{"id":31151,"date":"2023-02-26T11:29:32","date_gmt":"2023-02-26T09:29:32","guid":{"rendered":"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/vom-leben-der-zivilisten-in-frontnahen-staedten-des-donbass-unsere-kinder-sind-wie-kleine-greise\/"},"modified":"2023-02-26T11:29:32","modified_gmt":"2023-02-26T09:29:32","slug":"vom-leben-der-zivilisten-in-frontnahen-staedten-des-donbass-unsere-kinder-sind-wie-kleine-greise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/vom-leben-der-zivilisten-in-frontnahen-staedten-des-donbass-unsere-kinder-sind-wie-kleine-greise\/","title":{"rendered":"Vom Leben der Zivilisten in frontnahen St\u00e4dten des Donbass:  &quot;Unsere Kinder sind wie kleine Greise&quot;"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/02\/63f8536eb480cc4dbc0c68b0.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Gorlowka und Jassinowataja, zwei St\u00e4dte nahe Donezk, werden bereits seit den Jahren 2014 und 2015 immer wieder von den ukrainischen Truppen beschossen. Doch viele Zivilisten bleiben dort \u2013 nicht weil sie nicht evakuiert werden k\u00f6nnen, sondern weil sie es als Dienst an ihrer kleinen Heimat sehen.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Reportage von Jelisaweta Koroljowa<\/em><\/p>\n<p>Die Front des Ukraine-Krieges verl\u00e4uft schon seit dem Jahr 2014 weniger als 30 Kilometer entfernt von Gorlowka und Jassinowataja <em>[zwei Satellitenst\u00e4dte mit zusammen mehr als 300.000 Einwohnern, vergleichbar mit Potsdam und Bernau bei Berlin]<\/em> nahe Donezk. Und seit dem Jahr 2014 setzen Truppen des Kiewer Regimes die dort lebenden Zivilisten st\u00e4ndigem Beschuss aus. Das letzte Jahr war in dieser Hinsicht besonders hart. Doch Tausende von Zivilisten \u2013 Sch\u00fcler, Studenten, Rentner, aber auch \u00c4rzte und freiwillige Helfer \u2013 leben weiterhin in den St\u00e4dten an der Frontlinie. <em>RT<\/em> hat mit ihnen dar\u00fcber gesprochen, warum sie trotz der Gefahr in ihren H\u00e4usern bleiben und wie die Jahre des Konflikts ihr Leben ver\u00e4ndert haben.<\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-vk\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/vk.com\/video_ext.php?oid=-134310637&amp;id=456255366&amp;hash=b2cdd6d4d338a9bb\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<p>Wika, heute 16 Jahre alt, kam im Jahre 2015 aus Mariupol nach Jassinowataja: Ihre Familie wollte nicht unter der neuen ukrainischen Regierung leben und zog zu Verwandten in der Volksrepublik Donezk \u2013 mittlerweile seit einem Vierteljahr russisches Staatsgebiet. Den ersten Beschuss in ihrem Leben erlebte sie, als sie acht Jahre alt war: Sie ging mit ihren Klassenkameraden spazieren, als pl\u00f6tzlich Granaten in der N\u00e4he ihrer Schule einzuschlagen begannen. Alle Kinder wurden unverz\u00fcglich zum Schutz in den Keller gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Im vergangenen Fr\u00fchjahr fuhren Wiktoria und ihre Mutter f\u00fcr einige Wochen in das benachbarte russische Gebiet Rostow. In der friedlichen Gebietshauptstadt Rostow am Don war das M\u00e4dchen sehr \u00fcberrascht, als sie die Stra\u00dfen voller Autos und Menschen und die Regale der Gesch\u00e4fte voller Lebensmittel sah. In Jassinowataja versuchen die Einwohner hingegen, ihr Haus m\u00f6glichst nicht ohne Not zu verlassen \u2013 daher sieht man nicht oft Zivilisten in der Stadt. Bei diesem Aufenthalt wurde Wika an ihr altes Zuhause erinnert:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Auch der Fluss in Aksai hat sich in mein Ged\u00e4chtnis eingepr\u00e4gt. Als meine Mutter und ich ans Ufer kamen, erinnerten wir uns aus irgendeinem Grund sofort an das Meer in Mariupol \u2013 als wir dort lebten, gingen wir st\u00e4ndig dorthin. Ich habe auch immer noch Freunde in Mariupol.