{"id":100750,"date":"2026-03-24T18:54:51","date_gmt":"2026-03-24T16:54:51","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/von-entweihung-bis-abriss-konferenz-diskutiert-umwidmung-sowjetischer-ehrenmale\/"},"modified":"2026-03-24T18:54:51","modified_gmt":"2026-03-24T16:54:51","slug":"von-entweihung-bis-abriss-konferenz-diskutiert-umwidmung-sowjetischer-ehrenmale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/von-entweihung-bis-abriss-konferenz-diskutiert-umwidmung-sowjetischer-ehrenmale\/","title":{"rendered":"Von &quot;Entweihung&quot; bis Abriss \u2013 Konferenz diskutiert Umwidmung sowjetischer Ehrenmale"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2026\/03\/69c2ab9348fbef50715411e2.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Die Umwandlung der Berliner sowjetischen Gedenkst\u00e4tten ist weiterhin ein Hauptanliegen polnischer und ukrainischer Kulturfunktion\u00e4re. Ein Diskussionsabend im polnischen Pilecki-Institut gab Aufschl\u00fcsse \u00fcber m\u00f6gliche Vorgehensweisen.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Wladislaw Sankin und Astrid Sigena<\/em>\u00a0<\/p>\n<p>Am <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/events\/2091119621678763?acontext=%7B%22event_action_history%22%3A%5B%7B%22mechanism%22%3A%22attachment%22%2C%22surface%22%3A%22newsfeed%22%7D%5D%2C%22ref_notif_type%22%3Anull%7D\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">16. M\u00e4rz 2026<\/a>\u00a0<a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/pileckiinstitut\/posts\/pfbid029p5HVeZfJsuqWjy5d1A4MFfGcYhFMgqKCFMPPxxkvxEHEQbHGFBH5mBdNLSFhdqrl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diskutierte<\/a> Hanna Radziejowska, die Leiterin des Berliner Pilecki-Instituts, mit drei ukrainischen G\u00e4sten \u00fcber die Zukunft sowjetischer Ehrenmale, insbesondere in Berlin. Eingeladen waren die Projektmanagerin <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/viktoriya-feshak-3b7411215\/?originalSubdomain=de\">Wiktorija Feschak<\/a>, die zum Kernteam von <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/vitsche.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vitsche e.\u00a0V.<\/a> geh\u00f6rt, die Kunsthistorikerin <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.identitaet-und-erbe.org\/personen\/yevheniia-moliar\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jewgeniia Moljar<\/a> von der TU\u00a0Berlin sowie<a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ksenia.malykh\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Ksenia Malych<\/a>, ihres Zeichens Programmdirektorin des <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/promprylad_artcenter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Promprylad Art Center<\/a> und Co-Kuratorin des ukrainischen Pavillons auf der Biennale in Venedig.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung ist nur eine der inzwischen vielen Konferenzen dieser Art, die in Berlin in den letzten Monaten stattgefunden haben. Den Auftakt bildete ein zweit\u00e4giges Forum am 6. und 7.\u00a0November &#8220;Echos des Imperiums: Sowjetische Denkm\u00e4ler und die Maschinerie der Desinformation&#8221; in der polnischen Botschaft\u00a0\u2013 <em>RT\u00a0DE<\/em>\u00a0<a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/inland\/261201-geschichtsrevisionismus-symposium-in-berlin-schlaegt-uebergangsjustiz-fuer-sowjetmonumente-vor\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">berichtete<\/a>. Am 23.