{"id":39760,"date":"2023-07-09T12:23:24","date_gmt":"2023-07-09T10:23:24","guid":{"rendered":"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/katholizisierung-der-ukraine-die-nato-als-der-starke-arm-des-vatikans\/"},"modified":"2023-07-09T12:23:24","modified_gmt":"2023-07-09T10:23:24","slug":"katholizisierung-der-ukraine-die-nato-als-der-starke-arm-des-vatikans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/katholizisierung-der-ukraine-die-nato-als-der-starke-arm-des-vatikans\/","title":{"rendered":"&quot;Katholizisierung&quot; der Ukraine: Die NATO als der starke Arm des Vatikans"},"content":{"rendered":"<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Ein ernsthafter Blick auf die Kirchenverfolgung in der Ukraine \u2013 und den damit verbundenen gro\u00dfen Transfer ehemals orthodoxer Gemeinden in den Einflussbereich des Vatikans \u2013 zeigt: Der Krieg in der Ukraine hat nicht erst am 24. Februar 2022 begonnen.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Elem Chintsky<\/em><\/p>\n<p>Das in den vergangenen zw\u00f6lf Monaten umk\u00e4mpfte Schicksal des Kiewer H\u00f6hlenklosters ist immer noch in arger Ungewissheit. Am 4. Juli sollte es wieder so weit sein, dass eine endg\u00fcltige R\u00e4umung des Klosters <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.mk.ru\/social\/2023\/07\/04\/zhelavshie-vykinut-monakhov-iz-kievopecherskoy-lavry-chinovniki-ushli-ni-s-chem.html\">erzwungen werde<\/a>.<\/p>\n<p>Ukrainische Staatsbedienstete haben damit gedroht, die M\u00f6nche an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen hinauszuzerren, wenn sie das Kloster nicht aus freien St\u00fccken verlassen und den Prozess der Beschlagnahme des Eigentums nicht l\u00e4nger behindern. Am Morgen traf eine Sonderkommission ein \u2013 mit der Absicht, die Geb\u00e4ude zu versiegeln. Anwesende Gl\u00e4ubige leisteten Widerstand, obwohl auch viele Provokateure anwesend waren, die versuchten, eine Gemengelage auszul\u00f6sen, die polizeilichen Eingriff stimuliert h\u00e4tte. Vorerst vergebens.<\/p>\n<p>Der Gemeindevorstand der Ukrainisch-orthodoxen Kirche im H\u00f6hlenkloster beteuert, dass diese &#8220;Sonderkommission&#8221; gesetzlos handelt \u2013 eine Pr\u00fcfung vor einem ukrainischen Gericht ist noch im Prozess, ohne dass man darauf enorme Hoffnungen setzten d\u00fcrfte. Selbst die Belarussisch-Orthodoxe Kirche <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rbc.ru\/politics\/04\/07\/2023\/64a453f69a79479fbe617a33\">bot k\u00fcrzlich<\/a> den gef\u00e4hrdeten M\u00f6nchen des Kiewer H\u00f6hlenklosters Asyl bei sich an.<\/p>\n<p>Am 6. Juli erfolgte ein weiterer Anlauf der Selenskij-h\u00f6rigen &#8220;Sonderkommission&#8221; und ihrer willigen Vollstrecker, viele R\u00e4umlichkeiten des H\u00f6hlenklosters doch abzuriegeln, womit die M\u00f6nche dort de facto auch ihres Lebensraumes beraubt wurden.<\/p>\n<p>Am Sonntagmorgen, den 9. Juli, <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.gazeta.ru\/social\/news\/2023\/07\/09\/20837312.shtml\">ereilte<\/a> die ukrainisch-orthodoxe Gemeinde ein Tauwetter, als im Rahmen des Gottesdienstes \u00fcber 300 Gl\u00e4ubigen doch der Zugang zum H\u00f6hlenkloster gew\u00e4hrt wurde. Die Kiewer Polizei kontrollierte den Einlass streng und vollzog f\u00fcr jeden einzelnen eine Ausweiskontrolle.<\/p>\n<p><strong><\/strong>Dies sind lediglich die j\u00fcngsten Kapitel der von der NATO unterst\u00fctzten feindlichen &#8220;Firmen\u00fcbernahme&#8221;, mit der das Eigentum des H\u00f6hlenklosters und die jahrhundertelange Pr\u00e4senz im H\u00f6hlenkloster durch die Ukrainisch-orthodoxe Kirche (ehemals unter Moskauer Patriarchat) an die progressive, prowestliche, NATO-genehme, dem Katholizismus untergebene &#8220;Orthodoxe Kirche der Ukraine&#8221; transferiert werden soll.