{"id":15940,"date":"2022-08-03T16:26:32","date_gmt":"2022-08-03T14:26:32","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/debatte-gleichgesinnter-wie-der-deutschlandfunk-hoererkritik-abwehrt\/"},"modified":"2022-08-03T16:26:32","modified_gmt":"2022-08-03T14:26:32","slug":"debatte-gleichgesinnter-wie-der-deutschlandfunk-hoererkritik-abwehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/debatte-gleichgesinnter-wie-der-deutschlandfunk-hoererkritik-abwehrt\/","title":{"rendered":"&quot;Debatte&quot; Gleichgesinnter: Wie der Deutschlandfunk H\u00f6rerkritik abwehrt"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine Rezension von Anton Gentzen<\/em><\/p>\n<p>Dass die deutschen Medien, auch und insbesondere die \u00f6ffentlich-rechtlichen, \u00fcber die Ereignisse in der Ukraine einseitig, manipulativ und mit kaum verschleierter Sympathie f\u00fcr eine der Fraktionen der ukrainischen Gesellschaft berichten, ist in den zur\u00fcckliegenden neun Jahren selbst treuesten Zuschauern und Zuh\u00f6rern aufgefallen. Es hagelt schon seit 2013 Kritik, die allerdings \u00fcberwiegend ignoriert wird. Aussitzen und Ausschweigen ist die bevorzugte Strategie der Rundfunkanstalten beim Umgang mit Kritik und Programmbeschwerden zu diesem Thema. Eine andere ist es, die eigene Einseitigkeit mit noch mehr Einseitigkeit, dreiste L\u00fcgen mit noch dreisteren L\u00fcgen und Manipulationen mit noch mehr Manipulationen zu verteidigen.<\/p>\n<p>So am 8. Juli im <em>Deutschlandfunk<\/em>, bekanntlich auch ein \u00f6ffentlich-rechtlicher Sender. Offensichtlich konnte die aktuelle Welle der Emp\u00f6rung \u00fcber die Wei\u00dfwaschung des neonazistischen Asow-Regimentes nicht l\u00e4nger ausgesessen werden. Also hie\u00df es, &#8220;offenen Umgang&#8221; mit der Kritik simulieren und gleichzeitig das eigene Narrativ verteidigen.<\/p>\n<p>Im Fall des <em>DLF<\/em>\u00a0hie\u00df es, einem kritischen, aber wenig informierten Zuh\u00f6rer das Wort geben und ihm zwei &#8220;Experten&#8221; entgegensetzen. Die Ank\u00fcndigung der Sendung liest sich zumindest f\u00fcr denjenigen, dem die beiden &#8220;Experten&#8221; nicht bekannt sind, vielversprechend:\u00a0<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8220;<em>Wird \u00fcber Rechtsextremismus in der Ukraine korrekt berichtet?<\/em><\/p>\n<p><em>Die &#8216;Entnazifizierung&#8217; der Ukraine ist Putins Propaganda zur Rechtfertigung eines Angriffskriegs, der nicht zu rechtfertigen ist. Haben Medien dieses Narrativ ausreichend entlarvt? Unser H\u00f6rer David Lindemann wirft dem Deutschlandfunk vor, das Thema Rechtsextremismus in der Ukraine zu wenig zu beleuchten und zum Teil sogar zu behaupten, es g\u00e4be dort keine Rechtsextremisten. Dar\u00fcber diskutiert er mit Sabine Adler aus dem Osteuropa-Team des Deutschlandfunks, dem Rechtsextremismus-Experten Andreas Umland und Pia Behme aus der DLF-Medienredaktion<\/em>.<em>&#8220;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Schaut man genau hin, kommen Zweifel an dem Format der Sendung auf: Ein H\u00f6rer soll mit (gegen?) einer Journalistin aus dem Osteuropa-Team des <em>DLF<\/em>\u00a0und einem &#8220;Rechtsextremismus-Experten&#8221; debattieren. Liegt da nicht schon ein strukturelles Ungleichgewicht vor?