{"id":2143,"date":"2022-04-21T14:34:52","date_gmt":"2022-04-21T15:34:52","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/experten-russlands-ferne-regionen-durch-westliche-sanktionen-weniger-betroffen\/"},"modified":"2022-04-21T14:34:52","modified_gmt":"2022-04-21T15:34:52","slug":"experten-russlands-ferne-regionen-durch-westliche-sanktionen-weniger-betroffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/experten-russlands-ferne-regionen-durch-westliche-sanktionen-weniger-betroffen\/","title":{"rendered":"Experten: Russlands ferne Regionen durch westliche Sanktionen weniger betroffen"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p>Die Hauptrisiken f\u00fcr die russischen Regionen aufgrund der Folgen der derzeitigen Krise seien ein R\u00fcckgang der Industrieproduktion, ein Anstieg der Arbeitslosigkeit\u00a0(latent und offiziell) sowie ein R\u00fcckgang der Steuereinnahmen der regionalen Haushalte. Diese Probleme der russischen Gebietsk\u00f6rperschaften vor dem Hintergrund des Sanktionsdrucks hat Natalja Subarewitsch, Expertin f\u00fcr Regional\u00f6konomie und Professorin an der Geografischen Fakult\u00e4t der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universit\u00e4t (MGU), in einer Podiumsdiskussion auf der Konferenz &#8220;Lomonossow-Lesungen&#8221; am 18. April eingeordnet.<br \/><strong><\/strong><\/p>\n<p>Die aktuelle Sanktionskrise \u00e4hnele in keiner Weise fr\u00fcheren wirtschaftlichen Schocks des letzten Jahrzehnts\u00a0\u2013 etwa der \u00d6lkrise\u00a0der Jahre 2014\/2015 oder der Coronavirus-Krise im Jahr 2020. Weder im Hinblick auf den Umfang der betroffenen Branchen, noch\u00a0hinsichtlich\u00a0der Geschwindigkeit der Erholung. Laut Subarewitsch war die Krise des Jahres 2015 von einem ungleichen R\u00fcckgang in den verschiedenen Branchen gepr\u00e4gt. COVID-19 traf die Wirtschaft hart, aber sie konnte sich schnell erholen. Die neue Krise werde hingegen alle betreffen.<\/p>\n<h3><strong>Gef\u00e4hrdete russische Industrien und Regionen<\/strong><\/h3>\n<p>Der R\u00fcckzug ausl\u00e4ndischer Unternehmen aus Russland, Verbote f\u00fcr die Lieferung von Komponenten, inl\u00e4ndische Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr die Ausfuhr von G\u00fctern (zum Beispiel bestimmte Feldfr\u00fcchte), eine geringere Nachfrage nach russischen Rohstoffen und ein logistisches Chaos\u00a0\u2013 all das seien Gr\u00fcnde f\u00fcr die Probleme, mit denen die Regionen konfrontiert sein werden, sagte die Expertin voraus.<\/p>\n<p>Subarewitsch\u00a0zeigte sich besonders besorgt \u00fcber Industriezentren,\u00a0wo der Anteil der Besch\u00e4ftigung im verarbeitenden Gewerbe hoch ist. Zwei Drittel der 16 Regionen Russlands sind f\u00fcr die Industrieproduktion verantwortlich, zitierte Subarewitsch Daten. Der Anteil der Besch\u00e4ftigten im verarbeitenden Gewerbe ist am h\u00f6chsten im Zentralen F\u00f6derationskreis (vor allem in den Gebieten Wladimir und Kaluga), in der Wolgaregion (Gebiete Uljanowsk, Mari El, Udmurtien), in den Regionen des &#8220;\u00d6l- und Gasgebiets&#8221; Ural (Gebiete Tscheljabinsk und Swerdlowsk) und im Nordwestlichen F\u00f6derationskreis (Gebiete Nowgorod und Wologda).<\/p>\n<p>Unter den gef\u00e4hrdeten Branchen hob\u00a0Subarewitsch den Maschinenbau hervor. Abgesehen von den direkten Verlusten, die die Regionen durch den R\u00fcckzug ausl\u00e4ndischer Hersteller erleiden w\u00fcrden \u2013 unter anderem in der Automobilindustrie (Gebiet Kaluga) \u2013 werde eine Rezession f\u00fcr Unternehmen erwartet, die importierte Komponenten verwenden. Dies gelte f\u00fcr die Bereiche Verkehr, Energie, \u00d6l- und Gastechnik (Gebiete Twer, Swerdlowsk). Gleichzeitig w\u00fcrden sich die Probleme der gr\u00f6\u00dften Akteure auf verwandte Unternehmen in anderen Regionen auswirken.<\/p>\n<p>Subarewitsch sagte auch Schwierigkeiten f\u00fcr Regionen mit einem hohen Anteil an Brennstoff- und Energieunternehmen sowie \u00d6l- und Gasunternehmen voraus. In der Kohleindustrie seien die schlimmsten Auswirkungen im Gebiet Kemerowo zu verzeichnen, da die Europ\u00e4ische Union die Lieferungen nach Europa beschr\u00e4nkt hat (vor den Sanktionen entfielen 25 Prozent aller russischen Kohleexporte auf diesen Markt).