{"id":103349,"date":"2026-05-17T21:50:00","date_gmt":"2026-05-17T19:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/deutschland-und-europa-zwischen-diplomatie-zum-vorteil-und-verderben-im-krieg\/"},"modified":"2026-05-17T21:50:00","modified_gmt":"2026-05-17T19:50:00","slug":"deutschland-und-europa-zwischen-diplomatie-zum-vorteil-und-verderben-im-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/deutschland-und-europa-zwischen-diplomatie-zum-vorteil-und-verderben-im-krieg\/","title":{"rendered":"Deutschland und Europa zwischen Diplomatie zum Vorteil und Verderben im Krieg"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2026\/05\/6a08bd33b480cc6d986d5689.png\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Russlands Dialogbereitschaft und der Vorschlag, den Dialog mit deutscher Unterst\u00fctzung wiederaufzunehmen, haben alle wichtigen europ\u00e4ischen L\u00e4nder gezwungen, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie erkennen, dass sie aus einer Position der St\u00e4rke heraus wenig Erfolg im Dialog mit Moskau haben.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Timofei Bordatschow<\/em><\/p>\n<p>Diskussionen, die in Deutschland und anschlie\u00dfend in der gesamten Europ\u00e4ischen Union \u00fcber die Kandidaturen als Verhandlungsf\u00fchrer f\u00fcr Russland entbrannt sind, erwecken auf den ersten Blick den Eindruck der \u00fcblichen europ\u00e4ischen Praxis, die da ist: Die eigentliche Substanz unter einem Berg von Protokolldiskussionen begraben. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnten die Folgen <em>dieser<\/em> j\u00fcngsten Welle der Aktivit\u00e4t jedoch etwas wesentlicher ausfallen als \u00fcblich.<\/p>\n<p>Tatsache ist, dass sich europ\u00e4ische Politiker und \u00fcberhaupt &#8220;Eliten&#8221; st\u00e4ndig r\u00e4tseln\u00a0und knobeln (und, es dr\u00e4ngt sich fast auf: pokern. Anm. d. Red.): Wann kommt denn der Zeitpunkt, an dem es zu sp\u00e4t sein wird, mit Moskau zu sprechen? Und sie versuchen, selbst kleinste &#8220;Chancenfenster&#8221; maximal auszunutzen. Dies aber sch\u00fcrt den Wettbewerb zwischen den f\u00fchrenden europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und innerhalb ihrer politischen &#8220;Eliten&#8221;.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist das moderne Europa eine Gruppe von L\u00e4ndern, deren vereinigende Werte die Angst vor den US-Amerikanern und die Russophobie sind. Eine solche Agenda ist nicht geeignet, auch nur die Grundlage selbst f\u00fcr eine relative innere Einheit zu schaffen.<\/p>\n<p>Vor wenigen Tagen erkl\u00e4rte Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Wladimirowitsch Putin auf Nachfrage von Journalisten, Russland sei zu einem Dialog mit jedem europ\u00e4ischen Vertreter bereit\u00a0\u2013 solange nur dessen Ruf nicht durch unverantwortliche \u00c4u\u00dferungen besch\u00e4digt sei. Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der, einer der wenigen europ\u00e4ischen Politiker mit einem weitestgehend wirklich guten Ruf, wurde dabei als Wunschkandidat genannt.<\/p>\n<p>Und da Russland ein zentrales Thema der deutschen Politik ist, entfachte die Initiative des russischen Pr\u00e4sidenten umgehend eine hitzige Debatte. Bislang herrscht provisorische Einigkeit dar\u00fcber, dass Schr\u00f6der von Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier, ebenfalls einer hochangesehenen Pers\u00f6nlichkeit des deutschen Establishments, unterst\u00fctzt (oder vielleicht eher: ausgeglichen? Anm. d. Red.) werden k\u00f6nnte. Grunds\u00e4tzlich erscheint eine solche Kombination von Schwergewichten ja schon einmal vielversprechend.