{"id":103152,"date":"2026-05-14T08:57:49","date_gmt":"2026-05-14T06:57:49","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/die-geschichte-polens-stellt-eine-warnung-fuer-die-ukraine-dar\/"},"modified":"2026-05-14T08:57:49","modified_gmt":"2026-05-14T06:57:49","slug":"die-geschichte-polens-stellt-eine-warnung-fuer-die-ukraine-dar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/die-geschichte-polens-stellt-eine-warnung-fuer-die-ukraine-dar\/","title":{"rendered":"Die Geschichte Polens stellt eine Warnung f\u00fcr die Ukraine dar"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2026\/05\/6a0363a048fbef6ba07bd069.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Vor hundert Jahren, am 12. Mai 1926, begann in Polen der Mai-Putsch, der die kurze \u00c4ra der polnischen parlamentarischen Demokratie beendete. Dabei sollte man nicht nur an den internen Kampf J\u00f3zef Pi\u0142sudski gegen seine Gegner denken, sondern auch an sein Bestreben, den Einfluss Polens in Europa zu st\u00e4rken. Was ist daraus geworden?\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Dmitri Skworzow<\/em><\/p>\n<p>Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich Polen zwischen zwei gro\u00dfen L\u00e4ndern, die in der von den Siegerm\u00e4chten festgelegten Nachkriegsordnung zu Paria-Staaten geworden waren: dem besiegten Deutschland und dem von einem B\u00fcrgerkrieg ersch\u00fctterten Sowjetrussland. Von Deutschland trennten Warschau Streitigkeiten um den &#8220;polnischen Korridor&#8221;, Danzig und Oberschlesien. Mit Sowjetrussland verband es die Erinnerung an den Krieg von 1919 bis 1921 und den Frieden von Riga, der zwar die Kampfhandlungen beendete, aber kein Vertrauen schuf. Der Vertrag von Riga von 1921 \u00fcberlie\u00df einen bedeutenden Teil der wei\u00dfrussischen und ukrainischen Gebiete der Kontrolle Polens, und in Warschau hatte man weder den Einmarsch der Roten Armee in Warschau noch die eigenen Anspr\u00fcche auf die Ostkreise (das hei\u00dft andere wei\u00dfrussische und ukrainische Gebiete, die einst im 18.\u00a0Jahrhundert zu Polen geh\u00f6rten) vergessen.<\/p>\n<p>Frankreich wurde zur wichtigsten Schutzmacht Polens. F\u00fcr Paris war Warschau nicht nur ein Verb\u00fcndeter, sondern ein Element des Systems zur Eind\u00e4mmung sowohl Deutschlands als auch Sowjetrusslands. Polen sollte zum \u00f6stlichen Bollwerk werden: Wenn Deutschland Frankreich erneut bedrohen sollte, w\u00fcrde Polen Druck von Osten aus\u00fcben. Sollte der Bolschewismus nach Westen vorr\u00fccken, w\u00fcrde Polen zur Barriere werden.<\/p>\n<p>Doch es handelte sich um ein asymmetrisches System. Frankreich brauchte Polen als milit\u00e4risches Instrument. Polen brauchte Frankreich hingegen als Garantie f\u00fcr sein \u00dcberleben. Und genau darin lag die zuk\u00fcnftige Trag\u00f6die: Paris wollte Polen zwar etwas garantieren, hatte aber nicht die Absicht, es um jeden Preis zu verteidigen.