{"id":30674,"date":"2023-02-18T17:35:42","date_gmt":"2023-02-18T15:35:42","guid":{"rendered":"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/inflation-hausgemacht-nicht-die-geldmengen-treiben-sondern-der-verzicht-auf-russisches-oel-und-gas\/"},"modified":"2023-02-18T17:35:42","modified_gmt":"2023-02-18T15:35:42","slug":"inflation-hausgemacht-nicht-die-geldmengen-treiben-sondern-der-verzicht-auf-russisches-oel-und-gas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/inflation-hausgemacht-nicht-die-geldmengen-treiben-sondern-der-verzicht-auf-russisches-oel-und-gas\/","title":{"rendered":"Inflation hausgemacht: Nicht die Geldmengen treiben, sondern der Verzicht auf russisches \u00d6l und Gas"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2023\/02\/63ebfb73b480cc5c4036a634.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Jahrelang explodierten die Geldmengen, doch die Inflationsraten und Zinsen blieben niedrig. Nun steigen beide in bisher nicht bekanntem Ausma\u00df. Die Notenbanken reagieren mit der Anhebung der Zinss\u00e4tze. Das soll nach Meinung der b\u00fcrgerlichen Wirtschaftswissenschaft den Preisauftrieb d\u00e4mpfen. Die Inflationsursachen sind allerdings politische.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von R\u00fcdiger Rauls <\/em><\/p>\n<p><strong>Irrlehren<\/strong><\/p>\n<p>Nach der gro\u00dfen Finanzkrise von 2008\/2009 hatten die Notenbanken die M\u00e4rkte mit &#8220;billigem&#8221; Geld geflutet, um den Zusammenbruch der Weltwirtschaft zu verhindern. Postwendend prophezeiten sogenannte Experten, dass das Geldmengenwachstum eine Inflation bringen w\u00fcrde. Denn die Lehrb\u00fccher der b\u00fcrgerlichen Wirtschaftswissenschaft begr\u00fcnden Inflation mit dem Wachstum der Geldmengen. Nicht wenige phantasierten sogar \u00fcber eine <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.theintelligence.de-r%C3%BCdiger-rauls-wo-bleibt-die-inflation.html\">Hyperinflation<\/a>. Aber allen Theorien zum Trotz stiegen die Inflationsraten nicht. Dennoch scheint \u00e4u\u00dferlich tats\u00e4chlich\u00a0ein\u00a0Zusammenhang zu bestehen zwischen der Geldmenge und einer Inflation, denn Inflation ist immer auch verbunden mit gro\u00dfen Geldmengen. Nur \u2013 sind sie wirklich auch deren Ursache?<\/p>\n<p>Zum besseren Verst\u00e4ndnis: Auch Hochwasser hat immer mit gro\u00dfen Wassermassen zu tun. Ohne diese gibt es kein Hochwasser. Aber eine gro\u00dfe Menge an Wasser f\u00fchrt nur unter bestimmten Umst\u00e4nden zu zerst\u00f6rerischem Hochwasser, wenn sie n\u00e4mlich \u2013 wie etwa im Falle der Ahrtal-Katastrophe \u2013 in enge Kan\u00e4le str\u00f6men mu\u00df. Im Falle des Nils beispielsweise werden die gro\u00dfen Wassermengen herbeigesehnt, weil sie sich sanft in die Breiten der Ufer und des Nildeltas ausdehnen und dort Segen bringen \u2013 durch fruchtbare Ablagerungen und nachhaltige Bew\u00e4sserung des Bodens.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich auch mit den Geldmengen. Str\u00f6mt es in enge M\u00e4rkte wie den Immobilien-, den Aktien- oder sogar auch den Anleihemarkt, so f\u00fchrt das zu den steigenden Preisen der vergangenen Jahre. Breitet sich aber der &#8220;Geldsegen&#8221; \u00fcber die Realwirtschaft aus, so f\u00fchrt das zu wachsender Produktion mit sinkenden St\u00fcckpreisen sowie steigendem Konsum und Wohlstand.<\/p>\n<p>Die Ursachen des Hochwassers in der Realit\u00e4t der Natur sind leicht zu erkennen. Es kann durch langandauernde Regenf\u00e4lle entstehen, aber auch durch Schneeschmelzen, Dammbr\u00fcche oder andere Ereignisse. Hochwasser tritt immer durch gro\u00dfe Wassermengen in Erscheinung. Aber diese Ereignisse sind nur der Ausdruck, nicht die Ursache der am Ende katastrophal steigenden Wasserpegel. Bei der Inflation ist das nicht so einfach. Ihre Ursachen liegen im Verborgenen und werden nur in steigenden Preisen sichtbar. Zwar bleiben auch die Geldmengen selbst nicht verborgen, aber diese interessieren kaum jemanden, solange nur die Preise niedrig bleiben.