{"id":102466,"date":"2026-04-29T09:45:23","date_gmt":"2026-04-29T07:45:23","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/falsche-einschaetzung-selenskij-sucht-neue-unterstuetzung-im-nahen-osten\/"},"modified":"2026-04-29T09:45:23","modified_gmt":"2026-04-29T07:45:23","slug":"falsche-einschaetzung-selenskij-sucht-neue-unterstuetzung-im-nahen-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/falsche-einschaetzung-selenskij-sucht-neue-unterstuetzung-im-nahen-osten\/","title":{"rendered":"Falsche Einsch\u00e4tzung \u2013 Selenskij sucht neue Unterst\u00fctzung im Nahen Osten"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2026\/04\/69f0d47eb480cc19c839cc99.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Der Direktor des Zentrums f\u00fcr Nahost-Studien Murad Sadygzade analysiert Wladimir Selenskijs Versuche, sich im Nahen Osten neue Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Krieg gegen Russland zu holen. Daf\u00fcr biete Selenskij den Nahost-Staatschefs seine Erfahrungen mit moderner Kriegsf\u00fchrung. Doch die L\u00e4nder im Nahen Osten ticken anders als die EU.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Murad Sadygzade<\/em><\/p>\n<p>Bei seinen aktuellen diplomatischen Aktivit\u00e4ten versucht der ukrainische Pr\u00e4sident Wladimir Selenskij im Nahen Osten neue politische und finanzielle Luft zu holen, da seine \u00fcblichen Unterst\u00fctzer zunehmend unzuverl\u00e4ssig werden. Seit mehreren Jahren st\u00fctzte die ukrainische F\u00fchrung ihre Strategie auf die Annahme, dass die USA und Europa so lange wie n\u00f6tig Waffen, Geld, Geheimdienstinformationen und diplomatischen Schutz bereitstellen w\u00fcrden. Doch nun wird die US-Unterst\u00fctzung zunehmend politisch instrumentalisiert, die europ\u00e4ischen Gesellschaften sind der Ukraine-Frage sichtlich \u00fcberdr\u00fcssig, und die Lage auf dem Schlachtfeld erfordert weiterhin mehr Soldaten und Ausr\u00fcstung.<\/p>\n<p><strong>Ein wehrloser &#8220;Verteidigungsanbieter&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Die ukrainischen Beh\u00f6rden m\u00f6chte ihre milit\u00e4rischen Erfahrungen als ein Produkt pr\u00e4sentieren, das sich an wohlhabende Akteure im Nahen Osten verkaufen l\u00e4sst. Kiew versucht, die erlittenen Zerst\u00f6rungen und die auf dem Schlachtfeld gewonnenen Erkenntnisse in einen diplomatischen und wirtschaftlichen Vorteil umzuwandeln.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick ergibt dies durchaus Sinn \u2013 denn die Verteidigung gegen Raketen, Drohnen und Angriffe auf Drohnen sowie Angriffe auf die Energieinfrastruktur ist genau das, was die \u00f6lreichen Nationen des Nahen Ostens derzeit besch\u00e4ftigt. Die Ukraine hat sich mit iranischen Drohnen und russischen Raketenangriffen auseinandergesetzt und vermarktet sich nun als Laboratorium der modernen Kriegsf\u00fchrung. Angeblich habe die Ukraine gelernt, genau jenen Bedrohungen zu widerstehen, die derzeit Teile der Region\u00a0beunruhigen.