<\/p>\n<p><strong>Locarno: Der Moment, in dem Warschau sich allein gelassen f\u00fchlte<\/strong><\/p>\n<p>Mitte der 1920er-Jahre f\u00fchrte die franz\u00f6sisch-britische Rivalit\u00e4t in Europa dazu, dass sich die britische Logik immer mehr durchsetzte. Frankreich wollte den Nachkriegsfrieden bewahren und strebte daf\u00fcr danach, Deutschland schwach zu halten: Reparationszahlungen, Kontrolle \u00fcber das Ruhrgebiet, Entmilitarisierung des Rheinlandes, ein Netzwerk osteurop\u00e4ischer B\u00fcndnisse (die sogenannte Kleine Entente). Gro\u00dfbritannien betrachtete die Geschehnisse in Europa anders. F\u00fcr London war es traditionell w\u00fcnschenswert, das europ\u00e4ische Gleichgewicht zwischen den f\u00fchrenden M\u00e4chten zu wahren und in den Konflikten zwischen ihnen die Rolle eines Schlichters zu spielen. Dazu war die Wiederherstellung der Positionen Deutschlands (wirtschaftlich und diplomatisch) erforderlich.<\/p>\n<p>Das Ergebnis waren die Vertr\u00e4ge von Locarno im Jahr 1925. Deutschland erkannte faktisch die westlichen Grenzen\u00a0\u2013 zu Frankreich und Belgien\u00a0\u2013 an, w\u00e4hrend Gro\u00dfbritannien und Italien als Garanten dieser Ordnung auftraten. Die \u00f6stlichen Grenzen Deutschlands\u00a0\u2013 zu Polen und der Tschechoslowakei\u00a0\u2013 erhielten jedoch keine solche Garantie und blieben ohne Anerkennung der territorialen Gewinne durch Deutschland.<\/p>\n<p>F\u00fcr Warschau bedeutete dies: Die Sicherheit Frankreichs am Rhein wurde zu einer gesamteurop\u00e4ischen Angelegenheit, w\u00e4hrend die Sicherheit Polens an der Weichsel und in Danzig Gegenstand k\u00fcnftiger Verhandlungen war. Fast zeitgleich kam ein zweiter Faktor zum Tragen. Deutschland und die UdSSR hatten bereits 1922 den Vertrag von Rapallo und 1926 den Berliner Vertrag unterzeichnet, der die Ann\u00e4herung zwischen der Sowjetunion und Deutschland festigte. F\u00fcr Polen war dies ein geopolitischer Albtraum: Zwei Nachbarn, von denen jeder mit der aktuellen Grenzziehung unzufrieden war, zeigten ihre F\u00e4higkeit, sich \u00fcber den Kopf Warschaus hinweg zu einigen.<\/p>\n<p><strong>Pi\u0142sudskis Staatsstreich: Verzicht auf eine schwache Demokratie zugunsten eines starken Staates<\/strong><\/p>\n<p>Der Staatsstreich vom 12. bis 14.\u00a0Mai 1926 war nicht nur eine Reaktion auf \u00e4u\u00dfere Bedrohungen, sondern auch auf die innere Schw\u00e4che des polnischen politischen Systems. Die Verfassung vom M\u00e4rz\u00a01921 hatte die Vorherrschaft des Parlaments \u00fcber die Exekutive festgeschrieben.<\/p>\n<p>Im Jahr 1922 zog sich Jozef Pi\u0142sudski\u00a0f\u00fcr vier Jahre aus dem aktiven politischen Leben zur\u00fcck, beschloss jedoch im Mai\u00a01926, mithilfe ihm treu ergebener Milit\u00e4reinheiten einzugreifen. Die K\u00e4mpfe um Warschau, das vom damaligen Pr\u00e4sidenten Stanis\u0142aw Wojciechowski und Ministerpr\u00e4sident Wincenty Witos verteidigt wurde, dauerten drei Tage. Im Verlauf der K\u00e4mpfe kamen 215 Soldaten und 164 Zivilisten ums Leben, etwa 1.000 Menschen wurden verletzt. Als klar wurde, dass der Putsch gelungen war, schrieb der <em>Manchester Guardian<\/em>:<\/p>\n<p><em>&#8220;Pi\u0142sudski hat den Weg f\u00fcr die Errichtung eines wahrhaft demokratischen Regimes in Polen geebnet, auch wenn er mit undemokratischen Mitteln vorging.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Der <em>Daily Telegraph<\/em> behauptete:<\/p>\n<p><em>&#8220;Die Unterst\u00fctzung Pi\u0142sudskis durch weite Teile der polnischen Bev\u00f6lkerung wird ihm bei der Durchf\u00fchrung der Landreform und der Sanierung der Wirtschaft helfen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Der Staatsstreich verst\u00e4rkte den Einfluss Gro\u00dfbritanniens auf Polen, w\u00e4hrend sich das Land von der Allianz mit Frankreich zur\u00fcckzog, da es diese f\u00fcr nutzlos hielt.