&#8221; <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Doch zwei Monate sp\u00e4ter kehrte die Familie nach Jassinowataja zur\u00fcck \u2013 so stark war ihre Sehnsucht nach der neuen kleinen Heimat, aber auch ihr seltsames, dort erlittenes Trauma, erkl\u00e4rt Wika:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Mein \u00e4lterer Bruder war hier geblieben \u2013 ich hatte Angst um ihn. Trotzdem zog es uns wieder hierher, weil wir seelisch mittlerweile an den Beschuss gew\u00f6hnt waren, aber in Russland gibt es das nicht. F\u00fcr die Psyche ist es sehr schwer, mit der Stille zurechtzukommen: Jede Sekunde lauscht man und wartet und wartet, aber es kommen dort keine Ger\u00e4usche. Auch das ist dann sehr erdr\u00fcckend.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Dass Stille f\u00fcr sie noch be\u00e4ngstigender ist als das Pfeifen oder Br\u00fcllen der anfliegenden Geschosse und das Donnern der Einschl\u00e4ge, best\u00e4tigten ausnahmslos alle von <em>RT<\/em> befragten Bewohner von Jassinowataja und Gorlowka.<\/p>\n<p>Jetzt lernt Wiktoria am Berufskolleg f\u00fcr Technik und Dienstleistungen in Gorlowka \u2013 f\u00fcr ihr Berufsziel Lebensmitteltechniker und Koch. Die meisten ihrer Freunde sind im vergangenen Jahr an andere russische Bildungseinrichtungen gewechselt und haben Jassinowataja verlassen, um abseits der Frontlinien leben zu k\u00f6nnen. Die Mutter des M\u00e4dchens m\u00f6chte eigentlich, dass auch ihre Tochter diese M\u00f6glichkeit erh\u00e4lt, um eine gute Ausbildung zu bekommen:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Fernschulung am Bildschirm t\u00f6tet jede Bildung. Sie m\u00f6chte an einem Arbeitstisch in einer Klasse sitzen und vern\u00fcnftig lernen \u2013 aber wie soll Bildung im Pr\u00e4senzunterricht in Gorlowka gehen? Ich w\u00fcrde sie gern irgendwo nach Kern-Russland schicken. Aber einen Platz im Wohnheim bekommt sie momentan nur in Krasnodar, und ich kann mir dort ihren Lebensunterhalt nicht leisten \u2013 weil zu teuer. Ich wei\u00df nicht, was ich tun soll.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wiktorias beste Freundin ist in Jassinowataja geblieben \u2013 doch trotzdem sehen sich die M\u00e4dchen kaum:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Sie wohnt in einem anderen Stadtbezirk, wo viel mehr und \u00f6fter etwas einschl\u00e4gt. Also schreiben wir uns haupts\u00e4chlich \u00fcber soziale Medien.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Um spazieren zu gehen und sich zu entspannen, fahren Wiktoria und ihre Freunde ins nahe gelegene Makejewka \u2013 einer weiteren Stadt als Vorort von Donezk. Viele Einwohner von Jassinowataja kommen mal hierher, um sich von dem st\u00e4ndigen Beschuss etwas zu erholen, aber auch um Arbeit zu finden und Lebensmittel zu kaufen. Lastwagen schaffen es nur selten nach Jassinowataja, da die ukrainischen Streitkr\u00e4fte die Stra\u00dfe, die in die Stadt f\u00fchrt, st\u00e4ndig beschie\u00dfen. Auf dieser Stra\u00dfe m\u00fcssen Wika und ihre Freundin aus Makejewka nach Hause zur\u00fcckkehren:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Wenn ich von der Bushaltestelle nach Hause gehe, lausche ich immer, ob nicht eine fallende Granate pfeift.