{"id":19232,"date":"2022-09-16T19:29:17","date_gmt":"2022-09-16T17:29:17","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/konfliktherd-kaukasus-warum-sich-armenien-und-aserbaidschan-um-bergkarabach-bekriegen\/"},"modified":"2022-09-16T19:29:17","modified_gmt":"2022-09-16T17:29:17","slug":"konfliktherd-kaukasus-warum-sich-armenien-und-aserbaidschan-um-bergkarabach-bekriegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/konfliktherd-kaukasus-warum-sich-armenien-und-aserbaidschan-um-bergkarabach-bekriegen\/","title":{"rendered":"Konfliktherd Kaukasus: Warum sich Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach bekriegen"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine Gegen\u00fcberstellung der Analysen von Hayk Khalatyan (Armenien) und Nijat Hajiyev (Aserbaidschan)<\/em><\/p>\n<p>Kriege, ethnische S\u00e4uberungen, gegenseitige Beschuldigungen wegen Kriegsverbrechen und historisches Unrecht begleiten den Konflikt in Bergkarabach, der seit mehr als 100 Jahren im Herzen des Kaukasus schwelt. De jure geh\u00f6rt das Gebiet von Bergkarabach zu Aserbaidschan, dessen territoriale Integrit\u00e4t von allen Mitgliedsstaaten der UNO anerkannt wird. Nach dem zweiten Krieg um dieses Gebiet im Jahre 2020, konnte Baku den Gro\u00dfteil dieses Territoriums auch de facto unter seine Kontrolle bringen.<\/p>\n<p>Dennoch ist kein dauerhafter Frieden im S\u00fcdkaukasus in Sicht\u00a0\u2013 mit besorgniserregenden Ereignissen \u2013 inmitten einer globalen Instabilit\u00e4t. Am 12. September best\u00e4tigten Baku und Jerewan Berichte \u00fcber milit\u00e4rische Zusammenst\u00f6\u00dfe, die den fragilen Waffenstillstand in Bergkarabach ersch\u00fctterten. Explosionen, die Artillerie und Angriffsdrohnen zugeschrieben wurden, waren am Dienstag, kurz nach Mitternacht, von den Bewohnern von Wardenis, Dschermuk, Goris und Tatew \u2013 alles Ortschaften innerhalb Armeniens \u2013 gemeldet worden.<\/p>\n<p>Hayk Khalatyan, der Leiter des Zentrums f\u00fcr die Analyse strategischer Studien und Initiativen in Jerewan und Nijat Hajiyev, ein politischer Analyst aus <em>Aserbaidschan, teilten mit RT<\/em> ihre Gedanken dar\u00fcber, warum Armenier und Aserbaidschaner immer wieder zu den Waffen greifen und ob es einen Ausweg aus diesem Teufelskreis gibt. Wir haben ihre Ansichten und Gedanken in diesem Artikel zusammengefasst und gegen\u00fcbergestellt.<\/p>\n<p><strong>Was ist Karabach?<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Hayk Khalatyan (ARM):<\/strong> Die Armenier nennen dieses Land Arzach. Das Gebiet ist eines der f\u00fcnfzehn Provinzen des historischen Armeniens und ein wesentlicher Bestandteil des Gebietes, in dem Armenier seit Tausenden von Jahren leben und arbeiten. Strabo, Plutarch, Ptolem\u00e4us und andere antike Schriftsteller schrieben \u00fcber Arzach als Teil des K\u00f6nigreichs von Armenien.<\/p>\n<p>Die ethnische Zusammensetzung der Region \u00e4nderte sich erst im Mittelalter, als St\u00e4mme der Turkv\u00f6lker sich in gro\u00dfer Zahl ansiedelten. Verschiedene Eroberer dr\u00e4ngten die Grenze der armenischen Gebiete, die fr\u00fcher entlang des Flusses Kura verlief, immer weiter zur\u00fcck. Dadurch waren die Eingeborenen gezwungen, aus den flachen Ebenen von Arzach in die Bergregionen zu ziehen, die bis zum 19. Jahrhundert, als Armenien Teil des russischen Imperiums wurde, immer noch Heimat der teil-unabh\u00e4ngigen F\u00fcrstent\u00fcmer war, die als Khamsayi oder die f\u00fcnf Melikdoms von Karabach bekannt waren.<\/p>\n<p><strong>Nijat Hajiyev (AZE):<\/strong> Karabach ist einer der \u00e4ltesten Teile Aserbaidschans. Das Wort Karabach selbst stammt aus dem Aserbaidschanischen und bedeutet &#8220;schwarzer Garten&#8221;. Der armenische Name f\u00fcr diese Region entstand erst viel sp\u00e4ter. Man muss sich nur dar\u00fcber im Klaren sein, dass der Kampf um dieses Territorium schon immer als der &#8220;Karabach-Konflikt&#8221; bekannt war.