{"id":20207,"date":"2022-10-02T22:05:57","date_gmt":"2022-10-02T20:05:57","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/kolonialmacht-2-0-eu-will-uganda-und-tansania-bau-einer-oelpipeline-verbieten\/"},"modified":"2022-10-02T22:05:57","modified_gmt":"2022-10-02T20:05:57","slug":"kolonialmacht-2-0-eu-will-uganda-und-tansania-bau-einer-oelpipeline-verbieten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/kolonialmacht-2-0-eu-will-uganda-und-tansania-bau-einer-oelpipeline-verbieten\/","title":{"rendered":"Kolonialmacht 2.0: EU will Uganda und Tansania Bau einer \u00d6lpipeline verbieten"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/10\/6339ef8848fbef3a9a39538d.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Das Europ\u00e4ische Parlament versucht Uganda und Tansania den Bau einer \u00d6lpipeline zu verbieten. Dabei k\u00f6nnte das Projekt nicht nur die Entwicklung der afrikanischen L\u00e4nder, sondern auch Europas angeschlagene Energieversorgung unterst\u00fctzen. Was treibt Br\u00fcssel an?\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Anastassija Popowa<\/em><\/p>\n<p>Was passiert, wenn man franz\u00f6sische und chinesische Investitionen, postkoloniale Streitigkeiten mit Br\u00fcsseler B\u00fcrokratie vermischt und obendrauf beheiztes Erd\u00f6l dazugibt? Aus einer solchen Mischung kann nichts Gutes entstehen.<\/p>\n<p>Zu dieser Ansicht ist man inzwischen in Uganda gekommen. Dort versucht die EU, die franz\u00f6sische Firma TotalEnergies um ihr gr\u00f6\u00dftes Projekt zu bringen, an dem auch Chinesen mit acht Prozent beteiligt sind. Es handelt sich um die weltweit l\u00e4ngste beheizte \u00d6lpipeline, die das auf 50 Grad erw\u00e4rmte schwarze Gold vom Vorkommen am Albertsee zum Hafen Tanga in Tansania bef\u00f6rdern soll. Diese 1.500 Kilometer an Rohren k\u00f6nnten das ostafrikanische Land ohne Meereszugang zu einem der gr\u00f6\u00dften Roh\u00f6lexporteure verwandeln. Unterschiedlichen Sch\u00e4tzungen zufolge k\u00f6nnte das Transportvolumen im Durchschnitt 230.000 Barrel pro Tag erreichen. Der Umfang der \u00d6lvorr\u00e4te wird dabei auf \u00fcber 6,5 Milliarden Barrel gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Das noch im Jahr 2006 entdeckte \u00d6lvorkommen k\u00f6nnte aus Uganda einen wichtigen Spieler auf dem internationalen Energiemarkt machen, denn es ist das gr\u00f6\u00dfte afrikanische Landvorkommen s\u00fcdlich der Sahara. Auch Europa w\u00fcrde jetzt zus\u00e4tzliches \u00d6l durchaus gebrauchen. Man m\u00f6chte glauben, dass Investitionen und Bau direkt beginnen k\u00f6nnen, denn entsprechende Dokumente sind unterzeichnet. Eine bequeme Alternative zu russischen Energietr\u00e4gern. Und auch ein Meereszugang w\u00e4re vorhanden, denn die Pipeline w\u00fcrde direkt zu einem Hafen f\u00fchren. Doch dann mischte sich Europaparlament ein.<\/p>\n<p>Die Abgeordnetenversammlung erlie\u00df einen <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/RC-9-2022-0409_EN.html\">Beschluss<\/a>, der von Uganda und Tansania fordert, das zehn Milliarden US-Dollar teure Projekt einzustellen. Dieses berge n\u00e4mlich &#8220;gro\u00dfe Risiken&#8221; und rufe &#8220;ernsthafte Besorgnis in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen&#8221; hervor. Nochmals: Br\u00fcssel <strong>fordert <\/strong>von zwei afrikanischen L\u00e4ndern, auf das f\u00fcr sie wichtigste Energieprojekt, das ihnen einen Weg auf den Weltmarkt ebnen soll, <strong>zu verzichten<\/strong>. [Hervorhebungen des Originals, Anm. d. \u00dcbersetzers]<\/p>\n<p>Uganda war regelrecht schockiert, auch wenn das Land europ\u00e4ische Unversch\u00e4mtheit gewohnt ist. Eine Reaktion erfolgte umgehend \u2013 Br\u00fcssels Versuch, zu diktieren, was das Land zu tun habe, wurde als anma\u00dfend und nicht hinnehmbar bezeichnet. Eine Stellungnahme des ugandischen Parlaments sprach von <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.monitor.co.ug\/uganda\/news\/national\/uganda-parliament-slams-racist-eu-position-on-oil-pipeline-3950736\">&#8220;wirtschaftlicher Sabotage und Erpressung&#8221;<\/a>.<\/p>\n<p>Das Au\u00dfenministerium bereitete ein Dokument vor, das von europ\u00e4ischen Abgeordneten Erkl\u00e4rungen fordert. Im Sommer hatte Uganda sie n\u00e4mlich empfangen und bewirtet, durchs Land gef\u00fchrt und mit dem Projekt bekannt gemacht, ihnen erkl\u00e4rt, wie fortschrittlich und umweltfreundlich es sei. Das \u00d6l soll durch Solarzellen erw\u00e4rmt werden, Menschen, deren Grundst\u00fccke vom Bau der Pipeline betroffen werden, Entsch\u00e4digungszahlungen erhalten.