<\/p>\n<p>Nach dem Staatsstreich und den darauf folgenden Verfassungs\u00e4nderungen wurde die Exekutivgewalt gest\u00e4rkt, und die Anh\u00e4nger der Sanacja-Politik (Heilung\/Sanierung) regierten das Land bis 1939. Pi\u0142sudski\u00a0betrachtete die parlamentarische &#8220;Sejmokratie&#8221; als Quelle des Chaos. Seiner Ansicht nach konnte sich Polen endlose Regierungswechsel, Parteintrigen und eine schwache Exekutive nicht leisten.<\/p>\n<p>Hier zeigt sich eine wichtige Parallele zur Ukraine. Unter Wladimir Selenskij wurde die Rolle des Parlaments formal nicht abgeschafft: Die Werchowna Rada bleibt das gesetzgebende Organ. Doch der Krieg, der Ausnahmezustand und die politische Machtkonzentration haben die pr\u00e4sidiale Hierarchie drastisch gest\u00e4rkt. Dies wird sogar im Westen anerkannt. Freedom House musste einr\u00e4umen, dass aufgrund des Ausnahmezustands die Pr\u00e4sidentschafts- und Parlamentswahlen verschoben und einige Rechte eingeschr\u00e4nkt wurden. Und der Bericht der deutschen Forschungsstiftung Bertelsmann Stiftung BTI 2026 stellt direkt fest, dass Selenskij nach 2019 faktisch die Kontrolle \u00fcber die Exekutive und das Parlament erlangte und sich die Macht nach 2022 noch st\u00e4rker im Pr\u00e4sidialamt konzentrierte, was zu einer weiteren Schw\u00e4chung des Parlaments, der Opposition und der Regierung f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind Polen im Jahr 1926 und die Ukraine nach 2022 nicht dasselbe. Pi\u0142sudski\u00a0f\u00fchrte einen Milit\u00e4rputsch gegen die gew\u00e4hlte Regierung durch. Selenskij kam durch Wahlen an die Macht und nutzte erst danach die M\u00f6glichkeiten des Ausnahmezustands, um ein Regime der pers\u00f6nlichen Macht zu errichten. Doch die politische Logik ist \u00e4hnlich: Wenn der Staat zur vordersten Front einer gro\u00dfen geopolitischen Konfrontation wird, beginnt die parlamentarische Demokratie, von der Elite als Luxus wahrgenommen zu werden, der die Mobilisierung behindert.<\/p>\n<p><strong>Deutschland als Hauptpreis: Die USA, Gro\u00dfbritannien und der Wiederaufbau des Reichs<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied zur heutigen Situation. In den 1920er-Jahren war die Polenfrage Teil einer gr\u00f6\u00dferen Frage: Wer sollte den Wiederaufbau Deutschlands kontrollieren?<\/p>\n<p>Nach der Ruhrkrise wurde klar, dass Frankreichs Strategie, Deutschland mit Gewalt zu zwingen, nicht funktionierte. Der Dawes-Plan von 1924 stellte einen Kompromiss dar: Die deutschen Reparationszahlungen wurden gesenkt und an den Wiederaufbau der Wirtschaft gekoppelt; Frankreich und Belgien mussten ihre Besatzungstruppen aus dem Ruhrgebiet abziehen; ausl\u00e4ndische Banken gew\u00e4hrten Deutschland ein gro\u00dfes Stabilisierungskredit. Das US-Au\u00dfenministerium h\u00e4lt fest, dass das Darlehen unter Beteiligung von J.\u00a0P. Morgan auf dem US-amerikanischen Markt platziert wurde und dass US-Banken Deutschland in den folgenden Jahren Kredite gew\u00e4hrten, wodurch es in die Lage versetzt wurde, Reparationszahlungen an Frankreich und Gro\u00dfbritannien zu leisten, die daraufhin ihre Schulden gegen\u00fcber den USA bedienten.