{"id":16483,"date":"2022-08-08T20:26:01","date_gmt":"2022-08-08T18:26:01","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/peking-und-moskau-koennten-den-widerstand-gegen-das-diktat-des-westens-anfuehren\/"},"modified":"2022-08-08T20:26:01","modified_gmt":"2022-08-08T18:26:01","slug":"peking-und-moskau-koennten-den-widerstand-gegen-das-diktat-des-westens-anfuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/peking-und-moskau-koennten-den-widerstand-gegen-das-diktat-des-westens-anfuehren\/","title":{"rendered":"Peking und Moskau k\u00f6nnten den Widerstand gegen das Diktat des Westens anf\u00fchren"},"content":{"rendered":"<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Die L\u00e4nder der Welt k\u00f6nnten die Lehren aus der Geschichte nutzen, um die hegemoniale Macht des Westens zu neutralisieren. Bisher haben China und Russland die Richtlinien gegen die \u00fcber beide L\u00e4nder verh\u00e4ngten Sanktionen in Kauf genommen. Aber die Frage ist, wie lange werden sie dies noch tun?\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Ein Kommentar von Iwan Timofejew<\/em><\/p>\n<p>Die Geschichte der <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.google.com\/search?q=goldenen+horde&amp;sxsrf=ALiCzsaiCH8V6Knqh3Rmi3JW9USmeB7c1A:1659878313568&amp;ei=qbvvYqSdHN2S9u8Pncqj-AY&amp;gs_ssp=eJzj4tTP1TcwNKosqDJg9OJLz89JSc1LzVPIyC9KSQUAckwI3A&amp;oq=Goldenen+Horde&amp;gs_lcp=Cgdnd3Mtd2l6EAEYADIFCC4QgAQyCgguENQCEAoQywEyBggAEB4QFjIGCAAQHhAWMgYIABAeEBYyBggAEB4QFjIGCAAQHhAWMgYIABAeEBYyBggAEB4QFjIGCAAQHhAWOgcIABBHELADSgQIQRgASgQIRhgAUMUEWMUEYNoiaAFwAXgAgAFNiAFNkgEBMZgBAKABAqABAcgBCMABAQ&amp;sclient=gws-wiz\">Goldenen Horde<\/a>, wie jene vieler anderer Imperien, legt nahe, dass Direktiven ihre Bedeutung verlieren, wenn die Masse der Teilnehmer, die sie ignorieren, kritisch wird. W\u00e4hrend die derzeitige westliche Hegemonie noch immer ein gro\u00dfes Ma\u00df an Kontrolle innehat, k\u00f6nnte der Widerstand von gro\u00dfen geopolitischen Akteuren, wie Russland und China, ihre Dominanz allm\u00e4hlich untergraben.<\/p>\n<p>Die moderne Sanktionspolitik erinnert teilweise an die Praktiken der Goldenen Horde. Eines ihrer Elemente war das System von Direktiven \u2013 Befehle, Anweisungen und Genehmigungen, die der Khan seinen Untertanen und Vasallen erteilte. Aus den Geschichtsb\u00fcchern lassen sich Prinzipien dieses Regierens entnehmen, zum Beispiel mit der Erteilung einer Erlaubnis durch den Khan an die russischen F\u00fcrsten, dieses oder jenes Land besitzen zu d\u00fcrfen. Auch \u00fcber den Klerus wurden Direktiven erlassen, die ihn von Steuern befreiten oder ihm andere Privilegien einr\u00e4umten.<\/p>\n<p>Dies waren die Werkzeuge der imperialen Politik, mit denen die Entscheidungen des Khans, in Bezug auf die von ihm abh\u00e4ngigen Herrscher oder Institutionen, formalisiert wurden. Dies hatte einen grenz\u00fcberschreitenden Charakter, das hei\u00dft, es war ein Instrument zur Verwaltung eines untergeordneten, aber fremden Territoriums. Einerseits war das Territorium im Besitz des Khans, andererseits war es eine separate staatliche Einheit.<\/p>\n<p>Historiker haben den Einfluss des Erbes der Goldenen Horde auf die Bildung eines zentralisierten Staates festgestellt, der um Moskau herum aufgebaut wurde. Der Historiker <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikibrief.org\/wiki\/George_Vernadsky\">Georgi Wernadski<\/a> hat auf diesen Einfluss hingewiesen. Es scheint also sinnvoll, die Praktiken der Goldenen Horde speziell in Bezug auf Russland zu er\u00f6rtern und auf die &#8220;asiatische&#8221; Natur seiner Politik, seiner Geschichte des Despotismus und die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Machtkonzentration hinzuweisen. Ein solches Narrativ entwickelt sich seit Jahrhunderten auf die eine oder andere Weise unter den westlichen Nachbarn Russlands. Einige imperiale Praktiken scheinen jedoch universell zu sein.