{"id":45614,"date":"2023-09-02T19:17:27","date_gmt":"2023-09-02T17:17:27","guid":{"rendered":"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/bildungsmonitor-der-verzweifelte-wunsch-nach-ingenieursstudenten\/"},"modified":"2023-09-02T19:17:27","modified_gmt":"2023-09-02T17:17:27","slug":"bildungsmonitor-der-verzweifelte-wunsch-nach-ingenieursstudenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/bildungsmonitor-der-verzweifelte-wunsch-nach-ingenieursstudenten\/","title":{"rendered":"Bildungsmonitor: der verzweifelte Wunsch nach Ingenieursstudenten"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/09\/64ef92a848fbef32f977cce3.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Das Institut der Deutschen Wirtschaft analysiert seit 2004 den Zustand des deutschen Bildungswesens. Diesmal ist es besonders beunruhigt, weil der Nachwuchs an Mathematikern und Technikern nicht gen\u00fcgt. Aber die Industrie, die hinter dem IW steht, hat diesen Zustand selbst herbeigef\u00fchrt.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Dagmar Henn<\/em><\/p>\n<p>Der Bildungsmonitor 2023 des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) ist eine schwierige <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/studien\/axel-pluennecke-julia-betz-christina-anger-insm-bildungsmonitor-2023.html\">Lekt\u00fcre<\/a>. Nicht nur, weil die verarbeitete Menge an Informationen enorm ist, sondern auch, weil der Ursprung, ein Institut, das in der Regel als &#8220;arbeitgebernah&#8221; bezeichnet wird, durchaus daf\u00fcr sorgt, dass die Ergebnisse in eine bestimmte Richtung interpretiert werden, die eben ganz bestimmten Interessen folgt.<\/p>\n<p>Die Darstellung in den Medien st\u00fcrzt sich vor allem auf das Bundesl\u00e4nderranking, als handele es sich um ein Wettrennen, und als w\u00fcrden Eltern massenhaft das Bundesland wechseln, weil dessen Ergebnisse besser sind. Tats\u00e4chlich wird das Ranking prim\u00e4r genutzt, um daraus politische Vorteile zu ziehen, wobei Sachsen, Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern schon ewig an der Spitze von Bildungsvergleichen zu stehen scheinen, und das letztlich vermutlich weit mehr mit dem \u00f6konomischen Stand der jeweiligen Bundesl\u00e4nder zu tun hat als mit der konkreten Bildungspolitik.<\/p>\n<p>Denn das ist etwas, was bei der Betrachtung v\u00f6llig ausgeblendet wird. Wenn insbesondere Sachsen, Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern mehr Absolventen in den MINT-F\u00e4chern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ausbilden als andere Bundesl\u00e4nder, dann lassen sich daf\u00fcr zwei naheliegende Faktoren finden, die nicht in der Studie auftauchen: Zum einen ist es weitaus wahrscheinlicher, dass jemand einen Beruf in diesem Bereich anstrebt, wenn im Umfeld tats\u00e4chlich Industrie vorhanden ist, und zum anderen sind es noch relativ wohlhabende Bundesl\u00e4nder, die trotz der sozialen Entwicklung der letzten 20 Jahre genug m\u00f6gliche Aufsteiger liefern, die diese F\u00e4cher studieren wollen. Es sind n\u00e4mlich nicht die Kinder aus den oberen Schichten, die technische und naturwissenschaftliche F\u00e4cher anstreben. Trotzdem reicht die Zahl der Absolventen in diesen Bundesl\u00e4ndern selbst nicht aus, um den n\u00f6tigen Nachwuchs f\u00fcr Forschung und Entwicklung zu bilden.<\/p>\n<p>Man merkt, das ist die Frage, die die Autoren und vermutlich auch die Auftraggeber der Studie am st\u00e4rksten umtreibt. Woher soll der Nachwuchs im MINT-Bereich kommen? Schlie\u00dflich h\u00e4ngt auch das Wohl der Industrie, f\u00fcr die das IW arbeitet, davon ab, dass es diesen Nachwuchs gibt. Letztlich ist das der Aspekt, unter dem das gesamte Bildungssystem, von Kindertagesst\u00e4tten bis zu den Hochschulen, betrachtet wird.