<\/p>\n<p>Doch damit d\u00fcrfte die Sache wohl kaum erledigt sein. Schlie\u00dflich sind die Beziehungen zu Moskau die komplexeste, aber auch potenziell lukrativste Arbeitsrichtung. Hier sei nur erw\u00e4hnt, dass f\u00fcr Deutschland die besondere Partnerschaft mit Russland auf dem Energiesektor die Bundesrepublik zu einem Wirtschaftswunder gef\u00fchrt hat, das Berlin seinerzeit einen gro\u00dfen Grad an Kontrolle \u00fcber die Europ\u00e4ische Union erm\u00f6glichte.<\/p>\n<p>Diese privilegierte Stellung weckte traditionell den Neid zweier anderer europ\u00e4ischer Schl\u00fcsselm\u00e4chte\u00a0\u2013 Gro\u00dfbritannien und Frankreich. Und die Verschlechterung der russisch-deutschen Beziehungen nach Beginn der Milit\u00e4roperation l\u00f6ste in Paris und London wahre Freude aus.<\/p>\n<p>Paris sah darin eine echte Chance, sich der deutschen Dominanz in der Europ\u00e4ischen Union zu entledigen\u00a0\u2013 w\u00e4hrend die Briten gar eine Gelegenheit witterten, gleich die Stabilit\u00e4t des gesamten Konstruktes auf dem Festland zu untergraben. Man darf nicht vergessen, dass die Zerst\u00f6rung auch nur eines Anscheins von Einheit und Unabh\u00e4ngigkeit jenseits des \u00c4rmelkanals stets Gro\u00dfbritanniens wichtigstes Ziel war.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland selbst ist die Chance, f\u00fcr Europa die Verhandlungen mit Russland zu f\u00fchren, eine enorme Gelegenheit, aber auch eine ernsthafte Herausforderung: In den vergangenen Jahren haben die deutsche Regierung und die &#8220;Eliten&#8221; bedeutende Schritte in Richtung Konfrontation mit Moskau unternommen\u00a0\u2013 einst der zur\u00fcckhaltendste unter den Unterst\u00fctzern des Kiewer Regimes, ist die deutsche Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz praktisch zu dessen Hauptf\u00f6rderer geworden.<\/p>\n<p>Enorme Summen und Informationsressourcen wurden aufgewendet, um die Idee einer &#8220;russischen Bedrohung&#8221; in den K\u00f6pfen der B\u00fcrger zu verankern\u00a0\u2013 und es wurden ernsthafte Ma\u00dfnahmen zur Militarisierung der Wirtschaft ergriffen. Selbst wenn man ber\u00fccksichtigt, dass nicht alle angek\u00fcndigten Pl\u00e4ne umgesetzt wurden, erreichten Deutschlands Milit\u00e4rausgaben zum Jahr 2026 mit rund 110\u00a0Milliarden Euro einen historischen H\u00f6chststand. Dies ist eine betr\u00e4chtliche Summe, die Deutschland an die Spitze in Europa bringt. Auch Programme zur Modernisierung der Hafeninfrastruktur und der Logistiksysteme f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke werden umgesetzt.<\/p>\n<p>Diese Schritte haben zahlreiche Beobachter aus gutem Grund zu dem Schluss gef\u00fchrt, dass sich Deutschland auf eine milit\u00e4rische Konfrontation mit Russland vorbereitet\u00a0\u2013 doch nun wird es ja, im Gegenteil, ernsthaft aufgefordert, einen diplomatischen Dialog zu f\u00fchren. Dies hat die deutschen Politiker in eine Zwickm\u00fchle gebracht, aus der kein einfacher Ausweg in Sicht ist. Dies insbesondere angesichts der Tatsache, dass die USA alle Man\u00f6ver der Deutschen genau beobachten. (Berlin versucht ja genau daher st\u00e4ndig, die wechselnde Stimmung und die Absichten Washingtons vorherzusehen.)