{"id":33059,"date":"2023-03-27T21:08:41","date_gmt":"2023-03-27T19:08:41","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/wieder-einmal-die-banken\/"},"modified":"2023-03-27T21:08:41","modified_gmt":"2023-03-27T19:08:41","slug":"wieder-einmal-die-banken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/wieder-einmal-die-banken\/","title":{"rendered":"Wieder einmal die Banken"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/03\/64214df3b480cc289559f5ed.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahre 2008 scheint schon wieder von Amerika eine Bankenkrise auszugehen. Mit der Credit Swisse hat es nun auch das Oberhaus der Finanzwelt erreicht. Wieder m\u00fcssen Staat und Notenbanken einspringen. Aber wie lange werden sie das Finanzsystem in dieser Form noch aufrechterhalten k\u00f6nnen?\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von R\u00fcdiger Rauls<\/em><\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4nderte Lage<\/strong><\/p>\n<p>Trotz aller Parallelen zum Zusammenbruch von Lehman Brothers gibt es auch Unterschiede, die vielleicht zu einem anderen Verlauf und Ergebnis f\u00fchren werden. Der entscheidende wird in der Diskussion \u00fcber die Gefahr f\u00fcr das Finanzsystem nach dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank (SVB) kaum erw\u00e4hnt: Der Interbankenhandel war nach dem Untergang von Lehman Brothers zusammengebrochen.<\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftsbanken liehen sich untereinander kein Geld mehr, weil sie nicht wussten, welche Risiken die anderen Banken in ihren Bilanzen hatten. Denn im Falle einer Insolvenz eines anderen Bankhauses konnte das an diese Bank ausgeliehene Geld verloren sein. Deshalb hielten die Banken ihr Geld zur\u00fcck aus Angst, selbst zahlungsunf\u00e4hig zu werden. Der Zusammenbruch des Interbanken-Handel versch\u00e4rfte die Liquidit\u00e4tsschwierigkeiten einzelner H\u00e4user noch zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>Bis zur Lehman-Pleite hatten sich die Gesch\u00e4ftsbanken \u00fcbersch\u00fcssige Liquidit\u00e4t gegenseitig ausgeliehen, um Mangel oder \u00dcberschuss an Kapital auszugleichen. Auf diesem Wege wurde Ungleichgewichte in der Kapitalversorgung \u00fcberwunden. Ehe man \u00fcbersch\u00fcssiges Kapital ungenutzt lie\u00df, lieh man es kurzfristig an andere Banken aus und kassierte daf\u00fcr Zinsen. &#8220;Vor der Krise liehen sich Banken untereinander t\u00e4glich bis zu 450 Milliarden Euro, infolge der Finanzkrise ab 2007 ist dieser <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Interbankenhandel\">Interbankenhandel<\/a> fast v\u00f6llig zum Erliegen gekommen.&#8221;<\/p>\n<p>Um das Weltfinanzsystem vor dem Zusammenbruch infolge von Kapitalmangel zu sch\u00fctzen, stellten die Notenbanken den Gesch\u00e4ftsbanken Liquidit\u00e4t in nahezu unbegrenztem Ausma\u00df zur Verf\u00fcgung. Der Interbankenhandel wurde ersetzt in Form der Versorgung von Gesch\u00e4ftsbanken durch die Notenbanken selbst. Heute leihen sich die Gesch\u00e4ftsbanken die ben\u00f6tigten Kapitalmengen direkt bei der Notenbank und hinterlegen daf\u00fcr Sicherheiten in Form von Wertpapieren.