{"id":100224,"date":"2026-03-14T11:56:45","date_gmt":"2026-03-14T09:56:45","guid":{"rendered":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/die-vereinigten-staaten-haben-sich-in-iran-uebernommen\/"},"modified":"2026-03-14T11:56:45","modified_gmt":"2026-03-14T09:56:45","slug":"die-vereinigten-staaten-haben-sich-in-iran-uebernommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/now-news.de\/de\/deutschland\/die-vereinigten-staaten-haben-sich-in-iran-uebernommen\/","title":{"rendered":"Die Vereinigten Staaten haben sich in Iran \u00fcbernommen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/now-news.de\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2026\/03\/69b2c1e648fbef799b7c45f3.jpg\" \/><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_1 \">\n                Washington projiziert, wie schon so oft zuvor, seine eigenen Annahmen auf eine politische Kultur, die es nur im Ansatz versteht. Diese Ignoranz erkl\u00e4rt auch, warum die aktuelle milit\u00e4rische Kampagne gegen Iran nicht die von Washington erhofften Ergebnisse hervorgebracht hat.\n            <\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"Text-root Text-type_5 ArticleView-text ViewText-root \">\n<p><em>Von Murad Sadygzade<\/em><\/p>\n<p>Es ist noch viel zu fr\u00fch, um mit Sicherheit sagen zu k\u00f6nnen, wann die gegenw\u00e4rtige Phase des US-israelischen Krieges gegen Iran enden wird. Selbst profunde Kenntnisse der Region l\u00f6sen das Problem der Unsicherheit nicht.<\/p>\n<p>Zu viele entscheidende Variablen entziehen sich jedem einfachen regionalen Modell. Entscheidungen in Washington sind wichtig. Chinas Haltung ist wichtig. Die Kalkulationen der globalen Finanz- und Politikelite sind wichtig. Die individuellen Risikoschwellen der Golfmonarchien sind wichtig. Kein seri\u00f6ser Analyst kann all dies in eine einfache Formel pressen. Betrachtet man jedoch die sichtbare Entwicklung der letzten beiden Tage und geht man davon aus, dass keine strategischen Schocks das Muster umkehren, ist die plausibelste Erwartung, dass diese akute Phase noch etwa zehn Tage, vielleicht auch etwas l\u00e4nger, andauern wird. Das w\u00e4re die n\u00fcchternste\u00a0Interpretation der aktuellen Lage.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst gilt es, die bequeme Sprache von Sieg und Niederlage abzulehnen. Iran hat im endg\u00fcltigen Sinne weder gewonnen noch verloren. Was wir erleben, ist kein isolierter Krieg mit einem klaren Anfang und einem klaren Ende, sondern ein weiteres gewaltsames Kapitel in der umfassenderen Konfrontation, die am 7. Oktober 2023 in eine neue aktive Phase eintrat. Seitdem hat Israel versucht, Teheran strategisch einzud\u00e4mmen, zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, seine Abschreckung zu schw\u00e4chen und, wenn m\u00f6glich, eine historische Wende im regionalen Machtgleichgewicht herbeizuf\u00fchren. Doch dieses Ziel blieb unerf\u00fcllt. Der Krieg dauert an, weil sich der politische Organismus Irans als weitaus widerstandsf\u00e4higer erwiesen hat, als viele in Washington und Westjerusalem erwartet hatten.