<\/p>\n<p>Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche, die seit Februar 2022 vom Kiewer Regime offen unterdr\u00fcckt und einer &#8220;Kollaboration mit Moskau&#8221; beschuldigt wird, ist die rechtm\u00e4\u00dfige Gemeinde im Kiewer H\u00f6hlenkloster. Pr\u00e4sident Selenskij plant, das Kloster an die 2018 neu geschaffene, NATO-genehme und um nur eine Ecke dem Katholizismus untergebene Orthodoxe Kirche der Ukraine zu transferieren.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem solle sich Kiew mit der UNESCO bereits abgestimmt haben, Wertgegenst\u00e4nde und Kultursch\u00e4tze des H\u00f6hlenklosters an europ\u00e4ische Museen zu \u00fcbergeben, da man &#8220;russischen Raketenbeschuss&#8221; bef\u00fcrchte.<\/p>\n<p><strong>Friede, Freude, Eierkuchen \u2013 der harmlose Pontifex maximus<\/strong><\/p>\n<p>Papst Franziskus hatte am 30. Juni Delegierte des Konstantinopeler Patriarchats in einer Privataudienz im Vatikan <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/uk\/pope\/news\/2023-06\/papa-delegaziji-konstantynopolskogo-patriarhatu.html\">empfangen<\/a> \u2013 der Anlass war das Fest der Heiligen Petrus und Paulus, aber besprochen wurde der katholisch-orthodoxe Dialog im Kontext des Ukrainekrieges.<\/p>\n<p>Alle, auch der Papst, waren sich einig, dass jede Art von Krieg eine menschliche Katastrophe darstelle. Gleichzeitig sprach Franziskus von &#8220;kreativen Anstrengungen&#8221;, um den Frieden im Land zu erreichen. Auf gewisse Art rannten die Delegierten des Konstantinopeler Patriarchats beim Bischof von Rom offene T\u00fcren ein, denn die G\u00e4ste des Papstes sind \u2013 seit dem Konzil von Florenz (1431\u20131449) und der &#8220;Union&#8221;, der sie damals aus Not einwilligten \u2013 ohnehin der p\u00e4pstlichen Vorherrschaft in allen Dingen verpflichtet. Ein wirklicher &#8220;katholisch-orthodoxer Dialog&#8221; also wird es erst sein, wenn sich der Papst und der Patriarch von Moskau und der ganzen Rus auf neutralem Gebiet treffen.<\/p>\n<p>Es war n\u00e4mlich die Russisch-Orthodoxe Kirche, die noch bis ins Jahr 1448 als Di\u00f6zese des Konstantinopeler Patriarchats galt, sich dann aus dieser Abh\u00e4ngigkeit losl\u00f6ste, da die sp\u00fcrbare Ann\u00e4herung der geistlichen Vorgesetzten aus Konstantinopel an Rom bereits absehbar war. Konstantinopel wurde dann von Rom im Stich gelassen und kurz darauf vom Osmanischen Reich erobert, w\u00e4hrend Moskau als letzte unabh\u00e4ngige, byzantinisch-christliche Bastion von vielen orthodoxen Gemeinden als das &#8220;Dritte Rom&#8221; betrachtet wurde.<\/p>\n<p>Papst Franziskus erl\u00e4uterte bei dem Dialog au\u00dferdem, dass &#8220;wir heute aufgerufen sind, gemeinsam nach einem Weg zur Verwirklichung des Primats zu suchen, der im Kontext der Synodalit\u00e4t der Gemeinschaft der Kirche auf \u00f6kumenischer Ebene dient&#8221;. Mit &#8220;Primat&#8221; meint der fr\u00fcher als Jorge Mario Bergoglio bekannte, aktive Jesuit die &#8220;p\u00e4pstliche Vorherrschaft&#8221; innerhalb der \u00d6kumene.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5946c48fbef25e325ba80.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5946c48fbef25e325ba80.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5946c48fbef25e325ba80.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5946c48fbef25e325ba80.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5946c48fbef25e325ba80.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5946c48fbef25e325ba80.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Das Treffen von Papst Franziskus und des Moskauer Patriarchen Kirill im Jahr 2016 auf Kuba weckte Hoffnungen auch auf die L\u00f6sung des Unierten-Problems, hatte aber keine sichtbaren Konsequenzen (12.02.2016).