<\/p>\n<p>Dabei ist zuerst einmal eine Tatsache auff\u00e4llig, anhand der gleich der erste Widerspruch auftaucht. Nach der ersten PISA-Studie begann eine Welle von Reformen und Verbesserungsbem\u00fchungen, die beispielsweise zu einem starken Ausbau der Kinderbetreuung und der Einf\u00fchrung von Ganztagsunterricht f\u00fchrten, den mittlerweile fast die H\u00e4lfte der Sch\u00fcler besucht. Bis 2013 zeigte auch der Bildungsmonitor eine Verbesserung; danach aber wurden die Ergebnisse wieder schlechter.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Der Bundesdurchschnitt im Jahr 2021 entspricht damit in etwa dem Niveau des schlechtesten Bundeslands Bremen im Jahr 2011 (463 bzw. 467 Punkte). Auch die durchschnittliche Risikogruppe in Deutschland weist aktuell in etwa das Niveau Bremens im Jahr 2011 auf.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Bremen ist ebenso traditionell das Schlusslicht solcher Untersuchungen, wie die drei s\u00fcdlichen Bundesl\u00e4nder an ihrer Spitze stehen. Aber was l\u00f6ste diese Entwicklung aus? Warum wird seitdem das Leseverst\u00e4ndnis, die Leistung in Mathematik und Anderes wieder schlechter?<\/p>\n<p>Eine Erkl\u00e4rung liefert der Bericht.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Lag der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund im Jahr 2005 noch bei 18,7 Prozent, liegt er im Jahr 2022 mit 28,7 Prozent zehn Prozentpunkte h\u00f6her. Mehr noch als in der Gesamtbev\u00f6lkerung steigt der Migrationsanteil bei den jungen Generationen. Unter den Viertkl\u00e4sslerinnen und Viertkl\u00e4sslern ist der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund von 24,7 Prozent im Jahr 2011 auf 38,3 Prozent im Jahr 2021 gestiegen \u2013 ein Anstieg um 13,6 Prozentpunkte innerhalb eines Jahrzehnts.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das sind 38,3 Prozent im Bundesdurchschnitt, und das war im Jahr 2021. Im Jahr 2022 kamen dazu dann noch die Ukrainer. In den Gro\u00dfst\u00e4dten bedeutet das: \u00dcber die H\u00e4lfte der Kinder hat in den Grundschulen Deutsch nicht als Muttersprache und beherrscht es nur mangelhaft. Mehr noch, nachdem sich die Wohnbev\u00f6lkerung stark entmischt hat, sind noch weit h\u00f6here Anteile m\u00f6glich. Das hat zur Folge, dass der Spracherwerb in der Kommunikation mit Gleichaltrigen nicht mehr stattfinden kann, der aber ein wichtiger Teil des Lernprozesses ist.<\/p>\n<p>Wenn das das einzige Problem w\u00e4re \u2026 Trotz dieser massiven Ver\u00e4nderung in der Zusammensetzung der Sch\u00fclerschaft ist die Ausbildung f\u00fcr den Unterricht von Deutsch als Zweitsprache immer noch nicht verpflichtender Teil der Lehrerausbildung. Man kann es lernen, muss aber nicht. Abgesehen davon, dass die Lehrerschaft in Deutschland immer noch im Verh\u00e4ltnis zu anderen L\u00e4ndern relativ alt ist, wird das zentrale Wissen, das erst die Voraussetzung f\u00fcr die Vermittlung anderer Dinge wie Mathematik schafft, nach wie vor nicht vermittelt. Das ist sowohl gegen\u00fcber den Sch\u00fclern als auch gegen\u00fcber den Lehrern eigentlich eine Zumutung.<\/p>\n<p>Was eine Studie, die im Auftrag des Arbeitgeberverbands erstellt wurde, nat\u00fcrlich nicht erw\u00e4hnt, ist, dass sich in der Zwischenzeit noch etwas anderes ge\u00e4ndert hat in Deutschland. Stichwort Niedriglohnsektor. An anderer Stelle kommt man n\u00e4mlich zu dem Ergebnis, dass sich auch der Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Einkommen der Eltern und Schulerfolg der Kinder wieder verst\u00e4rkt hat. Sind weniger als hundert B\u00fccher im Haus, ist der Bildungserfolg geringer. Wird viel vorgelesen, schneiden die Kinder besser ab, aber das ist vorrangig in Akademikerhaushalten \u00fcblich. Nachhilfe ist das Privileg desjenigen, der sie bezahlen kann \u2013 wobei das Thema Privatschulen in diesem Zusammenhang in der Studie nicht einmal erw\u00e4hnt wird. Die Umgebung hat ebenfalls einen starken Einfluss, nicht nur, weil Schulen in \u00e4rmeren Vierteln meist schlechter ausgestattet sind, sondern auch, weil sich Kinder und Jugendliche vielfach nach dem richten, was ihnen vorgelebt wird.