{"id":101043,"date":"2026-03-31T06:00:00","date_gmt":"2026-03-31T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/ein-monat-krieg-hat-das-strategische-scheitern-des-angriffs-auf-iran-aufgezeigt\/"},"modified":"2026-03-31T06:00:00","modified_gmt":"2026-03-31T04:00:00","slug":"ein-monat-krieg-hat-das-strategische-scheitern-des-angriffs-auf-iran-aufgezeigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/ein-monat-krieg-hat-das-strategische-scheitern-des-angriffs-auf-iran-aufgezeigt\/","title":{"rendered":"Ein Monat Krieg hat das strategische Scheitern des Angriffs auf Iran aufgezeigt"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2026\/03\/69ca7c32b480cc318418fe1e.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Was die USA und Israel als schnelle Kampagne betrachteten, sieht Iran als Kampf ums \u00dcberleben. W\u00e4hrend Washington und Westjerusalem sich verkalkuliert haben, steigen die wirtschaftlichen und geopolitischen Kosten des Krieges, dessen Ende nicht absehbar ist.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Murad Sadygzade<\/em><\/p>\n<p>Nach einem Monat Krieg gegen Iran sticht eine Schlussfolgerung deutlicher hervor als alles, was in den Pressekonferenzen verk\u00fcndet wurde: Weder die USA noch Israel gingen mit der Absicht in diese Konfrontation, einen langen Krieg zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Kampagne war als kurze und brutale Episode konzipiert, als Schockoperation, die den iranischen Willen brechen, Teheran zu dem\u00fctigenden Verhandlungen zwingen oder \u2013 in den ambitioniertesten Fantasien aus Donald Trumps politischem Umfeld \u2013 einen internen Zusammenbruch und wom\u00f6glich sogar einen Regimewechsel ausl\u00f6sen sollte. Israels Ziel war etwas anders, wenn auch komplement\u00e4r. Es wollte der iranischen milit\u00e4rischen und strategischen Infrastruktur maximalen Schaden zuf\u00fcgen, sie auf Jahre schw\u00e4chen und das regionale Gleichgewicht mit Gewalt ver\u00e4ndern. Doch bereits im ersten Kampfmonat begann die zentrale Annahme beider Ans\u00e4tze zu br\u00f6ckeln. Anstatt einzuknicken und sich zur Unterwerfung zwingen zu lassen, leistete Iran Widerstand wie ein Staat, der ums \u00dcberleben k\u00e4mpft.<\/p>\n<p><strong>Was Iran nicht umbringt, macht ihn st\u00e4rker<\/strong><\/p>\n<p>Die amerikanischen Planer scheinen sich eine begrenzte Strafaktion von ein bis zwei Wochen vorgestellt zu haben. Die Logik war bekannt und aus ihrer Sicht elegant: hart zuschlagen, Angst sch\u00fcren, Kommandostrukturen zerschlagen, die wirtschaftlichen Kosten erh\u00f6hen und einen Moment schaffen, in dem die iranische F\u00fchrung vor der Wahl zwischen Kapitulation und Katastrophe st\u00fcnde. Manche im Trump-Lager glaubten offenbar, das iranische politische System sei br\u00fcchig genug, um unter Druck zusammenzubrechen. Diese Annahme wirkt heute weniger wie Strategie, sondern eher wie Projektion. Washington ging in den Krieg mit der Erwartung, schnell Einfluss zu gewinnen, statt ein langwieriges Kr\u00e4ftemessen zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Israel seinerseits scheint die Anfangsphase mit weniger Illusionen \u00fcber Diplomatie und mehr Entschlossenheit angegangen zu sein, Iran mit Gewalt zu schw\u00e4chen. Der strategische Instinkt in Westjerusalem bestand nicht prim\u00e4r darin, aus einer Position der St\u00e4rke mit Teheran zu verhandeln, sondern den Schutz einer von den USA unterst\u00fctzten Offensive zu nutzen, um so viel wie m\u00f6glich zu treffen und Iran milit\u00e4risch, technologisch und geopolitisch zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. In diesem Sinne waren Israels Ziele h\u00e4rter und konkreter. Doch schon im ersten Monat offenbarte sich ein Widerspruch. Ein Staat kann Iran schaden. Er kann t\u00f6ten, Unruhe stiften, sabotieren und bombardieren. Doch Iran zu schw\u00e4chen ist nicht dasselbe wie ihn zu zerschlagen.