{"id":25657,"date":"2022-12-17T19:15:18","date_gmt":"2022-12-17T17:15:18","guid":{"rendered":"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/wie-die-ukraine-ihr-kulturelles-und-historisches-erbe-zerstoert\/"},"modified":"2022-12-17T19:15:18","modified_gmt":"2022-12-17T17:15:18","slug":"wie-die-ukraine-ihr-kulturelles-und-historisches-erbe-zerstoert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/wie-die-ukraine-ihr-kulturelles-und-historisches-erbe-zerstoert\/","title":{"rendered":"Wie die Ukraine ihr kulturelles und historisches Erbe zerst\u00f6rt"},"content":{"rendered":"<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Mit dem Abriss russischer und sowjetischer Denkm\u00e4ler entledigt sich die Ukraine ihrer Vergangenheit und entwickelt sich zu einem kulturell weit weniger vielf\u00e4ltigen Land. Inzwischen bietet der Nationalismus alle notwendigen Werkzeuge zum Aufbau einer koh\u00e4renten soziopolitischen Gemeinschaft. So wird die &#8220;De-Russifizierung&#8221; voranschreiten.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Alexander Nepogodin<\/em><\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren ist die Ukraine zum Schlachtfeld in einem Kampf um Denkm\u00e4ler geworden, der zwischen verschiedenen politischen Kr\u00e4ften ausgetragen wird. Im Jahr 2014 erreichte dieser Prozess mit der reihenweisen Zerst\u00f6rung von Statuen von Wladimir Lenin \u2013 und zahlreichen weiteren historischen sowjetischen Pers\u00f6nlichkeiten \u2013 einen H\u00f6hepunkt. Diese Ereignisse haben die Symbolik und Politik des historischen Ged\u00e4chtnisses des Landes grundlegend ver\u00e4ndert und den Weg zu einer Realit\u00e4t geebnet, in der jede \u00f6ffentliche Rede nun von den Worten &#8220;Ehre der Ukraine! Ehre den Helden!&#8221; begleitet wird. Dies war der Schlachtruf von Stepan Banderas nationalistischer Bewegung im Zweiten Weltkrieg, die mit Adolf Hitlers Nazis kollaborierte und sich am Holocaust beteiligte.<\/p>\n<p>Obwohl es zun\u00e4chst die Leute um den ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Selenskij waren, die versuchten, die historische Erinnerungspolitik neu zu definieren, gewann der radikale nationalistische Fl\u00fcgel in diesem symbolischen Kampf schnell die Oberhand. Nach dem Beginn der russischen Milit\u00e4roperation wurde aus der sogenannten &#8220;Politik der De-Kommunisierung&#8221; umgehend eine &#8220;Politik der De-Russifizierung&#8221; \u2013 obwohl mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung offiziell als russischsprachig gilt.<\/p>\n<p><strong>Krieg dem Gedenken<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem russische Truppen im Februar in die Ukraine einmarschiert waren, projizierten viele Einheimische ihren Hass auf Moskau auf Objekte des kulturellen und historischen Erbes, die in irgendeiner Weise mit dem Russischen Reich oder der Sowjetunion in Verbindung standen. In der Zwischenzeit begannen ukrainische Politiker, diese Stimmung aktiv zu sch\u00fcren, und nutzten sie als willkommene Gelegenheit, um ihre pers\u00f6nlichen Zustimmungswerte zu verbessern.<\/p>\n<p>In den vergangenen Monaten ist die Zahl der Initiativen zur kulturellen und historischen &#8220;De-Russifizierung&#8221; der Ukraine explodiert. Beispiele daf\u00fcr gibt es zuhauf. Der Kiewer Stadtrat hat k\u00fcrzlich\u00a0elf Stra\u00dfen umbenannt, die einen Bezug zu Russland hatten, unter anderem die Lomonossow-, Magnitogorsk- und Belomorskaja-Stra\u00dfe. <em>(Anm. d. Red: Lomonossow war ein russischer Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts, Magnitogorsk ist eine Stadt im russischen Ural und Belomorskaja bezieht sich auf das Wei\u00dfe\u00a0Meer im Norden Russlands.)