{"id":49429,"date":"2023-11-08T18:34:16","date_gmt":"2023-11-08T16:34:16","guid":{"rendered":"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/land-der-legenden-land-des-blutes-wie-gaza-zum-ewigen-kriegsgebiet-wurde\/"},"modified":"2023-11-08T18:34:16","modified_gmt":"2023-11-08T16:34:16","slug":"land-der-legenden-land-des-blutes-wie-gaza-zum-ewigen-kriegsgebiet-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/land-der-legenden-land-des-blutes-wie-gaza-zum-ewigen-kriegsgebiet-wurde\/","title":{"rendered":"Land der Legenden, Land des Blutes: Wie Gaza zum ewigen Kriegsgebiet wurde"},"content":{"rendered":"<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Um den Konflikt im Gazastreifen zu verstehen, muss man sich mit der Geschichte jahrzehntelanger Gewalt in diesem Territorium befassen. Das Drama im Nahen Osten zeigt deutlich, wie einfach es ist, den Geist des Hasses aus der Flasche zu lassen, und wie schwer es ist, ihn dann wieder zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Roman Schumow<\/em><\/p>\n<p>Nach dem Terroranschlag der Hamas auf Israel haben selbst diejenigen, die nicht viel \u00fcber die Probleme des Nahen Ostens wussten, etwas \u00fcber Gaza erfahren. Sowohl Anh\u00e4nger Israels als auch jene der Pal\u00e4stinenser sind w\u00fctend und beschuldigen die jeweilige Gegenseite der Unmenschlichkeit. Der israelisch-pal\u00e4stinensische Konflikt dauert jedoch deswegen bis heute an, weil es keine einfache und eindeutige L\u00f6sung f\u00fcr das Problem gibt. Die Worte des britischen Historikers Thomas Carlyle sind in diesem Fall passender denn je: &#8220;Die Geschichte wird jeden betrauern, weil jeder ein bitteres Schicksal erlitten hat.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Ein blutiges Erbe<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte der Stadt Gaza reicht mehrere Jahrtausende zur\u00fcck. Gaza liegt an der K\u00fcste des Mittelmeers und ist seit der Zeit der \u00e4gyptischen Pharaonen besiedelt. Nat\u00fcrlich geht es uns heute in erster Linie darum, die aktuelle Krise zu verstehen, aber dazu m\u00fcssen wir erst in die Vergangenheit blicken \u2013 in die Zeit des Ersten Weltkriegs, als Pal\u00e4stina ein abgelegener Winkel des Osmanischen Reiches war.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Ersten Weltkriegs lebte eine \u00fcberschaubare j\u00fcdische Gemeinschaft in Pal\u00e4stina. Sie stellte eine Minderheit dar, war aber dennoch prominent sichtbar und vertreten. Im Allgemeinen war das j\u00fcdische Volk zu dieser Zeit harmonisch in die lokale Gemeinschaft integriert \u2013 es bewohnte dieses Land seit biblischen Zeiten und es gab lange Zeit mit der arabischen Bev\u00f6lkerung keine wesentlichen Konflikte, wie sie mit den Krisen der Neuzeit vergleichbar w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Unterdessen richteten Frankreich und Gro\u00dfbritannien damals ihre Aufmerksamkeit auf den Nahen Osten, nachdem sie \u00fcber die Nachkriegsstruktur der Welt nachgedacht und verhandelt hatten. Zu dieser Zeit gab es viele Projekte zum Nahen Osten, aber das wichtigste Projekt wurde vom britischen Au\u00dfenminister Lord Balfour vorgeschlagen. Balfour hielt es unter anderem f\u00fcr wichtig, Juden eine nationale Heimat im Nahen Osten zu erschaffen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfbritannien erlangte nach dem Ersten Weltkrieg Einfluss \u00fcber weite Gebiete, die de facto Kolonien wurden und die einst zum zerfallenden Osmanischen Reich geh\u00f6rt hatten. Das Territorium vom heutigen Israel wurde Mandatsgebiet Pal\u00e4stina genannt. Nachdem die Briten die Kontrolle \u00fcber diese Gebiete erlangt hatten, bevorzugten