<\/p>\n<p>Diese imperialen Praktiken sind heute in der Au\u00dfenpolitik der USA und teilweise auch in jener der EU zu sehen. Russland selbst hat viel von seinem imperialen Erbe verloren und ist zu einem ausgepr\u00e4gteren Nationalstaat geworden, als die Staaten seiner westlichen Rivalen. Dies schlie\u00dft nat\u00fcrlich \u2013 unter bestimmten Umst\u00e4nden \u2013 einen k\u00fcnftigen \u00dcbergang zu einer imperialen Staatsorganisation nicht aus.<\/p>\n<p>Die Charakterisierung der heutigen USA und der EU als Imperien birgt indes zwei Risiken. Das intellektuelle Risiko bezieht sich auf die offensichtlichen Unterschiede, zwischen den Imperien der Vergangenheit und den modernen politischen Formen. Sie sind in vielerlei Hinsicht einfach nicht vergleichbar. Die Gleichsetzung moderner, industrialisierter Massendemokratien mit dem unterdr\u00fcckerischen und wirtschaftlich primitiven Reich der Mongolen wird bei einigen Ressentiments und bei anderen ein herablassendes L\u00e4cheln hervorrufen. Das normative Risiko hingegen wird von den amerikanischen und westeurop\u00e4ischen Identit\u00e4ten selbst bestimmt. Trotz aller Unterschiede zwischen ihnen definieren sich beide durch ihren Glauben an die freie Organisation ihrer politischen Institutionen, die gewaltsamen Zwang ausschlie\u00dft. Die politischen Gemeinschaften der USA und der EU sind auf Basis von Freiwilligkeit organisiert, im Gegensatz zu den Imperien der Vergangenheit, die mittels Gewalt und Zwang verwaltet wurden.<\/p>\n<p>Die US-amerikanische und die westeurop\u00e4ische Identit\u00e4t basieren auf der Idee der \u00dcberlegenheit der von ihnen geschaffenen politischen Organisationen. Es erscheint ihnen das Gerechteste zu sein, in Bezug auf Gleichberechtigung sowie Freiheit der B\u00fcrger, im Rahmen eines Gesellschaftsvertrages. Die Gegenpole zu dieser Identit\u00e4t sind sowohl die Despotien der Vergangenheit als auch einige moderne Staaten, denen man nachsagt, dass sie Autokratien seien. Dazu geh\u00f6ren vor allem Russland und China. Auch die Vorherrschaft des Kapitalismus und des Marktes ist Teil der westlichen Identit\u00e4t. Demgegen\u00fcber stehen die &#8220;unfreien \u00d6konomien&#8221;, in denen der Staat eine zentrale und lenkende Rolle spielt. Aus normativer Sicht w\u00e4re es fast schon eine politische Provokation, die USA und die EU als Imperien zu bezeichnen.<\/p>\n<p>Dennoch erscheint ein solches Experiment gerechtfertigt, zumal gewisse intellektuelle Errungenschaften dahinterstehen. Unter anderem sei an das Buch &#8220;<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.google.com\/search?q=empire+michael+hardt&amp;sxsrf=ALiCzsbYwNujxXNWmT5o77aLJ9LVR12YrA:1659880850474&amp;ei=ksXvYuO8HICV9u8P3KSCqAI&amp;gs_ssp=eJzj4tTP1Tcwy002LjJg9BJJzS3ILEpVyM1MzkhMzVHISCxKKQEAq90K8Q&amp;oq=Empire+Michael+Hardt&amp;gs_lcp=Cgdnd3Mtd2l6EAEYADIFCC4QywEyBQgAEMsBMgYIABAeEBY6BwgAEEcQsAM6BAgjECc6DgguEIAEELEDEMcBENEDOhEILhCABBCxAxCDARDHARCvAToLCAAQgAQQsQMQgwE6FAguEIAEELEDEIMBEMcBENEDENQCOggIABCABBCxAzoGCCMQJxATOhEILhCABBCxAxCDARDHARDRAzoLCC4QgAQQsQMQgwE6BQguEIAEOgsILhCxAxDHARCvAToICC4QgAQQsQM6DgguEIAEELEDEMcBEK8BOgUIABCABDoICC4QgAQQ1AI6CwguEIAEEMcBEK8BSgQIQRgASgQIRhgAUMsIWJYYYNomaAJwAXgAgAGvAogBvAmSAQcxLjYuMC4xmAEAoAEBoAECyAEIwAEB&amp;sclient=gws-wiz\">Empire<\/a>&#8221; von Michael Hardt