{"id":23565,"date":"2022-11-19T09:01:49","date_gmt":"2022-11-19T07:01:49","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/gefaehrlich-beliebte-datenkrake-wie-die-social-media-app-tiktok-nutzer-ausspioniert\/"},"modified":"2022-11-19T09:01:49","modified_gmt":"2022-11-19T07:01:49","slug":"gefaehrlich-beliebte-datenkrake-wie-die-social-media-app-tiktok-nutzer-ausspioniert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/gefaehrlich-beliebte-datenkrake-wie-die-social-media-app-tiktok-nutzer-ausspioniert\/","title":{"rendered":"Gef\u00e4hrlich beliebte Datenkrake: Wie die Social-Media-App TikTok Nutzer ausspioniert"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/11\/63750c66b480cc315a3d1290.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Nicht nur in Deutschland haben Social-Media-Plattformen wie Facebook oder TikTok immer mehr Zulauf. Doch was geschieht mit den gesammelten Daten? Und k\u00f6nnen diese von Regierungen missbraucht werden? F\u00e4lle in der Vergangenheit zeigten eindeutig: ja \u2013 sogar mit verheerenden Folgen.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von D\u00e9sir\u00e9e Lambert<\/em><\/p>\n<p>Social-Media-Apps erfreuen sich weltweiter Beliebtheit. Sie verbinden uns nicht nur \u00fcber Kontinente hinweg, sondern regen uns zeitgleich dazu an, unsere Kreativit\u00e4t auszuleben. W\u00e4hrend uns Netzwerke wie Facebook oder Video-Plattformen wie TikTok Vorteile bringen k\u00f6nnen, sollten wir bei der Installation solcher Anwendungen aber auch die mit der Nutzung einhergehenden Gefahren bedenken. Soziale Medien k\u00f6nnen Regierungen und Unternehmen einen tiefen Einblick in unser Privatleben, unsere pers\u00f6nliche Kommunikation sowie unsere individuellen Gedanken geben.<\/p>\n<p>Regierungen weltweit kaufen zunehmend hoch entwickelte Technologien, um das Verhalten ihrer oder ausl\u00e4ndischer B\u00fcrger in den sozialen Medien zu \u00fcberwachen. Einst war diese Form der Massen\u00fcberwachung den f\u00fchrenden Geheimdiensten der Welt vorbehalten, doch nun hat sie ihren Weg in eine Reihe von L\u00e4ndern gefunden \u2013 von autorit\u00e4ren Gro\u00dfm\u00e4chten bis zu vermeintlichen Demokratien. Mithilfe der Technologie hoffen diese, ihre B\u00fcrger \u00fcberwachen oder gar Dissidenten sowie Mitglieder ausl\u00e4ndischer Streitkr\u00e4fte oder Geheimdienste verfolgen und aufsp\u00fcren zu k\u00f6nnen. Der boomende kommerzielle Markt f\u00fcr die \u00dcberwachung sozialer Medien hat die Einstiegskosten nicht nur f\u00fcr die Sicherheitsdienste von Diktaturen, sondern auch f\u00fcr die nationalen und lokalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in Demokratien gesenkt, wo sie mit wenig Aufsicht oder Rechenschaftspflicht auch schon eingesetzt werden, sowohl zur In- als auch zur Auslandsspionage.\u00a0<\/p>\n<p>Die \u00dcberwachung sozialer Medien bezieht sich auf die Sammlung und Verarbeitung personenbezogener Daten von digitalen Kommunikationsplattformen, h\u00e4ufig durch automatisierte Technologie, sogenannte k\u00fcnstliche Intelligenz (KI), die eine Echtzeit-Aggregation, Organisation und Analyse gro\u00dfer Mengen von Metadaten und Inhalten erm\u00f6glicht. So verspricht die Verwendung sozialer Medien zur \u00dcberwachung Regierungen und Geheimdiensten heute weitaus mehr Nutzen als herk\u00f6mmliche Spionageprogramme wie <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/nordamerika\/154291-dokumente-fbi-wollte-pegasus-hacking\/\">Pegasus<\/a>, die lediglich die Kommunikation mit der Software infizierter Ger\u00e4te abfangen. Denn Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt nutzen diese digitalen Plattformen, um mit ihren Angeh\u00f6rigen zu kommunizieren, sich mit Freunden und Bekannten auszutauschen und ihre politischen, sozialen und religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen zum Ausdruck zu bringen. Selbst wenn es sich um Personen handelt, die nur selten mit solchen Diensten interagieren, sind die Informationen, die \u00fcber sie gesammelt werden, nicht nur f\u00fcr Werbetreibende, sondern zunehmend auch f\u00fcr Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und Nachrichtendienste von enormem Wert.<\/p>\n<p>Insbesondere die Fortschritte im Bereich der k\u00fcnstlichen Intelligenz haben neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die automatisierte Massen\u00fcberwachung er\u00f6ffnet. Ausgefeilte \u00dcberwachungssysteme k\u00f6nnen die Beziehungen von Nutzern abbilden, ihren <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/europa\/147333-wenn-eu-chatkontrolle-aus-besorgten\/\">Beitr\u00e4gen in den sozialen Medien<\/a> mithilfe von nat\u00fcrlicher Sprachverarbeitung und Stimmungsanalyse eine Bedeutung oder politische Einstellung zuweisen und R\u00fcckschl\u00fcsse auf ihre vergangenen, gegenw\u00e4rtigen oder zuk\u00fcnftigen Standorte ziehen. Mithilfe des maschinellen Lernens k\u00f6nnen diese Systeme <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/inland\/140210-umstrittene-software-von-palantir-nun-auch-in-deutschland-auf-dem-vormarsch\/\">Muster<\/a> finden, die f\u00fcr den Menschen unsichtbar sind, w\u00e4hrend die k\u00fcnstliche Intelligenz ganz neue Kategorien von Mustern erkennt und das potenzielle Spionageopfer so schnell in den Fokus weiterer Untersuchungen bringen kann.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, ob sie zutreffend sind oder nicht, k\u00f6nnen die <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/nordamerika\/148001-real-life-minority-report-us\/\">Schlussfolgerungen<\/a>, die \u00fcber eine Person gezogen werden, schwerwiegende Auswirkungen haben \u2013 f\u00fcr die Person selbst, aber auch f\u00fcr ihr Umfeld. In manchen F\u00e4llen sogar f\u00fcr die nationale Sicherheit des Landes, in dem der Nutzer dieser Anwendungen lebt und arbeitet. Denn Social-Media-Apps registrieren detailliert, was Sie wann auf Ihrem Telefon tun, worauf Sie zugreifen, was Sie sich wie lange ansehen, wer Ihre Freunde und Kollegen sind, und auch wo Sie sich aufhalten. \u00dcberdies ist es den Betreibern solcher Anwendungen m\u00f6glich, an die demografischen Daten derer zu gelangen, die die App \u00fcberhaupt nicht installiert haben, sondern lediglich anderweitig in Kontakt mit dem Nutzer der Anwendung stehen, zum Beispiel via SMS.<\/p>\n<p>Selbst wenn Ihr Smartphone frei von Social-Media-Apps ist und Sie es lediglich zur Telekommunikation oder dem gelegentlichen Surfen im Internet benutzen, ist Ihr Ger\u00e4t dennoch nicht gefeit davor, gehackt zu werden. Auch die gemeinsame Nutzung des heimischen WLAN-Netzwerkes mit Anwendern solcher Apps kann zur Gefahr f\u00fcr alle Ger\u00e4te werden, die mit dem Router verbunden sind. Die mit dem WLAN-Netzwerk verbundenen Endger\u00e4te kommunizieren permanent miteinander, auch\u00a0wenn sich dem nahezu niemand bewusst ist.