<\/em>\u00a0<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurde die russische Sprache vollst\u00e4ndig aus den Lehrpl\u00e4nen der Schulen der Hauptstadt verbannt. Die Entscheidung wurde von 64 der 120 Abgeordneten unterst\u00fctzt. Wadim Wasiltschuk, Vorsitzender des Ausschusses f\u00fcr Bildung, Wissenschaft, Familie, Jugend und Sport, begr\u00fcndete es damit, dass das Unterrichten von Russisch in der aktuellen Situation &#8220;unangemessen&#8221; sei. Tats\u00e4chlich haben Kiews Bildungseinrichtungen zu Beginn des akademischen Jahres im vergangenen September aufgeh\u00f6rt, die russische Sprache in irgendeiner Form \u2013 auch als Freif\u00e4cher \u2013 zu unterrichten.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit erlebten andere ukrainische St\u00e4dte eine Welle der &#8220;De-Puschkinisierung&#8221;. Im November wurden Denkm\u00e4ler des gro\u00dfen russischen Dichters in Charkow und Schitomir vom Sockel gest\u00fcrzt, w\u00e4hrend sein Denkmal in Odessa mit der Aufschrift &#8220;Raus!&#8221; beschmiert wurde. Nur ein paar Wochen fr\u00fcher wurde in Kiew bereits eines der \u00e4ltesten Denkm\u00e4ler des Dichters dem Erdboden gleichgemacht.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dad51b480cc2573664dcf.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dad51b480cc2573664dcf.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dad51b480cc2573664dcf.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dad51b480cc2573664dcf.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dad51b480cc2573664dcf.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dad51b480cc2573664dcf.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Denkmal f\u00fcr den russischen Dichter Alexander Puschkin in der Puschkin-Stra\u00dfe in Odessa, das mit dem Wort &#8220;Raus!&#8221; beschmiert wurde.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Alexander Gimanow \/ AFP<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch die Zerst\u00f6rung von Denkm\u00e4lern russischer und sowjetischer Staatsm\u00e4nner wird fortgesetzt. Der Expertenrat des ukrainischen Kulturministeriums zur &#8220;\u00dcberwindung der Folgen von Russifizierung und des Totalitarismus&#8221; beschloss, Denkm\u00e4ler f\u00fcr den sowjetischen Milit\u00e4rkommandeur Nikolai Watutin und den legend\u00e4ren Kommandanten des Russischen B\u00fcrgerkriegs, Nikolai Schtschors, abzurei\u00dfen.<\/p>\n<p>Ein Denkmal f\u00fcr sowjetische Soldaten, das am 8. Mai 1970 zum 25. Jahrestag des Sieges \u00fcber Hitlerdeutschland im Zweiten Weltkrieg errichtet worden war, wurde im vergangenen November in Uschgorod abgerissen. Die Entscheidung datiert vom 13. Oktober. Kiew schlug vor, an seiner Stelle stattdessen ein Denkmal f\u00fcr die Soldaten der 128. Gebirgssturmbrigade der Streitkr\u00e4fte der Ukraine zu errichten \u2013 einer Milit\u00e4reinheit, die sich aktiv am 2014 von Kiew entfesselten Krieg gegen den Donbass beteiligte.<\/p>\n<p><strong>Die Geschichte eines ganz bestimmten Denkmals<\/strong><\/p>\n<p>Der vielleicht dramatischste Fall im Zuge dieser &#8220;De-Russifizierung&#8221; ereignete sich in der Hafenstadt Odessa. Die Geschichte dieser Stadt reicht bis ins Ende des 18. Jahrhunderts zur\u00fcck, als das Russische Reich die n\u00f6rdlichen Ufer des Schwarzen Meeres kolonisierte. Im vergangenen November k\u00fcndigte der B\u00fcrgermeister von Odessa, Gennadi Truchanow, den bevorstehenden Abriss eines der historischsten Wahrzeichen der Stadt an \u2013 des Denkmals f\u00fcr Katharina die Gro\u00dfe und ihre Weggef\u00e4hrten, dank denen die Stadt gegr\u00fcndet und Ende des 19. Jahrhunderts zur s\u00fcdlichen Hauptstadt des Russischen Reiches wurde.