{"id":17837,"date":"2022-08-27T13:30:32","date_gmt":"2022-08-27T11:30:32","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/die-russische-wirtschaft-wird-vernichtet-eine-truegerische-hoffnung-aus-yale\/"},"modified":"2022-08-27T13:30:32","modified_gmt":"2022-08-27T11:30:32","slug":"die-russische-wirtschaft-wird-vernichtet-eine-truegerische-hoffnung-aus-yale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/die-russische-wirtschaft-wird-vernichtet-eine-truegerische-hoffnung-aus-yale\/","title":{"rendered":"&quot;Die russische Wirtschaft wird vernichtet&quot; \u2013 Eine tr\u00fcgerische Hoffnung aus Yale"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/6304d89a48fbef413f46128e.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Wer hat sich nur diese Sanktionen ausgedacht, d\u00fcrfte sich jeder fragen, der den kommenden Winter f\u00fcrchtet. Eine Studie aus Yale gibt einen tiefen Einblick in das Denken der Sanktionserfinder, und verr\u00e4t sogar die Urheber dieses ganzen Schlamassels.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Dagmar Henn<\/em><\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich wird klar, auf welcher Grundlage westliche Staaten auf die Idee kamen, sie k\u00f6nnten &#8220;Russland zerst\u00f6ren&#8221; (Baerbock). Eine ganze Truppe Professoren der Universit\u00e4t Yale hat Ende Juli ein <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=4167193\">Papier<\/a> ver\u00f6ffentlicht, das mit dem k\u00fchnen Titel versehen wurde: &#8220;Business Retreats and Sanctions are Crippling the Russian Economy&#8221;, \u00fcbersetzt &#8220;Firmenr\u00fcckz\u00fcge und Sanktionen verkr\u00fcppeln die russische Wirtschaft&#8221;.<\/p>\n<p>Nun sollte man vorab sagen, dass das Papier zwar eine Menge Zahlen enth\u00e4lt, sich an manchen Punkten sogar auf russische Quellen beruft, aber f\u00fcr seine Angaben keine \u00fcberpr\u00fcfbaren Quellen nennt und \u2013 etwa f\u00fcr die Entwicklung einzelner Wirtschaftssektoren \u2013 \u00a0nicht einmal angibt, in welcher W\u00e4hrung die Zahlenwerte urspr\u00fcnglich erhoben wurden. Es gibt sogar einen gewichtigen Grund, viele dieser Zahlen f\u00fcr komplett unglaubw\u00fcrdig zu halten \u2013 aber den werde ich erst als kr\u00f6nenden Abschluss nennen.<\/p>\n<p>Unverkennbar ist das ganze Papier von neoliberalen Ansichten gepr\u00e4gt. Das ist nicht wirklich hilfreich, wenn man reale \u00f6konomische Verh\u00e4ltnisse bewerten will. Es gibt einige grundlegende volkswirtschaftliche Fakten, die Neoliberale prinzipiell \u00fcbersehen. Dazu z\u00e4hlt unter anderem die Tatsache, dass es einen entscheidenden Unterschied ausmacht, ob ein Staat Geld in einen Konzern pumpt, eine Bank rettet oder Schuldverschreibungen aufkauft, oder ob dieses Geld in Wertsch\u00f6pfung investiert wird. Investitionen in Infrastruktur beispielsweise f\u00fchren zu einem positiven R\u00fcckfluss; Aufwendungen, wie sie etwa die Bundesregierung in Milliardenh\u00f6he get\u00e4tigt hat, um v\u00f6llig \u00fcberteuerte pharmazeutische Waren zu erwerben, sind volkswirtschaftlich ein Nettoverlust.