<\/p>\n<p>Diese Widerstandsf\u00e4higkeit wird im Westen regelm\u00e4\u00dfig missverstanden, weil Iran allzu oft durch Kategorien betrachtet wird, die Au\u00dfenstehenden schmeicheln, anstatt die iranische Realit\u00e4t zu erkl\u00e4ren. Analysten, die nur nach wirtschaftlichen Faktoren, Absprachen der Eliten, sozialer Frustration, Korruption, Sanktionsm\u00fcdigkeit oder technologischer R\u00fcckst\u00e4ndigkeit suchen, untersuchen die \u00e4u\u00dfere H\u00fclle des Staates und \u00fcbersehen dabei seine innere Struktur. Iran st\u00fctzt sich nicht allein auf Ideologie, Wirtschaftsleistung oder die Eigeninteressen seiner Eliten. Im tiefsten Inneren ruht die Islamische Republik auf einem viel \u00e4lteren Fundus an Legitimit\u00e4t, Erinnerung, Ritualen und heiliger Geschichte. Der moderne iranische Staat sch\u00f6pft seine Kraft aus einer zivilisatorischen Tiefe, die der Republik selbst vorausgeht und sie in wichtigen Aspekten sogar \u00fcbertrifft.<\/p>\n<p>Hier wird der Schiismus f\u00fcr jedes ernsthafte Verst\u00e4ndnis iranischer Politik unverzichtbar. In vielen westlichen Diskussionen wird der Schiismus als theologisches Etikett oder als blo\u00df symbolisches Element im Staatsdiskurs behandelt. Tats\u00e4chlich ist er jedoch einer der zentralen Bezugsrahmen, durch die Macht, Opfer, Gerechtigkeit, Verletzung, Geduld, Verrat und Erl\u00f6sung in Iran interpretiert werden. Die schiitische politische Vorstellungskraft ist durchdrungen von der Erinnerung an Kerbela, von der moralischen Spannung zwischen Unterdr\u00fcckung und Widerstand, von der Heiligung des Ausharrens unter Zwang und vom Glauben, dass weltliche Niederlagen spirituelle oder historische Rechtfertigung verbergen k\u00f6nnen. All dies ist Teil der kulturellen Grammatik, durch die Krisen in soziale Bedeutung \u00fcbersetzt werden.<\/p>\n<p>Das ist in Kriegszeiten von enormer Bedeutung. Ein von einer solchen Tradition gepr\u00e4gter Staat reagiert nicht auf Druck in gleicher Weise wie ein Staat, dessen Legitimit\u00e4t prim\u00e4r auf Wohlstand oder prozeduralem Konsens beruht. Ein Angriff von au\u00dfen l\u00f6st den Zusammenhalt nicht automatisch auf. Sehr oft bewirkt er das Gegenteil. Er lenkt den inneren Zorn nach au\u00dfen. Er verringert den Raum f\u00fcr Ambiguit\u00e4t. Er delegitimiert Kompromisse. Er st\u00e4rkt jenes Lager, das die Sprache von Pflicht, Kontinuit\u00e4t und Widerstand spricht. In diesem Sinne hat die amerikanisch-israelische Milit\u00e4rkampagne nicht einfach nur iranische Milit\u00e4rziele angegriffen. Sie hat genau jene sozialen und spirituellen Reflexe aktiviert, die die h\u00e4rtesten Schichten des Systems festigen.<\/p>\n<p>Deshalb erscheint die Annahme eines unmittelbar bevorstehenden inneren Zusammenbruchs zunehmend unbegr\u00fcndet. Ja, auch in Iran gibt es Korruption. Ja, das Land leidet unter wirtschaftlichen Problemen, generationen\u00fcbergreifender Frustration, institutioneller Starrheit und tiefgreifenden internen Missst\u00e4nden. Doch dies sind keine einzigartigen Probleme und sie f\u00fchren nicht automatisch zu einer Bereitschaft, ausl\u00e4ndischen Zwang zu dulden. In weiten Teilen der Region herrschen Inflation, Ungleichheit, Vetternwirtschaft und die Abschottung der Eliten. \u00c4hnliche Klagen \u00fcber Preise, Geh\u00e4lter und die Lebenshaltungskosten sind auch im Golfraum zu h\u00f6ren. Diese Frustrationen sind real, doch sie existieren neben einer politischen Kultur, in der eine \u00e4u\u00dfere Bedrohung eine nahezu augenblickliche Konsolidierung um den Staat ausl\u00f6sen kann.