Selbstvertrauen der vergangenen Jahre in Luft aufgel\u00f6st hat. Das dritte Jahr der speziellen Milit\u00e4roperation Russlands auf dem Territorium der Ukraine verspricht dennoch in jeder Hinsicht entscheidend zu werden.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Fjodor Lukjanow <\/em><\/p>\n<p>Der russische Milit\u00e4reinsatz in der Ukraine dauert nun seit nunmehr zwei Jahren an. Die Ansicht, dass alles auf dem Schlachtfeld entschieden wird, ist zu einem Axiom geworden, obwohl sich die Bewertung der Ergebnisse ge\u00e4ndert hat. Vor anderthalb Jahren \u00e4u\u00dferte sich der Chef der EU-Diplomatie Josep Borrell noch optimistisch, jetzt eher nur noch alarmierend. Lassen Sie uns die Behauptung wagen, dass uns ein sehr wichtiger Moment bevorsteht, und zwar nicht nur im milit\u00e4rischen, sondern vor allem im politischen Sinne.<\/p>\n<p>Die Motivation f\u00fcr den russischen Milit\u00e4reinsatz in der Ukraine verband von Anfang an zwei Handlungsstr\u00e4nge unterschiedlicher Natur, die jedoch durch die Umst\u00e4nde der j\u00fcngeren Geschichte miteinander verbunden wurden. Dabei handelt es sich erstens um die Prinzipien der internationalen Sicherheit, wie sie sich nach dem Ende des Kalten Krieges herausgebildet haben, und zweitens um die Ukraine-Frage als Teil der nationalen Selbstidentifikation. Die Grundlage f\u00fcr diesen zweigleisigen Ansatz bildet Wladimir Putins <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/kremlin.ru\/events\/president\/news\/66181\">Aufsatz<\/a> &#8220;\u00dcber die historische Einheit von Russen und Ukrainern&#8221; dargelegt, der sechs Monate vor dem offenen Ausbruch der Feindseligkeiten publiziert wurde. Darin verkn\u00fcpfte der russische Pr\u00e4sident das Problem der milit\u00e4risch-politischen Sicherheit seines Landes mit der Zerst\u00f6rung dieser nationalen Zusammengeh\u00f6rigkeit. Basierend auf einem detaillierten Ausflug in die Geschichte argumentierte das Staatsoberhaupt der Russischen F\u00f6deration, dass Versuche, eine eigene ukrainische Identit\u00e4t zu bilden, immer mit dem Wunsch externer Akteure verbunden waren und sind, Russland zu schw\u00e4chen und in einem strategisch wichtigen Gebiet einen Au\u00dfenposten ihm feindlich gesinnter Kr\u00e4fte zu etablieren.<\/p>\n<p>Zwischen Gro\u00dfm\u00e4chten entstehen Konflikte mit globalen Auswirkungen h\u00e4ufig aus konkreten kontroversen Themen. In vorliegenden Fall sind die strittigen Fragen nicht nur miteinander verkn\u00fcpft, sondern auch \u00e4u\u00dferst emotional gepr\u00e4gt \u2013 f\u00fcr die Ukraine und zumindest f\u00fcr einen Teil Europas, insbesondere aber f\u00fcr Russland. Daher sind sie schwierig zu handhaben. Ein Hauptproblem ist, dabei Priorit\u00e4ten zu setzen: Welche Herausforderung ist der Vorrang einzur\u00e4umen? Im Idealfall nat\u00fcrlich beiden Herausforderungen gleichzeitig. Aber ist das machbar? Eine Entscheidung zu treffen oder eine &#8220;universelle L\u00f6sung&#8221; zu erzielen, lautet die Frage, vor der Moskau in naher Zukunft stehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Territoriale Erweiterung gegen NATO-Erweiterung<\/strong><\/p>\n<p>Als Auftakt f\u00fcr den Beginn der russischen Milit\u00e4roperation diente die Frage nach einer &#8220;Einhegung &#8221; der NATO und des Aufbaus alternativer Sicherheitskonzepte auf dieser Grundlage. Die