{"id":19328,"date":"2022-09-18T22:10:23","date_gmt":"2022-09-18T20:10:23","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/als-die-ukrainer-innerhalb-der-sowjetunion-die-geschicke-des-landes-lenkten\/"},"modified":"2022-09-18T22:10:23","modified_gmt":"2022-09-18T20:10:23","slug":"als-die-ukrainer-innerhalb-der-sowjetunion-die-geschicke-des-landes-lenkten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/als-die-ukrainer-innerhalb-der-sowjetunion-die-geschicke-des-landes-lenkten\/","title":{"rendered":"Als die Ukrainer innerhalb der Sowjetunion die Geschicke des Landes lenkten"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Alexander Nepogodin<\/em><\/p>\n<p>In den allerersten Jahren des Bestehens der Sowjetunion spielten die ukrainischen Bolschewiki eine wichtige Rolle beim Aufbau des gr\u00f6\u00dften Staates der Welt. Es waren die Menschen aus der Ukraine selbst, die sich w\u00e4hrend der Zeit unter Stalin an der &#8220;Ukrainisierung&#8221; beteiligten, die darauf abzielte, die russische Sprache und Kultur in der Teilrepublik zu ersetzen. Obwohl dieser Prozess Ende der 1930er Jahre offiziell beendet wurde, ging er noch viele Jahre weiter, wenn auch tr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Die sowjetische Politik erm\u00f6glichte\u00a0somit der Ukrainischen SSR, eine ziemlich eigenst\u00e4ndige Einheit zu werden, mit einer eigenen nationalen Elite und Intelligenzija\u00a0\u2013 was den Weg zur sp\u00e4teren postsowjetischen Unabh\u00e4ngigkeit ebnete. Dar\u00fcber hinaus bekleideten viele Parteifunktion\u00e4re aus der Ukraine in der UdSSR Schl\u00fcsselpositionen.<\/p>\n<p>Im Folgenden werde ich beleuchten,\u00a0welchen Einfluss die Ukrainer auf die Entwicklung der Sowjetunion hatten und wie es Kiew gelang, sich ein hohes Ma\u00df an Eigenst\u00e4ndigkeit zu erarbeiten.<\/p>\n<p><strong>Geheime Schrifts\u00e4tze<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl in der Zentralukraine geboren, zog es Leonid Breschnew vor, nicht \u00fcber seine Herkunft zu sprechen\u00a0\u2013 w\u00e4hrend Joseph Stalin ihn als Moldawier betrachtete. Laut Dokumenten hatte sich Breschnew bis in die 1950er-Jahre als Ukrainer und sp\u00e4ter als Russe ausgegeben. Der fr\u00fchere franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Val\u00e9ry Giscard d\u2019Estaing, schrieb jedoch in seinen Memoiren mit dem Titel &#8220;Macht und Leben&#8221;, dass sein Freund, Edward Gierek, der de facto ein Jahrzehnt lang Herrscher Polens war, ihm einmal erz\u00e4hlt h\u00e4tte, dass Breschnews Mutter eine Polin gewesen sei.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Edward Gierek war ein pers\u00f6nlicher Freund von Breschnew. Er erz\u00e4hlte mir \u2013 obwohl ich nicht f\u00fcr die Echtheit dieser Informationen b\u00fcrgen kann \u2013, dass Breschnews Mutter eine Polin war. Breschnew verschwieg dies, weil Russen dazu neigen, Polen mit Spott und Verachtung zu begegnen. Trotzdem war Polnisch seine Muttersprache und mit Gierek telefonierte er oft auf Polnisch.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><!--[if IE 9]&gt;<video>&lt;![endif]--><!--[if IE 9]&gt;<\/video>&lt;![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/63244f5bb480cc1c4c638968.jpg\" alt=\"\"><!