und Antonio Negri erinnert. Das Experiment basiert auf zwei Annahmen. Die erste Annahme ist, dass in den heutigen internationalen Beziehungen die Ungleichheit und die Hierarchie fortbestehen, aufgrund von Unterschieden bei der Machtf\u00fclle, der Wirtschaftsleistung und der individuellen F\u00e4higkeiten der jeweiligen B\u00fcrger. Zweitens schlie\u00dft eine auf Freiwilligkeit basierende Organisation Zwang und Beherrschung nicht per se aus. Dar\u00fcber hinaus schlie\u00dft die demokratische Struktur einzelner Staaten eine Zwangsbeziehung untereinander nicht aus, geschweige denn eine mit anderen Staaten.<\/p>\n<p>Im 20. Jahrhundert gelang es den USA tats\u00e4chlich, eine einzigartige internationale Gemeinschaft zu formen, was man als &#8220;weiches Imperium&#8221; bezeichnen k\u00f6nnte, das in seinem Kern jedoch zweifellos ein Instrument der Gewalt und des Zwanges barg. Dieses Imperium wurde gepr\u00e4gt durch den Ausgang des Zweiten Weltkriegs, in dem die USA \u2013 gemeinsam mit ihren Verb\u00fcndeten \u2013 mehrere gro\u00dfe Staaten wie Deutschland, Italien und Japan besiegten und anschlie\u00dfend besetzten.<\/p>\n<p>Als viel wichtiger stellte sich jedoch die wirtschaftliche, technische und finanzielle Vormachtstellung der USA heraus. Die USA wurden zur wichtigsten Quelle f\u00fcr den Wiederaufbau Westeuropas und Japans in der Nachkriegszeit, die beide sp\u00e4ter zu wichtigen Akteuren der Weltwirtschaft wurden.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f0079bb480cc7d7f109d98.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f0079bb480cc7d7f109d98.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f0079bb480cc7d7f109d98.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f0079bb480cc7d7f109d98.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f0079bb480cc7d7f109d98.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f0079bb480cc7d7f109d98.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Franz\u00f6sische Friedenstruppen der NATO-Mission im Kosovo beseitigen Tr\u00fcmmer in der &#8220;Roma Mahalla\u201c im S\u00fcden der ethnisch geteilten Stadt Kosovska Mitrovica im Norden der umstrittenen serbischen Provinz Kosovo.<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Ermal Meta<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ AFP<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die USA haben die Entwicklung dieser L\u00e4nder nicht nur nicht behindert, sondern auch davon profitiert. W\u00e4hrend des Kalten Krieges mit der UdSSR wurde das System einer euro-atlantischen Gemeinschaft gebildet, in dem die USA sowohl milit\u00e4risch als auch wirtschaftlich dominierten und dabei eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Kontrolle und Zwang vermieden. Im Gegensatz dazu war ein solches Diktat charakteristisch f\u00fcr die Beziehungen der UdSSR zu ihren Verb\u00fcndeten in Osteuropa, wobei sich sp\u00e4ter herausstellte, dass die wirtschaftliche Basis der Sowjetunion deutlich schm\u00e4ler war als die der USA und ihrer westeurop\u00e4ischen Verb\u00fcndeten.<\/p>\n<p>Dieser Unterschied in der Anwendung von Zwang zwischen dem West- und Ostblock w\u00e4hrend des Kalten Krieges erm\u00f6glichte es, dass ihr Vorhandensein, auf ideologischer Ebene, im Westen heruntergespielt und im Osten \u00fcbertrieben wurde. Das Film-Epos &#8220;Star Wars&#8221; zum Beispiel wurde Ende der 1980er-Jahre zu einer Art Archetypus des Massenkonsums und veranschaulichte die Unterschiede zwischen den beiden Systemen. Der &#8220;Sieg&#8221; im Kalten Krieg und der Zusammenbruch des Sowjetblocks k\u00f6nnen als Meilenstein in der Entwicklung des amerikanischen &#8220;weichen Imperiums&#8221; betrachtet werden, w\u00e4hrend die Globalisierung, die im sp\u00e4ten 20. und fr\u00fchen 21. Jahrhundert an Dynamik gewann, sein H\u00f6hepunkt war.