entsprechenden Vorgaben waren in einem Memorandum unseres Au\u00dfenministeriums nach den Verhandlungen mit den USA im Dezember 2021 festgehalten. Soweit wir heute wissen wurde dasselbe auch bei den Verhandlungen in Wei\u00dfrussland und in der T\u00fcrkei im Fr\u00fchjahr 2022 besprochen: Der neutrale Status der Ukraine (also die Absage der westlichen Allianz an eine weitere Ostenexpansion) sowie die Begrenzung ihres milit\u00e4rischen Potenzials waren offenbar als Ausgangspunkte f\u00fcr weitere, umfassendere Verhandlungen und Vereinbarungen gedacht. <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.kremlin.ru\/events\/president\/news\/73411\">Putin \u00e4u\u00dferte dasselbe k\u00fcrzlich in seinem Interview mit Tucker Carlson<\/a>: Der Krieg h\u00e4tte mit den Vereinbarungen von Istanbul enden k\u00f6nnen, wenn niemand von au\u00dfen die Verhandlungsparteien daran gehindert h\u00e4tte, eine Einigung zu erzielen. Aus diesen Worten folgt einmal mehr, dass das urspr\u00fcngliche Ziel im Hinblick auf die europ\u00e4ische Situation als Ganzes formuliert wurde und nicht auf territoriale Gewinne ausgerichtet war.<\/p>\n<p>Jedoch hat sich die Situation in den vergangenen zwei Jahren ver\u00e4ndert und es ist die zweite Komponente der Motivation, die in den Vordergrund r\u00fcckte. In zwei Appellen von Wladimir Putin im Februar 2022, unmittelbar vor dem Beginn der Feindseligkeiten in der Ukraine, lag der Schwerpunkt auf der historischen Ungerechtigkeit und Inkongruenz der Aufteilung eines Volkes in B\u00fcrger zweier verschiedener Staaten sowie auf den dadurch k\u00fcnstlich gezogenen Grenzen. Da der urspr\u00fcngliche Plan des russischen Feldzugs \u2013 eine scharfe und rasche Umkehrung des milit\u00e4risch-strategischen Status der Ukraine \u2013 nicht verwirklicht werden konnte und er sich somit in die L\u00e4nge zog, wurde die Frage der territorialen Kontrolle und des Verlaufs der Frontlinie zur Hauptfrage.<\/p>\n<p>Der Wunsch und der tats\u00e4chliche Beitritt neuer Gebiete zur Russischen F\u00f6deration im Herbst 2022 schlossen die M\u00f6glichkeit von Kompromissen aus, die im Fr\u00fchjahr desselben Jahres noch h\u00e4tten diskutiert werden k\u00f6nnen, n\u00e4mlich eine R\u00fcckkehr zu den Positionen, die vor Ausbruch der umfassenden Feindseligkeiten bestanden. Es wird st\u00e4ndig darauf hingewiesen, dass alle Verhandlungen von nun an die Realit\u00e4ten &#8220;vor Ort&#8221; ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen, und da sich diese weiterhin \u00e4ndern werden, ist das Ergebnis nicht vorherbestimmt.<\/p>\n<p>Der so entstandene Aufwand \u2013 vor allem in personeller, aber auch in materieller Hinsicht \u2013 legte die H\u00fcrde f\u00fcr eine hypothetische Einigung noch deutlich h\u00f6her. Aus Sicht des Kremls best\u00e4tigt die Unf\u00e4higkeit der Ukraine, ohne kontinuierliche und massive Hilfslieferungen aus dem Ausland zu k\u00e4mpfen, die in Putins Artikel zum Ausdruck gebrachte These \u00fcber den von au\u00dfen inspirierten Charakter des ukrainischen Nationalprojekts. Somit wurden schlie\u00dflich die beiden Komponenten \u2013 die europ\u00e4ische Sicherheit und die territoriale Integrit\u00e4t \u00a0und Identit\u00e4t der Ukraine \u2013 letztendlich miteinander verkn\u00fcpft. Mit anderen Worten: Die Beziehungen Russlands zur Ukraine und die Beziehungen Russlands zu den USA und zur NATO sind der Kern ein und desselben Problems.