<\/p>\n<p>Etwaige \u00dcbersch\u00fcsse der Gesch\u00e4ftsbanken, die vor der Krise an andere Kreditinstitute weiter verliehen wurden, werden nun bei den Notenbanken geparkt. Die Gesch\u00e4ftsbanken erhalten daf\u00fcr Zinsen von der Notenbank. Damit wurde die Ansteckungsgefahr zwischen den Gesch\u00e4ftsbanken unterbunden. Die direkte Bedrohung einer Bank durch die Zahlungsunf\u00e4higkeit einer anderen besteht nicht mehr, da die Querverbindungen untereinander gekappt sind. Dieser wesentliche Unterschied zu 2008 wird aber in der derzeitigen Diskussion nicht beachtet.<\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4nderte Risiken<\/strong><\/p>\n<p>Die heutigen Gefahren sind andere, vermutlich sogar bedrohlicher. Die Krisen der SVB und auch der Credit Suisse (CS) wurden gef\u00e4hrlich durch eine kritischere Haltung der Bankkunden im Vergleich zu den Ereignissen von 2008. Damals hatte noch das Wort der Kanzlerin gen\u00fcgt, um die Kunden vom Sturm auf die Banken abzuhalten. Bei den ersten Anzeichen von Schw\u00e4che und Unsicherheit ziehen heute die Kunden ihre Einlagen ab. Das geschah so bei der SVB, aber auch zuletzt bei der Credit Swisse.<\/p>\n<p>Die Sparer bringen ihr Geld bei vermeintlich sicheren Anlagen und Adressen unter. &#8220;Die Bankenkoalition mit mehr als 100 Mitgliedern mit einer Mindestgr\u00f6\u00dfe von 20 Milliarden Dollar Bilanzsumme sieht sich mit einer Kundenflucht konfrontiert. Viele Kunden transferieren ihre Konten offenbar zu Gro\u00dfbanken wie JP Morgan, Wells Fargo oder Citibank.&#8221; (<em>Frankfurter Allgemeine Zeitung <\/em><a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/angst-vor-finanzkrise-in-usa-staat-soll-bankensturm-verhindern-18760318.html\"><em>FAZ<\/em> 19.03.2023<\/a>) Anleger flohen aus den Bankentiteln. Die Aktienkurse brachen ein.<\/p>\n<p>Nur die schnelle Zusicherung des US-Pr\u00e4sidenten Joe Biden, dass die Kundeneinlagen durch den Staat gesch\u00fctzt sind, f\u00fchrte zur erstmaligen Beruhigung in den USA. Entgegen fr\u00fcheren Warnungen, keine Banken mehr zu retten, zeigt die sehr weitgehende Garantie Bidens, dass man die Lage \u00e4u\u00dferst ernst nimmt. Denn es haben weit mehr Banken Verluste in ihren B\u00fcchern, als bisher \u00f6ffentlich, geschweige denn wirksam geworden ist.<\/p>\n<p>&#8220;Das Problem der unrealisierten Verluste ist gro\u00df, das Problem der unversicherten Guthaben aber ist gewaltig. Amerikas Gesch\u00e4ftsbanken haben davon 9 Billionen Dollar in ihren B\u00fcchern.&#8221; (<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/nach-krise-um-svp-wie-gefaehrdet-sind-amerikanische-banken-18761592.html\"><em>FAZ<\/em> 20.3.2023<\/a>). Bisher garantiert die staatliche Einlagenversicherung (<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Federal_Deposit_Insurance_Corporation\">FDIC<\/a>) nur Guthaben bis zu 250.000 US-Dollar. Alles dar\u00fcber hinaus ist durch die FDIC nicht versichert und damit ausfallbedroht.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass ein Sturm auf die Banken einsetzen k\u00f6nnte, wenn nicht alle Guthaben abgesichert werden. Um eine solche Entwicklung zu verhindern, hatte die amerikanische Regierung vergangenes Wochenende f\u00fcrs Erste die Garantie \u00fcber s\u00e4mtliche Guthaben der bisher zusammengebrochenen Institute Silicon Valley Bank und Signature Bank \u00fcbernommen, also auch \u00fcber die 250.000 US-Dollar hinaus. Offensichtlich sollte ein Zeichen gesetzt werden, dass die Regierung alle Guthaben sch\u00fctzt, um so einer Verunsicherung zuvorzukommen, die in Panik ausarten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Vermeidung unkontrollierbarer Entwicklungen scheint auch bei der Rettung der Credit Swisse (CS) ausschlaggebend gewesen zu sein. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatten die Schweizer Beh\u00f6rden die United Bank of Switzerland (UBS) \u00fcber das Wochenende zur \u00dcbernahme der CS gedr\u00e4ngt. Sie scheuten sich auch nicht davor, kurzerhand die Aktion\u00e4rsrechte au\u00dfer Kraft und sich \u00fcber kartellrechtliche Bestimmungen hinwegzusetzen. Diese Ma\u00dfnahme geschah in Absprache mit den f\u00fchrenden westlichen Staaten, denn schlie\u00dflich betraf diese Entscheidung eine international agierende Bank.<\/p>\n<p>Kurz zuvor noch waren der CS Liquidit\u00e4tshilfen und Kreditlinien in H\u00f6he von etwa 150 Milliarden Franken zugesagt worden. Das schien aber nicht mehr gereicht zu haben, um einen tragenden Pfeiler der Finanzwelt vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Mit enormen finanziellen Sicherungszusagen machten die Schweizer Beh\u00f6rden offensichtlich der UBS ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnte. Gleichzeitig hat man aber jetzt einen Finanzkoloss geschaffen, f\u00fcr dessen Rettung in Zukunft die M\u00f6glichkeiten der Schweiz alleine nicht mehr ausreichen d\u00fcrften.<\/p>\n<p><strong>Neue Gefahren<\/strong><\/p>\n<p>Nun sind aber die derzeitigen Turbulenzen \u2013 anders als 2008 \u2013 nicht durch solche Banken ausgel\u00f6st worden, die mit hochspekulativen Produkten gearbeitet haben. Die derzeitige Bankenkrise wird verursacht durch den Verfall der Anleihekurse, also gerade jener Anlageklasse, die gemeinhin als konservativ und sicher dargestellt wird. Nur wenige Anlagen galten als sicherer als die Staatsanleihen der USA.<\/p>\n<p>Ursache dieser Entwicklung ist der Zinsanstieg, der besonders im Westen in den letzten Monaten von den Notenbanken eingeleitet worden war. Mit der Anhebung der Zinss\u00e4tze wollen die Notenbanken die Inflation <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2023\/02\/16\/inflation-und-hochwasser\/\">bek\u00e4mpfen<\/a>. Das Ansteigen der Zinsen f\u00fchrt zu einem Verfall der Kurse besonders bei solchen Anleihen, die schon l\u00e4nger am Markt gehandelt werden.<\/p>\n<p>Das waren aber gerade jene Papiere, in denen viele Banken ihr Eigenkapital angelegt hatten, um es jederzeit verf\u00fcgbar, aber auch sicher zu haben. Mit dem Verfall der Anleihekurse sank auch der Wert der R\u00fccklagen der Banken. Das ist solange nicht besorgniserregend, wie die Banken nicht aus Liquidit\u00e4tsgr\u00fcnden auf dieses Eigenkapital zur\u00fcckgreifen m\u00fcssen. Im Fall der SVB jedoch sah die Ratingagentur Moody&#8217;s die Bonit\u00e4t der Bank gef\u00e4hrdet und k\u00fcndigte eine Senkung der Bonit\u00e4tsnote an.<\/p>\n<p>Sparer l\u00f6sten ihre Einlagen auf, Anleger verkauften die Aktien der Bank. Um die Auszahlungen gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen, musste die Bank Anleihen mit Verlust verkaufen. Diese Entwicklung \u00fcberforderte die R\u00fccklagen der Bank. Sie wurde zahlungsunf\u00e4hig. Weil aber die SVB nicht die einzige Bank ist, die sich gerade auf die Solidit\u00e4t US-amerikanischer Staatsanleihen verlassen hatte, ist diese Entwicklung so gef\u00e4hrlich \u2013 zum einen f\u00fcr die Existenz der einzelnen Banken, aber auch f\u00fcr das Fundament des westlichen Finanzsystems.