\u00a0Februar fand im Rahmen des &#8220;Cafe Kyiv&#8221;-Forums eine weitere prominent besetzte Diskussion unter dem Titel &#8220;Sowjetische Kriegsdenkm\u00e4ler in Berlin: Abrei\u00dfen oder Erhalten?&#8221; statt. Es handelt sich also um eine gro\u00df angelegte intellektuelle Vorarbeit mit dem Ziel, sowjetischen Ehrenmalen ihre symbolische Kraft zu entrei\u00dfen.<\/p>\n<p>Der Titel der letzten Veranstaltung dieser Serie im Pilezki-Institut lautete auf Deutsch (in English gehalten und auf YouTube <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=y047YaqSRH4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">abrufbar<\/a>): &#8220;Das Imperium schl\u00e4gt zur\u00fcck: Sowjetisches Erbe in der Bewaffnung des Ged\u00e4chtnisses&#8221;\u00a0\u2013 womit der russischen Seite ein missbr\u00e4uchlicher Umgang mit der sowjetischen Erinnerungskultur zum Vorwurf gemacht wurde. Tats\u00e4chlich wurde im Laufe der Diskussion immer deutlicher, dass vielmehr die ihr deutsches Publikum die Monumente als Waffen zu gebrauchen trachten, um gegen die verhassten Russen vorgehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Feschaks Vortrag machte den Anfang (ab\u00a03:58). Sie erkl\u00e4rte, Kriegsgr\u00e4ber m\u00fcssten selbstverst\u00e4ndlich &#8220;mit W\u00fcrde und Schutz&#8221; behandelt werden. Die sowjetischen Kriegsdenkm\u00e4ler in Berlin dienten jedoch nicht der Trauer, sondern einer ideologisierten Machtpolitik, die Russland als Waffe einsetze. Ihrem Verein Vitsche, der in der Hauptstadt regelm\u00e4\u00dfig mit antirussischen Aktivit\u00e4ten und Boykottaufrufen in Erscheinung tritt, sei es, die &#8220;ukrainische Subjektivit\u00e4t&#8221; in den Vordergrund zu r\u00fccken und die Monumente zu dekolonialisieren. Die Berliner Gedenklandschaft m\u00fcsse Platz f\u00fcr die zehn Millionen zwischen 1939 und 1945 get\u00f6teten Ukrainer finden. Die Erinnerungsarbeit m\u00fcsse bei den Toten ansetzen. Sie gelte es, in den Mittelpunkt zu stellen, samt der Republiken, aus denen sie stammten.<\/p>\n<p>Feschak redet hier also eindeutig einer Ukrainisierung der Kriegsgr\u00e4ber das Wort. Eine Vorgehensweise, die sp\u00e4ter auch Moljar (58:18) bef\u00fcrwortete: Es sei ein notwendiger Weg, die Toten &#8220;nicht als rein sowjetische, sondern als multinationale, multikulturelle sowjetische Armee darzustellen&#8221;.<\/p>\n<p>Feschaks weitere Forderungen betrafen eine neue russophobe Neuausrichtung der Gedenkst\u00e4tten: Die Funktion der Ehrenmale w\u00e4hrend der sowjetischen Besatzung (Sprachgebrauch wie im Original) sowie &#8220;ihre erneute Instrumentalisierung durch das heutige Russland&#8221; m\u00fcssten beleuchtet werden. Drittens m\u00fcssten die Nachkommen der Opfer einer angeblichen Ausl\u00f6schung durch &#8220;sowjetische Homogenisierung&#8221; in die Gedenkarbeit eingebunden werden. Russische Organisationen d\u00fcrften dabei in dieser Debatte nicht mehr &#8220;als legitime Stimme&#8221; anerkannt werden. Die Denkm\u00e4ler seien\u00a0\u2013 so Feschaks vierter Punkt \u2013 als Teil &#8220;eines umfassenderen Prozesses der \u00dcbergangsjustiz&#8221; zu betrachten. Das Fazit der Vitsche-Vertreterin: &#8220;Wenn diese Denkm\u00e4ler in Berlin weiterhin stehen bleiben, d\u00fcrfen sie in ihrer Bedeutung nicht unangetastet bleiben.