{"id":11772,"date":"2022-06-25T12:25:43","date_gmt":"2022-06-25T10:25:43","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/wir-durften-kein-russisch-sprechen-wie-polizisten-in-mariupol-nach-der-befreiung-arbeiten\/"},"modified":"2022-06-25T12:25:43","modified_gmt":"2022-06-25T10:25:43","slug":"wir-durften-kein-russisch-sprechen-wie-polizisten-in-mariupol-nach-der-befreiung-arbeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/wir-durften-kein-russisch-sprechen-wie-polizisten-in-mariupol-nach-der-befreiung-arbeiten\/","title":{"rendered":"&quot;Wir durften kein Russisch sprechen&quot;: Wie Polizisten in Mariupol nach der Befreiung arbeiten"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/06\/62b5fe0348fbef3164313001.jpg\" \/><\/p>\n<p>Die Menschen im befreiten Mariupol kehren\u00a0ins zivile Leben zur\u00fcck: Besch\u00e4digte H\u00e4user werden repariert; Krankenh\u00e4user, Schulen und kommunale Einrichtungen \u2013 einschlie\u00dflich der Polizei-Dienststellen \u2013 werden wiederer\u00f6ffnet. Auch viele ukrainische Polizisten sind unter der Leitung des Innenministeriums der Donezker Volksrepublik (DVR) an ihren Arbeitsplatz zur\u00fcckgekehrt. <em>RT<\/em> sprach mit mehreren Mitgliedern der Polizeibeh\u00f6rde des Bezirks Primorskij von Mariupol, um herauszufinden, was sich seit der Befreiung der Stadt in\u00a0deren Arbeit ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Neben anderen Dienststellen hat auch die Polizei\u00a0von Primorskij ihre Arbeit wiederaufgenommen. Die Beamten haben noch nicht einmal ein eigenes Geb\u00e4ude,\u00a0weil das alte w\u00e4hrend des Beschusses schwer besch\u00e4digt wurde. Es gibt keine Computer mehr. Die Polizeibeamten befinden sich in der Lobby eines nahe gelegenen Hotels und direkt auf der Veranda, wo sie die Beschwerden von B\u00fcrgern entgegennehmen.<\/p>\n<p>Tatjana Klus, die 20 Jahre lang in der Polizeistation von Mariupol gearbeitet hat, zeigt das besch\u00e4digte Geb\u00e4ude: zerbrochene Fenster und klaffende L\u00f6cher in den W\u00e4nden.<\/p>\n<p><strong>Polizeistation Mariupol<\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Seit M\u00e4rz war das Asow-Bataillon in dem Geb\u00e4ude stationiert, sodass dieses Geb\u00e4ude gest\u00fcrmt und mit Granaten beschossen wurde. Jetzt kann es kaum wiederhergestellt werden&#8221;, seufzt die <em>RT<\/em>-Gespr\u00e4chspartnerin.<\/p>\n<p>Neben der Polizeiwache befand sich das Hauptquartier des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU, aus dem jedoch alle Mitarbeiter evakuiert wurden, als die milit\u00e4rische Sonderoperation begann, und das bis vor Kurzem leer stand. Jetzt hat sich hier ein Krankenhaus des Innenministeriums\u00a0der Donezker Volksrepublik einquartiert.<\/p>\n<p>Tatjana erinnert sich, wie die ukrainischen Beh\u00f6rden ihr und anderen Polizeibeamten noch vor der Befreiung von Mariupol rieten, die Stadt zu verlassen, und sie einsch\u00fcchterten. Doch die Frau und ihr Mann wollten ihre Heimatstadt nicht verlassen. Sie sagt:<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Uns wurde gesagt, dass wir als Strafverfolgungsbeamte in eine Art Datenbank aufgenommen w\u00fcrden und dass wir angeblich alle verhaftet werden k\u00f6nnten, weil wir die Donezker Volksrepublik nicht unterst\u00fctzen. Oder sie w\u00fcrden uns die Kehle durchschneiden \u2013 so lauteten die Ger\u00fcchte.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Zweifel wurden zerstreut, als Fachleute des DVR-Innenministeriums, die in der Stadt eingetroffen waren, die ehemaligen ukrainischen Polizisten zu einem Treffen einluden. Tatjana zufolge wurden sie sehr gut aufgenommen und es wurde ihnen angeboten, wieder beim Polizeidienst einzusteigen. Die Frau stimmte zu.