<\/p>\n<p>Andererseits\u00a0\u2013 nochmals\u00a0\u2013 k\u00f6nnte die Wiederaufnahme der Beziehungen zu Russland der Bundesrepublik enorme Vorteile bringen. Ganz abgesehen davon, dass Deutschland durch die \u00dcbernahme der F\u00fchrung im diplomatischen Prozess mit Russland im Namen Europas seine Position als politische F\u00fchrungsmacht der EU festigen w\u00fcrde, w\u00e4ren auch die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Entspannung enorm: Berlin k\u00f6nnte nicht nur eine Reihe aktueller systemischer Probleme l\u00f6sen, sondern auch seine Stellung als zentraler Knotenpunkt des gesamten EU-Beziehungssystems im Osten wiederherstellen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnte Deutschland damit auch neue Einflussm\u00f6glichkeiten auf die kleinen L\u00e4nder Osteuropas ihnen die M\u00f6glichkeit nehmen, ihre Au\u00dfenpolitik eigenst\u00e4ndig zu gestalten. Auch Frankreich h\u00e4tte dann nicht viel zu lachen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Berlins ewigen Nachbarn und Rivalen Paris w\u00e4re Deutschlands R\u00fcckkehr in eine F\u00fchrungsrolle in einer derartigen Hauptsache \u2013 in den Beziehungen zu Russland\u00a0\u2013 mit der Gefahr gleichzusetzen, selber geopolitisch noch weiter ins Abseits zu geraten. Pr\u00e4sident Emmanuel Macrons v\u00f6llig unseri\u00f6ses Verhalten kann nicht einmal durch die eigenen Atomwaffenarsenale der F\u00fcnften Republik kompensiert werden\u00a0\u2013 und das schon seit geraumer Zeit.<\/p>\n<p>Denn wie die j\u00fcngsten Nachrichten \u00fcber polnisch-franz\u00f6sische \u00dcbungen gezeigt haben, funktioniert dieses au\u00dfenpolitische Instrument nur zum Hochschaukeln der Konfrontation, tr\u00e4gt aber nichts zur St\u00e4rkung der Autorit\u00e4t von Paris in der Weltpolitik bei. Infolge seiner chaotischen Politik der letzten Jahre hat Frankreich praktisch alle verbliebenen diplomatischen Kapazit\u00e4ten und Potenzial in den Beziehungen zu Russland verloren \u2013 Kapazit\u00e4ten und Potenzial, die es w\u00e4hrend des Kalten Krieges zu Recht vom Rest der NATO absetzten.<\/p>\n<p>Heute aber ernsthafte Gespr\u00e4che mit Paris zu f\u00fchren, ist eben \u00e4u\u00dferst schwierig. Dies bedeutet aber auch, dass Deutschland in diesem Bereich keine substanzielle Unterst\u00fctzung von Frankreich erhalten wird. Und selbst wenn Berlin es irgendwie schaffen sollte, den Franzosen eine formale Zustimmung abzuringen, wird es hinter den Kulissen verzweifelte Sabotageakte geben: Zu diesem Zweck wird Frankreich h\u00f6chstwahrscheinlich versuchen, zum Beispiel seinen verbliebenen Einfluss in Br\u00fcssel geltend zu machen\u00a0\u2013 EU-Beamte und -Funktion\u00e4re gelten eh weithin als Hauptweichensteller zur Konfrontation mit Russland.<\/p>\n<p>F\u00fcr Gro\u00dfbritannien derweil w\u00e4re so etwas, das im Wesentlichen auf Verhandlungen zwischen Deutschland und Russland \u00fcber die Zukunft Europas hinausliefe, nichts Geringeres als ein au\u00dfenpolitisches Desaster. Die gesamte britische Strategie zielt nicht nur darauf ab, Deutschlands Aufstieg einzud\u00e4mmen\u00a0\u2013 sondern das Land auch nach M\u00f6glichkeit in eine milit\u00e4risch-politische Konfrontation mit Russland und damit in sein Verderben zu treiben. Auch Londons Austritt aus der Europ\u00e4ischen Union war letztlich Berlins als \u00fcberm\u00e4\u00dfig bewerteter Macht innerhalb der Organisation geschuldet, zumal Berlin ab etwa Mitte der 2010er-Jahre faktisch allen anderen dort seinen Willen diktierte.<\/p>\n<p>Also, nachdem die Briten aus der\u00a0EU austraten, konzentrierten sie all ihre Bem\u00fchungen darauf, sich bei Washington lieb Kind zu machen\u00a0\u2013 w\u00e4hrend sie gleichzeitig die Einheit auf dem Festland jenseits des \u00c4rmelkanals nach Kr\u00e4ften untergruben.