<\/p>\n<p>Man kann in den Tiefen der vergangenen Jahrhunderte w\u00fchlen, so viel man will, und nach steinzeitlichen Beweisen f\u00fcr die Behauptungen der Armenier suchen, aber wie verh\u00e4lt sich das zur Realit\u00e4t? Im Mittelalter war Karabach Teil eines Staates, der auf dem Territorium des modernen Aserbaidschans existierte und von muslimischen t\u00fcrkischen Dynastien regiert und von Ethnien bewohnt wurde, die in den Turksprachen untereinander kommunizierten.<\/p>\n<p>Im 18. Jahrhundert entstand das Khanat Karabach, das von der t\u00fcrkischen Dynastie der Jawanschir regiert wurde. Dies war ein aserbaidschanischer Staat mit einer aserbaidschanischen Aristokratie, in dem Aserbaidschaner die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung ausmachten. Nach der Unterzeichnung des Vertrags von Kurakchay im Jahr 1805, wurde das Khanat von Karabach gezwungen, sich der russischen imperialen Herrschaft zu unterwerfen. Dieses Dokument erw\u00e4hnt weder Armenier noch den angeblichen armenischen Ursprung dieser Region. Tats\u00e4chlich haben das damals weder die Armenier noch die Russen anders gesehen.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><!--[if IE 9]&gt;<video>&lt;![endif]--><!--[if IE 9]&gt;<\/video>&lt;![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/632451e7b480cc1d1b008378.jpg\" alt=\"\"><!-- noscript pattern --><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/632451e7b480cc1d1b008378.jpg\" alt=\"\"><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Streckenabschnitt einer Stra\u00dfe in Richtung Berg-Karabach<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">\u00a9 Jonathan Alpeyrie \/ Getty Images<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ AFP<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der Zusammenbruch des russischen Imperiums und die Ankunft der Sowjets<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nijat Hajiyev (AZE):<\/strong> Die Dinge begannen sich w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs zu \u00e4ndern. Die Westm\u00e4chte unterst\u00fctzten den armenischen Nationalismus im Osmanischen Reich finanziell, bewaffneten die Armenier und unterst\u00fctzten ihre separatistischen Bestrebungen. Dies war die Zeit, als dann das passierte, was passiert ist. Wir ernten immer noch die Fr\u00fcchte dieser Ereignisse und Entscheidungen.<\/p>\n<p>Als die Bolschewiki an die Macht kamen, hatte Aserbaidschan die volle Kontrolle \u00fcber Karabach und k\u00e4mpfte darum, die Kontrolle \u00fcber Sangesur zur\u00fcckzugewinnen. Eine Entscheidung der Sowjetunion lie\u00df Sangesur jedoch in armenischer Hand, obwohl es haupts\u00e4chlich von Aserbaidschanern bewohnt war, w\u00e4hrend Karabach innerhalb Aserbaidschans autonom wurde. Die Frage \u00fcber die Region Nachitschewan, auf die auch die Armenier Anspruch erhoben, wurde durch den Vertrag von Kars zwischen den Sowjets und der T\u00fcrkei geregelt.<\/p>\n<p><strong>Hayk Khalatyan (ARM):<\/strong> Der Konflikt um Karabach \u2013 oder genauer gesagt der Kampf um die Erhaltung der armenischen Bev\u00f6lkerung in ihrem historischen Vaterland \u2013 erreichte im 20. Jahrhundert nach dem Zusammenbruch des russischen Imperiums einen neuen H\u00f6hepunkt, als Armenien, Aserbaidschan und Georgien unabh\u00e4ngig wurden. Begleitet wurde der Kampf um Karabach vom V\u00f6lkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich und der aktiven Beteiligung der T\u00fcrkei am Konflikt. Die t\u00fcrkische Armee half Aserbaidschan, mit dem man ethnisch eng verbunden war, in seinem Krieg gegen die Armenier, indem sie Massaker, Pogrome und ethnische S\u00e4uberungen in Ost-Armenien nutzte, um die &#8220;Armenierfrage&#8221; ein f\u00fcr alle Mal zu l\u00f6sen. Ein Beispiel hierf\u00fcr w\u00e4re das Massaker von Schuschi im Jahr 1920, als Zehntausende von Armeniern get\u00f6tet und deportiert wurden.