\u00a0Die Expertin\u00a0warnte:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Es ist unm\u00f6glich, dieses Volumen auf den asiatischen Markt umzuleiten, da die Transsibirische Eisenbahn an ihre Kapazit\u00e4tsgrenzen st\u00f6\u00dft.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Pers\u00f6nliche Sanktionen und Exportverbote w\u00fcrden Stahlzentren betreffen, die haupts\u00e4chlich auf die europ\u00e4ischen und US-amerikanischen M\u00e4rkte ausgerichtet sind (Tscherepowez im Gebiet Wologda und Stary Oskol im Gebiet Belgorod). Aufgrund der Sanktionen gegen den russischen Gesch\u00e4ftsmann Alexei Mordaschow verlor sein Unternehmen Severstal die M\u00f6glichkeit, seine Stahlerzeugnisse nach Europa zu exportieren. Dar\u00fcber hinaus\u00a0hat\u00a0die EU die Einfuhr von Stahl und Eisen aus Russland verboten, die zuvor 3,3 Milliarden Euro pro Jahr einbrachten.<\/p>\n<p>Die Holz- sowie die Zellstoff- und Papierindustrie seien wegen des Exportverbots in die EU unter Druck geraten. Die Werke in Sibirien k\u00f6nnten zwar f\u00fcr mehrere Jahre Zellstoff nach China liefern. Aber\u00a0die Umleitung von Produkten, die bisher mit der Bahn nach Europa transportiert wurden, etwa aus Karelien, den Gebieten Archangelsk und Komi nach China sei problematisch.<\/p>\n<p>Jelena Anissimowa, die Abteilungsdirektorin und Leiterin der regionalen AKRA-Ratinggruppe, f\u00fcgte hinzu:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Fern\u00f6stliche und sibirische Regionen, die Handelsbeziehungen zu China unterhalten, w\u00e4ren nat\u00fcrlich weniger betroffen. Russische Regionen, deren Wirtschaft zu einem gro\u00dfen Teil von ausl\u00e4ndischen Unternehmen und importierten Komponenten abh\u00e4ngt, wie z.B. die Gebiete Kaluga, Kaliningrad und Leningrad, k\u00f6nnten ihrerseits Schwierigkeiten bekommen.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3><strong>Unsicherheitsfaktor<\/strong><\/h3>\n<p>Nach Ansicht der MGU-Professorin Subarewitsch werden nicht nur die Industrie, sondern auch der Dienstleistungs- und Handelssektor betroffen sein. Dieser Sektor sei in den Gro\u00dfst\u00e4dten und regionalen Zentren am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt. Die in diesem Sektor Besch\u00e4ftigten werden aufgrund des R\u00fcckgangs der Nachfrage und der Zahlungsf\u00e4higkeit der Verbraucher von Entlassungen bedroht sein. Wenn Gro\u00dfunternehmen es sich nicht leisten k\u00f6nnten, Arbeitspl\u00e4tze zumindest zum Mindestlohn zu erhalten, k\u00f6nnten es Arbeitgeber im Dienstleistungssektor ebenso wenig, warnte die Expertin. Sie sieht ein hohes Risiko von Entlassungen in den Gebieten Woronesch, Iwanowo, Kaliningrad, Rostow, Nischni Nowgorod und Pensa.<\/p>\n<p>Bis Ende 2022 werde die Arbeitslosigkeit nach \u00fcbereinstimmenden Prognosen bei sieben bis acht Prozent und der R\u00fcckgang des Realeinkommens bei f\u00fcnf bis zehn Prozent liegen, sch\u00e4tzt Subarewitsch. Gleichzeitig prognostizierte sie eine Zunahme der verdeckten Arbeitslosigkeit und der Unterbesch\u00e4ftigung, wenn Besch\u00e4ftigte in Teilzeitarbeit versetzt werden und die \u00fcblichen L\u00f6hne sinken. Wie Subarewitsch betonte, beziehen sich ihre Prognosen auf das Ende der ersten Aprildekade \u2013 langfristige Sch\u00e4tzungen seien aufgrund der sich rasch \u00e4ndernden Bedingungen bedeutungslos.<\/p>\n<p>Anissimowa stimmte ihr bei, dass in der Situation der Unsicherheit Prognosen schnell veraltet seien. Sie sagte:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Das Ergebnis des Jahres wird vom Wechselkurs, von der F\u00e4higkeit des Landes, die Export- und Importstr\u00f6me umzugestalten, und von der L\u00f6sung der logistischen Probleme abh\u00e4ngen.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der Umstand, dass die tats\u00e4chliche Abh\u00e4ngigkeit der regionalen Volkswirtschaften von der ausl\u00e4ndischen Komponente unbekannt ist, vergr\u00f6\u00dfere die Unsicherheit noch zus\u00e4tzlich. Es gebe keine entsprechenden Daten, so Anissimowa.