{"id":11357,"date":"2022-06-19T22:00:43","date_gmt":"2022-06-19T20:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/fuenf-szenarien-der-territorialen-zukunft-der-ukraine\/"},"modified":"2022-06-19T22:00:43","modified_gmt":"2022-06-19T20:00:43","slug":"fuenf-szenarien-der-territorialen-zukunft-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/fuenf-szenarien-der-territorialen-zukunft-der-ukraine\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Szenarien der territorialen Zukunft der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/06\/62aede3db480cc56ee76d4c8.jpg\" \/><\/p>\n<p><em>von Alexei Tokarew<\/em><\/p>\n<p>Das erste Szenario entspricht der Forderung der Ukraine nach einer R\u00fcckkehr zum Zustand des 23. Februar 2022. Die Lugansker- und Donezker Volksrepubliken bleiben dabei formell ukrainische Gebiete, die Verhandlungen im Normandie-Format verlaufen schleppend und Russland fordert weiterhin eine diplomatische L\u00f6sung. Aufgrund der Systematik der russischen Au\u00dfenpolitik wird es jedoch vermutlich keine R\u00fcckkehr zum Ausgangspunkt geben. An der Anerkennung der Lugansker und der Donezker Volksrepublik als Souver\u00e4ne \u00fcber ihr jeweiliges Territorium wird unter den derzeitigen Bedingungen nicht ger\u00fcttelt.<\/p>\n<p>Das zweite, das Minimalszenario, geht davon aus, dass die russischen Truppen genau an den Grenzen der ehemaligen ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk ihren Vormarsch beenden. Aus \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen wissen wir, dass die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr diese Gebiete innerhalb der Pr\u00e4sidialverwaltung vom Amt f\u00fcr grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit auf das Amt f\u00fcr Innenpolitik und \u00f6ffentliche Projekte \u00fcbertragen wurde. Der Kurator f\u00fcr die gesamte russische Innenpolitik, Sergei Kirijenko, hat zusammen mit seinen Kollegen Andrei Jarin und Sergei Nowikow bereits den Donbass sowie die russisch kontrollierten s\u00fcdukrainischen Regionen Saporoschje und Cherson besucht.<\/p>\n<p>Es ist wahrscheinlich, dass die Gebiete der formell unabh\u00e4ngigen Lugansker und Donezker Volksrepubliken durch einen Referendumsbeschluss Russland beitreten werden. Wenn das Referendum stattfindet, wird vermutlich eine solche Entscheidung getroffen werden: Unsere langfristige Soziologie im Donbass zeigt, dass unter den Alternativen &#8220;\u00dcbergabe an Russland&#8221;, &#8220;Verbleib innerhalb der ukrainischen Grenzen&#8221; und &#8220;Konsolidierung des Status quo in der Grauzone&#8221;, die erstere Variante immer die beliebteste war und die anderen beiden mehr als \u00fcbertrifft. Die Formel &#8220;70-70&#8221; (der Prozentsatz derer, die in die Wahllokale gegangen sind und f\u00fcr die Wahl gestimmt haben) wird aufgehen.<\/p>\n<p>Dieses Szenario hat jedoch einen gro\u00dfen Nachteil: das traurige Schicksal der Bev\u00f6lkerung, die in den ukrainischen Gebieten verbleibt, aus denen sich die russischen Streitkr\u00e4fte zur\u00fcckziehen. Ein Teil der ukrainischen Sicherheitskr\u00e4fte betrachtet die Zivilisten in den von den russischen Einheiten verlassenen St\u00e4dten und D\u00f6rfern als Kollaborateure. Der Abzug der russischen Armee und der Milizen des Donbass aus den ukrainischen Regionen Cherson und Saporoschje w\u00fcrde die Zivilbev\u00f6lkerung in Gefahr bringen.<\/p>\n<p>Das dritte, mittlere Szenario geht davon aus, dass sich auch die Regionen Saporoschje und Cherson von der Ukraine abspalten. Die Frage ist, wie die Pr\u00e4senz russischer Truppen in diesen Gebieten legalisiert werden kann. Die Schaffung neuer &#8220;Volksrepubliken&#8221;, das hei\u00dft das Einfrieren des Konflikts durch die Schaffung einer staatsrechtlichen Grauzone, w\u00fcrde von der Bev\u00f6lkerung \u00e4u\u00dferst negativ aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre sind die Lugansker und die Donezker Volksrepublik nicht zu einem &#8220;Schaufenster der russischen Welt&#8221; geworden und haben bei der Organisation des Alltagslebens, der \u00f6ffentlichen Dienstleistungen und der Wirtschaft gegen\u00fcber den von Kiew kontrollierten Gebieten im Donbass verloren. Daher sind sie f\u00fcr die ukrainische Bev\u00f6lkerung kein Anziehungspunkt. Sie werden zwischen zwei Alternativen w\u00e4hlen m\u00fcssen: ein Teil Russlands zu werden oder Teil der Ukraine zu bleiben.<\/p>\n<p>Die Regionen Saporoschje und Cherson stellen ihre W\u00e4hrung bereits auf den Rubel um, w\u00e4hrend alle Institutionen der russischen Regierung (Pr\u00e4sidialverwaltung, F\u00f6deralregierung, Parlament, Sicherheitsdienste) allm\u00e4hlich beginnen, bestimmte wirtschaftliche und b\u00fcrokratische Prozesse in ihren eigenen staatlichen Raum zu integrieren. Russische Beamte (darunter der stellvertretende Ministerpr\u00e4sident, Marat Chusnullin, der stellvertretende Sprecher des F\u00f6derationsrates, Andrej Turtschak, und der Ministerpr\u00e4sident der Republik Krim, Sergei Aksjonow) haben wiederholt erkl\u00e4rt, dass &#8220;Russland niemals gehen wird&#8221;.