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Auf die Frage, ob sie Jassinowataja verlassen m\u00f6chte, antwortet Wika, dass ihr Zuhause hier ist und sie ihre neue kleine Heimat nicht verlassen m\u00f6chte:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;F\u00fcr mich sind sowohl Mariupol als auch Jassinowataja die Heimat. Und im globalen Sinne ist es nat\u00fcrlich Russland, denn wir sind russische Menschen. <\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen, die hier geblieben sind, ihren Schmerz dadurch stillen, dass sie in ihrer Heimat sind und mit ihr zusammen leiden.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>&#8220;Sie z\u00e4hlen auf mich&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Alexei Petrow, 33, ist in Jassinowataja geboren und aufgewachsen, lebte aber seit dem Jahr 2014 in Moskau. In die DVR kehrte er im Jahr 2020\u00a0zur\u00fcck, als er aufgrund der Pandemie seine Arbeit in Moskau verloren hatte:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Seit M\u00e4rz begannen Geschosse in meinem Stadtbezirk einzuschlagen. Granaten landeten am Haus meiner Mutter, und ihre Balkonfenster gingen zu Bruch. Im April gab es Beschuss in der N\u00e4he meines Hauses: &#8216;Grad&#8217;-Raketen t\u00f6teten meine Nachbarin und einen zuvor im Rahmen der Mobilmachung eingezogenen jungen Kerl, die zusammen die Stra\u00dfe entlanggingen. Er hatte wohl Urlaub und war auf dem Weg zu ihrem Haus, um ihr zu helfen, die Fenster zu vernageln, die durch den vorigen Beschuss zu Bruch gegangen waren. Das erste Raketengeschoss t\u00f6tete sie beide auf der Stelle. H\u00e4tten sie die &#8216;Grad&#8217; fr\u00fcher kommen h\u00f6ren, h\u00e4tten sie noch Zeit gehabt, sich im Keller zu verstecken.&#8221; <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Vom Milit\u00e4rdienst ist Alexei freigestellt und wurde daher nicht in die Armee eingezogen \u2013 doch er will nicht unt\u00e4tig bleiben. Mitte des letzten Sommers wandte er sich an die \u00f6rtliche Verwaltung und bot an, den \u00f6rtlichen Gemeindearbeitern ehrenamtlich auszuhelfen.<\/p>\n<p>Zusammen mit anderen Freiwilligen half er beim Abladen von Trinkwasser, das in Flaschen in die Stadt gebracht wird: Aufgrund von Sch\u00e4den an Wasserleitungen durch ukrainischen Beschuss f\u00e4llt die Wasserversorgung in Jassinowataja immer wieder zeitweise aus.<\/p>\n<p>Nach und nach wurde Alexei von Einheimischen angesprochen. Sie bitten ihn, ihnen bei der Instandsetzung von H\u00e4usern nach Beschuss zu helfen, Lebensmittel f\u00fcr diejenigen zu einzukaufen, die nur schwer aus dem Haus gehen k\u00f6nnen, oder nach Rentnern zu sehen, deren Angeh\u00f6rige sie nicht selbst aufsuchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Eines Tages schrieb eine Frau aus Kiew an unsere Social-Media-Gruppe: Ihre 67-j\u00e4hrige Mutter lebt in Jassinowataja und kann wegen Krankheit nicht mehr laufen. Die Kiewerin bat uns, mit ihrer Mama zu sprechen, um herauszufinden, ob sie Hilfe braucht. Sie selbst kann verst\u00e4ndlicherweise nicht aus Kiew mal eben vorbeikommen: In der Ukraine w\u00fcrde sie entweder wegen Verbindungen zu Russland gerichtlich verurteilt werden oder ihren Arbeitsplatz verlieren. Naja, dann ging ich eben zu dieser Frau. Jetzt komme ich zweimal pro Woche zu ihr, kaufe Lebensmittel und Medikamente f\u00fcr sie und helfe ihr im Haus, wenn es n\u00f6tig ist: repariere ihre Waschmaschine oder sonst irgendetwas.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der Mann sagt, die Menschen seien der st\u00e4ndigen Gefahren \u00fcberdr\u00fcssig. Gleichzeitig hat aber auch er selbst nicht vor, Jassinowataja zu verlassen.