{"id":24315,"date":"2022-11-30T07:45:09","date_gmt":"2022-11-30T05:45:09","guid":{"rendered":"https:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/der-krieg-wird-lang-putin-sieht-minsker-abkommen-heute-als-fehler-den-er-nicht-wiederholen-wird\/"},"modified":"2022-11-30T07:45:09","modified_gmt":"2022-11-30T05:45:09","slug":"der-krieg-wird-lang-putin-sieht-minsker-abkommen-heute-als-fehler-den-er-nicht-wiederholen-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/der-krieg-wird-lang-putin-sieht-minsker-abkommen-heute-als-fehler-den-er-nicht-wiederholen-wird\/","title":{"rendered":"Der Krieg wird lang: Putin sieht Minsker Abkommen heute als Fehler \u2013 den er nicht wiederholen wird"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/11\/6385fa80b480cc6d8775df29.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Wladimir Putin wertete die Minsker Abkommen j\u00fcngst als einen Fehler. Das bedeutet, dass Russland im Ukraine-Krieg bis zum Ende gehen muss \u2013 denn ist die Ukraine schon f\u00fcr die USA eine Frage des Prinzips, so ist sie f\u00fcr Russland eine Frage seiner Existenz.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>von Dmitri Trenin<\/em><\/p>\n<p>Wladimir Putin betrachtet heute die Minsker Vereinbarungen von 2014 und 2015 als einen Fehler. Dies erkl\u00e4rte der russische Pr\u00e4sident bei einem Treffen mit M\u00fcttern von russischen Soldaten, die an der Front des Ukraine-Krieges dienen, letzte Woche. Dieses Zugest\u00e4ndnis ist im Zusammenhang mit der M\u00f6glichkeit von Friedensverhandlungen zur Beendigung der K\u00e4mpfe in der Ukraine sehr wichtig.<\/p>\n<p>Hier sei daran erinnert, dass Putin schon im Jahr 2014 auf der Grundlage eines Mandats zum Einsatz milit\u00e4rischer Gewalt &#8220;in der Ukraine&#8221; vom russischen Parlament handelte. Der <em>ganzen<\/em> Ukraine \u2013 nicht nur auf der Anfang 2014 noch ukrainischen Halbinsel Krim. Tats\u00e4chlich hatte Moskau damals auch die St\u00e4dte Donezk und Lugansk vor der \u00dcberrumpelung durch die Kiewer Armee gerettet und die ukrainischen Streitkr\u00e4fte geschlagen. Doch anstatt im unmittelbaren Anschluss das gesamte Donez-Becken zu befreien, hielt Russland ein \u2013 und stimmte einem unter Mitwirkung Deutschlands und Frankreichs in Minsk vermittelten Waffenstillstand zu.<\/p>\n<p>Putin erkl\u00e4rte den Soldatenm\u00fcttern nun, dass Moskau zu diesem Zeitpunkt <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/131344-donbass-bewohner-zum-schwelenden-krieg-ohne-russland-halten-wir-amngriff-ukraine-nicht-stand\/\">die Gef\u00fchle der vom Konflikt betroffenen Bev\u00f6lkerung im Donbass<\/a> nicht genau kannte und hoffte, dass Donezk und Lugansk unter den in Minsk festgelegten Bedingungen irgendwie mit der Ukraine wiedervereinigt werden k\u00f6nnten. Putin h\u00e4tte dem hinzuf\u00fcgen k\u00f6nnen \u2013 denn seine eigenen damaligen Schritte sowie Gespr\u00e4che mit dem damaligen ukrainischen Pr\u00e4sidenten Petro Poroschenko best\u00e4tigen dies \u2013, dass er bereit war, der neuen Kiewer Regierung eine Chance zu geben, das Problem zu l\u00f6sen und die Beziehungen zu Moskau wiederherzustellen. Bis zu einem recht sp\u00e4ten Zeitpunkt hoffte Putin auch, dass er sich noch mit den Deutschen und Franzosen sowie mit der US-F\u00fchrung h\u00e4tte einigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Eingest\u00e4ndnis von Fehlern ist bei amtierenden Staatsoberh\u00e4uptern selten. Es ist ein umso wichtigeres Indiz f\u00fcr die Lehren, die sie daraus gezogen haben. Putin zog aus dieser Erfahrung offenbar den Schluss, dass nicht die Entscheidung, die milit\u00e4rische Spezialoperation im Februar letzten Jahres einzuleiten, falsch war \u2013 sondern dass Moskau acht Jahre zuvor Kiew, Berlin und Paris <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/142031-mit-lugen-gegen-russland-minsker\/\">kein Vertrauen<\/a> h\u00e4tte schenken d\u00fcrfen und sich stattdessen auf seine eigene milit\u00e4rische Macht h\u00e4tte verlassen sollen, um die russischsprachigen Gebiete der Ukraine zu befreien.