\u00a0Eine Kampagne, die zwar Schaden anrichtet, aber nicht entscheidend l\u00e4hmt, kann dazu f\u00fchren, dass Teheran politisch, moralisch und strategisch gest\u00e4rkt aus der Situation hervorgeht, wenn es dem angegriffenen Staat gelingt, zu \u00fcberleben, Vergeltungsma\u00dfnahmen zu ergreifen und seine Widerstandsf\u00e4higkeit in Legitimit\u00e4t umzuwandeln.<\/p>\n<p>Und genau hier nutzte Iran den Moment. Teheran durchbrach das Denkmuster, mit dem viele Amerikaner die Krise interpretiert hatten. In Washington schien der Krieg als taktisches Man\u00f6ver betrachtet worden zu sein. In Teheran hingegen wurde er als strategischer, ja existenzieller Kampf verstanden. Die iranische F\u00fchrung agierte nicht, als bef\u00e4nde sie sich in einem weiteren Verhandlungszyklus, sondern als st\u00fcnde sie vor einer entscheidenden Konfrontation um Souver\u00e4nit\u00e4t, Abschreckung und das \u00dcberleben des Staates. Dieser Unterschied in der strategischen Tiefe pr\u00e4gte den ersten Monat st\u00e4rker als jeder einzelne Raketenangriff. Eine Seite, die um bessere Verhandlungsbedingungen k\u00e4mpft, gibt in der Regel auf, sobald der Preis unbequem wird. Eine Seite, die k\u00e4mpft, weil sie eine Niederlage als Bedrohung ihrer Zukunft ansieht, verarbeitet Schmerz anders, kalkuliert anders und eskaliert mit einer anderen Disziplin.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bot sich den iranischen Machthabern eine wichtige innenpolitische Chance. \u00c4u\u00dfere Aggression ver\u00e4ndert fast immer die Stimmung im Inneren eines angegriffenen Landes, und Iran bildete da keine Ausnahme. Ungeachtet aller Missst\u00e4nde, Spaltungen und Frustrationen, die vor dem Krieg in der iranischen Gesellschaft herrschten, gab der Angriff der USA und Israels Teheran die M\u00f6glichkeit, die Bev\u00f6lkerung hinter dem Staat, der Flagge und dem Gedanken des nationalen \u00dcberlebens zu vereinen. In solchen Momenten kann sich selbst eine Regierung, die Kritik ausgesetzt ist, als Verteidigerin der Nation gegen ausl\u00e4ndische Gewalt neu positionieren. Dies beseitigt zwar nicht die inneren Spannungen und l\u00f6st auch nicht auf magische Weise die innenpolitischen Probleme Irans. Aber es gibt der F\u00fchrung die M\u00f6glichkeit, Patriotismus, Opferbereitschaft und Widerstand in einer Weise zu beschw\u00f6ren, die unter normalen Umst\u00e4nden viel schwieriger gewesen w\u00e4re. F\u00fcr den iranischen Staat k\u00f6nnte sich dies als eine der wichtigsten politischen Folgen des Krieges erweisen.<\/p>\n<p>Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich die urspr\u00fcnglich als Einsch\u00fcchterungsoperation geplante Aktion zu einer Reputationsfalle f\u00fcr die USA. Washington verf\u00fcgt zwar nach wie vor \u00fcber eine enorme Zerst\u00f6rungskraft, doch Macht bemisst sich niemals allein an der Feuerkraft. Sie bemisst sich auch an politischer Klarheit, an der Realisierbarkeit der Ziele, an der F\u00e4higkeit, Ergebnisse ohne Selbstsch\u00e4digung zu gestalten, und an der Glaubw\u00fcrdigkeit der Ordnung, die man zu verteidigen vorgibt. Im ersten Monat dieses Krieges haben die USA all diese Aspekte besch\u00e4digt. Sie traten mit einer Rhetorik der St\u00e4rke ein und sprechen nun bereits von Pausen, Vermittlungskan\u00e4len, indirekten Botschaften und unter Druck verl\u00e4ngerten Fristen. Das wirkt nicht wie eine Supermacht, die Bedingungen diktiert. Es wirkt eher wie eine Supermacht, die feststellt, dass Zwang leichter zu beginnen als zu beenden ist.