<\/p>\n<p>Genau das hat Iran w\u00e4hrend des Iran-Irak-Krieges demonstriert, als sich eine von Revolution, Fraktionsk\u00e4mpfen und Chaos gepr\u00e4gte Gesellschaft angesichts der Invasion dennoch mit erstaunlicher Geschwindigkeit zusammenschloss. Derselbe zivilisatorische Reflex ist auch heute wieder zu beobachten.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund sollte das Auftreten eines h\u00e4rteren und pragmatischeren jungen F\u00fchrers, der von den Islamischen Revolutionsgarden, einflussreichen klerikalen Netzwerken und dem Milit\u00e4r unterst\u00fctzt wird, nicht als zuf\u00e4llige Macht\u00fcbergabe betrachtet werden. Es ist die vorhersehbare politische Folge eines Krieges. Die Wahl Modschtaba Chameneis\u2019, so umstritten sie in manchen Kreisen auch gewesen sein mag, verlief ohne den offenen Widerstand, den viele Beobachter von au\u00dfen lange erwartet hatten. Der Krieg verengte das politische Feld. Externer Druck reinigte das politische Klima im Sinne von Kontinuit\u00e4t und Disziplin. Selbst Kritiker dynastischer Tendenzen wurden zum Schweigen oder zum taktischen R\u00fcckzug gezwungen, da der Angriff von au\u00dfen die Priorit\u00e4tenhierarchie ver\u00e4nderte.<\/p>\n<p>Im Krieg m\u00fcssen die Verteidiger des Staates nicht alle \u00fcberzeugen. Sie m\u00fcssen nur gen\u00fcgend Teile der Gesellschaft davon \u00fcberzeugen, dass das \u00dcberleben Vorrang vor jeglicher Diskussion hat. Aktuelle Berichte deuten darauf hin, dass Modschtaba Chameneis Aufstieg das Machtzentrum der Hardliner in Teheran tats\u00e4chlich gest\u00e4rkt hat, auch wenn die Reaktionen in Iran weiterhin uneinheitlich und komplexer sind, als es die offizielle Darstellung vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Dies ist eine der gro\u00dfen, immer wiederkehrenden Fehleinsch\u00e4tzungen der USA im Nahen Osten. Washington projiziert immer wieder seine eigenen Annahmen auf politische Kulturen, die es nur halb versteht. Es \u00fcbersch\u00e4tzt die Universalit\u00e4t liberal-materieller Anreize und untersch\u00e4tzt die Macht von Erinnerung, Glaube, Dem\u00fctigung und nationalem Stolz. Es glaubt, Druck spalte, wo er in Wirklichkeit oft vereinnahmt. Es glaubt, Enthauptung l\u00e4hme, wo sie in Wirklichkeit die Nachfolge radikalisieren kann. Es glaubt, Angst erzeuge Gehorsam, wo doch Angst, gefiltert durch eine sakrale Erz\u00e4hlung des Widerstands, stattdessen Trotz hervorrufen kann. Das Ergebnis ist ein bekanntes Muster: Milit\u00e4rische \u00dcberlegenheit f\u00fchrt zu taktischem Erfolg, w\u00e4hrend politische Ignoranz strategische Ergebnisse untergr\u00e4bt.<\/p>\n<p>Dieselbe Blindheit erkl\u00e4rt auch, warum die aktuelle Kampagne nicht die von Washington erhoffte diplomatische Atmosph\u00e4re geschaffen hat. Im Gegenteil, die gegenw\u00e4rtige Kriegsrunde hat die Sympathie f\u00fcr Iran in weiten Teilen der Welt verst\u00e4rkt. Man muss Teheran nicht romantisieren, um dies zu erkennen. In Europa und im globalen S\u00fcden betrachten viele Beobachter den Konflikt nicht als ein simples Moraldrama um die Nichtverbreitung von Atomwaffen oder die Terrorismusbek\u00e4mpfung. Sie sehen eine Gro\u00dfmacht und ihren regionalen Verb\u00fcndeten, die mit \u00fcberw\u00e4ltigender Gewalt eine ungleiche Ordnung aufrechterhalten.