<\/p>\n<p>Das f\u00e4llt in der aktuellen westlichen Z\u00e4hlweise nicht mehr auf, weil der Kursanstieg von Aktien so behandelt wird, als handele es sich um real geschaffene &#8220;Werte&#8221;. Aktien sind aber nur in jenem kleinen Bruchteil, der sich in materiellen Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nden verk\u00f6rpert, Anteile von realen Werten; sie sind \u2013 gerade bei Unternehmen wie etwa BioNTech \u2013 nur Anspr\u00fcche auf m\u00f6gliche Erl\u00f6se. Die ebenso gut erf\u00fcllt wie vielleicht auch nicht erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber fangen wir einmal mit der allgemeinen Beschreibung der Sanktionswirkungen an. &#8220;Wie Schlagzeilen der j\u00fcngsten Zeit belegen, hat f\u00fcr Europa die Notwendigkeit, den Energieverbrauch zu verringern, w\u00e4hrend die Energieversorgung diversifiziert wird, herausfordernde politische und wirtschaftliche Folgen. Aber die Belege zeigen deutlich, dass die Wirkungen asymmetrisch waren: f\u00fcr jedes bisschen Schmerz, den der Westen durch seine Abwendung von russischen Rohstoffen erleidet, ist der Schaden, der Russland zugef\u00fcgt wird, weit gr\u00f6\u00dfer.&#8221;<\/p>\n<p>Nun, die erlebbare Wirklichkeit sieht anders aus. Nicht in Russland sind die Regale der Superm\u00e4rkte leer. Es gibt ein langes, halbst\u00fcndiges <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/youtu.be\/aczVg9VXzZ4\">Video<\/a> mit einem Gang durch einen gro\u00dfen Supermarkt, in dem das anschaulich belegt wird. Ich h\u00f6re jetzt von meinen Freunden aus Deutschland andererseits immer wieder, dass einfachste Dinge fehlen; Paracetamol beispielsweise, oder Speise\u00f6le. Natives Oliven\u00f6l mag hier, beim gegenw\u00e4rtigen Wechselkurs, teurer sein als in Deutschland, aber es gibt mehrere Sorten zur Auswahl; Online-Superm\u00e4rkte bieten zwanzig, drei\u00dfig unterschiedliche Sorten Tomaten an, oder f\u00fcnfzig Sorten Mehl &#8230; noch so ein Gut, das phasenweise in Deutschland nicht einmal mehr zu finden ist.<\/p>\n<p>Aber kommen wir zur\u00fcck zum Erdgas: &#8220;Ein Kernpunkt des Plans ist die Ersetzung der verlorenen russischen Gaslieferungen durch eine Mischung aus Erdgasproduktion in der EU, Importen per Pipeline aus Norwegen und Aserbaidschan, und, wichtiger noch, LNG-Importen aus Katar, Algerien und den USA.&#8221;<\/p>\n<p>Soso. Das mit Katar hat sich l\u00e4ngst als Fantasie entpuppt. \u00dcbrigens <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/frontierindia.com\/india-faces-shortage-as-germany-diverts-gail-lng-shipments-from-russia\/\">berichtete<\/a> eine indische Zeitung k\u00fcrzlich, dass Deutschland inzwischen Gasdiebstahl betreibt. Die deutsche Tochter von Gazprom war das Mutterunternehmen einer Gazprom-Enkelin, die Liefervertr\u00e4ge f\u00fcr LNG mit Indien hatte. Dieses LNG wird mit russischen Tankern nach Belgien transportiert und dort in indische Tanker umgeladen. Mit der Beschlagnahme der deutschen Gazprom-Tochter wurden dann auch gleich noch die f\u00fcr Indien vorgesehenen Lieferungen einbehalten: &#8220;Im Juli liefen vier gro\u00dfe und drei kleine Tanker <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zeebrugge\">Zeebrugge<\/a> an, aber nicht mehr als eine Ladung konnte von dem Terminal aufgenommen werden. Der Gasspeicher kann 112 Millionen Kubikmeter aufnehmen \u2013 ein bisschen mehr als die Kapazit\u00e4t eines Tankers. Im Ergebnis konnten bis zu 380 Millionen Kubikmeter nach Belgien geliefert und dann ins deutsche Gasnetz eingespeist werden.&#8221; In Indien sorgte das nicht gerade f\u00fcr Begeisterung.<\/p>\n<p>Was der Yale-Bericht v\u00f6llig beiseitel\u00e4sst, ist der Preisunterschied zwischen dem russischen Erdgas, das per Pipeline geliefert wird, und dem LNG-Gas \u2013 zumindest, wenn es nicht gerade geklaut wird. F\u00fcr die europ\u00e4ische Wirtschaft ist das aber ein entscheidender Faktor; Gas, das zu teuer ist, macht die Produktion unrentabel. Die Konsequenz ist, dass Betriebe ganz schlie\u00dfen oder sogar abwandern werden. Selbst wenn es ein ausreichendes Angebot an LNG-Gas g\u00e4be, w\u00fcrde eine Umstellung die europ\u00e4ische, insbesondere die deutsche Industrie immer noch ruinieren.