\u00a0<\/p>\n<p>Das w\u00e4re ja noch in Ordnung, wenn die im Studio versammelten Experten wenigstens solche mit unterschiedlichen \u00dcberzeugungen w\u00e4ren. Beim <em>DLF<\/em>\u00a0ist es nicht der Fall: Beide Studiog\u00e4ste, sowohl die Journalistin Sabine Adler als auch der fr\u00fchere Hochschuldozent (unter anderem in Kiew) und langj\u00e4hrige Berater der ukrainischen Regierung Andreas Umland, sind ausgewiesene Anh\u00e4nger des Kiewer Maidan und des von diesem hervorgebrachten Regimes. Es sind regelrechte Aktivisten der &#8220;proeurop\u00e4ischen&#8221; Ukraine. Kaum jemand hat in der Vergangenheit so einseitig und manipulativ aus der Ukraine berichtet wie Adler. Sie macht keinen Hehl aus ihren Sympathien und unterschrieb schon mal \u00f6ffentlich antirussische Aufrufe. Und Umland fiel damit auf, dass er 2014 den Raketenbeschuss der Regionalverwaltung in Lugansk mit mehreren toten Zivilisten mit allerlei Verschw\u00f6rungstheorien in Abrede stellte. So wie es kaum eine Untat des Postmaidan-Regimes gab, die er in seinen sozialen Netzwerken nicht verteidigte, verharmloste oder leugnete.\u00a0<\/p>\n<p>Und so wurde die fast 40-min\u00fctige Sendung am 8. Juli ein Lehrst\u00fcck f\u00fcr manipulative Argumentation durch Auslassungen, Verschweigen und zweifelhafte Deutungen. Verdeutlichen wir das an einigen Beispielen.<\/p>\n<p>&#8220;<strong>Bewerberinnen, die blind und taub sind, werden bevorzugt eingestellt<\/strong>&#8220;<\/p>\n<p>Sabine Adler steigt in die Sendung ein mit der Verteidigung ihrer Aussage, in dem Asow-Regiment g\u00e4be es nur ein Dutzend Nazis, und offenbart gleich eine erstaunliche Wahrnehmungsst\u00f6rung. H\u00f6ren wir in ihre Erinnerungen an den Sp\u00e4therbst 2013 rein:<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8220;<em>Als die Proteste auf dem Maidan begonnen haben, da bin ich in Kiew gewesen, \u00fcber mehrere Monate von da an. Und wir sind als Korrespondenten, als Deutschlandfunk zu jener Zeit massiv mit einer Flut von E-Mails beschimpft worden und aufgefordert worden, (&#8230;) doch bitte \u00fcber die ganzen Rechtsextremen auf dem Maidan zu berichten. Mir waren bis dahin die Rechtsextremen auf dem Maidan nicht aufgefallen. Ich hab das als Aufforderung genommen, um zu gucken, habe ich was \u00fcbersehen, vielleicht nicht erkannt, und bin diesem Ph\u00e4nomen nachgegangen. Ich habe mich mit denen in Verbindung gesetzt, von denen ich gemeint habe, die m\u00fcssten es eigentlich wissen. Das sind die offiziellen Vertreter gewesen auf dem Maidan vom Rechten Sektor, eine Gruppe unterschiedlicher Organisationen, rechtsextremer Organisationen. Hab mit denen ein Interview gef\u00fchrt (&#8230;) und bin dann zu den unterschiedlichen Vertretern von j\u00fcdischen Gemeinden gegangen und hab mir das einordnen lassen.&#8221;\u00a0<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Sie sah den Wald vor lauter B\u00e4umen nicht. Lese sich der Leser dieses Zitat der \u00f6ffentlich-rechtlichen Korrespondentin bitte nochmals und nochmals durch und lasse es sich auf der sprichw\u00f6rtlichen Zunge zergehen: Da holt sich Frau Adler Auskunft dar\u00fcber, ob es auf dem Kiewer Maidan Rechtsextreme gibt, bei denen, von denen sie meint, &#8220;<em>die m\u00fcssten<\/em>\u00a0<em>es eigentlich wissen&#8221;: &#8220;offiziellen Vertretern&#8221;<\/em> rechtsextremer Organisationen. &#8220;Offiziellen Vertretern&#8221; auf ebenjenem Maidan. &#8220;<em>Mir waren die Rechtsextremen nicht aufgefallen.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>Aufgefallen war ihr, wenn man&#8217;s glauben will, so einiges nicht. Zum Beispiel das riesige Plakat mit dem Antlitz von Stepan Bandera, das monatelang \u00fcber vier Stockwerke eines der H\u00e4user auf dem Maidan gespannt war. Oder das &#8220;F\u00fchrertrio&#8221;, das t\u00e4glich Schulter an Schulter auf der Hauptb\u00fchne auftrat: Jatzeniuk, Klitschko und Tjagnibok. Letzterer ist das Oberhaupt der Swoboda-Partei, die noch wenige Jahre zuvor den \u2013 sicherlich zuf\u00e4llig gew\u00e4hlten \u2013 Namen &#8220;Sozial-Nationale Versammlung&#8221; trug. Das Europ\u00e4ische Parlament hatte 2012 vor der Zusammenarbeit mit ihr gewarnt, weil es sie als rechtsextrem und antisemitisch einstufte.