sie im Allgemeinen die Juden, die sie als &#8220;Gegengewicht&#8221; zu den Arabern betrachteten. J\u00fcdische Gemeinden und Einwanderer \u2013 auch die Migration wurde gef\u00f6rdert \u2013 waren gegen\u00fcber den Arabern im Vorteil. Allerdings wollten sich weder die Juden noch die Araber mit der britischen Herrschaft abfinden. Wie sich herausstellte, reichten mehrere Jahrzehnte dieser r\u00fccksichtslosen britischen Herrschaft aus, um die Spannungen zwischen den beiden Gemeinschaften zu versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es dann zu einer einzigartigen Situation, durch die die Gr\u00fcndung j\u00fcdischer und arabischer Staaten in Pal\u00e4stina erm\u00f6glicht wurde. Um seine imperiale Last abzuwerfen, griff Gro\u00dfbritannien auf einige der bestehenden Ideen f\u00fcr den Nahen Osten zur\u00fcck. Dar\u00fcber hinaus waren nach dem V\u00f6lkermord am j\u00fcdischen Volk im Zweiten Weltkrieg die Anspr\u00fcche vieler Juden auf einen unabh\u00e4ngigen Staat v\u00f6llig berechtigt.<\/p>\n<p><strong>Die Geburt Israels und die ersten Konflikte<\/strong><\/p>\n<p>Die Grenzen der k\u00fcnftigen arabischen und j\u00fcdischen Staaten wurden von der Vereinten Nationen festgelegt. Das Unterfangen erwies sich jedoch als kompletter Misserfolg. Die Vereinten Nationen hatten zun\u00e4chst gute Absichten: Sie schlugen vor, jene Gebiete Pal\u00e4stinas mit gro\u00dfen j\u00fcdischen Gemeinden dem j\u00fcdischen Staat zu \u00fcberlassen, w\u00e4hrend der arabische Staat die Gebiete erhalten w\u00fcrde, in denen die arabische Bev\u00f6lkerung vorherrschend war. Da die Stadt Jerusalem f\u00fcr beide Gemeinschaften als heilige St\u00e4tte gilt, wurde der Stadt ein UN-Sonderstatus zuerkannt.<\/p>\n<p>Allerdings war keine der beiden Seiten mit den Vorschl\u00e4gen zufrieden. Erstens wurden beide Nationen auseinandergerissen und bestanden fortan ausschlie\u00dflich aus verstreuten Enklaven. Zweitens wurden dem k\u00fcnftigen Staat Israel Gebiete mit weiterem Raum f\u00fcr Expansion zugeteilt. Angesichts der zu erwartenden Massenzuwanderung von Juden aus Europa erhielten diese Israelis mehr Land als jene gro\u00dfe Zahl von Arabern, die umsiedeln mussten. Nat\u00fcrlich waren diese Araber aufgebracht. Und keine Seite wollte einen Kompromiss eingehen. 1947 brach ein bewaffneter Konflikt mit dem Ziel einer Grenzrevision aus. Jordanien, \u00c4gypten und andere arabische Staaten schlugen sich auf die Seite der Araber. Die Israelis konnten sich jedoch erfolgreich wehren und besetzten sogar einige der von den Vereinten Nationen eigentlich den Arabern zugewiesenen Gebiete. Die \u00fcbrigen Teile im arabischen Pal\u00e4stina wurden jedoch nicht zu einem eigenst\u00e4ndigen Staat, sondern wurden teils sogar von benachbarten arabischen Nationen besetzt. Jordanien etwa \u00fcbernahm die Kontrolle \u00fcber das Westjordanland und Gaza wurde von \u00c4gypten besetzt.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f14cb480cc30990265cf.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f14cb480cc30990265cf.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f14cb480cc30990265cf.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f14cb480cc30990265cf.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f14cb480cc30990265cf.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f14cb480cc30990265cf.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">David Ben Gurion, der sp\u00e4ter Israels erster Premierminister werden sollte, verliest am 14. Mai 1948 in Tel Aviv die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung w\u00e4hrend der Zeremonie zur Gr\u00fcndung des Staates Israel.