<\/p>\n<p>Die Yale-Professoren haben auch eine eigenartige Sicht auf Vertragstreue. Sie erkl\u00e4ren, Gazprom habe, weil sich Russland weigert, Litauen und Polen f\u00fcr Bezahlung in einer anderen W\u00e4hrung als Rubeln Erdgas zu liefern, seine Glaubw\u00fcrdigkeit als Handelspartner verletzt. Nun, ein Handel ist immer ein Tausch Ware gegen Geld. Wenn kein Geld flie\u00dft, weil das den Verk\u00e4ufer dank gewisser Sanktionen gar nicht mehr erreichen kann, dann kommt dem Handel die Rechtsgrundlage abhanden, weil dann eben kein Tausch Ware gegen Geld mehr zustande kommt. Jede andere Bestimmung in Kaufvertr\u00e4gen, ganz egal f\u00fcr welche Ware, ist sekund\u00e4r gegen\u00fcber diesem einen, simplen Punkt, der \u00fcberhaupt erst einen Kaufvertrag ins Leben ruft. Vermutlich ist bei den ehrw\u00fcrdigen Herren aus Yale die Einf\u00fchrung ins Handelsrecht schon zu lange her.<\/p>\n<p>Jedenfalls kann sich diesen folgenden Satz jeder Westeurop\u00e4er im kommenden Winter eingerahmt \u00fcber die kalte Heizung h\u00e4ngen, gewisserma\u00dfen als Trost von der westlichen Wissenschaft: &#8220;Insgesamt ist die Herausforderung an die europ\u00e4ische Energiesicherheit und Wirtschaft insgesamt zwar wirklich, aber beherrschbar.&#8221; Ein kleiner, handlicher Spickzettel dieser &#8220;Erkenntnis&#8221; f\u00fcr den eigenen Geldbeutel w\u00e4re eventuell auch anzuraten, um sich vor leeren Supermarktregalen wieder daran zu erinnern, dass doch alles gut ist.<\/p>\n<p>Aber schauen wir doch einmal genauer an, wie die Herren die russische Wirtschaft betrachten, Gazprom zum Beispiel: &#8220;Gazproms Rolle als Anh\u00e4ngsel des Kreml wird weiter durch seine bedeutsamen Inlandsverpflichtungen widergespiegelt, da es 2018 nur ein Drittel seiner Produktionskapazit\u00e4t von 725 Milliarden Kubikmetern exportierte \u2013 und den Rest des Gases in Russland belie\u00df, um ihn zu verg\u00fcnstigten Preisen an die eigene Bev\u00f6lkerung zu verkaufen, zum Nachteil seiner Profitabilit\u00e4t.&#8221;<\/p>\n<p>Also, die russische Regierung achtet darauf, dass das \u00fcberwiegend staatliche Unternehmen Gazprom der eigenen Bev\u00f6lkerung einen Nutzen bringt, statt so viel Gas wie m\u00f6glich zu exportieren, um maximale Gewinne zu erwirtschaften. Wie verwerflich! Wie kann man nur die staatliche Kontrolle \u00fcber ein Unternehmen dazu nutzen, dem P\u00f6bel ein komfortables Leben zu erm\u00f6glichen, statt hohe Gewinne zu machen und diese brav zur Wall Street zu tragen! Ein Blick auf die Deutsche Bahn AG k\u00f6nnte lehren, wie man das besser macht \u2013 global investieren und den eigentlichen Eigent\u00fcmern, den deutschen Fahrg\u00e4sten, mit jeder Fahrt ein neues Abenteuer bescheren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich richtet sich die Bewertung des Unternehmens Gazprom bei den Herren aus Yale vor allem nach dem Aktienkurs, der seit Februar eingebrochen ist \u2013 f\u00fcr ausl\u00e4ndische Anleger, die es zahlreich gab, ist es inzwischen fast unm\u00f6glich, Dividenden zu erhalten. Nur, die Aktienkurse werden erst dann wieder eine reale Information \u00fcber den Wert eines Unternehmens liefern, wenn die gesamte gigantische Finanzblase des Westens geplatzt ist. Augenblicklich sind so gut wie alle entsprechenden Daten allein durch die seit 2008 massiven Aktienk\u00e4ufe westlicher Zentralbanken und den extrem hohen Spekulationsanteil an Kursen von Firmen wie Tesla v\u00f6llig verzerrt.