{"id":54558,"date":"2024-02-02T16:34:19","date_gmt":"2024-02-02T14:34:19","guid":{"rendered":"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/wehrpflicht-es-wird-sie-nicht-geben\/"},"modified":"2024-02-02T16:34:19","modified_gmt":"2024-02-02T14:34:19","slug":"wehrpflicht-es-wird-sie-nicht-geben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/wehrpflicht-es-wird-sie-nicht-geben\/","title":{"rendered":"Wehrpflicht: Es wird sie nicht geben"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2024\/02\/65bce977b480cc788d2193a5.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Seit einiger Zeit beginnt sie \u00fcberall, die Debatte \u00fcber eine Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht. Aber sie wird nicht kommen, weil es nicht geht. Und die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind nicht fehlende Kasernen oder b\u00fcrokratische Probleme, es ist der Zustand der Gesellschaft.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Dagmar Henn<\/em><\/p>\n<p>Im gesamten Westen beginnt derzeit eine Debatte \u00fcber die Wehrpflicht. Die US-Armee, die britische, die deutsche stellten fest, dass sie ihre Rekrutierungsziele nicht erreichen; in den USA wurde mittlerweile die Anforderung eines Highschool-Abschlusses gestrichen, was im deutschen Schema bedeuten w\u00fcrde, auf den qualifizierten Hauptschulabschluss zu verzichten. Gleichzeitig sollen dieselben Streitkr\u00e4fte auf einen wirklichen konventionellen Krieg eingestellt werden (f\u00fcr die f\u00fcnf Minuten eines Atomkriegs braucht es nur wenig Personal), der, wie man in der Ukraine sehen kann, weit eher dem Zweiten Weltkrieg \u00e4hnelt als all den kolonialen Expeditionen der vergangenen Jahrzehnte.<\/p>\n<p>Das ist ein wenig, wie auf eine Mine treten, die man selbst gelegt hat. Wobei jene, die die Mine legten, noch etwas intelligenter waren als jene, die jetzt ihren Fu\u00df darauf gesetzt haben. Aber um das zu erkl\u00e4ren, muss man ein wenig ausholen.<\/p>\n<p>Der erste Punkt, den man unbedingt bedenken muss, ist der, den Professor Mausfeld in seinen Vortr\u00e4gen immer hervorgehoben hat: Wenn eine kleine Gruppe der wirtschaftlich M\u00e4chtigen \u00fcber eine gro\u00dfe Gruppe wirtschaftlich ohnm\u00e4chtig gehaltener herrscht, ist diese Herrschaft immer durch diese Zahlenverh\u00e4ltnisse bedroht. Es muss also daf\u00fcr gesorgt werden, dass sich die Vielen die Macht der Wenigen gefallen lassen, und sie, im Idealfall, selbst mit dieser Herrschaft kooperieren. Von den zwei denkbaren Versionen, einer Herrschaft durch Gewalt und einer Herrschaft durch freiwillige Unterordnung, ist die letztere die stabilere. Um diese freiwillige Unterordnung zu erreichen, gibt es zwei M\u00f6glichkeiten: Der bedrohlichen Mehrheit zumindest einen Anteil an der stattfindenden Entwicklung zuzugestehen oder sie zu t\u00e4uschen, also vor allem zu verhindern, dass die Mehrheit sich \u00fcberhaupt als Mehrheit begreift.<\/p>\n<p>Das klingt in dieser kompakten Form etwas kompliziert, ist in Wirklichkeit aber recht einfach. Wenn man die Entwicklung der letzten Jahrzehnte betrachtet, ist ganz klar, dass mit dem Einsetzen der neoliberalen Politik die Phase vorbei war, in der es einen Anteil an der stattfindenden Entwicklung gab. Daf\u00fcr muss man sich nur ins Ged\u00e4chtnis rufen, dass es vor f\u00fcnfzig Jahren auch in der BRD in vielen Regionen m\u00f6glich war, mit einem normalen Einkommen Kinder zu haben und Wohneigentum zu erwerben. Das war die gro\u00dfe Zeit der Bausparkassen. Heute ist das vollkommen illusorisch.