<\/p>\n<p>Es ist schwer vorstellbar, dass die Aktivit\u00e4ten Chusnullins, der den Baukomplex, die Infrastruktur, den Verkehr, die r\u00e4umliche Entwicklung, Kaliningrad und die Krim \u00fcberwacht und die Aufnahme der Regionen Saporoschje und Cherson in die &#8220;russische Familie&#8221; verspricht, nur eine leidenschaftliche Amateurt\u00e4tigkeit ist. Dennoch wurde die Entscheidung \u00fcber die neuen Gebiete, falls sie getroffen wurde, noch nicht ver\u00f6ffentlicht, trotz der aktiven Pr\u00e4senz hochrangiger Bef\u00fcrworter dieses Szenarios in den Medien.<\/p>\n<p>Das letzte Referendum auf ukrainischem Gebiet wurde am 11. Mai 2014 abgehalten. Am 11. September 2022 wird es in Russland einen weiteren, einheitlichen Wahltag geben. F\u00fcr alle neuen Gebiete, die nach Russland eingegliedert werden sollen, kann das Krim-Modell angewendet werden. Das Gebiet l\u00f6st sich f\u00fcr mindestens einen Tag von der Ukraine ab (im Falle der Lugansker und der Donezker Volksrepublik waren es acht Jahre) und beantragt als souver\u00e4ner Staat die Aufnahme in die Russische F\u00f6deration.<\/p>\n<p>Das vierte Szenario, das Maximalszenario, sieht vor, dass alle s\u00fcdlichen Regionen der Ukraine, einschlie\u00dflich Odessa, Nikolajew und Charkow, in die russischen Grenzen einbezogen werden. Ihr Status w\u00fcrde von der Situation im Einsatzgebiet abh\u00e4ngen. Der eindeutige Nachteil w\u00e4re jedoch die Verwandlung der St\u00e4dte, die von den Streitkr\u00e4ften der Ukraine, der Nationalgarde und der Territorialverteidigung zu Hochburgen des Widerstands ausgebaut wurden, in ein neues Mariupol. Niemand kann aber eine Wiederholung des Mariupol-Szenarios f\u00fcr Saporoschje und Charkow zu wollen, wenn es nicht nach der Schaffung mehrerer Kessel an den Westgrenzen der Lugansker und der Donezker Volksrepublik noch zu einem Wendepunkt kommt.<\/p>\n<p>Das f\u00fcnfte Szenario ist das negativste f\u00fcr den Staat Ukraine. Seine Umsetzung w\u00fcrde die aktive Einbeziehung neuer Akteure in den Konflikt erfordern, insbesondere Polen und Ungarn. Ein neuer europ\u00e4ischer Krieg um das ukrainische Erbe w\u00fcrde den 2014 begonnenen Zerfall des Staates vollenden. Der Beitritt der Regionen Charkow und Dnjepropetrowsk zu Russland w\u00e4re in diesem Fall realistisch.<\/p>\n<p>Das erste Szenario ist kaum m\u00f6glich, das zweite und f\u00fcnfte unwahrscheinlich. Wenn sich die Situation auf dem Kriegsschauplatz f\u00fcr Russland erfolgreich entwickelt und die Stadt Saporoschje nicht zu einem neuen Mariupol wird, erscheint das dritte Szenario als das realistischste.<\/p>\n<p>Die zuk\u00fcnftige Ukraine (wenn die Staatlichkeit um die derzeitigen Institutionen und Kiew als Hauptstadt erhalten bleibt) wird wahrscheinlich einen atomwaffenfreien Status haben, auf einen NATO-Beitritt verzichten, den Kurs in Richtung EU beibehalten und die Krim und die Lugansker und die Donezker Volksrepublik als Teile Russlands anerkennen (oder zumindest werden diese keinen Sicherheitsgarantien f\u00fcr die Ukraine unterliegen).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wird die Ukraine keine Kontrolle mehr \u00fcber die Regionen Saporoschje und Cherson, m\u00f6glicherweise auch Odessa, Nikolajew und Charkow haben. Sie wird Gesetze aufheben, die russische Sprache diskriminieren, ohne sie zur zweiten Staatssprache zu machen, die Armee als eine Struktur verlieren, die in der Lage ist, offensive Operationen und milit\u00e4rische \u00dcbungen durchzuf\u00fchren, die mit ihren Sicherheitsgarantiestaaten koordiniert werden. Die russische Diplomatie ist offen f\u00fcr die Verhandlungen \u00fcber die Schaffung von Frieden.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/vz.ru\/opinions\/2022\/6\/17\/1162889.html\">Russischen<\/a>. <\/em><\/p>\n<p><em><strong>Alexei Tokarew<\/strong> ist leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter im <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/english.mgimo.ru\/structure\/scientific-deps\/iis\">Institut der Internationen Beziehungen<\/a> an der russischen Diplomatenschule\u00a0Staatliches Moskauer Institut f\u00fcr Internationale Beziehungen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211; <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/meinungsfreiheit.rtde.life\/meinung\/140575-wie-eskalierenden-westlichen-vorwurfe-gegen\/\">Wie die eskalierenden westlichen Vorw\u00fcrfe gegen Russland das Ende der Ukraine bef\u00f6rdern<\/a><\/p>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/141435-funf-szenarien-territorialen-zukunft-ukraine\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alexei Tokarew Das erste Szenario entspricht der Forderung der Ukraine nach einer R\u00fcckkehr zum Zustand des 23. 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