{"id":112646,"date":"2026-10-18T08:00:00","date_gmt":"2026-10-18T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/bulgarien-im-zentrum-eines-gefaehrlichen-spiels-im-schwarzen-meer\/"},"modified":"2026-10-18T08:00:00","modified_gmt":"2026-10-18T06:00:00","slug":"bulgarien-im-zentrum-eines-gefaehrlichen-spiels-im-schwarzen-meer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/bulgarien-im-zentrum-eines-gefaehrlichen-spiels-im-schwarzen-meer\/","title":{"rendered":"Bulgarien im Zentrum eines gef\u00e4hrlichen Spiels im Schwarzen Meer"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2026\/10\/6acfacc548fbef05b9420d2a.png\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Drohnenangriffe auf Handelsschiffe vor Bulgarien versch\u00e4rfen die Lage im Schwarzen Meer. Sofia wartet auf Ermittlungsergebnisse, EU und NATO machen Moskau verantwortlich. Experten sehen einen Versuch, das B\u00fcndnis in den Konflikt hineinzuziehen. Wem nutzt die Eskalation?\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Andrei Restschikow<\/em><\/p>\n<p>Am Dienstag er\u00f6rterte der bulgarische Ministerpr\u00e4sident Rumen Radew mit der russischen Botschafterin Eleonora Mitrofanowa die Drohnenangriffe auf Handelsschiffe in der ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszone des Landes. Nach dem Treffen erkl\u00e4rte der Regierungschef, Sofia werde die Untersuchung der Vorf\u00e4lle gemeinsam mit den Verb\u00fcndeten aus der Europ\u00e4ischen Union und der NATO fortsetzen, um den Sachverhalt aufzukl\u00e4ren. Dabei gebe es, so Radew, bislang keine eindeutigen Beweise f\u00fcr die Herkunft der Drohnen.<\/p>\n<p>Mitrofanowa erkl\u00e4rte ihrerseits, das russische Verteidigungsministerium verf\u00fcge \u00fcber keine Informationen zu diesen Angriffen. Als Radew erkl\u00e4rte, &#8220;f\u00fcr die Ukraine ergebe es keinen Sinn, eigene Schiffe zu zerst\u00f6ren, w\u00e4hrend Russland von den Angriffen profitiere&#8221;, forderte die russische Diplomatin die bulgarische Seite auf, &#8220;auch eine andere Logik in Betracht zu ziehen&#8221;. Ihren Worten zufolge k\u00f6nnten die n\u00e4chtlichen Angriffe in der N\u00e4he der bulgarischen Hoheitsgew\u00e4sser eine gezielte Provokation einer dritten Partei gewesen sein.<\/p>\n<p>Zur Erinnerung: Der erste Vorfall ereignete sich in der Nacht zum 6. Oktober, etwa 80 Seemeilen vor der bulgarischen K\u00fcste. Ziel der Drohnen waren zwei zivile Schiffe: Die unter togolesischer Flagge fahrende Alfa Watan, die sp\u00e4ter sank, und die unter der Flagge Palaus fahrende Able, an deren Bord ein Feuer ausbrach. Damals beschr\u00e4nkte sich Sofia darauf, bei der NATO um technische Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ermittlungen zu ersuchen, ohne dies mit lautstarken politischen Erkl\u00e4rungen zu begleiten.<\/p>\n<p>Der zweite Angriff ereignete sich genau eine Woche sp\u00e4ter, in der Nacht zum Dienstag, und traf Schiffe, die sich bereits n\u00e4her an der bulgarischen K\u00fcste befanden. Drei Drohnen griffen den Frachter Chelsea 3 an, der einem ukrainischen Eigent\u00fcmer geh\u00f6rt und unter maltesischer Flagge fuhr. Das Schiff wurde an Deck und an der Bordwand besch\u00e4digt, blieb jedoch schwimmf\u00e4hig und konnte den Hafen von Warna erreichen. Rund 17 Seemeilen vom Dorf Krapez entfernt griffen Drohnen au\u00dferdem das Handelsschiff HS Dignity an, das in den Medien auch als Azov Concord bezeichnet wird. Es sank. Das Schiff fuhr unter der Flagge von Guinea-Bissau. Radew erkl\u00e4rte, es habe Fahrten durchgef\u00fchrt, &#8220;die den wirtschaftlichen Interessen Russlands dienten&#8221;.