<\/p>\n<p>Nicht einmal zu Zeiten des r\u00f6mischen Reichs war die soziale Ungleichheit gr\u00f6\u00dfer, als sie es heute ist \u2013 mit der gesamten Spanne vom Kaiser zum K\u00fcchensklaven. Und Ungleichheit und Stabilit\u00e4t schlie\u00dfen einander aus; je ungleicher eine Gesellschaft ist, desto instabiler wird sie. Wobei es nat\u00fcrlich im Interesse der Herrschenden ist, dass sich diese Ungleichheit so lange irgend m\u00f6glich in Kriminalit\u00e4t und nicht in Rebellion umsetzt.<\/p>\n<p>Eine der zentralen T\u00e4uschungen, die hilft, die Mehrheit daran zu hindern, dass sie sich als Mehrheit wahrnimmt, ist, alle denkbaren Unterschiede zu betonen. Wie schon die alten R\u00f6mer sagten: &#8220;Divide et impera&#8221;, teile und herrsche. Daf\u00fcr sind hundertf\u00fcnfzig Geschlechter weitaus g\u00fcnstiger als zwei.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich ist es sinnvoll, die bewaffnete Gewalt zu kontrollieren. Nicht nur dadurch, dass es eine Polizei und ein Milit\u00e4r gibt, auch dadurch, dass die Gesellschaft au\u00dferhalb derselben materiell, nach M\u00f6glichkeit aber auch geistig, entwaffnet wird. Und da n\u00e4hern wir uns dem Kern des Problems.<\/p>\n<p>Die ganze scheinbare Hyperindividualisierung (scheinbar, weil es immer um oberfl\u00e4chliche Eigenschaften geht, am liebsten in der Version, die man kaufen kann, nie um das, was ein Individuum tats\u00e4chlich ausmacht) ist durchaus sinnvoll, wenn man daf\u00fcr sorgen wollte, die besagte Mehrheit so weit in kleinste St\u00fccke zu zerteilen, dass man sich weitaus mehr Reichtum g\u00f6nnen kann, ohne auf offenen Widerstand zu sto\u00dfen. Nat\u00fcrlich ist es in diesem Zusammenhang auch zweckm\u00e4\u00dfig, Gewaltlosigkeit zu predigen. Diesen Trick kannte man schon im Mittelalter. Turniere f\u00fcr die Aristokraten, &#8220;gesegnet seien die Friedfertigen&#8221; f\u00fcr die Leibeigenen.<\/p>\n<p>Einer der Gr\u00fcnde, warum die Auseinandersetzung in den USA um das Recht auf Waffenbesitz so erbittert ist, ist eben dieser historische Zusammenhang. Bis zur b\u00fcrgerlichen Gesellschaft findet sich diese Teilung in Freie und Unfreie, Sklaven und Sklavenhalter, Grundherren und Leibeigene, und immer wieder, von der Antike bis in die Neuzeit, der Grundsatz, nur Freie d\u00fcrften Waffen tragen. Einer der Gr\u00fcnde, warum die Schweizer \u00fcber Jahrhunderte weg in ganz Europa als S\u00f6ldner unterwegs waren, war, dass es dort eben verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig mehr Menschen gab, die Waffen tragen durften. Und weil die US-amerikanische Verfassung als Gegenentwurf zu dieser feudalen Gesellschaft entstanden ist, die Freie und Unfreie kannte (wobei die Freiheit allerdings auf Europ\u00e4er begrenzt wurde), besitzt das Recht, Waffen zu tragen, einen derart hohen symbolischen Wert; als h\u00e4tte die dortige Gesellschaft eine Erinnerung an das alte Europa bewahrt, die dieses selbst l\u00e4ngst vergessen hat.