<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Sergei Pjatakow \/ RIA Nowosti<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ Sputnik<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die \u00f6kumenische Bewegung hingegen ist eine \u2013 besonders in den letzten 50 Jahren als Soft-Power-Ansatz bekannte \u2013 Langzeit-Strategie, mit der man alle abtr\u00fcnnigen christlichen Denominationen und &#8220;Schwester-Kirchen&#8221; zur\u00fcck unter die Fittiche der Mutterkirche Roms bringt. Um dieses m\u00fchselige Ziel der Zur\u00fcckf\u00fchrung in den Einfluss der r\u00f6misch-katholischen Kirche zu gew\u00e4hrleisten, wird die \u00d6kumene in weltlichen Massenmedien und staatlicher Bildung stets als Fest der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, des konstruktiven Pluralismus, der Religionsfreiheit und auch eines immer liberaler werdenden Schein-Egalitarismus dargestellt \u2013 an dessen Spitze &#8220;rechtm\u00e4\u00dfig&#8221; der p\u00e4pstliche Thron und das &#8220;Primat&#8221; vorzufinden sein sollte.<\/p>\n<p>Der Pontifex maximus meinte in einer klugen und vers\u00f6hnlichen Rhetorik:\u00a0<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Wir sollten nicht denken, dass die Vorrechte, die der Bischof von Rom in Bezug auf seine eigene Di\u00f6zese und die katholische Gemeinschaft genie\u00dft, auf die orthodoxen Gemeinschaften ausgedehnt werden. Wenn wir im Glauben und in der Liebe vollst\u00e4ndig vereint sind, muss sich die Form, in der der Bischof von Rom sein Amt der Gemeinschaft in der Kirche auf universaler Ebene aus\u00fcbt, aus der untrennbaren Beziehung zwischen Primat und Synodalit\u00e4t ergeben.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zu oft wurde dieser Prozess der epochalen Salami-Taktik in den letzten tausend Jahren wiederholt, als dass die Worte des Papstes Franziskus pl\u00f6tzlich nicht mehr auf denselben pragmatischen Machtwunsch abzielen, wie es all die Reden \u00fcber &#8220;Frieden, Einheitlichkeit und Friedfertigkeit&#8221; seiner Vorg\u00e4nger taten. Offiziell sind doch die Entsandten des Konstantinopeler Patriarchats de jure und de facto bereits seit Jahrhunderten Mitglieder seiner &#8220;p\u00e4pstlichen Di\u00f6zese&#8221; \u2013 und somit Subjekte seines katholischen, universellen &#8220;Primats&#8221;. Das Primat &#8220;verschwindet&#8221; nicht im Rahmen eines erreichten Kompromisses. Seiner harmlosen Formulierung entnimmt man, dass seine &#8220;orthodoxen&#8221; G\u00e4ste gar nicht seiner &#8220;Di\u00f6zese&#8221; angeh\u00f6rten \u2013 dabei tun sie es schon seit \u00fcber 500 Jahren.<\/p>\n<p>Jede neue &#8220;Union&#8221; zeigt lediglich einen Katalog der Zugest\u00e4ndnisse seitens der neu akquirierten Gemeinde-Gebiete im Osten \u2013 Rom selbst pocht dabei stets und stur auf den Imperativ seines Primats. Demnach hatte Franziskus nur der Medienwirksamkeit wegen seine G\u00e4ste auch als legitime Vertreter der &#8220;orthodoxen Kirche&#8221; beziehungsweise der &#8220;Synodalit\u00e4t&#8221; bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>Der multidimensionale Scharfsinn des Westens<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man mit dem naiven, westlichen Credo, dass heute Kirche und Staat vollends getrennt sind, blau\u00e4ugig durchs Leben zieht, verpasst man gro\u00dfe kulturanthropologische Katalysatoren f\u00fcr kirchliche Verfolgung im Hier und Jetzt. Die Verfolgung der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche durch das NATO-Regime Selenskijs in der heutigen Ukraine ist ein aktuelles Kapitel in einer jahrhundertelangen, tragischen Erz\u00e4hlung von Macht und Glauben in Osteuropa. Des Weiteren l\u00e4uft man Gefahr einer Banalisierung und groben Vereinfachung der religi\u00f6s-politischen Prozesse dort.<\/p>\n<p>Die Geschichte der kirchlichen Konflikte in der Ukraine ist gespickt mit einem monumentalen Hin und Her, wobei oft die jeweils offensive Seite mehr Einflussraum einnahm, als vom Volkswillen vor Ort gew\u00fcnscht war. Was hei\u00dft das alles? Mal hat die r\u00f6misch-katholische Kirche mehr abgebissen, als sie kauen konnte, und damit Diskriminierung und Verfolgung verursacht. Mal war es Moskau, das &#8220;zu weit gen Westen&#8221; vorgedrungen ist und kulturell katholische oder griechisch-orthodoxe Gemeinden mit Konversionsversuchen strapazierte.