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Zoltan Kluger\/GPO \u00fcber Getty Images<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ Gettyimages.ru<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn Gaza einfach ein Teil \u00c4gyptens geworden w\u00e4re, w\u00e4re die Situation nicht besonders schlimm gewesen. Aber die Situation erwies sich tats\u00e4chlich als noch viel schlimmer. Im Jahr 1947 z\u00e4hlte Gaza lediglich 80.000 Einwohner. Doch anschlie\u00dfend str\u00f6mten arabische Fl\u00fcchtlinge in die Region und das kleine Gebiet musste bis zu 300.000 Araber unterbringen. Bereits zu diesem Zeitpunkt h\u00e4tte man die Situation als humanit\u00e4re Katastrophe bezeichnen k\u00f6nnen, da den Menschen in Gaza selbst das N\u00f6tigste fehlte.<\/p>\n<p>\u00c4gypten betrachtete Gaza allerdings nicht als sein eigenes Territorium, weshalb die Bewohner des Gazastreifens nicht die \u00e4gyptische Staatsb\u00fcrgerschaft annehmen durften. \u00c4gypten nutzte Gaza vielmehr lediglich als eigenen Puffer gegen Israel. Mit \u00c4gyptens Hilfe wurden in der Enklave Fedajin-Brigaden \u2013 bewaffnete Freiwilligenverb\u00e4nde \u2013 gebildet, um einen Guerillakrieg gegen Israel zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Gleichzeitig gr\u00fcndeten die Vereinten Nationen das Hilfswerk der Vereinten Nationen f\u00fcr Pal\u00e4stina-Fl\u00fcchtlinge im Nahen Osten, die United Nations Relief and Works Agency (UNRWA) for Palestine Refugees in the Near East, die bis heute aktiv ist. Diese Agentur der Vereinten Nationen trug dazu bei, die Lebensumst\u00e4nde in Gaza zu verbessern. Dank der UN-Bem\u00fchungen wurden aus den Fl\u00fcchtlingslagern nach und nach veritable St\u00e4dte, und das Leben allgemein in Gaza \u2013 auch wenn es weiterhin schwierig war \u2013 wurde ertr\u00e4glicher. Damals hofften und dachten viele Menschen, das Problem w\u00fcrde bald gel\u00f6st sein, indem der Status von Gaza bald ge\u00e4ndert werde.<\/p>\n<p><strong>Menschen ohne Staat<\/strong><\/p>\n<p>Die Situation in Gaza \u00e4nderte sich tats\u00e4chlich gravierend. 1967 f\u00fchrten Streitigkeiten zwischen dem j\u00fcdischen Staat und den arabischen Nachbarstaaten \u00c4gypten, Jordanien und Syrien zum Sechstagekrieg, der mit der Besetzung der Sinai-Halbinsel und des Gazastreifens durch Israel endete. Zu diesem Zeitpunkt lebten bereits fast 400.000 Menschen in Gaza, 60 Prozent davon waren Binnenvertriebene.<\/p>\n<p>Israel versuchte, das Gebiet zu integrieren, allerdings unter eigenm\u00e4chtig bestimmten Bedingungen. Genauso wie den Einwohnern von Gaza die \u00e4gyptische Staatsb\u00fcrgerschaft verweigert wurde, konnten sie auch die israelische Staatsb\u00fcrgerschaft nicht erhalten. Israels Politik im Gazastreifen war von Widerspr\u00fcchlichkeiten gepr\u00e4gt. Einerseits bot Israel Arbeitspl\u00e4tze, was \u00e4u\u00dferst wichtig war, da etwa die H\u00e4lfte der gesamten arbeitenden Bev\u00f6lkerung von Gaza in Israel arbeitete. Araber f\u00fchrten \u00fcblicherweise Arbeiten als Ungelernte mit niedrigem Lohn aus, aber sie verdienten dabei immer noch mehr, als sie in Gaza selbst h\u00e4tten erwarten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Andererseits behinderte diese Regelung die wirtschaftliche Entwicklung Gazas. Die Araber waren Wanderarbeiter \u2013 und das schien gut zu funktionieren, da die Einkommen in Gaza allm\u00e4hlich stiegen. Doch gleichzeitig stagnierte die Wirtschaft in Gaza. Die Rechte arabischer Arbeiter wurden nicht auf die gleiche Weise gesch\u00fctzt wie die der Israelis, und als B\u00fcrger eines noch immer nicht existierenden Staates blieben die Bewohner Gazas praktisch politisch v\u00f6llig in der Schwebe. Die Bev\u00f6lkerung von Gaza aber wuchs rapide. Zus\u00e4tzlich wurde die Situation wurde durch den Bau israelischer Siedlungen im Gazastreifen erschwert. Zeitweise nahmen diese Siedlungen bis zu einem Drittel des ohnehin bereits \u00fcberbev\u00f6lkerten Streifens ein. Dar\u00fcber hinaus zeigten viele j\u00fcdische Siedler die Mentalit\u00e4t von &#8220;Eroberern&#8221; und verhielten sich dementsprechend. Dies trug nicht zum friedlichen Zusammenleben zwischen der arabischen und der j\u00fcdischen Gemeinschaft bei.