-- noscript pattern --><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/63244f5bb480cc1c4c638968.jpg\" alt=\"\"><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Leonid Breschnew (Mitte) und der erste Sekret\u00e4r des Zentralkomitees der PZPR (Polnische Vereinigte Arbeiterpartei), Edward Gierek, bei einem Besuch in einem H\u00fcttenwerk. \u00a9 Sputnik \/ Eduard Pesow<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Sputnik<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch heute noch bleiben viele Schrifts\u00e4tze aus der Geschichte der Sowjetunion ein R\u00e4tsel. Viele davon betreffen die ethnische Zusammensetzung der F\u00fchrungseliten des Landes. Solche Informationen wurden vom Zentralkomitee der Partei erst 1989 ver\u00f6ffentlicht; w\u00e4hrend die Biografien von Mitgliedern der Leitungsgremien der Sowjetzeit erst 1990 ver\u00f6ffentlicht wurden\u00a0\u2013 kurz vor der Aufl\u00f6sung der UdSSR. Alle diese Dokumente best\u00e4tigten, dass viele sowjetische Staatsm\u00e4nner, Politiker, Diplomaten sowie Milit\u00e4rs und Geheimdienstoffiziere in der Ukraine geboren wurden, wobei man Angaben zur ethnischen Herkunft\u00a0aber h\u00e4ufig weglie\u00df. Au\u00dferdem wurden viele, die aus der Ukraine stammten, kurzerhand als &#8220;Russen&#8221; oder einfach als &#8220;Sowjets&#8221; registriert. Aus diesem Grund ist es heute so schwierig, den vollen Umfang des politischen Einflusses der Ukrainer auf die Entscheidungsprozesse in der Sowjetunion einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Es stimmt, dass die Ukrainer viel zum Aufbau des Sozialismus beigetragen haben. Und wenn wir sie alle zusammenfassen, dann kann man erkennen, dass immer sehr viele Funktion\u00e4re in den obersten Machtebenen aus der Ukraine stammten. Zwei unter ihnen, Nikita Chruschtschow und Leonid Breschnew, regierten das Land\u00a0\u2013 als Generalsekret\u00e4re des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei. Und das letzte Staatsoberhaupt des Landes, Michail Gorbatschow, war ein Nachfahre ukrainischer Bauern, die nach Stawropol in Russland umgesiedelt waren.<\/p>\n<p>Kliment Woroschilow und Nikolai Podgorny waren beide Ukrainer.\u00a0Sie dienten jeweils als Vorsitzende des Pr\u00e4sidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, w\u00e4hrend eine ganze Reihe von Ukrainern, zu verschiedenen Zeiten, als stellvertretende Vorsitzende fungierten. Darunter Demjan Korottschenko, Michail Gretschucha, Iwan Gruschetskij, Alexei Watschenko und Walentina Schewtschenko. Auch Dutzende der Sekret\u00e4re des Zentralkomitees und des Politb\u00fcros sowie Mitglieder der Unions-Regierung waren Ukrainer. Au\u00dferdem standen Ukrainer an der Spitze des KGB \u2013 zum Beispiel Wladimir Semitschastny, der im Oktober 1964 den erfolgreichen Putsch gegen Chruschtschow mit organisierte.<\/p>\n<p><strong>Ein Staat im Staate<\/strong><\/p>\n<p>Die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (UkrSSR) wurde von lokalen Eliten verwaltet\u00a0\u2013 was v\u00f6llig im Widerspruch zu dem modernen Mythos steht, dass die Ukraine innerhalb der Sowjetunion eine &#8220;unterdr\u00fcckte Republik&#8221; gewesen sei. Dar\u00fcber hinaus bekleideten so viele Ukrainer in der Sowjetregierung Schl\u00fcsselpositionen, dass alle Behauptungen der heutigen ukrainischen Machthaber, die UkrSSR habe unter dem Joch der Russischen Sozialistischen F\u00f6derativen Sowjetrepublik (RSFSR) gestanden und sei de facto eine Kolonie Sowjetrusslands gewesen, einfach nicht stichhaltig sind.<\/p>\n<p>Im Gegenteil. In den 1950er Jahren war die UkrSSR zu einem vollwertigen Kleinstaat geworden, der eine eigene Verfassung und Flagge und sogar ein eigenes Parlament hatte. Tats\u00e4chlich spiegelte\u00a0die Struktur dieser Teilrepublik jene der Regierung der Sowjetunion selbst wider. Die Politik der Ukraine wurde von der Kommunistischen Partei der Ukraine bestimmt, wobei das Politb\u00fcro ihr h\u00f6chstes Machtorgan war;\u00a0ihre Legislative wurde durch den Obersten Rat vertreten, die sp\u00e4ter zur Werchowna Rada wurde; w\u00e4hrend der Ministerrat die Exekutivgewalt aus\u00fcbte.