<\/p>\n<p>In Westeuropa selbst entstand ein weiteres &#8220;weiches Imperium&#8221;, das sich zwar grundlegend von jenem der USA unterscheidet, aber eng mit ihm verbunden ist. Dieses Imperium beruht jedoch nicht auf milit\u00e4rischem und politischem Zwang. Die Europ\u00e4ische Union, die mit dem Ziel einer wirtschaftlichen Integration gegr\u00fcndet wurde, hat ihr eigenes Universum auf der Grundlage gemeinsamer Standards und Spielregeln erschaffen, die von ihren Mitgliedern freiwillig \u00fcbernommen werden. Im Laufe der Zeit bekam das &#8220;Projekt Europa&#8221; jedoch eine politische Komponente. Bis dahin konnte man die EU als politisch-milit\u00e4rischen Akteur vernachl\u00e4ssigen, die eine Juniorpartnerin der NATO blieb. Die Macht von Normen, Regeln und B\u00fcrokratie sorgte jedoch \u2013 innerhalb der EU und im Orbit ihres wirtschaftlichen Einflusses \u2013 f\u00fcr ein Macht- und Zwangsverh\u00e4ltnis, das nicht weniger effektiv ist als die Anwendung von roher Gewalt.<\/p>\n<p>Die USA behalten vorerst ihre Rolle als f\u00fchrende Macht in der Finanzwelt. Der US-Dollar ist ein bequemes und effizientes Instrument f\u00fcr internationale Transaktionen. Die EU ist ein wichtiger Markt, und der Euro spielt auch im internationalen Finanzwesen eine herausragende Rolle. Nat\u00fcrlich hat der Humanismus und die &#8220;Weichheit&#8221; westlicher Imperien ihre Grenzen. Wo die Anwendung von Gewalt m\u00f6glich war, wurde sie ziemlich konsequent eingesetzt. Das haben die Erfahrungen bei den Kriegen gegen Jugoslawien und den Irak gezeigt. Aber im Fall Irans bedeutet jede Aggression die Aussicht auf enorm gr\u00f6\u00dfere Verluste. Somit ist der Einsatz von wirtschaftlichen Ma\u00dfnahmen sinnvoll, denn sie sind ein billiges, aber dennoch zerst\u00f6rerisches Instrument der Machtaus\u00fcbung.<\/p>\n<p>Wirtschaftssanktionen k\u00f6nnen als Schl\u00fcsseltechnologie der heutigen &#8220;weichen Imperien&#8221; betrachtet werden. Die USA stehen in deren Anwendung weit vor dem Rest der Welt, obwohl die EU Wirtschaftssanktionen ebenfalls anwendet und Gro\u00dfbritannien solche nach dem Brexit in ihr au\u00dfenpolitisches System eingef\u00fchrt hat. Die Globalisierung des Dollar-Zahlungssystems erm\u00f6glicht es den US-Finanzbeh\u00f6rden, Transaktionen auf der ganzen Welt zu \u00fcberwachen und sie dort einzuschr\u00e4nken, wo sie mit den politischen Interessen Washingtons in Konflikt geraten.<\/p>\n<p>In einer globalen Wirtschaft und einem US-zentrierten Finanzsystem bedeuten US-Sanktionen f\u00fcr ein international t\u00e4tiges Gro\u00dfunternehmen herbe Verluste oder sogar den kompletten Zusammenbruch. Systemrelevante Exporteure mit Sanktionen zu belegen, kann einzelnen Volkswirtschaften enormen wirtschaftlichen Schaden zuf\u00fcgen, wie die Erfahrungen mit den Sanktionen gegen Iran, Venezuela und Russland deutlich gemacht haben.