{"id":15378,"date":"2022-07-28T21:18:02","date_gmt":"2022-07-28T19:18:02","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/gespraeche-mit-polen-ueber-die-ukraine-wenig-dialog-viel-kriegsrausch\/"},"modified":"2022-07-28T21:18:02","modified_gmt":"2022-07-28T19:18:02","slug":"gespraeche-mit-polen-ueber-die-ukraine-wenig-dialog-viel-kriegsrausch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/gespraeche-mit-polen-ueber-die-ukraine-wenig-dialog-viel-kriegsrausch\/","title":{"rendered":"Gespr\u00e4che mit Polen \u00fcber die Ukraine: Wenig Dialog, viel Kriegsrausch"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/07\/62dae1ddb480cc6b6224bde0.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Als ein in Deutschland sozialisierter Pole habe ich nach fast drei Jahren Auswanderung das erste Mal Russland verlassen, um mein Heimatland wieder zu besuchen. In zehn Tagen ergaben sich viele interessante Eindr\u00fccke und Gespr\u00e4che.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>von Elem Raznochintsky\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Weit \u00fcber zweieinhalb Jahre war ich nicht mehr in Polen. Als ich mit meiner Familie zum 1. Februar 2020 auswanderte und meiner Heimatstadt Berlin endg\u00fcltig den R\u00fccken kehrte, konnten wir noch nicht ahnen, dass nur wenige Wochen sp\u00e4ter die Coronakrise ausbrechen w\u00fcrde und die meisten Grenzen hermetisch dicht gemacht werden w\u00fcrden.\u00a0<\/p>\n<p>Spulen wir aber vor in die Gegenwart. Mein drittes Jahr in Sankt Petersburg l\u00e4uft und es war an der Zeit, die Familie in Polen endlich mal wieder zu besuchen. Fast alle meine Verwandten leben dort. Nur mein Vater und meine Mutter verweilen noch in Deutschland, kamen aber f\u00fcr unseren kurzen Besuch extra angereist. Immerhin konnte ich einen ihrer Enkel auf dieses Abenteuer mitnehmen. Und so handelte es sich um eine rare Chance eines fragmentierten Familientreffens. Meine Ehefrau und unsere neugeborene Tochter blieben n\u00e4mlich diesmal leider Zuhause in Russland.<\/p>\n<p>Nach einem eint\u00e4gigen Zwischenstopp in Berlin ging es weiter in die polnische Hauptstadt. Besonders am Warschauer Zentralbahnhof, Warszawa Centralna, gab es viele Infost\u00e4nde und Anlaufstellen f\u00fcr gefl\u00fcchtete Ukrainer. An einer der Stellen hing ein Plakat mit der Aufschrift &#8220;F*CK PUTIN&#8221; in den Farben der ukrainischen Flagge. Auch in der \u00fcbrigen Warschauer Innenstadt sah ich viele polnische und ukrainische Flaggen gemeinsam gehisst. Ein gro\u00dfer Teil der Au\u00dfenwerbung ist der Solidarit\u00e4t Polens mit der heutigen Ukraine gewidmet.<\/p>\n<p>Auf einem Hochhaus war ein riesiges, selbst angefertigtes Banner, das etwas deutlicher wurde. Denn darauf war der bekannte Ausspruch &#8220;\u0421\u043b\u0430\u0432\u0430 \u0423\u043a\u0440\u0430\u0457\u043d\u0456!\u00a0 \u0413\u0435\u0440\u043e\u044f\u043c \u0441\u043b\u0430\u0432\u0430!&#8221; (zu Deutsch: &#8220;Ruhm der Ukraine! Ruhm den Helden&#8221;) zu lesen, der in Polen offiziell jeglicher historisch negativer Konnotationen entledigt wurde. Fragt man heute den durchschnittlichen Polen nach der Herkunft dieser Losung, wird einhellig der Euromaidan (2013\u20132014) als Ursprung genannt, nicht aber die extrem wichtige Epoche der <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ukrainische_Aufst%C3%A4ndische_Armee\">UPA<\/a> oder <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Organisation_Ukrainischer_Nationalisten\">OUN<\/a> und deren verbrecherischem Vorgehen gegen das polnische Volk w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges.<\/p>\n<p><strong>Die Zweitsprache Warschaus<\/strong><\/p>\n<p>Man w\u00fcrde denken, diese sei Ukrainisch. Ich stand im Supermarkt an der Kasse und half einer ukrainischen Frau mit der Zahlung \u00fcber ihre neue polnische Bank-App. Auf ihre Initiative hin redeten wir Russisch miteinander und ich \u00fcbersetzte dann f\u00fcr die polnische Kassiererin, die von dem Durcheinander pl\u00f6tzlich auch technische Probleme mit ihrer Kasse bekam. Es klappte schlussendlich und die Dame eilte mit ihren Eink\u00e4ufen weiter.<\/p>\n<p>Die allermeiste Zeit h\u00f6rte ich Russisch auf den Stra\u00dfen. In den wenigsten F\u00e4llen Ukrainisch. Ob auf Beh\u00f6rden \u2013 ich war bei mehreren \u2013, im \u00f6ffentlichen Nahverkehr oder einfach beim Spazieren entlang der Weichsel: Die russische Sprache dominiert unter den aus der Ukraine Zugereisten sichtlich.<\/p>\n<p>Als ich mit meiner Ehefrau im Jahr 2019 in Swinem\u00fcnde (\u015awinouj\u015bcie) zu Besuch bei meinem Gro\u00dfvater war, stellte sich heraus, dass seine Physiotherapeutin aus Dnjepropetrowsk war. Im Gespr\u00e4ch mit uns erkl\u00e4rte die ukrainische B\u00fcrgerin, dass &#8220;bei uns eigentlich alle nach Russland wollen&#8221;. Wohl bemerkt: Das war noch lange vor Beginn der milit\u00e4rischen Sonderoperation im Februar 2022. Jedenfalls, als sie h\u00f6rte, dass wir zu dem Zeitpunkt wenige Monate vor dem Umzug nach Sankt Petersburg standen, sagte sie mit einer Prise konstruktivem Neid, dass das auch ihr pers\u00f6nliches Traumziel zum Wohnen und Arbeiten ist. Warum sie stattdessen nach Polen gekommen war, schaffte ich nicht mehr zu fragen, weil mein Gro\u00dfvater das zwischen T\u00fcr und Angel stattfindende Gespr\u00e4ch mit einer abrupten Verabschiedung beendete.<\/p>\n<p>Wer wei\u00df, wie viele Ukrainer sich in Polen befinden, die, neben ihrer eigentlichen Heimat in der Ukraine, vielleicht noch ganz woanders sein m\u00f6chten. Und zwar nicht unbedingt weiter westlich. Solch ein Stimmungsbild empirisch zu erfassen ist geradezu unm\u00f6glich im jetzigen politischen Klima in Polen. \u00c4hnlich den gefl\u00fcchteten Syrern in Deutschland, die mindestens seit 2015 dem deutschen Staatsapparat gegen\u00fcber beteuern mussten, dass sie ihren Pr\u00e4sidenten Baschar al-Assad verurteilen, um ihren Aufenthalt in Deutschland reibungslos genehmigt zu bekommen.<\/p>\n<p><strong>Das erste Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p>Mein langj\u00e4hriger Freund und angeheirateter Verwandter namens Jakub, der an der Jagiellonen-Universit\u00e4t in Krakau Soziologie und Geografie studiert hat und heute als Psychotherapeut praktiziert, kann auf eine lange Geschichte tiefer Streitigkeiten mit mir zur\u00fcckblicken. Die Themen betrafen meistens Russland und die Ukraine. Er wei\u00df, dass ich Russland seit 2014 als politischen Akteur in der Welt sch\u00e4tze, es zu verstehen versuche, weiter erforsche und bis heute unterst\u00fctze. Gleichzeitig ist er selbst ein \u00fcberzeugter NATO-Verfechter, EU-B\u00fcrger und moralischer Relativist, der einzig und allein in der Causa Ukraine eine klitzekleine, aber kategorische Ausnahme macht. Unsere Gespr\u00e4che verlaufen immer sehr vorsichtig, da ihm meine Infragestellung westlicher Werte und Errungenschaften stets extrem nahegeht. Er meinte, er habe \u2013 anscheinend im vermeintlichen Gegensatz zu mir \u2013 an seiner Uni gelernt, wie man einmal etablierte Axiome wieder in Frage stellt. Und tats\u00e4chlich war die Krakauer Jagiellonen-Universit\u00e4t in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts bekannt daf\u00fcr, ein &#8220;polnischer Ableger&#8221; der sogenannten Frankfurter Schule mit ihrer &#8220;Kritischen Theorie&#8221; zu sein. Dieses geistige Erbe wirkte bis in die 1990er Jahre fort, die Epoche der Dritten Polnischen Republik, und ist sehr eng mit allen neoliberalen Institutionen der NATO und der EU verbunden.