<\/p>\n<p>Noch vor wenigen Monaten hatte sich derselbe B\u00fcrgermeister gegen dieses Vorhaben ausgesprochen. &#8220;Ich bin nicht daf\u00fcr, Denkm\u00e4ler abzurei\u00dfen. Wir k\u00f6nnen sie zwar entfernen, aber die Geschichte wird sich dadurch nicht \u00e4ndern. Ich wei\u00df, dass eine Petition von 25.000 B\u00fcrgern unterzeichnet wurde, aber ich werde abwarten. Soll ich anschlie\u00dfend auch die Denkm\u00e4ler f\u00fcr Alexander Puschkin oder Juri Gagarin entfernen? Das ergibt keinen Sinn&#8221;, schrieb Truchanow. Aktivisten richteten jedoch bald eine Petition an Selenskij, der daraufhin die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in Odessa anwies, die Aktivit\u00e4ten des B\u00fcrgermeisters zu untersuchen.<\/p>\n<p>Das ukrainische Kulturministerium in Kiew unterst\u00fctzt die Idee, das Denkmal f\u00fcr Katharina die Gro\u00dfe abzubauen. Doch laut dem Leiter des Ministeriums, Alexander Tkatschenko, sollte diese Entscheidung von lokalen Abgeordneten getroffen werden. &#8220;Meine Meinung ist klar: Es braucht dieses Denkmal nicht. Die Entscheidung sollte jedoch von den Abgeordneten von Odessa mit einem entsprechenden Appell an das Ministerium getroffen werden. Wenn ein solcher Appell eintrifft, werden wir sicherlich unsere Zustimmung geben&#8221;, sagte der Minister. Schlie\u00dflich beschloss der Stadtrat von Odessa, nach zahlreichen Farbanschl\u00e4gen auf das Denkmal eine Online-Umfrage unter den B\u00fcrgern der Stadt durchzuf\u00fchren, um \u00fcber das Schicksal des Monuments zu entscheiden.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dada648fbef2ebe43331c.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dada648fbef2ebe43331c.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dada648fbef2ebe43331c.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dada648fbef2ebe43331c.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dada648fbef2ebe43331c.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dada648fbef2ebe43331c.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Das Denkmal von Katharina der Gro\u00dfen in der Stadt Odessa.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Celestino Arce \/ NurPhoto \u00fcber Getty Images<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>B\u00fcrgermeister Truchanow beeilte sich, seine bisherige Haltung umgehend anzupassen, und verk\u00fcndete, er werde daf\u00fcr votieren, das Denkmal in einen &#8220;Park der kaiserlichen und sowjetischen Vergangenheit&#8221; zu verlegen, dessen Errichtung er vorschlug, w\u00e4hrend der stellvertretende B\u00fcrgermeister von Odessa, Oleg Bryndak, anbot, einen Brunnen auf dem Platz zu installieren, an dem das Denkmal f\u00fcr Katharina die Gro\u00dfe jetzt noch steht.<\/p>\n<p>Die Online-Abstimmung wurde innerhalb k\u00fcrzester Zeit durchgef\u00fchrt. Von den etwa eine Million Einwohnern von Odessa stimmten 2.900 Einwohner f\u00fcr den Abriss und 2.251 dagegen. Der Rest \u2013 also \u00fcber 990.000 Menschen \u2013 enthielt sich der Stimme. Trotzdem wurde die Abstimmung als legitim anerkannt. Der Stadtrat muss jetzt nur noch eine endg\u00fcltige Entscheidung treffen, aber das Ergebnis ist nicht schwer vorherzusagen. Laut einer Ank\u00fcndigung, die an der h\u00f6lzernen Schutzummantelung angebracht ist, die das Denkmal aus Bronze mittlerweile verh\u00fcllt, laufen bereits die Vorbereitungen f\u00fcr den Abbau und Abtransport in ein Zwischenlager.<\/p>\n<p><strong>Geschichte wiederholt sich<\/strong><\/p>\n<p>Ironischerweise veranschaulicht der Katharinenplatz im Zentrum von Odessa in kritischen Zeiten perfekt die Ver\u00e4nderungen der Politik gegen\u00fcber dem historischen Erbe der Ukraine. Als der Platz urspr\u00fcnglich angelegt wurde, stand in seiner Mitte ein \u00f6ffentlicher Lustgarten. 1873 nahm die zentrale Wasserversorgung der Stadt ihren Betrieb auf, und die Beh\u00f6rden installierten dort einen Brunnen. 