<\/p>\n<p>Es gibt einen konkret benennbaren Faktor, der die r\u00e4umliche Trennung von Arm und Reich in Deutschland gef\u00f6rdert hat. Das war Hartz IV, und damit die H\u00f6chstgrenzen f\u00fcr die Kosten der Unterkunft. War dieser Nebeneffekt beabsichtigt? Wahrscheinlich nicht, die Folge ist aber, dass sich sowohl die arme als auch die Migrationsbev\u00f6lkerung seitdem verst\u00e4rkt in bestimmten Vierteln ballen. Ung\u00fcnstige Voraussetzungen.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Studien zeigen, dass sich ein gr\u00f6sserer Klassenanteil an Migrantinnen und Migranten sowohl negativ auf die Leistungen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit Migrationshintergrund auswirkt als auch auf die Kinder ohne Migrationshintergrund. Daher sollte auf eine gleichm\u00e4ssigere soziale Durchmischung geachtet werden, besonders vor dem Hintergrund, dass sich die Qualit\u00e4t der Grundschulen immer st\u00e4rker nach der sozialen Zusammensetzung der Sch\u00fclerschaft unterscheidet.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Nun, die tats\u00e4chliche Tendenz geht immer noch in Richtung einer Entmischung und jeder Schritt, der die Mieten weiter steigen l\u00e4sst und das verf\u00fcgbare Einkommen weiter senkt, verst\u00e4rkt das Problem. Exakt diese Frage kann das IW allerdings nicht offen ansprechen, schlie\u00dflich sind seine Auftraggeber die Profiteure dieser Entwicklung, auch wenn sie jetzt feststellen m\u00fcssen, dass ihnen der n\u00f6tige Nachwuchs f\u00fcr die Forschungsabteilungen ausgeht.<\/p>\n<p>Zuwanderung ist dabei nur begrenzt hilfreich. Die Zahl ausl\u00e4ndischer Studenten, bei denen man sich Hoffnungen machen k\u00f6nnte, dass sie nach ihrem Abschluss bleiben, steigt zwar der Studie zufolge, aber die Ursprungsl\u00e4nder sind vorrangig Indien und China. Vor Kurzem erst hat die Bundesregierung beschlossen, chinesische Studenten, die ihr Studium vom chinesischen Staat finanziert bekommen, nicht mehr zuzulassen, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellten. Damit f\u00e4llt eine der beiden Gruppen weitgehend aus. Wie lange es noch dauert, bis auch indische Studenten abgewiesen werden, weil Indien Teil der BRICS ist, kann man nur vermuten. Noch ein Punkt, an dem unterschiedliche Interessen und Ziele miteinander kollidieren.<\/p>\n<p>Die Einwanderergruppen der letzten Jahre sind \u00fcbrigens recht unergiebig, was diese Studienf\u00e4cher betrifft. Der Bericht meldet das zwar als positive Nachricht, aber in Wirklichkeit ist es keine \u2013 ganze Zehntausend haben bisher ein Studium aufgenommen. Bei Erwachsenen oder fast Erwachsenen, von denen viele als Analphabeten hier eintreffen, ist auch kaum mehr zu erwarten. Bei den Ukrainern d\u00fcrfte die &#8220;Ausbeute&#8221; deutlich besser sein. Doch das Problem, das das IW am meisten umtreibt, ist kaum so einfach zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Der Elefant im Raum ist nat\u00fcrlich das dreigliedrige Schulsystem. Seit dem Scheitern des Volksentscheids zur Schulreform in Hamburg im Jahr 2010 traut sich niemand mehr, die Forderung nach einer Aufhebung dieser Teilung zu erheben. Dabei war der Vorschlag in Hamburg schon darauf begrenzt, die Kinder bis zur sechsten Klasse gemeinsam zu unterrichten. Damals waren auch s\u00e4mtliche Wirtschaftsvertreter daf\u00fcr, aber die Mittelschicht war in gro\u00dfen Teilen vehement dagegen; die Entscheidung fiel zugunsten sicherer Karrierechancen f\u00fcr die eigenen Kinder und gegen einen gesellschaftlich notwendigen Schritt.