<\/p>\n<p>&#8220;All die Schreckensmythen, mit denen sie uns jahrelang Angst\u00a0eingejagt hatten \u2013 \u00fcber das Gef\u00e4ngnis, \u00fcber das Aufschlitzen unserer Kehlen \u2013, all das wurde sofort zerstreut. Wir wurden weder strafrechtlich belangt noch in irgendeiner Weise gefoltert. Wir sind freiwillig hierhergekommen. Ich m\u00f6chte hier weiterarbeiten, um den Einwohnern von Mariupol bei der Verbrechensbek\u00e4mpfung zu helfen&#8221;, erkl\u00e4rt Tatjana.<\/p>\n<p>&#8220;<strong>Die russische Sprache wurde verboten&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Tatjana Klus\u00a0sagt gegen\u00fcber <em>RT<\/em>, dass die Situation in der Stadt in den letzten acht Jahren angespannt\u00a0gewesen sei \u2013 die Menschen, einschlie\u00dflich der Angestellten der st\u00e4dtischen Einrichtungen,\u00a0seien beispielsweise gezwungen gewesen, nur Ukrainisch zu sprechen. Alle Unterlagen\u00a0seien auf Ukrainisch erstellt worden, was den russischsprachigen Einwohnern von Mariupol gro\u00dfe Schwierigkeiten bereitet habe, beklagt sie.<\/p>\n<p>&#8220;Uns wurde verboten, Russisch zu sprechen, obwohl wir eine russischsprachige Region sind&#8221;, sagt Tatjana emp\u00f6rt.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>&#8220;Unsere M\u00fctter haben mit uns Russisch gesprochen. Aber wir mussten auch mit den B\u00fcrgern auf Ukrainisch kommunizieren, Sitzungen abhalten und Interviews geben \u2013 ausschlie\u00dflich auf Ukrainisch. Es war sehr hart.&#8221;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ein ehemaliger Mitarbeiter derselben Abteilung in Primorskij, Alexei Turbin, beschwerte sich\u00a0gegen\u00fcber\u00a0<em>RT<\/em> ebenfalls \u00fcber die Zwangsukrainisierung. Aufgrund der Situation in der Ukraine und insbesondere des Verbots der russischen Sprache verlie\u00df er 2017 nach fast 20 Dienstjahren den Polizeidienst. Nach der Befreiung der Stadt wollte Alexei\u00a0zu seinem alten Posten zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Ihm zufolge haben viele ukrainische Polizeibeamten dasselbe getan. Jetzt ist etwa die H\u00e4lfte der Polizeibeamten in seiner Abteilung aus Donezk und Makejewka abgeordnet, der Rest sind Alexeis ehemalige Kollegen aus Mariupol.<\/p>\n<p>&#8220;Ich habe acht Jahre lang nicht mehr bei der Polizei gearbeitet, und es mag zwar l\u00e4cherlich klingen, aber ich habe mich am 23. Februar dieses Jahres entschlossen zur\u00fcckzukehren (ein Tag vor Beginn der russischen Milit\u00e4roperation \u2013 <em>Anm. der Red.).<\/em> Viele Rentner kommen jetzt zur\u00fcck, am 15. Mai gab es eine Aufstellung \u2013 es\u00a0gab eine nicht enden wollende Umarmung, die eine halbe Stunde gedauert hat, weil man Leute trifft, die man seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen und mit denen man fr\u00fcher gearbeitet hat. Es war sch\u00f6n zu sehen, dass alle am Leben sind und es ihnen gut geht.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Verstehen Sie, im Herzen sind wir alle Polizisten (der Gespr\u00e4chspartner nutzt das fr\u00fcher \u00fcbliche Wort &#8216;Milizion\u00e4re&#8217; \u2013 <em>Anm. der Red.<\/em>), es ist die gleiche Schule. Wenn man sich umschaut, sind wir alle Bekannte und Freunde. Da die Welt der Polizisten sehr klein ist, kennen sich alle untereinander. Acht Jahre lang waren wir getrennt. Und jetzt wird alles wiederhergestellt&#8221;, freut sich Turbin.<\/p>\n<p><strong>Pl\u00fcnderer und die Suche nach den Vermissten<\/strong><\/p>\n<p>Alexei Turbin berichtet gegen\u00fcber\u00a0<em>RT<\/em>,\u00a0man werde jetzt haupts\u00e4chlich von Menschen um Hilfe gebeten, deren Wohnungen von Pl\u00fcnderern ausgeraubt wurden \u2013 viele H\u00e4user in der Stadt\u00a0seien w\u00e4hrend des Beschusses besch\u00e4digt worden. Fenster und T\u00fcren seien zerbrochen, sodass es freien Zugang zu den R\u00e4umlichkeiten gegeben habe.