&#8221; Die Denkm\u00e4ler m\u00fcssten vielmehr symbolisch entwaffnet werden. Wie sich im Verlauf der Veranstaltung (1:25:30) herausstellen sollte, wird Vitsche &#8220;in K\u00fcrze&#8221; eine Petition starten, &#8220;um die Gedenkst\u00e4tten neu zu kontextualisieren&#8221; und f\u00fcr ihre Neubewertung zu sorgen.<\/p>\n<p>Die Kunsthistorikerin Moljar berichtete \u00fcber ihre Forschungsarbeit (ab 15.12) und betonte (ab 20:52), dass sowohl das Tiergarten-Monument als auch das Denkmal im Treptower Park von Ukrainern geschaffen worden seien. Gemeint waren offenbar die ber\u00fchmten sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel, Wladimir Zigal (Tiergarten) und Alexander Wutetschitsch (Treptower Park), die auf dem Territorium des heutigen ukrainischen Staatsgebiets im sp\u00e4ten Russischen Reich geboren worden waren und dort die ersten Monate (Kerbel und Zigal) oder Jahre (Wutetschitsch) ihres Lebens verbracht hatten. Wie auch viele andere K\u00fcnstler oder Wissenschaftler, wurden auch sie formell nur\u00a0qua ihrer Geburt auf dem Gebiet der sp\u00e4teren Ukraine posthum zu &#8220;Ukrainern&#8221; erkl\u00e4rt. Bestimmt w\u00e4ren auch sie sehr erstaunt zu h\u00f6ren, dass sie Ukrainer gewesen sind.<\/p>\n<p>Die Referentin warnte davor, die sowjetischen Denkm\u00e4ler einfach zu vernichten. Denn ihre Entfernung aus dem physischen Raum bedeute nicht ihre Neutralisierung, sie verblieben vielmehr im \u00f6ffentlichen Ged\u00e4chtnis und entfalteten ihre eigene Wirksamkeit. Ihr komme es darauf an, &#8220;sowjetisch&#8221; nicht mit &#8220;russisch&#8221; gleichzusetzen, denn die Sowjetunion sei &#8220;ein multinationales politisches Ph\u00e4nomen&#8221; gewesen, ebenso auch ihre k\u00fcnstlerische Produktion. &#8220;Dekolonialisierung&#8221; m\u00fcsse folglich &#8220;Wiederaneignung&#8221; des Erbes hei\u00dfen.<\/p>\n<p>Moljar ging auch (ab 23:22) auf einen aus ihrer Sicht vorbildlichen k\u00fcnstlerischen Umgang mit den sowjetischen Monumenten ein. Als m\u00f6gliche Herangehensweise an die sowjetischen Denkm\u00e4ler nannte sie unter anderem Sexualisierung und Ironisierung (ab 30:28). Humor und Ironie seien sehr wirksame Mittel, um etwas zu entheiligen und neu zu konstruieren. Moljar erw\u00e4hnte zum einen die K\u00fcnstlergruppe L&#8217;Urine Rouge, die einem Gedenk-Obelisken im Jahr 2022 ein riesiges Kondom \u00fcbergezogen hatte. Ein beigef\u00fcgter Text der K\u00fcnstler brachte das Weltkriegsgedenken am 8. und 9.\u00a0Mai mit sexueller Gewalt in Verbindung: An jenen Tagen w\u00fcrden Vergewaltiger geehrt.<\/p>\n<p>Die Fotografien der K\u00fcnstlergruppe <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/ero_heroes\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ero Heroes<\/a> seien ebenfalls richtungsweisend. Sie zeigten sexualisierte Bilder von sowjetischen Mahnmalen. Hier (31:42) pr\u00e4sentierte Moljar das Foto einer leicht bekleideten Frau, die sich lasziv auf dem Scho\u00df eines bronzenen Soldaten <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/CFnCAMIHT8P\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">r\u00e4kelte<\/a>. Gegen Stunde\u00a01 kam sie dann konkret auf die Berliner Denkm\u00e4ler zu sprechen und erw\u00e4hnte lobend das Projekt eines Venezolaners, der das Denkmal im Tiergarten mit Sands\u00e4cken hatte umh\u00fcllen wollen. Leider habe die Stadt Berlin den Vorschlag abgelehnt.