<\/p>\n<p>Die Anwendung sekund\u00e4rer Sanktionen sowie Bu\u00dfgelder und strafrechtlicher Sanktionen f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe gegen Direktiven der USA hat Unternehmen unabh\u00e4ngig von ihrem Herkunftsland diszipliniert. Beispielsweise verurteilen die chinesischen Beh\u00f6rden zwar die Sanktionspolitik der USA \u2013 chinesische Unternehmen sehen sich jedoch gezwungen, diese zu ber\u00fccksichtigen, aus Angst vor finanziellen Verlusten und dem Verlust des US-Marktes, wenn sie dagegen versto\u00dfen. Bis Februar 2022 achteten auch gro\u00dfe russische Unternehmen darauf, nicht gegen US-amerikanische Sanktionsbestimmungen zu versto\u00dfen, obwohl das offizielle Moskau ihre Verh\u00e4ngung stets verurteilte, w\u00e4hrend Russland selbst unter einer Reihe restriktiver Ma\u00dfnahmen stand. Die westeurop\u00e4ische Wirtschaft wurde von den durch die USA verh\u00e4ngten Sanktionen gegen Russland hart getroffen, h\u00e4lt sich aber \u2013 trotz Murren aus Br\u00fcssel \u2013 an die Direktiven der USA, w\u00e4hrend die EU selbst aktiv ihr eigenes Instrumentarium restriktiver Ma\u00dfnahmen entwickelt hat.<\/p>\n<p>Die heutige Sanktionspolitik f\u00fchrt auch zu einer Reinkarnation der Weisungspraxis. Durch die Auferlegung von Einschr\u00e4nkungen in dem einen oder anderen Bereich kann das US-Finanzministerium beispielsweise eine allgemeine Genehmigung erteilen, mit der bestimmte Transaktionen autorisiert werden. \u00c4hnliche Genehmigungen kann auch die EU erteilen. Zwei aktuelle Beispiele illustrieren diese Genehmigungspraxis in den Beziehungen zu Russland.<\/p>\n<p>Das erste Beispiel ist die Situation bei den Lebensmittelexporten. Formal haben die USA kein Embargo auf die Ausfuhr von russischem Getreide, D\u00fcngemitteln und landwirtschaftlichen Produkten verh\u00e4ngt. Eine Reihe russischer Verm\u00f6genswerte in der Agrarwirtschaft fielen jedoch unter die Sanktionen. Aus Angst vor sekund\u00e4ren Sanktionen und Strafen, inmitten umfangreicher finanzieller und wirtschaftlicher Sanktionen gegen Moskau, die nach dem Ausbruch des milit\u00e4rischen Konflikts in der Ukraine verh\u00e4ngt wurden, weigerten sich ausl\u00e4ndische Banken, Transaktionen f\u00fcr Exporte russischer Lieferanten auszuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Auch Reedereien haben sich aus \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden geweigert, russische Produkte zu verschiffen. In Kombination mit den Schwierigkeiten bei den ukrainischen Lebensmittelexporten aufgrund der Feindseligkeiten, der steigenden Lebensmittelpreise, D\u00fcrren und anderer Faktoren drohte die Sanktionierung der russischen Exporte schwerwiegende globale Folgen zu haben.<\/p>\n<p>Die Antwort war eine &#8220;Lizenz&#8221; des US-Finanzministeriums in Form einer allgemeinen Genehmigung zum Handeln mit russischen Lebensmitteln.<\/p>\n<p>Das zweite Beispiel ist die Situation bez\u00fcglich der Versuche Litauens, einen Teil des russischen Transits in die russische Exklave Kaliningrad zu blockieren. Die Sanktionen der EU verbieten den Import, den Transport und den Transfer einer Reihe russischer Waren. Unter diesem Vorwand wurde die Durchreise durch litauisches Gebiet blockiert. In diesem Fall wurde die Direktive von Br\u00fcssel angepasst und damit erkl\u00e4rt, dass die Sanktionen nicht f\u00fcr den Transit von G\u00fctern auf dem Schienenweg gelten.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f00944b480cc5c373dabe5.jpg 850w,\n                http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f00944b480cc5c373dabe5.jpg 1960w,\n            \" ><source data-srcset=\" \nhttp:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f00944b480cc5c373dabe5.jpg 460w,\n              http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f00944b480cc5c373dabe5.jpg 980w,\n            \" ><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f00944b480cc5c373dabe5.jpg\" alt=\"\"><\/source><\/source><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62f00944b480cc5c373dabe5.jpg\" alt=\"\"><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Denkmal f\u00fcr den