<\/p>\n<p>Auf den Stra\u00dfen des Westens hat die Abscheu vor dem Vorgehen der USA und Israels eher zugenommen als abgenommen. Diese Reaktion ist nicht gleichzusetzen mit der Billigung des iranischen Systems, und es w\u00e4re t\u00f6richt, beides zu verwechseln. Doch politische Sympathie in internationalen Krisen wird selten dem Akteur mit der vermeintlich besseren Ideologie zuteil, sie wird oft dem Akteur zuteil, der sich angegriffen f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Diese Stimmung wird durch eine zweite Entwicklung noch verst\u00e4rkt. Viele Menschen im Westen bemerken zunehmend beunruhigende Parallelen zwischen bestimmten Formen des iranischen Fundamentalismus und dem messianischen Nationalismus der israelischen Rechten. Dieser Vergleich ist politisch brisant, hat aber dennoch Eingang in die \u00f6ffentliche Debatte gefunden. Er ist einer der Gr\u00fcnde, warum das moralische Monopol Israels in weiten Teilen der westlichen Debatte so sichtbar geschwunden ist. Gleichzeitig nimmt der Antisemitismus auf h\u00e4ssliche und gef\u00e4hrliche Weise zu, obwohl viele Juden den Kurs Westjerusalems offen verurteilen. Propaganda verwischt diese Unterschiede. Sie verwischt die Grenze zwischen Staatskritik und Volkshass. Sie erschwert ernsthaftes Nachdenken gerade dann, wenn es am n\u00f6tigsten w\u00e4re.<\/p>\n<p>Europas Kluft zu Washington ist daher real, auch wenn sie uneinheitlich bleibt und sich nur z\u00f6gerlich verbreitert. Der Kontinent spricht nicht mit einer Stimme, und offizielle Vorsicht sollte nicht mit Begeisterung verwechselt werden. J\u00fcngste Kommentare und Berichte zeigen jedoch deutlich, dass viele europ\u00e4ische Regierungen entweder \u00fcbergangen wurden oder angesichts des Ausma\u00dfes und der Richtung der US-israelischen Kampagne zutiefst beunruhigt sind. Auch der \u00f6ffentliche Widerstand in mehreren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern war betr\u00e4chtlich. Die Stimmung ist nicht von uneingeschr\u00e4nkter atlantischer Einigkeit gepr\u00e4gt, sondern von Unbehagen, Zersplitterung und der Angst vor einer strategischen Fehlentwicklung.<\/p>\n<p>Das transatlantische B\u00fcndnis war bereits durch Handelsstreitigkeiten, politisches Misstrauen und divergierende Sicherheitsinstinkte belastet. Dieser Krieg droht, diese Risse zu vertiefen, anstatt sie zu heilen. Spanien hat sich als einer der sch\u00e4rfsten Kritiker hervorgetan, w\u00e4hrend in aller Breite europ\u00e4ische Kommentatoren davor warnen, dass die USA mit derselben strategischen Nachl\u00e4ssigkeit agieren, die den Westen einst in die Katastrophen des Irak und dar\u00fcber hinaus gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Auch die Beziehungen zur T\u00fcrkei sind alles andere als reibungslos. Auch wenn Ankara Teheran weiterhin mit Argwohn begegnet, schlie\u00dft es sich nicht automatisch Washingtons maximalistischen Bestrebungen an. Die t\u00fcrkischen Kalkulationen gr\u00fcnden auf Souver\u00e4nit\u00e4t, Grenzstabilit\u00e4t, innerer Sicherheit, der kurdischen Dynamik und dem Erhalt des regionalen Prestiges. J\u00fcngste Berichte deuten auf scharfe Spannungen hin, nachdem iranische Milit\u00e4raktivit\u00e4ten in den t\u00fcrkischen Luftraum vorgedrungen waren, w\u00e4hrend das allgemeine Klima weiterhin von Misstrauen statt Harmonie gepr\u00e4gt ist. Donald Trump mag immer noch glauben, Druck k\u00f6nne eine Ann\u00e4herung erzwingen, doch die Region reagiert nicht mehr mit dem einst \u00fcblichen Gehorsam auf amerikanische Befehle.