<\/p>\n<h4>TikTok, das chinesische \u00dcberwachungspendant zu Facebook und WhatsApp<\/h4>\n<p>Eine der weltweit weitverbreitetsten Social-Media-Apps ist die chinesische Video-Plattform TikTok. Die\u00a0App zum Teilen von Videos erfreut sich wachsender Beliebtheit, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, die sich von traditionellen Social-Media-Plattformen wie Facebook und Instagram abwenden. Die\u00a0Anwendung soll nach Sch\u00e4tzungen von <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.statista.com\/chart\/28412\/social-media-users-by-network-amo\/\">statista<\/a> weltweit mehr als 1,7 Milliarden Nutzer haben. Geht es dem chinesischen Konzern tats\u00e4chlich lediglich darum, Jugendlichen eine Freude zu bereiten, oder steckt hinter der unschuldigen und unscheinbaren Fassade vielleicht eine ganz andere Absicht, wie es auch schon bei Social-Media-Plattformen wie <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.fox6now.com\/news\/nsa-mines-facebook-for-connections-americans-profiles\">Facebook der Fall <\/a>war?\u00a0<\/p>\n<p>Bislang waren die Rollen klar verteilt. Hinter den gro\u00dffl\u00e4chigen Lauschangriffen auf unbescholtene B\u00fcrger standen zumeist die USA. Mithilfe eines Programms, das den Codenamen <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/PRISM\">PRISM<\/a> tr\u00e4gt, haben die NSA und das Federal Bureau of Investigation (FBI)\u00a0\u00fcber Jahre hinweg\u00a0\u2013 und vermutlich auch heute noch\u00a0\u2013 massenhaft Daten wie Audio- und Videodaten, Fotos, E-Mails, aber auch Dokumente von den internen Servern der gr\u00f6\u00dften Technologieunternehmen der Vereinigten Staaten abgegriffen, wie der US-Whistleblower Edward Snowden bereits vor geraumer Zeit aufgedeckt hatte. Die <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.smartdroid.de\/prism-facebook-google-apple-und-co-geben-nutzerdaten-an-us-geheimdienste-weiter\/\">Liste der Tech-Konzerne<\/a>, die an dem \u00dcberwachungsprogramm beteiligt waren, oder vielleicht noch sind, deckt sich zugleich mit dem &#8220;Who is Who&#8221; des Silicon Valley: Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, AOL, Skype, YouTube und Apple. Diese Unternehmen hatten sich laut den von Snowden geleakten Dokumenten zumindest damals alle bereitwillig an dem Programm beteiligt.\u00a0<\/p>\n<p>Aufgrund der j\u00fcngsten Enth\u00fcllungen des US-Nachrichtenmagazins <em>Forbes<\/em> stehen jetzt aber nicht nur die amerikanischen Tech-Unternehmen unter Verdacht, Erf\u00fcllungsgehilfe f\u00fcr den gigantischen \u00dcberwachungsapparat der USA zu sein, sondern auch der Social-Media-Gigant TikTok, der selbiges f\u00fcr die chinesische Regierung tun soll. Laut dem <em>Forbes<\/em>&#8211;<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.forbes.com\/sites\/emilybaker-white\/2022\/10\/20\/tiktok-bytedance-surveillance-american-user-data\/?sh=61c17e436c2d\">Bericht<\/a>, der sich auf geleakte interne Dokumente des Social-Media-Riesen st\u00fctzt, soll das Unternehmen die Anwendung im Auftrag Pekings unter anderem auch daf\u00fcr nutzen, den pers\u00f6nlichen Standort bestimmter amerikanischer und europ\u00e4ischer B\u00fcrger zu \u00fcberwachen. Nun sind die Rollen also vertauscht und der einstige Angreifer wird zum Angegriffenen.