1891 beschloss die Duma der Stadt, ein Denkmal zu Ehren des 100. Jahrestages der Stadtgr\u00fcndung zu errichten. Im Vorfeld des Jubil\u00e4ums wurde daf\u00fcr ein Wettbewerb ausgelobt, mit dem der beste Entwurf ermittelt werden sollte. Schlie\u00dflich wurde im August 1894 offiziell mit dem Bau des heutigen Denkmals begonnen. Die Einweihung fand am 6. Mai 1900 statt und fiel zeitlich mit dem 100. Todestag eines der Stadtv\u00e4ter, des Milit\u00e4rkommandanten Alexander Suworow, zusammen. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde der Katharinenplatz auf einem Architekturkongress, mit seinem Denkmal f\u00fcr die Stadtgr\u00fcnder, als bester integraler Architekturkomplex Europas ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Das Denkmal wurde zweimal eingeweiht \u2013 das erste Mal am 6. Mai 1900 und dann erneut am 27. Oktober 2007. W\u00e4hrend der Russischen Revolution und des anschlie\u00dfenden B\u00fcrgerkriegs, als in der Stadt die st\u00e4ndig die Herrschaft wechselte, verh\u00fcllten die Beh\u00f6rden das Denkmal und beabsichtigten, es abzubauen. Der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Autor Iwan Bunin, der 1919 Odessa besuchte, vermerkte in &#8220;Die verfluchten Tage&#8221; \u2013 seine Tagebucheintr\u00e4ge, die er w\u00e4hrend der Revolution schrieb \u2013, dass er &#8220;den Katharinenpatz vor Einbruch der Dunkelheit besucht. Alles war d\u00fcster und nass. Das Denkmal f\u00fcr Katharina die Gro\u00dfe ist von Kopf bis Fu\u00df mit schmutzigen, nassen Lumpen verh\u00fcllt, mit Seilen umwickelt und mit roten Sternen aus Holz \u00fcbers\u00e4t. Gegen\u00fcber dem Denkmal befindet sich die Notstandskommission. Rote Fahnen hingen im Regen herunter und ihre Spiegelungen auf dem nassen Asphalt sahen aus wie vergossenes Blut&#8221;.<\/p>\n<p>Diskussionen \u00fcber den Erhalt des Denkmals gaben den Beh\u00f6rden seit der Revolution von 1917 keine Ruhe, weshalb die Angelegenheit der Kunstkommission in der damaligen Hauptstadt Petrograd \u00fcbertragen wurde. Im Mai 1920, nachdem in Odessa die Sowjets die Macht \u00fcbernommen hatten, wurde das Denkmal abgebaut, wobei eine nackte S\u00e4ule und ein Sockel zur\u00fcckblieben. Die Figuren von Katharina der Gro\u00dfen und ihren Weggef\u00e4hrten landeten schlie\u00dflich \u2013 dank der Bittsprache des Schriftstellers Maksim Gorki \u2013\u00a0im Hof des Museums f\u00fcr Heimatkunde.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae03b480cc25305b488e.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae03b480cc25305b488e.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae03b480cc25305b488e.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae03b480cc25305b488e.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae03b480cc25305b488e.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae03b480cc25305b488e.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Das Denkmal f\u00fcr die russische Kaiserin Katharina die Gro\u00dfe im Zentrum von Odessa.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">STR \/ NurPhoto via Getty Images<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>In den 1920er Jahren wurden der Katharinenplatz und die Prachtstra\u00dfe, die dahin f\u00fchrt, nach Karl Marx umbenannt. F\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Jahrzehnte beherbergte der Sockel eine Skulptur des ber\u00fchmten Autors von &#8220;Das Kapital&#8221;. Irgendwann ersetzten die Beh\u00f6rden die B\u00fcste durch eine lebensgro\u00dfe Darstellung von Marx, doch die Statue fiel w\u00e4hrend eines heftigen Sturms vom Sockel, angeblich aufgrund der schlechten Qualit\u00e4t der verwendeten Materialien \u2013 so lautet zumindest die offizielle Version. 1931 wurde dann vor\u00fcbergehend eine skulpturale Komposition mit den Symbolen des Proletariats \u2013 Hammer und Sichel \u2013 auf dem Sockel errichtet.