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Ich habe eine Weile dar\u00fcber nachgedacht, aber dann habe ich angefangen, mich ehrenamtlich zu engagieren \u2013 und jetzt verstehe ich, dass ich nicht mehr weg kann. Die Jungs bei der Freiwilligengruppe z\u00e4hlen auf mich. Und wem soll ich dann diese Oma anvertrauen, die ich jetzt besuche? Irgendjemand muss es ja tun, es sind ja schon so wenige Leute da \u2013 alle sind weggefahren.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>&#8220;Kinder sind wie kleine Greise, k\u00f6nnen nicht entspannt leben&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Eine weitere Stadt nahe der Front, die sich seit Jahren im Krieg befindet, ist Gorlowka. Sie liegt weniger als 30 km entfernt von Awdejewka, derzeit noch von Kiewer Truppen kontrolliert. Jelena Karpenko, eine 55-j\u00e4hrige Lehrerin, hat Gorlowka im vergangenen Jahr ausschlie\u00dflich mit Gruppen ihrer Sch\u00fcler verlassen, wenn Klassenfahrten in andere Regionen Russlands veranstaltet wurden. Nach ihrer Wahrnehmung kann man im Hinterland jene Kinder, die nahe an der Front leben, sofort von denen unterscheiden, die den Krieg nie gesehen haben:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Wenn zum Beispiel ein Lastwagen die Stra\u00dfe entlangf\u00e4hrt, ist er laut \u2013 unsere Kinder gehen sofort in die Hocke und bedecken ihre K\u00f6pfe mit den H\u00e4nden. Leider l\u00e4cheln sie auch weniger, sie sind nicht mehr so munter und albern. Man k\u00f6nnte sagen, dass unsere Kinder wie kleine Greise sind. Selbst bei Ausfl\u00fcgen auf die Krim oder in das Gebiet Krasnodar k\u00f6nnen sie sich nicht v\u00f6llig entspannen: Sie sind immer am Smartphone, um die Nachrichten zu verfolgen und mit ihren Verwandten in Kontakt zu bleiben.&#8221; <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-vk\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/vk.com\/video_ext.php?oid=-134310637&amp;id=456252106&amp;hash=242af3fe0b001415\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<p>Die Frau unterrichtet seit mehr als 35 Jahren russische Sprache und Literatur sowie Englisch an derselben Schule in Gorlowka, von der sie auch selbst einst abging. Als das ukrainische Milit\u00e4r in den Jahren 2014 und 2015 mit dem Beschuss der Stadt begann, hielt sie sich tagaus, tagein im Schulgeb\u00e4ude auf und half den Einheimischen, sich im Schulkeller zu verstecken. Schon damals konnte sie sich nicht vorstellen, die Stadt zu verlassen und die Sch\u00fcler und Menschen, die die Schule als Zufluchtsort ben\u00f6tigten, zur\u00fcckzulassen, sagt sie.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Die Kinder m\u00fcssen aber nat\u00fcrlich wenigstens ab und zu aus der Stadt herauskommen, damit sie verstehen, dass das Leben weitergeht. Ich sage meinen Sch\u00fclern immer: &#8216;Dass wir weiterhin hier lernen und leben \u2013 das ist unsere Frontlinie. Und es ist in der Tat jedes Mal ein mutiger Akt rauszugehen, jeden Tag das Haus zu verlassen, um weiter zu lernen und Wissen zu erwerben.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Regelung des Distanzunterrichts gilt in Gorlowka f\u00fcr Sch\u00fcler wie f\u00fcr Studenten nun bereits das vierte Jahr: Ab dem Jahr 2020 wurde sie wegen der Coronavirus-Pandemie angeordnet und danach wegen der Eskalation des Ukraine-Konflikts verl\u00e4ngert. Dies hat mittlerweile dazu gef\u00fchrt, dass die Studenten, die bereits seit mehreren Jahren an denselben Hochschulen studieren, weder einander gegenseitig noch ihre Professoren richtig kennen.