<\/p>\n<p>So wirkt es fast wie eine Ironie des Schicksals, dass sich das FBI aufgrund der Berichterstattung jetzt pl\u00f6tzlich doch um die Daten der amerikanischen B\u00fcrger sorgt. Vielmehr Sorge bereitet dem FBI jedoch, welchen Einfluss die Social-Media-App TikTok auf die US-Amerikaner haben k\u00f6nnte. Auch sieht die Beh\u00f6rde die Gefahr, dass s\u00e4mtliche Smartphones in den USA mithilfe der App kompromittiert werden k\u00f6nnten. Wie bereits erw\u00e4hnt, auch dann, wenn die Anwendung nicht auf dem Smartphone installiert ist. In dieser Woche <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/nypost.com\/2022\/11\/15\/fbi-chief-says-tiktok-is-a-national-security-concern\/\">\u00e4u\u00dferte<\/a> sich FBI-Direktor Christopher Wray vor den Mitgliedern des Heimatschutzausschusses des US-Repr\u00e4sentantenhauses in einer Anh\u00f6rung \u00fcber weltweite Bedrohungen deshalb &#8220;\u00e4u\u00dferst\u00a0besorgt&#8221; \u00fcber TikToks Aktivit\u00e4ten in den USA.\u00a0<\/p>\n<p>&#8220;Wir haben Bedenken bez\u00fcglich der nationalen Sicherheit, zumindest vonseiten des FBI, was TikTok angeht&#8221;, mahnte Wray gegen\u00fcber den Abgeordneten. Die chinesische Regierung k\u00f6nne die App auch nutzen, um die Daten von Millionen von Menschen zu \u00fcberwachen oder die Endger\u00e4te &#8220;taktisch zu kompromittieren&#8221;. Laut Wray k\u00f6nne der Empfehlungsalgorithmus\u00a0\u2013 der bestimmt, welche Videos die Nutzer als N\u00e4chstes sehen\u00a0\u2013 von China zudem &#8220;f\u00fcr Beeinflussungsoperationen genutzt werden, wenn Peking dies w\u00fcnscht&#8221;. Nach chinesischem Recht seien chinesische Unternehmen verpflichtet, so der FBI-Direktor weiter, &#8220;im Wesentlichen, und ich werde mich hier kurzfassen, alles zu tun, was die chinesische Regierung von ihnen verlangt, wenn es darum geht, Informationen zu teilen oder als Werkzeug der chinesischen Regierung zu dienen&#8221;.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8220;<em>Das ist an f\u00fcr sich schon Grund genug, um \u00e4u\u00dferst besorgt zu sein.<\/em>&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Vorw\u00fcrfe, die TikTok entschieden zur\u00fcckweist. Erst vor wenigen Wochen <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.theverge.com\/2022\/10\/20\/23415598\/tiktok-forbes-denial-app-location-tracking-china-us-privacy-security\">dementierte<\/a> das Unternehmen den bereits erw\u00e4hnten <em>Forbes<\/em>-Bericht, wonach der TikTok-Mutterkonzern ByteDance seine Technologie laut internen Unterlagen des chinesischen Konzerns, die dem Nachrichtenmagazin vorliegen, nutze, um den Standort bestimmter amerikanischer B\u00fcrger zu \u00fcberwachen. TikTok argumentierte, dass dies angeblich nicht m\u00f6glich sei, weil es eine Firewall zwischen ByteDance und seiner US-Nutzerbasis g\u00e4be. Aus den <em>Forbes<\/em>\u00a0vorliegenden Unterlagen geht allerdings hervor, dass ein interner Pr\u00fcfungsausschuss von ByteDance, die sogenannte &#8220;Abteilung f\u00fcr Innenrevision und Risikokontrolle&#8221;, sehr wohl geplant habe, TikTok anzuweisen, den Standort einiger bestimmter US-Nutzer zu ermitteln.