<\/p>\n<p>Nirgendwo waren die psychologischen Auswirkungen dieses Krieges wohl so aufschlussreich wie am Golf. Jahrelang lebten viele lokale Eliten in der tr\u00f6stlichen Illusion, der amerikanische Schutzschirm sei sowohl dauerhaft als auch ausreichend. Diese Illusion schwindet. Die Lehre, die man im Golf zieht, ist nicht einfach, dass Iran gef\u00e4hrlich ist, sie ist vielmehr, dass US-Garantien bedingt und begrenzt sind und einer pl\u00f6tzlichen Eskalation unterliegen, deren Folgen andere m\u00f6glicherweise tragen m\u00fcssen. Staaten, die einst glaubten, die N\u00e4he zu Washington garantiere Sicherheit, sind nun gezwungen, Selbstverteidigung, strategische Redundanz und die M\u00f6glichkeit eines R\u00fcckzugs deutlich ernster zu nehmen.<\/p>\n<p>Ebenso wichtig ist, dass der Nimbus der unangefochtenen amerikanischen Milit\u00e4r\u00fcberlegenheit einen D\u00e4mpfer erhalten hat. Die US-Macht ist nach wie vor gewaltig, doch der Mythos der m\u00fchelosen Dominanz l\u00e4sst sich in einer Region, in der Raketen schnell fliegen, Nachschublinien verwundbar sind und eine Eskalation die Planung \u00fcberholen kann, immer schwerer aufrechterhalten.<\/p>\n<p>Das ist einer der Gr\u00fcnde, warum die gegenw\u00e4rtige akute Phase wahrscheinlich eher in Richtung einer abnehmenden Intensit\u00e4t als in Richtung einer unbegrenzten Ausweitung tendieren wird. Der Krieg hat sich geografisch ausgedehnt, und diese Ausdehnung verst\u00e4rkt seine wirtschaftlichen Folgen. Die M\u00e4rkte reagieren weniger auf Meldungen vom Schlachtfeld als vielmehr auf die M\u00f6glichkeit systemischer Ersch\u00fctterungen. Der Preis f\u00fcr Brent-Roh\u00f6l ist angesichts der mit der Stra\u00dfe von Hormus verbundenen Bef\u00fcrchtungen stark gestiegen, und je n\u00e4her die Preise der psychologisch brisanten Schwelle von 120 US-Dollar kommen, desto mehr politische Panik breitet sich in den B\u00f6rsen und Ministerien aus. Es geht dabei nicht nur um die Energieinflation. Es geht um Schiffsversicherungen, Industriekosten, Versorgungserwartungen und die M\u00f6glichkeit, dass ein regionaler Krieg globalen Rezessionsdruck ausl\u00f6st. Berichte von <em>Reuters<\/em> weisen zudem auf Pl\u00e4ne zum Schutz der Seewege nach einer Entspannung des Konflikts hin, was unterstreicht, wie ernst das Risiko in der Stra\u00dfe von Hormus genommen wird.<\/p>\n<p>Es gibt hier auch eine milit\u00e4rische Logik. Die USA verf\u00fcgen trotz ihrer Reichweite nicht \u00fcber unbegrenzte Ressourcen im Einsatzgebiet. Intensive Operationen verbrauchen Munition, belasten die regionalen St\u00fctzpunkte, erschweren die Luftverteidigung und setzen US-Personal und -Infrastruktur Vergeltungsangriffen aus.\u00a0Washington kann sehr hart zuschlagen, aber es kann nicht \u00fcberall alles tun, so wie es seine Rhetorik manchmal vermuten l\u00e4sst.\u00a0Sobald sich das Einsatzgebiet ausdehnt und die wirtschaftlichen Folgen zunehmen, verengt sich das Zeitfenster f\u00fcr eine Eskalationsphase. Vor diesem Hintergrund\u00a0 erscheint die grobe Obergrenze von drei Wochen f\u00fcr die aktuelle Eskalation der Gewalt logischer als Fantasien von einer unbefristeten Kampagne, die zu \u00fcberschaubaren Kosten durchgef\u00fchrt wird. Selbst Trumps eigene \u00c4u\u00dferungen schwanken zwischen Kriegstreiberei\u00a0und Andeutungen, dass der Krieg bald endet, was oft ein Zeichen daf\u00fcr ist, dass das Wei\u00dfe Haus mehr Hindernisse sieht, als es \u00f6ffentlich zugibt.