<\/p>\n<p>Auch Malych (ab 33:57) lehnte die Verw\u00fcstungen am Bestand der sowjetischen Relikte aufgrund der Dekommunisierung ab. Als diesj\u00e4hrige Co-Kuratorin des ukrainischen Pavillons der 61.\u00a0Biennale in Venedig ging sie vor allem auf das von ihr betreute Kunstprojekt &#8220;Security Guarantees&#8221; mit dem\u00a0&#8220;Origami Deer&#8221; aus Pokrowsk ein (<em>RT\u00a0DE<\/em>\u00a0<a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/meinung\/274446-roehrende-hirsch-von-pokrowsk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">berichtete<\/a>).<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge der ukrainischen Diskutantinnen litten unter einem vehementen inneren Widerspruch, den eine Zuh\u00f6rerin (offenbar selbst Ukrainerin) hervorhob (ab 1:11:20): &#8220;Einerseits haben wir dieses sowjetische Erbe, aber wir wollen es nicht vollst\u00e4ndig annehmen. Wir wollen uns Teile davon aussuchen und f\u00fcr manche Dinge verantwortlich sein, f\u00fcr andere aber nicht.&#8221; Tats\u00e4chlich legte die ukrainische Zuh\u00f6rerin den Finger in die Wunde. Wenn man die Autorenschaft (vermeintlich!) ukrainischer K\u00fcnstler an den Mahnmalen betont und die Gr\u00e4ber der gefallenen Rotarmisten nationalisieren will, kann man nicht andererseits von einer angeblich notwendigen Dekolonialisierung mit der Ukraine als hilflosem Opfer des russischen Kolonialherren sprechen. Aber Logik ist leider nicht vonn\u00f6ten, wenn der Russenhass zur Tat schreiten will.<\/p>\n<p>Moljar (ab 1:34:12) kamen schlie\u00dflich selbst Zweifel am ukrainischen Narrativ: Die Zerst\u00f6rung der sowjetischen Kriegsdenkm\u00e4ler in der Ukraine sei ziemlich brutal sowie vandalistisch verlaufen und habe unter dem Motto &#8220;Raus mit den russischen Soldaten aus der Ukraine&#8221; gestanden. Die Vandalen h\u00e4tten also die toten Rotarmisten als &#8220;russische Soldaten&#8221; bezeichnet, &#8220;obwohl auf jedem Denkmal die Namen der Einheimischen standen, die im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen waren&#8221;, &#8220;Ukrainer, die in diesen D\u00f6rfern lebten&#8221; und deren Angeh\u00f6rige immer noch dort lebten. Dennoch seien diese Denkm\u00e4ler zerst\u00f6rt worden. Sie empfinde das als gro\u00dfen Widerspruch der ukrainischen Dekommunisierung.<\/p>\n<p>Weitaus radikaler als die ukrainischen Diskutantinnen wollte \u00fcbrigens die Berliner Zuh\u00f6rerschaft mit den sowjetischen Ehrenmalen in Deutschland verfahren. Das erkl\u00e4rt sich aus dem Umstand, dass die auch die betreuten K\u00fcnstler sich gewisserma\u00dfen von der Existenz der sowjetischen Kunstwerke n\u00e4hren. Ist ein sowjetisches Ehrenmal erst einmal geschleift, l\u00e4sst sich an ihm auch kein Kunstprojekt mehr ausf\u00fchren. Damit w\u00e4ren nat\u00fcrlich auch F\u00f6rdergelder pass\u00e9.<\/p>\n<p>Von solchen beruflichen Bedenken ist das deutsche Publikum weitgehend befreit. Dessen zumeist radikale \u00c4u\u00dferungen wurden durchweg mit Applaus belohnt. Diese emotionalen Ausbr\u00fcche waren jedenfalls viel besser geeignet, eine Aussage \u00fcber den geistlichen Zustand im russophoben politischen Vorfeld der Bundesrepublik zu treffen, als nebul\u00f6s formulierte akademische Vorschl\u00e4ge von Kunstfunktion\u00e4rinnen.<\/p>\n<p>Eine Zuh\u00f6rerin (ab 1:06:40), offenbar aus dem Raum Frankfurt\/Oder, beklagte, dass sich die Diskussion nur um die Denkm\u00e4ler in Berlin drehe: &#8220;Aber wenn man sich einfach mal in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern umschaut, sieht es aus, als g\u00e4be es \u00fcberall sowjetische Friedh\u00f6fe, vor allem hier in Brandenburg.