<\/p>\n<p><strong>Die Welt zahlt den Preis<\/strong><\/p>\n<p>Allein die wirtschaftlichen Folgen lassen die Operation strategisch kontraproduktiv erscheinen. Ein Krieg dieser Art beschr\u00e4nkt sich nicht auf milit\u00e4rische Karten. Er wirkt sich auf \u00d6lpreise, Schiffsversicherungen, die Vorsicht der Zentralbanken, den Inflationsdruck, die Lebensmittelkosten, die Panik der Anleger und politische Unruhen in L\u00e4ndern fernab des Schlachtfelds aus. Was in Washington als begrenzter geopolitischer Schock verkauft wurde, gleicht nun einem Brandbeschleuniger f\u00fcr eine ohnehin schon instabile Weltwirtschaft. In diesem Sinne ist eine der wahrscheinlichsten Langzeitfolgen nicht nur die Unruhe im Nahen Osten, sondern die zunehmende Gefahr einer globalen Rezession. Und sollte es tats\u00e4chlich zu einer Rezession kommen, werden die USA nicht als passive Beobachter des Chaos dazu beigetragen haben, sondern als einer ihrer Hauptverursacher. Darin liegt eine tiefe Ironie. Washington begann diesen Krieg unter dem Vorwand von Sicherheit und St\u00e4rke, k\u00f6nnte aber am Ende Unsicherheit im globalen Ma\u00dfstab exportieren und gleichzeitig seinen eigenen wirtschaftlichen Handlungsspielraum schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Die zweite wichtige Folge ist geopolitischer Natur und langfristig potenziell noch gravierender. Dieser Krieg beschleunigt die Fragmentierung des internationalen Systems. Er lehrt die Welt erneut, dass die Abh\u00e4ngigkeit von amerikanischen Garantien mit wachsender Unsicherheit, ideologischer Instabilit\u00e4t und pl\u00f6tzlichem Unilateralismus einhergeht. Verb\u00fcndete werden daran erinnert, dass die USA einen gro\u00dfen Krieg beginnen und anschlie\u00dfend Solidarit\u00e4t fordern k\u00f6nnen. Partner werden daran erinnert, dass amerikanische Entscheidungen von Wahlkampfinstinkten, medialer Inszenierung und dem \u00fcbersteigerten Selbstvertrauen von Amtstr\u00e4gern beeinflusst sein k\u00f6nnen, die St\u00f6rungen mit Strategie verwechseln. Neutrale Staaten werden daran erinnert, dass in Krisenzeiten Souver\u00e4nit\u00e4t und Absicherung wichtiger sind als Parolen der B\u00fcndnispolitik. So w\u00e4chst die Multipolarit\u00e4t in der Praxis: durch wiederholte Demonstrationen, dass das alte Zentrum die Ereignisse nicht mehr kontrollieren kann, ohne sie zu destabilisieren.<\/p>\n<p><strong>Der Druck legt die Schwachstellen der NATO offen<\/strong><\/p>\n<p>Der Krieg hat auch gezeigt, wie d\u00fcnn der Zusammenhalt im &#8220;kollektiven Westen&#8221; geworden ist. Amerikas traditionelle Verb\u00fcndete haben sich nicht so geschlossen hinter Washington gestellt, wie es erwartet worden war. Europ\u00e4ische Regierungen zeigten Skepsis, Ver\u00e4rgerung und in manchen F\u00e4llen sogar offene Distanz. Die B\u00fcndnism\u00fcdigkeit ist unter dem Druck deutlich sp\u00fcrbar. Die NATO existiert zwar weiterhin, gibt weiterhin Geld aus und koordiniert ihre Aktivit\u00e4ten. Doch politisch und psychologisch hat das alte Bild eines vollst\u00e4ndig geeinten westlichen Blocks einen weiteren Schlag erlitten.