{"id":10155,"date":"2022-06-08T06:30:00","date_gmt":"2022-06-08T04:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/just-now.news\/de\/deutschland\/welche-verluste-kann-die-ukraine-verkraften-bevor-sie-gezwungen-ist-mit-russland-zu-verhandeln\/"},"modified":"2022-06-08T06:30:00","modified_gmt":"2022-06-08T04:30:00","slug":"welche-verluste-kann-die-ukraine-verkraften-bevor-sie-gezwungen-ist-mit-russland-zu-verhandeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/welche-verluste-kann-die-ukraine-verkraften-bevor-sie-gezwungen-ist-mit-russland-zu-verhandeln\/","title":{"rendered":"Welche Verluste kann die Ukraine verkraften, bevor sie gezwungen ist, mit Russland zu verhandeln?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/just-now.news\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/06\/629e071ab480cc64775c1d5f.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Bereits vier Monate dauert der Milit\u00e4reinsatz Russlands in der Ukraine an. Die K\u00e4mpfe, die am 24. Februar im Norden, Osten und S\u00fcden des Landes begannen, konzentrieren sich jetzt fast ausschlie\u00dflich auf den Donbass. Ein Ende der Auseinandersetzung scheint nicht in Sicht.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Eine Analyse von Sergei Poletajew<\/em><\/p>\n<p>Man muss zugeben, dass sich die Ukraine als Gegner viel st\u00e4rker erwiesen hat, als viele am Vorabend der Offensive angenommen hatten. Der von russischer Seite angef\u00fchrte Grund f\u00fcr den Beginn der Operation \u2013 die zunehmende Gefahr einer ukrainischen Invasion in den Donbass \u2013 verlor jedoch in den ersten Tagen, wenn nicht gar in den ersten Stunden, an Relevanz: Mit massiven Schl\u00e4gen wurde die ukrainische Armee neutralisiert und ihrer F\u00e4higkeit beraubt, offensive Aktionen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Innerhalb weniger Wochen war es m\u00f6glich, die Gebiete mehrerer Regionen ohne ernsthafte K\u00e4mpfe zu besetzen. Es kam jedoch nicht zum Zusammenbruch des ukrainischen Staates und das Kommando \u00fcber die Truppen des Landes wurde aufrechterhalten, eine Mobilmachung konnte durchgef\u00fchrt und die Versorgung sichergestellt werden. Als der Westen sah, dass sich die Ukraine milit\u00e4risch festsetzen und k\u00e4mpfen konnte, beschloss er schlie\u00dflich in gro\u00dfem Umfang milit\u00e4risches Ger\u00e4t zu liefern.<\/p>\n<p>Kiew hat es zudem geschafft, eine ziemlich effektive Propagandamaschinerie in Gang zu setzen, deren Kanon lautet: &#8220;Wir wurden angegriffen, der kollektive Westen unterst\u00fctzt uns. Gemeinsam haben wir uns behauptet und den Feind zum R\u00fcckzug gezwungen. Gemeinsam werden wir bis zum Sieg k\u00e4mpfen.&#8221; Bisher hat dieses Pumpen von Durchhalteparolen in die Hirne der Menschen gut funktioniert. Jetzt aber werden nach und nach Risse im eingeschlagenen Narrativ sichtbar, es werden Fakten offengelegt oder einfacher gesagt: Das \u00dcberma\u00df an L\u00fcgen schwappt allm\u00e4hlich \u00fcber den Rand des mit Propaganda gef\u00fcllten Fasses.<\/p>\n<p>Ein anschauliches Beispiel daf\u00fcr ist die Garnison von Mariupol, die zweieinhalb Monate lang eingekesselt war. Kiew insistierte die ganze Zeit, dass sie milit\u00e4risch gerettet und dann in ein neutrales Land evakuiert werden muss. Geendet hat es jedoch mit einer ordin\u00e4ren &#8220;Evakuierung&#8221; in die russische Gefangenschaft. Den ukrainischen Soldaten und K\u00e4mpfern der nationalen Bataillone \u2013 in diesem Fall den Neonazis vom Battalion Asow \u2013 wurde immer deutlicher, dass sie als Kanonenfutter im Informationskrieg eingesetzt werden. Zufall oder nicht, aber kurz nach dem Fall von Mariupol geriet auch die Front im Donbass ins Br\u00f6ckeln und angesichts drohender Einkesselungen ziehen sich Kiews Soldaten jetzt immer h\u00e4ufiger zur\u00fcck oder geben ganze St\u00e4dte und D\u00f6rfer kampflos auf.