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Besetzung von Odessa durch rum\u00e4nische Truppen im Zweiten Weltkrieg beeilte sich der rum\u00e4nische Premierminister Ion Antonescu, den Platz und die Prachtstra\u00dfe nach Adolf Hitler umzubenennen, diesmal jedoch ohne ein Denkmal zu errichten. Dann, in den 1950er Jahren, wurde der Sockel vom Platz entfernt und wieder durch einen \u00f6ffentlichen Garten ersetzt.<\/p>\n<p>Im Jahr 1965, am 60. Jahrestag des Aufstands der Matrosen auf dem Panzerkreuzer Potemkin, wurde auf dem Platz ein bronzenes Denkmal f\u00fcr die Seeleute enth\u00fcllt. Dieses Denkmal stand dort 42 Jahre lang, bis schlie\u00dflich 2007, im Rahmen eines Projekts zur Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbilds des Stadtzentrums von Odessa, das &#8220;Denkmal f\u00fcr die Gr\u00fcnder von Odessa&#8221;, eine exakte Nachbildung des Originals, auf dem Katharinenplatz eingeweiht wurde. Und jetzt steht der Platz wieder vor Ver\u00e4nderungen, da sich der politische Wind erneut gedreht hat.<\/p>\n<p><strong>Ein politisches Pendel<\/strong><\/p>\n<p>Die Tatsache, dass Nationalismus \u2013 der in vielen osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern den Kern des kulturellen Ged\u00e4chtnisses ausmacht \u2013\u00a0jede Nation zu ihrem eigenen Opfer macht, wird einmal mehr durch die Ver\u00e4nderungen in der kulturellen und historischen Landschaft der Ukraine best\u00e4tigt. Dar\u00fcber hinaus wird Russland, das als Bedrohung f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit und territoriale Integrit\u00e4t der Ukraine und anderer Nachbarl\u00e4nder dargestellt wird, zu einem Schl\u00fcsselelement im Mechanismus des kollektiven Ged\u00e4chtnisses und der kollektiven Identit\u00e4t. Mit anderen Worten, das Modell einer leidenden Nation und das Motiv einer existenziellen Bedrohung haben sich durchgesetzt, und es ist das Bild von Russlands Vergangenheit und Gegenwart, das f\u00fcr die eigene Identit\u00e4tsbildung verwendet wird.<\/p>\n<p>Wie ist das m\u00f6glich geworden? Als die Ukraine nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihre Unabh\u00e4ngigkeit erlangte, erhielt ihre politische Geografie stabile Grenzen und wurde in das Selbstbewusstsein der beiden Landesteile integriert. Tats\u00e4chlich entstanden zu dieser Zeit mehrere Bev\u00f6lkerungsgruppen mit starken nationalen Identit\u00e4ten: ukrainischsprachige, die haupts\u00e4chlich in den westlichen und zentralen Regionen leben und sich zu einem rein ethnischen Narrativ bekennen, russischsprachige, die haupts\u00e4chlich in der Mitte, im S\u00fcden und im Osten leben und f\u00fcr die Russen keine Fremden oder Feinde waren, sowie ethnische Russen mit Wurzeln im Mutterland.<\/p>\n<p>Diese Bev\u00f6lkerungsgruppen, insbesondere die ukrainischsprachigen und russischsprachigen, hatten lange Zeit ihr eigenes kulturelles Erbe, ihre eigene Sprache und ihre eigene politische Vertretung. Man erinnere sich an die Orangene Revolution von 2004 oder an den Euromaidan von 2014, bei dem sich der &#8220;proukrainische&#8221; Teil der Gesellschaft gegen den &#8220;prorussischen&#8221; Staatspr\u00e4sidenten Wiktor Janukowitsch stellte, der in Tat und Wahrheit jahrelang mit der EU \u00fcber eine eventuelle Mitgliedschaft der Ukraine verhandelt hatte.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae76b480cc25203232eb.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae76b480cc25203232eb.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae76b480cc25203232eb.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae76b480cc25203232eb.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae76b480cc25203232eb.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639dae76b480cc25203232eb.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Ukrainer am 23. Januar 2005 beim Singen der Nationalhymne, anl\u00e4sslich des Amtsantritts von Wiktor Juschtschenko als ukrainischer Pr\u00e4sident, der 2004 die Orangene Revolution auf dem Unabh\u00e4ngigkeitsplatz (Maidan) angef\u00fchrt hatte.