<\/p>\n<p>Denn es sind gerade nicht riskante Spekulationen, die die Banken in Gefahr bringen, sondern eben jene Sicherungsmechanismen, die eine erneute Bankenkrise verhindern sollten. Das erh\u00f6hte Eigenkapital wurde angelegt in den scheinbar sichersten Anlagen der Welt. Die Ratingagenturen, die die Anleger vor unseri\u00f6sen Anbietern sch\u00fctzen sollen, sto\u00dfen mit ihren Warnungen eine Entwicklung an, die zum Untergang einer Bank f\u00fchrt. Der Kapitalismus schl\u00e4gt sich mit seinen eigenen Waffen.<\/p>\n<p><strong>In der Zwickm\u00fchle<\/strong><\/p>\n<p>In der jetzigen Situation belasten steigende Zinsen nicht nur Wirtschaft und Konsum sondern auch das Eigenkapital der Gesch\u00e4ftsbanken. Andererseits rutschen auch die Notenbanken selbst in die Verlustzone, weil sie f\u00fcr die Einlagen der Banken mehr Zinsen an diese zahlen m\u00fcssen, als sie selbst an Zinsen aus den Anleihen erhalten, die sie im Rahmen der Anleihekaufprogramme <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2023\/01\/04\/notenbanken-in-not\/\">erworben haben<\/a>.<\/p>\n<p>Die Notenbanken stehen vor einem Dilemma. Senkt man die Zinsen, um die Banken zu entlasten, oder erh\u00f6ht man sie, um die Inflation zu bek\u00e4mpfen? F\u00fcr die US-Amerikaner scheint die Rettung der Banken im Vordergrund zu stehen. &#8220;Die amerikanische Regierung hat ihre Bereitschaft bekr\u00e4ftigt, die Guthaben in mittelgro\u00dfen und kleineren Banken zu garantieren, wenn damit ein Fl\u00e4chenbrand im Finanzsektor verhindert werden kann.&#8221; (<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/janet-yellen-us-bankensystem-ist-stabil-18765748.html\"><em>FAZ<\/em> 21.03.2023<\/a>) Die neuerliche Zinserh\u00f6hung der FED um 0,25 Prozentpunkte fiel dementsprechend zur\u00fcckhaltend aus.<\/p>\n<p>Angesichts der Summen, die im Feuer stehen, ist es fraglich, ob die USA \u00fcberhaupt finanziell in der Lage sind, alle bedrohten Banken zu retten. Vermutlich dient Bidens Garantie nur der Hoffnung, dass der Notfall nicht eintritt. Denn schon jetzt sind die Mittel so knapp, dass man immer wieder die Verschuldungsgrenzen anheben muss, um den Staatshaushalt finanzieren zu k\u00f6nnen. Und der Ukrainekrieg fordert st\u00e4ndig neue Ausgaben.<\/p>\n<p>Angesichts der Inflation von Finanzierungsrunden f\u00fcr die Wirtschaftsf\u00f6rderung, Sonderverm\u00f6gen, F\u00f6rdert\u00f6pfen und sonstiger Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen stellt sich Frage nach der Finanzierbarkeit all dieser staatlichen Ausgaben. Mittlerweile scheint die Haltung vorzuherrschen: &#8220;Darauf kommt es nun auch nicht mehr an.&#8221;<\/p>\n<p>Die Schuldentragf\u00e4higkeit der Staaten, die die Theorien der Wirtschaftswissenschaften einmal bei 60 Prozent gesehen hatten, ist in den reichen westlichen Staaten l\u00e4ngst \u00fcberschritten. Es stellt sich zum wiederholten Male die Frage: &#8220;Wie lange geht das noch gut?&#8221;<\/p>\n<p><strong>Finanzmacht Dollar<\/strong><\/p>\n<p>Trotz regelm\u00e4\u00dfiger Prophezeiungen \u00fcber den Zusammenbruch des Kapitalismus funktioniert das System immer noch, andererseits aber werden auch die Krisen immer h\u00e4ufiger und heftiger. Kann auch der Zeitpunkt nicht angegeben werden, so k\u00f6nnen doch Bedingungen herausgearbeitet werden, unter denen besonders der westliche Kapitalismus an seine Grenzen st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Dieses westlich bestimmte Finanzsystem wird beherrscht durch den US-Dollar. Er ist die universelle W\u00e4hrung, mit der \u00fcberall auf der Welt gezahlt und