{"id":25753,"date":"2022-12-18T23:49:47","date_gmt":"2022-12-18T21:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/eine-noch-stille-tragoedie-die-kirchenverfolgung-in-der-ukraine\/"},"modified":"2022-12-18T23:49:47","modified_gmt":"2022-12-18T21:49:47","slug":"eine-noch-stille-tragoedie-die-kirchenverfolgung-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/eine-noch-stille-tragoedie-die-kirchenverfolgung-in-der-ukraine\/","title":{"rendered":"Eine noch stille Trag\u00f6die \u2013 die Kirchenverfolgung in der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639798f148fbef5970301efa.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Wie tief der Krieg und die Spaltung in der Ukraine greifen, l\u00e4sst sich anhand der dortigen Kirchenteilung, die 2019 losging und in diesem Jahr gewaltsam beschleunigt wurde, erkennen. Welche Vorw\u00e4nde werden benutzt und wer profitiert wirklich davon?\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Elem Chintsky<\/em><\/p>\n<p>Eine Mutter schreitet vor dem eisig verschneiten Eingang einer Ukrainisch-orthodoxen Kirche (noch vor wenigen Monaten Moskauer Patriarchats), bevor sie vor dem Entsandten der 2018\/19 gegr\u00fcndeten, prowestlichen &#8220;Orthodoxen Kirche der Ukraine&#8221; auf die Knie f\u00e4llt. Sie fleht ihn und seine Gefolgschaft an, dass sie ihren bei Bachmut\/Artjomowsk gefallenen Sohn \u2013 der auf der Seite der ukrainischen Streitkr\u00e4fte gegen Russland k\u00e4mpfte \u2013 vollwertig und gem\u00e4\u00df der Kirchentradition nach verabschieden kann:<\/p>\n<p>&#8220;Wenn Sie an Gott glauben, flehe ich Sie auf Knien an, die Kirche in Ruhe zu lassen, damit mein toter Sohn zu Ende besungen werden kann!&#8221;<\/p>\n<p>Denn die M\u00e4nner sind gekommen, um diese Kirchengemeinde zu schlie\u00dfen und ihr ganzes Hab und Gut, wie mittlerweile oft zuvor, aufzul\u00f6sen und zu beschlagnahmen. Diese tragische Szene ist in einem k\u00fcrzlich auf <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/t.me\/rusvesnasu\/23797\">Telegram geteilten Video<\/a> zu sehen. Viele dieser F\u00e4lle verbleiben bisher undokumentiert.<\/p>\n<p>Die Vorw\u00e4nde lauten so: &#8220;Kollaboration mit dem Kreml&#8221; und &#8220;Verbreitung von prorussischer Propaganda&#8221; innerhalb der in der Ukraine ans\u00e4ssigen Gemeinden.<\/p>\n<p>Die dem Kiewer Regime unterstellte Kirchenneusch\u00f6pfung &#8220;Orthodoxe Kirche der Ukraine&#8221; ist eine Fusion aus der &#8220;Ukrainisch-orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchats&#8221; und der viel kleineren &#8220;Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche&#8221; \u2013 sie umfasst heute ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der ukrainischen Bev\u00f6lkerung. Diese Organisation ist der direkte, religi\u00f6s-ideologische Gegenspieler der immer noch russlandnahen Ukrainisch-orthodoxen Kirche. Mittlerweile ist klar, dass der ukrainische Staat angefangen hat, von seinen B\u00fcrgern zu verlangen, sich umtaufen zu lassen, sofern sie zuvor eine Taufe der verfeindeten Ukrainisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats vorzuweisen hatten. Das Gemeindeleben und die Teilnahme an christlicher Gemeinschaft sollen sichtlich und steigend erschwert werden, wenn man in der Ukraine zur falschen Kirche geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Zwar ist das dazugeh\u00f6rige Gesetz, das diese diskriminierende und autorit\u00e4re Vorgehensweise erst legitimieren soll, noch