<\/p>\n<p>Nach dem Friedensvertrag zwischen \u00c4gypten und Israel erst im Jahr 1979 nahmen diese beiden L\u00e4nder friedliche Beziehungen auf, und die Grenze zwischen Gaza und \u00c4gypten wurde somit erneut ge\u00f6ffnet. Allerdings betrachtete \u00c4gypten die Araber des Gazastreifens weiterhin nicht als ihre Br\u00fcder, und es wurde auch nur ein einziger Grenz\u00fcbergang eingerichtet.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f1a4b480cc30ea4b6234.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f1a4b480cc30ea4b6234.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f1a4b480cc30ea4b6234.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f1a4b480cc30ea4b6234.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f1a4b480cc30ea4b6234.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f1a4b480cc30ea4b6234.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Der \u00e4gyptische Pr\u00e4sident Anwar al-Sadat, der israelische Ministerpr\u00e4sident Menachem Begin und US-Pr\u00e4sident Jimmy Carter am 17. September 1978 nach einer Pressekonferenz im Wei\u00dfen Hause.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Consolidated News\/AFP<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ AFP<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Eine Zeit zum Tunnelbau<\/strong><\/p>\n<p>Die &#8220;Tunnelwirtschaft&#8221; des Gazastreifens reicht bis in die 1980er Jahre zur\u00fcck, als Tunnel gegraben wurden, die sowohl nach Israel als auch nach \u00c4gypten f\u00fchrten. Heute h\u00f6ren wir von diesen Tunneln vor allem als Teil einer terroristischen Infrastruktur, damals wurden sie jedoch aus rein wirtschaftlichen Gr\u00fcnden erstellt. Bei diesen Tunneln handelt es sich um ausgebaute unterirdische Bauwerke samt Elektrizit\u00e4t, Bel\u00fcftung und sogar mit Schienen f\u00fcr Loren, die f\u00fcr den Warenschmuggel genutzt wurden. Viele dieser Tunnel wurden genossenschaftlich gebaut \u2013 sie wurden direkt von der Bev\u00f6lkerung finanziert und diese Gelder wurden \u00fcber Moscheen gesammelt. Jeder Tunnel wurde zu einem eigenst\u00e4ndigen Wirtschaftsunternehmen, wobei die Gewinnmargen teilweise unglaublich waren \u2013 ein neuer Tunnel konnte sich so beispielsweise in nur einem Monat amortisieren.<\/p>\n<p>Unterdessen verschlechterte sich die politische Lage weiter. Der Kampf gegen Israel wurde von der Fatah angef\u00fchrt, der Partei von Jassir Arafat. In der zweiten H\u00e4lfte der 1980er Jahre entstand dann die Hamas-Bewegung. Sie wurde in Abgrenzung zur Fatah gegr\u00fcndet auf der geistlichen Grundlage einer der radikalsten und unvers\u00f6hnlichsten islamistischen Gruppen, der Muslimbruderschaft. Die Hamas war von Anbeginn entschlossen, Krieg gegen Israel zu f\u00fchren und es vollst\u00e4ndig zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Im Jahr 1987 begann dann die Erste Intifada, die auch &#8220;Steinintifada&#8221; genannt wird. Die Araber l\u00f6sten Massenunruhen aus und griffen israelische Siedlungen im Gazastreifen an. Die Konfrontation war schwerwiegend und forderte viele Todesopfer. Israel konnte die Unruhen schlie\u00dflich