<\/p>\n<p>In den von Russland besetzten Regionen Cherson und Saporischschja haben politische Verschiebungen stattgefunden: Die Schaffung vollwertiger zivil-milit\u00e4rischer Verwaltungen, die Umstellung des Zahlungsverkehrs auf Rubel, die Anbindung ans russische Fernsehen und Internet sowie die Umstellung der SIM-Karten auf russische Mobilfunkbetreiber. Russische Autokennzeichen werden ausgegeben, Symbole der ukrainischen Staatlichkeit werden entfernt und ein beschleunigtes Verfahren bei der Beantragung russischer P\u00e4sse wurde auf den Weg gebracht. Alles deutet darauf hin, dass Russland es mit diesem Territorium ernst meint und beabsichtigt, dort f\u00fcr lange Zeit zu bleiben. Im Gegensatz zu den von Russland kontrollierten Bezirken in der Region Charkow, wo bisher nichts dergleichen beobachtet wurde.<\/p>\n<p>Der Kampf um den Donbass, der die Zukunft der laufenden Milit\u00e4roperation bestimmen wird, ist in vollem Gange. Er folgt einem langsamen, schwerf\u00e4lligen Muster, das keine schnelle und spektakul\u00e4re Niederlage der Streitkr\u00e4fte der Ukraine vorsieht. Immer \u00f6fter macht ein Begriff aus dem Ersten Weltkrieg die Runde: Zerm\u00fcrbungskrieg. Der Konflikt bleibt f\u00fcr alle au\u00dferhalb der Ukraine lokal und peripher. Russland k\u00e4mpft mit einer Streitmacht, die sich aus dem stehenden Heer rekrutiert, im Wesentlichen ein Expeditionskorps mit maximaler Kapazit\u00e4t, w\u00e4hrend der Westen, obwohl er Kiews Streitkr\u00e4fte in einem beispiellosen Umfang mit Waffen und Munition versorgt, bisher noch nicht die neuesten und teuersten Waffen geliefert und noch nicht mit eigenen Truppen interveniert hat.<\/p>\n<p>In jedem milit\u00e4rischen Konflikt sind zwei Fragen von grundlegender Bedeutung. Erstens, was sind die politisch akzeptablen Verluste \u2013 wie viel ist man bereit zu opfern, um milit\u00e4rische Ziele zu erreichen? Zweitens, was sind die materiell akzeptablen Verluste \u2013 wie viel Energie und Ressourcen kann man verschlei\u00dfen, um trotzdem weiter zu k\u00e4mpfen und Ziele zu erreichen? Versuchen wir im Zusammenhang der Streitkr\u00e4fte der Ukraine, diese Fragen zu beantworten.<\/p>\n<p><strong>Wie viele Menschenleben ist die Ukraine bereit zu verlieren?<\/strong><\/p>\n<p>Politisch scheint die Antwort zu sein: ziemlich viele. Zum jetzigen Zeitpunkt kann die Gesamtzahl der get\u00f6teten, verletzten oder gefangenen ukrainischen Soldaten nur gesch\u00e4tzt werden. Die Zahlen sollen auf die Zehntausende zugehen und die \u00f6ffentliche Meinung des Landes scheint diese Zahlen vorerst zu akzeptieren. Ja, die Verluste sind zwar hoch, aber man h\u00e4lt erfolgreich &#8220;die Orks&#8221; zur\u00fcck, wie die russischen Soldaten in der Kiewer Propaganda genannt werden. Allerdings entstanden diese Verluste unter den besten, erfahrensten und motiviertesten Soldaten und werden \u2013 zumindest in absehbarer Zeit \u2013 schwer zu ersetzen sein. Dar\u00fcber hinaus funktioniert die Verteidigungstaktik der Streitkr\u00e4fte der Ukraine zwar gut in den befestigten Stellungen, die in den vergangenen Jahren im Donbass angelegt wurden. Wie sich jedoch unerfahrene Soldaten au\u00dferhalb solcher Stellungen und gegen eine in Angriffsoperationen erfahrene Armee schlagen werden, wird sich erst zeigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Wie viele Waffen ist die Ukraine bereit zu verlieren?