<\/p>\n<p>Doch nach ihrer R\u00fcckkehr aus dem Afrika-Urlaub ins Europaparlament verlasen die Abgeordneten die noch im Voraus verfassten Texte, die nach Ansicht der Regierung Ugandas und der franz\u00f6sischen Firma TotalEnergies nichts mit der Realit\u00e4t zu tun haben \u2013 beispielsweise im Hinblick auf die CO\u2082-Emissionen. Die Parlamentarier verk\u00fcndeten: Das Projekt werde dem Klima 34 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid j\u00e4hrlich bescheren. Nach Berechnungen der Entwickler wird der Aussto\u00df insgesamt 13 Millionen Tonnen w\u00e4hrend einer Periode von 20 Jahren betragen.<\/p>\n<p>Die Auftritte und Reden waren wie voneinander kopiert. Ein Redner nach dem anderen bekam einen hysterischen Anfall und machte sich Sorgen, mal um bestimmte Volksst\u00e4mme, mal um ugandische Bauern, mal um Rothschild-Giraffen, mal um Nilpferde. Sie alle w\u00fcrden in ihren Rechten verletzt und schuld sei die \u00d6lpipeline. Ich habe mir extra die Transkriptionen aller Auftritte angesehen und sie sprachen tats\u00e4chlich von <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/plenary\/en\/vod.html?mode=unit&amp;vodLanguage=EN&amp;playerStartTime=20220914-18:57:04&amp;playerEndTime=20220914-18:59:26\">Nilpferden<\/a>. Die EU-Parlamentarier haben momentan wohl keine anderen Sorgen als Nilpferde in Afrika.<\/p>\n<p>Wie die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, stehen hinter allen Beschl\u00fcssen \u00fcber Rechtsverletzungen in dem einen oder anderen Land in erster Linie wirtschaftliche oder politische Interessen. Alles, was zurzeit auf dem afrikanischen Kontinent passiert, muss unter die Lupe genommen werden, besonders, wenn alle m\u00f6glichen \u00d6kologen und Umweltsch\u00fctzer auf die B\u00fchne treten. Leider sorgt sich nur eine Minderheit unter ihnen um das Klima. Die absolute Mehrheit l\u00e4sst sich f\u00fcr politischen Druck und Wirtschaftskriege instrumentalisieren. Angesichts der sich gegenw\u00e4rtig wandelnden geopolitischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse w\u00e4re es ganz interessant zu wissen, wer mit diesem franz\u00f6sischen Projekt in Afrika unzufrieden war \u2013 k\u00f6nnte es doch sowohl Europa und Asien mit dem so dringend gebrauchten zus\u00e4tzlichen Treibstoff versorgen als auch die Entwicklung der afrikanischen L\u00e4nder unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Nat\u00fcrlich ist es f\u00fcr die USA vorteilhaft, eine Art Monopolstellung zu bewahren, Unsummen am Verkauf von \u00d6l und Gas nach Europa zu verdienen und Europa selbst dabei halb erstickt zu halten. Und wenn wir die Nichtregierungsorganisationen betrachten, die die Einstellung des Projekts am lautesten forderten, stellt es sich heraus, dass sich deren Hauptsitz in den USA befindet.<\/p>\n<p>Andererseits steht das gr\u00f6\u00dfte franz\u00f6sische \u00d6l- und Gasunternehmen, das den vierten Platz bez\u00fcglich der F\u00f6rdermengen belegt und in 130 L\u00e4ndern arbeitet, ungef\u00e4hr seit August unter Druck, weil es den russischen Markt noch immer nicht verlie\u00df. Dabei hatte TotalEnergies mehrmals seine Solidarit\u00e4t mit der Ukraine bekundet und finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kiews Streitkr\u00e4fte versprochen.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz dieses Jahres hatte der Vorstandsvorsitzende von TotalEnergies, Patrick Pouyann\u00e9, erkl\u00e4rt, dass sein Unternehmen <strong>nicht <\/strong>plant, Russland v\u00f6llig zu verlassen, weil es dort dreizehn Milliarden US-Dollar investiert habe. Er sagte damals:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Wissen sie, was passiert, wenn ich den Vertrag f\u00fcr russische Gaslieferungen k\u00fcndige? Ich werde Milliarden an Russland zahlen.