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">AFP PHOTO \/ Juri Kadobnow<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Trotz gewisser \u00c4hnlichkeiten zwischen diesen Bev\u00f6lkerungsgruppen waren die Unterschiede dennoch so stark, dass die Beh\u00f6rden schon vor der Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine jegliche Bestrebungen zur F\u00f6deralisierung der Ukraine als ruin\u00f6s f\u00fcr die Nation insgesamt betrachteten.<\/p>\n<p>Viele Jahre lang hatte die Ukraine dank eines austarierten politischen Pendels, das sich zwischen dem S\u00fcden, dem Osten und dem Westen bewegte, existiert. Das Gef\u00fchl einer Einheit hing von zwei Bedingungen ab: einer im Inneren und einer im \u00c4u\u00dferen. Die innere Bedingung war, dass die politische Elite, die aus einem bestimmten Teil des Landes an die Macht kommt, die Interessen der gesamten Bev\u00f6lkerung vertritt.<\/p>\n<p>Die \u00e4u\u00dfere Bedingung war, das Land zwischen den beiden Zentren der Weltmacht im Gleichgewicht zu halten. Aber beide Bedingungen erwiesen sich als fragil. Ersteres hing davon ab, wie die innenpolitischen Projekte der Ukraine verfolgt wurden, w\u00e4hrend Letzteres die F\u00e4higkeit des Landes voraussetzte, in den Beziehungen zu Russland und der Europ\u00e4ischen Union eine Multi-Vektor-Politik zu verfolgen.<\/p>\n<p>Im Jahr 2014 konnten beide Bedingungen nicht mehr erf\u00fcllt werden. Vor dem Euromaidan, der Wiedervereinigung der Krim mit Russland und dem Ausbruch des bewaffneten Konflikts im Donbass waren die Meinungsverschiedenheiten \u00fcber das historische Narrativ moderat. Dieses empfindliche Gleichgewicht wurde durch eine Politik zugunsten des aktiven Aufbaus eines Nationalstaats gest\u00f6rt. Das Pendel schlug nun heftig in verschiedenen Richtungen aus, und pl\u00f6tzlich verlor das ganze System das Gleichgewicht.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639daec548fbef2ebe433320.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639daec548fbef2ebe433320.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639daec548fbef2ebe433320.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639daec548fbef2ebe433320.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639daec548fbef2ebe433320.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/12\/639daec548fbef2ebe433320.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Ein Demonstrant am 20. Februar 2014 in Kiew mit der ukrainischen Nationalflagge in einem ausgebrannten Geb\u00e4ude w\u00e4hrend einer Konfrontation mit der Polizei.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">B\u00fclent Kilic \/ AFP<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ein russischer Osten?<\/strong><\/p>\n<p>Die meisten russischsprachigen Ukrainer betrachteten sich selbst nicht als eine &#8220;andere Nationalit\u00e4t&#8221; und unterst\u00fctzten keine alternativen nationalen Ideen, wie zum Beispiel die einer einzigartigen regionalen Identit\u00e4t, die mit den s\u00fcdlichen und \u00f6stlichen Regionen der Ukraine, als ehemaliger Teil der historischen Kulturregion Noworossija, verbunden ist. Eine solche &#8220;De-Nationalisierung&#8221; war das Ergebnis der begrenzten Au\u00dfenpolitik Russlands in den 1990er bis in die fr\u00fchen 2000er Jahre und der allgemeinen sozio\u00f6konomischen Situation.<\/p>\n<p>In jenen Jahren hatte es in der Ukraine keine interethnischen oder interkulturellen Konflikte gegeben, weil man nicht zwischen &#8220;Russen&#8221; und &#8220;Ukrainern&#8221; gespalten war. Die letztendliche Spaltung erfolgte zwischen denen, die eine ukrainische nationale Identit\u00e4t annahmen, und jenen, die dies nicht taten. Mit anderen Worten, nach der \u00c4nderung des Status quo im Jahr 2014 wurden die s\u00fcdlichen und \u00f6stlichen Regionen zu einem Konglomerat von Gebieten, die unzureichend in den Aufbau der ukrainischen Nation eingebunden waren. W\u00e4hrend diese Regionen ihre ukrainische Identit\u00e4t infrage stellten, konnte sie auch nicht dem Beispiel des Donbass folgen, das die Volksrepubliken Donezk und Lugansk ausrief \u2013 ein einzigartiges Modell, das auf den Rest der Regionen im S\u00fcden und Osten nicht angewendet werden konnte.