<\/p>\n<p>Die Armeen rekrutierten sich grunds\u00e4tzlich aus Freien. Das war eines der gro\u00dfen Probleme des R\u00f6mischen Reichs \u2013 der Vorrat an freien B\u00fcrgern war begrenzt. Eine Wirtschaft, die auf Sklaverei beruht, ben\u00f6tigt aber st\u00e4ndig Nachschub an Arbeitskr\u00e4ften von au\u00dfen, weil sich Sklaven schlecht vermehren, sprich, sie ist zur Expansion gezwungen, wozu aber die eigenen Freien nicht reichen; Sklaven zu bewaffnen ist jedoch viel zu gef\u00e4hrlich, was nicht zuletzt der Aufstand des Spartakus deutlich in Erinnerung rief. Andererseits braucht dieses best\u00e4ndig wachsende Gebiet auch immer mehr Personal f\u00fcr die Verwaltung, f\u00fcr das Rechtswesen, die ganze B\u00fcrokratie, und daf\u00fcr ben\u00f6tigt es einen ganz anderen Typ als f\u00fcr die Armee. Die L\u00f6sung? Rom schuf sich Hilfstruppen aus den V\u00f6lkern am Rande des Reichs, die B\u00fcrgerrecht bekamen und daf\u00fcr Milit\u00e4rdienst leisteten. Letztlich ging aber auch das ins Auge, und zwar ziemlich b\u00f6se. Das kann man unter dem Stichwort Attila nachlesen (wobei auch der ber\u00fchmte Hermann seine milit\u00e4rische Ausbildung den r\u00f6mischen Legionen zu verdanken haben soll).<\/p>\n<p>Die Schwierigkeiten, im Kern eines Imperiums Truppen zu finden und es gleichzeitig im Inneren ruhig zu halten, sind also nichts Neues. Aber mit den heutigen Techniken, mit den ideologischen Moden, geht die Domestizierung der Mehrheit im Kern wesentlich weiter, als es in fr\u00fcheren Jahrhunderten auch nur denkbar war. Ein veganer, nichtbin\u00e4rer, Marihuana konsumierender, auf seinen CO\u2082-Fu\u00dfabdruck achtender Aufr\u00fchrer? Ein Robin Hood, der erst seine Locken legen und seine High Heels anlegen muss?<\/p>\n<p>Man verstehe das nicht falsch, daf\u00fcr muss niemand in einem finsteren K\u00e4mmerlein sitzen und b\u00f6se Pl\u00e4ne ausbr\u00fcten. Tats\u00e4chlich gibt es simple \u00f6konomische Impulse, die in diese Richtung dr\u00e4ngen. Ganze Industrien sind darauf angewiesen, k\u00fcnstliche Bed\u00fcrfnisse zu schaffen, und andere besch\u00e4ftigen sich damit, sie zu schaffen. Dadurch gibt es schon von allein eine Tendenz zum idealen Konsumenten, und das ist nun einmal ein Mensch, der das will, was man ihm anbietet.<\/p>\n<p>Es hat Jahrzehnte gedauert, den Fernseher durchzusetzen, weil die meisten einmal anderes zu tun hatten, als vor der Glotze zu sitzen. Es dauerte noch Jahre, Computer im Privatbereich zu etablieren, weil sich alle fragten, was sie mit einem Arbeitsger\u00e4t zu Hause sollen, und letztlich erst das Internet dies durchsetzte. Aber die Generation, die darauf dressiert ist, auf das n\u00e4chste iPhone zu gieren, hat sich schon sehr weit von den eigentlichen menschlichen Interessen entfernt und l\u00e4sst sich auch soziale Netzwerke als gesellschaftliche Kommunikation verkaufen. Dabei ist das doch, als w\u00fcrde man nicht nur darauf verwiesen, Kuchen zu essen, wenn es einem an Brot mangele, sondern darauf, das Brotessen durch Betrachten eines Fotos von Brot zu ersetzen.<\/p>\n<p>Dummerweise ist dieses Modell &#8220;Untertan&#8221;, das es gewohnt ist, jede Simulation zu akzeptieren, w\u00e4hrend ihm in der Wirklichkeit St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck genommen wird, das ruhig h\u00e4lt, auch wenn die Ungleichheit katastrophale Ausma\u00dfe annimmt, das sich mit Spielen ohne Brot abfindet, sogar ohne Peitsche auf das Zuckerbrot verzichtet, zwangsl\u00e4ufig v\u00f6llig, unheilbar ungeeignet, den Soldaten zu geben. Schlimmer noch \u2013 es w\u00e4re geradezu gef\u00e4hrlich, es dazu zu machen.