<\/p>\n<p>Die sowjetische Herrschaft \u00fcber den S\u00fcdkaukasus nahm dem Konflikt f\u00fcr mehrere Jahrzehnte die Sch\u00e4rfe, konnte ihn aber nicht beilegen und schuf sogar noch mehr Gr\u00fcnde f\u00fcr sein Wiederaufflammen. Durch eine willk\u00fcrliche rechtliche Entscheidung \u00fcbertrug die politische F\u00fchrung eines Drittlandes \u2013 die Kommunistische Partei Russlands, die Bolschewiki \u2013 Bergkarabach und das von Armeniern bewohnte Nachitschewan an Aserbaidschan. Die Armenier glauben, dass dies das Ergebnis eines Abkommens zwischen Wladimir Lenin und dem t\u00fcrkischen Staatsoberhaupt Mustafa Kemal Atat\u00fcrk war.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><!--[if IE 9]&gt;<video>&lt;![endif]--><!--[if IE 9]&gt;<\/video>&lt;![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/632459dab480cc204e71c4e9.jpg\" alt=\"\"><!-- noscript pattern --><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/632459dab480cc204e71c4e9.jpg\" alt=\"\"><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Ein ausgebrannter Panzer der Verteidigungsarmee der Republik Berg-Karabach.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">\u00a9 Alexej Kudenko<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ Sputnik<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Unabh\u00e4ngigkeit und Krieg<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hayk Khalatyan (ARM):<\/strong> Als sich Ende der 1980er-Jahre die sowjetische Kontrolle lockerte und die UdSSR zu zerfallen begann, flammte der Konflikt erneut auf. Armenische Bewohner von Bergkarabach, die w\u00e4hrend der gesamten Sowjetzeit von den aserbaidschanischen Beh\u00f6rden unter Druck gesetzt und diskriminiert worden waren, beschlossen, sich wieder mit Armenien zu vereinen. So wollten sie dem Schicksal der Armenier aus Nachitschewan entgehen, die von der aserbaidschanischen Regierung vollst\u00e4ndig aus der autonomen Republik vertrieben worden waren. Diese Entwicklungen fanden inmitten von Pogromen statt, die gegen Armenier in Sumgait, Baku und anderen aserbaidschanischen St\u00e4dten ver\u00fcbt wurden. Die Frage der Wiedervereinigung Karabachs mit der Armenischen Sozialistischen Sowjetrepublik stand schon vor dem Zusammenbruch der UdSSR auf der Tagesordnung. Als die Sowjetrepubliken ihre Unabh\u00e4ngigkeit erlangten, entschieden die Armenier in Bergkarabach, dass sie diese auch wollten, in \u00dcbereinstimmung mit dem Grundrecht der V\u00f6lker auf Selbstbestimmung, wie es in der UN-Charta verankert ist.<\/p>\n<p>Es ist wichtig anzumerken, dass sich die Autonome Region Bergkarabach in voller \u00dcbereinstimmung mit der sowjetischen Gesetzgebung von der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik abgespalten hat. Dar\u00fcber hinaus betrachtet sich die heutige Republik Aserbaidschan nicht als Rechtsnachfolger der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR), sondern nur der Aserbaidschanischen Republik von 1918 bis 1920, die Bergkarabach nie umfasste. Man erinnere sich, dass Aserbaidschan damals unter anderem wegen des umstrittenen Status von Karabach nicht in den V\u00f6lkerbund aufgenommen wurde.