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dedfbeb480cc6f6554fb98.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dedfbeb480cc6f6554fb98.jpg 1960w,            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dedfbeb480cc6f6554fb98.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dedfbeb480cc6f6554fb98.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dedfbeb480cc6f6554fb98.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dedfbeb480cc6f6554fb98.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Der t\u00fcrkische Au\u00dfenminister Mevl\u00fct \u00c7avu\u015fo\u011flu (Mitte) h\u00e4lt am 29. M\u00e4rz 2022 eine Dankesrede w\u00e4hrend der Friedensgespr\u00e4che zwischen Delegationen aus Russland und der Ukraine im Dolmabah\u00e7e-Palast in Istanbul.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Cem Ozdel \/ Getty Images<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ Gettyimages.ru<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Erstarren statt Erkennen<\/strong><\/p>\n<p>Jede ver\u00e4nderte Konfiguration der Ukraine wird derzeit weder in Kiew noch von den westlichen Sponsoren rechtlich anerkannt. Das bedeutet, wir k\u00f6nnen bestenfalls von einem Einfrieren, einer Aussetzung der Feindseligkeiten sprechen \u2013 also einer Art osteurop\u00e4ischer Version des koreanischen &#8220;38. Breitengrades&#8221;. Das ist jedoch fast eine Garantie daf\u00fcr, dass der Konflikt bei der ersten passenden Gelegenheit mit noch gr\u00f6\u00dferer Heftigkeit wieder in eine hei\u00dfe Phase tritt.<\/p>\n<p>Eine Anerkennung der ver\u00e4nderten geopolitischen Realit\u00e4ten ist theoretisch nur im Falle eines offensichtlichen und unbestreitbaren milit\u00e4rischen Ergebnisses m\u00f6glich. In diesem Fall werden sich die Umrisse der Grenzen nicht nur von den urspr\u00fcnglichen, sondern auch von den heutigen sehr unterscheiden. Eine rechtliche Konsolidierung der Ver\u00e4nderungen w\u00fcrde de facto die Entstehung einer anderen Sicherheitsarchitektur in Europa bedeuten. Aber derzeit scheint niemand dazu bereit zu sein, im Gegenteil: Die im Westen vorherrschende Meinung ist, dass jedes Zugest\u00e4ndnis an Moskau ein &#8220;Bonus f\u00fcr den Kreml&#8221; darstellen w\u00fcrde, der die angeblich aggressiven Ambitionen noch anfeuern w\u00fcrde. Au\u00dferdem w\u00fcrde die Sicherheit Europas nur durch einen raschen Ausbau der Verteidigungsf\u00e4higkeiten der NATO und insbesondere ihrer europ\u00e4ischen Mitglieder gew\u00e4hrleistet werden. Allerdings sieht es bei Letzterem nicht besonders gut aus \u2013 das milit\u00e4rische Potenzial wurde durch die materielle Hilfe f\u00fcr die Ukraine erheblich geschw\u00e4cht, und die Schaffung neuer Kapazit\u00e4ten wird Zeit, Geld und politischen Willen erfordern, wobei alle drei Faktoren Mangelware sind. Und genau hier wird sich \u2013 wahrscheinlich schon bald \u2013 der Weg gabeln.