\u00a0<\/p>\n<p>Im Rahmen einer machtpolitischen Ratio, die im Westen kaum bekannt ist, hatte Josef Stalin ab dem 17. September 1939 einen Pufferraum zum bald offen feindlichen Nazideutschland Hitlers schaffen k\u00f6nnen. Der &#8220;Hitler-Stalin-Pakt&#8221;, unter dem das geschah und als der er gerne von westlichen Historikern rezitiert und isoliert hervorgehoben wird, war der letzte von einer Reihe von Nichtangriffsvertr\u00e4gen. Die 2. Polnische Republik (1919\u20131939), die unter der freimaurerischen Milit\u00e4rdiktatur von J\u00f3zef Pi\u0142sudski stand, hatte schon f\u00fcnf Jahre zuvor (Januar 1934) mit Adolf Hitler ihren eigenen &#8220;Pakt&#8221; geschlossen.\u00a0<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser Grenzausweitung nach Westen, kamen f\u00fcr Stalin Regionen unter sowjetischen Einfluss, die entweder nie oder lange nicht mehr (seit dem 16. Jahrhundert) zur russischen Orthodoxie geh\u00f6rten. Unter anderem Galizien und Ostpolen fielen unter diese Gebiete. Dort waren der r\u00f6mische Katholizismus sowie \u2013 weiter \u00f6stlich davon \u2013 die ebenfalls g\u00e4nzlich dem r\u00f6mischen Pontifex maximus untergebene griechisch-orthodoxe Kirche mehrheitlich vertreten. Letztere war ein Gebilde eines vor\u00fcbergehenden Sieges des Vatikans in Osteuropa durch die Brester Union von 1594 \u2013 also 150 Jahre nach dem oben erw\u00e4hnten Konzil von Florenz.<\/p>\n<p>Damals hatten sich viele \u00f6stlich-orthodoxe Gemeinden &#8220;bereit erkl\u00e4rt&#8221;, Moskau und seinem Patriarchat den R\u00fccken zu kehren, w\u00e4hrend sie weitestgehend ihren byzantinischen Ritus \u2013 also die \u00c4sthetik ihrer orthodoxen, rituellen Gepflogenheiten \u2013 beibehalten durften. Die einzige Bedingung war, dem Papst den Treueschwur zu leisten. Das kann aber nur im heutigen, atheistisch-s\u00e4kularisierten Westen, der alles Geistliche gerne in einen TikTok-Einheitsbrei zermalmt, wirklich als harmloses &#8220;Kleingedrucktes&#8221; verstanden und dargestellt werden.<\/p>\n<p>Zum Zeitpunkt am Beginn des Zweiten Weltkrieges war Stalin bereits klar gewesen, dass eine eindimensionale Handhabe von Religiosit\u00e4t, wie es die erste Generation der Bolschewiki praktiziert hatte \u2013 also eine vollkommene Enteignung und Verfolgung der eigenen Russisch-Orthodoxen Kirche und anderer \u2013 durch ein opportunen und komplexeren Ansatz ersetzt werden m\u00fcsse.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5930148fbef2b673bcee3.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5930148fbef2b673bcee3.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5930148fbef2b673bcee3.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5930148fbef2b673bcee3.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5930148fbef2b673bcee3.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a5930148fbef2b673bcee3.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Das Verh\u00e4ltnis des Sowjetstaates zur Kirche war wechselhaft. 1965 waren der Patriarch Alexi I. (sitzend) und andere Geistliche in Anerkennung ihrer Rolle im Zweiten Weltkrieg geladene G\u00e4ste im Kremlpalast.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Waleri Schustow<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ Sputnik<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Jahr 1943 traf sich Stalin mit drei Patriarchen der zu dem Moment bereits dramatisch angeschlagenen Russisch-Orthodoxen Kirche in der Sowjetunion und einigte sich auf eine vom Sowjetstaat kuratierte und kontrollierte Wiederinbetriebnahme der traditionell orthodoxen Kirche in der Sowjetunion. Diese sollte auch der schrittweisen Konversion der V\u00f6lker an den damaligen Peripherien des sowjetischen Einflusses dienen. Die Volksrepublik Polen war damals davon ausgenommen \u2013 zu offensichtlich und zu klar war die historische Zugeh\u00f6rigkeit der Polen zur lateinisch-katholischen Zivilisation. Mit der Ukraine, besonders dem Westteil, verhielt es sich da etwas anders. Hier handelte es sich pl\u00f6tzlich um eine historische Gelegenheit, religi\u00f6sen Einfluss geltend zu machen, den man seit dem 16. Jahrhundert gr\u00f6\u00dftenteils verloren hatte.