<\/p>\n<p>In j\u00fcngerer Zeit gelang es den Bewohnern von Arzach, mit Armeniens Hilfe zun\u00e4chst die Aggression aus Baku, im Krieg von 1992 bis 1994 abzuwehren und ihr Recht auf Unabh\u00e4ngigkeit zu verteidigen. Anschlie\u00dfend verbrachte man viele Jahre damit, das Problem durch Verhandlungen zu l\u00f6sen. Um den Verhandlungsprozess nicht zu gef\u00e4hrden, verzichtete Armenien in diesen Jahren darauf, die Unabh\u00e4ngigkeit von Arzach anzuerkennen, in der Hoffnung, dass die Ko-Vorsitzenden der OSZE-Minsk-Gruppe \u2013 Russland, die USA und Frankreich, die die Verhandlungen beaufsichtigten und unterst\u00fctzten \u2013 eine einvernehmliche L\u00f6sung finden w\u00fcrden. Bei zwei Gelegenheiten waren die Parteien kurz davor, ein Friedensabkommen zu unterzeichnen: im Jahr 2001 in Key West und im Jahr 2011 in Kasan. Aber Baku weigerte sich beide Male, die ausgearbeiteten Abkommen zu unterzeichnen.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren bereitete sich Aserbaidschan auf einen Krieg vor und nutzte daf\u00fcr ein ab dem Herbst 2020 g\u00fcnstiges internationales Umfeld \u2013 die COVID-Pandemie, die Spannungen zwischen Russland und dem Westen und die Wahlen in den USA \u2013 sowie die aktive milit\u00e4rische und politische Unterst\u00fctzung seines Verb\u00fcndeten T\u00fcrkei und begann einen Krieg gegen Arzach. In der Folge besetzte Aserbaidschan drei Viertel des Territoriums der Republik Bergkarabach einschlie\u00dflich der Bezirke, die fr\u00fcher Teil der Autonomen Region Bergkarabach waren, wie Schuschi, Hadrut und so weiter. Nur ein rechtzeitiger Einsatz russischer Friedenstruppen half, die Armenier in Arzach vor einer umfassenden ethnischen S\u00e4uberung zu bewahren.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><!--[if IE 9]&gt;<video>&lt;![endif]--><!--[if IE 9]&gt;<\/video>&lt;![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/63245c84b480cc1cee0d61bf.jpg\" alt=\"\"><!-- noscript pattern --><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/63245c84b480cc1cee0d61bf.jpg\" alt=\"\"><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">\u00a9 Aziz Karimow<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ Gettyimages.ru<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<\/p>\n<p><strong>Nijat Hajiyev (AZE):<\/strong> Als die sowjetische Zentralregierung ihre Macht verlor, brach ein Konflikt aus, der Aserbaidschaner nicht nur aus der sogenannten ehemaligen Autonomen Region Bergkarabach, sondern auch aus sieben angrenzenden Bezirken ihrer Heimat vertrieb. Die armenische Besatzung hat insgesamt fast 700.000 Menschen vertrieben. Der 44-t\u00e4gige Krieg im Jahr 2020 erm\u00f6glichte es Aserbaidschan, diese Gebiete zu befreien. Der Konflikt wurde mit einer trilateralen Erkl\u00e4rung von Aserbaidschan, Russland und Armenien beendet, in der Russland das Mandat erteilt wurde, eine Friedensmission nach Karabach zu entsenden.<\/p>\n<p>Obwohl der Konflikt beendet wurde, m\u00fcssen einige Fragen zur Umsetzung mehrerer Teile der trilateralen Erkl\u00e4rung noch gel\u00f6st werden. Die j\u00fcngste vom aserbaidschanischen Verteidigungsministerium durchgef\u00fchrte Operation Revenge (Operation Vergeltung) wurde durch die T\u00f6tung eines aserbaidschanischen Soldaten durch bewaffnete armenische Elemente ausgel\u00f6st, die auf dem von der russischen Friedensmission in Karabach kontrollierten Gebiet stattfand, tats\u00e4chlich hinter dem R\u00fccken der russischen Friedenstruppen.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Was passiert als n\u00e4chstes?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nijat Hajiyev (AZE): <\/strong>Im Gro\u00dfen und Ganzen tragen die Ergebnisse der Operation Revenge zur vollst\u00e4ndigen Umsetzung der Bestimmungen des trilateralen Abkommens bei, zu dem sich beide Konfliktparteien und Russland als sein Garant verpflichtet haben.