nicht in Kraft, aber der Prozess an sich l\u00e4uft per Gewohnheitsrecht bereits auf Hochtouren. Selenskij hat seine Verbotsabsichten am 2. Dezember verk\u00fcndet \u2013 verdeckt unter der Notwendigkeit, &#8220;die ukrainische Seele vor der Schaffung fremder Imperien im Innern&#8221; zu sch\u00fctzen. Au\u00dferdem rechtfertigt man sich zus\u00e4tzlich mit der Behauptung, dass die ohnehin mehrheitlich der Russisch-orthodoxen Kirche nahen Gemeinden der beiden Donbass-Republiken in den Jahren zuvor prowestliche Kirchen diskriminierten. Nur ist das Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnis ein vollkommen anderes dort und die grunds\u00e4tzlich prorussische, jetzt russische Bev\u00f6lkerung in der enormen Mehrheit.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Der westliche Medienkomplex <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/russia-ukraine-religion-moscow-government-1a28b354f992f6d4d7f710c691e9792e\">bem\u00fcht sich<\/a>, dem ukrainischen Pr\u00e4sidenten einen Heiligenschein \u00fcber dem Kopf zu halten, ihn als weisen Entscheider zu stilisieren und sein Vorhaben zu rationalisieren, w\u00e4hrend Selenskijs Geheimdienste bereits mit der Verfolgung, Enteignung und Unterdr\u00fcckung der Ukrainisch-orthodoxen Kirche begonnen haben.<\/p>\n<p>Wie man aber die Tatsache, dass Selenskijs Regime nun das Sakrament der Taufe in der Ukrainisch-orthodoxen Kirche (ehemals Moskauer Patriarchats) f\u00fcr null und nichtig erkl\u00e4rt hat, reinw\u00e4scht, verbleibt ein R\u00e4tsel. Realisiert er sein Gesetzesprojekt, tritt er erneut die eigene Staatsverfassung mit F\u00fc\u00dfen. Die Umfragen \u00fcber die Kirchenzugeh\u00f6rigkeit der Ukrainer sind h\u00f6chstwahrscheinlich aufgrund politischer Motive ungenau und variieren stark, <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.kiis.com.ua\/?lang=ukr&amp;cat=reports&amp;id=638&amp;page=1\">besagten<\/a> aber noch 2016, dass zwischen 13,3\u00a0Prozent und 39,4\u00a0Prozent der B\u00fcrger sich als Mitglieder der Ukrainisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats sahen. Dies sei grob gesehen der Anteil der Bev\u00f6lkerung, den Selenskij und seine Truppe bereits begonnen haben zu diskriminieren.<\/p>\n<p>Nur wenn man diesen drakonischen Prozess all seiner historischen und kulturellen Signifikanz befreit, de-kontextualisiert und nur fl\u00fcchtig betrachtet, k\u00f6nnten Kiews Untaten mit &#8220;notwendiger Strenge&#8221; verwechselt werden.<\/p>\n<p>Was oft der Russischen F\u00f6deration und der Russisch-orthodoxen Kirche vorgeworfen wird \u2013 n\u00e4mlich, dass Kirche und Staat nicht gr\u00fcndlich genug voneinander getrennt sind \u2013, erreicht in der Ukraine und der neuen NATO- und Bandera-h\u00f6rigen Staatskirche namens &#8220;Orthodoxe Kirche der Ukraine&#8221; ihr gesteigertes, absurdes Vielfaches.<\/p>\n<p>Anscheinend\u00a0reichte es nicht aus, dass die jahrhundertealte Ukrainisch-orthodoxe Kirche sich im Mai 2022, drei Monate nach dem Beginn der milit\u00e4rischen Sonderoperation Russlands in der Ukraine, vom Moskauer Patriarchat, unter dem sie sich zuvor noch befand, lossagte. Nun ist <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/spzh.news\/ru\/news\/70039-mitropolita-ioasafa-otpravili-pod-domashnij-arest\">relevanten Medien zufolge<\/a>, aber auch laut der ukrainischen <em>Prawda<\/em> vor wenigen Tagen ein Geistlicher der Ukrainisch-orthodoxen