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Jetzt einem Waffenstillstand im Stil von Minsk I oder Minsk II zuzustimmen, w\u00e4re eine Wiederholung desselben Fehlers. Denn es w\u00fcrde Kiew und seinen Puppenspielern erm\u00f6glichen, sich besser darauf vorzubereiten, die K\u00e4mpfe zu einem von ihnen gew\u00e4hlten Zeitpunkt wiederaufzunehmen.<\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-odysee\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/odysee.com\/%24\/embed\/%40RTDE%3Ae%2Fpetro-poroschenko-ich-habe-die-minsker-abkommen-gebraucht-um-4%2C5-jahre-zeit-zu-haben-ukrainischen-streitkr%C3%A4fte-auszubilden%3A9\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<p>Der russische Staatschef ist sich nat\u00fcrlich bewusst, dass viele nicht-westliche L\u00e4nder, die sich der antirussischen Sanktionskoalition nicht angeschlossen haben und sich zur Neutralit\u00e4t gegen\u00fcber der Ukraine bekennen, ein Ende der Feindseligkeiten fordern. Von China und Indien bis hin zu Indonesien und Mexiko sehen diese L\u00e4nder, die Russland im Allgemeinen freundlich gesinnt sind, ihre wirtschaftlichen Aussichten durch einen Konflikt Russlands gegen den geeinten Westen beeintr\u00e4chtigt. Auch verbreiten die westlichen Medien die Botschaft, dass die weltweite Energie- und <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/international\/141623-nahrungsmittelkrise-macht-russland-zu-insel\/\">Lebensmittelsicherheit<\/a> angeblich unter dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/155689-lettische-mischung-wie-man-oel\/\">Vorgehen Moskaus<\/a> leide. Russlands Argumente und gegenteilige Beteuerungen zeigen nur begrenzte Wirkung, da russische Stimmen in den nah\u00f6stlichen, asiatischen, afrikanischen oder lateinamerikanischen Medienlandschaften nur von Wenigen geh\u00f6rt verhallen.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei: Moskau kann die Gef\u00fchle des gr\u00f6\u00dferen Teils der Menschheit, der in russischen Fachkreisen zunehmend als die globale Mehrheit bezeichnet wird, nicht ignorieren. Daher auch die offiziellen russischen Erkl\u00e4rungen, dass Moskau f\u00fcr einen Dialog ohne Vorbedingungen offen ist. Jede russische Delegation, die an solchen Gespr\u00e4chen teilnimmt, m\u00fcsste jedoch die j\u00fcngsten \u00c4nderungen der Verfassung des Landes ber\u00fccksichtigen, durch die die vier ehemaligen ukrainischen Gebiete Donezk, Lugansk, <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/155244-ukrainer-koennen-mich-morgen-erschiessen\/\">Cherson<\/a> und Saporoschje als Teil der Russischen F\u00f6deration bezeichnet werden. Wie Au\u00dfenminister Sergei Lawrow erkl\u00e4rt: Russland wird nur auf der Grundlage der bestehenden geopolitischen Realit\u00e4ten verhandeln. Es sei darauf hingewiesen, dass der Kreml auch die Ziele der Milit\u00e4roperation in der Ukraine nicht zur\u00fcckgenommen hat. Dazu geh\u00f6ren die Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine, also die Befreiung der Ukraine als Staat und Gesellschaft von allen ultranationalistischen, antirussischen Elementen.<\/p>\n<p>Kiews Position in Sachen Verhandlungsbeginn schwankt indes hin und her: Nachdem es Ende M\u00e4rz fast ein Friedensabkommen mit Moskau erreicht hatte, \u00e4nderte es daraufhin seinen Kurs und setzte die K\u00e4mpfe fort \u2013 auf Anraten des Westens, wie die Russen annehmen. Nachdem dem ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Selenskij im vergangenen Herbst operative Erfolge auf dem Schlachtfeld zuteilgeworden waren, lie\u00df er alle Kontakte zum Kreml formell verbieten und formulierte extreme Forderungen als Vorbedingung f\u00fcr jegliche Verhandlungen \u2013 diese richtete er an Putins Nachfolger, wann immer solche auftauchen m\u00f6gen. Zwar schien dies dem Westen aus Sicht der \u00d6ffentlichkeitsarbeit ungeschickt, und Selenskij wurde gehei\u00dfen, tunlichst den Anschein zu erwecken, er sei offen f\u00fcr Gespr\u00e4che \u2013 aber in Wirklichkeit hat sich nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t sieht so aus, dass die Hauptakteure des Ukraine-Konflikts, n\u00e4mlich Washington und Moskau, weder die Gegenwart noch die nahe Zukunft als einen guten Zeitpunkt f\u00fcr Verhandlungen betrachten. Aus Sicht der USA ist Moskau weit davon entfernt, auf dem Schlachtfeld besiegt oder innenpolitisch destabilisiert zu sein \u2013 trotz der beispiellosen Sanktionen, die der Westen gegen Russland verh\u00e4ngt hat, und der j\u00fcngste R\u00fcckschl\u00e4ge, die die russische Armee in Charkow und <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/154358-cherson-politische-niederlage-oder-militaerische-staerkung\/\">Cherson<\/a> erlitt. Aus Sicht des Kremls kommt \u00fcberhaupt jeder Waffenstillstand oder Frieden, in dessen Folge die Ukraine als ein &#8220;antirussischer&#8221;, feindlicher Staat erhalten bleibt, einer Niederlage mit \u00e4u\u00dferst negativen Folgen gleich.