<\/p>\n<p>Wie sehr aber tats\u00e4chlich und gr\u00fcndlich Axiome infrage gestellt wurden \u2013 au\u00dfer evidente Plattit\u00fcden wie die, dass die r\u00f6misch-katholische Kirche in Polen nicht mehr die moralisch-intellektuell-historische Deutungshoheit haben sollte \u2013 sei dahingestellt. F\u00fcr diese Einsicht aber braucht es eigentlich keine Steuerzahler-finanzierte Eliteuni-Ausbildung. Leider ist es aber das einzige Axiom, was ich bei meinem teuren Freund infrage gestellt sehe. Bei vielen anderen axiomatischen Annahmen des Materialismus und Naturalismus oder des westlichen Liberalismus ist er sehr dogmatisch, politisch unbeweglich und emotional veranlagt.<\/p>\n<p>Das j\u00fcngste Gespr\u00e4ch verlief bedauerlicherweise sehr oberfl\u00e4chlich. Er nahm mich auf ein Bier mit und wollte nur eine klare Stellungnahme von mir erhalten. N\u00e4mlich, ob ich Putin und den Kreml derzeit unterst\u00fctze, oder nicht. Ich fragte nach, ob er die fundierten Gr\u00fcnde f\u00fcr meine Position erfahren m\u00f6chte. Er meinte, nein, \u00fcberhaupt nicht. Also eigentlich wie immer. Ich musste in Gedanken schmunzeln, wenn ich an die Kraft einer zentralisierten &#8220;akademischen Bildung&#8221; zur\u00fcckdachte. Eine anschlie\u00dfende weitere intellektuelle Achterbahnfahrt wurde jedoch j\u00e4h und vorzeitig gestoppt.<\/p>\n<p>Da, wo ich versuchte, Sachverhalte doch n\u00e4her zu beleuchten, warf Jakub mir wenig sp\u00e4ter Sophistik vor. Auch, dass ich allgemein zu viel rede und ihn das sowieso all die Jahre zuvor immer gest\u00f6rt habe. Vorw\u00fcrfe, die von einem Therapeuten kommen, den man nur alle paar Jahre f\u00fcr wenige Augenblicke zu sprechen bekommt, der selber zum Gespr\u00e4ch aufgefordert hat und bei all dem derjenige mit den Fragen, dem Erkenntnisdurst und dem Kl\u00e4rungsbedarf gewesen ist. Jakub interessieren aber Geopolitik, Geschichte und Kritik an westlichen Institutionen \u2013 und der daraus sichtbar werdenden enormen Verbrechen des Westens \u2013 nicht. Gleichzeitig war ihm aber immer wichtig gewesen, dass ich aus unseren Gespr\u00e4chen mit der festen \u00dcberzeugung gehe, er sei ein undogmatischer Freigeist, der die Grundfesten der Realit\u00e4t tagt\u00e4glich in Zweifel zieht; wohingegen ich ein indoktrinierter &#8220;Russland-Versteher&#8221; sei, der den V\u00f6lkermord in der Ukraine unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p><strong>Das zweite Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p>Nach Warschau war unser n\u00e4chster Halt die Stadt Gdynia, an der Ostsee, in der Danziger Bucht. Dort hat uns mein Onkel Pawe\u0142 herzlich aufgenommen und von Anfang an direkte politische Gespr\u00e4che mit mir gemieden. Es gab also nicht &#8220;das eine Gespr\u00e4ch&#8221;, sondern eher \u00fcber mehrere Tage verteilte rhetorisch-akustische Fetzen, die ab und an erklangen, und in denen er Russland verurteilte, Putin verteufelte und die &#8220;russische Welt&#8221; als barbarisch hinstellte. Da dies aber nur Feststellungen waren, ohne Nachfrage oder Einladung zum Gespr\u00e4ch, nahm ich sie erst einmal so hin.