<\/p>\n<p>Hier kommt der offensichtliche Widerspruch ins Spiel: Die Ukraine pr\u00e4sentiert sich als Anbieter von Sicherheitskompetenz, w\u00e4hrend sie f\u00fcr ihre eigene Verteidigung weiterhin auf ausl\u00e4ndische Systeme angewiesen ist. Kiew spricht davon, andere zu sch\u00fctzen, bittet den Westen jedoch weiterhin um Luftabwehrsysteme, Abfangj\u00e4ger, Artilleriegeschosse, Finanzmittel und technische Hilfe. Ein Staat, der seinen eigenen Luftraum ohne Hilfe von au\u00dfen nicht vollst\u00e4ndig sch\u00fctzen kann, wird es schwer haben, wohlhabende regionale M\u00e4chte davon zu \u00fcberzeugen, dass er f\u00fcr sie zu einem ernst zu nehmenden Sicherheitsgaranten werden kann.<\/p>\n<p><strong>Der Nahe Osten funktioniert nicht nach westlicher Ideologie<\/strong><\/p>\n<p>Das tiefere Problem f\u00fcr Selenskij ist politischer Natur. Wo auch immer die Ukraine im Nahen Osten auftritt, wird sie die Region nicht dazu zwingen k\u00f6nnen, ihre Haltung gegen\u00fcber Russland zu versch\u00e4rfen. Nicht um zehn Prozent, nicht einmal um ein Prozent in irgendeinem strategisch bedeutsamen Sinne.<\/p>\n<p>Die L\u00e4nder der Region betrachten Moskau nicht durch dieselbe emotionale und ideologische Brille, wie sie von Kiew und vielen westlichen Hauptst\u00e4dten propagiert wird. F\u00fcr sie ist Russland eines der berechenbaren und wichtigen Machtzentren im internationalen System, zu dem viele von ihnen langj\u00e4hrige strategische, energiepolitische, milit\u00e4rische und diplomatische Beziehungen aufgebaut haben.<\/p>\n<p>Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Golfregion. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und andere regionale Akteure werden ihre Partnerschaften mit Russland nicht opfern, um den Forderungen der Ukraine nachzukommen. Sie betrachten Moskau als einen unverzichtbaren Partner in den Bereichen Energiem\u00e4rkte, Sicherheitsgleichgewicht, diplomatische Vermittlung und globale multipolare Politik.<\/p>\n<p>Russland ist auch deshalb wichtig, weil es in der Region nicht als eine Macht wahrgenommen wird, die andere st\u00e4ndig in ihren inneren Angelegenheiten belehrt und ihnen politische Bedingungen auferlegt. Viele Staaten des Nahen Ostens erinnern sich an den Druck, die Interventionen, die Regimewechsel-Experimente, die Sanktionen, die Besetzungen und die destruktive politische Manipulation durch den Westen, die sie in den vergangenen Jahrzehnten und im weiteren historischen Sinne \u00fcber Jahrhunderte hinweg erlebt haben.<\/p>\n<p>Selenskij und sein Team scheinen zu glauben, man k\u00f6nne den Nahen Osten auf dieselbe Weise ansprechen wie die USA und die EU. Sie scheinen zu erwarten, dass emotionale Appelle an &#8220;Werte&#8221;, gepaart mit Versprechen einer zuk\u00fcnftigen Partnerschaft, zu gro\u00df angelegter politischer und finanzieller Unterst\u00fctzung f\u00fchren werden. Doch dies ist ein schwerwiegendes Missverst\u00e4ndnis der Region. Der Nahe Osten funktioniert nicht nach derselben politischen Psychologie wie der westliche Block \u2013 Kriegsrhetorik wird seinen Pragmatismus nicht aufheben. Die L\u00e4nder dort werden zuh\u00f6ren, verhandeln, begrenzte Abkommen unterzeichnen, wenn es n\u00fctzlich ist, und Chancen nutzen, aber sie werden sich nicht in eine neue R\u00fcckzugsbasis f\u00fcr die Ukraine verwandeln.