{"id":47132,"date":"2023-09-27T21:55:32","date_gmt":"2023-09-27T19:55:32","guid":{"rendered":"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/die-beleidigung-chinas-durch-den-berater-von-selenskij-hat-in-peking-keine-grosse-reaktion-provoziert\/"},"modified":"2023-09-27T21:55:32","modified_gmt":"2023-09-27T19:55:32","slug":"die-beleidigung-chinas-durch-den-berater-von-selenskij-hat-in-peking-keine-grosse-reaktion-provoziert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/die-beleidigung-chinas-durch-den-berater-von-selenskij-hat-in-peking-keine-grosse-reaktion-provoziert\/","title":{"rendered":"Die Beleidigung Chinas durch den Berater von Selenskij hat in Peking keine gro\u00dfe Reaktion provoziert"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/09\/651401c0b480cc13db01a56f.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Vergangene Woche bediente sich der Chefberater des ukrainischen Pr\u00e4sidenten, Michail Podoljak, einer ordin\u00e4ren Beleidigung, um zwei asiatische Machtzentren zu verunglimpfen. Im Gegensatz zu Indien blieb die Reaktion aus Peking zur\u00fcckhaltend \u2013 aus guten Gr\u00fcnden.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Timofei W. Bordatschow<\/em><\/p>\n<p><strong><\/strong>Vergangene Woche mutma\u00dfte ein wichtiger Vertreter des Kiewer Regimes in einem Interview \u00fcber das &#8220;schwache intellektuelle Potenzial&#8221; von L\u00e4ndern wie China und Indien. Diese \u00fcberhebliche Anma\u00dfung des ukrainischen Pr\u00e4sidentenberaters Michail Podoljak veranschaulichte perfekt viele Merkmale der modernen internationalen Politik.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Da ist zun\u00e4chst die Art und Weise, wie sie mit dem Informationsraum interagiert. Hier trifft jede Nation ihre eigenen Entscheidungen, wie sie auf solche Beleidigungen wie jene von Podoljak reagiert. Es gibt keine festen Regeln dar\u00fcber, welche Reaktion sich als die angemessenste herausstellen wird. China ist jedoch in solchen Angelegenheiten auf dem Weg, sich zu einer au\u00dfenpolitischen Gro\u00dfmacht zu entwickeln.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Generell ist die Praxis \u00f6ffentlicher Beleidigungen in der Weltpolitik nicht neu. Es w\u00e4re naiv zu glauben, dass solche in der &#8220;guten alten Zeit&#8221; nicht vorkamen. W\u00e4hrend des Kalten Krieges beschimpften viele von den USA unterst\u00fctzte Marionettenstaaten und Diktatoren \u00f6ffentlich die UdSSR oder China mit den \u00fcbelsten Worten. Blo\u00df erfuhr die \u00d6ffentlichkeit kaum etwas davon.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Auch den Bolschewiki waren in ihren Anfangsjahren nach der Revolution harsche Denunziationen nicht fremd, und die Chinesen selbst foppten bis Mitte der 1970er Jahre gern westliche und sowjetische Politiker mit &#8220;eloquenten&#8221; \u00c4u\u00dferungen. Mao Zedong, der Gr\u00fcnder des modernen chinesischen Staates, war \u00fcbrigens ein Meister darin. Unverantwortliche \u00c4u\u00dferungen sind ein inh\u00e4rentes Verhaltensmerkmal von Regimes, deren Zukunft ungewiss ist. Sie leben in der Gegenwart, sind ungeschminkt in ihren \u00c4u\u00dferungen, da sie nicht wissen, ob sie in naher Zukunft noch existieren werden, und sich daher wenig Gedanken \u00fcber die l\u00e4ngerfristigen Konsequenzen machen.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Heute ist China eine gro\u00dfe und solide Macht. In den vergangenen 50 Jahren hat es sich zu einem wirtschaftlichen Giganten entwickelt, mit der Potenz, globalen Einfluss zu nehmen. Und in dieser neuen Position k\u00f6nnte Peking zum Schluss gekommen sein, dass die Zeit, die aufgewendet werden m\u00fcsste, um auf jeden Krakeel von US-Lakaien zu reagieren, viel besser genutzt werden k\u00f6nnte. Dies gilt umso mehr, als es den Anschein hat, dass China in den vergangenen Jahren zunehmend Abstand von der Praxis genommen hat, seinen Beamten und Diplomaten harsche \u00c4u\u00dferungen zu gestatten. Offensichtlich ist man in Peking zu dem Schluss gekommen, dass ein solches Verhalten nichts Vorteilhaftes bringt, jedoch das Image Chinas beeintr\u00e4chtigt. Zumindest h\u00f6ren wir von offiziellen chinesischen Stellen keine scharfen au\u00dfenpolitischen \u00c4u\u00dferungen mehr.