<\/p>\n<p>Nach dem zweiten Vorfall berief der Ministerpr\u00e4sident umgehend den Nationalen Sicherheitsrat ein und betonte erneut, dass die Ermittler bislang nicht \u00fcber umfassende Beweise verf\u00fcgten.<\/p>\n<p>In Br\u00fcssel und im NATO-Hauptquartier reagierte man auf die zunehmenden Angriffe mit scharfen Erkl\u00e4rungen. EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen verurteilte die Angriffe und erkl\u00e4rte, &#8220;das Schwarze Meer sei zu einer weiteren Front der Eskalation des Krieges geworden&#8221;. Auch der Pr\u00e4sident des Europ\u00e4ischen Rates, Ant\u00f3nio Costa, warf Russland eine Eskalation vor und k\u00fcndigte an, die zunehmende &#8220;hybride Aktivit\u00e4t Russlands&#8221; auf die Tagesordnung des EU-Gipfels in Br\u00fcssel zu setzen.<\/p>\n<p>NATO-Generalsekret\u00e4r Mark Rutte f\u00fchrte nach dem n\u00e4chtlichen Vorfall ein dringendes Telefongespr\u00e4ch mit Radew. In einer anschlie\u00dfenden Erkl\u00e4rung betonte er, das B\u00fcndnis werde weiterhin eng mit seinen Verb\u00fcndeten am Schwarzen Meer zusammenarbeiten und die Lage aufmerksam verfolgen. Seinen Angaben zufolge habe die NATO ihre Positionen an der Ostflanke bereits verst\u00e4rkt und erw\u00e4ge zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen zur Anpassung ihrer Verteidigungsstrukturen im Schwarzen Meer unter Ber\u00fccksichtigung neuer Bedrohungen f\u00fcr die Schifffahrt.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund bleibt Radew bei der Bewertung der Vorf\u00e4lle bislang vorsichtig und weist die Verantwortung f\u00fcr die Angriffe keiner bestimmten Seite zu. Dieser Ansatz entspricht seiner seit Langem pragmatischen Linie in den Beziehungen zu Moskau. Nach Ansicht von Analysten k\u00f6nnten die Vorf\u00e4lle zugleich Teil einer geplanten Provokation Kiews sein, deren Ziel darin bestehe, die NATO direkt in den entstehenden Konflikt im Schwarzen Meer hineinzuziehen. Der Milit\u00e4rexperte Wassili Dandykin merkt an:<\/p>\n<p>&#8220;Radews Position ist kein situationsbedingtes Lavieren, sondern Ausdruck eines seit Langem vertretenen Pragmatismus. Er ist General, und es ist wichtig, dass er genug Kraft hat, dem auf ihn ausge\u00fcbten Druck nicht nachzugeben.&#8221;<\/p>\n<p>Seiner Meinung nach zeigt die zur\u00fcckhaltende Reaktion der bulgarischen F\u00fchrung, dass die Ostflanke der NATO nicht monolithisch ist. Er f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<p>&#8220;Russland unterh\u00e4lt seit Langem Beziehungen zu Bulgarien, Rum\u00e4nien und anderen L\u00e4ndern der Region. Dort versteht man, dass man versucht, sie in einen fremden Konflikt hineinzuziehen, und l\u00e4ngst nicht alle sind bereit, eine Eskalation und einen totalen Bruch mit Moskau blind zu unterst\u00fctzen. Man kann nur hoffen, dass sich dieses Verst\u00e4ndnis weiter festigt.