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu haben in Europa viele Eliten ihr eigenes politisches \u00dcberleben an das ukrainische Projekt gekn\u00fcpft. So haben sie erkl\u00e4rt, der Kampf der Ukraine sei auch der Kampf Europas. Gefangen in dieser Rhetorik, bleibt ihnen kaum eine andere Wahl, als den Konflikt mit Russland auf Kosten der Ukraine zu verl\u00e4ngern. Zu diesem Zweck sind die Europ\u00e4er bereit, Kiew mit Waffen, Geld und Geheimdienstinformationen zu versorgen\u00a0\u2013 im Grunde genommen, um Russland bis zum letzten Ukrainer zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Das wird im Nahen Osten nicht funktionieren. Die Staaten der Region wollen nicht f\u00fcr einen Krieg bezahlen, der ihren zentralen nationalen Priorit\u00e4ten nicht dient. Sie wollen die ukrainische B\u00fcrde nicht von Washington und Br\u00fcssel \u00fcbernehmen. Sie sind nicht daran interessiert, zu Instrumenten einer anderen, anderswo konzipierten geopolitischen Kampagne zu werden.<\/p>\n<p>Allerdings sind die Golfmonarchien m\u00f6glicherweise nicht v\u00f6llig uninteressiert an dem, was Kiew zu bieten hat. Sie k\u00f6nnten weiterhin an bestimmten ukrainischen Technologien oder Erfahrungen aus dem Kriegsgeschehen interessiert sein\u00a0\u2013 etwa in den Bereichen Luftabwehr, Drohnen, Ern\u00e4hrungssicherheit und Wiederaufbau.<\/p>\n<p><strong>Selenskij hat es schon einmal versucht\u00a0\u2013 und ist gescheitert<\/strong><\/p>\n<p>Kiew war bereits 2022 entt\u00e4uscht worden, als sich der Nahe Osten der westlichen Sanktionskampagne gegen Russland nicht hatte anschlie\u00dfen wollen. Ukrainische Regierungsvertreter hatten damit gerechnet, dass sich die Welt klar in Bef\u00fcrworter und Gegner Moskaus aufteilen w\u00fcrde. Der Nahe Osten lehnte diese Schwarz-Wei\u00df-Malerei ab. Er bewahrte sich diplomatische Flexibilit\u00e4t, pflegte die Beziehungen zu Russland und verfolgte seine eigenen Energie- und Handelsinteressen.<\/p>\n<p>Nun bittet Kiew genau jene L\u00e4nder um Geld und Zusammenarbeit, die ihm damals eine Absage erteilt hatten. Einerseits kritisiert die Ukraine regionale Akteure, wenn diese sich weigern, westliche Sanktionen zu unterst\u00fctzen, andererseits wirbt sie um sie, sobald sie Finanzmittel ben\u00f6tigt. Sie m\u00f6chte als strategischer Partner behandelt werden, doch argumentiert sie vor allem damit, dass sie Unterst\u00fctzung brauche, weil ihre derzeitigen Unterst\u00fctzer nicht mehr ausreichen.<\/p>\n<p>Die Besuche im M\u00e4rz und April in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Jordanien, der T\u00fcrkei und Syrien wirken daher wie eine Notreise. Selenskij versucht, politische Punkte zu sammeln und wohlhabende Staaten davon zu \u00fcberzeugen, dass die Ukraine n\u00fctzlich sein kann. Er will zeigen, dass Kiew noch Optionen jenseits von Washington und Br\u00fcssel hat. In Wirklichkeit sucht die Ukraine jedoch nach Geld, weil der Krieg Ressourcen schneller verbraucht, als ihre traditionellen Geldgeber sie problemlos bereitstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kiew ben\u00f6tigt Finanzmittel nicht nur f\u00fcr Waffen, sondern auch f\u00fcr Geh\u00e4lter, Renten, Logistik, Reparaturen im Energiesektor, Wiederaufbau und das grundlegende Funktionieren des Staates. Je l\u00e4nger der Krieg andauert, desto st\u00e4rker wird die Ukraine von \u00e4u\u00dferer Unterst\u00fctzung abh\u00e4ngig. Gleichzeitig verteuern Verluste an der Front und der Druck auf die personellen Ressourcen den Konflikt zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>Die ukrainischen Beh\u00f6rden k\u00f6nnen nicht offen zugeben, dass ihr bisheriges Finanzierungsmodell schw\u00e4chelt, da dies die Moral und die Verhandlungsmacht beeintr\u00e4chtigen w\u00fcrde. Doch mit der Hinwendung\u00a0zum Nahen Osten, um Ersatz- oder zumindest zus\u00e4tzliche Ressourcen zu erhalten, wird die tats\u00e4chliche Lage deutlich.