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Die offizielle Vertreterin des chinesischen Au\u00dfenministeriums, Mao Ning, nahm zur Beleidigung aus Kiew Stellung und sagte, dass Michail Podoljak &#8220;seine \u00c4u\u00dferung in gutem Glauben analysieren und daran arbeiten sollte, die richtige Einstellung zu entwickeln&#8221;. Solche Formulierungen sind ein Kompromiss zwischen der Notwendigkeit, auf jeden Unsinn reagieren zu m\u00fcssen, und einem noch unentwickelten Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wie dies geschehen soll.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Ob solche selbstbewussten Ermahnungen in Kiew Wirkung zeigen, ist keineswegs sicher. Das werden sie wahrscheinlich nicht. Und daf\u00fcr gibt es mehrere Gr\u00fcnde. In erster Linie lebt der Gegenstand der Unzufriedenheit Chinas auf einer anderen politischen Ebene. Zweitens h\u00e4ngt die \u00dcberzeugungskraft der Rhetorik Pekings von der allgemeinen Lage in der Welt ab, zu der auch die milit\u00e4rische und politische Krise in Europa geh\u00f6rt. Aus Sicht der in der Ukraine vorherrschenden politischen Kultur ist dies im Allgemeinen nicht \u00fcberraschend, und niemand wei\u00df das besser als die Russen. Moskau h\u00f6rt st\u00e4ndig die giftigste Rhetorik aus Richtung des Kiewer Regimes. Und es liegt an Moskau, wie es auf diese reagieren soll.<\/p>\n<p><strong><\/strong>\u00c4hnliches geschah vor einigen Jahren mit dem kleinen Litauen, das ebenfalls einen Streit mit China vom Zaun brach. Gegenstand des Disputs waren die Beziehungen, die Litauen zu Taiwan aufgenommen hatte. Damals reagierte die chinesische Regierung ziemlich ver\u00e4rgert dar\u00fcber. Peking brach die Wirtschaftsbeziehungen mit der baltischen Republik ab und drehte die wirtschaftlichen Daumenschrauben in jenen Bereichen der Weltwirtschaft an, auf die Peking Einfluss nehmen konnte. Trotzdem hatte dies keine Auswirkungen auf das Verhalten von Vilnius. Es stellte sich n\u00e4mlich heraus, dass die Handelsbeziehungen zwischen Litauen und China so unbedeutend waren, dass die Einstellung dieser Beziehungen keinem der beiden Staaten Schaden zuf\u00fcgte. Und da die Souver\u00e4nit\u00e4t Litauens im Allgemeinen nur formaler Natur ist, kann dieser Staat f\u00fcr seine Handlungen nicht zur Verantwortung gezogen werden. Peking hat wahrscheinlich seine Lektion gelernt und wird eine solch erfolglose Strafdiplomatie nicht wiederholen.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Umso mehr wird eine scharfe Reaktion Chinas im Fall der Ukraine nicht funktionieren. Erstens, weil Pekings Haltung gegen\u00fcber dem ukrainischen Regime bereits klar ist und China mittlerweile Russlands wichtigster Partner im Konflikt mit dem Westen ist. Obwohl chinesische Unternehmen nicht weniger Angst davor haben, unter Sanktionsrepressionen aus Washington zu geraten, als andere, nimmt die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden L\u00e4ndern zu. Auch das Ausma\u00df der chinesischen Unterst\u00fctzung Russlands im milit\u00e4risch-technischen Bereich h\u00e4ngt nicht vom Verhalten Kiews ab. Pekings politische Sympathien sind klar und sie stehen nicht auf der Seite des ukrainischen Regimes. F\u00fcr die Chinesen ist die Ukraine nichts weiter als ein Rammbock gegen Russland in den H\u00e4nden der USA. Daher riskiert Kiew nichts.