<\/p>\n<p>Denn das k\u00f6nnte die ganze Arbeit, die in ihm steckt, schlagartig zunichtemachen. Das liegt schon im grunds\u00e4tzlichen Wesen. Der Mechanismus des Drills, der f\u00fcr jedes Milit\u00e4r wesentlich ist, hat zwei Grundlagen. Zum einen ist es notwendig, Handlungsabfolgen so tief im k\u00f6rperlichen Ged\u00e4chtnis zu verankern, dass sie auch unter extremem Stress noch funktionieren. Zum anderen erfordert milit\u00e4risches Handeln einen Grad an f\u00fchlbarer, sichtbarer Kooperation mit anderen, wie er selbst in heutigen Fabriken selten geworden ist. Um diese Ebene der Kooperation zu erreichen, m\u00fcssen die einzelnen Soldaten einander vertrauen. Die ber\u00fchmten &#8220;Schleifer&#8221; dienen nicht nur dazu, das K\u00f6rperged\u00e4chtnis zu schaffen, sondern auch, die Einzelnen zu einer engen Gruppe zusammenzuschwei\u00dfen, indem sie ihnen einen gemeinsamen Feind liefern.<\/p>\n<p>Wenn man dieses bekannte Motiv aus der Totalitarismustheorie nimmt, Individualismus gegen Kollektivismus, das in der antikommunistischen Propaganda so beliebt war, dann ist das Milit\u00e4r das Extrem des Kollektivismus. Egal, wem es dient, egal, wof\u00fcr es eingesetzt wird, schlicht, weil es das sein muss, um \u00fcberhaupt funktionieren zu k\u00f6nnen. Sich vorzustellen, dass ein Veganer im Sch\u00fctzengraben fordert, die Fleischesser m\u00f6gen an anderem Ort speisen, weil das seine Gef\u00fchle beleidigt, oder bei Befehlen erst die erforderliche Liste mit den gew\u00fcnschten Pronomen aller Angeh\u00f6rigen der Einheit abgearbeitet werden muss \u2013 mit jedem Gedanken, die woke Szenerie in eine Armee zu versetzen, landet man direkt bei Monty Python.<\/p>\n<p>Das ist keine Frage guten oder schlechten Willens. Es geht nicht. Und das hat zwei m\u00f6gliche Konsequenzen: Entweder, es wird nichts mit der Armee, oder der Woke muss entwokt werden. Dann aber kollidiert das sofort mit dem allgemeinen Zustand der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Nicht, weil er hinterher wom\u00f6glich auf ein exotisches Pronomen verzichtet, sondern weil pl\u00f6tzlich zwei Erfahrungen, die das Milit\u00e4r immer liefern muss, das Verh\u00e4ltnis zu dieser Gesellschaft infrage stellen. Eine Erfahrung der Gleichheit und die Erfahrung, dass im menschlichen Leben weitaus wichtigere Dinge existieren als das neueste iPhone. Wom\u00f6glich, und das ist das allergr\u00f6\u00dfte Risiko, sogar die Erfahrung, dass die unten weitaus mehr sind als die oben.<\/p>\n<p>Ich betone nicht umsonst das Wort Erfahrung. So vielf\u00e4ltig und kraus die Ideen sind, die gegenw\u00e4rtig kursieren, die wenigsten davon enthalten je die Qualit\u00e4t unmittelbarer sinnlicher Erfahrung. Es gibt sehr viel, das geh\u00f6rt, angelesen, angelernt ist, aber der Unterschied zwischen dieser Art des Wissens und jener, die aus direktem Erleben resultiert, ist gewaltig.