<\/p>\n<p>Die Glaubw\u00fcrdigkeit von B\u00fcndnissen ist kumulativ. Sie wird \u00fcber Jahrzehnte aufgebaut und kann durch jeden einzelnen Schock geschw\u00e4cht werden. Jede Episode, in der Washington zuerst handelt und sp\u00e4ter konsultiert, jeder Ausbruch, der Partner als Instrumente statt als politische Akteure behandelt, jede Forderung nach Gehorsam ohne strategische Begr\u00fcndung untergr\u00e4bt das Vertrauen ein St\u00fcck weiter. Ein Milit\u00e4rb\u00fcndnis kann eine solche Erosion eine Zeit lang \u00fcberstehen, insbesondere solange die Mitglieder gemeinsame Gegner f\u00fcrchten. Doch die politische Seele eines B\u00fcndnisses l\u00e4sst sich schwerer wiederherstellen als seine Budgets. Der erste Kriegsmonat mit Iran hat die emotionale und strategische Distanz zwischen den USA und Teilen Europas vergr\u00f6\u00dfert, und dies zu einem Zeitpunkt, an dem westliche Institutionen bereits unter internen Widerspr\u00fcchen litten. Der Westen ist heute weit weniger geschlossen, als er vorgibt zu sein, und dieser Konflikt hat dies nur noch deutlicher gemacht.<\/p>\n<p><strong>Der Krieg ver\u00e4ndert den Golf \u2013 und Iran selbst<\/strong><\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Golfstaaten l\u00e4utet der Konflikt eine neue \u00c4ra ein. Ihre Sicherheitskonzepte basierten jahrzehntelang auf einer kontrollierten Abh\u00e4ngigkeit vom amerikanischen Schutzschirm, verbunden mit ambitionierten sozialen und wirtschaftlichen Transformationen im eigenen Land. Dieses Modell erscheint nun weniger stabil. Die Golfmonarchien sehen sich einer harten Realit\u00e4t gegen\u00fcber. Sie sind weiterhin iranischen Vergeltungsma\u00dfnahmen, St\u00f6rungen der Schifffahrtswege, der Energiekrise und der M\u00f6glichkeit ausgesetzt, dass Washington zwar entschlossen, aber unberechenbar handelt. Die alte Annahme, amerikanische Macht bedeute automatisch regionale Ordnung, hat jedenfalls an Bedeutung verloren. F\u00fcr die Eliten am Golf bedeutet dies, dass Sicherheitsdoktrin und Entwicklungsstrategie nicht l\u00e4nger getrennt betrachtet werden k\u00f6nnen. Sie verschmelzen zu einer einzigen Frage. Die Region tritt in eine neue \u00c4ra ein, in der alte Formeln f\u00fcr Schutz, Wachstum und politisches Gleichgewicht \u00fcberdacht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Irans Lage ist paradox. Milit\u00e4risch hat das Land gelitten. Wirtschaftlich steht es weiterhin unter enormem Druck. Der Schaden im Land ist real und gravierend. Doch Politik ist nicht allein eine Bilanz der Zerst\u00f6rung. Vieles h\u00e4ngt davon ab, wie die gegenw\u00e4rtige Phase endet. Sollte Teheran letztendlich zu dem\u00fctigenden Zugest\u00e4ndnissen gezwungen werden, k\u00f6nnten die gegenw\u00e4rtigen Imagegewinne und die gest\u00e4rkte Positionierung verpuffen. Doch in dieser Phase hat Iran seine internationale Position in einem entscheidenden Punkt unbestreitbar verbessert: Er hat gezeigt, dass er Washington Paroli bieten und immensem Druck standhalten kann. In weiten Teilen der nicht-westlichen Welt und in gro\u00dfen Teilen der Welt\u00f6ffentlichkeit, die dem amerikanischen Interventionismus zutiefst misstrauen, wird Iran zunehmend weniger als Karikatur der offiziellen westlichen Propaganda, sondern vielmehr als Staat wahrgenommen, der sich gegen die Aggression der USA und Israels verteidigt. Das \u00dcberleben unter Beschuss kann politisch transformativ sein.<\/p>\n<p>Es gibt auch eine weiterreichende symbolische Wirkung. Jahrelang herrschte in vielen westlichen Hauptst\u00e4dten die Annahme vor, Iran k\u00f6nne eingekesselt, isoliert, eingesch\u00fcchtert und schrittweise zur strategischen Unterwerfung gezwungen werden. Der erste Kriegsmonat hat diese Weltsicht nicht best\u00e4tigt. Vielmehr hat er Beobachter daran erinnert, dass Mittelm\u00e4chte unter extremem Druck immer noch strategische \u00dcberraschungen schaffen k\u00f6nnen, wenn sie intern auf Ausdauer, Asymmetrie und politische Geduld ausgerichtet sind. Iran musste nicht konventionell gewinnen, um die Bedeutung des Konflikts zu ver\u00e4ndern. Es gen\u00fcgte, den von den Aggressoren erhofften schnellen politischen Erfolg zu verhindern. Und damit verschob er die psychologische Dynamik des Krieges.