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich war sie f\u00fcr Adler ein Jahr sp\u00e4ter nicht mehr rechtsextrem und antisemitisch, wie auch die Aufrufe Tjagniboks, es den\u00a0Vorfahren ukrainischer Nationalisten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges gleichzutun und Russen, Juden und Polen zu t\u00f6ten, vergessen und verj\u00e4hrt waren. Frau Adler scheint generell der \u00dcberzeugung zu sein, dass Rechtsextremismus sich wie Handschuhe anziehen und wieder ablegen l\u00e4sst. Er kann sogar einem ganzen Regiment spurlos abhanden kommen, so mir nichts, dir nichts.<\/p>\n<p><strong>Die wundersame L\u00e4uterung des &#8220;Asow&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Das hatte sie zur Einstufung des Asow-Regimentes in der Sendung am 8. Juli zu sagen:<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><!--[if IE 9]&gt;<video>&lt;![endif]--><!--[if IE 9]&gt;<\/video>&lt;![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62e7fcaa48fbef57da76c473.jpg\" alt=\"\"><!-- noscript pattern --><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62e7fcaa48fbef57da76c473.jpg\" alt=\"\"><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Das Trio der Maidan-F\u00fchrer: Oleg Tjagnibok (l.), Arsenij Jatzeniuk (mit Mikro) und Witali Klitschko. Der offene &#8220;Sozialnationalist&#8221; Tjagnibok ist der DLF-Reporterin Sabine Adler &#8220;nicht aufgefallen&#8221; &#8230; (13.12.2013)<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Ilya Pitalev<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ Sputnik<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>David Lindemann:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Ich sehe dann doch noch eine Diskrepanz. Also neulich erst haben Sie auf Deutschlandfunk Kultur gesagt, das Asow-Bataillon, das seien keine Nazis, w\u00e4hrend der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages dieses Bataillon als neonazistische Organisation einstuft.&#8221;<\/em>\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Sabine Adler:<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8220;Die Einstufung <em>als rechtsextremistisches Bataillon ist eine Einstufung, die in der Vergangenheit vorgenommen worden ist. Dieses Bataillon wird heute nicht mehr als rechtsextrem eingestuft. Und da muss man den Unterschied machen. Das ist so. Das hat eine rechtsextreme Vergangenheit, es ist heute kein rechtsextremes Bataillon mehr. Das stimmt einfach nicht<\/em>.&#8221;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Ph\u00e4nomen ist das Asow-Regiment: Es hat immer noch dieselben rechtsextremen Symbole (Wolfsangel und &#8220;schwarze Sonne&#8221;), br\u00fcllt dieselben Parolen ukrainischer Hitler-Kollaborateure, begeht dieselben, ja zuletzt schlimmere Verbrechen gegen die Bev\u00f6lkerung des Donbass. Und das Kontingent &#8230; Ganze Galerien lassen sich mit den Tattoos dieser Leute f\u00fcllen: Hakenkreuze, Hakenkreuze, Hakenkreuze, dazwischen ein Ganzk\u00f6rperportr\u00e4t Hitlers.<\/p>\n<p>Obwohl also alles unver\u00e4ndert blieb, hat sich laut <em>DLF<\/em>-Reporterin Adler die Rechtsradikalit\u00e4t inzwischen in Luft aufgel\u00f6st, der Rechtextremismus ist spurlos verflogen. \u00dcbrigens, wann haben die\u00a0Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages die Einstufung des &#8220;Asow&#8221; als rechtsextrem revidiert? In deren <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/898484\/37a9ef84c1c220157930089f1c43a579\/WD-2-025-22-pdf-data.pdf\">neuester Einsch\u00e4tzung vom 21. April 2022<\/a> liest man:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Das Vorhandensein von neonazistischen, ultranationalen und weiteren menschenverachtenden Tendenzen inklusive Antisemitismus innerhalb des &#8216;Regiments Asow&#8217; ist heute tats\u00e4chlich wohl nicht zu leugnen.