<\/p>\n<p>Bei ihrem ersten Auftreten zu Beginn der 1920er Jahre im Deutschen Reich war die Inflation eine relativ neue Erscheinung im Kapitalismus \u2013 und so lag noch wenig Erfahrung mit ihr vor. Worin aber die sogenannten Experten sich schnell einig waren, war das Offensichtliche: Gro\u00dfe Geldmengen = Inflation. Doch ihr Entstehen blieb ihnen ein Buch mit sieben Siegeln.<\/p>\n<p><strong>Inflation und Interessen<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der gewaltigen Geldmengen, die nach 2008 von den Notenbanken geschaffen worden waren, stieg die Inflation \u00fcber zehn Jahre nicht an. Bereits seit dem Ende der 1980er Jahre, also\u00a0seit nun mehr als drei\u00dfig Jahren, hatte Japan nach dem gro\u00dfen Immobilien-Crash die Geldmengen stetig erh\u00f6ht, um deflation\u00e4ren Tendenzen in seiner Wirtschaft\u00a0 zu entkommen.<\/p>\n<p>Aber trotz aller Anstrengungen von Notenbank und Politik wurde das angestrebte Ziel von zwei Prozent Inflation in Japan nie erreicht. Zeitweilig waren die Inflationszahlen auch im Westen sogar negativ, obwohl die Geldmengen immer weiter anschwollen. Aller Wirklichkeit zum Trotz hielten die &#8220;Experten&#8221; an ihrer Geldmengen-Theorie fest, hinterfragt wurde sie nicht.<\/p>\n<p>N\u00fcchtern betrachtet und befreit von allem theoretischen Brimborium ist Inflation nichts anderes als die Summe der Preissteigerungen, die sich in ihrer Gesamtheit gesellschaftlich auswirken. Bis weit in die 1970er Jahre wurden Preissteigerungen auch als solche bezeichnet, bis der scheinbar wissenschaftlichere Begriff &#8220;Inflation&#8221; immer mehr um sich griff.<\/p>\n<p>Damit wurde Inflation unpolitisch und erhielt den Charakter von Schicksalsschl\u00e4gen wie Hunger, Pest oder Krieg, wodurch sie nicht mehr so leicht als eine Auswirkung des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu erkennen war. Der Begriff der Preissteigerungen hatte zu sehr die Aufmerksamkeit auf die Verursacher von Preissteigerungen gelenkt, n\u00e4mlich auf das private Unternehmertum, das diese Preise ja gestaltet.<\/p>\n<p>Inflationen haben aber in den wenigsten F\u00e4llen reale wirtschaftliche Ursachen. Viel h\u00e4ufiger liegen ihnen politische Entscheidungen zugrunde wie die Erhebung von Z\u00f6llen, Sanktionen oder Programme wie der Green-Deal der EU-Kommission zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels. Ein Anstieg der Preise als deren Folgen wird durch den Begriff Inflation politisch entsch\u00e4rft \u2013 und ihre Verursacher werden verschleiert. Aber diese Verallgemeinerung durch einen einzigen Begriff hat einen Pferdefu\u00df. Sie erschwert das Erkennen der Ursachen und begn\u00fcgt sich mit dem Offensichtlichen, den ausufernden Geldmengen.<\/p>\n<p>Somit scheinen, oberfl\u00e4chlich betrachtet, alle Inflationen gleich zu sein. Aber auch Zucker und Salz sehen \u00e4u\u00dferlich ziemlich gleich aus. Den wirklichen Unterschied zwischen beiden erkennt man erst, wenn man sich nicht mit der oberfl\u00e4chlichen Betrachtung zufrieden gibt, sondern ihrem Wesen auf den Grund geht. Man merkt es aber auch, wenn man sie irrt\u00fcmlich in Kaffee oder Suppe streut. Die Wirklichkeit macht dann den Unterschied sehr schnell deutlich. Nur die Wirtschaftswissenschaften bleiben davon unber\u00fchrt. Sie halten an den \u00c4u\u00dferlichkeiten fest. Wie unterschiedlich die Inflationen jedoch in ihren inneren Triebkr\u00e4ften sein k\u00f6nnen, soll im Folgenden dargestellt werden.