<\/p>\n<p>Das Problem an diesem Schulsystem ist nicht nur die fr\u00fche Trennung der Kinder, es sind noch weit st\u00e4rker die Folgen, die es f\u00fcr die Ausrichtung des Unterrichts und das Verhalten der Lehrer hat. Der Bildungsmonitor schl\u00e4gt unter anderem vor, die Leistung der Lehrer bei ihrem Gehalt zu ber\u00fccksichtigen, und meint mit Leistung, wie gut die Sch\u00fcler abschneiden. Die ganze Struktur ist allerdings darauf ausgerichtet, dass mehr und mehr Sch\u00fcler ausgesiebt werden. Das gilt nicht nur f\u00fcr die Grundschule, das gilt f\u00fcr die gesamte Schulzeit. Das System mit seinen Traditionen setzt schlicht den genau gegenteiligen Anreiz. Die Studie kritisiert das nur sehr vorsichtig.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Die Segregation von lernstarken und lernschwachen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern etwa verst\u00e4rkt bestehende Leistungsunterschiede, besonders auch weil Schulen in sozialen Brennpunkten \u2013 trotz Mittelzuteilung nach Sozialindex \u2013 oft geringere Mittel zur Verf\u00fcgung stehen als Schulen in einkommensstarken Wohngebieten.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wie stark sich Unterricht unterscheiden kann, wenn dieser Ausleseanreiz nicht besteht, kann man an den Berufsschulen sehen, die mit dem projektorientierten Unterricht einem v\u00f6llig anderen Modell folgen. Statt st\u00e4ndig gegeneinander, arbeiten die Sch\u00fcler miteinander, an konkreten Vorhaben, die als Aufh\u00e4nger f\u00fcr die theoretischen Teile des Unterrichts dienen. Dass eine solche P\u00e4dagogik m\u00f6glich ist, beruht auf zwei Voraussetzungen.<\/p>\n<p>Die erste gilt mittlerweile f\u00fcr das gesamte Schulsystem \u2013 man ben\u00f6tigte eine Antwort auf den hohen Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, was dazu f\u00fchrte, das Gewicht nichtsprachlicher Handlungen zu erh\u00f6hen und auch die n\u00f6tige Sprache dabei mit zu vermitteln, die zweite gilt allerdings nicht: Die Berufsschule arbeitet mit Jugendlichen, die eine betriebliche Ausbildung absolvieren, und die Betriebe erwarten, dass die Berufsschule den Jugendlichen, die sie schicken, auch die n\u00f6tigen Kenntnisse vermittelt. Dieser einzige Bereich des deutschen Bildungswesens, der nicht aussieben soll, k\u00f6nnte f\u00fcr den ganzen Rest als Vorbild dienen und die Blaupause f\u00fcr eine Erneuerung liefern, aber nur, wenn das Auslesesystem gekippt wird.<\/p>\n<p>Wie viel es bewirken kann, wenn der Auslesedruck entf\u00e4llt, belegt die Studie selbst, ohne es zu bemerken. In Deutschland gibt es zwei Arten von Ganztagsschulen \u2013 offene und gebundene. Der Unterschied besteht darin, dass in der gebundenen Ganztagsschule der ganze Tag als Unterricht gilt und den Schulregeln unterliegt, w\u00e4hrend die offene Ganztagsschule (die oft aus Geldmangel entsteht) bei den nachmitt\u00e4glichen Zusatzangeboten meist auf die freie Jugendhilfe zur\u00fcckgreift. Die Ergebnisse der offenen Ganztagsschule sind bezogen auf den Ausgleich sozialer Benachteiligungen effektiver.<\/p>\n<p>Der Grund? Hierarchie und Selektion, die das Schulwesen dominieren, bleiben au\u00dfen vor. Die Grundlage f\u00fcr die T\u00e4tigkeit der freien Jugendhilfe ist das Kinder- und Jugendhilfegesetz, das eine v\u00f6llig andere Vorstellung von Bildung bietet als die Erziehungs- und Unterrichtsgesetze der Bundesl\u00e4nder. Auch hier ist ein Bereich, in dem es nicht darum geht, unterwegs m\u00f6glichst viele Passagiere zu verlieren.<\/p>\n<p>Die Bildungsausgaben, auch ein Ergebnis dieser Studie, sind \u00fcbrigens seit dem ersten Bildungsmonitor 2004 deutlich gestiegen, von 2005 bis 2021 um 87,7 Prozent. Das signalisiert, dass mangelnde Finanzierung nicht das Hauptproblem ist.