{"id":12415,"date":"2022-06-30T19:30:29","date_gmt":"2022-06-30T17:30:29","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/g7-gegen-russland-frieden-zum-preis-der-instabilitaet\/"},"modified":"2022-06-30T19:30:29","modified_gmt":"2022-06-30T17:30:29","slug":"g7-gegen-russland-frieden-zum-preis-der-instabilitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/g7-gegen-russland-frieden-zum-preis-der-instabilitaet\/","title":{"rendered":"G7 gegen Russland: Frieden zum Preis der Instabilit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/06\/62bddda8b480cc6d346f21fa.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Der Verlauf der Spezialoperation in der Ukraine nimmt immer deutlichere Z\u00fcge an. Ein Sieg der russischen Seite scheint unausweichlich, was mittlerweile auch von einigen Staatsoberh\u00e4uptern der G7 eingesehen wird. Es stellt sich nunmehr die Frage, wie die westlichen Entscheidungstr\u00e4ger mit dieser Situation umgehen sollten, ohne gleichzeitig ihr Gesicht zu verlieren.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>von Gevorg Mirzayan<\/em><\/p>\n<p>Der erfolgreiche Verlauf der russischen Spezialoperation in der Ukraine hat zu einem allgemein logischen Ergebnis gef\u00fchrt: Immer mehr westliche Experten beginnen dar\u00fcber zu sprechen, dass der Sieg Russlands unvermeidlich ist. Und der Westen m\u00fcsse sich auf diesen Sieg einstellen, d.h. einige Kompromissabkommen mit Moskau schlie\u00dfen, sowie auch die Ukraine dazu zwingen, diese Abkommen zu akzeptieren.<\/p>\n<p>Die westlichen Entscheidungstr\u00e4ger diskutieren bereits \u00fcber Anpassungsm\u00f6glichkeiten &#8211; insbesondere wurde das Thema auf dem G7-Gipfel angesprochen. Ja, vor der Kamera haben sie sich n\u00e4rrisch benommen. Der britische Premierminister Boris Johnson hat die \u00fcbrigen Teilnehmer gefragt, ob sie ihre Jacken anbehalten oder ausziehen sollen, um cooler als Putin auszusehen. Der kanadische Premierminister Trudeau parierte, dass die Staatsoberh\u00e4upter eine n\u00fcchterne Reitershow mit nackter Brust demonstrieren sollten. Johnson f\u00fcgte hinzu:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Zeigen wir unsere Brustmuskeln!&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es ist widerlich zu erkennen, dass die gesamte Weltkrise, in der die Menschen regelrecht verbrennen, zu einem nicht geringen Teil den pers\u00f6nlichen (Minderwertigkeits-)Komplexen von Politikern mit schiefen B\u00e4uchen und schlaffen Brustmuskeln geschuldet ist. Ihnen erscheint Putin auf seinem Pferd auch dort, wo er nicht ist.\u00a0Marina Akhmedova vom russischen Menschenrechtsrat sagt:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em> &#8220;Sie h\u00e4tten sich besser in einem Fitnessstudio anmelden sollen.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Jedoch entspringen diese pers\u00f6nlichen<strong>\u00a0<\/strong>Komplexe dem Verst\u00e4ndnis, dass Putin auf einem Pferd sitzt &#8211; sowohl w\u00f6rtlich als auch im \u00fcbertragenen Sinne. Und auch, weil der russische Pr\u00e4sident den &#8220;Krieg an der Peripherie&#8221; gegen die G7 gewinnt und irgendetwas dagegen getan werden muss.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es innerhalb des kollektiven Westens eine gro\u00dfe Spaltung in der Frage, &#8220;was zu tun ist&#8221;. Premierminister Boris Johnson versichert, man m\u00fcsse nur den Widerstand gegen die &#8220;russische Aggression&#8221; verst\u00e4rken und die milit\u00e4risch-wirtschaftliche Hilfe f\u00fcr die Ukraine erh\u00f6hen. Er f\u00fchrt aus:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Wenn wir es Putin erlauben, zu gewinnen und die Annexion der eroberten Gebiete eines freien, unabh\u00e4ngigen, souver\u00e4nen Landes zulassen&#8230;, dann w\u00e4ren die Folgen dieses Schrittes f\u00fcr die Welt absolut katastrophal.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Dabei w\u00e4re Putins Sieg nach der Meinung des britischen Premiers sogar ein Kompromiss zwischen Russland und dem Westen. Ein Kompromiss, der &#8220;nur zu einer l\u00e4ngeren Instabilit\u00e4t f\u00fchren w\u00fcrde&#8221;, wie Johnson dem franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron sagte. Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde selbst ein Versuch, den Konflikt zu l\u00f6sen und einen Kompromiss zu erzielen, Pr\u00e4sident Putin die &#8220;Lizenz zur Manipulation&#8221; anderer L\u00e4nder geben.