&#8221; Bei ihr in Brandenburg gebe es\u00a0&#8220;ein riesiges sowjetisches Denkmal&#8221;\u00a0\u2013 &#8220;geradezu l\u00e4cherlich gro\u00df&#8221;. Offenbar empfindet es die Zuh\u00f6rerin als russische Unverfrorenheit, dass 1945 bei der Niederringung des Nationalsozialismus so viele Rotarmisten gefallen sind und ihre Gr\u00e4ber zuhauf in ihrer brandenburgischen Heimatregion liegen.<\/p>\n<p>Es st\u00f6re sie, dass der russische Botschafter &#8220;jetzt immer nach Brandenburg f\u00e4hrt oder letztes Jahr nach Torgau&#8221;. Dabei stehe doch selbst auf einem DDR-Denkmal, dass es damals die ukrainische Sowjetarmee gewesen sei\u00a0\u2013 gemeint hat sie wohl die Tatsache, dass der Vorsto\u00df auf Berlin mit Soldaten der Ukrainischen Front der Roten Armee durchgef\u00fchrt wurde, was nur einen geografischen Bezug darstellt: Sie selbst sei in Seelow zugegen gewesen, und es sei &#8220;einfach l\u00e4cherlich&#8221; gewesen, was dort abgelaufen sei. Wie solle blo\u00df man damit umgehen? Man sollte ihrer Meinung nach\u00a0&#8220;in jede kleine Stadt fahren&#8221; und &#8220;etwas mit diesen Denkm\u00e4lern oder diesen Friedh\u00f6fen machen&#8221;.<\/p>\n<p>Eine 55-j\u00e4hrige Berlinerin und Memorial-Mitarbeiterin ergriff ebenfalls das Wort (ab 1:21:55) und forderte, endlich zur Tat zu schreiten. Sie selbst sei in Ostberlin geboren und habe ihre ersten zwanzig Lebensjahre hinter der Mauer gewisserma\u00dfen in einem \u00f6ffentlichen K\u00e4fig verbracht. Die Deutschen sollten nicht immer jammern: &#8220;Wir k\u00f6nnen nichts tun wegen der Vier-plus-zwei-Verhandlungen!&#8221; Nach dem Vorbild der Friedensnobelpreistr\u00e4gerin Alexandra Matwejtschuk bei ihrem Cafe-Kyiv-<a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fnO6bvCPeyw&amp;t=3s\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vortrag<\/a> fordere sie mehr &#8220;intellektuellen Mut&#8221;. Gerade die junge Generation solle sich nicht wegen der Zwei-plus-Vier-Vertr\u00e4ge die H\u00e4nde binden lassen. Es \u00e4rgere sie, wenn ihr Verein Memorial als &#8220;sowjetisch&#8221; bezeichnet werde: &#8220;Nein, wir sind Deutsche, und wir haben auch gelitten.&#8221;<\/p>\n<p>Ein Mann namens Marek (ab 1:26:19) setzte sogar die sowjetischen Mahnmale mit nationalsozialistischen Symbolen gleich: Man solle doch bez\u00fcglich der Sowjet-Relikte die deutschen Experten fragen, &#8220;wie sie mit den Symbolen ihres eigenen totalit\u00e4ren Systems umgegangen&#8221; seien. Er glaube nicht, dass es noch Nazi-Symbole auf den Gr\u00e4bern deutscher Soldaten gebe. Vielleicht k\u00f6nne man also &#8220;die anderen totalit\u00e4ren Symbole von den Gr\u00e4bern anderer Soldaten entfernen&#8221;.<\/p>\n<p>Deutlich wurde an der Pilecki-Veranstaltung: Es gibt einen radikalen Teil innerhalb der deutschen Gesellschaft, der die sowjetischen Mahnmale endg\u00fcltig loshaben will und dabei ist, die Geduld zu verlieren. Die Frage ist nur, ob die deutschen Beh\u00f6rden bereit sind, offen gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag zu versto\u00dfen. Letztendlich droht aber auch Gefahr von radikalisierten Einzelt\u00e4tern. Es ist vielleicht kein Zufall, dass k\u00fcrzlich eine Biografie \u00fcber den &#8220;Panzersprenger von