<\/p>\n<p>Olga Karpowa, 20 Jahre alt, ist Studentin im vierten Jahr am Institut f\u00fcr Automobil- und Stra\u00dfenwesen der berufsbildenden Hochschule Nationale Technische Universit\u00e4t Donezk. Sie leitet auch den \u00f6rtlichen Studentenclub. Dessen Aktivisten versuchen, die Studenten irgendwie zusammenzubringen \u2013 trotz des Fernstudium-Regimes und der Unm\u00f6glichkeit, unter dem st\u00e4ndigen Beschuss \u00f6ffentliche Veranstaltungen pers\u00f6nlich abzuhalten.<\/p>\n<p>Jetzt haben in Gorlowka einige Caf\u00e9s und \u00f6ffentliche Einrichtungen wieder ge\u00f6ffnet; auch k\u00f6nnen sich die jungen Leute in kleinen Gruppen treffen und spazieren gehen, wenn sie wollen. Aber beides h\u00e4ngt, wie das M\u00e4dchen sagt, &#8220;von der Stimmung derer ab, die uns bombardieren&#8221;:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Wenn es ruhig ist, k\u00f6nnen wir in der Stadt spazieren gehen, aber wenn es unruhig ist, treffen wir uns lieber bei jemandem zu Hause. Man kann durchaus sagen, dass die Ukraine sehr wohl strategische Ziele trifft \u2013 nur nicht milit\u00e4rische, sondern zivile. Zum Beispiel sind schon mehrmals Geschosse am zentralen Markt eingeschlagen: Es ist von vornherein klar, dass dort kein Milit\u00e4r ist, sondern Leute, die sich fr\u00fchmorgens auf einen Arbeitstag und den Warenhandel vorbereiten.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Im Laufe des nun abgelaufenen Jahres 2022 wurden in Gorlowka keinerlei Massenveranstaltungen abgehalten: So wollte man den ukrainischen Truppen die M\u00f6glichkeit nehmen, in die Menge zu schie\u00dfen. Selbst auf dem zentralen Platz der Stadt wurde dieses Mal von der Stadtverwaltung keine gro\u00dfe geschm\u00fcckte Tanne mehr aufgestellt. Doch die Einwohner fanden einen Weg, die festliche Stimmung zum Jahreswechsel miteinander zu teilen. Olja erinnert sich mit einem L\u00e4cheln:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;In der Silvesternacht geschah ein kleines Wunder: Ein kleiner k\u00fcnstlicher Weihnachtsbaum &#8216;wuchs&#8217; in der Nacht auf dem Platz, wo normalerweise ein gro\u00dfer Weihnachtsbaum steht. Offenbar wollte jemand den Leuten eine Freude machen und brachte seinen eigenen Baum von zu Hause mit. Niemand hat etwas gemacht damit, er stand einfach da \u2013 das war sehr sch\u00f6n.&#8221; <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Sie selbst w\u00fcnscht sich mehr als alles andere, dass die K\u00e4mpfe in diesem Jahr endlich aufh\u00f6ren, damit ihr Vater, der an die Front mobilisiert wurde, nach Hause zur\u00fcckkehren kann.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Wir geh\u00f6ren weder unseren Familien noch uns selbst richtig&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Der st\u00e4ndige Beschuss von Gorlowka \u00fcber so viele Jahre hinweg hat die Gesundheit aller Einwohner beeintr\u00e4chtigt, stellt Nellja Jakunenko, die Chef\u00e4rztin des st\u00e4dtischen Krankenhauses Nr. 2, fest:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Wir leben seit achteinhalb Jahren in diesem Krieg: Die Menschen m\u00fcssen unter Beschuss zur Arbeit, machen sich Sorgen um sich selbst und ihre Angeh\u00f6rigen, die in der Stadt und an der Front sind. Nat\u00fcrlich wirkt sich derartiger Stress auf das Immunsystem aus (unsere Leute sind sehr anf\u00e4llig f\u00fcr Erk\u00e4ltungen). Auch verschlimmern sich chronische Erkrankungen und Geschw\u00fcre dadurch.