<\/p>\n<p>Bezogen auf das Kernproblem f\u00fcr das IW, den fehlenden MINT-Nachwuchs, l\u00e4sst sich das relativ einfach zusammenfassen. Nachdem diese Studieng\u00e4nge immer schon eher von Kindern aus Nichtakademikerhaushalten belegt wurden und vor allem als M\u00f6glichkeit des sozialen Aufstiegs gedient haben, l\u00e4sst sich das Problem nicht mit ein paar F\u00f6rdermittelchen hier und ein paar Lehrern dort l\u00f6sen. Manche Vorschl\u00e4ge, die das IW macht, wie eine noch st\u00e4rkere Akademisierung der vorschulischen Erziehung, sind geradezu kontraproduktiv, weil sie den Abstand zwischen der Lebenswelt der Kinder, aus denen das IW gerne Ingenieure machen w\u00fcrde, und den Betreuern noch erh\u00f6hen. Andere, wie eine st\u00e4rkere Gestaltungsfreiheit der einzelnen Schulen, w\u00fcrden die Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen verst\u00e4rken, nicht verringern. L\u00f6sungen, die auf Kooperation setzen statt auf Konkurrenz, sind dem IW naturgem\u00e4\u00df fremd.<\/p>\n<p>Aber der Knackpunkt bei einem Aufsteigerstudium ist, dass es daf\u00fcr in der Gesellschaft tats\u00e4chlich die M\u00f6glichkeit eines Aufstiegs ben\u00f6tigt. Sp\u00e4testens seit dem Jahr 2005 ist Deutschland eine Abstiegsgesellschaft, ein Zustand, der sich in naher Zukunft noch deutlich verst\u00e4rken d\u00fcrfte. Das bedeutet, dass \u2013 genau das signalisierte bereits der Hamburger Volksentscheid \u2013 die Konkurrenz in den Schulen nicht nur \u00fcber das System und die Lehrer vermittelt wird, sondern auch \u00fcber die Eltern, zumindest \u00fcber jene, die noch einen Abstieg f\u00fcrchten k\u00f6nnen. Der Bildungsmonitor nennt das &#8220;Intensivierung der Elternschaft&#8221;. Eine erh\u00f6hte soziale Selektivit\u00e4t f\u00fchrt aber dazu, dass immer weniger potenzielle MINT-Studenten \u00fcberhaupt die Studienberechtigung erwerben.<\/p>\n<p>Um die Demokratie macht sich das IW \u00fcbrigens auch Sorgen. Und zitiert in diesem Zusammenhang folgende Erkenntnis:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Ein grundlegendes Problem sei, dass Jugendliche eine abnehmende Bereitschaft zu l\u00e4ngerfristigem politischem Engagement aufweisen \u2013 und dass, obwohl sie ihre Bed\u00fcrfnisse durch die Politikerinnen und Politiker nicht ausreichend vertreten f\u00fchlen. Weiterhin sei eine starke soziale Selektivitat feststellbar unter jenen, die sich politisch engagieren. An Bewegungen wie etwa &#8216;Fridays for Future&#8217; zeige sich, dass Kinder aus bildungsnahen Familien \u00fcberproportional vertreten sind.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das k\u00f6nnte daran liegen, dass diese Bewegungen die Bed\u00fcrfnisse \u00e4rmerer Jugendlicher genauso wenig vertreten wie die Politiker. Und wie das IW. Am Ende jedoch stellt sich heraus, dass man zwar eine Zeit lang auf Niedrigl\u00f6hne und Politik ausschlie\u00dflich f\u00fcr die obersten 0,1 Prozent setzen kann, die langfristigen Perspektiven der Gesellschaft damit aber zunichtegemacht werden. Das Problem mit dem MINT-Nachwuchs ist da ein hervorragendes Beispiel.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/meinung\/178941-wenn-mainstream-ueber-faule-und\/\">Wenn der Mainstream \u00fcber Faule und Flei\u00dfige debattiert, ist was faul <\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/179365-bildungsmonitor-verzweifelte-wunsch-nach-ingenieursstudenten\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Institut der Deutschen Wirtschaft analysiert seit 2004 den Zustand des deutschen Bildungswesens. Diesmal ist es besonders beunruhigt, weil der Nachwuchs an Mathematikern und Technikern nicht gen\u00fcgt. Aber die Industrie, die hinter dem IW steht, hat diesen Zustand selbst herbeigef\u00fchrt. 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