<\/p>\n<p>Nach dem Beginn der Milit\u00e4roperation Moskaus wurde die Distanzierung von der russischen Kultur und Sprache unvermeidlich. Gleichzeitig hat sich auch die nationale Identit\u00e4t der russischsprachigen Ukrainer stark ver\u00e4ndert. Was fr\u00fcher ein Kompromiss war, der ein multiethnisches und multikulturelles Modell der nationalen Entwicklung f\u00f6rderte, wurde zu einem \u00dcbergangsmodell zur Aneignung einer vollst\u00e4ndig ukrainischen Identit\u00e4t \u2013 sowohl sprachlich als auch kulturell.<\/p>\n<p>Noch vor wenigen Jahren sprachen die Bewohner des S\u00fcdens und Ostens der Ukraine Russisch, obwohl sie sich als Ukrainer identifizierten. Jetzt unterliegen die russische Sprache und ihre kulturellen und historischen Symbole irreversiblen Ver\u00e4nderungen und werden zu einem Zeichen politischer Zugeh\u00f6rigkeit \u2013 n\u00e4mlich prorussisch zu sein.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rden sind sich dessen bewusst und streben danach, die Kontrolle \u00fcber das historische Erbe und die Erinnerungspolitik zu erlangen, und erwarten, diesen Kampf um die \u00f6ffentliche Meinung zu gewinnen. Die s\u00fcdlichen und \u00f6stlichen Regionen verwandeln sich in Testgel\u00e4nde f\u00fcr experimentelle Nationenbildung. Ihre politische Selbstbestimmung h\u00e4ngt vollst\u00e4ndig von der historischen Erinnerung und der Sprachpolitik ab. Inzwischen bietet der Nationalismus alle notwendigen Werkzeuge zum Aufbau einer koh\u00e4renten soziopolitischen Gemeinschaft. Deshalb wird eine so aggressive Initiative zur &#8220;De-Russifizierung&#8221;, wie der Abriss des Denkmals f\u00fcr Katharina die Gro\u00dfe in Odessa, nicht die letzte sein.<\/p>\n<p>Die zentrale politische und kulturelle Debatte in der ukrainischen Gesellschaft dreht sich seit vielen Jahren um die Frage der Bewahrung oder der Ausmerzung des russischen und sowjetischen Kulturerbes. In der gegenw\u00e4rtigen Situation des bewaffneten Konflikts nutzen Unterst\u00fctzer des Letzteren geschickt die \u00f6ffentliche Emp\u00f6rung, um ihre Ziele zu erreichen. Sollte dieser Prozess fortgesetzt werden \u2013 und es gibt wenig Grund zu der Annahme, dass dies nicht der Fall sein wird \u2013, wird sich die Ukraine in einigen Jahren zu einem deutlich homogeneren und weit weniger kulturell vielf\u00e4ltigen Land entwickeln, das bereitwillig auf einen Gro\u00dfteil seines kulturellen und historischen Erbes verzichtet hat.<\/p>\n<p><em>Aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/russia\/566917-ukraine-is-losing-heritage\/\">Englischen<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Alexander Nepogodin\u00a0<\/strong>ist ein in Odessa geborener politischer Journalist und Experte f\u00fcr Russland und die ehemalige Sowjetunion.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211; <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/pressefreiheit.rtde.tech\/meinung\/157302-journalismus-wenn-blinder-hass-die-feder-fuehrt\/\">Wenn blinder Hass die Feder f\u00fchrt \u2012 Wer hat Angst vorm Russischen Haus?<\/a><\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/157452-wie-ukraine-ihr-kulturelles-und\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Abriss russischer und sowjetischer Denkm\u00e4ler entledigt sich die Ukraine ihrer Vergangenheit und entwickelt sich zu einem kulturell weit weniger vielf\u00e4ltigen Land. 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