<\/p>\n<p>Nun sind die gro\u00dfen stehenden Heere, die es im vergangenen Jahrhundert gab, eine recht neue Entwicklung. Das h\u00e4ngt unmittelbar mit der oben erw\u00e4hnten Frage von Waffen und Freiheit zusammen. Das franz\u00f6sische Heer unter Napoleon war deshalb so erfolgreich, weil diese Armee auf v\u00f6llig anderen Prinzipien gr\u00fcndete. Die franz\u00f6sischen Soldaten waren urspr\u00fcnglich angetreten, um etwas Eigenes zu verteidigen, die Landreform \u2013 die eine Errungenschaft der Franz\u00f6sischen Revolution, die nicht mehr umzukehren war. Die Armeen, die ihnen gegen\u00fcberstanden, bestanden vielfach aus in den Dienst gepressten Unfreien. Um sie \u00fcberhaupt auf die Gr\u00f6\u00dfe zu bringen, dass sie gegen die franz\u00f6sische Armee ankamen, brauchte es gewaltige Zugest\u00e4ndnisse, daher beispielsweise die preu\u00dfischen Reformen.<\/p>\n<p>Wenn man Menschen dazu bringen will, ein Land als ihres zu begreifen und zu verteidigen, m\u00fcssen sie etwas zu verteidigen haben. Nicht nur im Sinne einer abstrakten Predigt, sondern im Sinne einer konkreten Wirklichkeit. Es geht nat\u00fcrlich, jemanden mit Gewalt zu unterwerfen, die britische Marine hat das jahrhundertelang so gemacht, aber die milit\u00e4rische Qualit\u00e4t, die daraus resultiert, ist bescheiden. Selbst wenn das heutige Deutschland den Menschen Tag und Nacht nur noch von Vaterlandsliebe vors\u00e4useln w\u00fcrde, es w\u00fcrde nichts nutzen, weil der entscheidende Faktor fehlt: Nach vierzig Jahren konsequenten Abholzens des Sozialstaats, wenn die Deutschen sich schon seit Jahrzehnten nicht sicher genug f\u00fchlen, um Kinder aufzuziehen, wie will man sie dann mit blo\u00dfen Parolen dazu bringen, f\u00fcr diesen Zustand auch noch ihr Leben aufs Spiel zu setzen?<\/p>\n<p>In Wirklichkeit hat jeder Mensch beide Seiten, beide Bed\u00fcrfnisse, sowohl Individuum zu sein als auch Teil eines gr\u00f6\u00dferen Ganzen, wobei das gr\u00f6\u00dfere Ganze nur funktioniert, wenn es ein Mindestma\u00df an Freundlichkeit aufweist, Dinge wie bezahlbare Wohnungen, Zeit und Orte, um Freunden zu begegnen, Freundschaften zu pflegen, eine sichere Umgebung f\u00fcr die eigenen Kinder. Das ist nicht mehr zu haben. Wer eine funktionierende Wehrpflichtarmee will, kann es nicht ignorieren, wenn Menschen in Hauseing\u00e4ngen schlafen. Aber schon f\u00fcr bezahlbare Wohnungen muss man den Zugriff der Superreichen auf die gesellschaftlichen Mittel beschr\u00e4nken. Dazu ist diese politische Klasse nicht f\u00e4hig; sie k\u00f6nnte es nicht einmal, wenn sie wollte, weil auch die politische Mobilisierungsf\u00e4higkeit (nicht im Sinne von Sonntagsspazierg\u00e4ngen unter dem Motto &#8220;Wir sind daf\u00fcr&#8221;) auf eben jener Wahrnehmung von Gleichheit beruht, die ansonsten so massiv bek\u00e4mpft wird, bis in ihre religi\u00f6sen Varianten.<\/p>\n<p>Gerade die Raubz\u00fcge der vergangenen Jahre, von der Bankenrettung \u00fcber Corona bis in den gro\u00dfen Selbstbedienungsladen des Milit\u00e4risch-Industriellen Komplexes, sind ein deutliches Indiz daf\u00fcr, dass diese \u00d6konomie der Milliard\u00e4re eigentlich l\u00e4ngst zusammengebrochen sein m\u00fcsste, wenn es ihr nicht gel\u00e4nge, immer wieder enorme Summen aus der Gesellschaft zu saugen und auf ihre Renditen umzuleiten. Was andersherum bedeutet, dass es f\u00fcr diese Herrschaft keine Kompromisse gibt. Man kann sehen, wie im Westen jeder Anlauf zu einer irgendwie sozialdemokratischen Politik nicht nur scheitert, sondern sogleich massiv bek\u00e4mpft wird. Wenn der Geldfluss hin zu den gro\u00dfen Verm\u00f6gen auch nur verringert wird, w\u00fcrde das die Entwertung des fiktiven Geldes herbeif\u00fchren, die sie so sehr f\u00fcrchten. Was hei\u00dft, aus Milliarden \u2013 und vor allem aus Milliarden \u2013 w\u00fcrden im Handumdrehen nur noch Millionen oder gar eine wertlose Zahl auf einem Auszug bei einer verschwundenen Bank.