<\/p>\n<p>Insbesondere Absatz 4 der Erkl\u00e4rung fordert unmissverst\u00e4ndlich den &#8220;R\u00fcckzug der armenischen Truppen, gleichzeitig mit der Stationierung der friedensstiftenden Kr\u00e4fte der Russischen F\u00f6deration&#8221;. Wie wir wissen, kamen die russischen Friedenstruppen innerhalb von 48 Stunden nach Unterzeichnung der Erkl\u00e4rung im November 2020 zum Einsatz. Jetzt befinden wir uns im September 2022, und was sind die Verlautbarungen der Armenier?<\/p>\n<p>Armen Grigoryan, Sekret\u00e4r des Sicherheitsrates von Armenien, sagte im vergangenen Juli, dass der Abzug regul\u00e4rer armenischer Truppen nicht vor September stattfinden werde. Er schien damit auch einen Hinweis darauf zu geben, dass sich sogenannte &#8220;Vertragssoldaten&#8221; weiterhin illegal in Karabach aufhalten k\u00f6nnten, das, nicht zu vergessen, nach internationalem Recht ein souver\u00e4ner Teil Aserbaidschans ist, was von Wladimir Putin selbst best\u00e4tigt wurde. Wer tr\u00e4gt also die Verantwortung daf\u00fcr, dass eine der wichtigsten Forderungen des trilateralen Abkommens zur Demilitarisierung Karabachs nicht erf\u00fcllt wird, obwohl seither zwei Jahre vergangen sind?<\/p>\n<p>Aber das ist noch nicht alles. Gem\u00e4\u00df Paragraf 6 des Abkommens, sind die Parteien f\u00fcr den Bau einer neuen Route \u00fcber den Latschin-Korridor unter Umgehung der Stadt Latschin verantwortlich, die gem\u00e4\u00df demselben Abkommen bis zum 1. Dezember 2020 von armenischen Truppen h\u00e4tte ger\u00e4umt werden sollen. In den letzten zweieinhalb Jahren hat Aserbaidschan seinen Teil der Stra\u00dfe auf seinem Territorium gebaut, um diese Bestimmung zu erf\u00fcllen. Was hat Armenien getan? Noch vor einem Monat gaben armenische Regierungsbeamte bekannt, dass man dabei sei, die Route des armenischen Teils der Stra\u00dfe zu skizzieren. Baku empfindet dies verst\u00e4ndlicherweise als Sabotageakt und als mangelnde Bereitschaft, den R\u00fcckzug aus dem Bezirk Latschin zu vollenden, der \u00fcbrigens au\u00dferhalb der Verwaltungsgrenzen der ehemaligen Autonomen Region Bergkarabach liegt.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><!--[if IE 9]&gt;<video>&lt;![endif]--><!--[if IE 9]&gt;<\/video>&lt;![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/63245e5eb480cc204e71c4f5.png\" alt=\"\"><!-- noscript pattern --><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/09\/63245e5eb480cc204e71c4f5.png\" alt=\"\"><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">\u00a9 Wikipedia<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Was wir jetzt sehen, ist eine Sabotage der trilateralen Erkl\u00e4rung, das Vers\u00e4umnis, einer Verantwortung nachzukommen, was die Atmosph\u00e4re durch eine st\u00e4ndig zunehmende Spannung und eine waghalsige Politik vergiftet. Diese Situation gro\u00dfer Ungewissheit widerspricht den vitalen Interessen von Aserbaidschan.<\/p>\n<p>Das entschlossene Vorgehen von Baku zeigt jedoch, dass Aserbaidschan den Willen und die Mittel hat, um Druck auf Armenien auszu\u00fcben, die Friedensagenda mit echten Fortschritten und nicht nur mit Worten umzusetzen. Die Aussage des armenischen Ministers f\u00fcr Territorialverwaltung und Infrastruktur, Gnel Sanosyan, zum sofortigen Baubeginn des armenischen Teils des Latschin-Korridors belegt \u00fcbrigens die Wirksamkeit der von Baku erzwungenen Schritte.