<\/p>\n<p>So entstand ein verdeckter US-amerikanisch-britischer Wettbewerb um den Wiederaufbau Deutschlands. Die USA drangen \u00fcber Kredite, Banken und die Finanzarchitektur nach Deutschland vor. Gro\u00dfbritannien war bestrebt, seine politische Vermittlerrolle zu bewahren und Frankreich daran zu hindern, Deutschland in der Position eines besiegten Landes zu halten. Nach dieser Logik wurden die osteurop\u00e4ischen Grenzen Deutschlands nicht zu einer unantastbaren Linie, sondern zu einer Zone des m\u00f6glichen Kompromisses.<\/p>\n<p>Genau deshalb war f\u00fcr London die Regelung der Beziehungen zwischen Warschau und Berlin eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr die Unterst\u00fctzung Polens. Gro\u00dfbritannien wollte nicht, dass Polen ein franz\u00f6sischer Vorposten und ein st\u00e4ndiges Gegengewicht zu Deutschland blieb. London wollte, dass sich Warschau in die deutsche Regelung einf\u00fcgte und diese nicht behinderte.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfbritannien und der fr\u00fche Hitler: Der Einsatz f\u00fcr einen Deal<\/strong><\/p>\n<p>Die Macht\u00fcbernahme Adolf Hitlers in Deutschland im Jahr 1933 wurde vom britischen Establishment mit Begeisterung aufgenommen. Ein Gro\u00dfteil der britischen Eliten sah im fr\u00fchen NS-Regime weniger eine Bedrohung als vielmehr ein m\u00f6gliches Instrument zur Stabilisierung Deutschlands, zu dessen Umwandlung in ein antikommunistisches Bollwerk und zu einem Partner f\u00fcr einen Deal.<\/p>\n<p>Der britische Historiker Ian Kershaw schrieb, dass in den 1930er-Jahren viele in Gro\u00dfbritannien Hitler mit Bewunderung betrachteten. Man lobte ihn f\u00fcr die Wiederherstellung von Ordnung, nationalem Stolz, wirtschaftlicher Belebung und die Unterdr\u00fcckung der Linken\u00a0\u2013 f\u00fcr die Umwandlung des Landes in ein &#8220;Bollwerk gegen den Bolschewismus&#8221;.<\/p>\n<p>In dieser Atmosph\u00e4re erschien die polnisch-deutsche Ann\u00e4herung f\u00fcr London nicht als Verrat an der Demokratie, sondern als Element der europ\u00e4ischen Stabilisierung. Deutschland war nicht mehr die Weimarer Republik\u00a0\u2013 und Warschau, das bereits auf eine vollwertige parlamentarische Demokratie im eigenen Land verzichtet hatte, ging eine Vereinbarung mit dem neuen deutschen Regime ein.<\/p>\n<p>Am 26.\u00a0Januar 1934 unterzeichneten Polen und Deutschland einen Nichtangriffspakt. Im Text hie\u00df es, es sei an der Zeit, durch ein direktes gegenseitiges Verst\u00e4ndnis zwischen den beiden Staaten eine &#8220;neue Phase&#8221; der polnisch-deutschen Beziehungen einzuleiten. Die Parteien versprachen, zur Beilegung von Streitigkeiten nicht auf Gewalt zur\u00fcckzugreifen. Die Erkl\u00e4rung wurde f\u00fcr zehn Jahre geschlossen.<\/p>\n<p>Aus polnischer Sicht war dies ein Versuch, aus der Rolle des Juniorpartners Frankreichs herauszukommen. Aus deutscher Sicht war es ein diplomatischer Erfolg: Hitler schw\u00e4chte das franz\u00f6sische B\u00fcndnissystem, beruhigte die Ostflanke und verschaffte sich die M\u00f6glichkeit, weiter voranzuschreiten\u00a0\u2013 zun\u00e4chst nach Westen (Remilitarisierung des Ruhrgebiets am 7.\u00a0M\u00e4rz 1936), dann nach S\u00fcden (Anschluss \u00d6sterreichs am 12. und 13.\u00a0M\u00e4rz 1938).