abgerechnet werden kann. Alle Waren der Welt k\u00f6nnen gegen US-Dollar erworben werden. Mit der Ausweitung der Dollarmengen durch die US-Notenbank hat sich dieser amerikanische Staat die M\u00f6glichkeit geschaffen, immer gr\u00f6\u00dfere Anteile der Weltproduktion zu erwerben, ohne eine entsprechende eigene Leistung erbracht zu haben, wie immer wieder die Handelsdefizite verdeutlichen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die Industriestaaten der westlichen Welt ihre Geldmengen selbst schaffen, um mit dem Rest der Welt Handel zu treiben, muss der Rest der Welt konkurrenzf\u00e4hige Produkte auf dem Weltmarkt anbieten, um in den Besitz von US-Dollar zu kommen. Russland und die \u00d6lf\u00f6rderstaaten zum Beispiel exportierten ihre Rohstoffe und erhalten daf\u00fcr Dollar oder Euro. China exportiert haupts\u00e4chlich die Produkte seiner Industrie.<\/p>\n<p>Nur im Austausch ihrer Rohstoffe und Produkte erhalten Staaten, deren W\u00e4hrungen keine Reservew\u00e4hrungen sind, die Devisen, mit denen sie sich nun \u00fcberall auf der Welt mit dem versorgen k\u00f6nnen, was sie selbst nicht haben. Dramatisch ist dieser Mechanismus f\u00fcr solche Staaten \u2013 besonders in der Dritten Welt \u2013, die wenig haben, womit sie Devisen erwirtschaften k\u00f6nnen. Sie bleiben in ihrer Entwicklung zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Reservew\u00e4hrungen<\/strong><\/p>\n<p>In US-Dollar erworbene Waren m\u00fcssen nicht einmal in den USA hergestellt worden sein, um in Dollar gehandelt zu werden. Das ist bei den meisten W\u00e4hrungen der Welt anders. Mit der mongolischen W\u00e4hrung T\u00f6gr\u00f6g zum Beispiel kann man nur in der Mongolei bezahlen. Man wird im Rest der Welt kaum jemanden finden, der T\u00f6gr\u00f6g im Waren- oder Zahlungsverkehr akzeptiert. \u00dcber den US-Dollar aber ist dieser Austausch m\u00f6glich \u2013 sogar unter Partnern, die \u00fcberhaupt keinen wirtschaftlichen Kontakt zu den USA haben.<\/p>\n<p>Die Geldmengen, die die westlichen Notenbanken in den Jahren seit der Lehman-Pleite geschaffen haben, entsprechen nicht der wirtschaftlichen Leistungskraft dieser Staaten. Das gilt f\u00fcr den Dollar ebenso wie f\u00fcr andere, die als die gro\u00dfen Reservew\u00e4hrungen f\u00fcr das Kapital der Welt dienen. Diese Geldmengen wurden zwar von diesen Staaten geschaffen, aber sie bilden nicht den Wertzuwachs der eigenen Wirtschaft sondern den globalen Wertzuwachs ab.<\/p>\n<p>Denn diese W\u00e4hrungen dienen nicht nur als Zahlungsmittel sondern auch als Speicher f\u00fcr all jene Werte, die bisher in der globalen Produktion erwirtschaftet wurden. Der gewaltige Markt der US-amerikanischen Staatsanleihen ist in der Lage, das Kapital, das in der Geschichte des Kapitalismus geschaffen worden war, aufzunehmen und wertsteigernd zu verwahren. Das macht die Macht der Reservew\u00e4hrungen aus. Sie speichern Kapital und vermehren es. Das kann die mongolische W\u00e4hrung nicht. Dazu fehlen die entsprechenden Geldmengen und lohnenden Anlagem\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><strong>Grenzen des Dollars<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem schwindet die Macht des US-Dollars. Immer mehr Staaten sind von Dollarsanktionen betroffen. Das schw\u00e4cht nicht nur diese Staaten, es schw\u00e4cht auch die US-amerikanische Wirtschaft, die mit den Sanktionierten keinen Handel mehr betreiben darf. Das macht aber auch zunehmend den US-Dollar \u00fcberfl\u00fcssig, weil immer mehr Staaten von seiner Nutzung ausgeschlossen sind. Sie suchen nach Alternativen.