<\/p>\n<p><strong>Hayk Khalatyan (ARM):<\/strong> Aserbaidschan nutzt erneut ein g\u00fcnstiges internationales Umfeld, in dem die Aufmerksamkeit Russlands und der internationalen Gemeinschaft auf den Ukraine-Konflikt gelenkt und der Westen bestrebt ist, russisches \u00d6l durch Lieferungen aus Aserbaidschan zu ersetzen. Baku versucht, eine endg\u00fcltige L\u00f6sung des Konflikts um Karabach zu erreichen und die Armenier aus ihrem historischen Mutterland zu vertreiben. Armenische kulturelle und historische Denkm\u00e4ler werden zerst\u00f6rt und alte armenische Kirchen und Tempel werden einer &#8220;Albanisierung&#8221; unterzogen, genauso wie zwischen 1998 und 2005, als die aserbaidschanischen Beh\u00f6rden ungestraft mittelalterliche armenische Ged\u00e4chtnissteine, sogenannte Chatschkar, in Dschulfa im Gebiet Nachitschewan zerst\u00f6rten. Die internationale Gemeinschaft hat sich damit zufriedengegeben, ein Auge zuzudr\u00fccken. Trotzdem wurden immer wieder Vertreter Aserbaidschans in F\u00fchrungspositionen der UNESCO gew\u00e4hlt, die sich f\u00fcr den Erhalt historischer Denkm\u00e4ler einsetzen soll.<\/p>\n<p>Angesichts des Ausma\u00dfes der Phobie gegen Armenier, die in Aserbaidschan herrscht, die seit Jahrzehnten von der F\u00fchrung des Landes gesch\u00fcrt wird und zur Verherrlichung von Leuten wie Ramil Safarow gef\u00fchrt hat, der einem schlafenden armenischen Offizier w\u00e4hrend eines NATO-Trainingsseminars in Budapest den Kopf abhackte. Es ist unwahrscheinlich, dass Armenier aus Bergkarabach in diesem Land bleiben wollen.<\/p>\n<p>Die internationale Gemeinschaft, die zivilisierte Welt und die f\u00fchrenden M\u00e4chte haben zumindest diesmal die Chance, einen weiteren V\u00f6lkermord an den Armeniern zu verhindern. Sie k\u00f6nnten dieses eine Mal geopolitische und energiepolitische Interessen beiseitelegen, um sich an historische Gerechtigkeit, Menschenrechte und an ihre eigenen erkl\u00e4rten Werte zu erinnern. Es ist schwer vorstellbar, dass die Welt im 21. Jahrhundert \u00d6l aus Aserbaidschan h\u00f6her wertet als armenisches Blut.<\/p>\n<p>Globale und regionale Akteure wie Aserbaidschan und die T\u00fcrkei, die versuchen, rasch einen Frieden zu erreichen, der ihren Interessen dient, indem sie einseitige Zugest\u00e4ndnisse von den Armeniern einfordern, die auf Kosten ihres Blutes und ihres Vaterlandes ihre Rechte verletzen, t\u00e4ten gut daran, sich daran zu erinnern, dass solch ein Frieden nicht dauerhaft sein kann. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter werden in Armenien neue Kr\u00e4fte an die Macht kommen, die Gerechtigkeit, die R\u00fcckgabe des Vaterlandes und Rache f\u00fcr die gegen das armenische Volk begangenen Verbrechen fordern werden, was zu einem erneuten Konflikt und weiteren Kriegen f\u00fchren wird. Nur ein Frieden, der auf Kompromissen basiert, hat eine Chance, von Dauer zu sein. Aserbaidschan sollte verstehen, dass sich das internationale Umfeld und die Interessen der globalen Akteure manchmal \u00fcber Nacht verschieben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/swentr.site\/news\/560964-two-truths-azerbaijan-and-armenia\/\">Englischen<\/a><\/p>\n<p><strong>Hayk Khalatyan <\/strong>ist Leiter des Zentrums f\u00fcr die Analyse strategischer Studien und Initiativen in Jerewan<\/p>\n<p><strong>Nijat Hajiyev <\/strong>ist ein politischer Analyst aus Aserbaidschan<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211; <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/pressefreiheit.rtde.tech\/russland\/128258-30-jahre-nach-udssr-zusammenbruch-wie-sich-bevolkerung-ehemalige-sowjetunionstaaten-verandert\/\">30 Jahre nach Zusammenbruch der UdSSR: Wie sich Bev\u00f6lkerung der ehemaligen Unionsstaaten ver\u00e4ndert<\/a><\/p>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/149105-konfliktherd-kaukasus-warum-sich-armenien-aserbaidschan-bekriegen\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gegen\u00fcberstellung der Analysen von Hayk Khalatyan (Armenien) und Nijat Hajiyev (Aserbaidschan) Kriege, ethnische S\u00e4uberungen, gegenseitige Beschuldigungen wegen Kriegsverbrechen und historisches Unrecht begleiten den Konflikt in Bergkarabach, der seit mehr als 100 Jahren im Herzen des Kaukasus schwelt. 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