Kirche, <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/ru.wikipedia.org\/wiki\/%D0%98%D0%BE%D0%B0%D1%81%D0%B0%D1%84_(%D0%93%D1%83%D0%B1%D0%B5%D0%BD%D1%8C)\">Joasaph<\/a>, Metropolit von Wassilkow, Vikar der Kiewer Eparchie \u2013 mit b\u00fcrgerlichem Namen Pjotr Iwanowitsch Huben \u2013, auf Verdacht der &#8220;Anstiftung zur Feindseligkeit&#8221; von den ukrainischen Beh\u00f6rden unter n\u00e4chtlichen Hausarrest gestellt worden. Die durch den ukrainischen Geheimdienst ver\u00e4u\u00dferten Anschuldigungen gegen ihn wurden erstmals am Tag von Selenskijs ber\u00fcchtigter Ank\u00fcndigung \u00fcber das Verbot der Kirche am 2. Dezember <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/eadaily.com\/ru\/news\/2022\/12\/02\/ekspert-rukovodstvo-upc-mp-uhodit-kak-predateli-rossii-i-pravoslaviya\">bekannt<\/a>. Au\u00dferdem hat der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine auf Selenskijs Befehl hin weitere sieben hohe Geistliche derselben Kirche individuell sanktioniert.<\/p>\n<p>Kiew und seine Treuh\u00e4nder gieren nach mehr und entschieden sich f\u00fcr weitere S\u00e4uberungen und eine perspektivistisch g\u00e4nzliche Aufl\u00f6sung der ihrer Sichtweise nach aufm\u00fcpfigen und reformresistenten Kirche. Wie bereits erw\u00e4hnt, steht sie unter Generalverdacht, in gro\u00dfen Teilen Moskau treu zu verbleiben. Der Verdacht liegt sicherlich nahe, spricht aber eindeutig B\u00e4nde \u00fcber die leicht zu verifizierende These, dass die heutige Ukraine ein k\u00fcnstliches Staatskonstrukt ist, das zwei Zivilisationen gewaltsam und k\u00fcnstlich an der H\u00fcfte und am Sch\u00e4del hat zusammenwachsen lassen.\u00a0<\/p>\n<p>Nun sollen sich dem Willen des ehemaligen Komikers Selenskij nach enorme Bev\u00f6lkerungsteile der Ukraine erneut taufen lassen. In der Heiligen Schrift, im Paulusbrief an die Epheser, Kapitel 4, Vers 5 steht es klar: &#8220;Ein HERR, ein Glaube, eine Taufe.&#8221; Im Gegensatz zum s\u00e4kularisierten und verweltlichten Westen, dessen Urteilsf\u00e4higkeit nicht nur in dieser Sph\u00e4re vollkommen beliebig wurde, spielt Kirchenzugeh\u00f6rigkeit in Osteuropa eine essenzielle Rolle \u2013 gegenw\u00e4rtig die dramatischste auf Erden. Dem faschistischen Kiewer Regime, und den geduldigen Schattengestalten hinter ihm, geht es um Macht. Die Verfolgung und Zerm\u00fcrbung der moskaunahen Ukrainisch-orthodoxen Kirche\u00a0sind als eine breit angelegte Firmen\u00fcbernahme zu verstehen. Ein &#8220;Schisma im Schisma&#8221;, sozusagen. Im Jahr 1054 hat sich die lateinisch angetriebene, r\u00f6misch-katholische Kirche mit den \u00f6stlichen orthodoxen Kirchen zerstritten. Der Pontifex Maximus (einer der bescheidenen Titel des Papstes) wurde von den byzantinisch-orthodoxen Gemeinden im Osten als h\u00f6chstes Kirchenoberhaupt abgelehnt. Viele weitere kleinere Schismen<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schisma#\/media\/Datei:Major_denominational_groups_and_heresies_within_Christianity.svg\"> folgten<\/a>.<\/p>\n<p>Das heutige Schisma ist darauf angesetzt, die NATO-Osterweiterung nicht nur auf staatsvertraglicher Ebene zu begleiten, sondern stellt eine &#8220;Erweiterung des Einflusses der r\u00f6misch-katholischen Kirche&#8221; nach Osten hin dar. Und dieses &#8220;<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Great_Game\">Gro\u00dfe Spiel&#8221;<\/a>\u00a0entpuppt sich pl\u00f6tzlich nicht als eine 100 bis 150 Jahre alte geopolitische Strategie Gro\u00dfbritanniens gegen die russische Welt. Sondern es handelt