<\/p>\n<p><strong>Westdeutsches Szenario<\/strong><\/p>\n<p>Spekulationen \u00fcber irgendeine Art von Friedensgespr\u00e4chen gibt es schon seit L\u00e4ngerem, was widerspr\u00fcchliche Reaktionen ausl\u00f6ste \u2013 von der Hoffnung auf ein Ende des Blutvergie\u00dfens bis hin zum Verdacht auf die Bereitschaft zu &#8220;verhandeln&#8221;. Der Gegenstand der Gespr\u00e4che bleibt unklar: Sowohl die \u00f6ffentlich verk\u00fcndeten als auch \u2013 soweit man beurteilen kann \u2013 die vertraulichen Positionen der Parteien sind unvereinbar. Beide Seiten beharren auf der Kapitulation des Gegners. Da sich erstens die schwierige Lage auf dem Schlachtfeld hinzieht und zweitens die politischen Probleme unter den G\u00f6nnern der Ukraine zunehmen, ist eine Verschiebung zu m\u00f6glicherweise konkreten Vorschl\u00e4gen denkbar.<\/p>\n<p>Von 2014 bis zum Fr\u00fchjahr 2022 (also den Verhandlungen in Istanbul) blieb die Neutralit\u00e4t der Ukraine das zentrale Thema. Moskau bestand darauf, und vor zehn Jahren sprachen sich die damals noch lebenden Patriarchen der US-Diplomatie Henry Kissinger und Zbigniew Brzezi\u0144ski f\u00fcr eine solche L\u00f6sung aus. Im Jahr 2022 kam Kissinger zu dem Schluss, der neutrale Status der Ukraine sei nun nicht mehr relevant und sie solle nun in die NATO aufgenommen werden und einen Teil ihres Territoriums opfern. F\u00fcr diese Bemerkung wurde er von den Ukrainern umgehend auf deren Liste der &#8220;Feinde der Ukraine&#8221;, also auf &#8220;Mirotworez&#8221; gesetzt, \u00a0was zu Deutsch &#8220;Friedensstifter&#8221; hei\u00dfen soll und im Westen \u00fcberwiegend negative Reaktionen hervorrief.<\/p>\n<p>Jetzt scheint dieses Testament des letzten gro\u00dfen Meisters der Diplomatie des 20. Jahrhunderts wie ein Masterplan auszusehen. Die R\u00fcckkehr von Gebieten unter russischer Kontrolle nach Kiew halten selbst US-Strategen nicht mehr f\u00fcr wahrscheinlich. Dementsprechend besteht nun die Idee darin, dass der wahre Sieg der antirussischen Koalition die Erhaltung der ukrainischen Staatlichkeit und deren Konsolidierung innerhalb der euroatlantischen Allianz sein m\u00fcsse. Mit anderen Worten: Sie m\u00fcssen verhindern, dass Moskau seine erste \u2013 und zun\u00e4chst wichtigste \u2013\u00a0Priorit\u00e4t (bez\u00fcglich der NATO-Expansion) auf Kosten der Verweigerung eines (eigentlich schon unvermeidlichen) territorialen Zugest\u00e4ndnisses als der zweiten Priorit\u00e4t verwirklichen kann.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diese Perspektive wurde k\u00fcrzlich in der <em>Financial Times<\/em> von dem bulgarischen Politologen Iwan Krystew (engl. <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/globalaffairs.ru\/authors\/ivan-krastev\/\">Ivan Krastev<\/a>) sehr deutlich dargelegt: &#8220;Was nicht verhandelbar ist, ist weniger die territoriale Integrit\u00e4t der Ukraine als vielmehr ihre demokratische und prowestliche Ausrichtung.&#8221; Und er f\u00fcgte noch hinzu: &#8220;F\u00fcr diejenigen, die Verhandlungen zur Beendigung des Krieges bef\u00fcrworten, ist es an der Zeit, den baldigen Beitritt der Ukraine zur NATO als die einzig wirksame Antwort auf Moskaus Wunsch nach territorialen Ver\u00e4nderungen zu unterst\u00fctzen. Nur eine Ukraine, die der NATO beigetreten ist, kann den dauerhaften oder vor\u00fcbergehenden Verlust der Kontrolle \u00fcber einen Teil ihres Territoriums \u00fcberleben.&#8221; Der Autor betrachtet das als eine Analogie zu Westdeutschland w\u00e4hrend des Kalten Krieges.