heiligen und orthodoxen F\u00fcrsten Dmitri Donskoi auf einem Platz in Moskau<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Sergej Pjatakow<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ Sputnik<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit dem Tsunami an Sanktionen wird sich Russland der guten alten Praxis von Verboten und Regeln stellen m\u00fcssen, die an die Erfahrungen der Goldenen Horde erinnern. Direktiven werden angepasst, wenn es die Interessen des Sanktionierenden erfordern. Sie k\u00f6nnen auch als Belohnung bei &#8220;Verhaltens\u00e4nderungen&#8221; angepasst werden. Letztendlich ist in der heutigen sanktionspolitischen Doktrin die &#8220;Verhaltens\u00e4nderung&#8221; eines der Hauptziele. Folglich kann sich Russland entweder weiterhin auf die Anpassung von Direktiven verlassen oder Bedingungen schaffen, unter denen diese Direktiven umgangen werden k\u00f6nnen. F\u00fcr die oben erw\u00e4hnten Lebensmittelexporte k\u00f6nnte dies ein System f\u00fcr finanzielle Transaktionen mit russischen Exporteuren sein, die nicht unter westlicher Kontrolle stehen, sowie ein beschleunigter Ausbau einer eigenen Handelsflotte. In Bezug auf den Kaliningrader Transit w\u00fcrde dies bedeuten, den Seeverkehr zur russischen Exklave auszubauen. Solche Ma\u00dfnahmen erfordern jedoch Investitionen und politischen Willen. Die Alternative ist die Abh\u00e4ngigkeit von den Regeln anderer Leute, die heute aufgestellt und morgen widerrufen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie eingangs erw\u00e4hnt, legt die Erfahrung mit der Goldenen Horde, wie auch mit vielen anderen Imperien, nahe, dass Direktiven an Bedeutung verlieren, wenn die Masse der Spieler, die sie ignorieren, kritisch wird. Westliche &#8220;weiche Imperien&#8221; behalten zwar immer noch einen gro\u00dfen Sicherheitsspielraum. Aber der Widerstand von gro\u00dfen geopolitischen Akteuren wie Russland und China k\u00f6nnte ihre Dominanz allm\u00e4hlich untergraben. Die Einbeziehung Chinas w\u00fcrde diese Imperien vor eine noch gr\u00f6\u00dfere Herausforderung stellen. Chinas Politik wird in dieser Hinsicht \u00e4u\u00dferst vorsichtig sein. Aber die Erfahrung der wirtschaftlichen Angriffe auf China w\u00e4hrend der Pr\u00e4sidentschaft von Donald Trump zwingt Peking bereits heute, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um seine wirtschaftliche Souver\u00e4nit\u00e4t im Falle unvermeidlicher Eskalationen zu gew\u00e4hrleisten. Bisher haben China und Russland die Richtlinien gegen die \u00fcber beide L\u00e4nder verh\u00e4ngten Sanktionen in Kauf genommen. Aber die Frage ist, wie lange werden sie dies noch erdulden?<\/p>\n<p><em><strong>Iwan Timofejew\u00a0<\/strong>ist Programmdirektor des Waldai-Clubs und einer der f\u00fchrenden Au\u00dfenpolitik-Experten Russlands.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema &#8211;<\/strong>\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/europa\/143718-tony-blair-prophezeit-ende-westliche-dominanz\/\">Tony Blair prophezeit: \u00c4ra der westlichen Dominanz n\u00e4hert sich ihrem Ende<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/145543-peking-und-moskau-konnten-widerstand\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die L\u00e4nder der Welt k\u00f6nnten die Lehren aus der Geschichte nutzen, um die hegemoniale Macht des Westens zu neutralisieren. Bisher haben China und Russland die Richtlinien gegen die \u00fcber beide L\u00e4nder verh\u00e4ngten Sanktionen in Kauf genommen. Aber die Frage ist, wie lange werden sie dies noch tun? 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