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Revision klingt anders.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Die Umland-Methode<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>Nun kommt der &#8220;Rechtsextremismusforscher&#8221; Umland zu Wort und greift sofort zum Hauptargument aller Relativierer des ukrainischen Rechtsextremismus: Die rechtsextremen Parteien dort w\u00fcrden keine erheblichen Stimmenanteile bei Wahlen erhalten und darum stehe ihre Wahrnehmung im Westen &#8220;in keinem Verh\u00e4ltnis zu ihrer tats\u00e4chlichen Relevanz&#8221;:<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8220;<em>Das Verwunderliche am ukrainischen Rechtsradikalismus (ist) seine relative Schw\u00e4che im Vergleich zu L\u00e4ndern wie (&#8230;) Serbien, Rum\u00e4nien, Russland. Wenn man das im Vergleich zu diesen L\u00e4ndern sieht, aber auch wenn man das im Vergleich zu westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern sieht, die W\u00e4hlerunterst\u00fctzung dieser Parteien in der Ukraine, die organisatorische St\u00e4rke dieser Parteien in der Ukraine, dann ist das eher unterdurchschnittlich. Dann stellt sich f\u00fcr mich (&#8230;) eher die Frage, warum ist der Rechtsextremismus so schwach in der Ukraine.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><!--[if IE 9]&gt;<video>&lt;![endif]--><!--[if IE 9]&gt;<\/video>&lt;![endif]--><img decoding=\"async\" data- src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\" class=\"Picture-root Picture-original lazyload\" data-src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62ea60d248fbef04477e020b.jpg\" alt=\"\"><!-- noscript pattern --><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/08\/62ea60d248fbef04477e020b.jpg\" alt=\"\"><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">&#8220;Nicht aufgefallen&#8221; war den \u00f6ffentlich-rechtlichen Journalisten auch die Gewaltt\u00e4tigkeit des Maidan. Bis zum Schluss sprachen sie im Winter 2013\/2014 von &#8220;friedlichen Protesten&#8221; (Foto vom 25.01.14)<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Andrey Stenin<\/span><span class=\"RTImage-captionItem\"> \/ Sputnik<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p>Man wei\u00df zwar nicht, welche der russischen Parteien Umland als rechtsextrem einstuft (die Bewegung des Migrantenhassers Nawalny mit Sicherheit nicht), in einem Punkt hat er recht: Die Mehrheit der Ukrainer will den Rechtsextremismus nicht. 73 Prozent der ukrainischen W\u00e4hler haben bei den Pr\u00e4sidentenwahlen 2019 alles, wof\u00fcr Umland und Poroschenko stehen, abgew\u00e4hlt: den europ\u00e4ischen Kurs und die NATO-Bindung, den Krieg im Donbass und die Diskriminierung der russischen Sprache.<\/p>\n<p>Statt Poroschenko im Amt zu best\u00e4tigen, der die Ukraine fest auf EU- und NATO-Kurs brachte, Visafreiheit bei Reisen in die EU erstritt und Schritte zur Unterdr\u00fcckung der russischen Sprache und der kanonischen Orthodoxen Kirche unternahm, von denen ukrainische Nationalisten bis dahin nur tr\u00e4umen konnten, w\u00e4hlten die Ukrainer mit ebenjenen 73 Prozent einen russischsprachigen Juden: Selenskij, der im Wahlkampf andeutete, die Rechte der russischen Sprache wiederherzustellen und unter Poroschenko gesperrte russische Internetseiten freizuschalten. Selenskij, der versprach, um des Friedens willen &#8220;sogar mit dem Teufel selbst&#8221; zu reden.