niederschlagen, erlitt jedoch dadurch einen schweren Schaden im internationalen Ruf. Anfang der 1990er Jahre stimmte Israel Verhandlungen zu. Dies f\u00fchrte zur Unterzeichnung des Oslo-Abkommens von 1993, das die Schaffung einer Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde und die R\u00fcckkehr zum Projekt der Schaffung eines k\u00fcnftigen pal\u00e4stinensischen Staates sicherstellte. Dieses Zwei-Staaten-Konzept schien eine gute k\u00fcnftige L\u00f6sung zu werden. Die Israelis \u00fcbergaben den Gazastreifen an die Pal\u00e4stinenser und errichteten entlang der Grenze zur Enklave Barrieren.<\/p>\n<p>Der Konflikt konnte jedoch nicht vollst\u00e4ndig gel\u00f6st werden, denn Tel Aviv weigerte sich, einige entscheidende Zugest\u00e4ndnisse zu machen. Auch konnten sich die Araber und die Juden nicht \u00fcber den Status Jerusalems einigen \u2013 und Arafat forderte eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr die arabischen Binnenfl\u00fcchtlinge. Infolgedessen folgte die noch viel blutigere Zweite Intifada. Die Pal\u00e4stinenser ver\u00fcbten Selbstmordattentate, blutige Angriffe und feuerten selbstgebaute Raketen auf israelische St\u00e4dte ab. Israel reagierte darauf mit aller H\u00e4rte. Infolge dieser Intifada wurden etwa 1.000 Juden und 3.000 Araber get\u00f6tet. Die Zweite Intifada traf jedoch nicht nur die Menschen, die direkt darunter litten. Nach dem Konflikt wurden entlang des Gazastreifens weitere Grenzbefestigungen errichtet. Nur zwei Ausg\u00e4nge f\u00fchrten noch aus der Enklave: einer nach \u00c4gypten, der andere nach Israel. Niemand konnte mehr das Gebiet ungehindert verlassen, w\u00e4hrend die See- und Luftwege von Israel v\u00f6llig blockiert wurden.<\/p>\n<p>Das war der Beginn einer regelrechten Blockade. Dabei ist wichtig anzumerken, dass Israel Gaza als eine Brutst\u00e4tte des Terrorismus betrachtete, aber dasselbe unterstellte auch \u00c4gypten, das den Bewohnern des Gazastreifens ebenfalls den Zugang zu seinem Territorium versperrte.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f22848fbef165f3616f2.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f22848fbef165f3616f2.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f22848fbef165f3616f2.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f22848fbef165f3616f2.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f22848fbef165f3616f2.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/11\/6549f22848fbef165f3616f2.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Pal\u00e4stinenser in einem Tunnel, der f\u00fcr Milit\u00e4r\u00fcbungen in einem von der Hamas betriebenen Sommercamp f\u00fcr Jugendliche in Gaza-Stadt genutzt wird.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Mohammed Abed\/AFP<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ AFP<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Doch das Schlimmste sollte noch kommen<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2005 zog sich Israel vollst\u00e4ndig aus dem Gazastreifen zur\u00fcck. Israelische Siedlungen wurden aufgel\u00f6st, Israel zog seine Truppen ab und die Enklave wurde weiter isoliert. Als Folge der Kriege und der Blockade sank der Lebensstandard in Gaza. Die meisten Bewohner wollten nicht um des Dschihad willen Selbstmordattent\u00e4ter werden. Der Deckel des &#8220;Dampfkessels&#8221; Gaza war jedoch fest verschlossen und sein Inhalt erreichte den Siedepunkt. Im Jahr 2006 gewann die Hamas die Wahlen in Gaza, gab sich jedoch nicht mit diesem durch ein demokratisches Verfahren herbeigef\u00fchrten Sieg zufrieden. In Gaza brach daraufhin ein B\u00fcrgerkrieg aus. Die gem\u00e4\u00dfigtere Fatah