<\/p>\n<p>Denn die Griechisch-Orthodoxe Kirche war eine hybride Erfindung des Vatikans. Vor Ort besonders stark umgesetzt durch den Geheimdienst- und Propagandaarm von Rom, den Jesuitenorden, der heute, seit dem Jahr 2013, sein allererstes Mitglied im p\u00e4pstlichen Amt stellt.<\/p>\n<p>Was Stalin damals mit einer durchaus historischen Rechtfertigung, aber oft fragw\u00fcrdigen Methode umzusetzen versuchte, wirft man heute dem russischen Pr\u00e4sidenten Putin vor. Jedoch ist dieses Mal das Blatt gewendet: Putin ist nicht daran interessiert, andere zum Russisch-Orthodoxen Glauben zwangsweise zu konvertieren. Er will die durch die NATO aggressiv getriebene, territoriale Erschlie\u00dfung jener Gebiete aufhalten, die mehrheitlich kulturell, religi\u00f6s und linguistisch russische Menschen ausmachen. Die Tatsache, dass es das NATO-gesponserte Regime in Kiew unter Selenskij ist, das hysterische und unbarmherzige Kirchenverfolgung als Politikum betreibt, sollte illustrieren, wer der Angreifer ist und wer der Verteidiger. In Russland werden weder die katholische Kirche noch jegliche protestantischen Denominationen aufgrund ihres Glaubenssystems diskriminiert. W\u00fcrden sie jedoch innerhalb Russlands anfangen, politische &#8220;Aufkl\u00e4rungsarbeit&#8221; im Sinne westlicher Kriegspropaganda betreiben, w\u00fcrden sie rechtens sanktioniert werden.<\/p>\n<p>Noch etwas zu dem M\u00e4rchen der Trennung von Kirche und Staat im Westen. Heute kann mit Sicherheit festgestellt werden, dass auch dort keine wahrhaftige Trennung stattfindet. Die meisten Kirchen in den Vereinigten Staaten von Amerika haben sich als sogenannte &#8220;501c3 steuerbefreite religi\u00f6se Organisationen&#8221; registrieren lassen. Das bedeutet, im Extremfall m\u00fcssen sich diese Gemeinden den staatlich forcierten, neuen kulturellen Normen und Werte-Updates beugen \u2013 dazu geh\u00f6ren die Homosexualit\u00e4t und die erweiterte Gender-Ideologie der LGBTQI+. Wenn sie es nicht tun, werden sie je nach Bundesstaat besteuert, bis sie kollabieren, oder sie werden wegen Hassrede verklagt und geschlossen. In der Europ\u00e4ischen Union ist das noch viel schlimmer, aber dort gibt es kaum mehr gro\u00dfe christliche Denominationen, die \u00fcberhaupt noch glaubhaften, kulturellen Widerstand leisten. Paradoxerweise halten sich da die katholischen L\u00e4nder wie Polen und Ungarn besser \u00fcber Wasser.<\/p>\n<p>Im Westen wird die politische Linie Putins einer &#8220;R\u00fcckbesinnung auf christliche, konservative Werte&#8221; bel\u00e4chelt und als pragmatische Instrumentalisierung der im Volk vorherrschenden Kulturcodes &#8220;entbl\u00f6\u00dft&#8221;. Selbst wenn dem wirklich so w\u00e4re: zumindest versucht der russische Pr\u00e4sident nicht, einer Mehrheit eine lebensverneinende und gegen\u00fcber der Institution der Familie feindlich eingestellte Ideologie in den Rachen zu schieben. Des Weiteren bedient sich Putin in dieser Hinsicht einer signifikant gr\u00f6\u00dferen demokratischen Legitimation als jene, welche Br\u00fcssel zur Verf\u00fcgung steht. Die Realit\u00e4t ist, dass Staat und Kirche sich in einem synergetischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis befinden und eine hermetische Abriegelung voneinander nie auf Dauer m\u00f6glich sein wird. Im Westen werden die Kirchen verweltlicht, verw\u00e4ssert und ihrer Doktrinen entledigt, in Russland dagegen l\u00e4uft eine langwierige, christlich-kulturelle Einflussnahme auf den Staat und seine Regierungsdom\u00e4nen \u2013 auch nicht ohne H\u00fcrden. Aber die Entwicklungen sind jeweils diametral zueinander ausgerichtet.