<\/p>\n<p><strong>Inflation trotz geringer Geldmengen<\/strong><\/p>\n<p>In der Hochkonjunktur des sogenannten Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg konnten Unternehmen aufgrund der hohen Nachfrage der Verbraucher h\u00f6here Preise am Markt durchsetzen. Die Folge war ein Ansteigen der Preise im gesamtgesellschaftlichen Rahmen (Inflation) in Deutschland zwischen der Mitte der 1970er und 1980er Jahre von bis zu acht Prozent. In den USA und Frankreich lagen diese <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/de\/aufgaben\/themen\/inflation-lehren-aus-der-geschichte-614516\">Werte<\/a> sogar \u00fcber zehn Prozent.<\/p>\n<p>Der Anstieg der Preise im Westen war aber gerade nicht auf zu hohe Geldmengen zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern vielmehr im Gegenteil auf eine nicht ausreichende Geldmenge. Aufgrund der hohen Konsumnachfrage weiteten die Unternehmen ihre Produktion immer mehr aus, sie investierten, und daf\u00fcr nahmen sie Kredite auf. Aber auch der private Konsum wurde zunehmend auf Pump finanziert. Die Kreditnachfrage wuchs und stie\u00df bald an die Grenzen der Kapitalm\u00e4rkte. Die an den Finanzm\u00e4rkten vorhandenen Kapitalmengen reichten nicht aus, um die Kredit-Nachfrage bedienen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Da Kapital knapp war, war mehr Kredit nur gegen h\u00f6here Preise zu haben, das hei\u00dft mit h\u00f6heren Zinss\u00e4tzen (<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leitzins#\/media\/Datei:Leitzinsen.png\">Entwicklung der Leitzinsen<\/a>). In der Folge stiegen neben den Warenpreisen auch die Zinsen an, bis diese in den 1980er Jahren Werte erreichten, die eine Produktion immer weniger rentabel machten. Denn trotz des Wohlstands durch das &#8220;Wirtschaftswunder&#8221; konnten die gestiegenen Produktionskosten nicht unbegrenzt an die Kundschaft weitergereicht werden. Die Gewinne der Unternehmen zogen nicht im gleichen Ma\u00dfe mit dem Anstieg der Warenpreise \u00a0mit.<\/p>\n<p>Diese Gleichzeitigkeit von steigenden Preisen und nachlassenden Gewinnen war damals wiederum eine neue Erscheinung im Kapitalismus, die sich die b\u00fcrgerliche Wirtschaftswissenschaft nicht erkl\u00e4ren konnte. Sie taten, was sie immer taten, wenn sie sich eine wirtschaftliche Erscheinung ihres Handelns nicht erkl\u00e4ren konnten: sie schufen einen neuen Begriff: die Lohn-Preis-Spirale. Auch dieser Begriff drang aber nicht zum Kern des Problems vor und konnte deshalb auch keinen L\u00f6sungsweg weisen.<\/p>\n<p>Erst die Kapitalmarktreformen unter der britischen Ministerpr\u00e4sidenten Margret Thatcher und dem US-Pr\u00e4sidenten Ronald Reagan verst\u00e4rkten die \u00d6ffnung der Kapitalm\u00e4rkte. Damit waren die nationalen Schranken der Kreditvergabe gesenkt worden, und der Weg war frei f\u00fcr die Ausweitung der Geldmengen. Mit deren Ausweitung stieg die Inflation aber gerade nicht an, sondern sie <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/de\/aufgaben\/themen\/inflation-lehren-aus-der-geschichte-614516\">sank<\/a> stattdessen.<\/p>\n<p>Denn wenn immer mehr Br\u00f6tchen auf den Markt kommen, sinkt ihr Preis. Das ist beim Kapital nicht anders. Warum sollten die Marktmechanismen des Kapitalismus sich bei einem wachsenden Angebot an Kapital anders verhalten als bei einem h\u00f6heren Angebot von Br\u00f6tchen?<\/p>\n<p><strong>Die deutsche Inflation von 1923<\/strong><\/p>\n<p>Dennoch stehen die Inflationsraten der 1970er Jahre in keinem Verh\u00e4ltnis zu denen in der Weimarer Republik zu Beginn der 1920er Jahre. Von ihnen hatte der Begriff &#8220;Inflation&#8221; seinen Schrecken bekommen, denn sie vernichtete die Lebensgrundlagen von Millionen einfacher Menschen. Zudem stammt aus dieser Zeit auch das Bild der ausufernden Geldmengen als Erkl\u00e4rungsversuch f\u00fcr die Inflation.