<\/p>\n<p>Die Analogie ist durchaus anschaulich, weil sie einen anderen Teil des westdeutschen Szenarios impliziert \u2013 eine Wiedervereinigung, sobald sich die erste Gelegenheit dazu bietet. Die vorherige, zeitweilige Anerkennung der Legitimit\u00e4t Ostdeutschlands hat dies in keiner Weise verhindert, w\u00e4hrend im russisch-ukrainischen Fall derzeit eine rechtliche Anerkennung des \u00dcbergangs von Gebieten unter russische Kontrolle jedoch immer noch \u00e4u\u00dferst schwer vorstellbar ist. Wie dem auch sei \u2013 wenn die derzeitige Dynamik anh\u00e4lt, kann man damit rechnen, dass ein solcher Vorschlag gemacht wird. Und Russland wird darauf antworten m\u00fcssen.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dee05ab480cc347a5e5cae.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dee05ab480cc347a5e5cae.jpg 1960w,            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dee05ab480cc347a5e5cae.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dee05ab480cc347a5e5cae.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dee05ab480cc347a5e5cae.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/03\/65dee05ab480cc347a5e5cae.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Ein russischer Soldat der 55. motorisierten Sch\u00fctzenbrigade in der Stadt Awdejewka in der N\u00e4he von Donezk.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Sputnik \/ Stanislav Krasilnikov<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ Sputnik<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Reaktion Moskaus scheint offensichtlich: Diese Option entspricht weder der ersten noch der zweiten Herausforderung und ist daher inakzeptabel. Es m\u00fcssen jedoch besondere Umst\u00e4nde ber\u00fccksichtigt werden. Erstens erw\u00e4gt der Westen nicht einmal die M\u00f6glichkeit eines neuerlichen Abkommens wie damals (am Ende des Zweiten Weltkriegs) in Jalta und Potsdam, was uns ein notwendiger Ausgang des bewaffneten Konflikt zu sein scheint. Vielmehr wird dort das Geschehen als ein Ringen um die Verhinderung einer Revision der Ergebnisse des Kalten Krieges wahrgenommen. Dort ist das Vertrauen auf die NATO als St\u00fctze zumindest der europ\u00e4ischen Sicherheit einer der wichtigsten Aspekte. \u00c4ngste und Bedenken im Zusammenhang mit der m\u00f6glichen R\u00fcckkehr des NATO-Phobikers Donald Trump ins Wei\u00dfe Haus verst\u00e4rken lediglich den Wunsch, die Position der Allianz zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Ein Zur\u00fcckweichen in der Ukraine-Frage wird nun weitgehend als Zeichen des Niedergangs der USA gewertet, das sich Washington nicht leisten kann. Dabei geht es nicht nur um Fragen des Prestiges oder prinzipieller Unwilligkeit, Moskau gegen\u00fcber Zugest\u00e4ndnisse zu machen, das ja angeblich den Kalten Krieg bereits verloren hatte. Die derzeitige internationale Situation unterscheidet sich grundlegend von der am Ende des Zweiten Weltkriegs oder zu Beginn des Kalten Krieges. Auf dem &#8220;gro\u00dfen Schachbrett&#8221;, um eine altbekannte Metapher zu verwenden, m\u00fcssen die USA nun &#8220;simultan&#8221; ein Spiel mit einer wachsenden Zahl von Rivalen bestreiten. Jeder von ihnen spielt dabei sein eigenes Spiel, beobachtet aber aufmerksam die Situation auf den anderen Brettern, zieht Schlussfolgerungen und lernt daraus. Dar\u00fcber hinaus erkl\u00e4rte der Gro\u00dfmeister selbst einen dieser K\u00e4mpfe f\u00fcr grundlegend und schicksalhaft. Das Spiel darf nicht ohne Konsequenzen f\u00fcr andere verloren gehen.