<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck zu den Wurzeln des katholisch-orthodoxen Konfliktes<\/strong><\/p>\n<p>Es stellt sich heraus, dass einer der Gr\u00fcndungsv\u00e4ter der Brester Union von 1594 Joseph Velamin-Rutski gewesen ist \u2013 in den Jahren 1613\u20131637 der &#8220;Metropolit von Kiew, Galizien und ganz Ruthenien&#8221; der damaligen &#8220;Ruthenischen Unierten Kirche&#8221;. Letztere gilt als Vorg\u00e4ngerin der ab 1990 offiziell als &#8220;Ukrainische griechisch-katholische Kirche&#8221; agierenden Gemeinde unter p\u00e4pstlichen Primat in der postsowjetischen Ukraine.<\/p>\n<p>Diese besondere katholische Ostkirche gilt als Blaupause f\u00fcr den sanften &#8220;Drang nach Osten&#8221; Roms. Velamin-Rutski wurde vom Jesuitenorden \u2013 erst in Prag, dann in Rom \u2013 ausgebildet, woraufhin er zum Katholizismus konvertierte, aber den byzantinischen Ritus beibehielt \u2013 als Tarnung w\u00e4hrend seiner ideologisch-politischen Arbeit inmitten Russisch-orthodoxer Gemeinden.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel der &#8220;Katholizisierung\u201d russisch-orthodoxer Gemeinden aus dieser Zeit ist die Belagerung des &#8220;Dreifaltigkeitsklosters von Sergijew Possad&#8221; in den Jahren 1608\u20131610. Es waren polnisch-litauische Streitkr\u00e4fte unter der F\u00fchrung des Hetmans Jan Piotr Sapieha, die versuchten, das Kloster zu erobern. Die Belagerung und Verteidigung der russisch-orthodoxen St\u00e4tte in jenen Jahren wurde zum Symbol des Heldentums der russisch-orthodoxen M\u00f6nche. Diese Prozesse wiederholten sich in den Jahren und Dekaden viele Male und r\u00fccken die gegenw\u00e4rtigen, tragischen Vorkommnisse in neues, zum weiteren Verst\u00e4ndnis n\u00f6tiges Licht. Sapieha und sein Flei\u00df hingegen sind in die osteurop\u00e4ische Geschichte eingegangen als ausgesprochen und besonders grausam gegen\u00fcber allem Russischen.<\/p>\n<p>Das katholische Expansionsabenteuer der &#8220;Ruthenischen Unierten Kirche&#8221; fand sein erstes gro\u00dfes, vor\u00fcbergehendes Ende mit den drei Teilungen Polens. Der letzte Metropolit der &#8220;Ruthenischen Unierten Kirche&#8221; in Kiew war Tadeusz Teodozy Bo\u0142bas-Rostocki. Obwohl Rostocki und Velamin-Rutski 150 Jahre trennten, genoss auch Rostocki exakt dieselbe Jesuiten-Ausbildung wie Velamin-Rutski \u2013 n\u00e4mlich im P\u00e4pstlichen Griechischen Kolleg vom Heiligen Athanasius in Rom. Rostocki war der erste Pole in diesem Amt, bis das zaristische Russland unter Katharina der Gro\u00dfen,\u00a0nach dem Jahr 1795, die Gemeinden der &#8220;Ruthenischen Unierten Kirche&#8221; vom katholischen Einfluss weitestgehend abtrennte und der strengen Aufsicht unterzog.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a59131b480cc465b4d2b08.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a59131b480cc465b4d2b08.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a59131b480cc465b4d2b08.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a59131b480cc465b4d2b08.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a59131b480cc465b4d2b08.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/07\/64a59131b480cc465b4d2b08.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Andrei Scheptizkij, von 1900 bis 1944 Vorsteher der dem Papst unterstellten Ukrainischen Griechisch-Katholischen (unierten) Kirche, schrieb nach dem deutschen \u00dcberfall auf die Sowjetunion Gru\u00dfbotschaften an Adolf Hitler<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Heute sind die sogenannten &#8220;Uniaty&#8221;, also der unierte Klerus dieser hybriden, katholischen Ostkirchen, stark damit besch\u00e4ftigt, die Soldaten der Ukrainischen Streitkr\u00e4fte &#8220;geistlich zu schulen&#8221; und mit dem Gedankengut vertraut zu machen.