<\/p>\n<p>In gewisser Hinsicht hat Johnson nat\u00fcrlich Recht. In der Tat w\u00e4re ein milit\u00e4rischer Sieg Putins in der Ukraine eine Katastrophe f\u00fcr die ganze Welt &#8211; die ganze westliche Welt. Andere Nationen &#8211; China, T\u00fcrkei, Iran, Nordkorea, Venezuela u.a. &#8211; werden dadurch die lehmigen F\u00fc\u00dfe des westlichen Kolosses sehen, wonach auch sie beginnen werden, eine souver\u00e4ne Politik zu verfolgen. Dazu geh\u00f6rt auch die milit\u00e4rische Verteidigung der eigenen nationalen Interessen, ohne R\u00fccksicht auf die Position der G7 &#8211; der USA und der sechs Helfershelfer.<\/p>\n<p>Daran ist aber keineswegs Putin schuld, sondern diejenigen, die den russischen Pr\u00e4sidenten zur milit\u00e4rischen Spezialoperation gedr\u00e4ngt haben.\u00a0<strong><\/strong><\/p>\n<p>Diejenigen, die einer diplomatischen Regulierung russisch-ukrainischer Gegens\u00e4tze im Wege standen (indem sie M\u00e4rchen \u00fcber die &#8220;Verletzung der Minsker Vereinbarungen durch Russland&#8221; erz\u00e4hlten), und diejenigen, die eine diplomatische Regulierung russisch-amerikanischer Beziehungen immer wieder zum Scheitern brachten (indem sie \u00fcber die Forderungen Moskaus gegen\u00fcber den Amerikanern lachten und ihnen versicherten, dass Putin kein Recht habe, sie aufzustellen). M\u00f6gen sie jetzt die Verantwortung f\u00fcr ihre Taten \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Zudem hat Johnson damit Recht, dass der Versuch zu verhandeln zu einer l\u00e4ngeren Instabilit\u00e4t f\u00fchren w\u00fcrde &#8211; allerdings ohne das W\u00f6rtchen &#8220;nur&#8221;. Die Instabilit\u00e4t ist unvermeidlich: Ein Kompromiss mit Moskau w\u00fcrde einen Pr\u00e4zedenzfall zufolge haben, der als m\u00e4chtiger Katalysator f\u00fcr den bereits stattfindenden Transformationsprozess der Weltordnung wirken wird. Der \u00dcbergang von der G7 zu, angenommen, der G20, also zu einer multipolaren Weltordnung. Gleichzeitig w\u00fcrde das Friedensabkommen aber auch die Grundlagen f\u00fcr neue Regeln in den internationalen Beziehungen schaffen. Es w\u00e4re die Grundlage f\u00fcr ein System der Koexistenz zwischen Russland und dem kollektiven Westen. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde all dies mit Instabilit\u00e4t einhergehen, doch nur ein Abkommen k\u00f6nnte den \u00dcbergang von der Instabilit\u00e4t zu einem wahren Chaos verhindern.<\/p>\n<p>Johnson hat sogar Recht, dass die blo\u00dfe Aufnahme eines Dialogs und der Versuch eines Kompromisses dem Pr\u00e4sidenten Putin die &#8220;Lizenz zur Manipulation&#8221; anderer L\u00e4nder geben wird. Recht hat er, wenn man versteht, dass die Briten mit der &#8220;Manipulation&#8221; die russischen Forderungen meinen, die sich aus dem Verst\u00e4ndnis des Kremls (und in der Tat auch des russischen Volkes) von der Definition ergeben, was das nationale Interesse ist. Darunter fallen die Ablehnung der sich nach Ostern erweiternden NATO, die Aberkennung russenfeindlicher Regime in den Nachbarl\u00e4ndern, Ma\u00dfnahmen gegen die Diskriminierung russischer Wirtschaftsinteressen und gegen Versuche, russische (Kaliningrad) oder pro-russische (Transnistrien) Exklaven zu blockieren. Nat\u00fcrlicherweise w\u00fcrde ein Eingest\u00e4ndnis des Westens bez\u00fcglich seiner Niederlage (was der Beginn von Verhandlungen sein k\u00f6nnte) die anderen Staaten dazu zwingen, den legitimen Forderungen Russlands gegen\u00fcber mit Respekt zu begegnen &#8211; und sie schlie\u00dflich zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Im Wesentlichen l\u00e4uft es darauf hinaus, dass Boris Johnson durch die Verdrehung der offensichtlichen Konsequenzen der unvermeidlichen Niederlage des Westens den Vorschlag macht, den Weg der Niederlage bis zum bitteren Ende zu gehen. Und bei diesem Vorschlag hat der britische Premierminister seine eigene Unterst\u00fctzergruppe in Form von Polen, des Baltikums und einer Reihe anderer Staaten.