wurde schlie\u00dflich bezwungen, einige ihrer F\u00fchrer flohen aus dem Gazastreifen, andere wurden get\u00f6tet. Das Gebiet des gescheiterten Konzepts eines pal\u00e4stinensischen Staates wurde in das Westjordanland und den Gazastreifen gespalten \u2013 nicht nur geografisch, sondern somit auch politisch. W\u00e4hrend Israelis und Araber im Westjordanland wackelige Wege fanden, zusammenzuleben, war der Gazastreifen v\u00f6llig isoliert. Die Arbeitslosenquote stieg auf 50 Prozent, und die Aktivisten der Hamas \u2013 eine blutr\u00fcnstige und fanatische extremistische Bewegung \u2013 erlangten unangefochtene Macht. All dies wurde von Terroranschl\u00e4gen aus Gaza heraus und der rachedurstigen Bombardierung der Enklave durch die Israelis begleitet. Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Gaza-Frage \u00e4u\u00dferst schwer zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Eine chronische Krankheit<\/strong><\/p>\n<p>Die meisten Menschen in Gaza w\u00fcrden einfach gerne in Frieden leben. Aber niemand fragt sie, was sie wollen. Die Menschen k\u00f6nnen nicht fliehen \u2013 sowohl \u00c4gypten als auch Israel halten sie allesamt f\u00fcr potenzielle Terroristen \u2013 und es trifft zu, dass es unter der Bev\u00f6lkerung eine betr\u00e4chtliche Anzahl echter Terroristen gibt. Jeder in Gaza ist gezwungen, sich mit der Hamas auseinanderzusetzen \u2013 einfach, weil es keine andere Regierung gibt und weil so gut wie jeder bei der Hamas Freunde, Verwandte oder Bekannte hat. Die Menschen auf beiden Seiten der Grenzbefestigung haben aufgrund des langen, schmerzhaften Konflikts mittlerweile auch reichlich Grund, sich gegenseitig zu hassen: Die Bewohner Gazas leiden unter Bombenangriffen, w\u00e4hrend Israelis unter Terroranschl\u00e4gen leiden. Und das schon seit Jahrzehnten.<\/p>\n<p>Im Jahr 2006 entf\u00fchrten Militante aus Gaza einen israelischen Soldaten, der mehrere Jahre in Gefangenschaft verbrachte. Er wurde schlie\u00dflich gegen 1.000 pal\u00e4stinensische Gefangene, darunter militante Aktivisten, ausgetauscht. Unterdessen flogen weiterhin aus Gaza abgefeuerte Raketen \u00fcber die Grenze nach Israel. Zu diesem Zeitpunkt \u00fcbernahm Israel das Konzept des &#8220;Rasenm\u00e4hens&#8221;: Nach jeder Eskalation w\u00fcrde Israel Gaza bombardieren, um das Kampfpotenzial der Hamas zu dezimieren. Zwischen 2008 und 2009 f\u00fchrten die Israelischen Verteidigungskr\u00e4fte (IDF) die Operation &#8220;Gegossenes Blei&#8221; durch und drangen tief in den Gazastreifen vor \u2013 die IDF erlitten zwar geringf\u00fcgige Verluste, waren aber im Gro\u00dfen und Ganzen erfolgreich. Anschlie\u00dfend entwickelte sich die Situation nach und nach wieder in die Richtung, wie sie vorher war. Die n\u00e4chste gro\u00dfe Operation namens &#8220;Wolkens\u00e4ule&#8221; folgte im Jahr 2012. Zu diesem Zeitpunkt betrachteten die Israelis die st\u00e4ndigen Angriffe auf ihr Territorium als eine unvermeidliche Katastrophe. Aber auch israelische Angriffe auf Gaza waren zur Routine geworden.<\/p>\n<p>Nach und nach setzten die Israelis ihren &#8220;Iron Dome&#8221; ein \u2013 ein effektives und zuverl\u00e4ssiges Raketenabwehrsystem, was die Sch\u00e4den durch den Beschuss aus Gaza erheblich reduzierte. Im Jahr 2014 folgte eine erneute Eskalation \u2013 die Operation Unzerst\u00f6rbarer Felsen \u2013, bei der Israel zwar 66 Soldaten verlor, aber einige Gebiete im Gazastreifen durch schweres Artilleriefeuer v\u00f6llig &#8220;plattgemacht&#8221; wurden. Die Verluste w\u00e4hrend dieser Operation sorgten in Israel f\u00fcr heftige Diskussionen in der \u00d6ffentlichkeit. Danach versuchten die IDF f\u00fcr lange Zeit nicht mehr, tiefer in die Enklave einzudringen.