<\/p>\n<p>Ein klareres Votum gegen die Werte des Maidan kann man sich kaum vorstellen, aber was bringt es, wenn dieser Selenskij sich nach der Wahl als Poroschenko 2.0 entpuppt und dessen nationalistische Politik nahtlos fortsetzt?\u00a0<\/p>\n<p>Der Rechtsextremismus in der Ukraine braucht keine Wahlen mehr: Er ist l\u00e4ngst im Mainstream angekommen und bestimmt die Politikinhalte. Er dominiert den \u00f6ffentlichen Diskurs und wenn etwas nicht nach seinem Gusto l\u00e4uft, setzt er dem Pr\u00e4sidenten lautstark &#8220;rote Linien&#8221;, an die sich dieser penibel h\u00e4lt. Unter anderem deshalb hat Selenskij in den mittlerweile drei Jahren seiner Amtszeit nicht nur nicht mit dem Teufel gesprochen: Den eigenen Staatsb\u00fcrgern im Donbass verweigert er standhaft jeden Dialog.<\/p>\n<p><strong>Quizfrage: F\u00fcr welche Partei sa\u00df der &#8220;Asow&#8221;-Gr\u00fcnder im ukrainischen Parlament?<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>All das wissen die &#8220;Ukraine-Experten&#8221; Adler und Umland bestens. Sie manipulieren bewusst und zielgerichtet. Der Leser will einen Beweis f\u00fcr diese Anschuldigung? Den soll er haben.\u00a0<\/p>\n<p>Mehrfach erw\u00e4hnen beide in der Sendung am 8. Juli den Asow-Gr\u00fcnder Bilezki. Es f\u00e4llt die Aussage, dass er Abgeordneter der Rada war, und dass er ein Rechtsextremer ist, daran erheben auch die beiden &#8220;Experten&#8221; keinen Zweifel. Wie passt denn die elektorale Schw\u00e4che rechtsextremer Parteien in der Ukraine zu dieser Tatsache? Der Gr\u00fcnder des Asow-Bataillons war f\u00fcnf Jahre lang Abgeordneter des ukrainischen Parlaments.<\/p>\n<p>Nun, ein tats\u00e4chlich neutraler Experte, eine tats\u00e4chlich um Objektivit\u00e4t bem\u00fchte Journalistin h\u00e4tte dem Zuh\u00f6rer nicht vorenthalten, \u00fcber die Liste welcher Partei Bilezki in die Rada kam: die &#8220;Volksfont&#8221; des US-amerikanischen Favoriten und langj\u00e4hrigen Postmaidan-Regierungschefs Arsenij Jatzeniuk (man erinnere sich an das &#8220;<em>F**k the EU<\/em>&#8220;, mit dem Victoria Nuland diese Personalie in den Vordergrund r\u00fcckte) und des &#8220;blutigen Pastors&#8221; Turtschinow, der im April 2014 den Startschuss f\u00fcr den B\u00fcrgerkrieg im Donbass gegeben hatte.\u00a0<\/p>\n<p>Und Bilezki ist da kein Einzelfall. Alle Parteien &#8220;rechts der Mitte&#8221; haben vor den Wahlen Rechtsextreme in ihre Listen aufgenommen, auch die Parteien der Pr\u00e4sidenten Poroschenko und Selenskij. Zum Teil offene Nazis, zum Teil solche, deren Reden keinen Zweifel daran lassen, aus welchem Geist sie sich speisen.<\/p>\n<p>Wozu braucht es da noch rechtsextreme Splitterparteien, wenn die &#8220;gro\u00dfen&#8221; Parteien einschlie\u00dflich der Regierungspartei von Rechtsextremen unterwandert sind? Wozu braucht es sie, wenn jede ihrer Forderungen umgesetzt wird und ihre Ideologie die des Mainstreams geworden ist?<\/p>\n<p><strong>Warum sich Deutschland bei Stepan Bandera f\u00fcr Martin Luther entschuldigen muss\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das ist Umlands Manipulation: Er stellt die unbestreitbare Tatsache in den Vordergrund, dass das ukrainische Volk mehrheitlich nicht rechtsextrem ist. Dessen hat die Ukrainer allerdings kein &#8220;russischer Propagandist&#8221; von Rang, kein Politiker jemals beschuldigt. Putin nicht, selbst der inzwischen verstorbene Schirinowski nicht. Unser aller Behauptung ist, dass die aktuelle ukrainische Politik, der Mainstream in den ukrainischen Medien, das dominante gesellschaftliche Klima rechtsextrem sind: Eben das, was wir das Maidan-Regime nennen. Und dieses sch\u00fctzen Manipulatoren wie Adler und Umland, indem sie zum Strohmannargument greifen, das Volk der Ukrainer habe kein Faible f\u00fcr die Nazis.