sich um eine mindestens 500 Jahre alte geopolitisch-religi\u00f6se Strategie der r\u00f6misch-katholischen Kirche gegen die byzantinische Tradition der \u00f6stlichen, orthodoxen Kirchen \u2013 von denen die russische heute als Hauptantagonist gesehen wird. W\u00e4hrend der atheistischen \u00c4ra der Sowjetunion war diese genaue Aufstellung der Konfliktparteien pl\u00f6tzlich pausiert und etwas verschleiert, da Moskaus Skepsis und Feindschaft zur r\u00f6misch-katholischen Kirche zwar bestehen blieb, aber gleichzeitig die eigene Russisch-orthodoxe Kirche dabei in den Untergrund gedr\u00e4ngt, unterdr\u00fcckt und verfolgt wurde.<\/p>\n<p>Diese bipolare &#8220;Dynamik des Kalten Krieges&#8221; gab dem Vatikan von 1917\/45 bis 1989 eine Gelegenheit, sich als eine scheinheilige, &#8220;moralische Kraft&#8221; der anti-sozialistischen Oppositionellen innerhalb der westlichen Peripherien des Warschauer Vertrages (1955\u20131991) darzustellen. Hier besonders in dem traditionell-katholischen Polen, das zu der Zeit (ab 1944) als Volksrepublik Polen, nach der sowjetischen Befreiung von Nazideutschland, weiter bestand. Diese \u00f6ffentlichkeitswirksame Zurschaustellung eines &#8220;christlichen Kollektivgewissens&#8221; im Kampf gegen den Kommunismus war ein vom Vatikan klug ausgearbeiteter Schein, der bis heute blendend strahlt. Der Bischof von Rom als manchmal Krokodilstr\u00e4nen vergie\u00dfendes Unschuldslamm, das lediglich Frieden und Freude f\u00fcr alle Erdenteilnehmer ersucht. Eine aufrichtige Ermittlung der Kirchengeschichte zeigt eine andere Art der d\u00fcsteren Erfolgsbilanz des Vatikans.<\/p>\n<p>Das Konzept der &#8220;Spielwiese Gottes&#8221;, wie es der britische Historiker Norman Davies in seinem gleichnamigen Buch (1981) \u00fcber die Geschichte Polens beschrieben hat, ist heute und in den letzten Jahren tats\u00e4chlich viel eher auf die gegenw\u00e4rtige Ukraine anwendbar. Polens Schicksal als ewiger, h\u00f6riger Satellit Washingtons und des Vatikans scheint besiegelt. Der Kampf um die Weltanschauung der beiden gr\u00f6\u00dften Gruppen innerhalb der Ukraine hingegen wird auf der religi\u00f6sen, kirchlichen Ebene noch rege ausgefochten. Es ist ein entscheidendes Mittel in der gesamten Schlacht um die Gunst der sich dort tragischerweise bekriegenden Slawen. Die, die nach Kriegsende am Leben verbleiben, werden schauen m\u00fcssen, wo sich die neue Grenze in Osteuropa formiert hat, auf welcher Seite dieser sie sich wiederfinden und welchem Paradigma sie wohl oder \u00fcbel von nun an angeh\u00f6ren werden.<\/p>\n<p><strong>Noch etwas mehr Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>Diese in Betrieb genommene &#8220;Zwangskonversion&#8221; Selenskjis und seiner internationalen Partner ist keine Erfindung der Moderne, sondern hat ihre reiche Geschichte an Pr\u00e4zedenzf\u00e4llen im slawischen Mittel- und Sp\u00e4tmittelalter sowie in jedem Jahrhundert, das seitdem folgte.<\/p>\n<p>Die r\u00f6misch-katholische Mutterkirche in Rom war seit jeher \u00e4u\u00dferst interessiert an den Geschicken Osteuropas. Polen galt als der wichtigste kulturelle und milit\u00e4rische Rammbock bei der katholischen Erschlie\u00dfung dieser Gebiete. Alle historischen Prozesse zu beschreiben, w\u00fcrde den Umfang hier sprengen, aber ein machtpolitisches Schl\u00fcsselereignis f\u00fcr den Vatikan zu Zeiten der <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Polnisch-Litauische_Union\">Polnisch-Litauischen Union<\/a> war