<\/p>\n<p>Doch nach den K\u00e4mpfen von 2014 fanden die Israelis dem Anschein nach ein Gleichgewicht. Der &#8220;Iron Dome&#8221; sch\u00fctzte sie erfolgreich vor Raketen aus Gaza. Der gesamte Perimeter des Gazastreifens wurde von der israelischen Gaza-Division bewacht, und die Verteidigung st\u00fctzte sich stark auf fortschrittliche Technologien \u2013 \u00dcberwachungskameras und T\u00fcrme mit ferngesteuerten Maschinengewehren wurden entlang dem Perimeter postiert. In den kommenden Jahren nahmen die Spannungen an der Grenze ab und das Gef\u00fchl der Gefahr unter den Israelis lie\u00df nach. Kampfbereite Einheiten wurden von der Grenze zum Gazastreifen abgezogen und die IDF wurden nach und nach wieder zu einer Armee in Friedenszeiten.<\/p>\n<p>Das grundlegende Problem blieb jedoch bestehen. Auf der anderen Seite der von den Israelis errichteten Grenzbefestigung befand sich eine riesige Enklave, in der zwei Millionen Menschen ohne Arbeit, Zukunftsperspektive und Geld lebten und die von einer Terrororganisation regiert wurden. Doch w\u00e4hrend die Wachsamkeit der Israelis nachlie\u00df, beobachteten die F\u00fchrer der Hamas aufmerksam, was auf der anderen Seite der Grenzbefestigung geschieht.<\/p>\n<p>Am 7. Oktober dieses Jahres wurde klar, dass es keine gute Option war, den Gazastreifen einfach zu vergessen. In die Grenzbefestigungen wurden Schneisen gesprengt, und hunderte Militante der Hamas fielen in Israel ein.<\/p>\n<p>Der arabisch-israelische Konflikt und insbesondere die Probleme in Gaza werden oft als Ergebnis der Bosheit der einen oder anderen Seite angesehen. Doch tats\u00e4chlich wird das Schicksal Gazas seit \u00fcber hundert Jahren durch Entscheidungen bestimmt, die damals bisweilen vern\u00fcnftig oder gar menschlich schienen, sich in Wirklichkeit aber als l\u00e4cherlich und unverantwortlich herausstellten. B\u00f6swilligkeit, wohlmeinende Inkompetenz, Grausamkeit und Chauvinismus spielten alle eine Rolle \u2013 aber sie waren nicht ausschlie\u00dflich einer bestimmten Seite vorbehalten, auch nicht allein den F\u00fchrern Israels und Pal\u00e4stinas. Das Drama im Nahen Osten zeigt deutlich, wie einfach es ist, den Geist der Gewalt und des Hasses aus der Flasche zu lassen, und wie schwer es ist, ihn jemals wieder zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Bis heute ist es niemandem gelungen, den Geist wieder in die Flasche zu zwingen \u2013 selbst nach einem Jahrhundert vieler Bem\u00fchungen nicht.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/news\/586576-land-of-legends-and-blood\/\">Englischen<\/a>.<\/em><em><\/em><\/p>\n<p><strong><em>Roman Schumow<\/em><\/strong><em> ist ein russischer Historiker, der sich auf Konflikte und internationale Politik konzentriert.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freeassange.rtde.life\/meinung\/185767-der-leere-blick-des-robert-habeck\/\">Der leere Blick des Robert Habeck &#8211; und sein gef\u00e4hrlicher Blankocheck f\u00fcr Israel<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-odysee\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/odysee.com\/%24\/embed\/%40RTDE%3Ae%2FWeltweiter-Protest--Pro-Pal%C3%A4stina-Demonstrationen-ziehen-Hunderttausende-Menschen-auf-die-Stra%C3%9Fen%3A3\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/international\/186210-land-legenden-land-blutes-wie-gaza-zum-ewigen-kriegsgebiet-wurde\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um den Konflikt im Gazastreifen zu verstehen, muss man sich mit der Geschichte jahrzehntelanger Gewalt in diesem Territorium befassen. 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