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><!--[if IE 9]&gt;<video>&lt;![endif]--><!--[if IE 9]&gt;<\/video>&lt;![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/6324503348fbef565611e439.jpg\" alt=\"\"><!-- noscript pattern --><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/6324503348fbef565611e439.jpg\" alt=\"\"><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Der Brunnen &#8220;Steinerne Blume&#8221; und der Pavillon der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetischen Republik, auf dem Gel\u00e4nde der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft WDNCh. \u00a9 Sputnik \/ Wladimir Song<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Sputnik<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Wahrheit ist, dass Sowjetrussland keines der oben aufgef\u00fchrten Privilegien hatte. Die Unions-Regierung erlaubte anderen Republiken, ihre nationalen Ableger der Kommunistischen Partei und der Akademien der Wissenschaften zu haben\u00a0\u2013 aber sie erlaubte dies nicht f\u00fcr Russland. Die RSFSR hatte keine eigene Regierung. Und Joseph Stalin stellte sicher, dass dieser Fall auch nie eintreten w\u00fcrde\u00a0\u2013 aus Angst, dass ein erm\u00e4chtigtes Sowjetrussland eines Tages die Unions-Regierung herausfordern k\u00f6nnte. Diese Politik wurde derma\u00dfen streng verfolgt, dass 1949 eine Reihe hochrangiger Beamter aus Leningrad (heute: Sankt Petersburg) wegen ihrer Absicht, die Kommunistische Partei Russlands zu gr\u00fcnden, hingerichtet, verbannt oder wegen erfundener Anschuldigungen des\u00a0Hochverrats inhaftiert wurden. Dieser Vorgang wurde sp\u00e4ter als die &#8220;Leningrader Aff\u00e4re&#8221; bekannt.<\/p>\n<p>Daher sind die heutigen Tendenzen, Sowjetrussland als Kolonialmacht darzustellen, die f\u00fcr die anderen Republiken in der UdSSR verantwortlich war, mehr als fehlgeleitet. Auch andere Republiken genossen Autonomie. Zum Beispiel hatten die Wei\u00dfrussische SSR und die Ukrainische SSR ab 1945 ihre eigenen au\u00dfenpolitischen B\u00fcros und ihre eigenen Vertretungen bei den Vereinten Nationen, w\u00e4hrend die Russische SFSR derlei\u00a0nicht hatte. Dies war ein beispielloses Ma\u00df an Autonomie f\u00fcr Republiken, die Teil eines gr\u00f6\u00dferen Staates waren. Eine \u00e4hnliche Autonomie wird Schottland seitens des Vereinigten K\u00f6nigreichs zum Beispiel nicht gew\u00e4hrt. Und\u00a0in der Tat k\u00f6nnen sich nicht so viele moderne Nationalstaaten in Europa damit r\u00fchmen, tats\u00e4chliche Mitbegr\u00fcnder der UNO gewesen zu sein.<\/p>\n<p><strong>Die Herausforderungen angehen<\/strong><\/p>\n<p>Jede Sozialistische Sowjetrepublik, einschlie\u00dflich jene der Ukraine, lie\u00df ihre Landessprache als offizielle Sprache anerkennen \u2013 zum Beispiel gaben sowjetische Geldscheine ihren Wert in allen Landessprachen an. Noch wichtiger aber war, dass die Republiken von Einheimischen regiert wurden. Durch die Zusammenarbeit der lokalen Eliten und der Unions-Regierung wurde ab den 1920er Jahren eine Politik der Indigenisierung oder Nativisierung gef\u00f6rdert. Im Fall der Ukraine war es das Projekt der &#8220;Ukrainisierung&#8221;.