<\/p>\n<p>Die Gruppe befasst sich normalerweise mit internen, mitarbeiterbezogenen Angelegenheiten. Allerdings waren die in den USA ans\u00e4ssigen Zielpersonen dem Bericht zufolge nicht mit TikTok oder ByteDance verbunden. In mindestens zwei F\u00e4llen soll das Team der Innenrevision demnach zumindest geplant haben, Geodaten eines US-B\u00fcrgers zu sammeln, der nicht in Verbindung mit dem Unternehmen stand&#8221;, so <em>Forbes<\/em>. Aus den Unterlagen ginge allerdings nicht hervor, ob die Daten \u00fcber diese Amerikaner tats\u00e4chlich gesammelt wurden. Der Inhalt dieser Dokumente soll laut <em>Forbes<\/em> an mehreren Stellen darauf hinweisen, dass Ingenieure in China im Wesentlichen freien Zugang zu US-Nutzerdaten haben und dass TikTok-Niederlassungen in anderen L\u00e4ndern h\u00e4ufig chinesischen Mitarbeitern Zugang gew\u00e4hren m\u00fcssen, da diese einfach nicht wissen, wie bestimmte Aspekte der Plattform funktionieren.<\/p>\n<h4>TikTok als Bedrohung f\u00fcr die nationale Sicherheit<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend dies f\u00fcr manche wie eine relativ harmlose interne Angelegenheit eines Tech-Konzerns erscheinen mag, sind\u00a0L\u00e4nder wie die USA angesichts\u00a0Chinas nationaler Sicherheitspolitik, die der Regierung einen leichten Zugang zu allen Daten gew\u00e4hrt, die TikTok speichert, zunehmend besorgt. Die beliebte Videostreaming-App TikTok, die allein in den USA Millionen von Nutzern hat, steht in den Vereinigten Staaten auch deshalb im Mittelpunkt einer langanhaltenden Debatte \u00fcber die nationale Sicherheit. Denn die haupts\u00e4chlich bei Teenagern beliebte Anwendung k\u00f6nnte der chinesischen Regierung nach Ansicht vieler Sicherheitsexperten klammheimlich T\u00fcr und Angel \u00f6ffnen, um auch die Kontrolle \u00fcber jene Ger\u00e4te zu erlangen, auf denen TikTok nicht aufgespielt ist, etwa mithilfe des heimischen WLAN-Netzwerkes, das das eigene Kind mitnutzt. Einem gewieften IT-Experten ist es n\u00e4mlich ein Leichtes, den permanenten Datenaustausch zwischen dem durch Tik-Tok komprimierten Ger\u00e4t und dem Router zu nutzen, um sich so in das WLAN-Netzwerk einzuklinken.<\/p>\n<p>Hat er dies geschafft, kann er den\u00a0gesamten Datenverkehr des Netzwerks\u00a0ausspionieren \u2013 und zwar den von jedem Ger\u00e4t, das damit verbunden ist.\u00a0Sowohl das Smartphone des Hacking-Opfers als auch die Computer und Mobilfunkger\u00e4te der Familienmitglieder, die Videospielkonsole und sogar s\u00e4mtliche Smart-Home-Ger\u00e4te befinden sich dann unter der Kontrolle des Angreifers, der alle Daten, die von diesen Ger\u00e4ten gesendet und empfangen werden, in Echtzeit abfangen und \u00fcberwachen kann.\u00a0<\/p>\n<p>Ein Albtraum f\u00fcr Sicherheitsbeh\u00f6rden und alle, die beruflich Zugang zu sensiblen Daten haben.\u00a0Denn wer wei\u00df, ob es der chinesischen Regierung \u00fcber diesen Weg so nicht auch gelingen k\u00f6nnte, sich langsam und unentdeckt an hochrangige Funktion\u00e4re beim Milit\u00e4r oder Mitglieder der vielen Sicherheitsaussch\u00fcsse heranzuschleichen. Gleichzeitig ist TikTok f\u00fcr Demokraten und Republikaner gleicherma\u00dfen aber auch zum <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/digital\/tiktok-usa-wahl-1.5107474\">Schl\u00fcssel<\/a> geworden, junge W\u00e4hler zu erreichen, die soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter zunehmend meiden.