<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts der Tatsache, dass Kiew scheinbar eine &#8220;Freikarte&#8221; f\u00fcr einen dauerhaften Lieferdienst f\u00fcr Munition und Waffen aus dem Westen zu haben scheint, ist diese Frage auf den ersten Blick irrelevant. Aber das R\u00fcckgrat einer Armee, insbesondere einer Verteidigungsarmee, sind nicht Hipster-Drohnen oder einzelne und veraltete gepanzerte Fahrzeuge, sondern Artillerie: Kanonen, Haubitzen, Mehrfachraketenwerfer und M\u00f6rser. Beim gegenw\u00e4rtigen Umfang der Kampfhandlungen werden zudem Tausende, Zehntausende oder gar Millionen von Granaten daf\u00fcr ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Ja, die UdSSR hatte Waffen angesammelt, die f\u00fcr ein paar Weltkriege gereicht h\u00e4tten. Der L\u00f6wenanteil dieser Waffen wurde in der Ukraine gelagert und dient jetzt den Bed\u00fcrfnissen von Kiew. Ja, Milit\u00e4rhilfe wird aus der ganzen Welt herbeigeschafft, aber der Zustrom an Waffen ist geringer als deren Verluste an der Front. Da sich die sowjetischen Vorr\u00e4te mittlerweile ersch\u00f6pft haben, steht der Westen vor der Aufgabe, die Ukraine in einem seit Jahrzehnten nicht mehr gesehenen Umfang vollst\u00e4ndig mit Milit\u00e4rg\u00fctern zu versorgen. Der Westen wird eine kampferprobte, aber stark ersch\u00f6pfte Armee versorgen m\u00fcssen, die zudem einen erheblichen Prozentsatz an unerfahrenen Neulingen aufweist, was zu noch mehr Verlusten f\u00fchren wird, was dann wiederum auf eine Notwendigkeit einer noch umfassenderen Versorgung hinausl\u00e4uft.<\/p>\n<p><strong>Wie lange wird die Ukraine wirtschaftlich \u00fcberleben?<\/strong><\/p>\n<p>Fachleute sagen voraus, dass sich das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine in diesem Jahr halbieren und somit um etwa 100 Milliarden US-Dollar schrumpfen wird. Um die Wirtschaft angesichts von Mobilmachung, Gebietsverlusten, stagnierenden Unternehmen und Abwertung der W\u00e4hrung \u00fcber Wasser zu halten, sind erhebliche Investitionen aus dem Westen erforderlich. Selbst eine vollst\u00e4ndige Beschlagnahme der russischen Devisenreserven durch den Westen k\u00f6nnten diese nur teilweise auffangen, da derzeit die Versorgung des Milit\u00e4rs immer noch zentral ist und t\u00e4glich bis zu einer Milliarde US-Dollar verschlingt.<\/p>\n<p>Was ist mit Russland? Solange sich die Taktik der russischen Armee des langsamen Vorr\u00fcckens mit Hilfe von Artillerie auszahlt, sollte man nicht erwarten, dass sich das \u00e4ndern wird. Sollten die russischen Streitkr\u00e4fte vollst\u00e4ndig ins Stocken geraten, sei es bei K\u00e4mpfen um Slawjansk oder Kramatorsk oder in den Au\u00dfenbezirken von Charkow oder Nikolaev, muss die Frage einer breiten Mobilmachung gel\u00f6st werden, die f\u00fcr den Kreml politisch immer noch nicht akzeptabel ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Gegner \u2013 die Ukraine und den Westen \u2013 wird die Frage, welche Verluste akzeptabel sind, letztendlich darauf hinauslaufen, ob die ukrainischen Streitkr\u00e4fte in der Lage sein werden, gegen die russische Armee vorzugehen und das eroberte Territorium zu besetzen und zu halten. Wenn sie dazu in der Lage sind, bleiben die wirtschaftlichen Kosten sowie die menschlichen Verluste nebens\u00e4chlich. Die Ukrainer werden an die Front gehen, w\u00e4hrend die Waffen aus dem Westen kommen. Wenn sie dazu nicht in der Lage sind, wenn sich die Ukrainer immer weiter zur\u00fcckziehen m\u00fcssen, wenn auch langsam, dann wird es auf die Frage hinauslaufen, ob man den Waffenstillstand suchen oder den Einsatz erh\u00f6hen soll.<\/p>\n<p>Es wird also wie bisher alles auf dem Schlachtfeld entschieden.<\/p>\n<p><em><strong>Sergei Poletajew <\/strong>ist Mitbegr\u00fcnder und Herausgeber des Vatfor Projects.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema &#8211;<\/strong>\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/europa\/140169-schwere-militaerische-verluste-im-donbass\/\">Schwere milit\u00e4rische Verluste im Donbass lassen die Einheit der Ukraine br\u00f6ckeln <\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/140307-welche-verluste-kann-ukraine-verkraften\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits vier Monate dauert der Milit\u00e4reinsatz Russlands in der Ukraine an. 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