<\/p>\n<p>Die tiefere Ursache der Inflation von 1923 lag aber nicht in den Geldmengen sondern im Wertverfall der deutschen W\u00e4hrung gegen\u00fcber denen der Siegerm\u00e4chte des Ersten Weltkrieges, denen das Deutsche Reich enorme Reparationen leisten musste. Diese mussten in Devisen gezahlt werden. Um also die franz\u00f6sischen Reparationsforderungen zu bedienen, musste die deutsche Reichsbank franz\u00f6sische Francs kaufen, zu welchem Preis auch immer sie erh\u00e4ltlich waren. Das trieb den Preis der franz\u00f6sischen W\u00e4hrung gegen\u00fcber der Reichsmark in die H\u00f6he. Die deutsche Regierung war gezwungen, immer mehr Reichsmark f\u00fcr den Ankauf des <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B013RWL1TQ\">Franken<\/a> aufzuwenden.<\/p>\n<p>Andererseits musste aber auch der Geldkreislauf im Reich selbst gew\u00e4hrleistet sein, wollte man nicht den Zusammenbruch der Wirtschaftst\u00e4tigkeit riskieren. F\u00fcr beides jedoch, die Forderungen von au\u00dfen nach Bedienung der Reparationen und denen von innen nach Aufrechterhaltung der Geldversorgung, reichte die Geldmenge nicht aus. Das Problem wurde \u00fcber die Notenpresse zu l\u00f6sen versucht. Um den Bedarf an Zahlungsmitteln zu bedienen, schuf die Reichsbank immer mehr Reichsmark, mehr als der Leistungskraft der deutschen Wirtschaft entsprach.<\/p>\n<p>Das Wachstum der Geldmengen blieb nicht ohne Folgen f\u00fcr die Au\u00dfenhandelsbeziehungen. Die Reichsmark verlor an Vertrauen an den internationalen M\u00e4rkten. Denn die Handelspartner waren sich nicht mehr sicher, ob sie f\u00fcr eine bestimmte Menge Reichsmark sp\u00e4ter noch dieselbe Warenmenge bekommen w\u00fcrden wie zu dem Zeitpunkt, als sie diese Geldmenge erhalten hatten.<\/p>\n<p>Die Austauschverh\u00e4ltnisse der Reichsmark verschlechterten sich rapide gegen\u00fcber den anderen W\u00e4hrungen. Dadurch wurden Importe nach Deutschland immer teurer, sodass deren Preise im Inland explodierten. Aber mit diesen Preisen konnte die Entwicklung der L\u00f6hne nicht Schritt halten. Die Waren des t\u00e4glichen Bedarfs wurden unerschwinglich. Unvorstellbare Armut und Verelendung griffen um sich.\u00a0<\/p>\n<p>Die Inflation von 1923 war nicht durch eine schwindende Leistungskraft der deutschen Wirtschaft verursacht. Diese blieb weitgehend stabil im internationalen Vergleich. Allein das Austauschverh\u00e4ltnis zwischen der deutschen und den anderen Weltw\u00e4hrungen verfiel massiv. Deshalb war das Problem auch durch wirtschaftliche Ma\u00dfnahmen nicht zu l\u00f6sen. Es mussten politische Entscheidungen getroffen werden, die das Vertrauen in die Reichsmark wiederherstellten. Damit schlug die Stunde der US-Amerikaner und ihrer wachsenden Einflussnahme auf die europ\u00e4ische Politik.<\/p>\n<p>Im Young- und im Dawes-Plan wurden die deutschen Reparationen neu geregelt. Das Deutsche Reich wurde durch das Begeben internationaler Anleihen rekapitalisiert. Daf\u00fcr wurden deutsche Verm\u00f6genswerte \u2013 wie etwa die Reichsbahn \u2013 verpf\u00e4ndet und die staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber die Finanzen eingeschr\u00e4nkt. Besonders aber wurde die Bev\u00f6lkerung durch die weitere Absenkung des Lebensstandards zur Ader gelassen.