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Im Sommer war das Unternehmen dennoch gezwungen, ihre Pr\u00e4senz in Russland zu verringern. Die Presse beschuldigte es einer &#8220;Beihilfe zu Kriegsverbrechen&#8221; und einer &#8220;Finanzierung der russischen Armee&#8221;. TotalEnergies wehrte sich, indem es in Zeitungen Gegenerkl\u00e4rungen ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<p>Der Hysterie schlossen sich die h\u00f6chsten Amtstr\u00e4ger der Ukraine an und begannen praktisch \u00f6ffentliche Erpressungen. Selenskijs Hauptberater \u2013 Oleg Ustenko und Michail Podoljak \u2013 forderten von TotalEnergies auf Dividenden zu verzichten und all dieses Geld der Ukraine zu \u00fcberweisen. Es handelte sich um 440 Millionen US-Dollar, die die Firma vom Verkauf ihres 19-prozentigen Anteils am russischen Nowatek erhalten sollte. Das sei Blutgeld, schrieben die Berater. Pouyann\u00e9 schwieg sich aus, doch bis Ende September muss der Verkauf des franz\u00f6sischen Anteils an Nowatek abgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Der Leser k\u00f6nnte sich nun fragen, was das mit Uganda zu tun hat. Wie sich herausstellte, ist dies mindestens ein weiterer Druckhebel gegen TotalEnergies. Marie Toussaint, die im Europaparlament als Abgeordnete Frankreichs auftrat und sich besonders gro\u00dfe Sorgen um Nilpferde machte, sprach von der Pipeline wie folgt:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Dieses Projekt geh\u00f6rt TotalEnergies, einem der wenigen Unternehmen mit einem europ\u00e4ischen Status und dem Umweltverschmutzer auf Platz 17. Das ist genau diejenige Firma, die noch gestern mit der birmanischen Junta zusammenarbeitete und die russische Bomber mit Treibstoff versorgte.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Im \u00dcbrigen verdient auch Uganda aus Br\u00fcssels Sicht eine Bestrafung in Form der Unterminierung eines derart wichtigen Infrastrukturprojekts. Muhoozi Kainerugaba, Befehlshaber der ugandischen Landstreitkr\u00e4fte und Sohn des Staatspr\u00e4sidenten, ver\u00f6ffentlichte in seinem offiziellen Twitter-Account ein Foto von Wladimir Putin und schrieb:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Wir h\u00f6ren ihn. Ein Angriff auf Russland ist ein Angriff auf Afrika!&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-twitter\">\n<div class=\"TwitterEmbed\">\n<blockquote class=\"twitter-tweet lazyload\" data-twitter=\"twitter-tweet\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">President Putin does not have to threaten nuclear war. We hear him. An attack on Russia is an attack on Africa! <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/t.co\/r2Xpe56V5Q\">pic.twitter.com\/r2Xpe56V5Q<\/a><\/p>\n<p>\u2014 Muhoozi Kainerugaba (@mkainerugaba) <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/twitter.com\/mkainerugaba\/status\/1573645385360351237?ref_src=twsrc%5Etfw\">September 24, 2022<\/a><\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Der Staatschef f\u00fcgte indessen hinzu, dass Uganda andere Auftragnehmer finden werde, sollten die Franzosen den Bau der Pipeline verweigern. Es gestaltet sich eine bemerkenswerte Lage.<\/p>\n<p>Wie die UNO-Abstimmung zeigt, stellte sich der afrikanische Kontinent nicht auf die Seite des kollektiven Westens. Im Gegenzug versucht der Westen unter dem Deckmantel des Umweltschutzes und der Menschenrechte, Projekte zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region zu sabotieren. Gleichzeitig verzichtet er auf potenzielle Vorteile f\u00fcr sich selbst und greift sein eigenes gro\u00dfes Privatunternehmen an, das all diese Zeit zwischen zwei St\u00fchlen zu sitzen versuchte. Anscheinend erhalten die Abgrenzungslinien immer klarere Umrisse. Entweder seid ihr auf der einen Seite, oder auf der anderen. Eine dritte, neutrale Variante scheint nicht mehr zu existieren.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/afrika\/144577-ugandas-prasident-lobt-russlands-langjahrige\/\">Ugandas Pr\u00e4sident lobt Russlands langj\u00e4hrige Unterst\u00fctzung f\u00fcr antikoloniale Bewegung in Afrika<\/a><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/russian.rt.com\/opinion\/1053614-popova-franciya-uganda-neft\">Russischen<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Anastassija Popowa<\/strong> ist die Leiterin des europ\u00e4ischen B\u00fcros des russischen Medienkonzerns WGTRK.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><br \/>\n<br \/><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/international\/150024-kolonialmacht-eu-uganda-tansania\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Europ\u00e4ische Parlament versucht Uganda und Tansania den Bau einer \u00d6lpipeline zu verbieten. 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