<\/p>\n<p>Die Idee dabei war, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Erstens, die kommunistische Ideologie zu f\u00f6rdern und m\u00f6glichen nationalistischen Bewegungen in den Republiken vorzubeugen, indem man ihnen Privilegien und Befugnisse gab. Da die lokalen Nationalisten unvermeidlich Teil der Regierungen der Republiken waren, wurde die Nativisierung von den Kommunisten als praktikable L\u00f6sung angesehen, um sie f\u00fcr sich zu gewinnen und zur Zusammenarbeit zu ermutigen. Eine weitere ernsthafte Bedrohung war die Wei\u00dfe Bewegung.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung von Odessa setzte sich 1926 aus 160.000 Russen und 73.000 Ukrainern zusammen. In Charkow, der damaligen Hauptstadt der UkrSSR, lebten 154.000 Russen und 160.000 Ukrainer. Damals waren die Kriterien f\u00fcr die Feststellung der Angeh\u00f6rigkeit recht locker. Manchmal reichte es aus, anzugeben wo sich der Haushalt einer Person befand, w\u00e4hrend die Muttersprache au\u00dfer Acht gelassen werden konnte.<\/p>\n<p>Um\u00a0den neuen sozialistischen Staat aufzubauen, beschlossen die Bolschewiki, jeden m\u00f6glichen Widerstand im Keim zu ersticken, indem sie die ukrainische Kultur unterst\u00fctzten und die russische in den Hintergrund dr\u00e4ngten. Damals wanderten viele Bauern auf der Suche nach einem besseren Leben in die St\u00e4dte ab. Da sie aber dort keine Wurzeln hatten, waren sie ein geeignetes Ziel f\u00fcr die Nativisierung durch die Bolschewiki.<\/p>\n<p>Um diese Agenda voranzutreiben, proklamierten sie im April 1923, auf dem 12. Kongress der Kommunistischen Partei, offiziell eine Politik der Indigenisierung, die darauf abzielte, &#8220;Spuren des Nationalismus&#8221; zu beseitigen. Die Politik implizierte die F\u00f6rderung lokaler Sprachen und Kulturen sowie die Bildung nationaler Eliten. Das Hauptziel der Kampagne war es, die russische Kultur und Sprache in den Sowjetrepubliken durch lokale Kulturen und Sprachen zu ersetzen\u00a0\u2013 was als Kampf gegen den &#8220;gro\u00dfrussischen Chauvinismus&#8221; angepriesen wurde, der von Russlands imperialer Vergangenheit geerbt wurde.<\/p>\n<p><strong>Wie der Stahl geh\u00e4rtet wurde<\/strong><\/p>\n<p>Die Bolschewiki erkl\u00e4rten effektiv die Notwendigkeit, die\u00a0Auswirkungen der vom Russischen Reich verfolgten Politik der &#8220;Russifizierung&#8221; aufzuheben, um den Aufbau des Sozialismus zu erleichtern. Daf\u00fcr f\u00f6rderten sie lokale Eliten, gaben ihren Sprachen offiziellen Status und finanzierten die Verbreitung von Kultur und gedruckten Medien in diesen Sprachen. So begannen sich die Wei\u00dfrussen und die &#8220;Kleinrussen&#8221; (Ukrainer) \u2013 zwei Ethnien, die den Kern der russischen Nation bildeten \u2013 zu eigenst\u00e4ndigen Nationen zu formen, die ihre eigenen Ideologien innerhalb von Grenzen verfolgten, die es zuvor nie gegeben hatte.<\/p>\n<p>Die Politik der Ukrainisierung wurde von lokalen Beamten beaufsichtigt. 1924 kehrte der Hauptideologe und Vordenker der &#8220;ukrainischen Nation&#8221;, der Historiker Michail Gruschewskij, mit der Erlaubnis der Bolschewiki nach Kiew zur\u00fcck. Er entwickelte und implementierte eine Methode zur breiten F\u00f6rderung der ukrainischen Sprache durch das Sekundarschulsystem. Gleichzeitig wurden Linguisten damit beauftragt, eine literarische Form der ukrainischen Sprache zu entwickeln. Dieses Projekt wurde von den ukrainischen Bolschewiki Nikolai Skripnik und Stanislaw Kossior umgesetzt.<\/p>\n<p>&#8220;<em>Wir gro\u00dfrussischen Kommunisten m\u00fcssen Zugest\u00e4ndnisse machen, wenn es mit den ukrainischen bolschewistischen Kommunisten Meinungsverschiedenheiten \u00fcber die staatliche Eigenst\u00e4ndigkeit der Ukraine, die Formen ihres B\u00fcndnisses mit Russland und \u00fcber die nationale Frage im Allgemeinen gibt<\/em>&#8220;, schrieb Lenin bereits 1920.