\u00a0Ein Interessenkonflikt, der sich bei\u00dft. Einerseits m\u00f6chte die Administration von US-Pr\u00e4sident Joe Biden die offensichtlichen Vorteile der App im Sinne der demokratischen Partei f\u00fcr anstehende Wahlk\u00e4mpfe nutzen, andererseits f\u00fcrchtet sie aber auch die m\u00f6glichen Folgen, die ein unkontrolliertes Agieren der chinesischen Firma auf amerikanischem Boden haben k\u00f6nnte. Laut einem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2022-10-29\/biden-s-on-tik-tok-despite-us-government-suspicions-of-service\">Bericht<\/a> von <em>Bloomberg<\/em> erw\u00e4gt die Biden-Administration deshalb einen Kompromiss, der es TikTok erlauben w\u00fcrde, in den USA unter dem Eigentum der chinesischen Muttergesellschaft ByteDance Ltd. weiter zu operieren.<\/p>\n<p>Die Vereinbarung w\u00fcrde beinhalten, dass der Datenverkehr der US-Nutzer \u00fcber Server des US-amerikanischen Cloud-Computing-Unternehmens Oracle geleitet wird, wobei der in den USA ans\u00e4ssige Datenbank-Gigant die Algorithmen der App pr\u00fcft. Wegen der j\u00fcngsten Datenskandale des Social-Media-Konzerns sind die Bem\u00fchungen des US-Pr\u00e4sidenten zuletzt jedoch ins Stocken geraten, da die App nach Ansicht der US-Sicherheitsbeh\u00f6rden weiterhin eine Bedrohung f\u00fcr die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellt.<\/p>\n<p>Insbesondere das US-Justizministerium, das in den USA f\u00fcr die Spionageabwehr zust\u00e4ndig ist, hegt seit langem Bedenken gegen die chinesische App. So soll die stellvertretende US-Justizministerin Lisa Monaco den von der Biden-Regierung entworfenen Kompromiss privat wiederholt kritisiert haben. Dieser gehe nicht weit genug, um die Daten von US-Nutzern vor chinesischen Akteuren zu sch\u00fctzen, wie <em>Bloomberg<\/em> berichtete. Mitunter auch deshalb erw\u00e4gt der US-Kongress nun ein Gesetz, das TikTok offiziell zumindest von allen Regierungshandys verbannen w\u00fcrde.<\/p>\n<h4>Datenschutzbeauftragte schlagen Alarm<\/h4>\n<p>Doch nicht nur die\u00a0Vereinigten Staaten haben vor der Nutzung von TikTok gewarnt. Auch der Europ\u00e4ischen Union ist die App zunehmend ein Dorn im Auge. Eine erst Anfang November <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/newsroom.tiktok.com\/en-gb\/an-update-to-our-privacy-policy\">angek\u00fcndigte<\/a> \u00c4nderung der <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/legal\/page\/eea\/privacy-policy\/de-DE\">Datenschutzrichtlinien<\/a> der App f\u00fcr Nutzer in Europa, l\u00e4sst Sicherheitsexperten in der EU Alarm schlagen. Diese nennt China jetzt erstmals als eines von mehreren Drittl\u00e4ndern, in denen &#8220;bestimmte&#8221; Mitarbeiter des Unternehmens aus der Ferne auf Nutzerdaten zugreifen k\u00f6nnen, um so angeblich &#8220;wichtige&#8221; Aktualisierungen und Wartungsarbeiten auszuf\u00fchren \u2013\u00a0 und das inmitten einer <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.dataprotection.ie\/en\/news-media\/latest-news\/dpc-launches-two-inquiries-tiktok-concerning-compliance-gdpr-requirements-relating-processing\">Untersuchung<\/a> der irischen <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.dataprotection.ie\/\">Datenschutzkommission (DPC)<\/a>, ob die Daten\u00fcbertragungen des Unternehmens dem Standard der Allgemeinen <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.datenschutz-grundverordnung.eu\/\">EU-Datenschutzverordnung<\/a> (GDPR) entsprechen.