<\/p>\n<p>Stattdessen glauben beide Seiten jeweils, gewinnen zu k\u00f6nnen. Der Westen verf\u00fcgt nat\u00fcrlich in praktisch jedem Bereich \u00fcber weitaus bessere Ressourcen, die er in der Ukraine einsetzen kann. Aber Russland arbeitet daran, seine eigenen betr\u00e4chtlichen Reserven zu mobilisieren, sowohl bez\u00fcglich des Milit\u00e4rpersonals als auch, was die Wirtschaft betrifft.<\/p>\n<p>Der Vorteil Moskaus liegt in der Eskalationsdominanz. Denn schon f\u00fcr die USA ist die Ukraine eine Frage des Prinzips \u2013 doch f\u00fcr den Kreml ist die Angelegenheit schlichtweg existenziell, nichts weniger: Im Konflikt mit dem Westen geht es nicht um die Ukraine allein, sondern um das Schicksal Russlands selbst.<\/p>\n<p>Es sieht so aus, als w\u00fcrde der Krieg bis gut ins Jahr 2023 und m\u00f6glicherweise dar\u00fcber hinaus andauern. Gespr\u00e4che werden wahrscheinlich erst dann beginnen, wenn eine der beiden Seiten aufgrund von Ersch\u00f6pfung zum Nachgeben bereit ist \u2013 oder wenn beide Parteien in eine Sackgasse geraten sind. In der Zwischenzeit wird die Zahl der Todesopfer weiter steigen, was auf die grundlegende Trag\u00f6die der Gro\u00dfmachtpolitik hinweist. Im Herbst 1962 war der damalige US-Pr\u00e4sident John F. Kennedy bereit gewesen, bis an den Rand des nuklearen Abgrunds zu gehen, um die Sowjetunion daran zu hindern, Kuba zu ihrem Raketenst\u00fctzpunkt zu machen. 60 Jahre sp\u00e4ter hat Wladimir Putin eine Milit\u00e4raktion angeordnet, um seinerseits sicherzustellen, dass nun die Ukraine nicht zu einem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/77500-ukraine-soll-zum-ersten-brueckenkopf\/\">unsinkbaren Flugzeugtr\u00e4ger f\u00fcr die USA<\/a> wird.<\/p>\n<p>Daraus l\u00e4sst sich eine Lehre ziehen. Was auch immer der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow von seinem Recht gehalten hattw, von der T\u00fcrkei aus auf Moskau gerichtete US-Raketen mit eigenen Waffen zu kontern, die von Kuba aus (mit Zustimmung Havannas) auf Washington und New York gerichtet gewesen waren, und was auch immer die nachfolgenden US-Pr\u00e4sidenten von ihrem Recht gehalten hatten, den NATO-Milit\u00e4rblock (auf Wunsch Kiews) auf die Ukraine auszudehnen: F\u00fcr die Nichtber\u00fccksichtigung der Sicherheitsinteressen der jeweiligen Gegenmacht ist immer ein horrender Preis zu zahlen. Kuba ging als knapper Erfolg f\u00fcr den gesunden Menschenverstand in die Geschichte ein. Die Ukraine hingegen ist eine fortlaufende Geschichte \u2013 und deren Ausgang h\u00e4ngt noch in der Schwebe.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/russia\/567299-dmitry-trenin-putin-admitted-mistake\/\">Englischen<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Dmitri Trenin<strong>\u00a0<\/strong>ist Mitglied des Rates f\u00fcr Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik Russlands und des Russischen Rates f\u00fcr Internationale Beziehungen\u00a0sowie Professor an der Moskauer Higher School of Economics und leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen.\u00a0Au\u00dferdem war er Direktor des Carnegie-Instituts in Moskau.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/150965-dmitri-trenin-putin-verkundet-neue\/\">Dmitri Trenin: Putin verk\u00fcndet neue nationale Idee und gibt Traum eines Gro\u00dfeuropas auf<\/a><\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/155778-der-krieg-wird-lang-putin-sieht-minsk-heute-als-fehler-und-begeht-ihn-kein-zweites-mal\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wladimir Putin wertete die Minsker Abkommen j\u00fcngst als einen Fehler. 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