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><!--[if IE 9]&gt;<video>&lt;![endif]--><!--[if IE 9]&gt;<\/video>&lt;![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/6324514448fbef566e47804f.jpg\" alt=\"\"><!-- noscript pattern --><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/6324514448fbef566e47804f.jpg\" alt=\"\"><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Michail Gruschewskij \u00a9\u00a0Wikipedia<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong><\/strong>Die Ergebnisse zeigten sich rasch. Der Unterricht in ukrainischer Sprache wurde in allen Institutionen eingef\u00fchrt, wo\u00a0p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte und Lehrer in der gesamten UkrSSR ausgebildet wurden.\u00a0Und\u00a0die ukrainischer Sprache wurde auch\u00a0an den Schulen gelehrt,\u00a0wo der Unterricht ansonsten in einer anderen Sprache durchgef\u00fchrt wurde. Infolgedessen stieg der Anteil der Industriearbeiter, die sich zunehmend als Ukrainer identifizierten, zwischen 1926 und 1932 von 41 Prozent auf 53 Prozent.<\/p>\n<p>Der Prozess der &#8220;Ukrainisierung&#8221; wurde jedoch gr\u00f6\u00dftenteils von oben aufgezwungen. Und er wurde der russischsprachigen Bev\u00f6lkerung aufgezwungen, die mit dieser Politik gr\u00f6\u00dftenteils unzufrieden war. Sie lehnte insbesondere die Verpflichtung ab, die ukrainische Sprache bei formellen Veranstaltungen und Anl\u00e4ssen zu verwenden. Die Entrussifizierung war mit Propagandakampagnen verbunden, die in sowjetischen Tageszeitungen lanciert wurden, w\u00e4hrend die Zahl der Presseerzeugnisse in ukrainischer Sprache schnell zunahm.<\/p>\n<p>Dieser rasche Erfolg z\u00e4hmte den Eifer der ukrainischen Bolschewiki etwas, aber die Kampagne hatte bereits so viel Fahrt aufgenommen, dass sie nur noch schwer zu stoppen war.\u00a0Was\u00a0den\u00a0Kreml dazu zwang, dem Drang der lokalen Eliten nach Eigenst\u00e4ndigkeit noch viele Jahre entgegenzukommen. Erst Ende der 1930er Jahre wurde das Projekt der Ukrainisierung endg\u00fcltig aufgegeben, weil man bef\u00fcrchtete, es k\u00f6nnte die nationalistische ukrainische Bewegung wiederbeleben. Diese Entscheidung hatte allerdings noch einen weiteren Grund: Abiturienten sprachen oft kein Russisch und hatten deshalb Schwierigkeiten an Universit\u00e4ten, an denen weitgehend m\u00fcndlich gelehrt wurde.<\/p>\n<p>Die von der sowjetischen F\u00fchrung bis Ende der 1930er Jahre verfolgte Ukrainisierung legte eine solide Grundlage f\u00fcr die Entwicklung und das Wachstum der ukrainischen Nation und ihrer Kultur. Auch nachdem das Projekt aufgegeben wurde, hielt die Welle nationalistischer Aufwallung, wenn auch tr\u00e4ge, noch viele Jahre an. Die sowjetische Politik machte die UkrSSR effektiv zu einer autarken territorialen Einheit innerhalb der Sowjetunion, mit einer eigenen nationalen Elite und einer Klasse kreativer Intellektueller, die den Weg f\u00fcr die finale postsowjetische Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine ebneten.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><!--[if IE 9]&gt;<video>&lt;![endif]--><!--[if IE 9]&gt;<\/video>&lt;![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/632451c248fbef564e41ef92.jpg\" alt=\"\"><!