<\/p>\n<p>&#8220;Soweit m\u00f6glich, sammeln wir Dokumente f\u00fcr die nummerierten Gegenst\u00e4nde und suchen nach ihnen. Wir suchen auch nach gestohlenen Autos&#8221;, sagt der <em>RT<\/em>-Gespr\u00e4chspartner. &#8220;Auch Verwandte, Freunde und Bekannte von vermissten Personen melden sich bei uns. Im Ganzen befasst sich das Katastrophenministerium mit dieser Aufgabe, aber wir leisten den B\u00fcrgern Rechtshilfe.&#8221;<\/p>\n<p>Der Korrespondent von <em>RT<\/em> begleitete Polizeibeamte bei einem dieser Ausfl\u00fcge. Auf dem Weg dorthin kommen wir an vielen besch\u00e4digten H\u00e4usern vorbei. Die W\u00e4nde des Geb\u00e4udes, aus dem der Anruf kam, sind mit Einschussl\u00f6chern \u00fcbers\u00e4t. Spuren des Granateneinschlags sind ebenfalls sichtbar \u2013 an einigen Stellen gibt es gro\u00dfe L\u00f6cher, die in den Trennw\u00e4nden klaffen.<\/p>\n<p>Die Frau, die die Polizei gerufen hatte, kehrte vor Kurzem in ihre Wohnung zur\u00fcck und musste feststellen, dass weder Fenster noch T\u00fcren vorhanden waren und ihr Hab und Gut fehlte.<\/p>\n<p>&#8220;Als wir zur\u00fcckkamen, war (in der Wohnung \u2013 <em>RT<\/em>) nichts mehr da: keine Rahmen, keine T\u00fcren. Und der Sohn war weg&#8221;, erkl\u00e4rte die Anwohnerin der Polizei.<\/p>\n<p>Nach Beginn der Kampfhandlungen verlie\u00dfen viele Bewohner das Haus \u2013 \u00fcberall hingen Zettel mit Telefonnummern an den T\u00fcren \u2013, sodass Menschen, die aus ihren H\u00e4usern geflohen waren, versuchten, Verwandte und Bekannte zu informieren, dass sie noch am Leben waren.<\/p>\n<p>Sergei Golowatjuk, der im\u00a0Bezirk Primorskij operativen Dienst\u00a0leistete und nach der Befreiung der Stadt ebenfalls in den Dienst zur\u00fcckkehrte, erkl\u00e4rte gegen\u00fcber <em>RT<\/em>, dass die Einwohner von Mariupol jetzt haupts\u00e4chlich Rat suchen w\u00fcrden \u2013 Fernsehen und Radio funktionieren nicht, sodass die Menschen einfach keine M\u00f6glichkeit haben, sich rechtlich zu informieren.<\/p>\n<p>&#8220;Tags\u00fcber werden wir jetzt von 50 bis 60 Personen angesprochen. Wir erkl\u00e4ren den Menschen, wie sie Hilfe bekommen k\u00f6nnen. Um zum Beispiel humanit\u00e4re Hilfe zu erhalten, muss man wissen, wann und wo man sie bekommen kann. Au\u00dferdem wissen die Menschen nicht, welche Bescheinigungen sie ben\u00f6tigen, um Renten und andere Zahlungen zu erhalten.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Als ich die Arbeit meiner Kollegen\u00a0der Donezker Volksrepublik sah, schien es mir,\u00a0als\u00a0k\u00f6nnten\u00a0sie von der Hilfe\u00a0der Leute profitieren, die die lokale Mentalit\u00e4t kennen, die wissen, wie die Menschen hier leben. Wir haben die Menschen damals unterst\u00fctzt und wir unterst\u00fctzen sie auch heute. Dies ist unsere Stadt, wir k\u00fcmmern uns um sie&#8221;, schloss Golowatjuk.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211; <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/dokumentation\/video\/140479-schlacht-um-mariupol-russische-soldaten\/\">Die Schlacht um Mariupol \u2013 Russische Soldaten und \u00dcberlebende erz\u00e4hlen<\/a><\/p>\n<\/p>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/141849-wir-durften-kein-russisch-sprechen\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Menschen im befreiten Mariupol kehren\u00a0ins zivile Leben zur\u00fcck: Besch\u00e4digte H\u00e4user werden repariert; Krankenh\u00e4user, Schulen und kommunale Einrichtungen \u2013 einschlie\u00dflich der Polizei-Dienststellen \u2013 werden wiederer\u00f6ffnet. Auch viele ukrainische Polizisten sind unter der Leitung des Innenministeriums der Donezker Volksrepublik (DVR) an ihren Arbeitsplatz zur\u00fcckgekehrt. 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