<\/p>\n<p>In der Praxis bedeutet dies, dass Russland m\u00f6glicherweise in der einen oder anderen Form ein &#8220;Remis&#8221; in milit\u00e4rischer Form angeboten wird. Oder wie es Iwan Krystew formuliert hatte: &#8220;Wenn Sie wirklich beabsichtigen, ukrainische Gebiete zu besetzen, m\u00fcssen Sie der Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO zustimmen!&#8221;\u00a0Im Westen w\u00fcrde man dies als historischen Sieg feiern. Aber auch die russische Regierung w\u00fcrde die M\u00f6glichkeit erhalten, dieses Ergebnis als Erfolg zu verbuchen, aber es ist unwahrscheinlich, dass alle mit dem Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis zufrieden sein werden. Eine gewisse Unzufriedenheit bleibt zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Logik westlicher Bef\u00fcrworter dieser Idee lautet: Im Sicherheitsbereich wird es zu einer Pattsituation kommen, die aber dadurch stabil bleibt. Die Mitgliedschaft der Ukraine in der nordatlantischen Allianz wird Russland zu deutlich gr\u00f6\u00dferer Vorsicht zwingen, da man in Moskau wei\u00df, dass milit\u00e4rische Eins\u00e4tze auf eine qualitativ andere Ebene gehoben werden. Gleichzeitig wird die Mitgliedschaft der Ukraine in der Allianz f\u00fcr sie selbst eine abk\u00fchlende Wirkung haben \u2013 die Verb\u00fcndeten werden nicht zulassen, dass Russland unentwegt provoziert wird. Dieses letztgenannte Argument wurde \u00fcbrigens bereits der sowjetischen F\u00fchrung unterbreitet, als man sie davon \u00fcberzeugen wollte, der NATO-Mitgliedschaft eines geeinten Deutschlands zuzustimmen.<\/p>\n<p>Angesichts der Haltung gegen\u00fcber der NATO, die sich in den vergangenen drei\u00dfig Jahren entwickelt hat, und des fatalen Mangels an Vertrauen wird Russland den Beitritt der Ukraine zur NATO jedoch unweigerlich als Vorbereitung f\u00fcr einen neuen Konflikt betrachten. Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde dieser Zustand tats\u00e4chlich den Zustand des Kalten Krieges (mit einer geteilten Ukraine in der Rolle eines geteilten Deutschlands) neuerlich fixieren, allerdings nun weitaus dichter und bedenklicher an den Landesgrenzen Russlands.<\/p>\n<p>Welche Gebietsgewinne k\u00f6nnten Moskau dazu veranlassen, einem solchen Handel zuzustimmen? Theoretisch k\u00f6nnte Russland es akzeptieren, wenn der S\u00fcdosten der Ukraine inklusive Odessa (Putin nannte diese Gebiete historisch russisch) und Charkow unter russische Kontrolle k\u00e4men. Aber erstens erscheint eine solche Perspektive derzeit noch nicht realistisch und zweitens l\u00f6st sie das oben beschriebene Dilemma nicht. Schlie\u00dflich erfordert die Fortsetzung einer bereits recht langwierigen milit\u00e4rischen Kampagne die Formulierung einer immer \u00fcberzeugenderen Erz\u00e4hlung. Und hier, so scheint es, hat das im zweiten der oben genannten Motive zum Ausdruck gebrachte Thema der R\u00fcckgabe von illegal Eingeb\u00fc\u00dftem mehr Perspektiven.<\/p>\n<p><strong>Bis zum Siedepunkt<\/strong><\/p>\n<p>Ein Kompromiss ist derzeit nicht in Sicht. Die NATO-Frage ist f\u00fcr beide Seiten von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung. Russland hofft immer noch, die USA und deren Verb\u00fcndete dazu zu zwingen, die Notwendigkeit eines politischen R\u00fcckzugs in dieser Frage anzuerkennen. Die USA und deren Verb\u00fcndete halten dies f\u00fcr absolut inakzeptabel. Somit sind die Voraussetzungen f\u00fcr eine Eskalation sichtbar. Russland