{"id":101678,"date":"2026-04-12T11:42:15","date_gmt":"2026-04-12T09:42:15","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/waffenstillstand-mit-iran-bedeutet-nicht-dass-risikoaufschlag-bei-oelpreisen-sofort-wegfaellt\/"},"modified":"2026-04-12T11:42:15","modified_gmt":"2026-04-12T09:42:15","slug":"waffenstillstand-mit-iran-bedeutet-nicht-dass-risikoaufschlag-bei-oelpreisen-sofort-wegfaellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/waffenstillstand-mit-iran-bedeutet-nicht-dass-risikoaufschlag-bei-oelpreisen-sofort-wegfaellt\/","title":{"rendered":"Waffenstillstand mit Iran bedeutet nicht, dass &quot;Risikoaufschlag&quot; bei \u00d6lpreisen sofort wegf\u00e4llt"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2026\/04\/69db2f7448fbef5cc83555bb.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Selbst bei einer Einigung zwischen den USA und Iran k\u00e4me es nicht zu einer drastischen Senkung der \u00d6lpreise. Die OPEC+-L\u00e4nder werden den Markt auch f\u00fcr den Fall einer \u00d6ffnung der Stra\u00dfe von Hormus den Markt nicht mit \u00d6l \u00fcberschwemmen. Russland profitiert von den gestiegenen Preisen.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/rg.ru\/2026\/04\/11\/a-chto-esli-ssha-i-iran-vse-zhe-dogovoriatsia.html\"><\/a><em>Von Georgi Bowt<\/em><\/p>\n<p>Der Krieg gegen Iran ersch\u00fctterte die Weltwirtschaft, insbesondere die Energiem\u00e4rkte. Selbst bei einem positiven Ausgang der US-amerikanisch-iranischen Verhandlungen (dessen Erfolg keineswegs garantiert ist) wird es nicht gelingen, schnell aus dieser Situation herauszukommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die russische Wirtschaft bringt die Situation kurzfristig zus\u00e4tzliche Einnahmen f\u00fcr den Staatshaushalt mit sich. Dies ist besonders aktuell nach dem R\u00fcckgang der \u00d6l- und Gaseinnahmen zu Jahresbeginn aufgrund gesunkener Weltmarktpreise, des Sanktionsdrucks und der Angriffe auf die Exportinfrastruktur (im Zeitraum Januar bis M\u00e4rz betrug der R\u00fcckgang im Jahresvergleich etwa 45\u00a0Prozent und belief sich auf 1,44\u00a0Billionen Rubel). Vor dem Hintergrund steigender Weltmarktpreise und einer vor\u00fcbergehenden Lockerung der US-Sanktionen kam es ebenfalls zu einem Preisanstieg f\u00fcr russisches \u00d6l der Sorte Urals (im M\u00e4rz lag der Durchschnittspreis bei 77\u00a0US-Dollar pro Barrel gegen\u00fcber den im russischen Haushalt f\u00fcr 2026 veranschlagten 59\u00a0US-Dollar; im Februar hatte er weniger als 50\u00a0US-Dollar betragen). Die Blockade der Stra\u00dfe von Hormus trug dazu bei, die auf dem Meer gelagerten russischen \u00d6lvorr\u00e4te zu realisieren.<\/p>\n<p>Allein durch die Steuer auf die Gewinnung von Bodensch\u00e4tzen sollten sich die Einnahmen des russischen Staatshaushalts bereits im April verdoppeln (auf etwa 700\u00a0Milliarden Rubel; f\u00fcr das gesamte Jahr 2026 sind im Haushalt 7,9\u00a0Billionen Rubel Steuereinnahmen vorgesehen, wobei diese Steuer unabh\u00e4ngig vom Export bereits in der F\u00f6rderphase erhoben wird), was den Druck auf den Haushalt verringern w\u00fcrde. Rechnerisch kann man davon ausgehen, dass bei einem Preis von 65\u00a0US-Dollar pro Barrel \u00d6l der Sorte Urals und einem Rubelkurs von etwa 90 Rubel pro US-Dollar der Haushalt zus\u00e4tzlich bis zu 700 Milliarden Rubel pro Jahr einnehmen k\u00f6nnte. Bei einem \u00d6lpreis von \u00fcber 80\u00a0US-Dollar und einem Wechselkurs von 90\u00a0Rubel w\u00fcrden sich die Einnahmen auf bis zu 3,5\u00a0Billionen Rubel belaufen. Bei 100\u00a0US-Dollar pro Barrel (und einem Wechselkurs von 90\u00a0Rubel) w\u00e4ren es fast sechs Billionen Rubel, was das Problem des Haushaltsdefizits l\u00f6sen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wie schnell werden sich die Lieferungen von \u00d6l und