<\/p>\n<p>So <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/t.me\/pravblog1\/8029\">trafen<\/a> wenige Tage vor dem &#8220;Juni-Dialog&#8221; des Papstes mit seinen &#8220;orthodoxen&#8221; Untergebenen ukrainische Offiziere in die Unierten-Kathedrale in Kiew ein, wo unter der Beteiligung von Vertretern der Abteilung f\u00fcr Milit\u00e4rseelsorge der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, die G\u00e4ste Unterricht zur Verbesserung der Kenntnisse \u00fcber das &#8220;geistige Verm\u00e4chtnis&#8221; der Unierten Kirche erhielten.<\/p>\n<p><strong>Wer sind die Jesuiten?<\/strong><\/p>\n<p>Eine ausf\u00fchrliche Erz\u00e4hlung \u00fcber die von Ignatius von Loyola gegr\u00fcndete &#8220;Gesellschaft Jesu&#8221; w\u00fcrde diesen Text in alle Einzelteile sprengen. Der Orden wurde Mitte des 16. Jahrhunderts ins Leben gerufen, um der zu jenem Zeitpunkt bereits stark vorangeschrittenen Reformation und dem in Mitteleuropa popul\u00e4r werdenden Protestantismus Einhalt zu gebieten \u2013 milit\u00e4risch, psychologisch und intellektuell.<\/p>\n<p>Unter Kirchenhistorikern ist diese \u00c4ra bekannt als die &#8220;Gegenreformation&#8221;, die die absolutistische Vormachtstellung des Katholizismus in Europa wiederherstellen sollte. Der Orden hat die K\u00fcnste der Propaganda, der institutionellen Unterwanderung und des psychologischen Terrors damals verfeinert und war so lange den europ\u00e4ischen Monarchien genehm, solange der Orden sich nicht in weltliche, also machtpolitische Angelegenheiten einmischte und lediglich die evangelischen H\u00e4retiker angriff. Der schottische Historiker James Aitken Wylie schrieb dazu in seinem 1881 publiziertem Werk &#8220;The Jesuits: Their moral maxims, and plots against kings, nations, and churches&#8221;, zu Deutsch: &#8220;Die Jesuiten: Ihre moralischen Maximen und Verschw\u00f6rungen gegen K\u00f6nige, Nationen und Kirchen&#8221;, auf Seite 72\u201373:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Als die K\u00f6nige, nachdem sie [die Jesuiten] halb Europa in lutherischem und hugenottischem Blut ertr\u00e4nkt hatten, diesen &#8216;schwarzen Terror&#8217; auf sich zukommen sahen mit seinem entbl\u00f6\u00dften Schwert \u00fcber ihren H\u00e4uptern, entdeckten sie zu ihrem Entsetzen, dass sich in der Christenheit pl\u00f6tzlich ein &#8216;Orden&#8217; erhoben hatte, dessen Prinzipien schurkischer waren als alle heidnischen Pr\u00e4zedenzf\u00e4lle. Und der, beseelt von einer Grausamkeit und bewaffnet mit einer Zerst\u00f6rungskraft, die die Wut aller fr\u00fcheren Verw\u00fcster der Erde \u00fcbertraf, der menschlichen Gesellschaft tiefere und nicht wiedergutzumachende Verw\u00fcstungen zuf\u00fcgen w\u00fcrde als alles, was Hunnen, Vandalen und T\u00fcrken je angerichtet hatten. Als man sah, dass diese neuen Pl\u00fcnderer weder Gesetz noch Thron auf der Erde stehen lassen w\u00fcrden, kam es zu einer einhelligen Zustimmung der V\u00f6lker und Regierungen Europas gegen die Jesuiten.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In der heutigen Geschichtsschreibung wird das so selektiv eingeordnet und durch &#8220;Framing&#8221; eingebettet, als ob lediglich im Rahmen der Reformation &#8220;protestantisch gewordene&#8221; europ\u00e4ische Regierungen den Jesuiten den Garaus gemacht haben \u2013 im Rahmen einer kulturellen Vergeltung f\u00fcr eine &#8220;gar nicht so blutige&#8221; Gegenreformation.<\/p>\n<p>Dabei waren es schon zum Ende des 16. Jahrhunderts einige katholische Regierungen, wie in Frankreich (Erlass vom 20. Dezember 1594), die den zwielichtigen Orden aus ihrem Land verbannt hatten. W\u00f6rtlich wurden die Jesuiten in diesem Dekret zu &#8220;Verderbern der Jugend, St\u00f6renfrieden der \u00f6ffentlichen Ruhe und Feinden des K\u00f6nigs und des Staates&#8221; erkl\u00e4rt. Eine neue Welle der Verbannungen kam nochmals 150 Jahre sp\u00e4ter mit dem Portugiesischen Reich im Jahr 1759, ein weiteres Mal in Frankreich im Jahr 1764, danach auch in Malta, Parma, dem Spanischen Reich im Jahr 1767 und \u00d6sterreich-Ungarn im Jahr 1782. Wonach der Vatikan ausgesprochen widerwillig die Aktivit\u00e4ten des Ordens &#8220;herunterregelte&#8221;, ohne ihn ganz aufzul\u00f6sen. Stattdessen arbeiteten die Jesuiten im Untergrund, was ihnen schon die zwei Jahrhunderte zuvor nicht besonders schwerfiel \u2013 unter anderem im orthodoxen Russland. Schlussendlich wurde der Orden dann zum Ende der Napoleonischen Kriege, im Jahr 1814, vom Papst wieder vollwertig und voller Gunst reaktiviert.