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch das allerletzte Problem. Als in den USA die Wehrpflicht aufgehoben und eine Berufsarmee eingef\u00fchrt wurde, was seitdem die meisten westlichen Staaten nachvollzogen, geschah das nicht nur, weil gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung sich gegen den Vietnamkrieg gestellt hatten. In weiten Teilen stand die US-Armee damals vor dem Kollaps, nicht nur wegen zunehmender Desertion. Es gab gleichzeitig auch Bewegungen wie die Black Panthers, die zeigten, dass sich die erlangten Kenntnisse auch anders einsetzen lie\u00dfen. Es ging, entgegen allgemeiner Annahmen, nicht darum, dass die Wehrpflicht abgelehnt wurde, damit konnten und k\u00f6nnen viele Staaten leben, es ging darum, dass die Armee selbst zum Ausgangspunkt eines Aufstands zu werden drohte.<\/p>\n<p>Selbst zur Verteidigung, etwas, was die NATO noch nie beherrscht hat, br\u00e4uchte es eine Gesellschaft, die mehr zu bieten hat, als die heutige Oligarchie des Westens f\u00fcr die Allgemeinheit \u00fcbrig l\u00e4sst. Schon der Versuch, aus der vorhandenen Jugend eine Armee zu machen, w\u00fcrde Fragen in den Vordergrund dr\u00e4ngen, auf die eine derzeitige Gesellschaft keine Antwort hat. Und wenn Menschen, die pl\u00f6tzlich erkennen, dass sie get\u00e4uscht wurden, dass sie viel miteinander gemeinsam haben und sie die Mehrheit sind, auch noch Waffen in den H\u00e4nden haben, dann entsteht eine ganz andere Situation.<\/p>\n<p>Nein, egal, wie ausf\u00fchrlich die Idee einer Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht serviert werden wird, es wird sie nicht geben, weil letztlich die Oligarchie feststellen wird, dass es viel zu gef\u00e4hrlich ist. Und es ist ohnehin albern, weil es entweder au\u00dfergew\u00f6hnliche gesellschaftliche Umst\u00e4nde braucht, wie im Frankreich nach der Revolution, oder viel Zeit, in Jahrzehnten, nicht in Jahren bemessen, um eine Wehrpflicht zu etablieren und daraus eine funktionsf\u00e4hige Armee zu machen. W\u00e4ren die Herren der NATO ernsthaft davon \u00fcberzeugt, dass sie demn\u00e4chst von Russland \u00fcberfallen werden w\u00fcrden, w\u00fcrden sie sich daran machen, die einzig sinnvollen Vorbereitungsma\u00dfnahmen zu ergreifen: wei\u00dfe Fahnen, Brot, Salz und Wodkaflaschen zu verteilen, um sie angemessen zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freeassange.rtde.live\/nordamerika\/192435-warum-usa-nicht-genuegend-truppen\/\">Warum die USA f\u00fcr ihre imperialen Ziele nicht gen\u00fcgend Soldaten rekrutieren k\u00f6nnen <\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/194880-wehrpflicht-es-wird-sie-nicht\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einiger Zeit beginnt sie \u00fcberall, die Debatte \u00fcber eine Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht. Aber sie wird nicht kommen, weil es nicht geht. 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