<\/p>\n<p>Doch es gibt auch ernsthafte Gegner &#8211; unter anderem den franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron h\u00f6chstpers\u00f6nlich. Im \u00c9lys\u00e9e-Palast hat man die Unvermeidlichkeit des Sieges Putins \u00fcber die Ukraine l\u00e4ngst begriffen und versucht einerseits, den Schaden dieses Sieges f\u00fcr den Westen zu minimieren, andererseits aber auch von diesem Sieg zu profitieren. Genau deswegen positioniert sich Emmanuel Macron als potenzieller Vermittler in den russisch-westlichen Verhandlungen. Um diese Rolle f\u00fcr sich zu beanspruchen, haben seine Auftritte eine konziliante Haltung eingenommen, auf beleidigende \u00c4u\u00dferungen gegen\u00fcber Putin verzichtet er &#8211; im Gegenteil ruft er dazu auf, &#8220;Russland nicht zu dem\u00fctigen&#8221;, und er sondiert st\u00e4ndig den Boden f\u00fcr den Verhandlungsprozess in Moskau und Kiew.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er immer noch z\u00f6gert, nach Russland zu kommen (um nicht der westliche F\u00fchrer zu werden, der die Toten als tot anerkennt, d.h. die K\u00f6pfe des kollektiven Wesens von der Illusion einer diplomatischen Isolation Russlands zu befreien), so besuchte er k\u00fcrzlich Kiew. Allerdings nicht allein, sondern als Teil einer repr\u00e4sentativen Delegation anderer Bef\u00fcrworter eines Kompromisses mit Russland &#8211; zusammen mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz und dem italienischen Premierminister Mario Draghi.<\/p>\n<p>Zwar ist unklar, was das Trio zu Selenskij sagte, jedoch musste Boris Johnson nach diesem Besuch dringend nach Kiew fliegen, um dem ukrainischen Pr\u00e4sidenten neue Garantien und Versprechen zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Eindeutig ist, dass der Ausgang der Konfrontation zwischen Johnson und Macron von den Richtern in Washington entschieden werden wird. Und heutzutage ist die Position der Vereinigten Staaten sehr interessant. Einerseits wird in akademischen und milit\u00e4rischen Kreisen zunehmend davon gesprochen, dass man sich mit Putin einigen m\u00fcsse. Und verhandeln m\u00fcsse man jetzt &#8211; denn je sp\u00e4ter die USA den Weg der Verhandlungen betreten, desto mehr ukrainisches Territorium wird von den russischen Streitkr\u00e4ften befreit und desto gr\u00f6\u00dfer wird das Gebiet sein, das nicht mehr an die Ukraine zur\u00fcckgehen wird (zum Wendepunkt wurde die Vergabe russischer P\u00e4sse an die Einwohner). Andererseits gibt es die Biden-Administration, die weiterhin das Kiewer Regime hartn\u00e4ckig sponsert und versucht, neue Typen von Waffen an die Ukraine zu liefern. Eine Verschwendung von Milliarden Dollar in der Ukraine, w\u00e4hrend sich die USA in einer noch nie dagewesenen Wirtschaftskrise befinden.<\/p>\n<p>H\u00f6chstwahrscheinlich wird die Position des Washingtoner Richters folgende sein: Bis November, d.h. bis zu den Kongresszwischenwahlen, wird er Boris Johnson unterst\u00fctzen. Sollte man n\u00e4mlich jetzt einen Kompromiss mit Russland eingehen, so werden das amerikanische Establishment und die Journalisten sagen, die USA habe nach der Niederlage in Afghanistan auch in der Ukraine verloren. Um genau zu sein, haben die Demokraten und Biden pers\u00f6nlich verloren, wobei es danach sehr schwierig sein wird, Kongresswahlen zu gewinnen. Ab November aber, wenn die Wahlen vorbei sind, wird es m\u00f6glich und notwendig sein, sich der Position Macrons anzun\u00e4hern und eher fr\u00fcher als sp\u00e4ter einen Kompromiss zu suchen. Damit bis zum Jahr 2024 (den Wahlen des neuen US-Pr\u00e4sidenten) das Thema der Ukraine-Niederlage in den K\u00f6pfen der amerikanischen W\u00e4hler vergessen ist.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem\u00a0<\/em><a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/russian.rt.com\/opinion\/1019216-mirzayan-dzhonson-makron-uregulirovanie-ukraina\"><em>Russischen<\/em><\/a><em><\/em><\/p>\n<p><em>Gevorg Mirzayan ist Politikwissenschaftler, Journalist und Dozent f\u00fcr Politikwissenschaft an der Finanzakademie der Regierung der Russischen F\u00f6deration.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema &#8211;<\/strong>\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/russland\/142134-russlands-ex-prasident-medwedew-im-interview\/\">&#8220;Der Westen untersch\u00e4tzt Russland&#8221; \u2013 Ex-Pr\u00e4sident Medwedew im Interview<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/142346-g7-gegen-russland\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verlauf der Spezialoperation in der Ukraine nimmt immer deutlichere Z\u00fcge an. 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