Fl\u00fcssigerdgas (LNG) aus dem Nahen Osten normalisieren? Vor dem Krieg flossen etwa 20\u00a0Prozent des weltweiten \u00d6l- und LNG-Verbrauchs durch die Stra\u00dfe von Hormus. Im Falle einer vollst\u00e4ndigen Wiederaufnahme der \u00d6lexporte k\u00f6nnten die Preise unter 60 bis 70\u00a0US-Dollar pro Barrel fallen. Sollte das US-Exportembargo f\u00fcr iranisches \u00d6l aufgehoben werden, k\u00e4men zus\u00e4tzlich 1,5 bis zwei Millionen Barrel pro Tag auf den Markt, was die geltenden Beschr\u00e4nkungen im Rahmen der OPEC+ untergraben k\u00f6nnte (seit Mai wurde die gesamte Quotenmenge um symbolische 206.000\u00a0Barrel pro Tag erh\u00f6ht).<\/p>\n<p>Doch selbst, wenn es zu einem Waffenstillstand im Krieg mit Iran k\u00e4me, w\u00fcrde dies nicht sofort zu einem Wegfall des &#8220;Risikoaufschlags&#8221; bei den \u00d6lpreisen f\u00fchren (die Gefahr einer erneuten Eskalation besteht weiterhin), vor allem, wenn Teheran die Kontrolle \u00fcber die Stra\u00dfe von Hormus beh\u00e4lt. Mit anderen Worten: Es wird nicht zu einer drastischen Senkung der \u00d6lpreise kommen. Die OPEC+ wird den Markt nicht sofort mit \u00d6l \u00fcberschwemmen, sondern sich zun\u00e4chst vergewissern, dass die Lieferungen durch die Stra\u00dfe von Hormus stabilisiert sind. Zudem verf\u00fcgen nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate \u00fcber gro\u00dfe freie Kapazit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Auch die Sch\u00e4den f\u00fcr die \u00d6lindustrie der Golfstaaten werden nicht ohne Folgen bleiben. Nach Sch\u00e4tzungen von Rystad Energy belaufen sich die Gesamtkosten f\u00fcr die Instandsetzung der besch\u00e4digten Energieinfrastruktur in dieser Region bereits auf 25\u00a0Milliarden US-Dollar; betroffen sind Raffinerien, Kraftstoffterminals, Gasanlagen sowie weitere \u00d6l- und Gastrukturen. Die Lage in Saudi-Arabien scheint am stabilsten zu sein: Saudi Aramco verf\u00fcgt \u00fcber eine eigene Service- und Reparaturbasis; dort wird die Behebung der nicht schwerwiegenden Sch\u00e4den nur wenige Wochen in Anspruch nehmen, sofern die Sicherheit der Exportrouten wiederhergestellt wird. Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Kuwait und im Irak sind die Zerst\u00f6rungen gr\u00f6\u00dftenteils m\u00e4\u00dfig. Am problematischsten ist die Lage in Bahrain, wo Iran die BAPCO-Sitra-Raffinerie angriff, wobei zwei Anlagen der Prim\u00e4r\u00f6lraffination und der \u00d6ltankpark besch\u00e4digt wurden; hier d\u00fcrfte die Wiederherstellung viel Zeit in Anspruch nehmen. Insgesamt haben die OPEC+-Mitgliedsl\u00e4nder im Nahen Osten ihre \u00d6lf\u00f6rderung im Zeitraum von Februar bis M\u00e4rz\u00a02026 um 38\u00a0Prozent oder 7,9\u00a0Millionen Barrel pro Tag reduziert.<\/p>\n<p>Was LNG betrifft, ist die Lage jedoch weitaus ernster. Der katarische Komplex Ras Laffan\u00a0\u2013 der weltweit gr\u00f6\u00dfte LNG-Exportkomplex\u00a0\u2013 wurde besonders hart getroffen, was zu einer Verringerung der Kapazit\u00e4ten um 17\u00a0Prozent oder etwa 12,8\u00a0Millionen Tonnen pro Jahr f\u00fchrte. Seine vollst\u00e4ndige Wiederherstellung k\u00f6nnte drei bis f\u00fcnf Jahre in Anspruch nehmen. Ras Laffan ist ein systemrelevanter Lieferant von LNG nach Asien und Europa. Vor diesem Hintergrund \u00fcberrascht es nicht, dass Europa seine Importe von russischem LNG bereits deutlich erh\u00f6hte. Im ersten Quartal dieses Jahres bezog die EU 69 von 71 Ladungen aus dem Projekt Jamal LNG, davon 25 im M\u00e4rz. Insgesamt stiegen die Exporte von Jamal LNG im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 17\u00a0Prozent. Bislang gibt es jedoch keine Anzeichen daf\u00fcr, dass die EU das geplante Einfuhrverbot f\u00fcr russisches LNG, das 2027 in Kraft treten soll, \u00fcberdenken will. F\u00fcr Kurzzeitvertr\u00e4ge gilt dieses Einfuhrverbot bereits. Jedoch ist dies nicht das Ende, sondern erst der Anfang dieser Geschichte: Die Gaspreise k\u00f6nnten nicht nur aufgrund von Lieferausf\u00e4llen (aus Katar), sondern auch aufgrund von Unsicherheiten hinsichtlich der Dauer der Marktstabilisierung auf einem hohen Niveau bestehen bleiben.