<\/p>\n<p><strong>Die einzigen Siege sind politischer Natur<\/strong><\/p>\n<p>Israel mag zwar der einzige Akteur sein, der einen kurzfristigen politischen Gewinn f\u00fcr sich verbuchen kann, doch selbst dieser ist begrenzt und gef\u00e4hrlich. Die unmittelbaren Nutznie\u00dfer scheinen die Rechtsextremen in der derzeit regierenden israelischen Regierung zu sein. F\u00fcr sie schafft der Krieg Raum f\u00fcr ideologische Verh\u00e4rtung, sicherheitspolitische Man\u00f6ver und die Behauptung, maximale Gewalt sei die einzige Sprache, die die Region versteht. Eine langwierige Konfrontation mit Iran tr\u00e4gt zudem dazu bei, die innenpolitische Dynamik in einem Ausnahmezustand zu halten, in dem abweichende Meinungen marginalisiert und radikale Agenden leichter verbreitet werden k\u00f6nnen. Dies ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einem strategischen Sieg Israels. Es handelt sich um einen politischen Gewinn f\u00fcr eine bestimmte Gruppierung, nicht unbedingt um einen dauerhaften Gewinn f\u00fcr den israelischen Staat. Eine Region, die immer tiefer in einen permanenten Krieg getrieben wird, ist keine Region, die langfristige Sicherheit garantiert, selbst nicht f\u00fcr die Seite, die sich derzeit im Vorteil w\u00e4hnt.<\/p>\n<p><strong>Die Verluste sind strategischer Natur<\/strong><\/p>\n<p>Betrachtet man die Bilanz nach einem Monat, wird das Paradoxon deutlich. Das Land mit dem gr\u00f6\u00dften milit\u00e4rischen Gewicht ist m\u00f6glicherweise auch dasjenige, das strategisch die gr\u00f6\u00dften Verluste erlitten hat. Die USA haben einen Reputationsschaden hinnehmen m\u00fcssen, die Zweifel an ihrer strategischen Kompetenz haben sich verst\u00e4rkt, das Vertrauen der Verb\u00fcndeten ist angespannt, die Instabilit\u00e4t der globalen Wirtschaft hat sich versch\u00e4rft und die multipolare Entwicklung, die sie lange zu bremsen versucht haben, hat sich beschleunigt. Israel hat ein schwierigeres regionales Umfeld vorgefunden und vor\u00fcbergehend mehr Spielraum f\u00fcr seine radikalsten politischen Kr\u00e4fte erhalten. Iran hat einen hohen Preis gezahlt, aber auch Widerstandsf\u00e4higkeit bewiesen, seine Widerstandsrhetorik gest\u00e4rkt und seine internationale Position in den Augen vieler verbessert, die ihn nun eher als angegriffenes Land denn als Schurkenstaat sehen, der bestraft werden muss. Die Golfstaaten wurden zu einer strategischen Neuausrichtung gedr\u00e4ngt. Europa wurde daran erinnert, dass die transatlantische Solidarit\u00e4t nun deutliche Grenzen hat. Der Westen ist also nach wie vor bewaffnet, wohlhabend und institutionell bedeutend, aber politisch nicht mehr vereint.<\/p>\n<p>Deshalb sollte der erste Kriegsmonat nicht allein anhand von Angriffskarten, Opferzahlen und taktischen Man\u00f6vern interpretiert werden. Seine tiefere Bedeutung liegt woanders. Er hat das Scheitern einer altbekannten Illusion der amerikanischen Au\u00dfenpolitik offenbart: der Illusion, man k\u00f6nne Gewalt als kurzfristige Demonstration einsetzen, strategische Kapitulation erzwingen und sich zur\u00fcckziehen, bevor die politischen Konsequenzen sich vollends entfalten. Dieses Drehbuch funktionierte selbst in einer einfacheren Welt schlecht. In einer zersplitterten, von Inflation geplagten und zunehmend der einseitigen amerikanischen Schocks \u00fcberdr\u00fcssigen Welt versagt es noch mehr. Iran verstand die Konfrontation als Kampf ums \u00dcberleben. Washington behandelte sie zu lange als blo\u00dfes Man\u00f6ver. Die Geschichte bestraft solche Ungleichbehandlungen in der Ernsthaftigkeit.