<\/p>\n<p>Quasi \u00fcber Nacht waren Geldmengen allein durch politischen Beschluss pl\u00f6tzlich kein Geld mehr, sondern Altpapier. Damit widerlegt gerade der Verlauf der Inflation von 1923 die Theorie der Geldmengen als Ursache einer Inflation. Auch die Vorstellung von der Schaffung des Geldes aus dem Nichts und die damit verbundenen \u00c4ngste erweisen sich als grundlos. Zwar waren Geldmengen aus dem sogenannten Nichts geschaffen worden, aber sie kehrten durch ihre Vernichtung auch wieder dorthin zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Neuere Inflationen<\/strong><\/p>\n<p>Die deutsche Inflation von 1923 kann noch in ihrem Entstehen als von wirtschaftlichen Faktoren getrieben angesehen werden. Die neueren, die \u00e4hnliche Dimensionen erreichen, sind besonders seit dem Ende des Kalten Krieges meist das Ergebnis politischer Ereignisse, haupts\u00e4chlich westlicher Sanktionen als Tatsache oder allein schon deren Androhung. Diese verunsichern die Anleger, die sich wegen erwarteter negativer Auswirkungen auf ihre Kapitalanlagen von diesen M\u00e4rkten zur\u00fcckziehen oder diese von vornherein meiden. Beispielhaft hierf\u00fcr sind Iran, Russland, die T\u00fcrkei, Venezuela und Zimbabwe, um nur die bekanntesten zu nennen.<\/p>\n<p>Deren wirtschaftliche Probleme waren eine Folge von politischen Einwirkungen sowie der dadurch verursachten Entkopplung der W\u00e4hrungen von der tats\u00e4chlichen wirtschaftlichen Leistungskraft. Als beispielhaft f\u00fcr eine politisch verursachte Inflation soll hier die T\u00fcrkei n\u00e4her betrachtet werden.<\/p>\n<p>Deren <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/216056\/umfrage\/inflationsrate-in-der-tuerkei\/\">Inflationsraten<\/a><em><\/em>blieben zwischen 2004 und 2016 weitgehend stabil bei acht Prozent, neigten vielleicht eher sogar zum Sinken. Ab 2016 stiegen die Werte sprunghaft an und verdoppelten sich\u00a0innerhalb von nur zwei Jahren. Dabei lag das Wachstum der t\u00fcrkischen <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/14556\/umfrage\/wachstum-des-bruttoinlandsprodukts-in-der-tuerkei\/\">Wirtschaftsleistung<\/a> 2016 bei beachtlichen 3,32 Prozent und die <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/216170\/umfrage\/staatsverschuldung-der-tuerkei-in-relation-zum-bruttoinlandsprodukt-bip\/\">Verschuldung<\/a> des Landes nur bei 29 Prozent, wof\u00fcr die USA, Japan und jeder EU-Staat die T\u00fcrkei h\u00e4tten beneiden k\u00f6nnen. Also kann es an den wirtschaftlichen Daten nicht gelegen haben, dass die t\u00fcrkische W\u00e4hrung so pl\u00f6tzlich an Wert verlor.<\/p>\n<p>Um es kurz zu machen: 2016 scheiterte ein Putsch von Teilen des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs gegen Erdo\u011fan. Dieser hatte sich in seiner Syrien-Politik immer weiter vom Westen entfernt und sich stattdessen zunehmend mit Russland arrangiert und dorthin auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit<em><\/em><a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2017\/04\/19\/tuerkei-vorwaerts-in-die-vergangenheit\/\">vertieft<\/a>. Die Konflikte mit dem Westen blieben nicht aus und nahmen stetig zu \u2013 bis hin zu <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2018\/08\/16\/der-lange-schatten-des-syrienkriegs\/\">Sanktionsdrohungen<\/a>. Anleger wurden nicht nur zur\u00fcckhaltender mit ihren Geldanlagen in der T\u00fcrkei, es floss auch Kapital ab. &#8220;Erste <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/finanzkun.de\/artikel\/kapitalflucht-aus-der-tuerkei\/\">Anleger<\/a> zogen sich bereits direkt nach der Verh\u00e4ngung des Ausnahmezustands aus der T\u00fcrkei zur\u00fcck.