<\/p>\n<p>Der Krieg wirkte sich auch auf eine Reihe anderer Produktionszweige aus, wo die Golfstaaten eine wichtige Rolle spielen. So wurden die Lieferketten f\u00fcr Stickstoff- und Phosphatd\u00fcnger beeintr\u00e4chtigt, da die Golfregion f\u00fcr die Versorgung mit Harnstoff, Ammoniak, Phosphaten und Schwefel\u00a0\u2013 den wichtigsten Rohstoffen f\u00fcr Phosphatd\u00fcnger\u00a0\u2013 von entscheidender Bedeutung ist. In Katar selbst f\u00fchrten Betriebsst\u00f6rungen im Gasverarbeitungskomplex bereits zur Beeintr\u00e4chtigung der Stickstoffd\u00fcngemittelproduktion. Die Produktionskapazit\u00e4ten in Saudi-Arabien\u00a0\u2013 dem wichtigsten Phosphatlieferanten der Region\u00a0\u2013 blieben zwar nahezu unbeeintr\u00e4chtigt, doch h\u00e4ngt hier vieles von der Geschwindigkeit der Wiederherstellung der Logistikwege durch die Stra\u00dfe von Hormus ab. Die vollst\u00e4ndige Normalisierung des regionalen D\u00fcngemittelmarktes kann ebenfalls mehrere Wochen bis mehrere Monate in Anspruch nehmen; dar\u00fcber hinaus sind freier Zugang zu den H\u00e4fen und normale Frachtbedingungen erforderlich. Bis dahin kann Russland als einer der weltweit gr\u00f6\u00dften D\u00fcngemittelexporteure von der g\u00fcnstigen Marktlage profitieren.<\/p>\n<p>Was Aluminium betrifft, ist die Lage noch kritischer. Es kam zu einem doppelten Schlag: Angriffen auf gro\u00dfe Werke und der Unterbrechung der Rohstofflieferungen durch die Stra\u00dfe von Hormus. Hiervon betroffen sind Produzenten, die acht bis neun Prozent der weltweiten Prim\u00e4raluminiumproduktion abdecken. Am st\u00e4rksten traf es die Werke in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrain. Hinzu kommt, dass die Aluminiumproduktion aus betrieblicher Sicht eine der &#8220;anf\u00e4lligsten&#8221; in der Schwerindustrie ist: Es ist schwierig, sie auf sichere Weise stillzulegen, und noch schwieriger, sie wieder in Betrieb zu nehmen. Zudem importieren die Werke am Golf gro\u00dfe Mengen an Aluminiumoxid und Bauxit. Die vollst\u00e4ndige Wiederherstellung aller Kapazit\u00e4ten kann bis zu einem Jahr oder l\u00e4nger dauern.<\/p>\n<p>Allerdings basieren all diese Prognosen auf der Annahme, dass sich die USA und Iran auf eine f\u00fcr beide Seiten akzeptable L\u00f6sung einigen k\u00f6nnen. Derzeit scheinen die Verhandlungspositionen jedoch nicht miteinander vereinbar zu sein, sodass die Gefahr eines erneuten Ausbruchs von Kampfhandlungen weiterhin besteht.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/rg.ru\/2026\/04\/11\/a-chto-esli-ssha-i-iran-vse-zhe-dogovoriatsia.html\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 11.\u00a0April 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Rossijskaja Gaseta erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Georgi Bowt<\/strong><\/em><em> ist ein russischer Politologe, Journalist und Radiomoderator.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0<\/strong>\u2013 <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/der-nahe-osten\/269469-liveticker-us-israel-krieg-gegen\/\">Liveticker Iran-Krieg<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v763gee\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/276872-waffenstillstand-mit-iran-bedeutet-nicht-dass-risikoaufschlag-sofort-wegfaellt\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbst bei einer Einigung zwischen den USA und Iran k\u00e4me es nicht zu einer drastischen Senkung der \u00d6lpreise. 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