<\/p>\n<p>Die ganze Studie feiert au\u00dferdem den Mythos der \u00fcberlegenen westlichen Technologie. Selbst in dem Abschnitt zu Nord Stream 2: &#8220;Der R\u00fcckzug der holl\u00e4ndisch-schwedischen Firma <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Allseas\">Allseas<\/a>\u00a0<em>[Anm.: in der Tat eine schweizerische Firma]<\/em> nach der Verabschiedung des EU-Gesetzes &#8216;Zum Schutz der europ\u00e4ischen Energiesicherheit&#8217; brachte das ganze Projekt zum Stehen, was Russlands technologische Inkompetenz zeigte: Russland fehlten hochkomplexe Pipeline-Verlegeschiffe, und Russland brauchte l\u00e4nger als ein Jahr, um seine <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Akademik_Cherskiy_(Schiff)\">Akademik Tscherski<\/a> und <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fortuna_(Schiff,_2010)\">Fortuna<\/a> anzupassen, um Nord Stream 2 zu verlegen.&#8221;<\/p>\n<p>Witzigerweise gibt es weltweit sehr, sehr wenige Firmen, die Unterwasserpipelines verlegen k\u00f6nnen. Die Schiffe m\u00fcssen n\u00e4mlich bei der Verlegung komplex ausbalanciert werden, da die Rohrst\u00fccke einer solchen Pipeline ein enormes Gewicht haben. Um die Rohre ist ein Betonmantel; ich habe die Teilst\u00fccke in Mukran gesehen, jedes einzelne davon wird mit einem Schwerlasttransporter gefahren, der 50 Tonnen laden kann. Man k\u00f6nnte ja mal nachfragen, welche westliche Industrienation es innerhalb eines Jahres geschafft h\u00e4tte, Schiffe entsprechend umzur\u00fcsten. Ich sch\u00e4tze mal, S\u00fcdkorea und China h\u00e4tten da vielleicht gute Karten &#8230; die USA eher nicht.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem war die Fahrt eines der beiden Schiffe an den Einsatzort sehr langwierig, weil aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden der Vorsicht das letztendliche Ziel der Fahrt so lange wie m\u00f6glich verborgen bleiben sollte. Alles miteinander eigentlich mitnichten ein Beleg f\u00fcr &#8220;Russlands technische Inkompetenz&#8221;.<\/p>\n<p>Es mag ja sein, dass ein gro\u00dfer Teil der ingenieurtechnischen Kompetenzen Russlands in den letzten Jahren in die Entwicklung neuer Waffen floss, notgedrungenerma\u00dfen. Aber wenn man sich dann die Ergebnisse namens Kinschal oder Zirkon betrachtet, nur als Beispiele, dann w\u00e4re es \u00e4u\u00dferst vermessen zu behaupten, dass die westliche Technologie immer und \u00fcberall \u00fcberlegen sei. Bemerkungen wie &#8220;Russland produziert nur 3 Prozent des weltweiten GDP&#8221; gehen am Ziel vorbei, weil sie nicht ber\u00fccksichtigen, wie aberwitzig die Z\u00e4hlweise des GDP inzwischen ist.<\/p>\n<p>Ein besonders h\u00fcbsches Beispiel f\u00fcr diese etwas bizarre Sicht auf die technologischen F\u00e4higkeiten in Russland ist folgender Satz: &#8220;Die Sanktionen erstreckten sich auch auf einzelne Teile von Bohrt\u00fcrmen, Teile f\u00fcr horizontale Bohrungen und arktisg\u00e4ngige Schiffsausr\u00fcstung.&#8221; Arktisg\u00e4ngige Schiffsausr\u00fcstung &#8230; welches Land war es noch einmal, das die gr\u00f6\u00dfte Flotte an Eisbrechern unterh\u00e4lt? Die USA? Nein, die waren es nicht. Kanada? Gr\u00f6nland? Es will mir doch partout nicht einfallen. Aber es muss irgendwo im Westen liegen, das Land mit den meisten arktisg\u00e4ngigen Schiffen, denn schlie\u00dflich haben Yale-Professoren das geschrieben.