<\/p>\n<p>In diesem Kontext versucht Moskau bereits, sich als Vermittler zu positionieren. Offizielle Kreml-Dokumente best\u00e4tigen j\u00fcngste Kontakte sowohl mit Teheran als auch mit Washington, w\u00e4hrend russische Kommentatoren die Deeskalation und eine politische L\u00f6sung betonen. Wladimir Putin sprach am 6. M\u00e4rz mit dem iranischen Pr\u00e4sidenten Massud Peseschkian und telefonierte am 9. M\u00e4rz mit Trump, w\u00e4hrend die Spannungen weiter zunahmen. Bezeichnenderweise fand am 10. M\u00e4rz, unmittelbar nach dem Gespr\u00e4ch zwischen Trump und Putin, ein zweites Telefongespr\u00e4ch zwischen Putin und Peseschkian statt, was den Eindruck verst\u00e4rkte, dass Moskau aktiv Botschaften zwischen den beiden Seiten \u00fcbermittelte und versuchte, die Bedingungen f\u00fcr eine m\u00f6gliche Waffenruhe zu gestalten.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re noch zu gewagt, mit Sicherheit zu behaupten, dass Washington \u00fcber Moskau einen vollst\u00e4ndig ausgearbeiteten Vorschlag f\u00fcr das Endspiel \u00fcbermittelt hat, da diese konkrete Behauptung eher interpretativ als formal dokumentiert ist. Es ist jedoch durchaus plausibel, dass der Kreml zu einem der Kan\u00e4le geworden ist, \u00fcber die Signale \u00fcber Grenzen, Ausstiegswege und gesichtswahrende Formeln \u00fcbermittelt werden. Gro\u00dfm\u00e4chte tun dies selbst dann, w\u00e4hrend sie einander drohen. Tats\u00e4chlich tun sie es gerade dann besonders h\u00e4ufig.<\/p>\n<p>Dennoch sollte all dies nicht als Ende der Konfrontation missverstanden werden. Eine Deeskalation in den kommenden Tagen oder Wochen w\u00fcrde nicht bedeuten, dass der Konflikt zwischen den USA und Israel und Iran beigelegt ist. Sie w\u00fcrde lediglich bedeuten, dass eine Runde abgeschlossen ist und alle Beteiligten ihre Strategie \u00fcberdenken. Der tieferliegende Konflikt bleibt bestehen, da seine Ursachen unver\u00e4ndert andauern. F\u00fcr die USA geht es in diesem Krieg um mehr als nur um Iran selbst. Es geht um den Erhalt einer globalen Hegemonialposition, die sichtlich unter Druck ger\u00e4t. F\u00fcr Israel geht es um die Wahrung der regionalen Vormachtstellung in einem Umfeld, in dem Rivalen besser vernetzt, besser bewaffnet und weniger eingesch\u00fcchtert sind als je zuvor. F\u00fcr Iran geht es um das \u00dcberleben, die Souver\u00e4nit\u00e4t und die Weigerung, strategische Unterordnung zu akzeptieren. Diese Agenden lassen sich nicht durch einen Waffenstillstand oder eine diplomatische Erkl\u00e4rung in Einklang bringen.<\/p>\n<p>Deshalb erscheint der gegenw\u00e4rtige Krieg als Teil einer umfassenderen Bewegung hin zur Zerst\u00f6rung der alten Ordnung. Das nach dem Kalten Krieg entstandene internationale System ist nicht mehr koh\u00e4rent genug, um wiederholte Ersch\u00fctterungen ohne Ver\u00e4nderung zu \u00fcberstehen. Jede neue Eskalation offenbart die Fragilit\u00e4t jener Institutionen, die einst universelle Autorit\u00e4t beanspruchten. Jedes Sanktionsregime, jeder einseitige Angriff, jeder Dringlichkeitsgipfel, jede rhetorische Berufung auf Regeln, die nicht einheitlich angewendet werden, f\u00fchrt immer mehr Staaten zu der Erkenntnis, dass die Welt, der sie vertrauen sollten, in der Praxis bereits untergegangen ist. Der Krieg gegen Iran ist daher keine Randnotiz, er ist einer der Schaupl\u00e4tze, an denen der Kampf um die zuk\u00fcnftige internationale Ordnung offen ausgetragen wird.