&#8221;<\/p>\n<p>Hatten ausl\u00e4ndische <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/europa\/tuerkei\/301897\/auslaendische-direktinvestitionen-in-die-tuerkei\/\">Direktinvestitionen<\/a><em><\/em>2015 noch bei circa 20 Milliarden US-Dollar gelegen, so brachen sie im Folgejahr um etwa ein Drittel auf 14 Mrd. US-Dollar ein. Es floss also weniger Kapital in die T\u00fcrkei, was die Nachfrage nach der t\u00fcrkischen Lira sinken lie\u00df und damit auch ihren Preis gegen\u00fcber dem US-Dollar. Zus\u00e4tzlich stieg der Druck auf die Lira durch den Abzug von ausl\u00e4ndischem Kapital, da bei diesem Vorgang Lira in Dollar oder Euro getauscht werden. Dollar und Euro waren gefragt.<\/p>\n<p>Aufgrund des W\u00e4hrungsverfalls h\u00e4tten ausl\u00e4ndische Anleger Wertverluste hinnehmen m\u00fcssen, wenn in Lira ausgezahlte Dividenden und Zinsen in Dollar und Euro umgetauscht und ausgezahlt w\u00fcrden. Das beschleunigte die Flucht aus t\u00fcrkischen Anlagen, da zudem die t\u00fcrkische Notenbank der Forderung ausl\u00e4ndischer Anleger nicht nachkam, die Leitzinsen zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Trotzdem f\u00fchrten die Weigerung der Notenbank und der damit verbundene Abzug von Kapital nicht zu einer Schw\u00e4chung der t\u00fcrkischen Wirtschaft. Vielmehr h\u00e4tte die Erh\u00f6hung der Leitzinsen eine zus\u00e4tzliche Belastung f\u00fcr die t\u00fcrkische Wirtschaft bedeutet \u2013 wegen der h\u00f6heren Zinskosten f\u00fcr t\u00fcrkische Unternehmen. So stieg der <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.finanzen100.de\/index\/ise-national-100_H1688008260_8313320\/\">Index<\/a> der t\u00fcrkischen B\u00f6rse von etwa 750 Punkten im Jahr 2016 auf \u00fcber 5.000 zum Ende des Jahres 2022.<\/p>\n<p>Die Inflation ging zwar einher mit einer Verf\u00fcnffachung der <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.tradingeconomics.com\/turkey\/money-supply-m3\">Geldmengen<\/a><em><\/em>seit 2015, ging aber Ende 2022 wieder zur\u00fcck von 85 auf <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.tradingeconomics.com\/turkey\/inflation-cpi\">65 Prozent<\/a> \u2013 ganz entgegen der Geldmengen-Theorie,\u00a0denn die Geldmengen sanken nicht. Einer der wesentlichen Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Entwicklung d\u00fcrfte der starke Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und der T\u00fcrkei als Folge der westlichen Wirtschaftssanktionen gegen\u00fcber Russland sein.<\/p>\n<p><strong>Inflation in der EU<\/strong><\/p>\n<p>Wieder anders verh\u00e4lt es sich dagegen bei den heutigen Preissteigerungen im Westen. Diese sind nicht durch den Ukraine-Krieg verursacht, sondern eher durch die Sanktionen gegen\u00fcber Russland. Denn bisher hatte das fr\u00fchere ausgedehnte Sanktionsregime des Westens gegen\u00fcber vielen Staaten der Welt kaum erkennbare Auswirkungen auf die Preise in Europa gehabt. Der aktuelle Preisanstieg in der EU r\u00fchrt in erster Linie vom selbst auferlegten Verzicht auf russisches \u00d6l und Gas.\u00a0<\/p>\n<p>Energietr\u00e4ger verzeichnen nicht nur die st\u00e4rksten Preisanstiege, sie sind gleichzeitig auch von ihren Mengen eine so bedeutende Gr\u00f6\u00dfe, dass sie gesellschaftliches Gewicht haben. So w\u00fcrde ein starker Preisanstieg etwa f\u00fcr kubanische Zigarren aufgrund ihrer geringen Marktbedeutung nicht zu einem solchen Inflationsschub f\u00fchren wie der von Gas und \u00d6l. Denn diese sind die Grundstoffe und Energietr\u00e4ger der Industrie. Verteuern sich diese, strahlt das aus auf die Preise s\u00e4mtlicher Folgeprodukte.