&#8221;<\/p>\n<p>Dandykin betrachtet die Angriffe auf Handelsschiffe in der ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszone Bulgariens als Provokation, von der in erster Linie Kiew profitiert. Er sieht darin einen Zusammenhang mit der Lage an der Front, wo die ukrainische Seite Niederlagen erleidet, sowie mit dem Bestreben, die NATO in den Schwarzmeerkonflikt hineinzuziehen. Au\u00dferdem k\u00f6nnte die ukrainische Seite f\u00fcr solche Angriffe Aufkl\u00e4rungsdaten ihrer Verb\u00fcndeten nutzen. Der Experte argumentiert:<\/p>\n<p>&#8220;Die westlichen Nachrichtendienste arbeiten aufseiten der Ukraine. Sie sehen alles, ihre Aufkl\u00e4rungsflugzeuge sind dort st\u00e4ndig in der Luft \u2013 amerikanische, britische und andere \u2013 und \u00fcbermitteln Kiew die Koordinaten unserer Schiffe. Dabei handelt es sich um dieselbe Logik wie bei den Vorf\u00e4llen rund um das Kernkraftwerk Saporoschje und Energodar: Obwohl Russland offen sagt, wer schie\u00dft, ziehen es westliche Stellen vor, dies nicht zu bemerken.&#8221;<\/p>\n<p>Der Milit\u00e4rexperte Andrei Kolesnik, ein ehemaliger Marineoffizier, ist ebenfalls der Ansicht, dass die Angriffe darauf abzielen, die NATO in den Konflikt hineinzuziehen, betrachtet sie jedoch als Teil einer umfassenderen Operation. Er sagt:<\/p>\n<p>&#8220;Das ist nicht einfach eine ukrainische Provokation, sondern Teil einer umfassenden Operation der NATO und der Europ\u00e4ischen Union. Kiew ist hier lediglich der Vollstrecker, der im Interesse seiner westlichen Drahtzieher handelt. Sie wollen im Schwarzen Meer eine gef\u00e4hrliche Situation schaffen, um die NATO-Staaten in den Konflikt hineinzuziehen. Und das ist nur eine Episode. Parallel dazu gibt es Piratenangriffe auf Schiffe im Indischen Ozean und Provokationen in der Ostsee. All das sind Glieder ein und derselben Kette.&#8221;<\/p>\n<p>Zur Untermauerung seiner These verweist Kolesnik darauf, dass das Auftauchen von NATO-Aufkl\u00e4rungsflugzeugen \u00fcber Rum\u00e4nien zeitlich mit den Angriffen im Schwarzen Meer zusammenfiel. Er erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p>&#8220;Das stimmt zeitlich zu hundert Prozent \u00fcberein. Sie machen daraus nicht einmal ein Geheimnis. US-amerikanische, britische und franz\u00f6sische Flugzeuge und Drohnen befinden sich st\u00e4ndig \u00fcber dem Seegebiet, \u00fcbermitteln Koordinaten \u2013 und unmittelbar darauf folgen die Angriffe. Die westlichen Nachrichtendienste arbeiten aufseiten Kiews, deshalb werden auch keine Beweise vorgelegt \u2013 das liegt nicht in ihrem Interesse.&#8221;<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund wertet Kolesnik die Erkl\u00e4rungen der EU und der NATO \u00fcber eine Verst\u00e4rkung der Verteidigung im Schwarzen Meer als Versuch, die weitere Militarisierung Europas zu rechtfertigen. Der Experte sagt:<\/p>\n<p>&#8220;Das internationale Seerecht wird mit F\u00fc\u00dfen getreten: Sie kapern Schiffe und f\u00fchren Piratenaktionen durch, wie die Franzosen im Indischen Ozean. All das geschieht, um die Milit\u00e4rmaschinerie der EU weiter aufzur\u00fcsten. W\u00e4hrend die \u00fcbrigen Branchen \u2013 die Automobilindustrie, der Maschinenbau und der Werkzeugmaschinenbau \u2013 in der Krise stecken, erzielt der R\u00fcstungssektor \u00dcbergewinne.