<\/p>\n<p>Bereits Ende des ersten Monats zeichneten sich vorsichtige Verhandlungsversuche ab, und die Amerikaner scheinen das gr\u00f6\u00dfte Interesse daran zu haben, diesen Weg zu beschreiten. Allein dies sagt viel \u00fcber den Verlauf des Krieges aus. Die Seite, die glaubte, ihren Willen schnell durchsetzen zu k\u00f6nnen, ist nun viel st\u00e4rker an einem Ausweg interessiert als erwartet. Doch die Parteien sind noch weit von Frieden entfernt. Ihre Positionen sind weiterhin durch Misstrauen, Wut, unvereinbare Kriegsziele und die zunehmende Logik der Eskalation getrennt. Der Ausgang des Konflikts bleibt h\u00f6chst ungewiss, vielleicht sogar ungewisser als zu Beginn. Der Nebel hat sich nicht gelichtet, sondern verdichtet.<\/p>\n<p>Und doch ist selbst durch diesen Nebel hindurch eines klar: Fast alle Beteiligten sp\u00fcren, dass sich die Katastrophe ausweitet. Der Krieg wird nicht l\u00e4nger als ein begrenzter Konflikt mit klar definierten Grenzen wahrgenommen. Er wird zunehmend als Kettenreaktion gesehen, deren Radius sich politisch, milit\u00e4risch, wirtschaftlich und psychologisch immer weiter ausdehnt. Die Angst gilt nun nicht nur weiterer Zerst\u00f6rung, weiterer Vertreibung und weiterer regionaler Destabilisierung. Es ist auch der Punkt, an dem die Eskalation in etwas weitaus D\u00fcstereres umschl\u00e4gt, einschlie\u00dflich der M\u00f6glichkeit einer nuklearen Katastrophe. Diese Bef\u00fcrchtung mag manchen noch immer extrem erscheinen, doch allein die Tatsache, dass sie nun ausgesprochen wird, zeigt, wie gef\u00e4hrlich dieser Konflikt geworden ist.<\/p>\n<p>Die ern\u00fcchterndste Schlussfolgerung ist daher zugleich die einfachste: Anstatt die amerikanische Autorit\u00e4t wiederherzustellen, hat ein Monat Krieg ihre Grenzen aufgezeigt. Anstatt das westliche Lager wieder zu vereinen, hat er verdeutlicht, wie gespalten dieses Lager ist. Anstatt die Iran-Frage zu l\u00f6sen, hat er deutlich gemacht, dass Iran nicht als blo\u00dfes taktisches Objekt behandelt werden kann. Und anstatt die Welt sicherer zu machen, hat dieser Krieg sie fragmentierter, misstrauischer, teurer und instabiler gemacht.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist zuerst bei RT auf <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/news\/636628-iran-month-of-war\/\">Englisch<\/a> erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Murad Sadygzade<\/strong>\u00a0ist\u00a0Pr\u00e4sident des Russischen Zentrums f\u00fcr Nahoststudien und Gastdozent an der Wirtschaftshochschule Moskau (HSE).<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013\u00a0<a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freeassange.tech\/meinung\/274607-warum-hat-trump-die-angriffe-auf-die-iranische-energieinfrastruktur-abgesagt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Warum hat Trump die Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur abgesagt?<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v75myw8\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/der-nahe-osten\/275313-monat-krieg-hat-strategische-scheitern\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was die USA und Israel als schnelle Kampagne betrachteten, sieht Iran als Kampf ums \u00dcberleben. 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