<\/p>\n<p>Erst als er anfing, mich zu beraten, wie man Russland am besten verlassen k\u00f6nnte, um sich erneut in Polen oder Deutschland niederzulassen, bemerkte ich eine Wirklichkeitskonstruktion, auf die ich irgendwann reagieren musste. Diese bestand darin, dass sich mein Onkel die Tatsache, dass ich mit meiner Familie nun in Russland lebe, irgendwie rationalisieren musste. Die einzige M\u00f6glichkeit war f\u00fcr ihn wohl zu glauben, dass ich nicht ganz aus freien St\u00fccken mit meiner Familie in Sankt Petersburg gelandet bin, aber aus meiner &#8220;russischen Geiselhaft&#8221; einfach keinen Weg zur\u00fcck in die &#8220;westliche Freiheit&#8221; sehe. Diese Beobachtung hat mich einerseits am\u00fcsiert, aber gleichzeitig auch motiviert klarzustellen, dass ich \u2013 ganz im Gegenteil \u2013 vollkommen freiwillig in Russland lebe und arbeite. Und nicht nur das, sondern dass ich diese Lebensentscheidung bisher auch keinen einzigen Tag bereut habe. Das ist f\u00fcr meine polnische Verwandtschaft grunds\u00e4tzlich eine schwer zu verarbeitende, bisher nicht geknackte Nuss und ich kann das gewisserma\u00dfen auch nachvollziehen. An Zeit und aufrichtigem Interesse des Gegen\u00fcbers, meine Beweggr\u00fcnde n\u00e4her zu erforschen, fehlte es vorne und hinten. So auch meinem Onkel, der zu diesem Thema anschlie\u00dfend zu schweigen begann.<\/p>\n<p><strong>Das dritte Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p>Dieses war an einem kleinen See in der malerischen Kaschubei. Dort gab es eine Familienfeier mit einigen Leuten, die ich vorher nicht kannte. Einer von ihnen war ein junger Naturwissenschaftler, der von meiner Familie erfuhr, dass ich in Russland lebe. Aus Neugierde fragte er mich, wie es sich denn ausgerechnet jetzt in Russland leben l\u00e4sst. Ich meinte, dass alles gut sei, wir uns w\u00fcrdevoll und dankbar \u00fcber Wasser halten und es uns an nichts mangelt. Sofort begannen wir \u00fcber Politik zu sprechen.<\/p>\n<p>Er meinte, er sei in einer internationalen Community von Naturwissenschaftlern aktiv, kenne auch einige wertvolle, talentierte Kollegen aus Sankt Petersburg. Er war aber geschockt davon, wie seine wissenschaftlichen Mitstreiter seit Februar 2022 eine prorussische Position einnahmen. Gleichzeitig sei er vollkommen verbl\u00fcfft gewesen von der &#8220;Gehirnw\u00e4sche&#8221;, die ihnen scheinbar so effektiv verabreicht wurde. Daraufhin habe ich ihm erkl\u00e4rt, dass diese Erkl\u00e4rungsweise f\u00fcr ein eigentlich sehr komplexes, geopolitisch-anthropologisches Problem in Osteuropa vielleicht zu einfach ist. Da bemerkte der Mann erstmals aber friedlich, dass ich eine andere Position vertrete als er. Meine Frage, wie sicher er sich ist, dass nicht auch &#8220;wir&#8221; (also die polnische Gesellschaft) auf ein bestimmtes Weltbild hin gehirngewaschen wurden, verbl\u00fcffte ihn.<\/p>\n<p>Wir hatten einen anderen Zuh\u00f6rer, der sogar die von mir genannte M\u00f6glichkeit, dass uns andere Perspektiven fehlen \u2013 und wir uns zu sehr auf die Unfehlbarkeit der westlichen Auslegungsweise der Weltpolitik verlassen \u2013, zulie\u00df. Dieser fl\u00fcchtige Moment von Einsicht, dieses fragile Eingest\u00e4ndnis von Ungewissheit, war mein einziger Lichtblick w\u00e4hrend der ganzen Reise. Als mein Onkel Pawe\u0142 dazustie\u00df, erstarb das Gespr\u00e4ch wieder.