<\/p>\n<p>An manchen Stellen schimmert dann doch, verborgen und eher versehentlich, etwas von der ver\u00e4nderten globalen Wirklichkeit durch. Nachdem erst ausgef\u00fchrt wird, dass Russland seinen Einfluss in der OPEC+ verlieren w\u00fcrde und so viele OPEC-L\u00e4nder doch ihre Produktion erh\u00f6hen k\u00f6nnten, was Russlands \u00d6l vom Markt verdr\u00e4ngen k\u00f6nnte (nein, die Autoren dieser Studie m\u00fcssen nicht wissen, dass \u00d6l nicht gleich \u00d6l ist und Raffinerien nicht einfach mal anderes \u00d6l verwenden k\u00f6nnen, sie sind doch nur aus Yale), kommt ein etwas entt\u00e4uschter Kommentar: &#8220;Saudi-Arabien hat in der Vergangenheit \u00f6fter einmal Produktionserh\u00f6hungen von bis zu 3 Millionen Barrel pro Tag praktisch \u00fcber Nacht verk\u00fcndet, aber behauptet jetzt, ernsthafte Probleme zu haben, die Produktion auch nur um ein paar Hunderttausend Barrel \u00fcber das bereits geplante hinaus zu erh\u00f6hen.&#8221;<\/p>\n<p>Nun, die Saudis sind da nicht die Einzigen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck konnte sich gar nicht tief genug b\u00fccken, um in Katar erh\u00f6rt zu werden. Nigeria d\u00fcrfte Ursula von der Leyen ebenfalls die kalte Schulter zeigen. Aber um das zu wissen, m\u00fcsste man politische Nachrichten mitlesen, und das k\u00f6nnte die Bem\u00fchungen zunichte machen, das in der \u00dcberschrift gew\u00fcnschte Ergebnis halbwegs glaubw\u00fcrdig zu erreichen.<\/p>\n<p>&#8220;Das alles bedeutet kurzfristig, dass Russland bedeutende Steuereinnahmen verliert und seine globale Glaubw\u00fcrdigkeit und Verl\u00e4sslichkeit als Mitglied der OPEC+-Allianz \u2013 und darauf reduziert wird, zu weit verg\u00fcnstigten Preisen um chinesische und indische K\u00e4ufe zu betteln.&#8221;<\/p>\n<p>Es ist faszinierend. Besonders h\u00fcbsch ist dabei der subtile rassistische Unterton, der suggeriert, dass allein die Tatsache, an Inder und Chinesen zu verkaufen statt an die edlen, wei\u00dfen Europ\u00e4er, schon einen Abstieg darstellt. Weil Inder und Chinesen nat\u00fcrlich keinen wirklichen Bedarf an \u00d6l haben, und Russland bei ihnen darum betteln muss, es verkaufen zu d\u00fcrfen. Kein Wort vom stetig wachsenden Energiehunger Chinas.<\/p>\n<p>2021, so diese Studie, seien 75 Prozent der Konsumg\u00fcter au\u00dferhalb des Nahrungsbereichs Importwaren gewesen. Wenn dem tats\u00e4chlich so w\u00e4re, und, wie die Studie behauptet, nicht nur westliche, sondern auch z.B. chinesische Importe deutlich zur\u00fcckgegangen w\u00e4ren, m\u00fcssten sich tats\u00e4chlich irgendwo leere Regale finden. Drei Viertel der Konsumg\u00fcter? Das hie\u00dfe mehr leere als volle Regale. Das reale Angebot kann jeder selbst \u00fcberpr\u00fcfen, z.B. auf Yandex oder in Onlineshops wie Ozon.ru. In einzelnen Bereichen, wie Duschgel oder Shampoo, ist die Breite des Angebots zur\u00fcckgegangen (zum Vergleich empfehle ich mal Besuche der Superm\u00e4rkte etwa in Griechenland; dort gibt es kein einziges im Inland hergestelltes Kosmetikprodukt mehr), aber Mangel? Und, ehrlich gesagt, zwanzig Sorten Tomaten finde ich interessanter als zwanzig Sorten Shampoo.<\/p>\n<p>Wieder ein besonders h\u00fcbsches Zitat: &#8220;Wie Wirtschaftsministerin Gina Raimondo in einer Senatsanh\u00f6rung k\u00fcrzlich bezeugte, &#8216;haben wir Berichte von Ukrainern, dass russisches Milit\u00e4rger\u00e4t, wenn sie es am Boden finden, mit Halbleitern gef\u00fcllt ist, die aus Geschirrsp\u00fclern und K\u00fchlschr\u00e4nken stammen&#8217;, was das Ausma\u00df wiederspiegelt, wie sehr russische Hersteller Teile kannibalisieren und recyceln m\u00fcssen, weil ausl\u00e4ndische Lieferungen fehlen.