<\/p>\n<p>Der scharfe Preisanstieg f\u00fcr Energie hatte aber gar nicht erst mit dem Krieg und den westlichen Sanktionen begonnen, sondern bereits zuvor mit der Unterwerfung der westlichen Regierungen und der EU-Kommission unter die Forderungen der Klimabewegung. Dieser Bewegung haben die F\u00fchrungskr\u00e4fte der westlichen Gesellschaften politisch und argumentativ wenig entgegenzusetzen. Die Klimabewegung ist\u00a0schlie\u00dflich &#8220;Fleisch vom eigenen Fleische&#8221; der Werte-Missionare, nur dass sie die Werteorientierung ausweitet und noch radikaler fortsetzt als ihre Lehrmeister. Die westlichen Ideale sind mittlerweile zum Aush\u00e4ngeschild, aber auch Bindemittel der sogenannten &#8220;Wertegemeinschaft&#8221; geworden.<\/p>\n<p>Im Kampf f\u00fcr die westlichen Werte sind sich deren Erfinder wie auch deren Klima-J\u00fcnger mittlerweile ebenso einig wie in der Auflistung der Staaten, die sie zu gemeinsamen Feinden ernannt haben. Die Klimabewegung ist die Vertreterin dieser Werteorientierung in einem gesellschaftlichen Milieu, das mit der etablierten Politik bisher eher im Konflikt lag. Mit dem gemeinsamen Eintreten f\u00fcr das Klima und f\u00fcr die westlichen Werte sind\u00a0diese Kr\u00e4fte zusammenger\u00fcckt.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt aber auch dazu, dass die politischen F\u00fchrungskr\u00e4fte die inhaltliche Auseinandersetzung mit dieser Bewegung aufgegeben haben. Sie haben\u00a0die Sichtweisen der Klimaaktivisten weitgehend widerstandslos \u00fcbernommen, weil ihnen selbst das R\u00fcstzeug fehlt, sich kritisch mit deren Ansichten auseinanderzusetzen. Mittlerweile ist diese Verschmelzung so weit gegangen, dass man weitgehend das macht, was die politischen Vertreter der Klimabewegung fordern. Und diese Forderungen verursachen gewaltige Kosten wie die Bepreisung von Kohlendioxid-Emissionen.<\/p>\n<p>Diese Ma\u00dfnahme hatte bereits 2021 zu einem starken <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/verbraucher\/wie-entsteht-der-gaspreis-101.html\">Preisschub<\/a> bei den Energietr\u00e4gern<em><\/em>gef\u00fchrt. Zusammen mit der sogenannten Liberalisierung des Gasmarktes sind eben diese politischen Entscheidungen f\u00fcr den Anstieg der Inflationsrate verantwortlich \u2013 und zwar schon vor dem Ukrainekrieg und vor den Ausweitungen der Sanktionen gegen Russland. Aber diese j\u00fcngere Vorgeschichte ist unter dem Eindruck des derzeitigen Preisanstiegs \u00f6ffentlich bereits v\u00f6llig in Vergessenheit geraten.<\/p>\n<p>Die Inflation in der EU geht zur\u00fcck auf politische Entscheidungen wie die CO\u2082-Bepreisung, die Russland-Sanktionierungen und den Verzicht auf russische Energietr\u00e4ger, nicht auf wundersame Geldmengen. Besonders seit dem Ende des Kalten Krieges f\u00fchren Sanktionen und Z\u00f6lle zu Verwerfungen im Austauschverh\u00e4ltnis der W\u00e4hrungen. Die Politisierung besonders des US-Dollars verursacht die Preissteigerungen in den L\u00e4ndern, gegen die sich diese Ma\u00dfnahmen in der Regel durchaus gezielt richten.<\/p>\n<\/p>\n<p><em>R\u00fcdiger Rauls ist Buchautor und betreibt den Blog <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/\">Politische Analyse<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211;\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freeassange.rtde.life\/inland\/162317-sprudelnde-gewinne-konzerne-zocken-in\/\">Sprudelnde Gewinne, satte Subventionen: Gro\u00dfkonzerne zocken in der Krise ab<\/a>\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/wirtschaft\/162935-inflation-und-hochwasser\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrelang explodierten die Geldmengen, doch die Inflationsraten und Zinsen blieben niedrig. Nun steigen beide in bisher nicht bekanntem Ausma\u00df. Die Notenbanken reagieren mit der Anhebung der Zinss\u00e4tze. Das soll nach Meinung der b\u00fcrgerlichen Wirtschaftswissenschaft den Preisauftrieb d\u00e4mpfen. Die Inflationsursachen sind allerdings politische. 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