<\/p>\n<p><strong>Der Preis des Deals<\/strong><\/p>\n<p>Aber diese Politik hatte ihren Preis. Im September\u00a01938, als Gro\u00dfbritannien und Frankreich in M\u00fcnchen faktisch der Zerst\u00fcckelung der Tschechoslowakei zugunsten Deutschlands zustimmten, stellte auch Polen am 30.\u00a0September 1938 Prag ein Ultimatum und forderte die Eingliederung eines Teils des Teschengebiets in sein Staatsgebiet. Am 1.\u00a0Oktober akzeptierte die Tschechoslowakei diese Forderungen. Und am 2.\u00a0November 1938 erhielt Polen durch einen Beschluss der Au\u00dfenminister Deutschlands und Italiens (Erstes Wiener Schiedsverfahren) eine Reihe von Gebieten im Norden der Slowakei.<\/p>\n<p>Winston Churchill schrieb in seinen Memoiren zu diesem Thema, dass Polen &#8220;mit der Gier einer Hy\u00e4ne&#8221; an der Pl\u00fcnderung und Zerst\u00f6rung des tschechoslowakischen Staates beteiligt war. Die politischen Folgen dieser Handlungen waren verheerend: Polen nahm einem Staat, der selbst Opfer des deutschen Drucks wurde, ein St\u00fcck Land weg\u00a0und trug damit dazu bei, die letzte ernst zu nehmende osteurop\u00e4ische Barriere auf Hitlers Weg zu schw\u00e4chen. Kurzfristig gesehen erschien die R\u00fcckgabe dieser Gebiete mit polnischer Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Polen wie eine Wiederherstellung der Gerechtigkeit. Strategisch gesehen erwies sich dies als fataler Fehler.<\/p>\n<p>Das Polen der 1930er-Jahre f\u00fcrchtete genau das, was schlie\u00dflich eintrat: Absprachen zwischen Moskau und Berlin \u00fcber die Aufteilung des polnischen Raums. Das Paradoxe daran ist jedoch, dass seine eigene Politik\u00a0\u2013 die Ablehnung einer kollektiven osteurop\u00e4ischen Sicherheit, der Vertrag mit Hitler, die Beteiligung am Druck auf die Tschechoslowakei\u00a0\u2013 dazu beitrug, den Weg f\u00fcr dieses Ende zu ebnen.<\/p>\n<p>Im August\u00a01939 stellte Polen ein un\u00fcberwindbares Hindernis f\u00fcr den Abschluss eines Vertrags zwischen Frankreich, Gro\u00dfbritannien und der UdSSR dar, der eine deutsche Aggression verhindern sollte. Und Ende desselben Augusts geschah das, was Polen mit aller Kraft zu vermeiden versucht hatte: Deutschland und die UdSSR schlossen den Molotow-Ribbentrop-Pakt. Als Deutschland Polen angriff, erkl\u00e4rten Gro\u00dfbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Formal wurden die Verpflichtungen erf\u00fcllt. Praktisch blieb Polen auf sich allein gestellt. Die westlichen Verb\u00fcndeten kamen den Polen nicht zu Hilfe.<\/p>\n<p>Das ist die wichtigste Lehre. Westliche Garantien m\u00f6gen auf dem Papier, in Reden, Erkl\u00e4rungen und Abkommen bestehen. Doch im Moment einer Krise beginnen die Gro\u00dfm\u00e4chte, die Kosten abzuw\u00e4gen: Wie viel kostet die Hilfe, wie hoch sind die Risiken, was l\u00e4sst sich aus einem Deal mit dem Gegner gewinnen, ist es nicht vorteilhafter, einen Vorposten zu opfern, um ein gr\u00f6\u00dferes Ziel zu erreichen?<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Teilnehmer des Mai-Putsches von 1926 war dies ein Versuch Polens, sich aus der Rolle des Juniorpartners zu befreien und zu einem eigenst\u00e4ndigen Akteur zu werden. Pi\u0142sudski\u00a0lehnte die parlamentarische Demokratie ab, da er sie f\u00fcr zu schwach hielt f\u00fcr ein Land, das zwischen Deutschland und Sowjetrussland eingeklemmt war. Anschlie\u00dfend ging Warschau auf Empfehlung Londons ein Abkommen mit Hitler ein, weil man zu dem Schluss gekommen war: Wenn in Deutschland Antikommunisten an die Macht gekommen sind, kann man mit ihnen ein B\u00fcndnis gegen Sowjetrussland schmieden.