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckblick<\/strong><\/p>\n<p>Es gab f\u00fcr mich keine wirklichen \u00dcberraschungen auf dieser Durchreise, da ich den Diskurs und die Entwicklung Polens aus der Entfernung \u00fcber viele Jahre hinweg immer aufmerksam beobachtet habe. Aber Vorort zu sein in einer Welt, die man guten Gewissens eine &#8220;alternative Realit\u00e4t&#8221; nennen kann, ist noch mal eine v\u00f6llig neue Erfahrungsebene.<\/p>\n<p>Gleichzeitig stimmen mich gewisse Dinge nachdenklich. Wie bereits mehrmals unterstrichen, br\u00e4uchte es Zeit, alternative Sichtweisen zu erkl\u00e4ren. Aber es braucht auch den Willen des Gegen\u00fcbers, andere Perspektiven kennenzulernen, und Neugier, um das Gesagte auf Herz und Nieren zu pr\u00fcfen. An beidem mangelt es in der polnischen Republik derzeit. Es gibt Ausnahmen, aber der Durchschnittsb\u00fcrger wird an ihnen vorbeigebabysitted. Die polnische Gesellschaft bleibt in weiten Teilen in einem einseitig gelenkten Kriegsrausch, der von der Warschauer Regierung mit wachsender Intensit\u00e4t befeuert wird. In dieser Welt wird von Russland das Bild einer unbeweglichen, bedrohlichen und autorit\u00e4ren Konstante im Osten gezeichnet. Die russischen Zaren, die Bolschewiki, Stalin und Putin werden zusammengeschwei\u00dft zu einer amorphen, unver\u00e4nderlichen Kreatur. Russische und sowjetische Geschichte wird auf grob fahrl\u00e4ssigem Kindergarten-Niveau gehalten und erscheint durch die NATO-Linse verzerrt. Als geb\u00fcrtiger Pole muss ich sagen: Das Wissen \u00fcber die russische Geschichte ist extrem vereinfacht, infantil, ohne Gesp\u00fcr oder fehlt meist ganz.<\/p>\n<p>F\u00fcr die \u00fcber Dekaden aufgebauten finanz- und gesellschaftspolitischen Probleme Br\u00fcssels und Washingtons sind die relevanten polnischen Eliten und ihre Akteure vollkommen blind und taub. Sie ahnen mit keiner Faser, dass der Ukrainekonflikt stellvertretend ist f\u00fcr einen weltweiten Um- und Zusammenbruch der bisher westlich dominierten Systeme und Institutionen. Kaum jemand bereitet sich dort darauf vor.\u00a0 Bei den Polen gelten der &#8220;ewige Russe&#8221; als Typus und &#8220;Anti-Amerikanismus&#8221; als Ideologie als die einzigen unmittelbaren Feinde, die jedwede Bek\u00e4mpfung verdienen.\u00a0<\/p>\n<p>Meine Reise best\u00e4tigte mir noch einmal auf ganz pers\u00f6nlicher Ebene, dass wir heute in einer \u00c4ra leben, in der Kontexte, Kausalit\u00e4ten und Hintergr\u00fcnde ausgeblendet werden, um die selbstverschuldete Konfrontation mit Russland in der Ukraine als Sieger zu erscheinen. Wie werden wir, die Polen, aber angesichts dessen auf eine m\u00f6gliche Niederlage reagieren?<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema <\/strong>&#8211;\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/europa\/133953-polnischer-minister-will-bewaffnete-nato-friedensmission\/\">Polnischer Minister will &#8220;bewaffnete NATO-Friedensmission&#8221; in der Ukraine<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/144204-gesprache-mit-polen-uber-ukraine\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ein in Deutschland sozialisierter Pole habe ich nach fast drei Jahren Auswanderung das erste Mal Russland verlassen, um mein Heimatland wieder zu besuchen. In zehn Tagen ergaben sich viele interessante Eindr\u00fccke und Gespr\u00e4che. von Elem Raznochintsky\u00a0 Weit \u00fcber zweieinhalb Jahre war ich nicht mehr in Polen. Als ich mit meiner Familie zum 1. 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