<\/p>\n<p>Das ist erkennbar in den Bestrebungen der BRICS-Staaten, eine eigene Reservew\u00e4hrung zu schaffen. Das deutet sich auch an in der Zunahme der Verwendung nationaler W\u00e4hrungen in den Handelsbeziehungen. Mit der Politisierung des Dollars wird dieser immer unberechenbarer. Es stellt sich f\u00fcr immer mehr Staaten die Frage, ob sie der US-amerikanischen Politik noch trauen k\u00f6nnen \u2013 und damit dem US-Dollar. Misstrauen greift mittlerweile im eigenen, westlichen Lager um sich.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Russland und China immer enger zusammenarbeiten, kannibalisieren sich die westlichen Staaten untereinander. Mit ihrem Inflation Reduction Act (<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Inflation_Reduction_Act_of_2022\">IRA<\/a>) versuchen die USA, die Industrien Europas an sich zu ziehen. Diese Bestrebungen pariert die EU mit eigenen finanziellen Anreizen. Mit diesem An- und Abwerben von Unternehmen werden gewaltige Kapitalmengen vergeudet, ohne dass die Wirtschaft des Westens insgesamt w\u00e4chst. Wachstum findet statt auf Kosten anderer westlicher Staaten und B\u00fcndnispartner. Was aber tats\u00e4chlich w\u00e4chst, ist die Verschuldung auf beiden Seiten des Atlantiks.<\/p>\n<p>Durch die nachlassende wirtschaftliche Kraft des westlichen Kapitalismus steigt seine Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr die Ersch\u00fctterungen der Finanzm\u00e4rkte. Diese sind Ergebnis einer Politik, die gezwungen ist, die Wirtschaft durch Verschuldung am Laufen zu halten und dabei den Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Der US-Dollar wird als weltweite W\u00e4hrung nicht so schnell verschwinden, aber es wird immer deutlicher, dass das &#8220;System Dollar&#8221; ersetzt werden muss.<\/p>\n<p>Die Grenzen des westlichen Finanzsystems d\u00fcrften erreicht sein, wenn es sich selbst nicht mehr finanzieren kann. Die Verschuldung hat eine Grenze erreicht, die durch die Ertr\u00e4ge der Wirtschaft nicht mehr beglichen werden kann. Noch tragen das die privaten Geldgeber mit, indem sie die Anleihen der Staaten kaufen. Aber privates Investment reicht nicht mehr aus. Immer \u00f6fter m\u00fcssen die Notenbanken einspringen, um die Anleihen der Staaten zu kaufen.<\/p>\n<p>Noch gibt es keine Alternative zum Dollarsystem, welche die gewaltigen Geldmengen aufnehmen k\u00f6nnte, die im Dollar geparkt sind. Aber das Geld ist nur geparkt und kann jederzeit abgezogen werden, wenn eine Anlageform an den M\u00e4rkten erscheint, die werthaltiger und weniger risikoreich ist.<\/p>\n<p><em>R\u00fcdiger Rauls ist Autor und betreibt den Blog <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/\">Politische Analyse<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema &#8211;<\/strong>\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/rtde.site\/russland\/166082-mehr-gold-weniger-dollar-russlands\/\">Mehr Gold, weniger Dollar: Russlands Zentralbank ver\u00f6ffentlicht Daten \u00fcber internationale Reserven <\/a><\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/wirtschaft\/166302-wieder-einmal-banken\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahre 2008 scheint schon wieder von Amerika eine Bankenkrise auszugehen. 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