<\/p>\n<p>In Irland untersucht die DPC derzeit die Weitergabe von Millionen europ\u00e4ischer Daten durch TikTok an China. Auf Anfrage von\u00a0<em>Politico<\/em>\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.politico.eu\/article\/tiktok-reckoning-west-china-link\/\">erkl\u00e4rte<\/a> die Beh\u00f6rde, dass sie voraussichtlich Anfang 2023 einen Entscheidungsentwurf ver\u00f6ffentlichen wird. Obwohl die Einzelheiten der Untersuchung bisher nicht bekannt sind, k\u00f6nnte sie m\u00f6glicherweise zu einem Verbot der App in der EU und zu einer Geldstrafe f\u00fchren.<\/p>\n<h4>TikTok r\u00e4umt Weitergabe von Daten an China ein<\/h4>\n<p>In der erst k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichen Ank\u00fcndigung TikToks zur \u00c4nderung der Datenschutzrichtlinien r\u00e4umte die europ\u00e4ische Datenschutzbeauftragte des Konzerns, Elaine Fox, letztlich ein, dass Mitarbeiter in China auf die Daten von Europ\u00e4ern zugreifen und best\u00e4tigte damit langgehegte Vermutungen im Westen. &#8220;Wir erlauben bestimmten Mitarbeitern unserer Unternehmensgruppe in Brasilien, Kanada, China, Israel, Japan, Malaysia, den Philippinen, Singapur, S\u00fcdkorea und den Vereinigten Staaten den Fernzugriff auf die Daten europ\u00e4ischer TikTok-Nutzer. Unsere Sicherheitskontrollen umfassen Systemzugangskontrollen, Verschl\u00fcsselung und Netzwerksicherheit&#8221;, erkl\u00e4rte Fox.\u00a0<\/p>\n<p>Laut Fox w\u00fcrden die Mitarbeiter\u00a0jedoch nur\u00a0dann Zugang erhalten, wenn sie diesen nachweislich f\u00fcr ihre Arbeit ben\u00f6tigen, und dass sie einer Reihe von robusten Sicherheitskontrollen und Genehmigungsprotokollen unterliegen w\u00fcrden, die mit der Europ\u00e4ischen Datenschutz-Grundverordnung konform gingen. Dennoch werden die Eingest\u00e4ndnisse des chinesischen Unternehmens wahrscheinlich zu neuen Fragen dar\u00fcber f\u00fchren, ob die chinesische Regierung in der Lage ist, TikTok zum Ausspionieren von Menschen zu nutzen.\u00a0<\/p>\n<p>Zudem wird das offenkundige Vorgehen des Konzerns den Aufsichtsbeh\u00f6rden auf beiden Seiten des Atlantiks nun wohl auch neuen Auftrieb geben, gegen die Datenkrake TikTok vorzugehen. In den USA verhandelt TikTok derzeit zudem mit <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.wiley.law\/alert-CFIUS-Releases-First-Ever-Enforcement-and-Penalty-Guidelines\">CFIUS<\/a>, einem US-Gremium, das pr\u00fcft, ob das ausl\u00e4ndische Unternehmen durch die Ver\u00e4u\u00dferung an ein in den USA ans\u00e4ssiges Unternehmen im Land t\u00e4tig bleiben kann. Nach den neusten Enth\u00fcllungen k\u00f6nnte jetzt auch dieser Versuch, eine Einigung mit den USA zu erzielen, auf der Kippe stehen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0\u2013 <\/strong><a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/europa\/152118-big-brother-in-eu-kampagne\/\">Big Brother in der EU: Kampagne gegen geplante Chat-\u00dcberwachung der EU-Kommission<\/a><\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/154516-gefaehrlich-beliebte-datenkraken-wie-social\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur in Deutschland haben Social-Media-Plattformen wie Facebook oder TikTok immer mehr Zulauf. Doch was geschieht mit den gesammelten Daten? Und k\u00f6nnen diese von Regierungen missbraucht werden? F\u00e4lle in der Vergangenheit zeigten eindeutig: ja \u2013 sogar mit verheerenden Folgen. 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