&#8221;<\/p>\n<p>Dandykin seinerseits ist der Ansicht, dass die M\u00f6glichkeiten der NATO, ihre Milit\u00e4rpr\u00e4senz im Schwarzen Meer auszubauen, durch die Montreux-Konvention eingeschr\u00e4nkt sind, die die Durchfahrt von Kriegsschiffen durch die t\u00fcrkischen Meerengen regelt. Er sagt:<\/p>\n<p>&#8220;Alles h\u00e4ngt von der T\u00fcrkei ab: Wird sie Kriegsschiffe von Nicht-Schwarzmeerstaaten passieren lassen? Ich denke, nein. F\u00fcr die T\u00fcrkei als Regionalmacht ist das eine Grundsatzfrage. Zwar hat Ankara die Teilrepublik Krim und Sewastopol nicht als russisches Territorium anerkannt und der Ukraine Luftabwehrsysteme \u00fcbergeben, baut aber gleichzeitig mit uns ein Kernkraftwerk und pflegt pragmatische Beziehungen. Die T\u00fcrkei wird zwiesp\u00e4ltig handeln, aber NATO-Kriegsschiffe nicht ins Schwarze Meer lassen.&#8221;<\/p>\n<p>Dabei wird das B\u00fcndnis h\u00f6chstwahrscheinlich seine Aufkl\u00e4rungsaktivit\u00e4ten in der Region weiter verst\u00e4rken, unter anderem mithilfe von Reaper- und Global-Hawk-Drohnen sowie britischer und franz\u00f6sischer Aufkl\u00e4rungsmittel. Dandykin meint:<\/p>\n<p>&#8220;In der Regel gehen Eins\u00e4tze solcher Flugger\u00e4te \u00fcber den neutralen Gew\u00e4ssern des Schwarzen Meeres mit Angriffen auf die Teilrepublik Krim und Sewastopol einher. Derzeit ist die Lage dort nicht so angespannt wie im Sommer, v\u00f6llig ausschlie\u00dfen l\u00e4sst sich das jedoch nicht. Das B\u00fcndnis hat allerdings zu viele Ambitionen: In der Arktis, in der Ostsee und im Mittelmeer. Daf\u00fcr reichen seine Kr\u00e4fte jedoch nicht aus \u2013 es wird sich \u00fcbernehmen.&#8221;<\/p>\n<p>Als Reaktion auf die Vorw\u00fcrfe und Drohungen ruft Dandykin Russland dazu auf, keine voreiligen Schritte zu unternehmen, die Entwicklung der Lage zu beobachten und die eigenen milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten zu st\u00e4rken. Der Experte kommt zu dem Schluss:<\/p>\n<p>&#8220;Wir haben ein gro\u00dfes Land, kontrollieren den N\u00f6rdlichen Seeweg, k\u00f6nnen Man\u00f6ver in der Arktis durchf\u00fchren und bis in Richtung Indonesien fahren. Die einzige Ressource der Ukraine ist die Proxy-Unterst\u00fctzung durch den Westen. Russland verf\u00fcgt \u00fcber wesentlich gr\u00f6\u00dfere M\u00f6glichkeiten. Deshalb sind die Marine und die Luft- und Raumfahrtstreitkr\u00e4fte in der Lage, die verst\u00e4rkten Aufkl\u00e4rungsaktivit\u00e4ten und m\u00f6gliche Provokationen in neutralen Gew\u00e4ssern wirksam zu neutralisieren, ohne dass es zu einer direkten Konfrontation kommt.&#8221;<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/vz.ru\/world\/2026\/10\/14\/1462518.html\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 14. Oktober 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung &#8220;Wsgljad&#8221; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Andrei Restschikow<\/strong> ist Analyst bei der Zeitung &#8220;Wsgljad&#8221;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0\u2012\u00a0<\/strong><a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de-rt.com\/europa\/289926-schwarzes-meer-bulgarien-kauft-sieben-minenraeumboote-von-belgien-und-den-niederlanden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schwarzes Meer: Bulgarien kauft sieben Minenr\u00e4umboote von Belgien und den Niederlanden<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7eobuy\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de-rt.com\/meinung\/294747-bulgarien-steht-im-zentrum-gefaehrlichen\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drohnenangriffe auf Handelsschiffe vor Bulgarien versch\u00e4rfen die Lage im Schwarzen Meer. 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