<\/p>\n<p>Doch indem Polen den britischen Pl\u00e4nen zur Verst\u00e4rkung des Drucks auf die UdSSR in die H\u00e4nde spielte, geriet es in eine immer gef\u00e4hrlichere Lage. Der Vertrag mit Nazideutschland rettete Polen nicht vor Hitler. Die Beteiligung an der Teilung der Tschechoslowakei st\u00e4rkte seine Sicherheit nicht, sondern schw\u00e4chte die regionale Barriere gegen Deutschland. Polen erf\u00fcllte den stillschweigenden Auftrag Londons und vereitelte im August\u00a01939 den Abschluss eines Sicherheitsvertrags zwischen Frankreich, Gro\u00dfbritannien und der UdSSR. Doch im entscheidenden Moment haben London und Paris Polen nicht ernsthaft verteidigt.<\/p>\n<p>Die Ukraine befindet sich heute in einem \u00e4hnlichen Dilemma. Solange sie als Druckmittel gegen Russland gebraucht wird, wird sie unterst\u00fctzt. Wenn der Preis f\u00fcr diese Unterst\u00fctzung steigt, wird ihr Schicksal zum Verhandlungsgegenstand. Die USA sind bereits von ihrem fr\u00fcheren Modell der direkten Unterst\u00fctzung zu einem eher bedingten Schema \u00fcbergegangen, bei dem die Europ\u00e4er immer h\u00e4ufiger f\u00fcr US-amerikanische Waffen aufkommen m\u00fcssen. Die Europ\u00e4er sprechen von Garantien, w\u00e4gen aber gleichzeitig ihre eigenen Risiken ab. Polen hilft der Ukraine, k\u00f6nnte aber auf lange Sicht ebenfalls beginnen, nicht nur in Kategorien der Solidarit\u00e4t, sondern auch in Kategorien des regionalen Einflusses zu denken.<\/p>\n<p>Dabei geht es nicht unbedingt um eine direkte, formale Aufteilung. Im 21.\u00a0Jahrhundert kann die Neuaufteilung von Gebieten anders gestaltet werden: &#8220;Sicherheitszonen&#8221;, \u00dcbergangsverwaltungen, Friedenstruppen, Sonderverwaltungsregime, wirtschaftliche Kontrolle, Garantien f\u00fcr Nachbarstaaten.<\/p>\n<p>Die Geschichte Polens von 1926 bis 1939 ist eine Warnung f\u00fcr die Ukraine: Ein Staat, der zum Vorposten einer fremden Strategie gemacht wurde, muss so fr\u00fch wie m\u00f6glich erkennen, wo das B\u00fcndnis endet und die Ausnutzung beginnt. Denn die Gro\u00dfm\u00e4chte lassen ihre Stellvertreter fallen, sobald der Preis f\u00fcr die Unterst\u00fctzung h\u00f6her wird als der Nutzen aus deren Einsatz.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/vz.ru\/opinions\/2026\/5\/12\/1418200.html\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 12.\u00a0Mai 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Dmitri Skworzow<\/strong> ist Wirtschaftsanalyst bei der Zeitung Wsgljad.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/279878-alexander-rahr-warum-deutschland-schroeder\/\">Alexander Rahr: Warum Deutschland Schr\u00f6der nicht als Unterh\u00e4ndler gegen\u00fcber Russland einsetzen will <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v77i71k\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/279935-die-geschichte-polens-stellt-eine-warnung-fuer-die-ukraine-dar\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor hundert Jahren, am 12. 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