sicherlich die sogenannte &#8220;<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Union_von_Brest\">Kirchenunion von Brest&#8221;<\/a>\u00a0(1596), nach der fast nur die beiden St\u00e4dte Przemy\u015bl und Lw\u00f3w (heute jeweils in Ostpolen und der Westukraine lokalisiert) damals noch halbwegs orthodox verblieben sind. Viele der anderen \u00f6stlichen Gebiete der Polnisch-Litauischen Union (heutiges Wei\u00dfrussland, die Ukraine), die jahrhundertelang orthodox waren und die von Rom und Warschau recht lang &#8220;geduldet&#8221; wurden, mussten jetzt doch einer neuen, hybriden, &#8220;unierten Kirche&#8221;, die dem Papst unterstand, beitreten. Damals bezeichnete man sie als &#8220;unierte griechisch-katholische Kirche&#8221;, wohingegen sie heute als &#8220;Ukrainische griechisch-katholische Kirche&#8221; weiterbesteht und circa\u00a0sechs Prozent der ukrainischen Bev\u00f6lkerung beherbergt \u2013 die allermeisten in der Westukraine.\u00a0<\/p>\n<p>Diese &#8220;Union&#8221; des 16. Jahrhunderts, die auch vom exekutiven Geheimdienst-Arm des Vatikans \u2013 den Jesuiten \u2013 organisiert wurde, kam, nachdem diese Gebiete schon seit zweieinhalb Jahrhunderten sowieso von der Kiewer Rus entnommen worden sind. Erst in der zweiten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts wurden Kiew und sein umliegendes Gebiet vom Russischen Reich zur\u00fcckerobert, wonach die freie Praktizierung ihres Glaubens, ohne p\u00e4pstliche Unterordnung, nach dreihundert Jahren erneut m\u00f6glich wurde.\u00a0<\/p>\n<p>Um dem jahrhundertelangen, blutigen Hin und Her gegen\u00fcber Faktentreue zu halten, sei auch erw\u00e4hnt, dass die Sowjets zum Ende des Zweiten Weltkrieges Gemeinden der r\u00f6misch-katholisch unterstellten &#8220;Unionskirchen&#8221; in Galizien entweder (im besten Fall) zur\u00fcck in den Einfluss der Russisch-orthodoxen Kirche \u00fcbergaben oder aber (im schlimmsten Fall) auch deren Mitglieder im Rahmen der generellen anti-religi\u00f6sen S\u00e4uberungen ermordeten.\u00a0<\/p>\n<p>Die damalige &#8220;Union von Brest&#8221; stellte eine strategisch klug und in gro\u00dfen Teilen gewaltsam durchgef\u00fchrte Spaltung der orthodoxen Kirchen auf polnisch-litauischem Gebiet dar. Nun, fast ein halbes Jahrtausend sp\u00e4ter, ist eine neue Spaltung dieser orthodoxen Kirchen in der heutigen Ukraine, mit m\u00f6glicherweise noch schlimmeren Folgen, im vollen Gange.<\/p>\n<p>Dass der Vatikan in dieser Art des &#8220;Kirchenkampfes&#8221; erprobt und ein gef\u00e4hrlicher, machiavellistischer Widersacher ist, zeigte auch der Zweite Weltkrieg, in dem r\u00f6misch-katholische Akteure den kroatischen Faschismus auf dem Balkan f\u00f6rderten, der wiederum zu regelrechten Massenmorden der serbisch-orthodoxen Bev\u00f6lkerung, aber besonders seines Klerus f\u00fchrte. Die Lekt\u00fcre des Gelehrten und Historikers Avro Manhattan, &#8220;Terror over Yugoslavia&#8221;, ist an dieser Stelle empfohlen.\u00a0<\/p>\n<p>Die zweite gro\u00dfe &#8220;anthropologische Runde&#8221; dieser westlich-katholischen Zerm\u00fcrbungsstrategie war der 50 Jahre sp\u00e4ter ausgebrochene Jugoslawienkrieg. Dieser wurde ebenfalls per exzellent orchestriertem Medienspektakel innerhalb der NATO-Staaten als &#8220;notwendiger&#8221; Krieg gegen die &#8220;serbischen Unmenschen&#8221; vermarktet. Der Krieg galt nicht nur der &#8220;Balkanisierung&#8221; der Region, angelegt f\u00fcr den schrittweisen Beitritt aller nun in Tr\u00fcmmern