-- noscript pattern --><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/632451c248fbef564e41ef92.jpg\" alt=\"\"><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Bildunterschrift: &#8220;Der gro\u00dfer Stalin \u2013 Banner der Freundschaft der V\u00f6lker der Sowjetunion&#8221; \u00a9\u00a0Getty Images \/ Elizaweta Becker<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Gettyimages.ru<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong><\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Stunde der Wahrheit<\/strong><\/p>\n<p>Die ukrainische Sowjetrepublik der Nachkriegszeit ging in die entgegengesetzte Richtung und man begann, die russische Sprache und Kultur zu f\u00f6rdern. Dies geschah, nachdem Nikita Chruschtschow im August 1946, auf der Plenarsitzung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine, Gelehrte und Sozialwissenschaftler wegen Fehlern in ihrer Interpretation der Geschichte gescholten hatte. Er forderte sie auf, unter den ukrainischen B\u00fcrgern &#8220;eine Politik der Nulltoleranz gegen\u00fcber jeglicher Manifestation des b\u00fcrgerlichen Nationalismus&#8221; zu kultivieren. Die Loyalit\u00e4t der Ukrainer gegen\u00fcber dem Sowjetregime wurde von Lasar Kaganowitsch sichergestellt, einem prominenten Politiker, der in den 1920er Jahren f\u00fcr das Projekt der Ukrainisierung mit verantwortlich war.<\/p>\n<p>Dennoch entwickelten sich die ukrainischen Geisteswissenschaften nach dem Zweiten Weltkrieg weiter, trotz der unabl\u00e4ssigen \u00dcberwachung durch die Partei. So erschien 1949 der erste Band\u00a0 der insgesamt zwanzig B\u00e4nde umfassenden Gesamtausgabe des Dichters und Schriftstellers Iwan Franko. Anfang der 1950er Jahre folgte die Gesamtausgabe des Dichters Iwan Kotljarewskij, und die Gedichte von Lessja Ukrajinka wurden f\u00fcr den Druck vorbereitet. W\u00e4hrend sich nicht wenige Forschungsinstitute auf Studien \u00fcber die Ukraine konzentrierten.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Wende ereignete sich nach Stalins Tod 1953 und nachdem der um ihn betriebene Personenkult von Nikita Chruschtschow \u2013 der in der Ostukraine aufgewachsen war \u2013\u00a0auf dem 20. Parteitag angeprangert wurde. Die UkrSSR leitete eine neue Periode der Ukrainisierung ein, nachdem das &#8220;Tauwetter&#8221; unter Chruschtschow eine teilweise Liberalisierung in Gang gebracht hatte. Auch der Gebrauch der ukrainischen Sprache erfuhr viele Ver\u00e4nderungen. W\u00f6rterb\u00fccher der ukrainischen Sprache wurden zusammengestellt und die meisten Universit\u00e4ten in der Republik stellten auf Ukrainisch als Unterrichtssprache um. Au\u00dferdem wurde die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik Krim,\u00a0wo die ethnischen Russen in der Mehrzahl waren, durch einen Erlass Chruschtschows von der Russischen an die Ukrainische Sowjetrepublik \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>&#8220;<em>Der Sieg in der Gro\u00dfen Sozialistischen Oktoberrevolution und die Politik Lenins bez\u00fcglich der Nationalit\u00e4ten erm\u00f6glichten es dem ukrainischen Volk, seinen ersten Nationalstaat zu gr\u00fcnden<\/em>&#8220;, sagte der erste Sekret\u00e4r des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine, Pjotr Schelest, im Jahr 1970. Und er hatte damit Recht. Die Spitzen der Partei genossen einen Sonderstatus, sowohl in den Partei- als auch in den Regierungsstrukturen der Sowjetunion.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><!--[if IE 9]&gt;<video>&lt;![endif]--><!--[if IE 9]&gt;<\/video>&lt;![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/63245226b480cc1d1b00837b.jpg\" alt=\"\"><!