&#8221;<\/p>\n<p>In der wirklichen Welt gibt es weder einen Mangel an K\u00fchlschr\u00e4nken und Geschirrsp\u00fclern, noch an Raketen. Die es schon l\u00e4ngst nicht mehr geben d\u00fcrfte, wenn der Bericht so solide w\u00e4re, wie er behauptet, schon gar nicht in den Mengen, die den Ukrainern t\u00e4glich um die Ohren fliegen.<\/p>\n<p>Scott Ritter hat k\u00fcrzlich einen interessanten Vergleich gebracht. Im gesamten zweiten Irakkrieg (bei dem er dabei war) hat die US-Armee 60.000 Granaten verschossen. Das ist weniger, als die russische Armee gerade pro Tag durch die Rohre jagt, um die ukrainischen Befestigungen im Donbass zu zertr\u00fcmmern. Wenn jedes dieser Geschosse Teile aus K\u00fchlschr\u00e4nken oder Geschirrsp\u00fclern br\u00e4uchte &#8230;<\/p>\n<p>Allerdings bin ich auf die gleiche Geschichte schon in einem ganz anderen Zusammenhang gesto\u00dfen, und zwar als Antwort auf die Frage, warum im Fr\u00fchjahr dieses Jahres so viele t\u00fcrkische Lkw in Bayern unterwegs waren. Da lautete die L\u00f6sung des R\u00e4tsels, BMW w\u00fcrde sich inzwischen Chips aus Waschmaschinen holen, um die Produktion nicht anhalten zu m\u00fcssen. Lassen wir einmal offen, welche Variante glaubw\u00fcrdiger ist.<\/p>\n<p>Sehr h\u00fcbsch ist auch die Feststellung, die \u00fcber 1.000 westlichen Firmen, die sich inzwischen aus Russland zur\u00fcckgezogen h\u00e4tten, w\u00e4ren f\u00fcr 40 Prozent des russischen GDP verantwortlich gewesen. Das erzeugt die Illusion, diese Produkte g\u00e4be es nun schlicht nicht mehr. Und irgendwie denkt man dann an ganze Fabriken, die fortgekarrt werden. Das aber ist nicht passiert. Die Fabriken stehen noch, viele davon k\u00f6nnen auch produzieren. Welcher Name oben am Fabriktor steht, ist n\u00e4mlich nicht das Entscheidende.<\/p>\n<p>Und Lieferketten? Das interessante Nebenergebnis der westlichen Sanktionen ist, dass die westliche Industrie mindestens ebenso sehr unter einer Unterbrechung von Lieferketten leidet wie die russische. Die Aussage, dass die Automobilproduktion in Russland massiv zur\u00fcckgegangen ist, wird wahrscheinlich stimmen. Das ist sie in Deutschland aber auch. In diesem Jahr liegt die Produktion nur noch bei weniger als der H\u00e4lfte des Standes von 2019. Und Deutschland ist das Land, in dem weltweit am st\u00e4rksten die Entwicklung von Automobilen konzentriert ist. Wenn globale Lieferketten unterbrochen werden, trifft das alle gleicherma\u00dfen, und die USA nur deshalb etwas weniger, weil dort im eigenen Lande nicht mehr so viel produziert wird wie fr\u00fcher.<\/p>\n<p>Es wird nat\u00fcrlich etwas dauern, bis Russland in der eigenen Entwicklung nachgezogen hat. Aber auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als h\u00e4tte der Erwerb fertiger Technologien im Ausland gro\u00dfe Vorteile, volkswirtschaftlich trifft das nicht zu. Und wenn die Herren aus Yale daran zweifeln, dass Russland die Importsubstitution gelingen kann \u2013 dann ist das historisch kein neues Problem, denn kein Land hat mehr Erfahrung als Russland darin, eine eigene Industrie schnellstm\u00f6glich aufzubauen. Im Verlauf der ersten H\u00e4lfte des zwanzigsten Jahrhunderts vollzog es dieses Kunstst\u00fcck gezwungenerma\u00dfen sogar zweimal.