liegenden, einzelnen Quasi-Staatssubjekte in die EU und deren Einf\u00fcgung in die &#8220;westliche Wertegemeinschaft&#8221;. Er war auch der weiteren Zersetzung des Einflusses der orthodoxen Kirche in der Region gewidmet, die indessen im heutigen Serbien ihre letzte, wackelige Bastion innehat. Zur Rolle der r\u00f6misch-katholischen Kirche bei der US-gef\u00fchrten Zerschlagung der Volksrepublik Jugoslawien sei wiederum die Lekt\u00fcre von Michael Parentis &#8220;To Kill a Nation: The Attack on Yugoslavia&#8221; empfohlen.<\/p>\n<p>In dieser Hinsicht muss aber der Polnisch-orthodoxen Kirche ideologische Widerstandsf\u00e4higkeit attestiert werden, da sie, zusammen mit der Russisch-orthodoxen Kirche und der Serbisch-orthodoxen Kirche, die Ablehnung der 2018 eingeleiteten Neuschaffung der &#8220;Orthodoxen Kirche der Ukraine&#8221; aussprach. Anfangs war diese westlich-genehme, Selenskij-treue Kirchenorganisation unter dem \u00d6kumenischen Patriarchat von Konstantinopel (Istanbul), bevor dieser sie wenig sp\u00e4ter, Anfang 2019, als eigenst\u00e4ndig loslie\u00df.\u00a0<\/p>\n<p>Wichtig f\u00fcr katholische Leser ist hier die allgemeine Anmerkung, dass bei der obigen Abhandlung die r\u00f6misch-katholische Kirche als machtpolitische Institution kritisiert wird, nicht aber ihre 1,34 Milliarden Subjekte, die in den meisten F\u00e4llen in diese religi\u00f6se Organisation hineingeboren werden.<\/p>\n<p>Der christliche Glaube wird im Ukraine-Krieg instrumentalisiert zugunsten eines g\u00e4nzlich gottlosen Portfolios an Weltanschauungen, die der (noch) \u00fcber jeden Zweifel erhabene, progressive, liberal-demokratische Westen \u2013 per kolonialistischen Methoden der NATO und EU \u2013 durchsetzt. So versucht dieses eigentlich schon entkleidete trojanische Pferd, schnaubend weiter in Gebiete vorzudr\u00e4ngen, die es sich bisher weder endg\u00fcltig erschlie\u00dfen konnte, noch jegliches historisches Recht h\u00e4tte zu beanspruchen.\u00a0<\/p>\n<p><em>Elem Chintsky ist ein deutsch-polnischer Journalist, der zu geopolitischen, historischen, finanziellen und kulturellen Themen schreibt. Die fruchtbare Zusammenarbeit mit RT DE besteht seit 2017.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Seit Anfang 2020 lebt und arbeitet der freischaffende Autor im russischen Sankt Petersburg. Der urspr\u00fcnglich als Filmregisseur und Drehbuchautor ausgebildete Chintsky betreibt au\u00dferdem einen eigenen <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/t.me\/elemread\">Kanal auf Telegram<\/a>, wo man noch mehr von ihm lesen kann.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema \u2013<\/strong>\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/kurzclips\/video\/155257-orthodoxe-kirche-im-visier-ukrainischen\/\">Orthodoxe Kirche im Visier des ukrainischen Geheimdienstes: Razzia im Kloster<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-odysee\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/odysee.com\/%24\/embed\/%40RTDE%3Ae%2FOrthodoxe-Kirche-im-Visier-des-ukrainischen-Geheimdienstes-Razzia-im-Kloster%3Af\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/157042-noch-stille-tragoedie-kirchenverfolgung-in\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie tief der Krieg und die Spaltung in der Ukraine greifen, l\u00e4sst sich anhand der dortigen Kirchenteilung, die 2019 losging und in diesem Jahr gewaltsam beschleunigt wurde, erkennen. 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