-- noscript pattern --><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/63245226b480cc1d1b00837b.jpg\" alt=\"\"><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Erster Sekret\u00e4r des Zentralkomitees der KPdSU und Vorsitzender des Ministerrates der UdSSR, Nikita Sergejewitsch Chruschtschow. \u00a9 Sputnik \/ W. Lebedew<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Sputnik<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Bemerkenswerterweise wurde dieser Status unter Leonid Breschnew noch zus\u00e4tzlich gest\u00e4rkt, als Wladimir Schtscherbyzkij den Posten des Ersten Sekret\u00e4rs des Zentralkomitees \u00fcbernahm. In dieser Zeit wurden Denkm\u00e4ler f\u00fcr ukrainische Kosaken errichtet, und ein Freilichtmuseum der Volksarchitektur und des l\u00e4ndlichen Lebens in Pirogowo bei Kiew er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>In der von Stagnation geplagten \u00c4ra unter Leonid Breschnew\u00a0erhielten Ukrainer in Moskau oft hohe Regierungsposten. Nicht ohne Grund scherzten die Leute damals: &#8220;Meine goldene Hauptstadt, glorreiches Dnepropetrowsk&#8221;, indem sie eine Zeile aus einem popul\u00e4ren Lied \u00fcber Moskau abwandelten. Von 1965 bis 1977 war Nikolai Podgornij, ein Ukrainer, Vorsitzender des Pr\u00e4sidiums des Obersten Sowjets der UdSSR. Und der in Charkow geborene Nikolai Tichonow, dessen Karriere in Dnepropetrowsk begonnen hatte, war von 1980 bis 1985 Vorsitzender des Ministerrates. Mehrere Mitglieder des damaligen Zentralkomitees hatten Verbindungen zum Gebiet Dnepropetrowsk. Unter ihnen waren Andrei Kirilenko, Pjotr Schelest, Wladimir Schtscherbyzkij, Marschall Andrei Gretschko und Dmitry Poljanskij.<\/p>\n<p>In den 1980er Jahren, als die Kommunistische Partei der Ukraine von Schtscherbyzkij geleitet wurde, konnte man die Ukrainische SSR als letzte Hochburg des Kommunismus bezeichnen\u00a0\u2013 aber die Geschichte wollte davon nichts wissen. In diesem Zusammenhang f\u00e4llt mir ein schicksalhafter Satz von Leonid Krawtschuk ein, dem ersten Pr\u00e4sidenten der postsowjetischen unabh\u00e4ngigen Ukraine:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em> &#8220;Die Ukraine kann stolz darauf sein, jener Staat zu sein, der die Sowjetunion zerschmettert hat.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Obwohl die Ukraine zu den f\u00fchrenden Volkswirtschaften innerhalb der UdSSR und zu den zehn am weitesten entwickelten europ\u00e4ischen Nationen geh\u00f6rte, war es tats\u00e4chlich die ukrainische F\u00fchrung, die eine Schl\u00fcsselrolle beim Zusammenbruch der Sowjetunion spielte, eines multinationalen Staates, in dem das ukrainische Volk eine Sonderstellung eingenommen hatte.<\/p>\n<p><strong><\/strong><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/russia\/562523-ukranians-led-ussr\/\">Englischen<\/a><\/em><\/p>\n<p><strong><em>Alexander Nepogodin <\/em><\/strong><em>ist ein in Odessa geborener politischer Journalist und Experte f\u00fcr Russland und die ehemalige Sowjetunion.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0<\/strong>&#8211; <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/rtde.site\/europa\/146203-saat-gegenwartigen-politischen-spaltung-in\/\">Die Saat der gegenw\u00e4rtigen politischen Spaltung in der Ukraine wurde vor 30 Jahren ges\u00e4t<\/a><\/p>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/russland\/149094-als-ukrainer-innerhalb-sowjetunion-geschicke-lenkten\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Alexander Nepogodin In den allerersten Jahren des Bestehens der Sowjetunion spielten die ukrainischen Bolschewiki eine wichtige Rolle beim Aufbau des gr\u00f6\u00dften Staates der Welt. 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