Karl-Marx-Stadt&#8221;\u00a0<a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/reel\/4140942146051180\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">erschienen ist<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Entweihung der Denkm\u00e4ler ist ein Vorzeichen des Krieges<\/strong><\/p>\n<p>Was geschichtsrevisionistische Wut zur Folge haben kann, l\u00e4sst sich am Beispiel der Ukraine, Polens und des Baltikums sehen. Das eine Land hat sich schon in ein Kriegsgebiet verwandelt. Die barbarische Zerst\u00f6rung des Lenin-Denkmals in Kiew Ende\u00a02013 \u00f6ffnete die Pforten f\u00fcr weitere Gewalt und ebnete den Weg zum blutigen Staatsstreich und B\u00fcrgerkrieg im Osten der Ukraine. In den Folgejahren wurden Tausende weitere Denkm\u00e4ler zerst\u00f6rt und Gedenkorte gesch\u00e4ndet. Nun ist die Ukraine eine Erinnerungsw\u00fcste\u00a0\u2013 und\u00a0eine Landschaft des Krieges. Auch Polen und das Baltikum verwandeln sich aus einer Zone des Erinnerungskrieges in das Gebiet eines m\u00f6glichen kinetischen Konflikts.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Deutschland ist die vorgeschlagene &#8220;Umwidmung&#8221; alles andere als harmlos. Sollten die Ehrenmale als schweigende Zeugen der Zeit einmal ihres Kontextes und ihrer uspr\u00fcnglichen Bedeutung beraubt werden, gibt es ab diesem Moment kein Zur\u00fcck mehr. Eine einzige vermeintliche &#8220;Kunstaktion&#8221;, die ein Ehrenmal entweiht, kann zum Einfallstor f\u00fcr Manipulationen jeglicher Art und darauffolgende Verwahrlosung werden, die dann zum Grund f\u00fcr den Abriss &#8220;aus Sicherheitsgr\u00fcnden&#8221; wird.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem bergen diese Versuche ein zus\u00e4tzliches Spaltungspotenzial f\u00fcr die deutsche Gesellschaft. Denn die Ehrenmale werden von vielen Deutschen und Gleichgesinnten aus Russland und anderen GUS-Staaten, \u00fcbrigens auch aus der Ukraine, selbstverst\u00e4ndlich vor Angriffen gesch\u00fctzt. So wird deutscher Boden zum Feld eines k\u00fcnstlich geschaffenen Kulturkampfes. Und die Tatsache, dass das offizielle Berlin an der Kriegserinnerung r\u00fcttelt, wird in Russland nur als das interpretiert, was es am wahrscheinlichsten ist, n\u00e4mlich als neonazistisch inspiriertes (die &#8220;Vorschl\u00e4ge&#8221; kommen schlie\u00dflich aus der banderistischen Ukraine) revanchistisches Treiben. Dass das einen weiteren Krieg nicht verhindert, sondern herbeiruft, liegt wohl auf der Hand.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013 <a rel=\"nofollow\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freedert.online\/meinung\/272072-mit-wolfsangel-und-totenkopf-was-was-machte-azow-frauenkirche\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mit Wolfsangel und Totenkopf: Was machte Asow in der Frauenkirche?<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v751td2\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><script async defer src=\"https:\/\/platform.instagram.com\/en_US\/embeds.js\"><\/script><br \/>\n<br \/><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/inland\/274564-von-entweihung-bis-abriss-konferenz-diskutiert-umwidmung-sowjetischer-ehrenmale\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Umwandlung der Berliner sowjetischen Gedenkst\u00e4tten ist weiterhin ein Hauptanliegen polnischer und ukrainischer Kulturfunktion\u00e4re. 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