\u00a0<\/p>\n<p>Gekr\u00f6nt wird das Ganze von einem Vergleich, den Umland zieht: Zwischen dem rastlosen Befehlshaber eines realen Massenmordes (der auch eigenh\u00e4ndig mordete), der Ikone der Maidan-Ukraine Stepan Bandera und dem Kirchenreformator Martin Luther, der sich erlaubte, in Pamphleten die j\u00fcdische Religion hart anzugreifen. Wenn es Deutschen erlaubt sei, Luther zu verehren, d\u00fcrften Ukrainer dies mit Bandera allemal. Nun, der &#8220;Osteuropaexperte&#8221; begann seine Karriere an einer katholischen Hochschule &#8230;\u00a0<\/p>\n<p>Die Geschichtsm\u00e4rchenstunde geht weiter: Umland hat eine historische Schuld Deutschlands ausgemacht, aus der heraus es das Maidan-Regime st\u00fctzen muss. Diese bestehe, man halte sich fest, gegen\u00fcber Bandera. Entschuldigen m\u00fcsse sich Deutschland daf\u00fcr, dass dieser einige Monate im Zellenbau in Sachsenhausen verbringen musste! Umland:\u00a0<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Das ist das, was uns Deutsche an der Biografie Banderas zuerst interessieren muss. Wir m\u00fcssen uns, wenn wir sozusagen \u00fcber Bandera sprechen, m\u00fcssen wir uns erst mal daf\u00fcr entschuldigen, dass Bandera im Zellenbau in Sachsenhausen gesessen hat<\/em>.<em>&#8220;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Nun, Andreas Umland mag sich f\u00fcr alles entschuldigen, wonach ihm gerade der Sinn steht: f\u00fcr jeden von Partisanen unter deutscher Besatzung get\u00f6teten ukrainischen Kollaborateur, und sogar f\u00fcr den Tod von Ernst R\u00f6hm. Seine schr\u00e4gen Ansichten w\u00e4ren normalerweise sein pers\u00f6nliches Problem. Sie werden zu unser aller Problem dadurch, dass Umland und seinesgleichen in deutschen Medien nahezu eine Monopolstellung als &#8220;Ukraine-Experten&#8221; eingenommen haben. Wie kommt es, dass diese Art &#8220;Experten&#8221; die deutsche Politik mitbestimmen? Warum kommt keine Gegen\u00f6ffentlichkeit und keine Gegenexpertise in deutschen Medien zu Wort?\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&#8220;Experten&#8221; wie Umland und &#8220;Journalisten&#8221; wie Adler f\u00fchren Deutschland in die Irre. Solange man ihnen dann auch noch die &#8220;Fehleranalyse&#8221; \u00fcberl\u00e4sst, wie in der Sendung vom 8. Juli, ist keine Besserung zu erwarten.\u00a0<\/p>\n<p><em>Die rezensierte Sendung lief am 8. Juli 2022 um 15.35 Uhr im Deutschlandfunk und ist noch bis zum 8. August <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/putins-narrativ-wird-u-ber-rechtsextremismus-in-der-ukraine-richtig-berichtet-dlf-d625f5d4-100.html\">im Audioarchiv des Senders<\/a> nachzuh\u00f6ren.<\/em>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211; <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/international\/144124-roper-uber-westliche-medien-im\/\">Thomas R\u00f6per \u00fcber westliche Medien im Ukraine-Konflikt: Was nicht gef\u00e4llt, kommt nicht oder nur kurz<\/a><\/p>\n<\/p>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/144962-debatte-gleichgesinnter-wie-deutschlandfunk-horerkritik\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Rezension von Anton Gentzen Dass die deutschen Medien, auch und insbesondere die \u00f6ffentlich-rechtlichen, \u00fcber die Ereignisse in der Ukraine einseitig, manipulativ und mit kaum verschleierter Sympathie f\u00fcr eine der Fraktionen der ukrainischen Gesellschaft berichten, ist in den zur\u00fcckliegenden neun Jahren selbst treuesten Zuschauern und Zuh\u00f6rern aufgefallen. 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