beabsichtigt seinen derzeitigen Vorteil um jeden Preis in weitere Gebietsgewinne umzum\u00fcnzen und zeigt damit, dass dem Gegner die Ressourcen f\u00fcr eine Konfrontation ausgehen. Aber sollten die Probleme der weiteren US-Hilfe f\u00fcr Kiew gel\u00f6st werden, wird das nicht nur zu quantitativen, sondern auch zu qualitativen Ergebnissen f\u00fchren \u2013 zur Freigabe von Geldern und zum Beginn der Lieferung wirksamerer Langstreckenwaffen, um Russland gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Schaden zuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Die Intensit\u00e4t der Konfrontation ist bereits so gro\u00df, dass ein weiterer Temperaturanstieg sie zum Siedepunkt bringt, also in die N\u00e4he einer direkten Konfrontation zwischen Russland und der NATO.<\/p>\n<p>Und Moskaus derzeitige milit\u00e4rische Erfolge sind vielleicht alles andere als ern\u00fcchternd, sondern verursachen den gegenteiligen Effekt, n\u00e4mlich den Einsatz zu erh\u00f6hen in einem gef\u00e4hrlichen Spiel.<\/p>\n<p>Bei der Betrachtung dieses Musters m\u00fcssen auch innenpolitische Umst\u00e4nde ber\u00fccksichtigt werden, die sich heute als wichtiger erweisen k\u00f6nnen als alle geopolitischen \u00dcberlegungen. Die wachsende Spaltung in den USA im Wahljahr, die Zersplitterung in Westeuropa und die zunehmend unklare gesellschaftspolitische Lage in der Ukraine. Russland scheint in dieser Hinsicht am stabilsten zu sein, wobei Krisensituationen dennoch nicht auszuschlie\u00dfen sind. Auch hier kann es zum Ausbruch von Konfrontationen au\u00dferhalb des direkten Zusammenhangs mit der Ukraine-Frage kommen \u2013 in Eurasien, in Asien insgesamt oder zu Spannungen im Nahen Osten. All dies kann zu erheblichen Einflussfaktoren werden.<\/p>\n<p>Das dritte Jahr der milit\u00e4rischen Sonderoperation Russlands in der Ukraine verspricht in jeder Hinsicht entscheidend zu werden. Und in absehbarer Zeit gibt es aufgrund der Komplexit\u00e4t des Konflikts und der H\u00f6he des Einsatzes, der auf dem Spiel steht, keinen Grund, mit einer einfachen L\u00f6sung zu rechnen.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <\/em><a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/russia\/593211-russia-ukraine-conflict-third-year\/\"><em>Englischen<\/em><\/a>.<\/p>\n<p><em>Fjodor Lukjanow ist Chefredakteur der Zeitschrift &#8220;Russia in Global Affairs&#8221;, Vorsitzender des Pr\u00e4sidiums des Rates f\u00fcr Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik und Forschungsdirektor am Internationalen Diskussionsklub Waldai.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freeassange.rtde.life\/international\/197409-schlussfolgerungen-nach-zwei-jahren-analyse-des-neuen-kalten-krieges\/\">Zwei Jahre eines neuen Kalten Krieges: Analyse und Schlussfolgerungen <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-vk\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/vk.com\/video_ext.php?oid=-134310637&amp;id=456274818\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/international\/197643-wie-wird-konflikt-zwischen-russland-und-der-ukraine-letztendlich-enden\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Pendel im Krieg schl\u00e4gt zum Vorteil Moskaus aus, w\u00e4hrend sich das westliche Selbstvertrauen der vergangenen Jahre in Luft aufgel\u00f6st hat. 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