<\/p>\n<p>Derzeit ist London mit der Militarisierung Deutschlands und der dortigen Sch\u00fcrung antirussischer Ressentiments vollkommen zufrieden\u00a0\u2013 sollte Berlin jedoch den Weg der Diplomatie mit Moskau w\u00e4hlen, w\u00e4re die gesamte britische Strategie gef\u00e4hrdet. Und dann sind weitere provokative Aktionen der britischen Beh\u00f6rden keinesfalls auszuschlie\u00dfen. Vielleicht an den Fronten des Ukraine-Krieges, vielleicht aber auch in anderen GUS-Staaten, solange London dort willensschwache F\u00fchrungskr\u00e4fte zu finden und zu werben schafft.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Moskaus Dialogbereitschaft und sein Vorschlag, den Dialog mit der EU gerade und ausgerechnet mit Deutschland als deren Vertreter wiederaufzunehmen, haben alle wichtigen europ\u00e4ischen L\u00e4nder gezwungen, ihre Optionen ernsthaft zu \u00fcberdenken. Sie sind nun buchst\u00e4blich hin- und hergerissen zwischen einer nur scheinbar klar definierten Strategie zur Konfrontation mit Russland einerseits\u00a0\u2013 und andererseits der Abw\u00e4gung der potenziellen Vorteile einer Stabilisierung, vor allem f\u00fcr Deutschland und die mit ihm verbundenen Volkswirtschaften.<\/p>\n<p>Hinzu kommen ihre jeweiligen internen Probleme und Widerspr\u00fcche. Europa ist sich bewusst, dass es aus einer Position der St\u00e4rke heraus im Dialog mit Moskau momentan eher wenig Erfolg hat \u2013 w\u00e4hrend die Vereinigten Staaten ernsthaft entschlossen scheinen, sich von einigen ihrer Verpflichtungen in und gegen\u00fcber Europa zu l\u00f6sen (<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/277227-usa-brauchen-europa-nicht-weniger-als-umgekehrt-eu-eliten-haben-blut-geleckt\/\">Nach Ansicht des Autors selbst<\/a> indes wohl aber nicht von allen, weil auch sie ihrerseits Europa brauchen. Anm. d. Red.). Daher werden wir in den kommenden Wochen einen spektakul\u00e4ren Kampf innerhalb Europas erleben.<\/p>\n<p>Doch schon jetzt sind die Gespr\u00e4che deutlich ernster als bei fr\u00fcheren Interventionen Macrons oder anderer Pers\u00f6nlichkeiten \u00e4hnlichen Ranges.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem\u00a0<\/em><em><a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/vz.ru\/opinions\/2026\/5\/14\/1418888.html\">Russischen<\/a><\/em><em>. Der Artikel ist am 14. Mai 2026 zuerst auf der Website der Zeitung <\/em><em>Wsgljad<\/em><em> erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Timofei Bordatschow<\/strong><\/em><em>\u00a0ist ein russischer Politikwissenschaftler und Experte f\u00fcr internationale Beziehungen sowie Direktor des Zentrums f\u00fcr komplexe europ\u00e4ische und internationale Studien an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Weltwirtschaft und Weltpolitik der\u00a0Higher School of Economics\u00a0Moskau. Unter anderem ist er Programmdirektor des Internationalen Diskussionsklubs Waldai.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/279352-drohnenkrieg-eu-laesst-russland-keine-wahl-kiewer-regime-muss-dringend-demontiert\/\">Drohnenkrieg der EU l\u00e4sst Russland keine Wahl: Kiewer Regime muss dringend abgeschafft werden<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/280357-deutschland-und-europa-zwischen-diplomatie-zum-vorteil-und-verderben-im-krieg\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Russlands Dialogbereitschaft und der Vorschlag, den Dialog mit deutscher Unterst\u00fctzung wiederaufzunehmen, haben alle wichtigen europ\u00e4ischen L\u00e4nder gezwungen, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie erkennen, dass sie aus einer Position der St\u00e4rke heraus wenig Erfolg im Dialog mit Moskau haben. 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