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Das \u00dcberleben des von Wladimir Selenskij gef\u00fchrten Regimes h\u00e4ngt vollst\u00e4ndig vom Westen ab und hat nichts mit anderen Faktoren der internationalen Politik zu tun. Die Chinesen haben, wenn \u00fcberhaupt, nicht viele M\u00f6glichkeiten, Kiew zu bestrafen. Peking kann nat\u00fcrlich einen Groll hegen. Aber was n\u00fctzt es, wenn das Objekt seines Grolls nicht wei\u00df, wie lange es in dieser Welt noch existieren wird?<\/p>\n<p><strong><\/strong>Nat\u00fcrlich ist es m\u00f6glich, Druck auf Washingtons Satellitenstaaten auszu\u00fcben. Aber es ergibt nur dann Sinn, wenn Ma\u00dfnahmen zumindest etwas bewirken. Nehmen wir zum Beispiel S\u00fcdkorea, f\u00fcr das die Wirtschaftsbeziehungen zu China sehr wichtig sind.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Allerdings sind Vasallen der USA in den meisten F\u00e4llen entweder nicht in der Lage, ihre nationalen Interessen zu verteidigen, oder sie haben einfach keine. Dies ist die Besonderheit der heutigen Welt, in der eine bedeutende Gruppe von L\u00e4ndern nur formal souver\u00e4n ist. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Souver\u00e4nit\u00e4t dieser Staaten um Projektionen verschiedener Erscheinungsformen der US-Diplomatie. Die einzige M\u00f6glichkeit, eine solche Ordnung auf globaler Ebene zu \u00e4ndern, besteht darin, sie v\u00f6llig neu zu strukturieren.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Jedes Wort, das Peking an die Vasallen der USA richtet, ist also letztlich Teil seiner Beziehung zu den USA selbst. Deshalb bleibt China vorsichtig. Jeder wei\u00df genau, dass die vorsichtigen Reaktionen nicht nur gro\u00dfer L\u00e4nder wie China oder Indien, sondern auch jene der meisten Mitglieder der internationalen Gemeinschaft auf die Eskapaden und die anhaltende Machtf\u00e4higkeit Washingtons zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Die USA haben keine anderen Mittel, um ihre Interessen in der Welt zu verteidigen und durchzusetzen, w\u00e4hrend &#8220;Soft Power&#8221; oder subtiler politischer Einfluss l\u00e4ngst vergessene Konzepte sind. Aber die F\u00e4higkeit der USA, andere dazu zu zwingen, nach den Regeln Washingtons zu handeln, ist immer noch enorm, und das sollten wir nicht vergessen. Peking spielt ein komplexes Spiel, dessen ultimatives Ziel darin besteht, die USA zu \u00fcbertrumpfen, ohne ihnen direkt entgegenzutreten. Und es wird sich dabei so zur\u00fcckhaltend wie nur m\u00f6glich\u00a0verhalten.<\/p>\n<p><strong><\/strong><em>Aus dem\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/news\/583499-zelensky-ukraine-china-asia\/\">Englischen<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Timofei W. Bordatschow\u00a0(geboren 1973) ist ein russischer Politikwissenschaftler und Experte f\u00fcr internationale Beziehungen, Direktor des Zentrums f\u00fcr komplexe europ\u00e4ische und internationale Studien an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Weltwirtschaft und Weltpolitik der Hochschule HSE in Moskau. Unter anderem ist er Programmdirektor des Internationalen Diskussionsklubs Waldai.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211; <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/international\/175306-warum-usa-ukraine-mit-ziemlicher\/\">Warum die USA der Ukraine mit ziemlicher Sicherheit nie erlauben werden, der NATO beizutreten<\/a><\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/international\/181973-beleidigung-chinas-durch-berater-von\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergangene Woche bediente sich der Chefberater des ukrainischen Pr\u00e4sidenten, Michail Podoljak, einer ordin\u00e4ren Beleidigung, um zwei asiatische Machtzentren zu verunglimpfen. Im Gegensatz zu Indien blieb die Reaktion aus Peking zur\u00fcckhaltend \u2013 aus guten Gr\u00fcnden. Von Timofei W. 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