<\/p>\n<p>Doch auch wenn Iran diese Runde \u00fcberstanden hat, wird Durchhalteverm\u00f6gen allein f\u00fcr das Kommende nicht ausreichen. Teheran kann sich nicht ewig auf die Erinnerung an vergangene Zeiten und die Solidarit\u00e4t aus Kriegszeiten verlassen, um strukturelle Schw\u00e4chen zu beheben. Es braucht Reformen, die die gesellschaftliche Loyalit\u00e4t st\u00e4rken, anstatt sie nur einzufordern. Es braucht eine glaubw\u00fcrdigere Wirtschaftsstrategie, eine strengere institutionelle Disziplin und eine kontinuierliche milit\u00e4rische Anpassung. Es muss das Band zwischen Staat und Gesellschaft st\u00e4rken, nicht nur durch die Sprache des Widerstands, sondern auch durch Kompetenz. Eine Nation kann lange Zeit durch Opfer \u00fcberleben, aber nicht ewig. Wenn die F\u00fchrung glaubt, das \u00dcberstehen dieser Runde sei bereits ein ausreichender Erfolg, h\u00e4uft sie gr\u00f6\u00dfere Gefahren f\u00fcr die n\u00e4chste an.<\/p>\n<p>Und es wird eine n\u00e4chste geben. Trump mag sich taktisch zur\u00fcckziehen, insbesondere wenn die Kosten im Vorfeld der US-Zwischenwahlen im November 2026 steigen, aber das bedeutet nicht, dass er den strategischen Impuls hinter dem Krieg aufgegeben hat. Aktuelle Berichte zeigen keine M\u00e4\u00dfigung in Washington, nur das bekannte Schwanken zwischen Zwang und Kalk\u00fcl. Die Logik der erneuten Konfrontation bleibt in den politischen Zielen sowohl der USA als auch Israels verankert. Deshalb sollte die gegenw\u00e4rtige Phase nicht als Finale, sondern als Zwischenschritt verstanden werden. Iran ist nicht gebrochen. Die USA haben keine entscheidende L\u00f6sung erzwungen. Israel hat keine strategische Kontrolle\u00a0erreicht. Was wir erlebt haben, ist eine weitere brutale Runde in einem l\u00e4ngeren Konflikt, dessen Eins\u00e4tze inzwischen weit \u00fcber den Nahen Osten hinausreichen.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist zuerst bei RT auf <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.rt.com\/news\/634574-iran-war-us-hegemony\/\">Englisch<\/a>\u00a0erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Murad Sadygzade<\/strong>\u00a0ist\u00a0Pr\u00e4sident des Russischen Zentrums f\u00fcr Nahoststudien und Gastdozent an der Wirtschaftshochschule Moskau (HSE).<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013\u00a0<a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/freeassange.tech\/meinung\/272857-irans-erfolgreicher-widerstand-stellt-die-usa-vor-eine-entscheidung\/\">Irans erfolgreicher Widerstand stellt die USA vor die Entscheidung<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v74ryxa\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/de.rt.com\/der-nahe-osten\/273055-usa-haben-sich-in-iran\/\">Source link <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Washington projiziert, wie schon so oft zuvor, seine eigenen Annahmen auf eine politische Kultur, die es nur im Ansatz versteht. 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