<\/p>\n<p>AKRA sch\u00e4tzte, dass die regionalen Ausgaben durch die Inflation erheblich beeintr\u00e4chtigt werden k\u00f6nnten, wobei die Steuereinnahmen sowohl bei der Einkommenssteuer als auch bei der Gesamteinkommenssteuer (letztere umfasst die wichtigsten Steuern f\u00fcr kleine Unternehmen) und bei der pers\u00f6nlichen Einkommenssteuer aufgrund der steigenden Arbeitslosigkeit sinken. Anissimowa bemerkte:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;In diesem Fall w\u00fcrden die Defizite der regionalen Haushalte sehr gro\u00df sein. Unseren Berechnungen zufolge haben jedoch 75 Subjekte der Russischen F\u00f6deration im vergangenen Jahr ihre Kontosalden erh\u00f6ht, was es ihnen erm\u00f6glichen wird, ihre Defizite teilweise zu finanzieren.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3><strong>Ma\u00dfnahmen zur Unterst\u00fctzung der Regionen<\/strong><\/h3>\n<p>Inzwischen haben die russischen Beh\u00f6rden bereits eine Reihe von Ma\u00dfnahmen entwickelt, um den Regionen durch verg\u00fcnstigte Darlehen zu helfen. Das Gesetz zur Unterst\u00fctzung der finanziellen Stabilit\u00e4t der regionalen Haushalte wurde am 20. April von der Staatsduma in zweiter und dritter Lesung verabschiedet. Bis zu 390,7 Milliarden Rubel (etwa 4,7 Milliarden Euro) werden aus der f\u00f6deralen Staatskasse f\u00fcr Haushaltsdarlehen zur Refinanzierung der Schuldenverpflichtungen\u00a0der Regionen und Gemeinden bereitgestellt.<\/p>\n<p>Wie das russische Finanzministerium mitteilte,\u00a0umfassen\u00a0die beschlossenen \u00c4nderungen des Haushaltsgesetzes drei Neuerungen. Erstens\u00a0werden den Regionen Sonderkonditionen f\u00fcr den Erhalt kurzfristiger Darlehen von den f\u00f6deralen Finanzministerien gew\u00e4hrt: Die Kreditaufnahmegrenze wird auf 10 Prozent der Einnahmen der Region erh\u00f6ht. Die zweite Neuerung besteht darin, dass die Regionen zus\u00e4tzliche Haushaltsdarlehen zu einem Zinssatz von 0,1 Prozent pro Jahr erhalten k\u00f6nnen, um ihre Marktanleihen zu tilgen, die zu Beginn des laufenden Jahres bestanden und im Zeitraum M\u00e4rz-Dezember 2022 zur\u00fcckgezahlt werden m\u00fcssen. Der dritte Block von \u00c4nderungen befreit die Regionen von der R\u00fcckzahlung von Haushaltsschulden im laufenden Jahr in H\u00f6he von etwas mehr als 60 Milliarden Rubel (etwa 729 Millionen Euro). Wie ein Vertreter des Finanzministeriums klarstellte, wird dies 75 Regionen der Russischen F\u00f6deration betreffen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurden die regionalen Gouverneure nach einem Treffen mit Pr\u00e4sident Putin am 16. M\u00e4rz angewiesen, pers\u00f6nlich den Vorsitz in den operativen Zentralen f\u00fcr die nachhaltige Entwicklung der Regionen zu \u00fcbernehmen. Die Regierung wiederum wurde angewiesen, eine zus\u00e4tzliche Indexierung der Zusch\u00fcsse im Rahmen des Finanzausgleichs vorzunehmen. Au\u00dferdem soll die Regierung gemeinsam mit den regionalen Verwaltungen daf\u00fcr sorgen, dass das Ausma\u00df der Armut und der Einkommensungleichheit in der Bev\u00f6lkerung bis 2022 verringert wird. Der Block der Anweisungen des Pr\u00e4sidenten betrifft auch die Unterst\u00fctzung von Russen, die nach dem 1. M\u00e4rz ihren Arbeitsplatz verloren haben, und von Familien, die in dieser Zeit mit erheblichen Einkommensverlusten konfrontiert waren.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211; <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/russland\/136208-russlands-staatsschulden-schrumpfen-auf-niedrigsten-stand\/\" rel=\"noopener\">Russlands Staatsschulden schrumpfen auf niedrigsten Stand seit 13 Jahren<\/a><\/p>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/russland\/136681-experten-russlands-ferne-regionen-durch\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hauptrisiken f\u00fcr die russischen Regionen aufgrund der Folgen der derzeitigen Krise seien ein R\u00fcckgang der Industrieproduktion, ein Anstieg der Arbeitslosigkeit\u00a0(latent und offiziell) sowie ein R\u00fcckgang der Steuereinnahmen der regionalen Haushalte. 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