&#8221; <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Seit dem Jahr 2014 erlernen die \u00c4rzte des st\u00e4dtischen Krankenhauses kontinuierlich die Kriegschirurgie, da sie regelm\u00e4\u00dfig Soldaten und Zivilisten mit Explosionstraumata und Splitterwunden behandeln.<\/p>\n<p>Laut Jakunenko hatte sich jenes medizinische Personal, das die Stadt verlassen wollte, schon zu Beginn der K\u00e4mpfe vor acht Jahren dazu entschieden:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Sie haben das Krankenhaus bereits 2014 verlassen. Seit dem Beginn der Sonderoperation hat keiner unserer \u00c4rzte mehr gek\u00fcndigt oder ist in die Evakuierung gegangen. Von den Krankenschwestern sind nur ein paar Frauen mit ganz kleinen Kindern weggefahren.&#8221; <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Doch jetzt hat das Klinikum einen ernsten Fachkr\u00e4ftemangel: Es fehlen mittlerweile 40 Prozent der \u00c4rzte. Das gesamte Personal arbeitet ohne Urlaub, und wenn schwere F\u00e4lle eingeliefert werden, werden \u00c4rzte und Krankenschwestern aus ihrer Freizeit zur Verst\u00e4rkung abgerufen. An ein solches Beispiel erinnert sich die \u00c4rztin:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;In diesem Jahr wurde ein Wohngebiet bombardiert, und mehrere Kinder wurden in sehr ernstem Zustand von dort eingeliefert.&#8221; <\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Eine der Patientinnen war die 12-j\u00e4hrige Sweta (Name ge\u00e4ndert). Das M\u00e4dchen, das sehr aktiv Tanzen lernte, verlor durch einen Granatsplitter einen Arm und ein Bein. Den \u00c4rzten gelang es, sie zu retten, und sie befindet sich jetzt in Moskau in der Rehabilitation.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Der n\u00e4chste Krankenwagen brachte am selben Abend ein siebenj\u00e4hriges M\u00e4dchen. Sie hatte eine Splitterwunde am Herzen und verstarb noch im Krankenwagen. Es war sehr schwer, ihrer Mutter, die \u00fcberlebt hatte, mitzuteilen, dass ihre Tochter tot ist.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Eine andere Familie kam zu Schaden, als sie versuchte, bis zu einer Deckung zu rennen: Eine Granate schlug in der N\u00e4he ein, und die Mutter starb auf der Stelle \u2013 vor den Augen ihrer 16-j\u00e4hrigen Tochter und ihres 10-j\u00e4hrigen Sohnes.<\/p>\n<p>Die \u00c4rzte geben trotz aller Anstrengungen, Schrecken und \u00dcberm\u00fcdung nicht auf, versichert die Leiterin des Krankenhauses:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Die \u00c4rzte sind alle furchtbar m\u00fcde. Wir geh\u00f6ren mittlerweile weder unseren Familien noch uns selbst. Wenn man es schafft, einen Menschen zu retten, ist man unglaublich stolz auf die eigene Arbeit, aber wenn der Patient dann trotzdem stirbt &#8230; <\/em><\/p>\n<p><em>Aber es ist jetzt unsere Pflicht, diesen Krieg zu beenden und bis zum Sieg durchzuhalten. Anders geht es nicht.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/russian.rt.com\/russia\/article\/1112633-gorlovka-yasinovataya-zhiteli\">Russischen<\/a><\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/russland\/133684-warum-mussten-ukrainer-uns-umbringen\/\">&#8220;Warum mussten die Ukrainer uns umbringen?&#8221; Fl\u00fcchtlinge aus dem Donbass sprechen mit RT<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/russland\/163615-unsere-kinder-sind-wie-kleine-greise\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gorlowka und Jassinowataja, zwei St\u00e4dte nahe Donezk, werden bereits seit den Jahren 2014 und 2015 immer wieder von den ukrainischen Truppen beschossen. 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