<\/p>\n<p>Werfen wir noch einen Blick auf die Ma\u00dfnahmen, mit denen die russische Regierung einen sofortigen \u00f6konomischen Zusammenbruch abgewendet hat, zumindest nach Ansicht der Herren aus Yale: &#8220;Diese Ma\u00dfnahmen beinhalteten subventionierte Kredite und Tilgungsunterst\u00fctzung f\u00fcr Firmen; Transferzahlungen an betroffene Industrien; subventionierte Hypotheken und Unterst\u00fctzung bei der Tilgung derselben <em>[dazu muss man wissen, dass die meisten Russen keine Mieter sind]<\/em>; Erh\u00f6hungen direkter Zahlungen an Individuen, einschlie\u00dflich Familien, schwangere Frauen, Regierungsangestellte, Rentner, Milit\u00e4r, Personen mit niedrigen Einkommen; Erh\u00f6hung des Kapitals des Nationalen Verm\u00f6gensfonds; Nationalisierung und Rekapitalisierung bestimmter Firmen und Anlageg\u00fcter (\u2026); subventionierte Infrastrukturentwicklung.&#8221;<\/p>\n<p>Die Rezepte zur Krisenbek\u00e4mpfung unterscheiden sich von jenen, die im Westen ebenfalls praktiziert werden, nur in zwei Punkten \u2013 in den sozialen Ma\u00dfnahmen sowie in realen Investitionen in reale Infrastruktur. Ich sage nur Deutsche Bahn AG. Der Anteil, der in Investitionen oder direkt an die Bev\u00f6lkerung ging, d\u00fcrfte wesentlich h\u00f6her sein als im Westen. Die Bundesrepublik bringt es ja sogar noch fertig, eine Sondersteuer auf zu hohe Gaspreise zu erheben, die Habeck-Umlage.<\/p>\n<p>&#8220;Und obwohl das Infrastrukturprogramm gerade angefangen hat, hat die russische Regierung bereits ihr Investitionsbudget daf\u00fcr allein im ersten Quartal um 35 Prozent erh\u00f6ht, und um 34 Prozent auf der Ebene der Regionen.&#8221;<\/p>\n<p>Ach ja, Infrastruktur. Das ist das, was in Deutschland missachtet vor sich hin br\u00f6selt, weil man die Milliarden f\u00fcr BioNTech brauchte, und neuerdings f\u00fcr Erdgas und Geschenke an die Ukraine braucht. Nebenbei, reale Investitionen in Infrastruktur erzielen einen volkswirtschaftlichen Effekt, der etwa beim Anderthalbfachen der eingesetzten Mittel liegt.<\/p>\n<p>Aber es sind eben Neoliberale, f\u00fcr die alles, was nicht in die Unternehmergewinne flie\u00dft, von \u00dcbel ist, wie oben an den Klagen \u00fcber das nicht ordentlich gewinnorientierte Unternehmen Gazprom zu erkennen war.<\/p>\n<p>Werfen wir noch einen Blick auf die Verlautbarungen \u00fcber den russischen Haushalt. Und bitte erst hinsetzen vor dem Lesen und insbesondere, wenn man an die USA oder Deutschland denkt, alle Zahlen bez\u00fcglich dieser beiden L\u00e4nder aus dem Ged\u00e4chtnis l\u00f6schen: &#8220;Ein Zeichen, wie hoch die Ausgaben gestiegen sind \u2013 und die Herausforderung, vor der der Nationale Verm\u00f6gensfonds steht \u2013 ist die Tatsache, dass Finanzminister Anton Siluanow bereitwillig eingestanden hat, dass das russische Staatsbudget dieses Jahr vermutlich ein Defizit einfahren wird, ungef\u00e4hr in der H\u00f6he von 2 Prozent des russischen GDP \u2013 verglichen mit den vorhergehenden rosigen Erwartungen eines \u00dcberschusses, wie es die letzten Jahre \u00fcblich war.&#8221;<\/p>\n<p>Nochmal: ein Defizit von zwei Prozent. Und jetzt bitte den Kopf wenden und die entsprechenden Zahlen aus den USA und aus Deutschland betrachten. Und dann an die mehr als 60.000 Granaten t\u00e4glich denken, die damit auch noch abgedeckt sind.<\/p>\n<p>Im Englischen gibt es das h\u00fcbsche Spottwort &#8220;Hopium&#8221;, eine Zusammenziehung aus hope wie Hoffnung und Opium, um etwas zu bezeichnen, das mit falscher Zuversicht den Verstand zudr\u00f6hnen soll. Dieser Satz ist Hopium allererster G\u00fcte: &#8220;Ob die \u00d6l- und Gaserl\u00f6se weiter steigen, liegt nat\u00fcrlich vor allem in den H\u00e4nden der verb\u00fcndeten L\u00e4nder der Welt.