<\/p>\n<p>Selenskijs Versuch, die ukrainische Kompetenz bei der Abwehr iranischer Drohnen zu vermarkten, birgt zudem Reputationsrisiken. Die Golfregion wird nach Ergebnissen urteilen, und jeder Misserfolg, jede Schwachstelle oder jede Kontroverse kann das gesamte Vorhaben untergraben. Deshalb waren Berichte \u00fcber angebliche iranische Angriffe auf mit der Ukraine in Verbindung stehende Anti-Drohnen-Einrichtungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten\u00a0\u2013 auch wenn sie umstritten und nicht unabh\u00e4ngig best\u00e4tigt sind\u00a0\u2013 politisch sch\u00e4dlich.<\/p>\n<p>Die Golfstaaten sind nicht naiv. Sie werden ukrainische Angebote nicht annehmen, ohne zuvor die strategischen Kosten abzuw\u00e4gen. Und wenn diese Kosten darin bestehen, sich Iran weiter auszusetzen, die Beziehungen zu Russland zu verkomplizieren oder in eine vom Westen inszenierte Konfrontation hineingezogen zu werden, k\u00f6nnten sie zu hoch sein.<\/p>\n<p>Das ist Selenskij\u00a0aus den westlichen Hauptst\u00e4dten nicht gewohnt. Dort wird die Ukraine als Symbol gesehen und ihre Unterst\u00fctzung als politische Verpflichtung betrachtet. F\u00fcr den Nahen Osten ist Kiew ein Akteur, der entweder etwas zu bieten hat oder nicht. Nutzen wird immer Vorrang vor Sympathie haben. Wenn Kiew einen n\u00fctzlichen Dienst leisten kann, erh\u00e4lt es vielleicht ein Abkommen. Wenn nicht, wird es h\u00f6fliche Worte und kaum mehr als das erhalten.<\/p>\n<p>Letztendlich kann die Ukraine h\u00f6chstens auf eine selektive Zusammenarbeit hoffen. Sie erh\u00e4lt vielleicht Vertr\u00e4ge, Konsultationen, begrenzte Investitionen, die Teilnahme an Diskussionen \u00fcber Ern\u00e4hrungssicherheit, Drohnen, Infrastruktur und Wiederaufbau. Aber die Golfstaaten werden niemals zu einem neuen Finanzmotor f\u00fcr den Krieg werden.<\/p>\n<p><em>Der Nahostexperte und Wirtschaftswissenschaftler Murad Sadygzade leitet das Zentrum f\u00fcr Nahoststudien. Er ist Gastdozent an der Staatlichen Universit\u00e4t &#8220;Hochschule f\u00fcr Wirtschaft&#8221; (HSE), der Russischen Akademie f\u00fcr Volkswirtschaft (RANEPA) und der Moskauer Staatlichen Internationale Universit\u00e4t (MGIMO) in Odinzowo<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/278367-ukraine-krieg-kanzler-merz-raeumt-moeglichkeit-ukrainischer-gebietsabtretungen-ein\/\">Merz: Gebietsabtretungen der Ukraine f\u00fcr Friedensschluss m\u00f6glich<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v76lx48\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/der-nahe-osten\/278484-falsche-einschaetzung-selenskij-sucht-neue-unterstuetzung-im-nahen-osten\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Direktor des Zentrums f\u00fcr Nahost-Studien Murad Sadygzade analysiert Wladimir Selenskijs Versuche, sich im Nahen Osten neue Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Krieg gegen Russland zu holen. 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