\u00a0<\/p>\n<p>Im deutschsprachigen, akademischen Raum geht es schon so weit ins apologetisch Absurde, dass man all diesen unterschiedlichen Verbannungen der reaktion\u00e4ren Jesuiten eine vermeintlich an den Haaren herbeigezogene, auf &#8220;Verschw\u00f6rungstheorien&#8221; gegr\u00fcndete Basis vorschiebt. Kurz, in der politisch korrekten Sprachkunst der Amadeu Antonio Stiftung verfasst: Die Beweggr\u00fcnde f\u00fcr die Verbannung seien irrational, Hass sch\u00fcrend, ungerechtfertigt sowie ungerecht gewesen. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich noch eine Menge getan, was die r\u00fchmende \u00d6ffentlichkeitsarbeit anbelangt. Alleine an dem heutigen Konsens im verweltlichten akademischen Sektor sieht man, dass ein Interesse f\u00fcr historische Faktentreue \u00fcber den Jesuitenorden keinesfalls mehr besteht. Die heutige globale PR-Maschine zugunsten der Jesuiten l\u00e4uft auf fiebrigen Hochtouren. Die Traumfabrik selbst, wenn sie \u00fcberhaupt das Thema des Ordens aufgreift, ist nur zu Lobeshymnen f\u00e4hig. Filme \u00fcber stoische, selbstlose, mit Weltschmerz beladene, am eigenen Glauben zweifelnde, jesuitische Missionare, wie Martin Scorseses &#8220;Silence&#8221; (2016), werden verbreitet. Wenn der Machiavellismus als politische Lehre vor den Augen des Betrachters als Organisation eine Form annehmen w\u00fcrde, entst\u00fcnde als Resultat der Jesuitenorden.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen durchschnittlich s\u00e4kularisierten Zeitgenossen, dem das Geschehen in der Ukraine vorgef\u00fchrt wird, sind all die verschiedenen kirchlichen Denominationen Osteuropas, die Geschichte der Feindschaft zwischen der russischen Orthodoxie und dem r\u00f6mischen Katholizismus und deren historische Signifikanz, vollkommen irrelevant \u2013 nicht viel mehr als wei\u00dfes Rauschen. Nur ein Narrativ z\u00e4hlt: Putin muss gestoppt werden, bevor er unprovoziert Lissabon und wenige Tage sp\u00e4ter die Vororte von New Jersey erreicht\u00a0\u2013 und damit hat sich der tiefere, historische Diskurs auch rasch wieder erledigt.<\/p>\n<p><strong><em>Elem Chintsky<\/em><\/strong><em> ist ein deutsch-polnischer Journalist, der zu geopolitischen, historischen, finanziellen und kulturellen Themen schreibt. Die fruchtbare Zusammenarbeit mit RT DE besteht seit 2017. Seit Anfang 2020 lebt und arbeitet der freischaffende Autor im russischen Sankt Petersburg. Der urspr\u00fcnglich als Filmregisseur und Drehbuchautor ausgebildete Chintsky betreibt au\u00dferdem einen eigenen <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/t.me\/elemread\">Kanal auf Telegram<\/a>, auf dem man noch mehr von ihm lesen kann.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211; <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.life\/europa\/157651-auslandsgeheimdienst-enthuellt-papst-wusste-von\/\">Akten zeigen: Papst wusste von bevorstehendem Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion<\/a><\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/174407-katholizisierung-ukraine-nato-als-starke\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein ernsthafter Blick auf die Kirchenverfolgung in der Ukraine \u2013 und den damit verbundenen gro\u00dfen Transfer ehemals orthodoxer Gemeinden in den Einflussbereich des Vatikans \u2013 zeigt: Der Krieg in der Ukraine hat nicht erst am 24. 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