&#8221; Gemeint sind damit selbstverst\u00e4ndlich jene 15 Prozent der globalen Bev\u00f6lkerung, die den kollektiven Westen bev\u00f6lkern, der sich nach wie vor mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen weigert, eine Niederlage einzugestehen. Schlie\u00dflich werden &#8220;f\u00fcr die durchschnittlichen russischen B\u00fcrger in den n\u00e4chsten Jahren diese massiven St\u00f6rungen der russischen Wirtschaft ihre direkteste und sichtbarste t\u00e4gliche Erinnerung an die Konsequenzen von Putins Invasion sein&#8221;. Leider waren die Herren Professoren nicht so nett, die Moskauer Adresse mitzuteilen, unter der man diese ihre Erscheinungen betrachten kann. Ich w\u00e4re gern zur Besichtigung vorbeigefahren.<\/p>\n<p>Aber lassen wir es jetzt mit dem Unfug, und kommen wir zur Ursache dieses eigenartigen Ergebnisses. Und ich f\u00fcrchte fast, wir kommen damit auch zur Ursache, warum diese Sanktionen so ungeheuer selbstzerst\u00f6rerisch wirken: &#8220;Die Ergebnisse unseres Forschungsteams, die die zerst\u00f6rerischen Folgen der Firmenr\u00fcckz\u00fcge und der Selbstsanktionierung (sic!) auf die russische Wirtschaft beweisen, stimmen sehr mit den Erkenntnissen vertrauensw\u00fcrdiger, glaubhafter Partner wie jener der Kiewer Schule f\u00fcr Wirtschaft \u00fcberein, deren Wirtschaftsexperten die Folgen der Firmenr\u00fcckz\u00fcge aus Russland in einem parallelen Projekt untersucht haben.&#8221; Und es kommt noch besser: &#8220;Die Kiewer Schule f\u00fcr Wirtschaft und die <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Yermak-McFaul_Expert_Group_on_Russian_Sanctions\">McFaul-Yermak-Arbeitsgruppe<\/a> unter dem ehemaligen US-Botschafter in Russland, Mike McFaul, waren f\u00fchrend beim Vorschlag zus\u00e4tzlicher Sanktionen, von individuellen Sanktionen, Energiesanktionen bis zu Finanzsanktionen. Im Vorausblick gibt es keinen Weg aus der wirtschaftlichen Vernichtung f\u00fcr Russland, solange die Verb\u00fcndeten darin einig bleiben, den Sanktionsdruck gegen Russland zu erhalten und zu steigern.&#8221;<\/p>\n<p>Die Kiewer Schule f\u00fcr Wirtschaft \u2013 aus jenem Land, dessen Einwohner das Schwarze Meer gegraben haben. Der Heimat des Geistes von Kiew, der Sieger von der Schlangeninsel. Das erkl\u00e4rt nicht nur die abgrundtiefe B\u00f6sartigkeit, die dieses Sanktionsregime antreibt. &#8220;Vernichtung&#8221; ist eine Vokabel, die im Zusammenhang mit Russland in eine ziemlich eindeutige Richtung weist. Es erkl\u00e4rt auch die grenzenlose Dummheit dieser Sanktionen. Wenn diese Aussage der Herren aus Yale auch nur halbwegs der Wahrheit entspricht, hie\u00dfe das, dass nicht nur der \u00fcberaus vermeidbare Tod von wom\u00f6glich bereits 200.000 ukrainischen Soldaten (nach neuesten kursierenden Angaben) auf das Konto dieser bizarren Allianz USA \u2013 Kiew geht, sondern die Sanktionen auch noch unter Beteiligung der brillanten Hirne der Bandera-Anh\u00e4nger ausgekocht wurden. Mal abgesehen von dem Abstieg der USA \u2013 wenn das Rezept f\u00fcr den deutschen Untergang aus Kiew stammt, sollten auch verantwortliche deutsche Politiker langsam ernsthaft dar\u00fcber nachdenken, ob sie nicht die falsche Seite unterst\u00fctzen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211;\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/pressefreiheit.rtde.tech\/international\/145875-chinas-botschafter-in-moskau-usa\/\">Chinas Botschafter in Moskau: USA wollen Ukraine-Konflikt hinausz\u00f6gern<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/146793-russische-wirtschaft-wird-vernichtet-hopium-aus-yale\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer hat sich nur diese Sanktionen ausgedacht, d\u00fcrfte sich jeder fragen, der den kommenden Winter f\u00fcrchtet. 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